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Soweit nicht anders angegeben, sind die Bibelverse folgender Ausgabe entnommen: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006, SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten. Weiter wurden verwendet: Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH &Co. KG, Witten. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart. Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Hoffnung für alle®, Copyright © 1983, 1996, 2002 by Biblica US, Inc., Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Bibeltext der Schlachter Bibelübersetzung. Copyright © 2000 Genfer Bibelgesellschaft. Wiedergegeben mit der freundlichen Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten. Die Schrift, Buber/Rosenzweig. Lizenzausgabe für die Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, 1997. Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel – Altes und Neues Testament. SCM, R.Brockhaus, Witten, 2008. Zürcher Bibel, Theologischer Verlag, Zürich, 2009.

© der deutschen Ausgabe 2016 Asaph-Verlag, ein Imprint von Fontis-Media GmbH, Lüdenscheid 2. Auflage (1. Auflage im Asaph-Verlag) 2016

Cover- und Innengrafiken: Rolf Gersdorf Druck und Bindung: CPIbooks

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Soweit nicht anders angegeben, sind die Bibelverse folgender Ausgabe entnommen: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006, SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten. Weiter wurden verwendet: Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus/SCM-Verlag, Witten. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart. Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Hoffnung für alle®, Copyright © 1983, 1996, 2002 by Biblica US, Inc., Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Bibeltext der Schlachter Bibelübersetzung. Copyright © 2000 Genfer Bibelgesellschaft. Wiedergegeben mit der freundlichen Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten. Die Schrift, Buber/Rosenzweig. Lizenzausgabe für die Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, 1997. Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel – Altes und Neues Testament. SCM, R.Brockhaus, Witten, 2008. Zürcher Bibel, Theologischer Verlag, Zürich, 2009. © der deutschen Ausgabe 2016 Asaph-Verlag, ein Imprint von Fontis Media GmbH, Lüdenscheid 2. Auflage (1. Auflage im Asaph-Verlag) 2016 Cover- und Innengrafiken: Rolf Gersdorf Druck und Bindung: CPIbooks Printed in the EU ISBN 978-3-95459-014-8 Bestell-Nr. 148014 Dieses Buch ist auch als Ebook erhältlich. Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an: Fontis Media GmbH, Pf. 2889, DE-58478 Lüdenscheid bestell@fontis-media.de – www.fontis-shop.de

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Inhalt Vorwort zur zweiten Auflage.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Prolog. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . I. So machen wir es – Das Konzept unserer Aufstellungsarbeit . . . . . . . . . I.1. I.2. I.3. I.4. I.5. I.6.

Zwei Tage sind selten ein hilfreicher Prozess . . . . . . . . Fokus Veranstaltungsort. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fokus Ausschreibung und Anmeldung .. . . . . . . . . . . . Fokus Team. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fokus Wochenablauf.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Segnungsraum – Beziehungsraum, in dem Gott unserer Gebrochenheit begegnet.. . . . . . . . . . . . . I.7. Das Herz verbinden.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . I.8. Gebet? Segnung? Heilung? Befreiung? Reinigung? . . I.9. Mein Herr, erhöre! Mein Herr, verzeih! Mein Herr, vernimm und tu! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . I.10. Die gehorsame Marthe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . I.11. Leitfaden der Aufstellung – Inneres Bild, Störungsbild, Dialogarbeit. . . . . . . . . . . . I.12. Ein Wort zur Nacharbeit und weiteren Begleitung. . .

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II. »Sei nicht!«. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 II.1. Lisas Aufstellung .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 II.2. Reflexion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55

III. Wiederauferstehung der Würde.. . . . . . . . . . . . . . . . . 64 III.1. Ulrikes Aufstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 III.2. Reflexion. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 III.3. Grundthema: Entwürdigte Frauen. . . . . . . . . . . . . . . . 85

IV. Welche Kraft wirkt hier eigentlich? Phänomene in der Auf­stellungsarbeit und ihre biblische Einordnung . 89 IV.1. IV.2. IV.3. IV.4.

Ein Satz, der es in sich hat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das ist verrückt!.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Aufschrei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wissendes Feld, Repräsentierende Wahrnehmung und Spiegelneurone. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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IV.5. Dinge kommen ans Licht? Richtig oder falsch? Gut oder böse?. . . . . . . . . . . . . . . IV.6. Das Unerklärbare erklärbar machen? Wie war das mit dem Glauben?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . IV.7. In welchem Geist? .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IV.8. Die verborgene Kraft der Seele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IV.9. Ich liebe dich und der Junge im Matrosenanzug .. . . . IV.10. Meine Schlussfolgerungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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V. Der verlorene Vater und der Vaterkuss . . . . . . . . . . . 116 V.1. V.2.

Siegfrieds Aufstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Reflexion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123

VI. Die unterbrochene Hinbewegung. . . . . . . . . . . . . . . . 154 VI.1. VI.2. VI.3. VI.4. VI.5. VI.6.

Ich finde nicht zu mir selbst .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154 Beziehungsbindung – Gottes Erfindung .. . . . . . . . . . . 160 Auf dem Tisch, auf dem Stühlchen, auf dem Töpfchen. 161 Sich in die aufgewölbte Hand einschmiegen . . . . . . . . 163 Die verlorene Axt zum Schwimmen bringen . . . . . . . . 164 Unterbrochene Hinbewegung – Ursprung und Begriffsklärung .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171 VI.7. Unterschiedliche Ursachen für die Unterbrechung der Hinbewegung zu primären Bindungspersonen .. . 173 VI.8. Eine unterbrochene Hinbewegung wieder aufnehmen . 174 VI.9. Wann ist eine Hinbewegung abgeschlossen oder erfolgreich?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177 VI.10. Sich binden und sich lösen können – Grundfähigkeiten unseres Lebens .. . . . . . . . . . . . . . . . 178 VI.11. Vater und Mutter ehren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179 VI.12. Gottes Geist wirkt über Zeit und Raum hinaus.. . . . . 182

