© Copyright 2009 by Henryk Wieja. All rights reserved. © Copyright der deutschen Ausgabe 2015 by Asaph-Verlag 1. Auflage 2015 Titel der polnischen Originalausgabe: Moc Błogosławieństwa Ojca Aus dem Polnischen übersetzt von Ina Bonk Originalzitate sind kursiv gedruckt, Paraphrasen des Autors werden dagegen im gesamten Text in Anführungszeichen wiedergegeben. Umschlaggestaltung: joussenkarliczek, D-Schorndorf Satz/DTP: Jens Wirth Druck: cpi books Printed in the EU ISBN 978-3-940188-91-5 Bestellnummer 147491 Dieser Titel ist auch als E-Book erhältlich (Best.-Nr. 148551).
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Dank Ich danke Jesus Christus für die Offenbarung von Gottes Vaterherzen und seiner Liebe. Ich danke meinen Eltern dafür, dass sie mich in die Arme Gottes, des Vaters, geführt haben. Alinka, du bist die Liebe und die Freude meines Lebens. Du bist meine ezer kenegdo. Ohne dich wäre ich nicht der, der ich bin. Ohne deine Hilfe wäre dieses Buch nicht entstanden.
Widmung Dieses Buch widme ich unserem Sohn Paul und unserer Tochter Esther sowie allen unseren geistlichen Kindern, die in der Stiftung „Leben und Mission“ um uns versammelt sind. Wir sind stolz auf euch!
Inhalt Vorwort ................................................................................................ 7 Kapitel 1: Das Konzept der Vaterschaft............................................ 11 Kapitel 2: Der Einfluss des Vaters auf die Entwicklung des Kindes..... 19 Kapitel 3: Das Vaterherz und die Liebe des Vaters .......................... 29 Kapitel 4: Der Segen des Vaters........................................................ 37 Kapitel 5: Die Autorität und der Schutz des Vaters........................... 45 Kapitel 6: Die Gegenwart und Ermutigung des Vaters .................... 55 Kapitel 7: Geistliche Vaterschaft....................................................... 65 Kapitel 8: VersÜhnung und Vergebung.............................................. 73 Kapitel 9: Geheilte Herzen................................................................ 83 Bibliografie......................................................................................... 91
Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, von dem jede Vaterschaft im Himmel und auf Erden benannt wird. Epheser 3,14–15
Vorwort Ziel dieses Buches ist es, uns alle – Männer wie Frauen – zum Nachdenken über eine der strategischsten Rollen des Mannes anzuregen: die des Vaters. Der Vater hat einen unmittelbaren Einfluss auf die Entwicklung einer gesunden Persönlichkeit. Er trägt zum Bau einer starken Familie, einer lebendigen und wirksamen Gemeinde sowie einer gesunden Gesellschaft bei, die damit von dem zerstörerischen Syndrom des fehlenden Vaters befreit werden kann. Diese Zielsetzung wird von dem Wunsch begleitet, das Vorbild eines guten Vaters zu schaffen, das es momentan nicht gibt. Dies ist immer mit dem Bedürfnis nach Heilung von Verletzungen verbunden – Verletzungen, die ihre Ursache entweder darin haben, dass ein Vater gar nicht vorhanden war oder dass er ein schlechtes Vaterbild geprägt hat. In der Regel ist es von Gewalt, Kontrolle oder völliger Passivität gekennzeichnet. In meiner Arztpraxis begegnen mir sehr oft Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden, für die sich keine organischen Ursachen feststellen lassen. Ihre schlechte Verfassung oder ihre körperlichen Schmerzen sind meistens das Ergebnis angestauter Frustration und Spannungen. Diese wiederum entstehen infolge von Entwicklungsstörungen, traumatischen Erlebnissen oder psychischem Leiden, wobei dieses bis in die Kindheit zurückreichen kann, wenn der Betroffene ein schlechtes Verhältnis zum Vater hatte oder überhaupt keine Beziehung zu ihm aufbauen konnte. Der zugefügte Schmerz, der Mangel an Liebesbekundungen oder das Gefühl von Ablehnung führen zu spezifischen Reaktionen des Nervensystems, die die Arbeit vieler innerer Organe beeinträchtigen. Eine Abnahme der Lebensfreude rührt auch von einem geringen Sicherheits- und Selbstwert7
