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Kris Vallotton/Bill Johnson

Eine Frage der Ehre Der übernatürliche Lebensstil der Königskinder


Originaltitel: The supernatural Ways of Royalty. Discovering your rights and privileges of being a son or a daughter of God Copyright © 2006 Bill Johnson and Kris Vallotton Originally published in English by Destiny Image Publishers, Inc. P.O. Box 310 Shippensburg, PA 17257-0310 Copyright © der deutschen Ausgabe 2014 Asaph-Verlag Alle Rechte vorbehalten Aus dem Amerikanischen von Manfred R. Haller und Michael Stadler Die Bibelstellen wurden der Revidierten Elberfelder-Übersetzung entnommen, © 1985 R. Brockhaus Verlag, Wuppertal Außerdem wurde folgende Übersetzung verwendet: Manfred R. Haller: Und wir sahen Seine Herrlichkeit. Die neutestamentlichen Schriften der Apostel Paulus und Johannes. © 2007 Wohlkunde-Verlag ISBN 978-3-940188-84-7 Best.-Nr. 147484 © 1998 by ASAPH-Verlag 3. Auflage 2014 (1. Auflage im Asaph-Verlag) Umschlaggestaltung: joussenkarliczek, Schorndorf Druck: cpibooks Printed in the EU Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm wenden Sie sich bitte an: ASAPH, D-58478 Lüdenscheid Email: asaph@asaph.net – www.asaph.net


Widmung Ich widme dieses Buch all den Heiligen weltweit, die, wie Josef, so gerne ihren Weg aus dem Gefängnis hinein in den Palast finden möchten

Und Samuel sagte dem Volk das Recht des Königtums und schrieb es in ein Buch und legte es vor den Herrn nieder. (1. Samuel 10,25)


Danksagung Mama – Danke, dass du mich durch schwierige Zeiten hindurch geliebt und immer an mich geglaubt hast. Bill Derryberry – Dein Leben ist für mich eine Inspiration. Deine Liebe hat mich wiederhergestellt. Nancy – Du hast mir geholfen, meine Träume wahr werden zu lassen Danny, Dann, Charlie, Steve und Paul – Ihr habt mir dabei geholfen, mein Leben zu formen, meine Ideen und meine Bestimmung. Danke. Vanessa und Allison – Danke für die hunderte von Stunden, die ihr in dieses Werk investiert habt. Dieses Buch wäre nie möglich gewesen ohne euer Talent und eure Unterstützung. Das Bethel Team – Wow! Ihr seid einfach gigantisch! Es ist ein Vorrecht, mit euch allen Gott zu dienen. Bill und Beni – Jeder braucht solche Freunde wie ihr es seid, die einem in schwierigen Zeiten Gnade erweisen und in denen man während dunkler Jahre die Güte sehen kann. Für mein ganzes Leben stehe ich in eurer Schuld. Ihr beide habt den Lauf meiner Familie verändert. Bill, danke, dass du dieses erste Buch mit mir gemeinsam geschrieben hast. Earl – Obwohl du heimgegangen bist, lebt dein Leben in mir weiter. Danke, dass du mich adoptiert hast. Ich werde dafür ewig dankbar sein. Kathy – Du bist die Frau meiner Träume!


Inhaltsübersicht Vorwort des Verlegers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Vorwort von Bill Johnson . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Teil I: Unsere königliche Berufung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Die Mühsal des Bettlerdaseins. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Burglandstreicher oder Prinzen im Palast?. . . . . . . . . . . . 3 Gefangene und Gebundene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Eine königliche Errötung (von Bill Johnson) . . . . . . . . . . 5 Eidechsen im Palast. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Ausbildung zum Herrschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Rate mal, wer zum Abendessen kommt! . . . . . . . . . . . . .

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Teil II: Einführung in die königlichen Eigenschaften . . . . . . . 99 8 Superhelden in der Gemeinde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 9 Immer weiter hinab bis zur Spitze . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107 10 Ehre – die gelbe Backsteinstraße . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120 11 Königswürde bedeutet sterben, um zusammen zu sein . . 135 12 Die Erlasse des Königs verteidigen . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 13 Die Hunde des Untergangs stehen an der Tür unserer Bestimmung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167 Teil III: Einführung in die königliche Autorität und Verantwortung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Der Geheimdienst Seiner Majestät . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Den Stab weitergeben (von Bill Johnson) . . . . . . . . . . . . 16 Mit himmlischen Verbündeten strategische Allianzen bilden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 Den Planeten bewahren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Prinz und Bettler-Test . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 246 Wie kann man dieses Leben beginnen? . . . . . . . . . . . . . . . . . 254


Vorwort des Verlegers

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in Raunen geht durch die dämonische Welt und die ganze Finsternis erzittert. Was löst diese Unruhe in der Dunkelheit aus? Welche unermessliche Kraft ist dafür verantwortlich, dass die Grundfesten der Finsternis derart erschüttert werden? Der große Verlierer von Golgatha ist, im Gegensatz zu unserem Vater im Himmel, weder allmächtig noch allwissend! Er hat jedoch eine Vermutung und diese ist berechtigt. Er, der alles auf eine Karte gesetzt und verloren hat, ahnt jetzt, dass es ihm endgültig an den Kragen geht. Sein Einfluss war eh darauf beschränkt, die menschliche Schöpfung auf gedanklicher Ebene zu manipulieren, damit sie nicht den wunderbaren Plan ihres himmlischen Vaters erkennt. Unser Vater ist ein Vater, der alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden in sich vereint! Die ganze Finsternis erzittert, weil die Zeit der Vollendung angebrochen ist. Wir sind eingetreten in das Zeitalter, auf das die ganze Schöpfung mit äußerster Anspannung (Römer 8,19; nach Haller) gewartet hat. Das Zeitalter, in dem die Söhne und Töchter Gottes offenbar werden! Immer mehr Gläubige kommen zur Erkenntnis wer sie wirklich sind: Echte Söhne und Töchter ihres wirklichen Vaters (Matthäus 23,9). Im Gegensatz zu vorherigen Epochen fangen sie an, wie Söhne und Töchter Gottes zu leben. Warum war dieses Geheimnis 2000 Jahre lang mehr oder weniger verborgen? Weil es dem Vater gefallen hat, Sich das Beste bis zum Schluss aufzubewahren. Das entspricht Seinem ewigen Vorsatz, so hat Er es vor Grundlegung der Welt vorherbestimmt. Der Heilige Geist schenkt uns ein Bewusstsein darüber, was es bedeutet den Willen Gottes »wie im Himmel, so auch auf Erden« umzusetzen. Im Hebräerbrief 2,10 lesen wir, dass Gott viele Söhne zur Herrlichkeit führen will! In meinem Reisedienst betrüben mich zwei Festlegungen, die für die vorherrschende Bettlermentalität im Leib Christi verantwortlich sind. Ich erlebe eine ätzende Form von Minderwertigkeit. Diese vermittelt den Gläubigen permanent: »Du kannst nichts, du darfst 7


nichts, du bist nichts und du wirst nichts.« Obwohl genau das Gegenteil der Fall ist. So wirst Du nie in den Genuss deiner Königsherrschaft, die dir als Königssohn und Königstochter gehört, hineinkommen. Häufig höre ich auch: »Jetzt muss Gott eingreifen, wir warten darauf was der Heilige Geist uns zeigt.« Einige Christen glauben sogar, es läge an der Allmacht Gottes, dass ihr Leben voller Leid und Krankheit ist. Denn wenn Er etwas verändern wolle, würde Er es ja tun. Diese Einstellung zeigt leider nur, dass sie ihren echten Vater nie kennengelernt haben. Wenn ich solche Aussagen höre, denke ich bei mir: »Freunde, wovon redet ihr eigentlich?« Habt ihr nicht gehört, was Jesus in Matthäus 28,18-20 gesagt und auch wirklich gemeint hat? »Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Nationen.« Mit dem Verstand ist dieses Wort nicht zu erfassen, weil es durch die vorherrschende Meinung im Leib Christi unlogisch klingt. Wenn Jesus alle Macht hat, dann müsste Er doch eigentlich gehen und nicht wir. An anderer Stelle sagt Jesus: »Vater, die gleiche Herrlichkeit, die Du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben.« Jesus sagt: »Gebt ihr ihnen zu essen, heilt ihr die Kranken, weckt ihr die Toten auf.« Jesus geht sogar noch weiter und erklärt uns in Johannes 14,12 (nach Haller), dass Er selbst nicht mehr in der Lage sei Zeichen und Wunder zu wirken, weil Er zum Vater gehe. Darum fordert er uns auf, noch größere Wunder zu tun. Jesus und der Vater heilen schon seit 2000 Jahren keinen einzigen Kranken mehr. Kranke werden durch Söhne und Töchter geheilt, die sich bewusst sind, dass in ihrem Leben die Kraft wirksam ist, die Jesus von den Toten auferweckt hat. Nur wenn die Liebesnatur des ewigen Vaters kompromisslos herausgestellt wird, kann der Wille Gottes in Erfüllung gehen. Dann werden viele Söhne zur Herrlichkeit geführt! Das Buch »Eine Frage der Ehre« von Kris Vallotton und Bill Johnson wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass sich ein Bewusstsein der Königsherrschaft im Leib Christi (es gibt nur einen!) etabliert. Wir dürfen erkennen, dass die Verantwortung für alle Entwicklungen weltweit und für unsere persönlichen Lebens8