VII. Wiederherstellung unseres »sicheren Ortes«. . . . . 184 VII.1. Eine Stadt in Trümmern .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII.2. Umkehr, die Brücke zwischen Betroffenheit und Wiederherstellung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII.3. Wo ist der sichere Ort? .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII.4. Heilung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII.5. Er wird beide miteinander versöhnen .. . . . . . . . . . . . . VII.6. Die Erkenntnis Christi – Ein Gebet von Romano Guardini .. . . . . . . . . . . . . . . .

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VIII. Generationenverflechtung – Das Drama begann vor Verdun. . . . . . . . . . . . . . . . . . 220 VIII.1. Elisabeths Aufstellung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220 VIII.2. Reflexion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 226

IX. Ich entlasse dich aus dem Joch meiner Anklage – Vergebung und Versöhnung im Kampf mit Angst und Anklage. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241 IX.1. IX.2. IX.3. IX.4.

»Wie viele Jahre willst du mich noch hassen?«. . . . . . 242 Was ist ein Joch?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 244 Der Sinn einer unguten Bindung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245 Mein persönliches Bindungskonzept – Mein persönliches Bewältigungsmuster . . . . . . . . . . . . 247 IX.5. Das Joch der Angst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 248 IX.6. Das Doppeljoch der Angst und der Anklage .. . . . . . 250 IX.7. Offensichtliche oder versteckte Anklage. . . . . . . . . . . . 251 IX.8. Menschen, die in der Anklage bleiben wollen, und solche, die noch nicht loslassen und vergeben können. 252 IX.9. Sünde und die Wurzeln der Bitterkeit. . . . . . . . . . . . . . 256 IX.10. Die Entlassung aus dem Joch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259

X. Zugang zum Inneren Kind. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 266 X.1. Selbstwerterhöhende Ressource. . . . . . . . . . . . . . . . . . . X.2. Der Begriff »Inneres Kind«.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . X.3. Das Wühlen in Kindheitserinnerungen macht doch keinen Sinn. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . X.4. Gottes geliebtes Kind . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . X.5. Wann ist die Übung mit dem Inneren Kind hilfreich?..

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XI. Familienstellen auf christlicher Basis – (M)eine Positionsbestimmung .. . . . . . . . . . . . . . . . . . 284 XI.1. XI.2. XI.3. XI.4. XI.5.

Die ethischen Grenzen systemischen Denkens. . . . . . . Der persönliche Gott – Unser Problem. . . . . . . . . . . . . Marktplatz der Messiasse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Schlachtfeld der Post-Moderne ist alt. . . . . . . . . . Die Eckpunkte meiner Positionierung für eine biblisch-seelsorgerlich orientierte Aufstellungs­arbeit..

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Schlussgedanken. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 306 Bibliografie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 310 Quellen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 315

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Vorwort zur zweiten Auflage Schon wieder haben Sie ein Buch aus der riesigen Psychoecke in der Hand. Muss das sein? Besonders, wenn es hier um ein Thema geht, das schon seit Jahren wie ausgelutscht erscheint. Als Oldie in der Psychobranche hatte ich schon vor Jahren entschieden, dass für mich die Methode des Familienstellens nach Bert Hellinger nicht infrage komme. In der Fachliteratur erschien mir alles zu wenig nachvollziehbar und esoterisch angehaucht. Aber dann sah ich im Programm des APS-Kongresses (Akademie für Psychotherapie und Seelsorge) 2015 in Würzburg die Ankündigung eines Seminars von Rolf Gersdorf über die verändernde Dynamik durch die Familien- und Systemaufstellung auf biblischer Basis. Also kann man sich mit diesem Thema auch außerhalb der Esoterik befassen? Dann nichts wie hin! Vielleicht geht es Ihnen, wenn Sie auch Therapeut oder Berater sind, ähnlich wie mir: Wenn man sich schon lange mit »Psychokram« beschäftigt, verblassen im Laufe der Zeit die vielen Methoden. Nur die erlernte Basis und einige ergänzende Varianten bleiben erhalten. Besonders prägend sind aber die persönlichen Erfahrungen und Begegnungen mit Therapeuten und Methoden. So erging es auch mir mit dem oben genannten Schnupperangebot mit Rolf Gersdorf. Die Methode war mir in der Theorie schon vorher bekannt gewesen, aber niemand kann genau sagen, wie sie funktioniert. Die persönliche Offenheit, die eigene Erfahrung mit der Methode und die große Empathie des Autors mit den mutigen Tagungsteilnehmern machte mich neugierig. Natürlich hatte ich das Buch, das nun in der zweiten Auflage vorliegt, durchgearbeitet, bevor ich mich mit meiner Frau im November 2015 zu einer Seelsorgewoche bei ihm anmeldete. Als altem »Psychofuzzi« (Baujahr 1939, zur Generation der Kriegskinder gehörig) war mir verstandesmäßig vieles schon bekannt gewesen.