Vater, Priester, Held gefühl sowie einer falschen Einschätzung der eigenen Möglichkeiten. Sie resultieren aus dem Mangel an positiver Verstärkung und Ermutigung, hauptsächlich vonseiten des Vaters. Unentdeckte Fähigkeiten werden nicht gefördert, schulische Leistungen nicht geschätzt. Dadurch verliert ein Kind die Motivation zu weiterem Lernen und Arbeiten, und anstelle von Erfüllung und Zufriedenheit im Leben macht sich chronische Verbitterung breit. In allgemein anerkannten Entwicklungskonzepten des Menschen wird besonderer Nachdruck auf die Bindung des Kindes zur Mutter gelegt, vor allem in der frühen Säuglingsphase. Auf diese Beziehung wurden viele Theorien der Persönlichkeitsentwicklung aufgebaut. Soziologische und historische Zusammenhänge haben zahlreiche wertvolle Beweise dafür geliefert, wie wichtig die Rolle der Mutter bei der Erziehung der nächsten Generation ist – und damit eben auch der Männer. Ohne die enorme Bedeutung der Mutter für die Entwicklung eines Kindes infrage zu stellen, sollte allerdings beachtet werden, dass oft schon in den Untersuchungen selbst, wie auch später in den vorgestellten psychologischen Konzepten die immens wichtige Rolle des Vaters im Entwicklungsprozess des Menschen außer Acht gelassen wird. Um jedoch den gegenwärtigen Herausforderungen gerecht zu werden, müssen wir zu dem Familienmodell zurückkehren, das vom Schöpfer selbst eingesetzt wurde – dem Modell einer Familie, in der es einen Vater gibt. Neueste wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, wie wichtig die Anwesenheit des Vaters im Erziehungsprozess ist. Diese Forschungen wurden mit dem Ziel durchgeführt, Ursachen für die vielen sozialen Pathologien und pädagogischen Misserfolge zu finden, die wir um uns herum beobachten können. Alles weist auf die Notwendigkeit hin, dass der Mann zu seiner Rolle als Ehemann und Vater zurückkehren muss. Zu dem Platz, an dem sich das Herz des Vaters wieder seinen Kindern zuwendet! Die Untersuchungsergebnisse belegen, dass der Kern vieler der genannten Probleme hauptsächlich darin steckt, dass die Väter zum einen nicht da sind, während ihre Kinder heranwachsen, und dass sie zum anderen nicht verstehen, welchen bedeutenden Einfluss sie auf die Entwicklung ihrer Kinder sowie deren gesamtes Erwachsenenleben haben. Kriege, Aufstände, Revolutionen, Deportationen, vorzeitiger Tod oder Alkoholismus haben in vielen Ländern dazu geführt, dass der Vater aus der Familie verschwunden ist und damit auch der Einfluss ganzer Männer- und Vätergenerationen. 8
Vorwort Unabhängig von den Ursachen haben die Abwesenheit der Väter und ihre fehlende Beteiligung an der Erziehung ihrer Kinder dazu geführt, dass die Passivität der Männer im Entwicklungsprozess akzeptiert wird. Darüber hinaus hat die Feminisierung bestimmter Berufe, insbesondere im Blick auf die Bildung und Gesundheitsfürsorge, unbeabsichtigt negative Spuren hinterlassen. Diese Situation verstärkte bestehende Klischees über die männliche Passivität. Allerdings hat dieser Zustand auch Auswirkungen auf die Entstehung weiterer Stereotypen in der Gesetzgebung und Rechtsprechung, bei der in aller Regel Mütter bevorzugt behandelt werden. Zusammenfassend muss ehrlich festgestellt werden, dass sich die meisten Männer um den bedeutsamen und von Gott gegebenen väterlichen Einfluss bringen, weil sie verletzt wurden oder es ihnen an guten Vorbildern fehlt! Deshalb ist es mein tiefer Wunsch, dazu zu ermutigen, dass Männer zum Wesen ihrer Berufung zurückkehren und ihren strategisch wichtigen Platz einnehmen. Die Rolle des Vaters ist ein Modell, das wir aus Gottes Vaterherzen selbst ableiten können.