umstände bei uns liegt. Durch solche gesalbte Lektüre und Verkündigung werden die Königssöhne und Königstöchter aufstehen und in die volle Mannesreife hineingeführt. Römer 5,17 sagt uns, dass wir im Leben herrschen sollen wie Könige durch Jesus Christus! Deutlicher kann man es nicht ausdrücken! Wir werden wie eine wunderschöne Blüte entfaltet und die Herrlichkeit Gottes repräsentieren, so wie es diese Welt noch nicht gesehen hat! Der Vater bereitet jetzt Seinem Sohn eine herrliche Braut zu. Die Schönheit dieser Braut, gepaart mit Autorität und Vollmacht, wird permanent zunehmen, solange bis Jesus Christus wiederkommt! Dies ist keine neue Welle, nicht eine Bewegung Gottes, die heute kommt und in einigen Jahren wieder geht. Dies ist ein gewaltiger Fluss, der direkt vom Thron der Gnade fließt. Es ist der Fluss des Heiligen Geistes, der den Leib Christi einen wird zu einem herrlichen übernatürlichen Geistorganismus! Lasse dich einfügen in diesen Leib, damit auch du in die Blüte deines Lebens kommst! Springe hinein in diesen Fluss! Verbunden in Seiner Liebe, Alex Thomsen, Sohn meines Vaters

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Vorwort von Bill Johnson

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ie Geschichte hindurch haben große Bewegungen Gottes ganze Nationen der Welt erschüttert. Jede Ausgießung des Geistes brachte einen notwendigen Zuwachs an Einsichten und Erfahrungen, die dazu beitrugen, die Gemeinde zu ihrer ewigen Bestimmung wiederherzustellen. Aber gleichzeitig mit der neuen Leidenschaft und den Massenbekehrungen brachte Gott einen weiteren Faktor ins Spiel: ein weiteres Element, an dem man Anstoß nehmen konnte. Das scheint so Gottes Art zu sein. Auf diese Weise trennt er die Spreu vom Weizen, die Oberflächlichen von den Leidenschaftlichen und die Hungrigen von den Satten. Für die verzweifelt Sehnsüchtigen »ist alles Bittere süß«. Durch die Feuer der Erweckung formt Gott Sein Volk in Sein Bild. Die Ausgießung des Geistes führt immer zu einer vertieften Wahrnehmung unserer Sündhaftigkeit. Einige der großartigsten geistlichen Lieder über das Bekennen von Fehlverhalten und Reue wurden in solchen Zeiten geschrieben. Aber eine anfängliche Offenbarung von unserer Sünde und Unwürdigkeit ist nur die eine Seite der notwendigen Gleichung. Die meisten Erweckungen kommen über diesen Punkt nicht hinaus und können so nicht zu einer Konsolidierung einer göttlichen Bewegung beitragen, die sich nämlich erst dann einstellt, wenn das Ganze zu einem Lifestyle, einem Lebensstil, wird. Es ist schwierig, etwas Substanzielles auf etwas Negativem zu gründen. Die andere Hälfte der Gleichung besteht darin, wie heilig Er Sich zu unseren Gunsten erweist. Sobald man dies erkennt, ändert sich die Wahrnehmung unserer Identität und unser Glaube erfasst den eigentlichen Plan, die große Absicht hinter unserer Errettung. Irgendwann müssen wir den Punkt hinter uns lassen, dass wir »begnadigte Sünder« sind. In dem Maße, wie wir es lernen, unsere Stellung in Christus konkret auszuleben, werden wir die mächtigste Frucht und Ernte aller Zeiten hervorbringen. Es sprengt jegliche Vorstellungskraft, wenn man versucht, sich auch nur ansatzweise auszumalen, was eine einzige Generation erreichen kann nur aufgrund dieser einen Offenbarung. 10


Eine Frage der Ehre antwortet auf einen solchen Schrei der Herzen – einen Schrei, der von der Gemeinde ausgestoßen wird, ja von Gott selbst, und sogar von den Kräften der Natur (vgl. Römer 8,19 ff). Kris Valloton nimmt uns mit auf eine atemberaubend erregende Reise durch sein Zeugnis und durch die frischen Offenbarungen aus der Heiligen Schrift, die das Ganze möglich machten. Nur wenige haben bislang diesen Pfad beschritten. Einige lehnen ab, ihn zu gehen, und zwar aufgrund der fehlgeleiteten Angst, dadurch stolz werden zu können. Stattdessen wählen sie für sich, unbeabsichtigt, ein Dasein in fortwährender Unreife. Vieles von dem, wonach wir uns im Leben sehnen, findet sich in der Spannung einander widerstrebender Wirklichkeiten wieder. Deshalb erscheint für die Schwachen im Glauben Zuversicht das Gleiche wie Arroganz zu sein. Doch der Glaube muss sich über die allgemein anerkannte Durchschnittsnorm erheben und zu einem Lifestyle werden, der getreu den siegreichen Sohn Gottes darstellt. Wir müssen wirklich Gottes Fähigkeit, uns zu bewahren, mehr vertrauen als der Fähigkeit des Teufels, uns zu verführen. Kris und ich leben bereits seit 28 Jahren in einer Bundesbeziehung. Ich habe zugesehen, wie diese Offenbarung einen Mann völlig umgestaltete, als diese heilende Gnade Gottes auf ein zerbrochenes Leben ausgegossen wurde. Heute dient Kris dem Leib Christi als ein außergewöhnlich begabter Mann, als ein lebendiges Zeugnis von »Gottes Kraft, die in Schwachheit zur Vollendung kommt«. Dieses Buch ist eine Pflichtlektüre für alle, die den Status quo hinter sich lassen wollen, die kein Interesse mehr haben an einem bequemen und trägen Lebensstil, wie ihn sich viele wünschen. Dieses Buch rüstet uns zu für die Ewigkeit, und zwar jetzt. Bill Johnson Autor von »Und der Himmel bricht herein. Wie man ein Leben voller Wunder führt«

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Einführung Von Bettlern zu Prinzen Die Geschichte eines Königs

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as Bettlerdasein gebührt den Kindern eines geringeren Gottes. Es ist der Zustand von Sklaven, die ihre Freiheit jenseits des Flusses der Taufe erst noch entdecken müssen und die sich gefangen fühlen vom dunklen Fürsten der Qual und der Pein. Denn er ist es, der ihnen durch ein diabolisches Illusionsspiel ein Leben voller Armut, Schmerz und Schwermut zuweist, in der Hoffnung, das Bewusstsein von ihrer wahren Identität für immer von ihnen fernzuhalten. Dieser böse Fürst speist seine Gefangenen mit den Rationen der Religion ab, um den Hunger ihrer Seelen nach Gerechtigkeit zu stillen. Diese Sklaven, denen ihre Sünde die Augen verbunden hat, sind der Meinung, dass sie sich für ihre eigene Freiheit abmühen und schuften, um aus einem Gefängnis herauszukommen, das sie sich selbst aus dem sumpfigen Ton ihrer Selbstgerechtigkeit gemauert haben. Doch ohne es zu merken, mauern sie Ziegelstein um Ziegelstein und errichten sich ihre eigene Todeskammer. Und was noch schlimmer ist: Sie gebären dieselbe Dunkelheit in anderen und schaffen ein Erbe der Gebundenheit voller hoffnungsloser Gedanken. Aber weit weg auf einem Hügel stieg ein Lamm, das eigentlich ein Löwe war, herab durch die Luke von Golgatha. Er brach durch die Pforten der Hölle und traf auf den dunklen Fürsten in der Mutter aller Schlachten. Mit einigen Kreuzigungsnägeln und einer Dornenkrone bezwang dieser Held den Teufel und entwaffnete ihn für immer von den Waffen der Sünde, des Todes, der Hölle und des Grabes. Denn die Sünde konnte Ihn nicht versuchen, der Tod konnte Ihn nicht besiegen, die Hölle konnte Ihn nicht halten und das Grab konnte nicht mehr nach Ihm greifen. Im Beisein vieler Zeugen und gewaltiger Krieger stieg Er wieder zur Oberfläche der Erde empor. Der Planet bebte, um seine Gefangenen freizugeben, während der Himmel donnerte, um seinen Schatz zu empfangen. Das 12


