Rolland Baker Das Feuer bewahren
Titel der englischen Originalausgabe: Keeping the Fire © 2015 by Rolland Baker Die englische Originalausgabe ist erschienen bei River Publishing & Media Ltd, Barham Court, Teston, Maidstone, Kent, ME18 5BZ, United Kingdom Bibelstellen wurden nach den folgenden Übersetzungen zitiert: Neue Genfer Übersetzung – NGÜ Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen. © 2011 Genfer Bibelgesellschaft Neues Leben Bibel. – NLB Neues Leben. Die Bibel © 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten Hoffnung für alle – Hfa © 1983, 1996, 2002 by Biblica Inc. Schlachter 2000 – Schl Bibeltext der Schlachter © 2000 Genfer Bibelgesellschaft Aus dem Englischen übersetzt von Sabine Njock © Copyright der deutschen Ausgabe 2016 ASAPH-Verlag ISBN 978-3-95459-010-0 Bestellnummer 148010 Dieser Titel ist auch als E-Book erhältlich. Umschlaggestaltung: joussenkarliczek, D-Schorndorf (unter Verwendung einer Illustration von © Freepik.com) Satz/DTP: Jens Wirth Druck: cpibooks Printed in the EU Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an: Fontis Media GmbH, Pf. 2889, D-58478 Lüdenscheid fontis@fontis-media.de – www.fontis-shop.de
Inhalt Vorwort von Heidi Baker................................................................. 9 Vorwort von Elisha Baker.............................................................. 11 Prolog............................................................................................. 15 Einleitung....................................................................................... 19 Kernwert #1: Gott finden............................................................... 33 Kernwert #2: Auf Wunder angewiesen sein................................... 49 Kernwert #3: Zu den Geringsten gehen......................................... 67 Kernwert #4: Wenn nĂśtig, fĂźr ihn leiden....................................... 85 Kernwert #5: Sich im Herrn freuen............................................. 105 Schlussbemerkung....................................................................... 117 Epilog........................................................................................... 127 Iris Global.................................................................................... 131
Das Feuer bewahren
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Vorwort von Heidi Baker Seit fünfunddreißig Jahren gehe ich nun schon gemeinsam mit meinem geliebten Rolland durch die reifen Erntefelder Gottes. Gemeinsam haben wir Jesus leidenschaftlich geliebt! Gemeinsam haben wir von den Armen gelernt und sie geliebt. Gemeinsam sind wir mit jeder Faser unseres Seins unserem Gott nachgejagt, der all dessen würdig ist. Gemeinsam haben wir unsere wunderbaren Kinder aufgezogen, von denen wir lernen, wie Liebe aussieht. Gemeinsam hatten wir Anteil an den Leiden Jesu und haben gleichzeitig mehr von seiner Herrlichkeit geschmeckt, als wir uns je hätten erträumen können. Wir glauben fest daran, dass sich ein zahlreiches Volk erheben wird, welches Gott leidenschaftlich liebt, mit seinem heiligen Feuer brennt und bis an die finstersten Orte dieser Erde gehen wird. Durch die Lektüre von Das Feuer bewahren wirst auch du neu Feuer fangen! Heidi Baker Mosambik, im Oktober 2015
Vorwort von Elisha Baker In diesem Buch geht es um Abstammung. Auf den ersten Blick könnte man denken, es handle sich um eine biologische Abstammung von Fleisch und Blut, aber das ist nicht die Art von Abstammung, die ich meine. Familien geben oft auch ein geistliches Erbe weiter, denn Kinder sind häufig (wenngleich auch nicht immer) in einer sehr guten Position, um auf den Höhen zu stehen, die ihre natürlichen Eltern für sie erklommen haben. Ein solches Erbe existiert in und gehört all denen, die den Willen und die Gnade besitzen, es zu ergreifen. All jene, die geistliche Väter in Ehren halten, werden auch geistliche Söhne und Töchter sein. Vor einigen Jahren wäre mein Vater fast an zerebraler Malaria gestorben. Als ich letzten Sommer nach Mosambik reiste, so wie