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Der Umgang von Rolf Gersdorf mit den vielen problembeladenen Mitseminaristen beeindruckte mich sehr. So traute ich mich auch, mich mit meinen offenen Fragen zum Umgang mit meinen erwachsenen Söhnen in die Mitte zu stellen. Und was passierte? Anstelle einer intellektuellen Empfehlung erlebte ich völlig unerwartet eine hochemotionale Begegnung. Mein Vater, den ich mit dem Gesicht zur Wand in eine Ecke gestellt hatte – schließlich hatte ich ihn durch den Krieg nicht kennenlernen können –, wurde plötzlich zur Zentralfigur. Meine unerledigte große Vatersehnsucht brach sich unvermittelt Bahn und ich konnte durch den Vater-Stellvertreter, den ich vorher ausgesucht hatte, eine liebevolle Erfahrung machen, die mich tief bewegte. Ein veränderter Umgang mit meinen Söhnen ergab sich nach diesem Erlebnis fast wie von selbst. Ich wünsche den vielleicht noch zögerlich interessierten Lesern, dass das vorliegende Buch sie ermutigt, Selbsterfahrungen mit dem Familienaufstellen zu sammeln, und dass dabei Eigenerkenntnisse gepaart mit neuen guten Glaubenserfahrungen möglich werden. Dr. Eckhard Franzius Arzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapeut August 2016

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Prolog Oktober 2003. Ich fahre voller Angst eine Straße in Richtung Sü­den zu einem Tagungshaus. In Panik und unter großem inneren Druck schleudert es mich in einer Sekunde der Unaufmerksamkeit fasst aus einer Kurve heraus auf einen Acker. Adrenalin stößt wie direkt injiziert in meine Blutbahnen, meine Herzfrequenz steigert sich ins Unermessliche. Als einer, der in den meisten Stresssituationen seines Lebens, in den unterschiedlichen Rollen als Therapeut, Leiter, Vater, Mitarbeiter u. Ä. normalerweise cool und ruhig bleibt, finde ich mich an dem Punkt meines größten Stresses wieder. Die bisher gut funktionierende Kontrolle meines Lebens scheint kläglich zu versagen. Eine halbe Stunde später öffne ich die Tür zu einem Seminarraum und bin innerhalb von Sekunden inmitten eines Seminares für Familienaufstellungen. 20 Teilnehmer haben schon eine Woche therapeutischer Intensivarbeit hinter sich und ich soll für die nächsten eineinhalb Tage Teil dieser Gruppe werden, die sich schon längst in einem vertrauten und intensiven gruppendynamischen Prozess befindet. »Das ist jetzt ein steiler Einstieg. Das wird nicht leicht für dich. Du bist gleich dran mit deiner Aufstellung! Die anderen haben alle schon gestellt.« Ich konnte mir kaum einfühlsamere Worte und einen leichteren Einstieg zu meiner Familienaufstellung wünschen … Monate vorher hatte ich mich zu diesem Seminar angemeldet, um als Therapeut meiner Neugier auf Familienaufstellungen mit biblischer Grundlage nachzugehen. Eine interessante Methode und Vorgehensweise, die möglicherweise auch im Rahmen unserer Arbeit zum Einsatz kommen könnte und die mich natürlich als Familientherapeut reizte. Eine willkommene Fortbildung. Dass ich zum Zeitpunkt des Seminars in einer meiner tiefsten Krisen stecken würde, ahnte ich da noch nicht. Durch die klaren Grenzziehungen und Konfrontationen meiner Frau Dorothea kam ich insbesondere in den letzten Wochen vor dem Seminar

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immer mehr mit einer äußerst schmerzhaften, tiefsitzenden Angst in Berührung. Viele Jahre, ja letztendlich mein gesamtes Leben, hatte ich diesen Schmerz wohl »gehütet«, hatte mich gedreht und gewunden, wenn ich schon mal in seine Nähe kam, und hatte ihn insbesondere mit Aggression »verteidigt«. Dabei hatte ich schon viele Jahre als Leiter einer therapeutischen Einrichtung, in der ich ja täglich diese Schmerzen bei anderen sah und auch begleitete, gearbeitet. Das erste Mal in meinem Leben spürte ich nun ganz bewusst diese abgrundtiefe Angst, eine echte Lebensbedrohung. Die ge­samte Woche vor dem Seminar war davon geprägt gewesen. Die Nächte hatte ich jeweils kaum mehr als drei Stunden geschlafen – weder Gott noch meine Frau konnten mich wirklich trösten. Noch jetzt, während ich dies schreibe, pocht mir mein Herz vor innerer Bewegtheit. Intuitiv hatte ich meine Hände während der Nächte auf meinen Bauch und mein Herz gelegt, um wenigstens etwas schützenden Kontakt zu spüren. Panikattacken in den Nächten hatten mich dazu gebracht, mich wie ein ungeborenes Kind zusammenzurollen, um Schutz zu suchen. Etwas in mir muss geahnt und gespürt haben, dass ich genau das im Mutterleib und auch in den ersten eineinhalb Jahren meines Lebens nicht erfahren hatte. Die Tage im Schloss Craheim – ich nenne sehr bewusst diesen Ort – und die Menschen, die mir dort begegneten, wurden mir zum Durchbruch und zur wichtigsten Grunderfahrung der Heilung tiefer Wunden und Irritationen meines Lebens durch Gottes Handeln. Solche Orte und Menschen, die bewusst seelsorgerliche Hilfe auf Grundlage des biblischen Glaubens und einer persönlichen Gottesbeziehung und -erfahrung anbieten, sind kostbar und dringend notwendig. Die tiefe Erfahrung mit meiner eigenen Familienaufstellung, die sensible und fachlich versierte Begleitung durch den Leiter und seine Mitarbeiter, die liebevolle Unterstützung und Stärkung durch die Gruppe, die gute Versorgung im Tagungshaus und vieles mehr, dies alles waren die »Zutaten« des Geistes Gottes für meinen persönlichen Heilungsprozess.