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Kapitel 1
Das Konzept der Vaterschaft Ein junger Mann besuchte meine Arztpraxis. Sein trauriger Gesichtsausdruck und die undeutliche Sprechweise deuteten darauf hin, dass es ihm nicht gut ging. Es war ihm sichtlich unangenehm, dass er selbst nicht genau sagen konnte, was ihm fehlte und was er von mir erwartete. Als ich ihn nach seinem Gesundheitszustand fragte, bemerkte ich zwischen uns eine eigenartige Barriere, die ein offenes Gespräch erschwerte. Mir wurde klar, dass seine körperlichen Beschwerden das Ergebnis einer lang anhaltenden Depression waren. Ich überlegte, was zu dieser Schwächung seines Abwehrsystems geführt haben könnte, infolge dessen der Körper aufgehört hatte, um sein Überleben zu kämpfen. Während des weiteren Gesprächs gab mein Patient zu, bereits Selbstmordgedanken gehegt zu haben, weil er keinen Sinn mehr im Leben gesehen hätte. Dieser gut aussehende, sehr talentierte junge Mann hatte eine so kritische und ablehnende Einstellung sich selbst gegenüber, dass er nicht dazu in der Lage war, seine Vorzüge objektiv einzuschätzen. Als ich seine Aufmerksamkeit auf das große Potenzial zu lenken versuchte, das Gott ihm geschenkt hatte, negierte er jedes ermutigende Wort. „Sie sind im Alter meines Sohnes. Erlauben Sie, dass ich wie ein Vater mit Ihnen spreche?“, fragte ich ihn vorsichtig. Ich war fest entschlossen, in irgendeiner Weise zu diesem Menschen durchzudringen und ihn zur Zusammenarbeit zu bewegen. Ich wollte ihm wirklich helfen. Er willigte ein. Kurz darauf erzählte er schluchzend von der gestörten Beziehung zu seinem Vater. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass sein Vater jemals 11
Vater, Priester, Held etwas Positives zu ihm oder über ihn gesagt hätte. Die einzigen Sätze, die sich ihm eingeprägt hatten, waren: „Du bist dumm. Du wirst im Leben nichts erreichen. Du kannst nichts. Du bist zu nichts zu gebrauchen.“ In meiner Praxis und im Beratungsdienst hatte ich eine ganze Reihe ähnlicher Begegnungen. Mir wurde immer stärker bewusst, wie gewaltig der Einfluss des Vaters auf das Leben eines jeden von uns ist. Entsprechende statistische Daten haben zu meinem Verständnis dieser großen Herausforderung für uns Männer beigetragen.