ich es jeden Sommer tue, seit ich wieder in Amerika lebe, sagte man mir, dass ich gut daran tun würde, mich von ihm zu verabschieden. Ich nehme an, dass man so etwas normalerweise nur einmal erlebt, aber für mich war es gar nicht so außergewöhnlich. Meine Mutter und mein Vater waren im Gefängnis, wurden überfallen, ausgewiesen und ausgeraubt. Sie sind von so vielen in Entwicklungsländern verbreiteten Krankheiten betroffen gewesen, dass man sie gar nicht alle diagnostizieren könnte. Sie haben so viele Todesdrohungen erhalten, dass wir sie nicht einmal mehr zählen. Sie wurden mehr oder weniger heftig geschlagen und viele Male mit Waffen bedroht. Sie wurden oft mit vorgehaltener Waffe unter Druck gesetzt, mussten mit dem wütenden Mob, Einbrüchen, Erpressungen, Autoüberfällen und Straßenangriffen fertig werden. Ich habe schon von vielen Ärzten die 11
Das Feuer bewahren Schreckensnachricht von ihrem bevorstehenden Ableben erhalten. Besonders meine Mutter ist schon mehr als einmal wieder gesund geworden, nachdem bei ihr eine unheilbare Krankheit diagnostiziert wurde. Trotz der vielen Wunder, die wir schon erlebt haben, hoffe ich immer, dass es dieses Mal das letzte ist. Meine Eltern haben Aufstände miterlebt, von denen manche direkt gegen sie angezettelt wurden, weil verzweifelte Menschen mehr von ihnen bekommen wollten, als sie in der Lage waren zu geben. Sie sind beschuldigt worden, amerikanische Agenten zu sein, Drogenhandel zu betreiben und Organe von Waisenkindern auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Zum Beispiel gab es das Gerücht, sie würden Medizinmännern Kinderhirne für ihre Zaubertränke verkaufen, was zur Folge hatte, dass einer unserer Mitarbeiter von einer wütenden Menge quer über einen dichtgedrängten Marktplatz in Maputo gehetzt wurde. Meine Mutter hat zwar noch nie wirklich Schiffbruch erlitten, aber letztes Jahr ist sie einem solchen Erlebnis nur mit knapper Not entkommen, als sie sich bei schlechtem Wetter vor der nördlichen Küste von Mosambik befand. Ihr Schiff war voll Wasser gelaufen und sie wurde von einem mit nackten Fischern besetzten Einbaum nach Hause gebracht. Einer der Männer schwamm an Land und wieder zurück, um ihnen allen etwas zum Anziehen zu holen, damit sie sich nicht genieren müsse, während sie von ihnen in die Zivilisation zurückgerudert wurde. Mit ihrem gesamten Leben hat meine Familie das gelehrt, was in diesen Worten ausgedrückt wird: „Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren, aber wer sein Leben verliert, wird es finden.“ Meine ganze Kindheit hindurch wurde ich gelehrt, dass es jeden Preis wert ist, dem Herrn zu dienen. Sein Leben immer wieder zu opfern, für ihn und für die Menschen, die er so sehr liebt, sogar für jene, die noch seine Feinde sind, ist die einzige Art von Leben, das sich lohnt. Das ist die Wahrheit. Du wurdest geboren, um mit Gott Gemeinschaft zu haben. Auf eine Weise, die für dich richtig und einzigartig ist, sollst du in dieser Welt das Handeln Gottes widerspiegeln und jedem Menschen so begegnen, wie der Allmächtige selbst es tun würde. Die Gefahr, die das mit sich bringen kann, ist sehr real. Doch sie ist auch untrennbar verbunden mit der darin liegenden Herrlichkeit. Du 12
Vorwort von Elisha Baker sollst herrlich sein. In dieser Gemeinschaft mit Gott zu leben trägt in sich das Risiko des Leidens, sowohl für dich als auch für die, die dir nahestehen, und alle, die dich lieben. Für Jesus hat es zu Folter und Tod geführt, und auch die meisten seiner Jünger sind am Ende einen ähnlichen Weg gegangen. Wenn du so bist wie Jesus, dann werden deine Leiden nicht die Folgen deiner eigenen Fehler sein. Doch wenn dein Denken noch nicht völlig dem Denken Jesu gleicht (und wer kann das schon für sich beanspruchen), dann werden einige deiner Leiden auch von deinen eigenen Fehlern verursacht werden. Doch es lohnt sich trotzdem, das Risiko einzugehen, Fehler zu machen, sogar größere Fehler, die man aufgrund von größeren Träumen macht. Es lohnt das Wagnis, so zu handeln, wie Gott es tun würde. Es lohnt