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Jahre nach diesem Erlebnis blicken wir als Beratungsarbeit und ich selbst als Therapeut auf inzwischen viele eigene Erfahrungen mit dem Familienstellen auf biblischer Grundlage zurück. In den Anfängen führten wir viele Seminare mit Dr. Erwin Scharrer durch, der sozusagen als Pionier mit Familienaufstellungen auf biblischer Basis im Bereich christlicher Gemeinden begann. Hinzu kamen gemeinsam konzipierte Fortbildungen mit christlichen Beratern und Therapeuten, die wir schließlich zu einer Ausbildung für christliche Aufstellungsarbeit weiterentwickelten. Ich persönlich kenne kaum eine andere Methode als die des Familienstellens, die derart intensiv an die Grundkonflikte unseres Lebens heranführt, diese in eine klärende Bearbeitung bringt und schließlich einen solchen Raum für das befreiende und heilende Handeln Gottes in unserem Leben eröffnet. Es berührt mich tief, wenn ich als Therapeut und Seelsorger die Menschen in unseren Seminaren erlebe, die ihre Herkunftsfamilien aufstellen und erfahren, dass sie in ihre Kraft kommen, um wesentliche Beziehungs- und Konfliktklärungen ihres Lebens endlich mit heilsamen Erfahrungen zu bewältigen. »In die Kraft gehen« oder »in die Kraft kommen« sind Beschreibungen, die ich in diesem Buch immer wieder verwende. Es handelt sich dabei um eine therapeutische Aufforderung, mit der ich die Aufsteller während der Familienaufstellung immer wieder ermutige, in der Klärung und im Prozess zu bleiben, sich aufzurichten, statt sich zu verkrümmen und zurückzuziehen.

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Einleitung In den letzten Jahren sind Familien-, System- und Organisations­ aufstellungen sehr populär geworden, und dies nicht nur im säkularen Bereich. Seminarteilnehmer berichten häufig von erstaunlichen Entdeckungen, Erfahrungen, Veränderungen und auch Heilungen, sowohl psychisch-emotionaler wie auch körperlicher Art. Schaut man im Internet unter dem Stichwort »Familienstellen« nach, so wirft die Suchmaschine Google in weniger als einer Sekunde über 800 000 Ergebnisse aus. Auch dem in diesem Bereich der Lebenshilfe wenig bewanderten Leser wird schnell klar, dass es hier einen regelrechten Boom gibt. Populär geworden ist die Methodik des Familienstellens durch Bert Hellinger, der Anfang der 90-er Jahre mit seiner Aufstellungsarbeit in Großveranstaltungen Aufsehen erregte. Sowohl von vielen Menschen, die auf der Suche nach Hilfe waren, als auch von Beratern und Helfern aus der psychosozialen und therapeutischen Szene und dem Bereich alternativer oder auch esoterisch geprägter Heilverfahren wurde die Vorgehensweise schnell als geradezu revolutionär angesehen, da sie von ihren Wirkweisen her sehr effizient zu sein schien. Das Grundlagenbuch »Ordnungen der Liebe« (Hellinger, 2002) von Bert Hellinger gibt einen guten Einblick in die Grundzüge des Familienstellens, wie es zu Beginn der Neunzigerjahre entstand, und insbesondere in die Sicht- und Arbeitsweisen des »frühen« Hellingers. Im Laufe der Zeit bildeten sich im Bereich des Familienstellens wesentlich zwei Lager, die Pro- und die Anti-Hellinger-Fraktion. Bekannte Systemische Therapeuten (wie z. B. Arist v. Schlippe, Autor »Lehrbuch der systemischen Therapie) distanzierten sich später öffentlich von ihm, andere, wie z. B. Gunthard Weber (als einer der ersten Mitarbeiter Helm Stierlins in Heidelberg an vielen Initiativen und Aktivitäten beteiligt, die für die Etablierung systemischer Konzepte in Therapie, Supervision und Beratung in Deutschland von Bedeutung waren), sorgten lange dafür, dass Hellinger sehr populär wurde.

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Seit der Jahrtausendwende beschäftigen sich zunehmend auch christliche Berater und Therapeuten mit der Aufstellungsarbeit, die aber nach wie vor im Bereich christlicher Seelsorge umstritten ist. So warnte z. B. Dr. Michael Utsch, Dipl.-Psychologe und Psychoanalytiker, Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin, 2005 in einem Artikel des Bischöflichen Seelsorgeamtes Augsburg zur Auseinandersetzung mit der Aufstellungsarbeit Bert Hellingers: »Als eine christliche Seelsorgemethode kann das Familienstellen deshalb nicht gelten. Vor diesem Hintergrund sollte auch die Vergabe kirchlicher Räume zum Zweck von Familienaufstellungen geprüft werden.« (Utsch, 2005b). Seine, von mir so verstandene, Verallgemeinerung der Kritik an Hellingers Aufstellungstheorie und -praxis auf die gesamte Aufstellungsarbeit wird der Fachlichkeit, Seriosität und Effektivität, mit der diese Methode heute von vielen Therapeuten und Beratern angewendet wird, nicht gerecht. Und auch die von ihm offenbar intendierte Nicht-Anwendbarkeit für den Bereich christlicher Seelsorge ist so meines Erachtens nicht haltbar, auch wenn seine auf Hellinger bezogene Kritik von mir weitgehend geteilt wird. Inzwischen hat sich der Bereich der System- und Familienaufstellungen aber breit differenziert, auch im Bereich christlicher Seelsorge und Beratung. Die Unterscheidung, was z. B. für eine christlich begründete Aufstellungsarbeit anwendbar ist und was eher nicht, ist zwar dadurch sicherlich nicht leichter geworden. Aber es ist deutlich, dass es neben sehr vielen esoterisch geprägten Aufstellungsangeboten eine ganze Reihe fachlich kompetenter systemischer Ansätze und auch Weiterentwicklungen in diesem Bereich gibt, die aus meiner Sicht mit einer biblisch-seelsorgerlich begründeten Aufstellungsarbeit gut zusammengehen. Mein Anliegen ist es nicht, Aufstellungsarbeit als neue christliche Seelsorgemethode zu etablieren. Vielmehr geht es mir darum, dass Aufstellungsarbeit als systemische Methode fachlich kompetent im Zusammenhang mit unterschiedlichen christlichen Seel­sorgeansätzen und aus einer klaren seelsorgerlichen Grundhaltung und Verantwortung geschieht.