waren nicht einfach errettete Seelen, die erlöst, sondern dies war die Krönung der Söhne, die offenbar werden sollten! Der Heilige in gleißend-strahlendem Licht erschuf uns verderbte, verkommene Sünder neu zu Seinen gerechten, herrschenden Heiligen. Wir sind nicht bloß Soldaten des Kreuzes; wir sind Thronfolger. Seine göttliche Natur durchdringt unsere Seele, erneuert unser Denken, transplantiert unser Herz und verklärt unseren Geist. Wir wurden zu Gefäßen Seiner Herrlichkeit und zu Trägern Seines Lichts. Andere sagen, all das werde besser wiedergegeben in der Geschichte von der wunderschönen Tochter, die durch Eheschließung auf den Thron gelangt, da sie mit dem Friedefürsten verlobt ist. Das Brautgemach wird gerade hergerichtet, das große Fest vorbereitet und die Braut macht sich selbst bereit. Ob wir nun Gottes Kinder genannt werden, die verlobte Braut des Lammes, das königliche Priestertum, Sein Augapfel oder die Neue Schöpfung, eines ist sicher: Wir haben das Herz unseres Geliebten gewonnen, der einen majestätischen Siegeszug anführt, denn Er hat Seinen Schimmel bestiegen und ist drauf und dran, auf diesem Planeten einzuziehen! Inzwischen erhebt sich in dieser gegenwärtigen Finsternis auf Erden Gottes Volk und beginnt zu leuchten. Wir, Seine königliche Armee, verstrahlen die Herrlichkeit des Königs überall auf der Erde, während wir endlich den Sieg und die Herrschaft über diesen Planeten gegenüber dem Besiegten durchsetzen. Ausgestattet mit dem Licht des Vaters fördern Seine Söhne in den Herzen der Menschen lang vergrabene Schätze zutage, die einst durch Felsbrocken des Anstoßnehmens, durch Dornen des Einander-Fertigmachens und durch Relikte von Religion überwuchert waren. Gewappnet mit der Kraft des Heiligen Geistes und beauftragt, den Sohn des Königs darzustellen, heilen wir die Kranken, wecken wir die Toten auf und vertreiben wir Dämonen. Das führt dazu, dass Bettler zu Prinzen und die Reiche dieser Welt zum Reich unseres Gottes werden!

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Teil 1 Unsere kรถnigliche Berufung

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Kapitel 1

Die Mühsal des Bettlerdaseins Die Erde kann es nicht ertragen, wenn ein Bettler König wird.

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lles begann an einem hellen Sommertag im ersten Jahr des neuen Jahrtausends, als Nancy, meine persönliche Assistentin, ziemlich aufgewühlt mein Büro betrat. Nach einem kurzen Geplauder entschloss ich mich, sie zu fragen, was sie denn beschäftige. Nancy war dafür bekannt, dass sie die Wahrheit sagte. Ihr Blick durchdrang meine Seele, als sie sagte: »Manchmal sagen Sie Dinge, die die Gefühle der Menschen verletzen. Sie sind wichtig für die Menschen um Sie herum, aber Sie scheinen absolut nicht zu merken, wie sehr die Leute Wert auf das legen, was Sie sagen. Sie zerstören Menschen mit Ihren Worten.« Sie fuhr fort und erinnerte mich an eine Bemerkung, die ich vorher einmal gemacht hatte. Ich glaubte, dass ich mit dem, was ich sagte, nur einen Scherz machte, aber offensichtlich hatte ich sie dadurch zu meinem jüngsten Opfer gemacht. Ich entschuldigte mich bei ihr, aber ehrlicherweise machte ich mir kaum Gedanken darüber. Ich dachte, Nancy sei sehr empfindlich, und ich sei es schon mein ganzes Leben lang gewohnt, »missverstanden« zu werden. Ich setzte meinen Tagesablauf fort und vergaß unser Gespräch weitgehend. Als ich an diesem Abend zu Bett ging und einschlief, hatte ich einen Traum. In diesem Traum wiederholte eine Stimme ständig dieses Schriftwort: »Unter dreien erzittert die Erde, und unter vieren kann sie es nicht aushalten: unter einem Knecht (Bettler), wenn er König wird « (Spr. 30,21-22a). Gegen drei Uhr morgens wachte ich auf, fühlte mich angeschlagen und empfand eine tiefe Traurigkeit. Ich lehnte mich gegen das Kopfteil des Bettes und versuchte, meine Gedanken zu sammeln. 16


DIE MÜHSAL DES BETTLERDASEINS

Dann hörte ich den Herrn, der auch traurig zu sein schien, wie Er mich fragte: »Weißt du, weshalb die Erde es unter einem Bettler nicht aushält, wenn er König wird?« »Nein«, sagte ich, »aber ich habe den Eindruck, dass Du es mir gleich sagen wirst.« Der Herr fuhr fort: »Ein Bettler ist dazu geboren, bedeutungslos zu sein. Während er aufwächst, belehrt ihn das Leben darüber, dass er keinen Wert besitzt und dass es auf seine Meinung nicht ankommt. Darum ist er, wenn er später ein König werden sollte, dann zwar für die Welt um ihn herum von Bedeutung, doch er selbst fühlt sich noch immer bedeutungslos, trotz der Königsherrschaft, die sich nun in ihm befindet. Folglich achtet er nicht auf seine Worte oder auf die Art, wie er sich benimmt und so zerstört er letztlich genau die Leute, die er führen sollte. Du, mein Sohn, bist ein solcher Bettler, der König geworden ist.« In den frühen Morgenstunden fing der Herr an, mich über meine Identität als Prinz zu belehren. Er führte mich zu verschiedenen Schriftstellen und zeigte mir, wie wichtig es für Seine Leiter ist, sich als Prinzen und Prinzessinnen zu verhalten, da wir Söhne und Töchter des Königs sind. Das erste Beispiel, das er mir zeigte, war Mose. Er fragte mich: »Weißt du, weshalb es nötig war, dass Mose in dem Palast des Pharao erzogen werden musste?« »Nein«, sagte ich. »Mose wurde geboren, um die Israeliten aus der Sklaverei zu führen. Also musste Mose in dem Palast des Pharao aufgezogen werden, damit er lernen konnte, was es heißt, ein Prinz zu sein und nicht mit der Mentalität eines Sklaven zu leben. Ein Leiter, der sich innerlich in Knechtschaft befindet, kann diejenigen nicht befreien, die äußerlich in Knechtschaft sind. Die ersten 40 Jahre von Moses Leben waren ebenso wichtig wie die 40 Jahre, die er in der Wüste zubrachte.« Als der Herr dies sagte, öffnete dies für mich eine Tür, durch die es mir möglich wurde, mich in das, was Mose erfahren hatte, hineinzuversetzen. Ich begann mir vorzustellen, was es für ihn bedeutet haben musste, als Sohn des Königs aufgezogen zu werden. Er musste stets gewusst haben, dass sein Leben bedeutungsvoll war. Gewiss war er es gewohnt gewesen, dass die Leute dem, was er sagte und tat, Aufmerksamkeit entgegenbrachten. Er muss17