sich, aus dem Boot zu steigen in dem Glauben, dass man auf dem Wasser gehen kann. Es lohnt sich, bis an die Enden der Erde zu gehen. Wenn nötig, lohnt es sich auch an einem Ort zu bleiben, der einen umbringen könnte. Ich gebe dir mein Wort, dass es sich sogar absolut lohnt, unsere Kinder einer gewissen Gefahr auszusetzen. In dieser Welt können wir sie nicht vor Gefahren bewahren. Doch unser absoluter Gehorsam Gottes Willen gegenüber wird für sie das kostbarste Erbe sein, das man sich vorstellen kann. Eine bemerkenswerte Abstammung. Wenn wir das tun, dann müssen sie in der Tat selbst entscheiden, wie sie auf die Prüfungen reagieren, denen wir sie ausgesetzt haben. Es ist durchaus denkbar, dass sie als Reaktion auf unseren Erfolg oder auf unser Versagen unkluge Entscheidungen treffen. Sie könnten verletzt sein. Sie könnten versagen. Sie könnten Dinge lernen, die uns verwehrt blieben. Sie könnten den Anforderungen nicht gewachsen sein. Aber sie könnten auch über uns hinauswachsen. Es könnte sein, dass sie zu unterschiedlichen Zeiten und auf unterschiedliche Arten beides tun. Doch auf diese Weise, nur auf diese Weise, werden wir ihnen wirklich das Beste gegeben haben, was man als Eltern zu geben hat. Wenn sie dieses Erbe dann ergreifen wollen, dann werden ihnen ewige Reichtümer zur Verfügung stehen, die im Feuer geläutert sind. Es lohnt sich, den Preis zu bezahlen, denn unser Herr hat nicht gelogen, als er sagte: 13
Das Feuer bewahren Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus, Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker zurücklässt, bekommt alles hundertfach wieder: jetzt, in dieser Zeit, Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker – wenn auch unter Verfolgungen – und in der kommenden Welt das ewige Leben. (Markus 10,29–30; NGÜ)
Wenn du mit deiner Familie Hand in Hand durch das Tal des Todesschattens gehst, dann fürchte kein Unheil. Es stimmt, Gott hat uns nicht versprochen, dass wir unseren Erstgeborenen nicht vielleicht eines Tages auf einen Altar legen müssen. Mein Urgroßvater hat das in gewisser Weise getan. Aber Gott liebt deine Kinder noch mehr als du. Und dann ist da die Abstammung, das Vermächtnis! Hinterlasse ihnen dieses Vermächtnis in seiner ganzen Reinheit und du wirst noch ein weiteres großes Geheimnis entdecken, das so groß ist wie das Opfer, das Gott in seinem eigenen Sohn gebracht hat. Aufgrund dieses Geheimnisses wird im gesamten Himmel ganz sicher von deinen Kindern, also von all denen, die das, was du ihnen hinterlassen hast, gern annehmen, gesagt werden: Er wird sie mit seinen Schwingen bedecken und unter seinen Flügeln werden sie Zuflucht finden; seine Treue wird ihnen ein Schutz und eine feste Burg sein. Sie werden sich nicht fürchten vor dem Schrecken der Nacht oder dem Pfeil, der am Tag fliegt, oder der Pest, die im Finstern umgeht, oder der Seuche, die mitten am Tag wütet. Selbst wenn Tausende neben ihnen fallen und Zehntausende zu ihrer Rechten, sie wird es nicht treffen! „Weil sie mich lieben“, wird der Herr sagen, „werde ich sie retten. Ich werde sie beschützen, weil sie meinen Namen kennen. Sie werden mich anrufen, und ich werde ihnen antworten. Ich werde ihnen in Zeiten der Not beistehen. Ich werde sie befreien und sie zu Ehren bringen. Ich werde ihnen ein langes und erfülltes Leben schenken und ihnen zeigen, wie ich Rettung schaffe.“ Elisha James Baker
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Prolog In den vergangenen Jahren ist sehr viel über Erweckung geredet worden, und zwar so viel, dass ich mich manchmal frage, ob die Erweckung selbst zum Objekt unserer Verehrung geworden ist. Gleich zu Beginn möchte ich sagen, dass von einem geschichtlichen und biblischen Gesichtspunkt aus der Fokus und der Gegenstand von Erweckung nicht das Wirken des Heiligen Geistes oder das dramatische Wachstum von Gemeinden ist, die vom Atem Gottes berührt werden. Der Fokus ist Jesus Christus, geboren von einer Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, begraben, auferstanden, aufgefahren und verherrlicht.