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Mit diesem Buch möchte ich daher: •• einen fundierten Einblick in die Aufstellungsarbeit auf bib­lischer Grundlage geben. •• zum Thema Aufstellungsarbeit eine wichtige fachliche und geistliche Orientierungshilfe für die Bereiche christlicher Beratung, Therapie und Seelsorge bieten. •• Neugierige ermutigen, sich auf die Suche nach ihren familiären Wurzeln und Zusammenhängen zu machen. •• Hilfesuchende, die bisher eher an den Symptomen ihrer Probleme gearbeitet haben und die Zusammenhänge ihrer Herkunftsfamilien und Gegenwartsfamilien nicht im Blick hatten, herausfordern, die grundlegenden Störungen und Prägungen, die genau in diesem Bereich liegen, zu erkennen. •• Menschen ermutigen, durch Aufstellungsarbeit an ihre ei­genen Kraftressourcen und damit zu den entscheidenden Beziehungsklärungen ihres Lebens zu gelangen. •• Suchende mit der Liebe und Kraft Gottes in Berührung bringen, die sich in Jesus Christus offenbart und die Grundlage für die heilsamen Erfahrungen in der Aufstellungsarbeit in einem klaren christlichen Kontext bietet. •• Laien wie auch Fachleute aus den Bereichen Seelsorge, Be­ratung und Therapie ansprechen, die sich bewusst für eine christlich-biblisch fundierte Aufstellungsarbeit interessieren. Zu diesem Zweck werde ich mich in diesem Buch mit fachlichen und biblischen Hintergründen des Familienstellens auseinandersetzen und anhand praktischer Erfahrungen eine christlich-seelsorgerlich begründete Aufstellungsarbeit beschreiben. Um dem Leser die Vorgehensweise, Dynamik und die teilweise erstaunlichen Erfahrungen mit dem Familienstellen auf biblischer Grundlage nahezubringen, greife ich auf viele Praxisbeispiele der eigenen Arbeit zurück. Mein Dank gilt daher insbesondere den wunderbaren Menschen, die sich auf die Aufstellungsarbeit in unseren Seminaren eingelassen haben und mit ihrem Einverständnis zur anonymi-

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sierten oder teilweise verfremdeten Veröffentlichung ihrer tiefge­henden persönlichen Erfahrungen dem Leser ein besonderes Lern- und Erfahrungsfeld zugänglich machen. Ich danke diesen Menschen für ihr Vertrauen, sich auf solch eine tiefgreifende Er­fahrung der Arbeit mit der Herkunftsfamilie und der eigenen, oft von schwierigen Erfahrungen geprägten Biografie einzulassen. Dank gilt außerdem: •• meinen kompetenten Mitarbeiterteams, insbesondere Martina, Artur und Carmen, ohne die diese intensive Arbeit mit den Teilnehmern in unseren Aufstellungsseminaren nicht möglich wäre. •• meiner Frau Dorothea, die mich mit ihren Erfahrungen als Autorin und als meine engste Vertraute mit ihrer besonderen Gabe der Ermutigung in diesem Projekt unterstützt hat. •• Dr. Erwin Scharrer, durch den ich Grundlegendes zum Thema Familienstellen auf biblischer Grundlage gelernt habe und der mir jahrelang vertrautes Gegenüber in unseren gemeinsamen Seminaren und Schulungen war. •• Dr. Gottfried Wenzelmann, der mir besonders durch die frühere Zusammenarbeit in unserer Ausbildung für Leiter von Familienaufstellungen ein lieber und kompetenter Kollege wurde. Mit eigener Autorenerfahrung und theologisch-geistlichem Tiefenblick korrigierte er das Buch und gab wertvolle Hinweise. •• Susanne und Gottlob Heß, die uns persönlich und unsere Arbeit von Leben im Kontext e.V. schon seit vielen Jahren als geistliche Mutter und Vater begleiten und mit ihrer Durchsicht des Manuskriptes wertvolle Ermutigungen und Anstöße gegeben haben. •• dem Asaph-Verlag, der die Neuauflage dieses Buches ermöglichte. •• Mozart, Albinoni, Michael W. Smith, Amos Lee, Sting, Keith Green, Jan Gabarek und andere, die mich während der Erarbeitung dieses Buches mit Ihrer Musik inspirierten und berührten.