Statistiken Vor einigen Jahren wurden in den USA Untersuchungen zum väterlichen Einfluss auf die Lebenseinstellung der Kinder durchgeführt. (Untersuchungen zum Thema Gewalt und Einstellungen in der Familie, die zu Pathologie führen, wurden in den USA von der Organisation „The Luntz Research Companies and QEV Analytics“ durchgeführt. Die Auswertung der Ergebnisse wurde am 31. August 1999 in der Tageszeitung „Dallas Morning News“ veröffentlicht – im Artikel von Lori Lesser: Dad Key Against Drugs, Study Finds.) Wenn ein Kind mit einer alleinerziehenden Mutter aufwächst, besteht zu 30% das Risiko, dass bei ihm pathologische Verhaltensweisen zum Vorschein kommen: übermäßige Aggression, Gewalt oder Störungen im Bereich der sexuellen Identität. Wenn ein Kind von beiden Eltern erzogen wird, jedoch eine schlechte Beziehung zwischen ihnen herrscht, das heißt, wenn der Vater zwar zu Hause ist, aber sowohl zu seiner Frau als auch zu seinem Kind ein negatives Verhältnis hat, ist das Risiko doppelt so hoch, dass das Kind pathologische Verhaltensweisen entwickeln wird, es liegt bei ungefähr 68%. Wenn ein Kind wiederum in einer Familie groß wird, in der es einen liebenden Ehemann und Vater gibt, beträgt das Risiko nur 6%. Die Anwesenheit eines Mannes und Vaters in einer liebevollen Familie gibt sozusagen eine 94%ige Sicherheit, dass keine pathologischen Verhaltensweisen beim Kind zutage treten werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind beeindruckend! In Anbetracht dieser statistischen Daten kann man die Rolle des Vaters beim Entwicklungsprozess einer gesunden Persönlichkeit des Kindes unmöglich ignorieren. Die Ergebnisse dieser soziologisch-psychologischen Forschung verdeutlichen, von welch wesentlicher Bedeutung die Rolle des Vaters 12
Das Konzept der Vaterschaft und Mannes in der Familie ist. Aus diesem Grund ist das Thema ernst zu nehmen und sollte nicht vernachlässigt werden, insbesondere in der heutigen Zeit. Für eine Lösung gibt es keinen besseren Weg, als an die Quelle zu gehen und sich mit den Anleitungen auseinanderzusetzen, die uns von unserem Schöpfer gegeben wurden, von dem jede Vaterschaft im Himmel und auf Erden benannt wird (Eph. 3,15).
Worauf will Gott heute unsere Aufmerksamkeit lenken? Ich begann die Bibel auf eine neue Weise zu studieren und suchte nach konkreten Anweisungen von Gott. Welches Modell vom Ehemann und Vater stellt Gott uns vor? Vor dem Hintergrund verschiedener Untersuchungsergebnisse, die unmittelbar zeigten, was für eine wichtige Rolle der Vater spielt, sowie von Gesprächen mit jungen Leuten, die von ihren Vätern verletzt worden waren, stellte ich mir die Frage: Was kann man in dieser Sache tun? Vielleicht gibt es in unseren Gemeinden irgendwelche Lücken in der Lehre zu diesem Thema? Ich glaube, dass nur Gottes Offenbarung und Weisheit uns dabei helfen können, neue Dinge einzuführen und alles Schlechte aus diesem Schlüsselbereich unseres Lebens zu entfernen. Ein bisher zerstörender Einfluss kann durch Segen ersetzt werden. Das Fehlen des Vaters, das wie ein Fluch auf den vergangenen Jahren unserer Geschichte lag, kann durch eine stärkende Kraft verändert werden. Vor einiger Zeit war ich zu einer Konferenz für Väter eingeladen. Der Redner vor mir sprach davon, dass sich die gefühlsmäßige Abstumpfung in Polen zur Norm entwickelt habe und die eigenen Emotionen nicht verstanden würden. Es habe sich herausgestellt, dass die Mehrheit der Männer nicht imstande sei, ihre Gefühle zu benennen. Demzufolge könnten sie sie auch nicht richtig ausdrücken. Auf der Konferenz wurden insgesamt erschreckende Angaben zu der sich ausbreitenden Gesellschaftspathologie gemacht: Der Mann trinke, schlage seine Frau und verfluche die Kinder. Im ersten Moment schien mir, dass meine Vorredner gewaltig übertrieben. Nach der Rückkehr zur Arbeit wurde ich jedoch auf eine neue Weise schnell mit der Wirklichkeit konfrontiert. Einige der folgenden Gespräche mit jungen und älteren Menschen über die Rolle des Vaters machten mir den Ernst dieses Problems bewusst. 13