Bei Erweckung geht es um den Erwecker, nichts mehr und nichts weniger. Wenn der Heilige Geist auf eine Gemeinde, eine Stadt oder gar ein ganzes Land fällt, dann entdecken viele Menschen eine neue Liebe zu der Person Jesus. Sie beugen sich unter der Last der Herrlichkeit Gottes und beten Jesus an. Sie erheben ihn für seine Vorherrschaft und Erhabenheit über allen anderen. Sie verlieben sich ganz neu in ihn und nichts kann diese Liebe überschatten. Der Apostel Paulus schrieb einst: Doch ich habe Angst, es könnte euch etwas von eurer reinen und schlichten Hingabe an Christus abbringen, so wie Eva von der Schlange getäuscht wurde. (2. Korinther 11,3; NLB)
Wenn es eine Erweckung gibt, dann verlieben sich die Menschen in den Erwecker. Sie entdecken ganz neu das, worüber Paulus hier spricht: „die reine und schlichte Hingabe an Christus“. 15
Das Feuer bewahren Im Juni 2010, nach über drei Jahrzehnten anhaltender Erweckung in Mosambik, schrieb ich über die Wichtigkeit, an einer einfachen und reinen Hingabe an Christus zu bleiben, besonders, wenn andere Themen unsere Aufmerksamkeit in der Gemeinde stark beanspruchen: Inmitten all der unterschiedlichen Ausrichtungen und Strömungen in der Gemeinde bleiben wir auf dem richtigen Weg, indem wir unsere Einfachheit und Reinheit behalten. Wir blicken auf Jesus, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens. Wenn wir, so wie Paulus, bis an unsere äußersten Grenzen bedrängt werden, entschließen wir uns, nichts anderes zu kennen als Jesus, und zwar als den Gekreuzigten. Auf ihn allein gründet sich unsere Zuversicht. Er ist die Trennlinie, der Stolperstein, des Messers Schneide, der Ort, wo wir Errettung und Leben finden. Niemand sonst im gesamten Universum ist so umstritten wie er. Wir vertrauen ihm und lieben ihn, weil er für uns starb und wiederauferstand. Er ist derjenige, der an unserer statt gelitten hat. Er hat die Strafe für unsere Sünde bezahlt. Er hat unser Leben erkauft mit seinem Blut. Er hat uns gezeigt, was Liebe ist. Und deshalb sind wir ihm allein treu. Wir gehören ihm, nicht uns selbst. Wir legen alles daran, ihm zu gefallen. Wenn nötig, werden wir, so wie Paulus, den Verlust aller Dinge erleiden, um ihn zu gewinnen. Wir werden jeder Versuchung in diesem Leben, die uns auch nur geringfügig von ihm abbringen will, widerstehen. Er ist unsere größte Freude, unser kostbarster Gefährte. Wir lieben nicht mehr die Welt oder irgendetwas, das in ihr ist, weil er das höchste Ziel unserer Wünsche ist. Würdig ist das Lamm! Ich möchte es gleich zu Anfang ganz klar sagen: Auch wenn ich in diesem Buch sehr viel über Erweckung sprechen werde, richtet sich mein Fokus auf Jesus, nicht auf die Erweckung. Ich bete den Erwecker an, nicht die Erweckung – und ganz bestimmt nicht die Erweckten. In der gleichen Weise spreche ich zwar viel über die Mission, aber meine Hingabe gilt nicht einem Verfahren oder einer Methode, wie man alle Nationen zu Jüngern macht. Meine Hingabe gilt dem Evangelium und Jesus Christus. Bei Mission geht es in allererster Linie um Jesus. Wenn ein Mensch verliebt ist, dann kann er nicht anders, als 16