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I. So machen wir es – Das Konzept unserer Aufstellungsarbeit Es ist uns wichtig, christlichen Gemeinden und Kirchen, Interessierten, Ratsuchenden und Kollegen das Konzept unserer Aufstellungsarbeit transparent und damit verständlich und zugänglich zu machen. Aufstellungen werden heute in den Bereichen Beratung, Therapie, Supervision und Coaching und in vielen unterschiedlichen Settings durchgeführt, z. B. in Form von: •• Aufstellungen mit Familien innerhalb der familientherapeutischen Arbeit •• Aufstellungen mit Figuren und anderen kreativen Mitteln innerhalb der Einzel-, Paar- oder Familienberatung •• Aufstellungen mit Stellvertretern während eines Gruppenprozesses •• Aufstellungen mit Symbolen etc. •• Organisations- und Systemaufstellungen mit Teams in In­stitutionen und Unternehmen. In der Familienaufstellung können sowohl die Herkunftsfamilie als auch die aktuelle eigene Gegenwartsfamilie aufgestellt werden. In den vergangenen 15  Jahren hat sich eine große Vielfalt von Aufstellungsarten entwickelt. Dabei scheinen der therapeutischen Kreativität und dem Einfallsreichtum der unterschiedlichen Aufstellungsrichtungen und ihrer Entwickler kaum Grenzen gesetzt zu sein. Im Zusammenhang dieses Buches geht es um die klassische Aufstellungsarbeit in der Gruppe und von daher mit Stellvertretern, die nicht tatsächliche Familienmitglieder sind. 2004 begannen wir mit zweitägigen Veranstaltungen, an de­nen jeweils ca. 24 Personen teilnahmen und von denen 6–7 ihre

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Herkunfts- oder Gegenwartsfamilie aufstellten. D. h., dass in diesen Seminaren, wie es auch bei vielen anderen Anbietern von Aufstellungen üblich ist, eine ganze Reihe interessierter Menschen teilnahm, die zwar als Stellvertreter zur Verfügung standen, aber nicht selbst ihre Familie stellten. Gegen diese Form der Arbeit ist sicherlich nicht generell etwas einzuwenden. Es ist allerdings interessant, was z. B. Oliver König in seinem Grundlagenbuch über das Familienstellen zur Arbeit mit der Gruppe schreibt: »Selbst wenn der Gruppenprozess in der Arbeit keine explizite Beachtung findet, so entwickelt doch jede Aufstellungsgruppe im Verlauf einer Woche eine eigene Gestalt. Ab dem zweiten Tag haben sich alle in die Arbeitsform mit ihrem speziellen Rhythmus eingefunden … Da meine Gruppen die Größe von 15 Teilnehmern in der Regel nicht übersteigen, hat am Ende der Woche jeder mit jedem in irgendeiner Weise nicht nur eine Erfahrung gemacht, sondern auch eine Begegnung haben können.« (König, 2004, S.  276; Hervorhebung durch den Autor). Gruppengröße und zeitlicher Rahmen einer Seminarwoche stehen hier also in engem Zusammenhang mit einem offenbar intendierten Gruppenprozess. Vor einigen Jahren nahm ich an einem eineinhalbtägigen Aufstellungsseminar einer bekannten Aufstellungsleiterin teil. Das Seminar fand in einem hundert Quadratmeter großen Raum statt, in dem sich ca. 60 Männer und Frauen einfanden. Es schien noch nicht klar zu sein, wer von diesen Personen aufstellt, dies ergab sich dann im Laufe des Seminares. Eine psychisch kranke Teilnehmerin fiel mir nach ihrer Aufstellung auf. Sie stand in den Pausen immer wieder abseits und befand sich in hoher emotionaler Anspannung. Es gab niemanden von den Verantwortlichen, der sich um sie gekümmert hätte. Auch von der Gruppe fühlte sich niemand in irgendeiner Weise verantwortlich. Sie ging mit ihrem Schmerz, dem Angerührten und Aufgewühlten in der großen Gruppe unter. Auf meine Ansprache hin reagierte sie erleichtert und war überrascht, dass jemand nach ihrem Ergehen fragte. Ihr ging es nicht gut und sie fühlte sich durch mein Fragen ermutigt, sich selbst um Unterstützung zu kümmern.

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I.1. Zwei Tage sind selten ein hilfreicher Prozess Finanziell ist der Ausrichter des gerade beschriebenen Seminars mit einem Umsatz von über 8 000  Euro in eineinhalb Tagen »ziem­lich gut aufgestellt« gewesen. Die Aufstellungen selbst waren fachlich gut geleitet, das Setting war aus meiner Sicht an einigen Stellen grenzwertig. Mir geht es hier nicht darum, über andere Kollegen den »Stab zu brechen«. Allerdings lösten meine Erfahrungen verständlicherweise eine Reihe von Fragen und auch Fantasien aus. In den Zusammenhängen unserer Arbeit hatten wir uns schon vor dieser gerade beschriebenen Erfahrung entschieden, Aufstellungen nur noch im Rahmen von Seminarwochen anzubieten. Zwei Tage sind aus unserer Sicht selten eine wirklich hilfreiche Erfahrung für die Teilnehmer von Aufstellungen. Es kommt kaum zu einer wirklichen Gruppenbildung oder einem vertiefenden und unterstützenden Gruppenprozess. Teilnehmer fahren in der Regel abends wieder in ihre gewohnte Umgebung zurück. Es gibt für sie zeitlich keinen Raum, das Erfahrene »sacken« zu lassen. Ebenso gibt es kaum bis keine Möglichkeit zur Unterstützung durch Mitarbeiter, falls dies notwendig oder gewünscht ist. Auf diesem Hintergrund entschieden wir uns, auch wenn es von der Zeit, den Finanzen und Mitarbeitern her aufwendig ist, therapeutische Familienaufstellungen im Wesentlichen nur noch im Rahmen mehrtägiger gruppentherapeutischer Angebote durch­zuführen.