Vater, Priester, Held Immer wieder habe ich mit Patienten zu tun, die über verschiedene Beschwerden klagen, unter anderem deshalb, weil ihre Väter ihnen immer wieder gesagt hatten: „Du bist ein Dummkopf. Du bist zu nichts nütze. Du wirst im Leben nichts erreichen. Du bedeutest mir nichts.” Gleichzeitig waren sie oftmals Zeugen davon, wie herablassend ihre Väter die Mütter behandelten. Diese Menschen sind in vielerlei Hinsicht verletzt worden – im körperlichen, intellektuellen und vor allem emotionalen und geistlichen Bereich. Erneut fragte ich mich: Welche Absicht hatte der Schöpfer im Blick auf uns Männer? Wie war es am Anfang? Wenn ich in der Bibel vom Schöpfungsprozess las, war ich immer wieder neu von Gottes Feingefühl bewegt. Als Gott den Mann ansah, unterstrich er deutlich: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht (1. Mo. 2,18). Erst nachdem er die Frau geschaffen hatte, war sein Schöpfungswerk abgeschlossen. Er nannte die Frau ezer kenegdo – „passende Hilfe“. An einer anderen Stelle in der Bibel lesen wir, dass ein Mann Wohlgefallen von Gott erlangt, wenn er die für ihn geschaffene ezer kenegdo findet. Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen. Weder allein der Mann noch allein die Frau sind ein Wesensabbild des Schöpfers. Erst die Vereinigung der männlichen und weiblichen Eigenschaften vermittelt ein vollständiges Bild. Gott selbst hat gesagt, dass es nicht gut ist, wenn der Mensch allein ist. Dies hat er allerdings nicht nur auf die Ehe bezogen. Wir sind vor allem zur Beziehung miteinander berufen. Im Blick auf Adam betonte Gott jedoch, dass der Mensch einsam war und die Verbindung mit einer ihm entsprechenden Person brauchte. Genügt uns denn die Beziehung zu Gott nicht? Gott selbst gibt die Antwort, dass für den Menschen auch der Kontakt zu anderen Menschen wichtig ist. Das ist eine biblische Wahrheit. Gott hat jeden von uns zur Gemeinschaft mit ihm geschaffen, aber er stellt uns auch in zwischenmenschliche Beziehungen, weil wir einander brauchen. Eine besondere Bedeutung misst Gott der Ehe bei. In dieser Verbindung nehmen beide Partner die Berufung an, füreinander ezer kenegdo zu sein – eine passende Hilfe. Dies sollte uns zu großer Demut anregen. Warum? Wenn Gott in der Bibel von sich sagt, dass er ein Helfer für den Menschen ist, verwendet er dieselbe Bezeichnung: ezer kenegdo. In ihm finden wir ein Vorbild, auf welche Weise wir den anderen unterstützen können. Gott selbst will die größte Hilfe für uns Menschen sein. 14
Das Konzept der Vaterschaft
Gottesbild Ehepartner können von Gott lernen. Als Eltern finden sie Anleitungen in der Bibel, wie sie ihre Rolle im Blick auf die Kinder erfüllen sollen. Gemäß der Absicht des Schöpfers stellen die Eltern ein unzertrennbares Ganzes für das Kind dar. Erst Mann und Frau gemeinsam weisen darauf hin, wie Gott ist. Die Bibel sagt, dass der Mensch nach dem Bild Gottes geschaffen wurde. Deshalb zerstört eine falsche Haltung der Männer die wichtigste Vorstellung Gottes, des Vaters. Verletzungen, die einem Kind durch seinen irdischen Vater zugefügt wurden, formen ein falsches Gottesbild in ihm – mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben und die bis weit ins Erwachsenenleben hinein reichen. Die häufigste Ursache dafür, dass jemand Angst vor Gott hat, ist eine gestörte Beziehung zum eigenen, leiblichen Vater. Ein falsches Gottesbild und Lügen über ihn entstehen durch traumatische Erlebnisse, aber in erster Linie auf der Grundlage von Wunden, die im Elternhaus erlitten wurden, hauptsächlich infolge eines schlechten Verhältnisses zum Vater. Jede negative Erfahrung hinterlässt neben einer emotionalen Wunde eine Lüge, der wir zu glauben beginnen.
