Neil T. Anderson Michael D. Jacobson Biblischer Wegweiser zu alternativer Medizin
Neil T. Anderson Michael D. Jacobson
Biblischer Wegweiser zu alternativer Medizin ●●●●●●●●●●●●●●●●●
Ein Fünf-Punkte-Schema zur Bewertung der gängigsten Heilungspraktiken
Titel der englischen Originalausgabe: The Biblical Guide to Alternative Medicine. A Five-Dimensional Grid to Evaluate Medical Practices and Health Care Herausgegeben von Freedom in Christ Ministries International Copyright © 2003 Neil T. Anderson and Michael D. Jacobson. All rights reserved. Aus dem Englischen übersetzt von Dr. Edith Simon Bibelstellen wurden aus folgendermaßen gekennzeichneten Übersetzungen zitiert: - L: Luther © 1984 Deutsche Bibelgesellschaft - NGÜ: Neue Genfer Übersetzung © 2011 Genfer Bibelgesellschaft - S: Schlachter © 2000 Genfer Bibelgesellschaft - NL: Neues Leben. Die Bibel © 2002 und 2006 SCM R. Brockhaus Copyright © der deutschen Ausgabe 2012 Asaph-Verlag, D-Lüdenscheid Umschlaggestaltung: freedom in christ Switzerland Illustrationen: Robert Williams Satz/DTP: Jens Wirth Druck: cpibooks Printed in the EU ISBN 978-3-940188-51-9 Bestellnummer 147451 Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an: ASAPH, D-58478 Lüdenscheid asaph@asaph.net – www.asaph.net
Inhalt ●●●●●●●●●●●●●●●●●
Vorwort von Stormie Omartian........................................................................ 7 Einleitung.......................................................................................................... 9 Teil 1 – Ein biblisches Raster zur Beurteilung medizinischer Verfahren................................................................. 15 Kapitel 1: Die theologischen Wurzeln der Medizin...................................... 17 Kapitel 2: Die Notwendigkeit einer umfassenden Beurteilungsmethode.... 27 Kapitel 3: Geschichte...................................................................................... 39 Kapitel 4: Glaube – religiöse Grundlage....................................................... 49 Kapitel 5: Biblische Ganzheitlichkeit............................................................ 63 Kapitel 6: Wissenschaft.................................................................................. 81 Kapitel 7: Geistliche Beurteilung................................................................... 99 Kapitel 8: Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen............ 121 Teil 2 – Medizinische Konzepte einschätzen........................................... 131 Kapitel 9: Ayurveda...................................................................................... 133 Kapitel 10: Allopathie................................................................................... 149 Kapitel 11: Osteopathie................................................................................ 163 Kapitel 12: Chiropraktik und Naturheilkunde............................................. 171 Kapitel 13: Homöopathie............................................................................. 193 Kapitel 14: Traditionelle Chinesische Medizin (TCM).............................. 211 Kapitel 15: Iridologie und Reflexologie...................................................... 231 Kapitel 16: Angewandte Kinesiologie......................................................... 249
6 / Biblischer Wegweiser zu alternativer Medizin Teil 3 – Alternative Therapien einschätzen............................................. 257 Kapitel 17: Diät und Ernährung................................................................... 259 Kapitel 18: Kräuter, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.......... 269 Kapitel 19: Chelate, Magnete und Berührungstherapien............................ 283 Kapitel 20: „Mind-Body“-Medizin.............................................................. 299 Teil 4 – Auf Ihre Gesundheit!.................................................................... 313 Kapitel 21: Eine christliche Verpflichtung zu ganzheitlicher Gesundheit... 315 Schlussgedanken: Der wichtigste Schritt zu biblisch-ganzheitlicher Gesundheit..................................................................................................... 325 Anhang A: Wo bleiben die Heilungswunder heute?................................... 331 Anhang B: Wissenschaftliche Forschungsergebnisse................................. 343 Anmerkungen................................................................................................ 353
Vorwort ●●●●●●●●●●●●●●●●● Endlich! Hier ist das Buch, nach dem ich seit Jahren suche. Ein Buch, das die vielen Wege zur Gesundheit ausführlich untersucht und die unterschiedlichen Methoden der Alternativmedizin aus einer fundierten christlichen Perspektive erklärt. Das Buch berücksichtigt die ganze Person – Körper, Seele und Geist –, weil unser Verstand und unsere Gefühle so viel mit unserer Ganzheitlichkeit und Gesundheit zu tun haben. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse vieler wissenschaftlicher Tests wird sowohl der geschichtliche Ursprung jeder Methode als auch das religiöse System erklärt, welches jeder Praktik zugrunde liegt. Im Licht biblischer Wahrheit werden eventuelle gottlose Ausrichtungen der Gründer oder Anwender aufgedeckt. Da wir auf dem Gebiet von Gesundheit und Wellness mehr Auswahl als je zuvor haben, müssen wir unterscheiden können, was von Gott kommt und was nicht. Ich weiß, wie es ist, wenn man krank und unglücklich ist und alles versucht, wovon man sich Erleichterung erhofft. Wenn Menschen ein solches Ausmaß an Elend erfahren, strecken sie sich nach allem aus, was Linderung ihrer Leiden verspricht. Während dieses Prozesses laufen sie allerdings Gefahr, Zeit und Geld für Dinge zu verschwenden, die nicht nur wirkungslos, sondern sogar schädlich sein können. Wir wollen uns nicht in zweifelhafte Gesundheitspraktiken hineinziehen lassen. Und wir wollen nicht warten, bis wir so verzweifelt sind, dass wir die neusten medizinischen Verfahren ausprobieren, über die wir nichts wissen. Wir wollen unsere Hoffnung nicht auf eine Behandlung setzen, die nicht mit Gottes Wort im Einklang steht. Wir wollen die vorhandenen Optionen kennen, die uns offenstehen, sodass wir weise Entscheidungen treffen können, statt kostspielige Fehler zu machen.