I.2. Fokus Veranstaltungsort Der Seminarort hat für uns als Veranstalter einen hohen Stellenwert. Besonders gute Voraussetzungen dafür bietet uns seit Jahren ein altes Stift in Obernkirchen in Niedersachsen, eine Tagungsstätte der Geistlichen Gemeindeerneuerung innerhalb der evangelischen Kirche. Ich hebe diese Einrichtung deshalb bewusst hervor, weil sie ein seelsorgerlich ausgerichtetes Tagungshaus ist,

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in dem seit vielen Jahren eine entsprechende einladende, familiäre Atmosphäre und eine Atmosphäre des Gebets bestehen. Ein weiterer Pluspunkt ist die Tatsache, dass wir jeweils nur mit unserer Seminargruppe das Haus belegen und dass dadurch ein besonders geschützter Rahmen für die Teilnehmer und Mitarbeiter besteht. In der Regel hat jeder Teilnehmer ein Einzelzimmer, das ihm während des Seminars immer wieder die Möglichkeit des Rückzugs bietet. Das gesamte Ambiente des Stiftes lädt zur inneren Einkehr, Ruhe und Besinnung ein und schafft Raum, sich mit intensiven Fragestellungen des Lebens auseinander­zu­ setzen.

I.3. Fokus Ausschreibung und Anmeldung In den Ausschreibungen unserer Aufstellungswochen machen wir deutlich, dass es sich um ein christlich-seelsorgerlich ausgerichtetes Seminar handelt, in dem Gebet, seelsorgerliche Gespräche und Themen wie die »Heilende Gegenwart Gottes erfahren« und »Verstrickungen durchschauen und Verletzungen der Heilung zuführen« einen wichtigen inhaltlichen Stellenwert haben. Jeder Teilnehmer unserer Aufstellungswochen erhält im Zusammenhang mit dem Anmeldeverfahren einen Fragebogen, ­ durch den wir Informationen zu seiner Biografie, zur Motivation der Teilnahme an der Aufstellungswoche und zum Anliegen/ zur Frage- oder Problemstellung bekommen. Es kann sein, dass sich dadurch im Vorfeld weitere Klärungsfragen für uns oder den Teilnehmer ergeben oder dass wir möglicherweise empfehlen, nicht an der Aufstellung teilzunehmen. Dies ist der Fall, wenn sich jemand in einer akuten Krise befindet, in der aus therapeutischer und fachärztlicher Sicht eine Teilnahme an solch einem intensiven gruppentherapeutischen Aufstellungsseminar überfordernd und damit nicht sinnvoll wäre. So es uns möglich ist, stellen wir eine Gruppe zusammen, in der der Anteil der Männer und Frauen möglichst ausgewogen ist.

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I.4. Fokus Team Wir führen die Aufstellungsseminare grundsätzlich nur mit einem Team von vier Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen durch. Außer mir als Aufstellungsleiter sind dies therapeutisch und seelsorgerlich langjährig erfahrene Mitarbeiter. Im Vorfeld der Woche nehmen wir uns u. a. ausführlich im Gebet Zeit für die inhaltliche Vorbereitung. Für mich als Leiter bedeutet es eine große Erleichterung, mich im Wesentlichen auf die Aufstellungsarbeit konzentrieren zu können, während alle anderen Verantwortlichkeiten beim Team liegen. Die Teilnehmerrückmeldungen belegen, dass diese Vorgehensweise ein großes Maß an Sicherheit, Geborgenheit und Schutz vermittelt und dass sich jeder während der Woche im Prozess gut aufgehoben fühlt. Es ist von unschätzbarem Wert, ein Team mit Mitarbeitern zu haben, die während der Seminarzeit kontinuierlich beten und die Prozessabläufe und -dynamik mit im Blick haben.

I.5. Fokus Wochenablauf Häufig werden wir als Veranstalter gefragt: »Wie läuft denn so eine Aufstellungswoche ab?« Damit sich Interessenten und Leser dazu ein möglichst klares Bild machen können, stelle ich den Ablauf hier kurz vor. Die Seminare beginnen in der Regel Mittwochnachmittag, sodass für Anreisende aus größeren Entfernungen genügend Anreisezeit eingeplant ist. Der Beginn in der Wochenmitte ist deshalb günstig, weil die Teilnehmer dann nicht eine gesamte Arbeitswoche für das Seminar einplanen müssen. Das Seminar beginnt mit einem geistlichen Einstieg und mit ei­ner ausführlichen Vorstellungsrunde. Die in der Regel 15 Aufstellungen verteilen sich dann auf diesen ersten und die nächsten drei Tage. Am Tagesbeginn steht jeweils eine gemeinsame geistliche Einstimmung zu einem grundlegenden Beziehungsthema, wie z. B.