Sicherheits- und Selbstwertgefühl Eine der wichtigsten Aufgaben, die Eltern im Leben ihrer Kinder zu erfüllen haben, ist die Ausbildung eines Sicherheitsgefühls. Dies geschieht vor allem durch gegenseitige Beziehungen. Das Beste, was ein Vater seinen Kindern geben kann, ist, dass er sie und ihre Mutter von ganzem Herzen liebt. Das Verhältnis des Vaters zur Mutter sowie sein Umgang mit ihr vor dem Kind formen dessen spätere Haltung im Blick auf Frauen. Diese Tatsache ist von enormer Bedeutung für das Leben des Sohnes, der unbewusst das Muster wiederholt, das er bei seinem Vater beobachtet hat. In der Zukunft beeinflusst es das Verhältnis zu seiner Ehefrau und anderen Frauen. Auch auf beruflicher und gesellschaftlicher Ebene wird sich dieses Modell widerspiegeln, selbst in der Kommunikation mit der eigenen Tochter. Die Liebe des Vaters zu seinem Kind ist die größte Investition in dessen Selbstwertgefühl. Ein Kind, das bedingungslos geliebt und akzeptiert wird, ist fähig, seine wahre Identität zu entdecken und sich 15
Vater, Priester, Held selbst so aus Gottes Händen anzunehmen, wie es geschaffen wurde. Ein von seinem irdischen Vater ungeliebtes und nicht akzeptiertes Kind dagegen hat einen sehr viel längeren und schwierigeren Weg vor sich, seine eigene Identität zu finden. Die Mehrheit der Menschen kämpft heute mit einem geringen Selbstwertgefühl. Das betrifft Frauen wie Männer. Der Unterschied besteht nur darin, dass es Männern in der Regel schwerer fällt, das zuzugeben. Die fehlende Sicherheit, für seinen leiblichen Vater jemand Besonderes zu sein, raubt das Bewusstsein für den eigenen Wert.
Sieg über Niederlagen Der Vater hat auf einen weiteren wichtigen Bereich im Leben seines Kindes einen gewaltigen Einfluss. Er trägt nicht nur dazu bei, dass es seine eigenen Möglichkeiten akzeptiert, sondern auch zu einer Entfaltung seiner Gaben und Talente. Das Fehlen von Ermutigung und Unterstützung vonseiten des Vaters verstärkt Komplexe und Hemmungen beim Angehen neuer Herausforderungen. Es blockiert das Erreichen von Leistungen beim Lernen, im Sport und später im Berufsleben. Ein Vater, der motiviert und in jedem Moment bereit ist zu helfen, macht selbst aus Niederlagen einen Ansporn, um eine höhere Ebene körperlicher, intellektueller, emotionaler oder geistlicher Reife zu erreichen. Lob und Zuspruch des Vaters setzen auf übernatürliche Weise das Entwicklungspotenzial eines Kindes frei, das dieser Stärkung bedarf. Mit anderen Worten: Ohne die Ermutigung des Vaters kommt es in der Mehrzahl der Fälle nicht zur vollen Entfaltung der kreativen Möglichkeiten eines jungen Menschen. Ein Vater, der stolz auf sein Kind ist, wirkt wie ein Windstoß, der unter dessen Flügel fährt und ihm Auftrieb verleiht, damit es sich hoch hinaufschwingen kann. Wenn ein Kind vom Vater schlecht behandelt oder gar verlassen wird, hat es gebrochene Flügel. Und nur die Liebe Gottes, des Vaters, ist in der Lage, sie wieder zu heilen.