8 / Biblischer Wegweiser zu alternativer Medizin Das vorliegende Buch ist auf diesem Gebiet eine Hilfestellung. Es ist eines dieser gut ausgewogenen und fundierten Bücher, in denen Sie immer wieder nachschlagen, wenn Sie eine Frage zu Ihrer Gesundheit haben. Die Informationen auf den folgenden Seiten erforderten einen enormen Aufwand an Forschungsarbeit, und ich bin dankbar, dass Neil Anderson und Michael Jacobson das alles bereits getan haben, sodass ich es jetzt nicht mehr tun muss. Ich weiß, Sie werden genauso empfinden, wenn Sie sich zurücklehnen und von der harten Arbeit der beiden profitieren. Stormie Omartian Autorin von Gerade genug Licht für den nächsten Schritt und Mein Gebet macht uns stark
Einleitung ●●●●●●●●●●●●●●●●● Ich erinnere mich noch genau daran, wie begeistert ich war, als ich (Neil) hörte, dass die medizinische Fakultät der Universität in der Nähe der Gemeinde, in der ich Pastor war, ein neues Programm für Hausärzte starten würde. Mit der Berücksichtigung sowohl ernährungswissenschaftlicher als auch geistlicher und psychologischer Bedürfnisse sollte eine biblisch-ganzheitliche Lehre unterrichtet werden. Meine Begeisterung war aber schnell verflogen, als ich entdeckte, dass die darin vermittelte Spiritualität gar nicht mit der christlichen Lehre übereinstimmte: Die göttliche Offenbarung ausklammernd, wurde eine frühe Form dessen unterrichtet, was wir heute unter New Age verstehen. So geschah es auch, dass Mediziner wie Elisabeth Kübler-Ross und Jonas Salk, die in der Fachwelt einen großen Namen hatten, bald auf das Okkulte hereinfielen. Biblisch-ganzheitliche Medizin hätte von Christen gefördert werden sollen; nun gewann jedoch die Spiritualität derer die Oberhand, die in der Ausübung ihres Heilberufs New-Age-Gedankengut einsetzten. Wenn man Mitte der 1980er Jahre für ganzheitliche Medizin eingetreten wäre, hätten einen wohl viele für einen Anhänger der New-Age-Lehre gehalten. Seit damals ist das Interesse an Spiritualität als Bestandteil der Medizin beträchtlich gewachsen. Laut Institute of Spirituality and Health an der George-Washington-Universität stieg die Anzahl der medizinischen Fakultäten, die Kurse über „Spiritualität und Medizin“ anbieten, von drei im Jahr 1992 auf 72 im Jahr 2001.1 Aber welche Art von Spiritualität wird dort vermittelt? Sind alle Religionen im Grunde genommen gleich, kann jeder „geistliche Führer“ (welcher Art auch immer) zu unserem Gottesverständnis beitragen? Auf Spiritualität in der Medizin einfach nur hinzuweisen
10 / Biblischer Wegweiser zu alternativer Medizin ist ebenso wenig hilfreich wie die Behauptung mancher Christen, zum Gesundwerden brauchte man nur Medikamente einzunehmen. Das Ergebnis verschiedener Studien, dass Gebet und Meditation zum Heilungsprozess beitragen und körperliche, geistige sowie emotionale Gesundheit fördern können, verbunden mit der Tatsache, dass viele Menschen in Krankenhäusern und Kliniken unter psychosomatischen Krankheiten leiden, spricht für die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Medizin. Aber hat dieses erneute Interesse nicht wieder ein anderes, riesiges Problem geschaffen? Wie sehr ist die westliche Medizin durch New Age und östliche Philosophien beeinflusst? Und wie hat diese Entwicklung wiederum die Christen beeinflusst? Das Eindringen dieser unbiblischen medizinischen Philosophien und Praktiken in die Gemeinde könnte im 21. Jahrhundert die größte Bedrohung für unseren Glauben sein. Häufig treffen wir auf Christen, die sich pseudomedizinischen Praktiken unterzogen haben und dadurch in einer geistlichen Gebundenheit gelandet sind.