Prolog mit großer Leidenschaft von dem Objekt seiner Liebe zu reden. So ist es auch mit der Mission. Ich zitiere noch einmal vom Juni 2010: Es ist schlicht und einfach unmöglich, Jesus hingegeben zu sein und nicht über ihn zu reden. Zwar können wir ihn jetzt nicht sehen, aber Gott hat bestimmt, dass wir ihn lieben, indem wir einander lieben, denn wir können einander sehen. Er ist Liebe, und deshalb können wir das erste Gebot nicht vom zweiten trennen. Es gibt viele Berufungen, aber keine ist so hoch wie den Durstigen Wasser und den Hungrigen Speise zu geben. Die Fürbitter zu Hause und die Truppen in den Schützengräben stehen im Reich Gottes auf der gleichen Stufe. Wir lernen zu lieben in der Weise, wie wir von Gott begabt und berufen worden sind … Für uns ist Mission die natürliche Auswirkung unseres Glaubens. Es ist die Art und Weise, wie wir die Liebe, die Gott uns gegenüber zum Ausdruck bringt, erwidern. Es gibt keine Alternative. Erweckung ohne Mission ist unzureichend. Sich von den Verlorenen, Armen und Bedürftigen abzuwenden, bedeutet, sich von Gott abzuwenden. Unsere enge Freundschaft mit Jesus bewirkt, dass wir uns einander zuwenden, und darin liegt die Vortrefflichkeit und Vollkommenheit seines Reichs! Du kannst sicher sein, dass es in diesem Buch nicht um eine Verherrlichung von Erweckung, von Mission oder gar von Iris Global geht. Es ist kein Versuch, einen Schlüssel für Gemeindewachstum oder explosionsartige Evangelisation zu finden. Stattdessen ist es eine Verherrlichung dessen, wer Jesus ist und was er getan hat. Es geht wirklich einzig und allein um Jesus. So wie der Apostel Paulus sagte: „Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn“ (2. Korinther 10,17; Schl). Es geht in diesem Buch darum, wie eine Erweckung über Jahrzehnte hinweg andauern kann. Damit meine ich, dass es darum geht, wie man sich in die Person Jesu Christi verliebt und diese Liebe am Brennen hält. Ich bete, dass du dich beim Lesen dieser Worte von ganzem Herzen in ihn verliebst und nicht anders kannst, als diese Liebe weiter zu verschenken, wo immer deine Füße dich hintragen. 17
Einleitung In diesem Buch geht es um die fünf Kernwerte, die ein grundlegender Faktor dafür gewesen sind, dass wir bei Iris Global eine schon seit dreieinhalb Jahrzehnten andauernde Erweckung erleben. Diese Werte bilden das Fundament für alles, was wir sind und tun. Sie lauten ganz einfach: 1. Gott finden 2. auf Wunder angewiesen sein 3. zu den Geringsten gehen 4. wenn nötig, für ihn leiden 5. sich im Herrn freuen Diese Kernwerte waren in den Anfangsjahren für uns etwas ganz Selbstverständliches. Sie schienen aus der Schrift ganz klar hervorzugehen, und wir empfanden nicht das Bedürfnis, sie in irgendeiner Weise besonders zu betonen. Selbstverständlich mussten wir Gott suchen und auf ihn angewiesen sein. Natürlich mussten wir demütig sein, zu den Armen gehen, für ihn leiden und uns in ihm freuen. Das schien ganz offensichtlich zu sein. Doch mit der Zeit und durch den immer häufigeren Kontakt mit vielen unterschiedlichen christlichen Werken um uns herum fanden wir heraus, wie umstritten diese Werte sind. Dreieinhalb Jahrzehnte später sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass sie nicht nur unseren Dienst auf außergewöhnliche Weise geprägt haben, sondern auch für die Gemeinde weltweit und für jeden Christen absolut maßgebend sind. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil des normalen Christenlebens. Unsere Erfahrung hat nur immer mehr bestätigt, dass diese fünf Werte absolut notwendig sind. Iris Ministries würde untergehen, wenn wir auch nur einen dieser Werte verlieren würden. Nicht wir 19