EINE FRAGE DER EHRE

te es auch gewohnt gewesen sein, akzeptiert und geliebt zu werden. Ich bin sicher, dass jeder über seine Witze lachte, auch wenn sie überhaupt nicht lustig waren! Weil Mose wusste, dass er bedeutungsvoll war, hatte er Selbstvertrauen. Ich erkannte, dass er sich ohne dieses Selbstvertrauen wahrscheinlich nie für fähig gehalten hätte, irgendetwas zu unternehmen, um seinen hebräischen Brüdern zu helfen. Wäre er tatsächlich als Sklave aufgewachsen, so wäre es ihm bestimmt nie in den Sinn gekommen, etwas gegen die Ungerechtigkeit zu unternehmen, die er wahrnahm. Als ein Prinz und als ein Hebräer erzeugte der Kontrast zwischen seiner und ihrer Situation einen derartigen Konflikt in seiner Seele, dass er etwas unternehmen musste. Es war ungerecht, dass er gut behandelt wurde und sie nicht. Auch sie waren bedeutungsvoll. Unglücklicherweise konnten sie, als er den ersten Schritt zu unternehmen versuchte, um ihnen zu helfen, aufgrund ihrer Sklavenmentalität nicht verstehen, wo er herkam und was er wirklich im Sinn hatte. Er vertrat die hohe Auffassung von ihnen, sie würden es verdienen, so behandelt zu werden wie er selbst; sie jedoch waren der Meinung, er wolle sich bloß wichtig machen. Aber das war wirklich nicht der Fall: »Wer hat dich zu einem Obersten gemacht?«, fuhren sie ihn an. Ihre unterschiedlichen Auffassungen standen in völligem Konflikt zueinander. Je mehr ich über die Art von Person nachdachte, die Mose gewesen sein musste, desto mehr erkannte ich, was für Leute wir sein können, wenn wir nur richtig gelehrt werden, dass wir bedeutungsvoll sind. Wir werden dann nicht mehr unsicher darüber sein, wer wir eigentlich sind. Ich erkannte auch, dass ich nicht wie Mose war. Wie ich im nächsten Kapitel beschreiben werde, wurde ich nicht mit der Sicht erzogen, dass ich von Bedeutung sei. Das veranlasste mich, eine ganze Reihe von Verhaltensformen zu entwickeln, wie es jemand wie Mose wahrscheinlich nie getan hätte. Selbst nachdem ich Christ wurde, waren viele dieser Verhaltensweisen noch da. Ich erkannte, dass es bei der Konfrontation durch Nancy um mehr ging als nur darum, dass sie empfindlich war und ich mich missverstanden fühlte; so jedenfalls wollte ich, dass meine 18


DIE MÜHSAL DES BETTLERDASEINS

Reaktion verstanden werden sollte. Es ging darum, dass ich die Dinge tat, wie ich sie immer getan hatte, aber diese waren nicht mehr im Einklang mit dem, wie Gott mich sah. Das Wichtigste aber war: Ich erkannte, dass – so hatte es mir der Herr gesagt –, wenn ich fortfahren sollte, diese Dinge zu tun, ich die Leute zerstören würde, die ich zu führen versuchte. Ich wusste, dass diese Konfrontation wahrscheinlich nur eine von vielen war, die mir auf dem Weg aus dem Bettlerdasein heraus und hin zu meiner Identität als Prinz noch bevorstehen würden. Auch wusste ich, dass, wenn ich nicht anfing, mich in diese Richtung zu bewegen, es mich nicht nur ungeheuer viel kosten würde, sondern auch diejenigen um mich herum. Dieses Buch spricht von den Erfahrungen und Offenbarungen, die der Herr benutzte, um mich zu lehren, wie ich das Bettlerdasein hinter mir zurücklassen und wie ich in der Autorität und Kraft meiner königlichen und priesterlichen Berufung denken, handeln und wandeln kann. Weil diese Erziehung begann, als ich mich in einer Position der Leiterschaft in meiner Heimatgemeinde befand, machte mir der Herr folgendes deutlich: Das, was ich da lernen würde, würde nicht nur dazu dienen, mich umzuwandeln, sondern auch dazu, mich auszurüsten, um rund um mich herum eine Kultur von königlichem Bewusstsein zu fördern. Dies führte dazu, dass ich das Vorrecht erhielt, einer Dienstschule vorzustehen, deren primäres Ziel darin besteht, Gläubige zu lehren, wie man als Prinz und Prinzessin lebt. Bevor wir mit der Schule begannen, sagte der Herr zu mir: »Ich möchte, dass du den Studenten beibringst, wie man sich als Regent im Königreich benimmt. Sie sind zu etwas Königlichem berufen, um Einfluss zu nehmen, um zu herrschen und zu regieren. Ich möchte euch zu Pionieren machen, zu einem Volk, das Einfluss hat.« Das Ziel dieses Buches ist es, eine Offenbarung mitzuteilen, die der Herr mir geschenkt hat und die ich nun an meine Studenten und an die Gemeinden, denen ich vorstehe, weitergebe. Ich bete, dass, während ihr mich auf meiner Reise begleitet, ihr eure eigene Identität als Prinz oder als Prinzessin entdeckt und damit beginnt, alle Vorzüge eines Lebens im Palast des Königs zu genießen. 19


Kapitel 2

Burglandstreicher oder Prinzen im Palast? Du wirst stets die Umgebung um dich herum hervorbringen, die du in deinem Innern kultiviert hast. Ein schmerzlicher Verlust

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n den Monaten, die auf meinen Zusammenstoß mit Nancy folgten, stellte ich fest, dass die Wurzeln der Bettlermentalität bis zu meiner Empfängnis zurückverfolgt werden konnten. Die Umstände meiner Geburt und meine Erziehung brachten mich dazu, Lügen über mich selbst zu glauben, die mich von der Wirklichkeit meiner Identität in Christus fernhielten. Meine Mutter war die Anführerin der Highschool Cheerleaders und mein Vater war der Star-Footballspieler, als sie sich ineinander verliebten. Es war eine Liebesaffäre aus dem Bilderbuch, bis meine Mutter vorehelich mit mir schwanger wurde. Es war in den 1950er Jahren, als die Gesellschaft dies noch viel mehr mit Schande bedachte als dies heute der Fall ist. Als mein Großvater (der Vater meiner Mutter) herausfand, dass sie schwanger war, verstieß er beide, sowohl meine Mutter als auch meinen Vater, obwohl sie noch vor meiner Geburt geheiratet hatten. Ein Jahr später überraschte mein Vater meinen Großvater, indem er zur Hintertür seines Hauses kam. Bevor mein Großvater überhaupt eine Chance hatte, ihn fortzuschicken, fiel mein Vater auf seine Knie und bat um Vergebung. Zwar vergab ihm mein Großvater an jenem Morgen, doch keiner von beiden ahnte das Desaster, das bald folgen würde. Zwei Jahre später, knapp ein Jahr, nachdem meine Schwester geboren wurde, war mein Vater beim Fischen, als plötzlich ein gewaltiger Sturm losbrach und das Boot kentern ließ. Mein Vater rettete meinen Onkel, brachte ihn an Land und schwamm dann 20


B U R G L A N D S T R E I C H E R O D E R P R I N Z E N I M PA L A S T ?

zurück, um das Boot zu holen. Er kehrte nie mehr zurück. Mein Vater ertrank in jener stürmischen Nacht des Jahres 1958. Noch in der gleichen Nacht wurde ein Such- und Rettungsteam organisiert, um meinen Vater zu finden. Ungefähr um Mitternacht zog ihn mein Großvater vom Fuße des Anderson-Dammes herauf. Mein Leben und das Leben meiner Familie wurde für immer verändert. Der Tod meines Vaters bewirkte in meiner Seele ein tiefes Gefühl des Verlustes und der Angst vor dem Verlassenwerden. Natürlich verstehen Dreijährige die Bedeutung des Todes nicht. Alles, was ich wusste, war, dass er fort war, und ich hatte Angst, meine Mutter würde als Nächste dran sein. Mehrere Jahre danach stand ich mehrmals nachts auf und ging ins Schlafzimmer meiner Mutter, um nachzusehen, ob sie noch da war. Sie sagte mir Jahre später, sie sei oft nachts aufgewacht und habe beobachtet, wie ich neben ihrem Bett stand und sie anstarrte. Von der Tragödie zum Müll Meine Mutter heiratete noch zweimal. Unser erster Stiefvater trat in unser Leben, als ich fünf Jahre alt war. Er machte meiner Schwester und mir klar, dass er meine Mutter geheiratet hatte, und dass wir bloß das Gepäck wären, das im Preis inbegriffen war. Was das Ganze noch schlimmer machte, war die Tatsache, dass er ein starker Alkoholiker war. Brutalität wurde für uns zu einem Lebensstil. Die Hausregel zum Überleben lautete: »Schweig und geh aus dem Weg!« Mein Stiefvater sagte oft: »Kinder soll man sehen, aber nicht hören.« Seine Einstellung war eindeutig: »Ihr seid nicht von Bedeutung, niemand schert sich um euch und niemand fragt danach, was ihr denkt.« Selbst wenn wir uns aus den Problemen heraushielten, so wussten wir dennoch nie, in welcher Stimmung er sich gerade befand. Als er einmal betrunken war, hob er mich mit einer Hand hoch, zog mir meine Hose runter und fing an, mich mit seiner Gürtelschnalle zu schlagen. Das Blut rann mir an beiden Beinen hinunter. Meine Mutter schaffte es schließlich, mich schreiend und weinend von ihm loszureißen. 21