Westliche Medizin Neben einer gravierenden geistlichen Krise steht die westliche Medizin auch einer finanziellen Krise riesigen Ausmaßes gegenüber. Die Kosten für Gesundheitsversorgung und -versicherung wachsen immer mehr und übersteigen die finanziellen Möglichkeiten von Durchschnittsverdienern. Ein Faktor, der zur Krise beiträgt, ist die enorme Zunahme der Arzneimittelkosten, die mehr durch Marketing als durch Notwendigkeit verursacht wird. So informierte z. B. ein Artikel der Associated Press: „Bitten Sie einen Arzt um ein rezeptpflichtiges Medikament, das im Fernsehen beworben wurde. Die Chance, dass Sie damit nach Hause gehen, beträgt 69 %.“2 Julie Appleby berichtete in einer Ausgabe des USA Magazine, dass sich die Zahl der Pharmavertreter von 41.852 im Jahr 1996 auf 83.051 im Jahr 2000 verdoppelt hatte. Im Jahr 2001 gab die Arzneimittelindustrie 5,3 Milliarden US-Dollar für Werbung in Ärztezeitschriften aus. Im selben Jahr wurden von der Pharmaindustrie mehr als 314.000 Ärzteveranstaltungen gesponsert: von Einladungen zum Mittagessen im Krankenhaus bis hin zu Wochenendtrips in exklusive Urlaubsorte. Der Aufwand dafür betrug fast 2 Milliarden US-Dollar.3
Einleitung / 11 Es ist nicht unsere Absicht, die Beweggründe anderer in Zweifel zu ziehen, aber hierbei handelt es sich um einen riesigen Markt, und unsere Gesundheit steht auf dem Spiel. Diese Sorge ist besonders dann begründet, wenn man bedenkt, dass Nebenwirkungen von Medikamenten bei Krankenhauspatienten so häufig sind, dass sie schätzungsweise die vierthäufigste Todesursache in den USA ausmachen.4 Der amerikanische Kongress hat die Food and Drug Administration (FDA) eingerichtet und das Budget für sie festgesetzt. Die FDA ist das offizielle Gremium für die Zulassung verschreibungspflichtiger Medikamente. Jedes Jahr überprüft und genehmigt die FDA ungefähr 25 neue Wirkstoffe. Für diese Aufgabe stehen der Behörde 1500 Ärzte, Wissenschaftler, Toxikologen und Statistiker zur Verfügung. Aber um die Sicherheit der mehr als 3.000 Medikamente zu überwachen, die schon auf dem Markt sind und Millionen von Menschen verschrieben werden, hat die Behörde nur fünf Ärzte und einen Epidemiologen als Fachpersonal angestellt.5 Da eine Langzeitüberwachung praktisch nicht vorhanden ist, enthüllte 1993 der damalige Bevollmächtigte der FDA, David Kessler, in einem Artikel im Journal of The American Medical Association, dass der FDA nur ca. 1 % der erheblichen Nebenwirkungen gemeldet werden.6 Das Einnehmen verordneter Medikamente bedeutet ein gesundheitliches Risiko, denn über die meisten Nebenwirkungen liegen keine Daten vor und die Langzeitfolgen kennt niemand. Das alles bewegt viele dazu, sich ernstlich mit alternativer Medizin zu befassen. Warum nicht dem Körper die Chance geben, sich durch gesunde Ernährung, Bewegung und Diät selbst zu heilen? Diese Möglichkeit wird oft übersehen, da sich die Ärzteschaft hauptsächlich auf Krankheit und nicht auf Vorbeugung konzentriert. Nur wenige Ärzte sind für eine Ernährungs- und Bewegungsberatung fachlich ausgebildet. Die meisten Menschen würden nie auf den Gedanken kommen, ihren Arzt um ein Rezept für Prävention zu bitten, und wenige Ärzte sind bereit, so etwas anzubieten. Anderseits zeigt eine zunehmende Fülle an Forschungsmaterial die Vorteile einer Nahrungsergänzung mit ausgewogener Verwendung von Vitaminen und Mineralstoffen. Zudem sind die Kosten für medizinisch wirksame Nahrungsmittel weit geringer
12 / Biblischer Wegweiser zu alternativer Medizin als die Kosten für Medikamente, besonders im Hinblick auf deren zusätzlichen Bedarf an ärztlicher Überwachung. Schließlich sind medizinisch wirksame Nahrungsmittel insgesamt weit weniger schädlich als Medikamente. Kein Wunder, dass die Alternativmedizin „in“ ist. Aber wie können wir wissen, wann wir Medikamente nehmen sollten, wann wir alternative Medizin bevorzugen und wann wir beides lassen sollten? Zwei Freunde mit demselben medizinischen Problem könnten in derselben Gemeinde nebeneinander sitzen und gegenteilige Meinungen vertreten. Einer würde zuerst jede mögliche körperlich begründete Erklärung für seinen Zustand suchen, in der Hoffnung, dass eine verordnete Arznei seine Krankheit heilt. Der andere würde nur unter extremen Umständen Medikamente einnehmen, weil er dies für unklug oder sogar für einen Mangel an Glauben hält. Wer hat recht?