Das Feuer bewahren bestimmen sie für unseren Dienst – der Heilige Geist hat sie uns auferlegt. Wir erkennen sie einfach an und leben danach, zum einen, weil wir es so wollen, aber auch aus schierer Notwendigkeit. Und wenn wir zurückblicken, erkennen wir immer wieder, wie sie in unserem Leben zum Tragen kamen. Wir hätten zum Beispiel die Erweckung in Mosambik nicht im Voraus planen können. Diese Erweckung ist nicht etwas, was wir orchestriert haben. Sie war schlicht und einfach von Gott vorgesehen und entfacht worden. Wir können zwar sagen, dass sie von einem geistlichen Hunger ausgelöst wurde, aber selbst dieser Hunger wurde durch eine göttlich geführte Vorbereitung bewirkt. Und diese Vorbereitung geschah in Gestalt einer großen Demütigung für die gesamte Nation. Fünfhundert Jahre lang litt Mosambik unter Kolonialherrschaft und Sklaverei. Nach einem über dreißig Jahre andauernden Bürgerkrieg war die Infrastruktur in einem völlig desolaten Zustand. Das hochbegehrte Reiseziel für abenteuerlustige, reiche Europäer wurde unter dem kommunistischen und atheistischen Regime zu einem der ärmsten Länder der Welt. Das Land wurde extrem gedemütigt und war schließlich vollkommen auf Entwicklungshilfe angewiesen. Dann erlitt es im Jahr 2000 die schlimmsten Überschwemmungen, die seit den Tagen von Noah in der Geschichte des Landes verzeichnet wurden. Sintflutartiger Regen ergoss sich vierzig Tage und vierzig Nächte über das Land. Diese Überschwemmungen richteten letztendlich noch mehr Schaden an als all die Jahre des Bürgerkriegs. Insgesamt haben extreme Dürre, Aids, die schlechteste Gesundheitsversorgung und das schlechteste Bildungssystem der Welt dazu beigetragen, dass Mosambik vor Gott auf die Knie gezwungen wurde. Es hatte keinen Stolz, keine Hoffnung und keinen Plan mehr. Das waren die Umstände, in denen wir miterleben durften, wie sich ein massiver Aufschrei nach Gott im ganzen Land erhob. Ein solch eindringlicher Ruf nach Gott war uns in unserer gesamten Diensterfahrung noch nie begegnet, und auch in unseren Studien der Kirchengeschichte hatten wir noch nie von etwas Vergleichbarem gehört.
Dieser Aufschrei wurde von Gott selbst ausgelöst, nicht von Menschen. 20
Einleitung Angesichts einer solchen Herausforderung konnten Heidi und ich allein nichts ausrichten. Keine Gemeinde stärkte uns den Rücken. Niemand hatte uns anfänglich ausgesandt oder unterstützt. Wir hatten keine Strategie, außer hinzugehen und Jesus zu vertrauen. Wir standen ganz allein auf den Straßen von Maputo, begeistert über die Gelegenheit, etwas mitzuerleben, was nur Gott tun konnte. Er öffnete Türen. Er erweichte die Herzen der Beamten. Er überführte vernachlässigte Straßenkinder ihrer Sünde. Er füllte sie mit seinem Geist und offenbarte sich ihnen. Er erfüllte sie bis zum Rand mit Liebe, Frieden und Freude. Er motivierte sie, voller Kühnheit und Autorität auf den Straßen zu predigen. Er begann die Kranken zu heilen und die Herzen wiederherzustellen. Wir hatten nicht die Absicht Gemeinden zu gründen und Bibelschulen zu bauen, doch der extreme geistliche Hunger unter den Pastoren drängte uns dazu. Dann fing Gott an, durch unsere Pastoren Tote wieder zum Leben zu erwecken, und das Verlangen nach Gott verbreitete sich wie ein Lauffeuer im gesamten Busch und schließlich in allen zehn Provinzen. Niemand hätte diese Pastoren aufhalten können. Sie konnten einfach nicht anders, als von einem Dorf zum anderen zu gehen und in jedem Dorf Gemeinden zu gründen, ohne dass es ihnen jemand aufgetragen hätte. Im ganzen Land geschahen explosionsartig Zeichen und Wunder. Die Menschen nahmen extreme Gefahren und Schwierigkeiten auf sich, um zu unseren Buschkonferenzen zu kommen, weil sie gehört hatten: „Jesus ist in der Stadt.