Die Rolle des Priesters in der Familie Gott gibt uns verschiedene Beispiele, um zu erklären, worin die Rolle des Vaters besteht. Ein Aspekt der Vaterrolle ist der priesterliche Dienst im Verhältnis zu seinen Kindern. Wenn der Priester vor dem Volk stand, repräsentierte er Gott, und wenn er vor Gott stand, repräsentierte er das 16
Das Konzept der Vaterschaft Volk. Er war es, der dem Volk erklärte, was Gott in seinem Wort sagt. Im Gebet brachte er die Bedürfnisse der Menschen vor Gott, sogar dann, wenn sie sich von ihm abgewendet hatten. Der Priester nahm dies den Menschen nicht übel, sondern setzte sich umso mehr vor Gott für sie ein. Der Vater wurde zu genau dieser Rolle berufen – zu der des Priesters in seiner Familie. Worum geht es dabei genau? Der Vater repräsentiert vor seiner Frau und seinen Kindern Gott sowie dessen Rechte und Wertmaßstäbe. Er steht im Namen Gottes vor ihnen, erklärt ihnen sein Wort und ist für die Umsetzung dieses Wortes verantwortlich. Als Ehemann und Vater ist er das Haupt der Familie. Gleichzeitig vertritt er seine Frau und seine Kinder vor Gott und setzt sich vor ihm für sie ein. Die Gebete eines Vaters sind ein Wohlgeruch für Gott, so wie es einst die Gebete der Priester waren, die sich für das Volk einsetzten. Unter allen Menschen auf der Erde haben die Väter die größte Autorität, für ihre Kinder einzutreten: Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, von dem jede Vaterschaft im Himmel und auf Erden benannt wird: Er gebe euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen. (Eph. 3,14–16)
Als Vater fasziniert mich das Beispiel Samuels. Es gab eine Zeit in der Geschichte des auserwählten Volkes, als die Israeliten nicht mehr von Gott selbst geführt werden wollten und das verschmähten, was er für sie ausgewählt und beschlossen hatte. Sie erklärten, dass sie, wie die anderen Völker, einen König haben wollten. Samuel war verzweifelt, doch Gott sagte damals zu ihm: „Nimm das nicht persönlich; sie haben nicht dich, sondern mich beleidigt. Ich werde ihnen einen König geben. An deiner Haltung sollte sich dagegen nichts ändern.“ Daraufhin wandte sich Samuel an die Israeliten: Fern sei es von mir, dass ich mich an dem Herrn versündigen und aufhören sollte, für euch zu bitten (1. Sam. 12,23). Dieser Abschnitt zeigt ebenso, dass Überredungen sich nicht immer als erfolgreich erweisen. Es wird Situationen geben, in denen deine Frau oder deine Kinder Entscheidungen treffen, mit denen du dich als Ehemann und Vater nicht voll identifizieren kannst. Aber sogar dann verpflichtet Gott dich dazu, nicht gegen ihn zu sündigen und weiter für sie zu beten, weil Gott sie dir anvertraut hat. Denn Gott ist es, der dir eine besondere Stellung gegeben hat: Einfluss zu nehmen, Autorität zu vermitteln und Fürbitte zu leisten. 17
Vater, Priester, Held Im Neuen Testament gibt es zwei Schlüsselgebete. Das erste ist das Gebet des Herrn Jesus, das im Matthäusevangelium (6,9–13) festgehalten ist – das Vaterunser. Das zweite Gebet ist das des Apostels Paulus, das wir im Brief an die Epheser (3,14–21) finden. Wenn der Apostel sagt: „Ich beuge meine Knie vor Gott, von dem jegliches Konzept von Vaterschaft kommt“, gibt uns das deutlich zu verstehen, worum es bei Vaterschaft wirklich geht. Wir können das nur dann erfassen, wenn wir die Vaterliebe Gottes selbst erleben.
Dein Kind ruft: Papa, ich brauche dich und deine Gebete.
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