Biblische Wahrheit Hier fehlt eine echte biblische Integration. Das Problem ist offensichtlich: Zu den Fachkongressen der Ärzte bzw. Psychologen, Therapeuten oder Theologen kommen jeweils immer nur Vertreter eben dieser Fächer. Wir benötigen interdisziplinäre Organisationen für eine biblisch-ganzheitliche Medizin, die, mit dem Ziel, ein wirklich biblisches Fundament für das Gesundheitswesen zu legen, gemeinsame Kongresse für christliche Theologen, Ärzte, Ernährungswissenschaftler und Psychologen veranstalten. In diesem Buch verbinden wir Autoren unsere Lehr- und fachlichen Erfahrungen, um Sie mit einer Beurteilungsmethode vertraut zu machen, mit deren Hilfe Sie prüfen können, ob medizinische Denkweisen und Praktiken mit dem christlichen Glauben übereinstimmen. In Teil 1 untersuchen wir die geschichtlichen und theologischen Wurzeln der Medizin. Des Weiteren erklären wir Ihnen unsere fünffache Beurteilungsmethode im Einzelnen und zeigen die Verantwortung für die eigene Gesundheit auf. In Teil 2 wenden wir diese Methode konkret an, um einige medizinische Systeme und Praktiken zu beurteilen. In Teil 3 führen wir das gleiche Prozedere mit mehreren alternativen Therapien durch. In Teil 4 fassen wir
Einleitung / 13 zusammen, was wir in Bezug auf biblisch-ganzheitliche Praktiken gelernt haben, die mit Gottes Wort übereinstimmen. Im Wesentlichen erklären wir die Wurzeln der westlichen Medizin: warum sie nicht biblisch-ganzheitlich ist und warum ihr eine biblische Grundlage für ganzheitliche Gesundheit fehlt. Schließlich wollen wir einige Vorteile alternativer Heilmethoden aufzeigen und die Gefahren der New-Age-Medizin aufdecken.
Biblische Ganzheitlichkeit (Wholism) im Vergleich zu Ganzheit (Holism) „Holismus“ ist ein Begriff, der von Jan Christian Smuts, einem südafrikanischen Philosophen und Staatsmann, geprägt wurde. Im 1926 erschienenen Buch Holism and Evolution wendet sich Smuts gegen die Zergliederung, die Individuen (und das Universum) nur als die Summe ihrer Teile sieht. Er anerkannte die geistig/geistliche Sphäre, schien sie aber mehr als eine alles bestimmende, transzendente Energie wahrzunehmen. In den Achtzigerjahren war der Begriff „Holismus“ fast vollständig verschwunden, bis er durch allgemein beliebte New-Age-Bücher wieder neu belebt und Smuts als Urheber dieses Ausdrucks anerkannt wurde. Während sich Holismus heute im Allgemeinen auf den Menschen als funktionierendes Ganzes – bestehend aus Geist, Seele und Körper – bezieht (womit wir übereinstimmen), wollen wir an einer in christlichen Kreisen gebräuchlichen Unterscheidung festhalten: Wir differenzieren zwischen den Begriffen „biblische Ganzheitlichkeit“ und „Ganzheitslehre“. Letzterer wurde von Smuts geprägt und wird eher im Zusammenhang mit New Age verwendet.
Abschließende Gedanken Nicht wir haben die endgültige Antwort auf Theologie und Medizin, sondern Gott. Wir ermutigen Sie dazu, gerade in der heutigen Zeit aufmerksam und kritisch zu sein. Man muss nicht nur danach fragen, ob etwas wirkt. Letztlich gilt es zu überlegen: „Ist es auch gut?“ Um dies zu beantworten, muss man das Wort Gottes befragen und sich vom Heiligen Geist leiten lassen. Wir beten, dass Ihnen dieses Buch mit der fünffachen Beurteilungsmethode, die Sie in
14 / Biblischer Wegweiser zu alternativer Medizin Teil 1 kennenlernen, hilft, zur richtigen Antwort zu gelangen – Ihrem Körper, Ihrer Seele und Ihrem Geist zuliebe. „Es ist mein Wunsch, dass du gesund bleibst und dass es dir in jeder Hinsicht gut geht – so gut, wie das im Hinblick auf deinen Glauben der Fall ist“ (3. Johannes 2 NGÜ). Neil Anderson und Michael Jacobson
Teil 1 ●●●●●●●●●●●●●●●●●
Ein biblisches Raster zur Beurteilung medizinischer Verfahren
1 Die theologischen Wurzeln der Medizin ●●●●●●●●●●●●●●●●● Wer beweisen will, dass ein Stock krumm ist, sollte das weder behaupten noch lange diskutieren: Am besten legt er einen geraden Stock daneben. D. L. Moody, The Tale of the Tardy Oxcart Viele Christen sind von der modernen Medizin überzeugt, während sie fast alles im alternativen Bereich entweder für nicht erwiesen, unwissenschaftlich, Quacksalberei, Schwindel oder ganz einfach für teuflisch halten. Sie üben berechtigte Kritik an alternativen medizinischen Denkmodellen, halten es jedoch oft nicht für möglich, dass auch die Schulmedizin nicht unbedingt biblischer Medizin oder christlicher Lehre entspricht. Dafür gibt es einen einfachen Grund. Die wichtigste Informationsquelle der Gemeinde ist in Bezug auf Gesundheit nicht die Bibel, sondern eine Ärzteschaft, die an säkularen Instituten anhand säkularer Denkmodelle ausgebildet wurde. Als ich, Michael, mich von Gott geführt fühlte, Arzt zu werden, besuchte ich