EINE FRAGE DER EHRE

Zusätzlich zu dem, dass mein Stiefvater uns misshandelte, schien er auch systematisch daran zu arbeiten, uns jede Erinnerung an unseren echten Vater auszutreiben. Er war sehr eifersüchtig auf die Liebe unserer Mutter und quälte uns, wenn sie uns irgendwelche Zuneigung zeigte. Er vernichtete alles, was unserem Vater gehört hatte, und verbot uns, irgendwelche Verwandte unseres Vaters zu besuchen. Wenn ich zurückschaue, kann ich feststellen, dass der Teufel ihn dazu benutzte, um unsere Identität zu zerstören. Meine Mutter ließ sich schließlich von ihm scheiden, als ich 13 Jahre alt war. Als ich 15 war, heiratete meine Mutter aufs Neue. Unglücklicherweise blieben die Hausregeln dieselben. Die Gewalt ging weiter und das Überleben von uns Kindern hing davon ab, dass wir unsichtbar blieben und uns unauffällig verhielten. Leider weiß ich, dass das, was ich als Heranwachsender erlebte, nur allzu verbreitet ist. Die Umstände mögen sich unterscheiden, doch diejenigen von uns, die in ihrer Jugend Verlassenwerden, Vernachlässigung und Missbrauch erlebten – selbst wenn es sich bloß darum gehandelt hatte, dass man »zur falschen Zeit« geboren worden war, wie dies auch bei mir der Fall gewesen war –, verinnerlichen die fatale Botschaft, dass sie eine Schande, unerwünscht und wertlos seien. Das Ergebnis dieser Lügen ist, dass wir Verhaltensmuster entwickeln, um uns in einer feindseligen Welt selbst zu beschützen. Weil wir Angriffe auf den fundamentalsten Ebenen unserer Identität erfahren haben, glauben wir, wir müssten alles Erdenkliche tun, um den Schmerz abzutöten, um einfach nur zu überleben. Eine meiner Überlebenstaktiken war die, einen sarkastischen Sinn für Humor zu entwickeln. Mein Humor konzentrierte sich darauf, Leute herunterzumachen und ihnen das Gefühl zu geben, sie seien dumm und unbedeutend. Natürlich merkte ich gewöhnlich nicht, wie ich sie verletzte, doch unbewusst glaubte ich, dass, wenn ich das Selbstwertgefühl anderer zerstörte, mir das helfen würde, mich selbst besser zu fühlen. Ich machte Witze über die Fehler anderer Leute in der Meinung, es wäre lustig, obwohl jeder meiner Lacher jemandem ein Stück seines Herzens kostete. 22


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Auch als ich im Alter von 18 Jahren Christus kennenlernte, dauerte es viele Jahre, bevor ich das Thema meines Selbstwertgefühls in Angriff nahm. Die Folge war, dass ich mich weiter so verhielt und ich mir noch immer nicht bewusst war, wie sehr ich Menschen mit meinem Humor zerstörte. Ich hätte es verstehen sollen, denn ich war das Hauptopfer meines eigenen Humors. Oft machte ich meine eigenen Fehler zum Hauptantrieb meiner Witze. Ich war es gewohnt, mich lange Zeit über schlecht zu fühlen. Die Kultur des Schmerzes hielt meine Seele in meinem Innern gefangen, doch der Herr war entschlossen, mir dabei zu helfen, aus meinem Gefängnis auszubrechen. Lernen, sich selbst zu lieben Als Nancy mich damit konfrontierte, welchen Schaden mein Humor anrichten würde, merkte ich, dass dies nicht bloß ein Weckruf für die Tatsache war, dass ich Menschen verletzte. Die größere Offenbarung war für mich, dass Menschen wertschätzten, was ich zu sagen hatte. Ich hatte stets geglaubt, was meine Stiefväter mir eingetrichtert hatten: dass es die Leute nicht wirklich interessierte, was ich dachte oder sagte. Die Erkenntnis, dass ich einen Wert besaß, setzte einen Prozess in Gang. Auf diese Weise wurden die Lügen, die ich über mich geglaubt hatte, entwurzelt, und ich erkannte, dass die Begegnung mit Nancy und die Beziehung, die ich mit dem Herrn hatte, eben gerade der erste von vielen Schritten war, die Gott benutzen würde, um mich aus meinem Gefängnis heraus- und in Seinen Palast hineinzuführen. Ich hatte noch eine weitere Begegnung ungefähr ein Jahr später, die sich als nächster Schritt in meiner Reise aus dem Bettlerdasein herausstellte. Es begann an einem kalten Wintersonntagabend im Dezember. Ich traf spät bei der Gemeinde ein, und als ich die Eingangstür des Gebäudes öffnete, blies der Wind die Tür beinahe aus ihren Angeln. Die Gebetsversammlung war schon mitten im Gange, als ich den Raum betrat. Etwa hundert Leute waren leidenschaftlich beim Beten; also versuchte ich, mich still hineinzubewegen, damit die Versammlung nicht gestört würde. Als ich durch die Tür kam, grüßte mich Bill, unser Hauptpastor. Er hatte das selt23


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samste Grinsen auf seinem Gesicht. Er übergab mir etwas, das zur Hälfte gefaltet war. Ich war durch seinen Gesichtsausdruck verwirrt, während ich auf das Blatt Papier starrte. Schließlich merkte ich, dass es sich um einen Scheck handelte, doch mein ungläubiges Auge sträubte sich, die Summe mit dem Verstand zu fassen. Als es mir dämmerte, fing ich an auszurufen: »Eben hat mir jemand dreitausend Dollar gegeben! Hey, ihr alle, jemand hat mir eben DREITAUSEND DOLLAR gegeben!« Bill, der amüsiert lachte, sagte: »Vielleicht schaust du den Scheck besser noch einmal an!« Ich warf nochmals einen Blick auf den Scheck und stellte fest, dass es in Wirklichkeit dreißigtausend Dollar waren! Ich wurde beinahe ohnmächtig. Ich fing an, auf- und abzuspringen und zu schreien: »Dreißigtausend Dollar! Jemand hat mir soeben DREISSIGTAUSEND DOLLAR gegeben!« Ich war so verblüfft, dass ich mehrere Minuten lang kaum ein Wort herausbrachte. Ich betrachtete die Unterschrift und stellte fest, dass ich die Person nicht einmal kannte, die mir das Geld gegeben hatte. Dieses Geheimnis machte den Anschlag noch überraschender und schürte meine Aufregung noch. Es vergingen viele Tage, bis ich schließlich die Identität des Wohltäters herausfand. Er war neu in unserer Gemeinschaft und hatte einen Kurs besucht, den ich in diesem Jahr unterrichtet hatte. Eines Nachts, während er betete, hatte er den Eindruck, der Herr trage ihm auf, mir einen Teil seines Erbes zu geben. Ich schrieb ihm eine Karte, in der ich meine Dankbarkeit zum Ausdruck brachte, doch das Allermerkwürdigste geschah als Nächstes. Ich mied ihn mehrere Monate lang, nachdem er mir die unglaubliche Gabe hatte zukommen lassen. Zunächst war das, was ich tat, nicht so offensichtlich, doch je mehr Zeit verging, desto augenscheinlicher wurde es. Wenn ich ihn in einem bestimmten Raum in der Gemeinde sah, wandte ich mich um und ging in eine andere Richtung. Bei einer Gelegenheit rannte ich zur Männertoilette und fragte mich, ob ich es noch rechtzeitig schaffen würde, und als ich die Toilette betrat, stellte ich fest, dass er dort war. Er drehte mir den Rücken zu und hatte mich nicht gesehen, also rannte ich wieder 24