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dem der Selbstannahme und dem Angenommen-Sein bei Gott, der Vaterschaft Gottes, der Vergebung oder einem ähnlichen Grundthema des Glaubens, der Beziehung zu sich selbst, zu den Mitmenschen und zu Gott. Während der Woche besteht für die Teilnehmer immer Gelegenheit zu Fragestellungen, die das Thema Familienaufstellung und die aktuellen Erfahrungen der Teilnehmer betreffen. Zu Be­ginn eines jeden Tages nehmen wir uns Zeit für eine ausführliche Gruppenrunde, in der jeder seine derzeitige Befindlichkeit, sein aktuelles Thema oder eine wichtige Fragestellung etc. benennen kann. Ähnliches beschreibt Oliver König: »So beginne und beende ich jeden Tag mit einer Runde der Teilnehmer, in der sie in kurzen Sequenzen im Dialog mit mir ihr Thema verfolgen, es verändern oder überhaupt erst finden. Diese Runden begleiten die Aufstellungsarbeit, bereiten diese vor und bieten einen Ort, die dadurch ausgelösten Prozesse zu rahmen. Ich möchte dies deutlich abheben von einer Praxis der Aufstellungsarbeit, die sich weitgehend in den Aufstellungen erschöpft, deren Vertreter sogar glauben, jeder weitere Diskurs sei kontraproduktiv, und sich stattdessen auf die irgendwie gearteten ›Kräfte‹ der Aufstellung verlassen, ohne dies weiter therapeutisch zu rahmen.« (König, 2004, S.  150). Ich kann aus unserer Erfahrung diesen Standpunkt Königs nur unterstreichen, auch wenn sicher darauf geachtet werden muss, dass die wichtigen Erfahrungen der Aufstellungsteilnehmer nicht »zerredet« werden. Ein Abend in der Woche ist bewusst immer dem gemeinsamen Feiern und der Entspannung gewidmet und wird von den Teilnehmern selbst organisiert und ausgerichtet.

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I.6. Segnungsraum – Beziehungsraum, in dem Gott unserer Gebrochenheit begegnet Höhepunkt ist am Abschlusstag der Seminarwoche ein mehrstündiges Gebets- und Segnungsangebot in der Gruppe, bei dem jeder Teilnehmer die Möglichkeit hat: •• mit sich für wichtige Aspekte, die ihm während der Aufstellungswoche deutlich geworden sind, beten zu lassen, •• sich segnen zu lassen, •• Loslösung, Befreiung, Vergebung und Vergebungszuspruch zu erfahren, •• konkrete Erfahrungen mit dem Hörenden Gebet zu ma­chen. Unsere Erfahrungen und die Rückmeldungen der Teilnehmer zeigen, dass diese Zeit neben der eigenen Aufstellungserfahrung, die jemand erlebt hat, immer wieder ein ganz wesentlicher Teil der Seelsorgewoche ist. Hier wird deutlich, dass befreiende und heilsame Seelsorge durch konkreten Zuspruch Gottes erlebt werden kann und dass dadurch etwas geschieht, das über die therapeutische und psychologisch fundierte fachliche Arbeit weit hinausgeht. Gottes Heiliger Geist wirkt in der gesamten Woche. Allerdings verdichtet sich in dieser Gebetszeit am Schluss noch einmal Wesentliches oder es geschehen sogar entscheidende Schritte der Befreiung und Heilung. Die Vergebung dem Vater, der Mutter oder auch den Geschwistern gegenüber, die in der Woche oder im direkten Zusammenhang mit der eigenen Aufstellung noch nicht möglich gewesen ist, kommt hier häufig zum Durchbruch. Oft erleben wir als Mitarbeiterteam während dieser Zeit, dass durch das Gebet wichtige Impulse und Eindrücke deutlich werden, die für den jeweiligen Teilnehmer bisher noch nicht im Blickpunkt standen. Insbesondere der Segenszuspruch im Gebet hat eine be­sonders freisetzende und ermutigende Wirkung. Auch wenn oft noch einmal Schmerz und Trauer hochkommen und es in dieser

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Zeit viele Tränen gibt, so fließen insbesondere Gottes Liebe, seine Ermutigung und sein Zuspruch in die Herzen der Teilnehmer. Die Erfahrung der Gegenwart Gottes und sein konkretes Wirken durch den Heiligen Geist führen die Teilnehmer in der Regel tief in die Erfahrung hinein, dass sie die von Gott geliebte Tochter und der von Gott geliebte Sohn sind. Als Seminaranbieter ist es uns ein großes Anliegen, dass die Teilnehmer diese Grunderfahrung der Annahme bei Gott machen, vielleicht das erste Mal überhaupt in ihrem Leben.

I.7. Das Herz verbinden Das Drehen um sich selbst und den eigenen Schmerz, das endlose Suchen nach Erklärungen für schwierige Erfahrungen des Lebens, das Sich-Einrichten in den Symptomen, die somit Ausdruck des eigenen Lebensstils geworden sind, oder auch das Stehenbleiben in Verbitterung und Anklage münden meistens in eine gewisse Ichhaftigkeit, werden zum Ausdruck eines »falschen Selbst«, wie viele Autoren es bezeichnen. Dadurch wird unsere Beziehungsfähigkeit, mit der wir durch unseren Schöpfer grundlegend ausgestattet sind, blockiert oder zerstört. Fritz Künkel schrieb vor fast fünfzig Jahren den wichtigen Satz: »Das wichtigste Symptom der Ichhaftigkeit ist die innere Vereinsamung, der Mangel an Verbindungen von Herz zu Herz.« (Künkel, 1965, S.  73). Oft ist dies genau der Zustand, in dem Menschen zu Seelsorge-Seminaren und therapeutischen Wochen kommen. Unsere verkrümmten, einsamen Haltungen sind dabei die Hindernisse, durch die es kaum möglich ist, befriedigende Beziehungen, lebendige und verändernde Gemeinschaft zu erleben. In einer Aufstellungswoche kann sehr viel geschehen. Wir sind immer wieder darüber erstaunt, wie rasch sich eine intensive Gemeinschaft zwischen Menschen entwickelt, die sich in der Regel vorher nicht kennen. Durch die Methode der Familienaufstellung entsteht in der Gruppe eine besonders intensive Nähe

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