18 / BiBlischer WegWeiser zu alternativer Medizin kein theologisches Seminar. Ich studierte an einer säkularen medizinischen Fakultät und wurde hauptsächlich von Professoren unterrichtet, die keine Christen waren. Die geistliche Dimension erfuhr während meines gesamten siebenjährigen Medizinstudiums überhaupt keine Berücksichtigung. Ohne es zu bemerken, wurde ich dazu ausgebildet, das Körperliche vom Geistlichen zu trennen. Wenn ein Christ mich um einen medizinischen Rat fragte, entsprach meine Antwort natürlich dem, wie ich ausgebildet worden war, was selten – wenn überhaupt je – aus christlicher Sicht überprüft war. Im Großen und Ganzen nimmt die Christenheit ihre Verantwortung nicht wahr, auf die westliche Medizin Einfluss auszuüben und zu beurteilen, was angehende Ärzte gelehrt werden. – Und als ich, Neil, mich auf mein geistliches Amt vorDie Bibel hat viel bereitete, erhielt ich praktisch keine Schulung zu Gesundheitsthemen. darüber zu sagen, Wenigstens über das, was in der Bibel wie Gott uns nach angesprochen wird, hätte ich etwas seinem ebenbild hören müssen, wenn auch nicht über mit Körper, die fachlichen Aspekte der Medizin. Seele und Geist Inzwischen weiß ich, dass die Bibel erschaffen hat. viel darüber zu sagen hat, wie Gott uns nach seinem Ebenbild mit Körper, Seele und Geist erschaffen hat. Sie erklärt, warum Leute krank werden, wie man Krankheiten vorbeugt und wie man wieder gesund wird. Die Bibel zeigt einen Zusammenhang zwischen Glauben und Heilung auf und lehrt, wie Ernährung und Lebensführung die Gesundheit beeinflussen. Viele theologische Seminare bieten Kurse über Medizinethik an, aber nur wenige lehren Gottes Perspektiven in Bezug auf Gesundheit. Charismatische und pfingstgemeindliche Ausbildungsstätten mögen Wunderheilungen einen hohen Stellenwert beimessen, aber sie erkennen oftmals nicht, warum jemand überhaupt krank geworden ist. Deshalb folgern Gemeindeleiter, dass sie für Krankheiten nicht zuständig seien und dass sie nichts anzubieten hätten außer einem Gebet in der Hoffnung auf Genesung. Genau wie Ärzten wurde auch Pastoren nicht beigebracht, Körper, Seele und Geist gemäß der Bibel als ein Ganzes zu sehen. Ärzte sehen durch die Brille der Wissenschaft
die theologischen Wurzeln der Medizin / 19 und kümmern sich deshalb in der Regel um den Körper. Pastoren dagegen betrachten die Dinge von der Heiligen Schrift her und befassen sich meistens „nur“ mit Seele und Geist. Das ist äußerst bedauerlich, denn mit dem von unserem Schöpfer inspirierten Wort ist die Gemeinde in der Lage, bei vielen Problemen, denen die Medizin heute gegenübersteht, eine ausgezeichnete Hilfestellung zu bieten. Doch steht die Christenheit nicht in dem Ruf, als starker geistlicher Führer die Medizin auf dem rechten Weg zu halten. Im Gegenteil: In der Geschichte hat sie sich in der Praxis – nicht vom Prinzip her – immer wieder der gerade vorherrschenden medizinischen Denkweise untergeordnet.
Die Geschichte wiederholt sich Laut Historikern stützte sich die Kirche z. B. fast 1500 Jahre lang auf die irrigen naturwissenschaftlichen Überzeugungen des Aristoteles. Er lehrte, dass die Erde im Zentrum des Universums wäre. Obwohl dies aus der Bibel gar nicht unbedingt abzuleiten ist, hielt die Kirche so hartnäckig an dieser Auffassung fest wie an zentralen LehAnstatt die Fahne ren des christlichen Glaubens, etwa nach dem Wind zu über die Gottheit Christi. Aufgrund drehen und sich an seiner Beobachtungen gelangte Galidas vorherrschende leo Galilei zu der Auffassung, die medizinische Sonne stehe im Zentrum des Sonnensystems. Darauf drohte ihm die Kirche System anzupassen, sofort mit Exkommunikation, sollte er sollten die Christen seine „ketzerische“ Lehre nicht wider- – auf der Grundlage rufen. Wissenschaftler waren also der Heiligen Schrift gezwungen, zwischen intellektueller – eine eigene Integrität und der Kirche zu wählen. einstellung zur Sie entschieden sich für die Kirche.1 Medizin entwickeln Ebenso galt viele Jahrhunderte und praktizieren. lang weithin die griechische Medizin als Vorbild in der Behandlung von Krankheiten. Noch heute wird Hippokrates als Vater der modernen Medizin betrachtet. Aber dieser bedeutende Arzt akzeptierte und
20 / Biblischer Wegweiser zu alternativer Medizin praktizierte die Humoralpathologie (Humoralismus, Viersäftelehre), eine ayurvedische, auf dem Hinduismus beruhende Denkweise, nach welcher es wichtig ist, die Körperflüssigkeiten im Gleichgewicht zu halten. Diese äußerst fehlgeleitete Theorie war von fast 500 v. Chr. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die anerkannte, vorherrschende medizinische Philosophie! Obwohl die Humoralpathologie auf Annahmen beruht, die mit dem christlichen Glauben überhaupt nicht übereinstimmen, hielt die Kirche lange daran fest. Heute sehen wir dasselbe Muster. Allopathie (der Ansatz, der der Schulmedizin zugrunde liegt) ist die vorherrschende medizinische Denkweise in Amerika und die Gemeinde hat sich größtenteils daran angepasst. Und jetzt, wo immer mehr alternative Medizin aufkommt, stellen sich viele Christen aus Opposition noch deutlicher auf die Seite der Schulmedizin. Größtenteils tun sie dies jedoch nicht auf der Grundlage der Bibel. Sogar dann, wenn Christen biblische Prinzipien als Grundlage für die Beurteilung medizinischer Praktiken anwenden, legen sie meistens nicht denselben strengen Maßstab zur Untersuchung schulmedizinischer Methoden an. Anstatt die Fahne nach dem Wind zu drehen und sich an das vorherrschende medizinische System anzupassen, sollten Christen – auf der Grundlage der Heiligen Schrift – eine eigene Einstellung zur Medizin entwickeln und praktizieren. Es mag vermessen erscheinen, dass sich die Christenheit in medizinisches Denken einmischt. Doch das ist absolut erforderlich. Jedem medizinischen System liegt ein bestimmter Glaube, eine religiöse Überzeugung zugrunde, und es ist die Religion, die Denkmodelle in der Medizin hervorbringt. Lassen Sie uns das erklären.