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hinaus. Ich musste den ganzen Weg zurückrennen bis auf die andere Seite des Gebäudes, um eine andere Toilette zu finden. Und als ich so um das Gebäude herumrannte, traf mich auf einmal der Gedanke: »Irgendetwas stimmt mit dir nicht!« Ich wusste wirklich nicht, weshalb ich mich so seltsam verhielt, und das beunruhigte mich. Als ich an jenem Abend zu Bett ging, konnte ich nicht schlafen. Es war kalt und dunkel, und der Wind heulte. Es schien, als würde ich ewig daliegen. Immer wieder schaute ich auf die Uhr und wartete, bis es Morgen würde, wälzte und drehte mich und grübelte, weshalb ich mich so sonderbar benahm. Ich konnte mein schlechtes Verhalten nicht aus dem Kopf kriegen. Meine Gedanken kehrten zu anderen Zeiten zurück, vor Jahren, da ich dieselben Gefühle gegenüber anderen Leuten hegte, die mir eine Menge Wertschätzung geschenkt hatten. Ich dachte darüber nach, wie viele dieser Beziehungen ich sabotiert haben musste, indem ich nicht zuließ, dass die Menschen mich liebten. Ich wurde mir bewusst, dass ich zwar Menschen liebte, um ihnen etwas zu geben, aber dass ich es gar nicht liebte, von ihnen etwas zu empfangen. Und noch immer ergab mein Verhalten keinerlei Sinn. Schließlich suchte ich in meiner Verzweiflung den Herrn im Gebet auf: »Herr, weißt du, was mit mir nicht stimmt?« »Ja«, antwortete Er sogleich. »Was ist es denn?«, fragte ich vorsichtig. »Möchtest du es wirklich wissen?«, fragte Er zurück. Das war eine aufschlussreiche Frage. Tatsächlich war ich ziemlich nervös darüber, herauszufinden, was mit mir nicht stimmte, weil ich es lange Zeit verdrängt hatte. John Maxwell hat einmal gesagt: »Die Menschen ändern sich erst, wenn sie genügend Schmerz empfinden, sodass sie sich ändern müssen, oder sie lernen genug, sodass sie sich ändern möchten, oder aber sie empfangen genug, damit sie imstande sind, sich zu ändern.« Ich erkannte, dass ich genügend Schmerz in mir verspürte, sodass ich mich verändern musste! »Ja, das möchte ich, Herr!«, antwortete ich. 25


EINE FRAGE DER EHRE

Jesus sagte darauf: »Das Problem bei dir liegt darin, dass du dich nicht genügend liebst, um dich der dreißigtausend Dollar würdig zu fühlen. Du hast Angst, dass, wenn dieser großzügige Mann dich kennen lernt, er es bereuen wird, dir dieses Geld gegeben zu haben. Das ist der Grund, weshalb du nicht möchtest, dass er dir nahe kommt.« Meine Beklemmung vertiefte sich. Ich konnte nicht mehr leugnen, dass ich Hilfe brauchte. Ich fragte: »Was soll ich tun?» »Lerne, dich so zu lieben, wie ich dich liebe. Wenn du dies tust, wirst du erwarten, dass dich die Leute mehr lieben werden, wenn sie dich besser kennen lernen!«, antwortete Er. Ich war verblüfft. Ich konnte nicht glauben, was die Wurzel meines Problems war. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir die Liebe, die mir gegenüber fehlte, noch nie auf diese Weise aufgezeigt worden. Ich wusste, dass andere mich liebten (insbesondere meine Frau und meine Kinder), und ich wusste auch, dass der Herr mich liebte. Ich wusste jedoch nicht, dass ich mich selbst nicht liebte. Durch diese Erfahrung lernte ich, dass, sooft jemand uns mehr schätzt als wir uns selbst schätzen, wir die Neigung haben, unsere Beziehung zu dieser Person zu sabotieren. Ganz insgeheim wollen wir nicht, dass sie uns so nahe kommt, nur um dann festzustellen, wir seien doch gar nicht so gut, wie sie geglaubt hatte. Aus meiner Beobachtung als Pastor bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass eines der besten Beispiele dafür erwachsene Singles sind, die sich nach einem Partner umsehen und die anscheinend nicht die »richtige Person« finden können, die für sie »gut genug« ist. Viele dieser Leute haben Probleme damit, über eine bloße Freundschaft mit dem anderen Geschlecht hinauszukommen, und wenn die Freundschaft anfängt, die äußeren Schranken ihres Herzens zu durchbrechen und in den Innenhof ihrer Seele vorzustoßen, beginnen sie damit, Dinge zu tun, die ihre Beziehung zerstören. Sie fürchten sich davor, dass ihr Liebhaber tiefer in sie Einblick gewinnt und dadurch die Unvollkommenheiten entdecken könnte, von denen sie glauben, dass sie entdeckt würden. Es ist an der Zeit, dass wir lernen, uns so zu lieben, wie Gott uns liebt, und uns selbst mit den Augen unseres Vaters zu sehen. 26


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Nie genug Es gibt noch eine andere Lüge, die Bettler davon abhält, die Wahrheit über ihre Identität in Christus zu erfahren. Ich habe vorhin schon erwähnt, dass, wenn du gelehrt worden bist, dich bedeutungslos zu fühlen, du Überlebensstrategien entwickelst bei dem Versuch, den Schmerz dieser Realität zu vermeiden. Ein Bettler benutzt Überlebensstrategien, weil er glaubt, das Leben sei eine einzige Veranschaulichung des Prinzips »Fressen und gefressen werden«. Diese Armutsmentalität ist das vorrangige Kennzeichen eines Bettlers. Ob nun ein Bettler in seinen finanziellen Angelegenheiten, in der Liebe oder in Sachen Bestätigung Armut erlebt hat – alle Bettler teilen dieselbe Überzeugung, dass es für sie nie reichen wird. Sie leben in Angst und kämpfen mit dem Gefühl, dass der Brunnen gerade dabei ist, auszutrocknen. Gott hat nie beabsichtigt, dass wir in irgendeinem Bereich unseres Lebens in Armut leben sollten. Die Bibel ist voll von Verheißungen über die Fürsorge Gottes für Sein Volk. Salomo sagte: »Ich war jung und bin auch alt geworden, doch nie sah ich einen Gerechten verlassen, noch seine Nachkommen um Brot betteln« (Ps. 37,25). Jesus machte es sogar noch deutlicher, als Er sagte: »Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung? Seht hin auf die Vögel des Himmels, dass sie weder säen noch ernten noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel wertvoller als sie? Wer aber unter euch kann mit Sorgen seiner Lebenslänge eine Elle zusetzen? Und warum seid ihr um Kleidung besorgt? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen; sie mühen sich nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch aber, dass selbst nicht Salomo in all seiner Herrlichkeit bekleidet war wie eine von diesen. Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen? So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen? Denn nach 27


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diesem allen trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles benötigt. Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden. So seid nun nicht besorgt um den morgigen Tag! Denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug.« (Mt. 6,25-34) Die Abenteuer von Eddie Als meine Frau Kathy und ich unseren Sohn Eddie adoptierten, sah ich aus erster Hand, wie eine Armutsmentalität Leute dazu treiben kann, in einer Realität zu leben, die sie auf tragische Weise blind macht für den Wohlstand, den Gott ihnen schenken möchte. Eddie wuchs in physischer Armut auf, doch seine Einstellungen und sein Verhalten waren typisch für die Überlebensmentalität, die man bei Leuten sehen kann, die in finanziell stabilen Häusern aufwuchsen, aber auf anderen Gebieten in ihrem Leben Mangel erlebten. Im Jahre 1990 fingen wir an, mit dem »Trinity County Probation« Department in Lewiston, Kalifornien, zusammenzuarbeiten. Das Department forderte alle Kinder, die in Lewiston probehalber untergebracht waren, auf, zu unserer Jugendgruppe zu kommen. Zweimal pro Woche spielten wir Basket- und Volleyball, und dann, in der Halbzeit, hielt ich eine Predigt. Eddie war ein 14jähriger junger Mann, der jede Woche kam. Eddies Mutter und Vater waren beide Drogenabhängige, und so blieb Eddie sich selbst überlassen und wuchs unbetreut auf. Er war ein großer Junge mit olivfarbiger Haut und braunen Haaren. Obwohl er nicht auf Probe irgendwo untergebracht war, liebte er es, bei uns Basketball zu spielen. Er machte mit bei den Projekten der rauen Jungs, aber gewöhnlich war er sehr ruhig. Nach und nach lernten wir ihn kennen. Etwa ein Jahr, nachdem wir ihn kennengelernt hatten, entschlossen wir uns zu dem Versuch, ihn zu adoptieren. Wir betrieben einige Nachforschungen und stellten fest, dass es zwei Wege gab, das Sorgerecht für ihn zu gewinnen: Wir konnten seine geschiedenen Eltern davon überzeugen, dass sie per Unterschrift das Sorgerecht an uns abtraten, oder wir konnten vor Gericht ziehen und gegen sie klagen. Wir entschlossen uns, zu versuchen, die Eltern zu überzeugen. 28