“ Wir hatten kein Geld für schöne Versammlungsräume und beeindruckende Darbietungen, und wir hätten nie ein so feuriges Verlangen auslösen können. Doch der Heilige Geist zog die Menschen mit einer Kraft an, die wir nie zuvor erlebt hatten. Nichts von alledem begann mit einem von Menschen erdachten Programm oder einem sorgfältig ausgearbeiteten Fünf-Jahres-Plan. Wir haben immer damit begonnen, dass wir Gott und das Angesicht von Jesus in allem suchten (unser erster Kernwert). Und wir hätten keinen einzigen Tag überlebt ohne unseren zweiten Kernwert, nämlich bei jeder materiellen und geistlichen Not auf die übernatürliche Versorgung Gottes angewiesen zu sein. 21
Das Feuer bewahren Wir hätten selbst nie die erstaunliche Gunst erlangen können, die wir heute bei der Regierung genießen, wenn wir nicht zuerst zu den Armen gegangen wären und versucht hätten, irgendjemanden zu beeindrucken (unser dritter Kernwert). Wir haben endlose, immer wieder neue, unvorstellbare Schwierigkeiten und Verfolgung erlitten, aber wir sind nicht zurückgewichen und haben uns nicht dagegen aufgelehnt (unser vierter Kernwert). Das ist der Grund, warum wir heute immer noch in Mosambik arbeiten. Wir werden scharf dafür kritisiert, dass wir uns so überschwänglich im Herrn freuen (unser fünfter Kernwert). Manche bezeichnen uns als unseriös und leichtfertig, weil wir immer so fröhlich sind. Doch wir fordern jeden heraus, all das durchzumachen, was wir erlebt haben, ohne beständig jeden Tag eine riesige Dosis der Freude des Herrn zu bekommen! Sie ist unsere Motivation, unser Lohn und unsere mächtigste Waffe, mit der wir unserem ganzen Glauben an Jesus Ausdruck geben! Und darüber hinaus ist sie ein Geschenk des Himmels. Unsere fünf Kernwerte sind für uns von Anfang an die absolute Grundlage gewesen, zumindest dafür, dass wir nun schon im vierten Jahrzehnt kontinuierlich Erweckung erleben. Und das bedeutet, in einer beständigen, einfachen und reinen Hingabe an die Person Jesus zu leben. Es mag hilfreich sein, jeden dieser Werte vorab kurz zusammenzufassen, ehe wir näher auf sie eingehen.
Das Besondere an Iris
Im September 2010 riefen wir unsere Hauptleiter von Iris aus allen Arbeitszweigen weltweit zusammen, um gemeinsam zu beten, sich an der Gegenwart Gottes zu freuen, zu loben, zu träumen und die Einheit unter uns zu erneuern. Es war das erste Mal, dass wir so etwas taten, und weit über einhundert Einheimische und Missionare aus vielen Ländern kamen in das kleine Städtchen Pemba in unserem abgelegenen Winkel in Afrika. Es war ein wirklich unvergesslicher Anlass um zu erläutern, warum wir tun, was wir tun. Über mehrere Tage aßen und tranken wir zusammen, weinten, lachten und feierten gemeinsam und erbauten einander durch glau22
Einleitung bensstärkende Zeugnisse und Ermutigungen. Wir waren tief beeindruckt, als wir merkten, in welchem Ausmaß Gott unter uns gewirkt hatte und wie stark wir als Familie zusammengewachsen waren. Die Versammlungen waren auch für uns als Leiter eine Gelegenheit, ganz neu zum Ausdruck zu bringen, wodurch die Organisation Iris eigentlich zu „Iris“ geworden ist. Das Wort „Iris“ ist das griechische und auch das portugiesische Wort für „Regenbogen“. Heidi und ich hatten damals mit einem christlichen Tanz- und Theaterdienst begonnen, der sich „Rainbow Productions“ nannte. Für uns waren unsere unterschiedlichen kreativen Talente wie die Farben eines Regenbogens, durch den der „Sohn“ scheint (in Anlehnung an den Gleichklang im Englischen von „sun – Sonne“ und „son – Sohn“; d. Üs.) und auf diese Weise etwas Wunderschönes hervorbringt. Iris Global hat mit dem weltweiten Leib Christi viele Werte und Lehrmeinungen gemein, aber Heidi und ich haben herausgefunden, dass bestimmte Schlüsselelemente unseres Lebens und Dienstes für Jesus absolut notwendig sind, auch wenn andere sie manchmal für umstritten halten. Wir sind der Meinung, dass sie für das Leben als Christ und den christlichen Dienst ganz normal sein sollten, nicht etwas Besonderes oder Ungewöhnliches. Allerdings haben wir auch festgestellt, dass sie in vielen Teilen der Gemeinde alles andere als die Norm sind. Heidi und ich sind ganz unbedarft an diese Bereiche herangegangen, aber wir merken heute, dass wir diese Werte in unseren Herzen wertschätzen, schützen und nähren müssen und dass es wichtig ist, sie an andere weiterzugeben. Würden wir irgendeinen dieser Werte verlieren, dann würde Iris nicht funktionieren und das sein, was es heute ist. Wenn sie alle vereint sind, dann wird eine Art geistliche Kettenreaktion ausgelöst, die Leben und Wärme im Heiligen Geist erzeugt! Die folgenden fünf Werte sind nicht die einzigen, die für uns lebenswichtig sind, doch der Heilige Geist hat sie uns bei unserem Leitertreffen in Pemba im September 2010 besonders bewusst gemacht. Sie sind die Bausteine für eine anhaltende Erweckung. 23
Das Feuer bewahren
1. Gott finden
Wir haben erkannt, dass wir Gott finden und in seiner Gegenwart seine Nähe, sein Reden und die Gemeinschaft mit ihm erleben können, wenn wir seine Liebe für Gerechtigkeit teilen. Der Missionsdienst wurde von vielen oft vermittelt als etwas völlig Unromantisches, als ein rein von Disziplin geprägter Gehorsam dem Missionsauftrag gegenüber. Es wurde gelehrt, dass Gebet Schwerstarbeit ist, Gefühle keine Rolle spielen und dass es eigentlich nur darum geht, den Job zu erledigen. Man erweckte zumindest den Eindruck, dass eine geistliche Erfahrung nicht notwendig sei, um das Evangelium zu verkündigen. Dass man Unmittelbarkeit und Vertrautheit mit Gott nicht als etwas Normales ansehen könne. Dass man diesen Dienst auch ohne die manifeste Gegenwart Gottes ausüben könne.
Doch bei Iris sind wir genau der entgegengesetzten Auffassung. Wir sind durch genügend Feuerproben und Nöte gegangen um zu wissen, dass wir ohne Gott zu finden, so wie es in Jeremia 29, Vers 13 verheißen wird, nicht das tun können, was wir tun.
Wir können nicht mit übernatürlicher, unaufhaltsamer Liebe lieben, wenn wir nicht zuerst die Liebe des Vaters selbst erfahren haben! Jesus, der Abglanz und das vollkommene Abbild des unsichtbaren Gottes, ist ein geistlicher Liebhaber, unser vollkommener und bester Gefährte. Unser erster Kernwert ist, ihn zu kennen, durch eine leidenschaftliche Beziehung, mit einer Liebe, die stärker ist als der Tod (Hohelied 6, Vers 6). Wir legen den Akzent in allererster Linie nicht auf Missionsstrategien, Methoden, Projekte und Spendenaufrufe, sondern auf eine wahre Begegnung mit dieser Liebe, nach der sich eine liebeshungrige Welt sehnt und die sie so sehr braucht. Das bedeutet aber nicht, dass wir von einer gedankenleeren, unpersönlichen Mystik fasziniert sind, dass wir lediglich „Erfahrungen“ suchen, die letzten Endes inhalts- und beziehungslos sind. Nein, das Verlangen unseres Herzens ist Jesus. Wir treten sowohl mit dem Verstand als auch mit dem Herzen in eine Beziehung mit ihm. Wir setzen uns mit ihm auseinander und finden Leben und Freude in dieser wechselseitigen Beziehung. Wenn 24