Medizinische Denkmodelle gehen aus der Religion hervor Im Taoismus (einer alten östlichen Religion/Philosophie) heißt es, der Ursprung aller Dinge sei immaterielle Energie, die das Universum und jedes Lebewesen durchdringe. Optimale Gesundheit könne nur im Einklang mit dem Universum und bei ungehindertem Energiefluss zwischen Universum und einzelnem Menschen erreicht werden. Deshalb richten sich alle Anstrengungen bei der Diagnose
Die theologischen Wurzeln der Medizin / 21 einer Krankheit darauf, die Stelle zu finden, an der dieser Energiefluss behindert wird. Sobald diese klar ist, wird eine Vielzahl von Methoden wie z. B. Akupunktur, Akupressur oder Moxibustion angewendet, um diese Blockade aufzuheben und den Energiefluss wiederherzustellen. In China ging aus dem Taoismus die traditionelle chinesische Medizin (TCM) hervor (s. Kapitel 14). Oder Ayurveda: Aus diesem religiösen System, das die Erhaltung des Gleichgewichts und der Harmonie mit dem Universum betont, entstand die Humoralpathologie (s. Kapitel 9). Der Grund für die Entwicklung einer Krankheit war laut dieser Theorie ein Überschuss an einer der Körperflüssigkeiten. Deshalb zielte die Behandlung darauf ab, diesen Überschuss mit Hilfe von Blutegeln, Aderlässen, Abführmitteln usw. zu reduzieren. Warum führen religiöse Überzeugungen zu medizinischen Denkmodellen? Weil Religion ein Paradigma (Leitbild) bzw. einen Entwurf liefert, um die Wahrheit von der Lüge und das Richtige vom Falschen zu unterscheiden. Religion hilft auch beim Interpretieren und Erklären von Werten und Ergebnissen. Dieses Leitbild versucht, Antworten auf die ewigen Fragen des Menschen zu liefern: Wer bin ich? Warum bin ich hier? Warum erkranken Menschen und warum sterben sie? Was kommt nach dem Tod? Der religiöse Glaube lässt sich nicht von Medizin trennen. Er durchdringt nicht nur die Medizin, sondern auch jede andere kulturelle Institution, einschließlich Familie, Erziehung, Beruf und Regierung. Gemeinsame religiöse Werte sind wichtig für den Zusammenhalt in der Allgemeinheit und dienen als Grundlage jeder Gesellschaft. Gegensätzliche religiöse Anschauungen lassen Völker zerbrechen, wie man z. B. an den fortdauernden Unruhen in Nahost sieht.