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Ich nahm Eddie mit zum Apartment seiner Mutter, wie ich es schon so oft zuvor getan hatte (gewöhnlich verbrachte er das Wochenende bei uns), doch diesmal ging ich mit ihm zur Tür. Mein Herz raste und ich stellte fest, dass innen kein Licht brannte. Ich dachte, es sei niemand zu Hause, doch als Eddie die Tür aufdrückte, konnte ich eine Gestalt wahrnehmen, die eng zusammengekauert in der Ecke des abgedunkelten Zimmers auf dem Boden saß. Es war seine Mutter. Es gab keine Möbel, und es war unbeschreiblich schmutzig. Im Zimmer war es eiskalt. Später erfuhr ich, dass sie schon seit Monaten keinen Strom mehr hatten. Seine Mutter machte offensichtlich einen »Absturz« nach einem Drogen-High durch. Sie zitterte am ganzen Körper, und ihre Augen waren von tiefschwarzen Ringen umrundet. Ihr Haar war verfilzt und hing in Strähnen herunter. Sie schaute zu mir auf und fragte: »Was machen Sie hier?« »Ich möchte das Sorgerecht für Ihren Sohn«, sagte ich etwas nervös. Sie starrte Eddie an, der mit den Tränen kämpfte. »Okay, das können Sie haben!«, sagte sie, indem sie ihren Kopf vor Scham senkte, während sie die Sorgerechtpapiere unterzeichnete. Wir gingen von dort weg und fuhren nach Lewiston, um mit Eddies Vater zu reden. Es war still im Auto und meine Gedanken wurden von den Bildern überschwemmt, die ich gerade gesehen hatte. Mein Herz war schwer und gebrochen. Ich fragte mich, wie viele weitere »Eddies« es da draußen in der Welt wohl noch geben mochte. Ich konnte nur das Beste hoffen, wenn ich mir vorzustellen versuchte, wie wohl sein Vater sein würde. Etwa 30 Minuten später erreichten wir das Haus seines Vaters. Es sah aus wie ein typisches »Drogenhaus«. Der vordere Hof war vollgestopft mit alten Autos und Gerümpel. Als wir vor der Eingangstür standen, raste mein Herz wieder, und ich bemerkte, dass die Tür bereits geöffnet worden war. Eddie trat vor mir ein, und ich folgte ihm. Als wir das Haus betraten, stellte ich fest, dass verschiedene Männer und Frauen anwesend waren, die alle auf dem Boden saßen. Ein paar andere lagen auf Sofas. Das Zimmer war voller Rauch. Ein kleiner, untersetzter Mann voller Tätowierungen starrte uns an. 29


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Er sagte mit zorniger Stimme: »Was wollen Sie?« Ich konnte kaum Worte finden, da mein extrem pochendes Herz sich anfühlte, als wollte es aus meiner Brust hinausspringen. »Ich möchte gerne das Sorgerecht für Ihren Sohn«, stieß ich hervor. Er blickte zu Eddie hinüber, der seinen Kopf gesenkt hielt, und fragte: »Möchtest du bei ihm wohnen?« »Ja«, antwortete Eddie. »Gut, geben Sie mir die Papiere, und ich unterschreibe!« Er kritzelte seine Unterschrift in großen Buchstaben hin und warf mir die Papiere zu. Wir gingen sofort wieder. Ich war froh, ohne einen Faustschlag davongekommen zu sein, und Eddie war begeistert, sein neues Leben beginnen zu können. Das nächste Jahr war mit viel Lachen und auch mit vielen Tränen gefüllt, während Eddie sich an seinen neuen Lebensstil gewöhnte. Nach und nach lernten wir, die charakteristischen Merkmale einer Armutsmentalität in Eddie zu erkennen. Offensichtlich war sie durch seine grausame Kindheit in seinem Herzen entstanden. Meistens waren wir als Familie gemeinsam beim Abendessen zusammen. Während wir unsere Mahlzeiten einnahmen, richtete Eddie seine Augen auf die Speisen, die übrig blieben. Es war stets genügend vorhanden, doch Eddie schien sich darüber Sorgen zu machen, sie könnten uns ausgehen. Wenn seine Schale noch etwa halb voll war, füllte er bereits seinen Teller nochmals und versteckte Speiseteile rund um seinen Teller und in seiner Serviette. Die übrigen von uns taten so, als merkten wir es nicht, aber es machte uns traurig. Eddies erstes Weihnachtsfest bei uns war begeisternd. Wir erfuhren, dass er noch nie wirklich Weihnachten erlebt hatte, weil seine Mutter alle Geschenke, die er bekam, verkaufte und dafür Drogen einhandelte. Wir entschlossen uns, bis zum Äußersten zu gehen und die Kinder mit Geschenken zu überhäufen. Wir gaben Hunderte von Dollars aus und verteilten die Geschenke gleichmäßig auf sie alle. Es gab so viele Geschenke, dass man den Baum kaum noch sehen konnte. 30


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Schließlich kam der Weihnachtstag, und wir setzten uns zusammen, um die Geschenke auszupacken. Die ganze Familie explodierte förmlich, während sie Eddie zuschaute, wie er seine Geschenke auspackte. Er war wie ein kleines Kind. Das einzige Problem war, dass er niemandem erlaubte, seine Geschenke anzufassen, nachdem er sie ausgepackt hatte. Später am Abend, nach dem Abendessen, flüsterte Eddie etwas in Kathys Ohr. Kathy hatte Strümpfe für jedes der Kinder gekauft und sie mit kleinen Geschenken gefüllt. Jason und Eddie hatten beide Comicbücher in ihren Strümpfen. Das einzige Problem war, dass sie zufällig in Jasons Strumpf vier Comicbücher gesteckt hatte, und in Eddies nur zwei. Eddie wollte wissen, weshalb Jason mehr bekommen habe als er. Eddie hatte stets Angst, er würde nicht genug bekommen. Ein Armutsgeist bringt Arme stets dazu, eine Überlebensmentalität zu entwickeln. Die Angst vor dem Mangel gründet sich auf Lügen, und solange diese Lügen nicht zerstört worden sind, können die Leute Gottes Fürsorge für ihr Leben nicht erkennen. Als Eddie Teil unserer Familie wurde, hatte er alles, was er brauchte und sich wünschte. Sein altes Leben war vergangen. Aber solange er nicht aufhörte, diesen Lügen zu glauben, konnte er sich nicht entspannen und das Leben bei uns genießen. Gott sei Dank ist Eddie heute frei von seiner alten Einstellung. Er ist zu einem erstaunlichen jungen Mann herangewachsen und hat bereits das College absolviert. Ja, wir sind sehr stolz auf ihn. Arme haben eine Armutsmentalität. Sie haben stets das Gefühl, ihre Ressourcen seien begrenzt. Wenn jemand anderes irgendetwas bekommt, glauben sie, dass dadurch etwas von dem Vorrat weggenommen würde, der ihnen gehört. Sie nehmen an, dass der Segen anderer sie immer etwas kosten würde. Die Geschichte vom verlorenen Sohn in Lukas 15 macht diesen Punkt deutlich. Nachdem er sein Erbe verschwendet hatte, kam der Jüngere nach Hause und suchte Unterschlupf. Sein Vater war so begeistertet, ihn wiederzusehen, dass er für ihn eine Party steigen ließ. Er hatte das gemästete Kalb für eine solche Gelegenheit aufgespart und schließlich war nun die Zeit gekommen, ein Fest zu feiern. Jedermann kam zu dieser Festlichkeit, mit Ausnahme des 31


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älteren Bruders; er blieb draußen auf dem Feld. Als der Vater den älteren Bruder auf der Party nicht fand, ging er hinaus, um nach ihm zu sehen. Er fand ihn draußen, allein. »Warum kommst du nicht auch zum Fest?« fragte der Vater. Der ältere Bruder schrie ihn an: »Du hast ihm das gemästete Kalb geschlachtet, mir jedoch hast du nicht einmal eine Ziege gegönnt.« Sein Vater war wie vor den Kopf gestoßen. Er blickte seinen Sohn an, schaute mit seinen liebenden Augen in seine Seele hinein und sagte: »Ich habe ihm ein gemästetes Kalb gegeben, aber dir gehört doch der ganze Hof!« (zusammengefasst aus Lk. 15,11-31). Warum – um alles in der Welt – blieb der ältere Bruder draußen und wartete, dass sein Vater ihm eine Ziege schenke, da ihm doch der ganze Hof gehörte? Er konnte nicht erkennen, dass er ein Sohn war und nicht ein Diener. Die Offenbarung unserer wahren Identität wird den Geist der Armut in unserem Leben zerstören. Bis dies jedoch so weit ist, denken wir stets, dass es Grenzen für das gibt, was wir bekommen können. Als Ergebnis davon sind wir auf jeden eifersüchtig, der etwas bekommt, was wir nicht haben. Das schleicht sich in alle Aspekte unseres Lebens hinein, einschließlich der Arbeit, der Freundschaften und der Positionen in der Gemeinde. Ein Königreich der Finanzen Leider denken die meisten von uns in der Gemeinde noch so wie der ältere Bruder. Wir haben die Tatsache aus den Augen verloren, dass wir nicht bloß auf dem Hof leben. Wir sind Söhne und Töchter des Eigentümers, und unser Vater hat reichen Überfluss! Ich glaube, diese Offenbarung wird die Art und Weise, wie wir denken und unsere Zukunft planen, vollkommen verändern. Die meisten von uns schauen noch immer auf die Versorgung (was unser Kontoauszug sagt), um unsere Vision zu beschließen, und deshalb leben wir im Bereich unserer Mittel anstatt im Bereich Seiner Segnungen. Wenn wir zum Beispiel ein neues Gebäude errichten, bringen wir das Argument vor, dass wir einige andere Projekte einstellen müs32


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sen, um die Kosten zu decken. Doch sind wir berufen worden, über die Vernunft hinaus zu leben, und auch weit über die Grenzen unserer eigenen Fähigkeiten hinaus. Wenn wir nicht mehr zustande bringen als gewöhnliche Menschen, dann lasst uns doch damit aufhören, den andern zu sagen, wir seien Teil der Gemeinde des lebendigen Gottes! Wir müssen mehr vollbringen als der Elch-Klub, wenn wir Gott unseren Vater nennen wollen. Das erfordert, dass wir durch Glauben an Gottes Versorgung leben. Wenn wir täglich Gott für unseren Unterhalt vertrauen, dann werden wir die Ressourcen des Himmels anzapfen. (Ich weiß, dass es eine echte Notwendigkeit für wahre Verwalterschaft gibt im Leib Christi, doch vieles von dem, was man so Verwalterschaft in der Gemeinde nennt, ist schlicht und ergreifend Angst, die sich als Weisheit ausgibt.) Paulus sagte es am besten: »Mein Gott wird euch mit allem, was ihr braucht, reichlich versorgen gemäß Seinem (eigenen) Reichtum – und dies in Herrlichkeit in Christus Jesus!« (Phil. 4,19; Haller). Habt ihr das mitgekriegt? Er sagte: »Gott wird euch mit allem, was ihr braucht, reichlich versorgen gemäß Seinem (eigenen) Reichtum – und dies in Herrlichkeit!« Er versorgt uns nicht nach dem Maß unserer Bedürfnisse, sondern nach dem Maß Seines Reichtums! Oft schon habe ich Leute gefragt, wovon sie leben. Einige sagen: »Ich lebe aus Glauben.« Ich habe über die Jahre hinweg gelernt, dass dieser Satz eigentlich meint: »Ich habe keine Arbeit. Ich bin von Menschen abhängig, die meinen Dienst unterstützen.« Hier spricht die unausgesprochene Überzeugung, dass Leute, die ein regelmäßiges Gehalt empfangen, es nicht nötig haben, Gott für ihr Einkommen zu vertrauen. Doch dieses Denken ist problematisch. Wenn wir aufhören, aus Glauben zu leben, sobald wir ein reguläres Einkommen erhalten, reduzieren wir unseren Unterhalt auf unsere Fähigkeit, es selbst zu schaffen, statt der Fähigkeit des Herrn, für uns zu sorgen, zu vertrauen. Die Bettlermentalität kann man auf jeder Ebene der Gesellschaft und in allen Gesellschaftsschichten antreffen. Das Bankkonto einer Person ist kein Hinweis darauf, ob diese Leute die Fürsorge Gottes bewusst erfahren oder nicht. Jemand mag eine Menge Dinge besit33


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zen und sich dennoch unsicher fühlen und befürchten, es könnte ihm etwas zustoßen, und dann würde er alles verlieren. Wenn Bettler Geld oder Dinge erwerben, neigen sie dazu, davon ihre Identität abzuleiten. Die Wahrheit ist, dass ein Mensch nicht an dem gemessen wird, was er hat, sondern an dem, was ihn hat. Einige Leute besitzen Häuser, doch manchmal sieht es aus, als besäßen die Häuser die Leute. Wenn wir bloß dazu leben, um uns Dinge anzueignen oder um so viel zu arbeiten, dass wir keine Zeit mehr finden für die wichtigen Beziehungen, die wir in unserem Leben haben, dann frage ich mich wirklich, ob wir die Dinge besitzen oder ob die Dinge uns besitzen. Ich sehe das Ganze folgendermaßen: Es gibt einen Unterschied zwischen Reichtum und Vermögen. Vermögende Leute weigern sich, sich auf ihre Bankkonten und -depots reduzieren zu lassen, und ihr Vermögen hat sie nie im Griff. Sie machen sich keine Sorgen um Geld, weil sie wissen, dass immer genügend vorhanden sein wird. Das Selbstwertgefühl reicher Leute jedoch hängt direkt mit ihrer »Gewinn- und Verlustrechnung« zusammen. Sie verwenden eine Menge Energie darauf, entweder dem Geld nachzujagen oder zu versuchen, es festzuhalten. Ich meine damit nicht, wir sollten keine eifrigen Arbeitsgewohnheiten haben. Was ich meine, ist, dass Prinzen nicht für Geld, sondern für Gott arbeiten. Wenn ein Bettler eine Menge Geld in die Hände bekommt, dann lautet die Frage, die beantwortet werden muss, so: »Hat Gott einen Gewinn erzielt oder einen Mann verloren?« Bettler verlieren oft den Blick für ihre Prioritäten, wenn sie Geld bekommen, doch Prinzen leiten ihre Identität nicht davon ab, was sie haben, weil sie wissen, dass ihre Identität nicht von ihrem Verhalten oder von ihrem Besitz abhängig ist. Prinzen besitzen zwar Dinge, aber sie lassen nie zu, dass die Dinge sie besitzen. Das Ergebnis ist, dass sie imstande sind, das sorgenfreie Leben zu erfahren, das Jesus verheißen hat, und dass sie zuerst nach dem Reich Gottes trachten in dem Bewusstsein, dass alles, was sie nötig haben, ihnen gegeben werden wird. Das verheißene Land der Prinzen ist angefüllt mit den Segnungen des Vaters. Er möchte uns mit Seiner Liebe überschütten, Seine 34


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Segnungen in uns hineinfüllen und uns mehr geben, als wir überhaupt fassen können. Die Psalmen formulieren es am besten: »Glücklich der Mann, der den Herrn fürchtet, der große Freude an seinen Geboten hat! Seine Nachkommenschaft wird mächtig sein im Land. Das Geschlecht der Aufrichtigen wird gesegnet werden. Vermögen und Reichtum wird in seinem Haus sein, und seine Gerechtigkeit besteht ewig!« (Ps. 112,1-3).

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Kapitel 3

Gefangene und Gebundene Viele Leute verbringen ihr ganzes Leben damit, auf das zu reagieren, was sie nicht sein möchten, statt auf den Ruf Gottes, der auf ihrem Leben liegt, einzugehen. Kriegsgefangene

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nsere Vergangenheit kann zu einem Gefängnis werden, das die Knechtschaft derer aufrechterhält, die uns großgezogen haben. Irgendwie reproduzieren wir unbewusst dieselbe zerstörerische Kultur in uns selbst und in den Menschen um uns herum. Es gibt ein paar allgemeine Arten, wie dies in uns geschieht. Eine der Arten, wie wir uns an die Vergangenheit binden, ist die, dass wir auf diejenigen reagieren, die uns missbraucht haben, und so verbringen wir einen Großteil unseres Lebens damit, nicht so zu werden wie sie. Ich habe in den vergangenen Jahren eine Menge Leute betreut, und habe unter vielen von ihnen ein allgemein verbreitetes Muster festgestellt: Menschen werden in der Regel ganz genauso wie die Person, die sie am meisten verachten. So wurden Alkoholiker zum Beispiel gewöhnlich von alkoholabhängigen Eltern erzogen. Persönlich bin ich noch nie einem Kinderschänder begegnet, der nicht selbst als Kind Opfer einer sexuellen Nötigung geworden war. An irgendeiner Stelle im Beratungsgespräch taucht fast stets eine Aussage auf, wie: »Ich habe mir geschworen, nie so zu werden, wie die Person, die mich missbraucht hat, aber ich bin genauso geworden wie sie«. Ich kenne diesen Kampf nur zu gut von mir selbst. Trotz des Bemühens, nicht zu werden wie meine Stiefväter in meinen frühen Jugendjahren, fing ich an, ebenso zornig zu werden, wie sie es gewesen waren. In meinen frühen Zwanzigern führte ich eine Autowerkstatt. Mein Temperament geriet ständig außer Kontrolle. An einen jener 36


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