Medizin degeneriert mit der Zeit Dieses Konzept einer Verbindung zwischen Religion, Kultur und der Ausübung von Medizin ist nicht neu. Medizinhistoriker beobachteten es wiederholt. Beim Erforschen der Geschichte der Medizin entdeckten sie auch ein beunruhigendes Phänomen, das mit alarmierender Regelmäßigkeit aufzutreten scheint. Dieses Phänomen steht im Zusammenhang mit dem, was mit der Medizin geschieht, wenn
22 / Biblischer Wegweiser zu alternativer Medizin eine Kultur altert. Als die Historiker geschichtliche Aufzeichnungen untersuchten, wurde schmerzhaft klar, dass die beste Medizin einer Zivilisation nicht jeweils gegen deren Ende, sondern in einer früheren Phase ausgeübt wird – ganz anders, als die meisten Leute erwarten würden. Der Historiker Paul Ghagliounghi beschreibt es so: Das geschah immer und immer wieder in der Geschichte der Medizin. Ganz unerwartet kamen pragmatische Methoden zum Vorschein, die aus der Sicht moderner Standards – trotz all ihrer Begrenzungen – ganz besonders sinnvoll erschienen und die eine hervorragende Chance hätten sein können, ein vernünftiges, therapeutisches System zu entwickeln. Aber der Trend ging immer unerbittlich in die andere Richtung; Vernunft wurde durch Systematisierung oder faulen Zauber überlagert.2
Aber warum degeneriert Medizin überhaupt in dieser Weise? Diese Art von Degeneration der Medizin ist meistens eng mit dem Niedergang einer nationalen Kultur verbunden, wie es z. B. in Ägypten der Fall war. Sie ging dort wahrscheinlich mit dem allmählichen Abfall von den Göttern einher. Wo eine Gemeinschaft den Glauben an ihre traditionelle Religion verliert, werden ihre Mitglieder oft durch exzentrische Vorstellungen irregeleitet – als ob sie auf der Suche nach neuen Sicherheiten zum Äußersten entschlossen wären.3
Wenn eine Nation oder eine Kultur reift, reifen ihre Institutionen auch. Die Ausübung der Medizin wird systematisiert und ein großer Fortschritt findet statt. Aber irgendwann wächst eine Generation heran, die das Glaubenssystem in Frage stellt, das sie übernommen hat. Oftmals wird ein solcher Zweifel von außen ausgelöst: durch eine kulturelle Krise wie eine große militärische Niederlage oder einen wirtschaftlichen Zusammenbruch, die Unfähigkeit der Religion im Hinblick auf alltägliche Sorgen oder den Einfluss fremder Glaubenssysteme. Auf dem Gebiet der Medizin kann Zweifel geweckt werden durch die allgemeine Erkenntnis, dass das gegenwärtige medizinische System bei der Eindämmung von häufigen Krankheiten wirkungslos ist. Wenn eine Nation aus welchem Grund auch immer ihr religiöses System ablehnt, entsteht ein Riss in ihrem Fundament, und eine
Die theologischen Wurzeln der Medizin / 23 kulturelle Revolution bricht aus. Dies hat die Destabilisierung der gesamten Gesellschaft zur Folge, sodass die Nation nach einem neuen Glaubenssystem sucht, um Harmonie und Zusammenhalt unter den Bürgern wiederherzustellen, und nach einer neuen Grundlage, auf der sie ihre Institutionen wieder aufbauen kann. Also: Ohne die Grundlage eines vereinigenden Glaubenssystems, auf dem die gesellschaftlichen Einrichtungen funktionieren können, verfällt eine destabilisierte Kultur – und ihre Medizin ebenso.
Das Christentum muss ein neues Leitbild aufstellen Das Christentum ist das religiöse Glaubenssystem, auf das die USA gegründet wurden. Schon ein flüchtiger Blick auf die Originaldokumente wird das bestätigen. Christliche Regeln bildeten die Basis für die Unabhängigkeitserklärung, für die Verfassung und eigentlich für jede öffentliche und private Einrichtung in den USA. Dieses Fundament wurde von vielen Seiten scharf kritisiert, nie jedoch so dramatisch wie in den 1960er Jahren, als Amerika eine kulturelle Revolution riesigen Ausmaßes durchmachte. Es war nicht überraschend und bestätigte frühere Präzedenzfälle, dass kurze Zeit später religiöse Gurus in den Vereinigten Staaten willkommen geheißen wurden. Sie brachten ihre östlichen, religiösen Lehren wie Transzendentale Meditation (TM) mit, die sich in der amerikanischen Kultur schnell verbreiteten. (Es ist erstaunlich, wie wenige Leute sich fragten, ob diese Lehren die Kulturen, aus denen sie kamen, positiv oder negativ beeinflusst hatten.) Im Lauf der folgenden Jahrzehnte wurden östliche Konzepte langsam in die westliche Medizin integriert. Am Anfang blieb dieser Vormarsch fast ausschließlich auf Randgebiete der medizinischen Praxis begrenzt. Unterstützt durch Forschungsartikel, die aufzeigten, dass sich eine zunehmende Zahl von Amerikanern um derartige Ärzte scharte, wurde aus dem Rinnsal, das in die westliche Medizin floss, rasch eine Flut. Heute machen sich Ärzte und medizinische Institutionen Vorgehensweisen zu eigen, die sie noch vor wenigen Jahren als unwissenschaftlich abgetan hätten, und praktizieren sie mit großer Selbstverständlichkeit. Beweise dieses bedeutenden ideologischen Wandels finden sich überall im Gesundheitssystem:
24 / Biblischer Wegweiser zu alternativer Medizin 1. Wie in vielen anderen Städten wurde in praktisch jeder größeren Klinik in Cincinnati ein Gesundheits- und Fitnesszentrum gebaut und Patienten werden angeregt, an Kursen teilzunehmen, die sich von Akupunktur über Qigong bis zu Reflexzonenmassage und Yoga erstrecken. Welch eine drastische Veränderung – noch vor wenigen Jahren galten diese Praktiken als unwissenschaftlich, ja sogar als Quacksalberei. 2. In den letzten Jahren hat die Harvard Medical School zahlreiche Fortbildungskonferenzen durchgeführt, bei denen prominente Hauptredner eingeladen wurden, um über spirituelle Aspekte zu sprechen, meistens aus einer östlichen, mystischen Perspektive. Harvard, einst die Ikone des rein biochemischen, wissenschaftlichen Medizinmodells, veranstaltet jetzt Tagungen über Spiritualität und Heilung in Verbindung mit dem Mind/Body Medical Institute im Beth Israel Deaconess Medical Center. 3. Vorgeschriebene Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte beinhalten normalerweise Vorträge über Spiritualität und Alternativmedizin. Kürzlich wurden bei einer solchen Veranstaltung in Vermont, zu der auch eine Vorlesung über Spiritualität gehörte, den Teilnehmern Broschüren ausgeteilt, die zu einer Retraite in den Bergen von North Carolina einluden. Diese Wochenendveranstaltung sollte Ärzten helfen, die „archetypische Energie des Heilers“ wiederzuentdecken, und sie dazu bringen, eine „Wiederbelebung“ des „Heilers im Innern“ zu erfahren. Redner war u. a. ein Psychotherapeut, der sich darauf spezialisiert hatte, das Verhältnis zwischen Symptomen und intrapersonellen Energien der Seele zu erforschen. Ein anderer Therapeut hatte umfassende Erfahrung mit verschiedenen schamanistischen Heilern und deren Ritualen. Und indianische Berater leiteten Teilnehmer auf ihrer Reise der „Sehnsucht nach Heilung für uns und für die ganze Schöpfung“.4 Wohin führt uns das? Die westliche Medizin (und unsere Gesellschaft) ist – im Zuge einer kulturellen Revolution – in einem Stadium der Veränderung und Verwirrung und auf der Suche nach einem vereinigenden Glaubenssystem. Übereinstimmend mit Beispielen aus der Geschichte führt die Suche nach der Wahrheit zu östlichen
Die theologischen Wurzeln der Medizin / 25 Glaubenssystemen. Und das Christentum kann keine ausgleichende Kraft sein, weil es die westliche Schulmedizin blind als mit dem christlichen Glauben übereinstimmend akzeptiert – und das, obwohl die philosophische Untermauerung dieser Medizin in einem heidnischen Glaubenssystem verwurzelt ist, welches im Widerspruch zum Christentum steht. Da die eigentliche Ursache unserer gegenwärtigen Krise in grundlegenden Glaubensüberzeugungen liegt, muss auch die Lösung auf dieser Ebene gefunden werden. Amerika hat ein christliches Erbe. Die Kirche wird noch immer in vieler Hinsicht als Richtlinie akzeptiert, besonders wenn es um „richtig oder falsch“ geht. Die gegenwärtige Krise ist eine Riesenchance für das Christentum, wie sie sich vielleicht lange nicht mehr geboten hat. Medizin und Gesellschaft suchen nach einem vereinigenden Weltbild, das den Glauben mit dem realen Leben verbindet und nicht nur auf die großen Fragen des Lebens Antworten liefert, sondern auch für die medizinische Entscheidungsfindung im Fall von Krankheit ein seriöses Konzept bietet. Das Christentum muss ein medizinisches Paradigma hervorbringen, das mit dem christlichen Glauben und legitimer Wissenschaft vereinbar ist. Gläubige Patienten und Ärzte brauchen dringend Hilfe, wie sie biblischen Glauben, körperliche Gesundheit und medizinische Praxis wieder miteinander verbinden können. Und eigentlich gilt dies auch für den Rest der Welt!
2 Die Notwendigkeit einer umfassenden Beurteilungsmethode ●●●●●●●●●●●●●●●●● Das Christentum ist kein Medikament, das sich für manche Krankheiten eignet und für andere nicht. Es ist entweder bloße Einbildung oder es ist die Wahrheit. Aber wenn es die Wahrheit ist und das Universum gemäß der christlichen Lehre geschaffen wurde, dann ist die Frage nicht, ob der Gott des Christentums zu uns passt, sondern ob wir zu ihm passen. William Temple
Der Fall Ralph und Amy waren liebe Freunde. Amy, eine lebhafte, 69 Jahre alte Christin, hatte sich die meiste Zeit ihres Lebens einer hervorragenden Gesundheit erfreut. Aber jetzt kämpfte sie verzweifelt darum,
28 / Biblischer Wegweiser zu alternativer Medizin diese wiederzuerlangen. Ralph und Amy fragten mich: „Würdest du mit uns zu Amys nächstem Arzttermin kommen und uns deine Meinung sagen?“ Ich, Michael, wollte tun, was ich konnte, um den beiden aus ihrer misslichen Lage zu helfen, und so willigte ich ein.
Eine verheerende Krankheit Einige Monate zuvor war bei Amy ein Bluthochdruck von über 200/120 diagnostiziert worden, kaum vorstellbar bei einer so kleinen und zierlichen Dame. Seit ihrer Diagnose hatte sie versucht, den Blutdruck mit natürlichen Mitteln zu senken: Bei Ausbruch ihrer Krankheit war sie strenge Vegetarierin und setzte nun ihre Hoffnung auf Säfte, Nahrungsergänzungsmittel und schließlich auf Heilkräuter. Obwohl Amy pensionierte Krankenschwester war, verabscheute sie den Gedanken, Medikamente einnehmen zu müssen. Für sie waren diese gleichbedeutend mit Gift. Aber letztendlich setzte sich doch das „Gift“ durch: Amy erlitt mehrere schlimme Schlaganfälle. Ihre Ärzte gaben ihr daraufhin ein Digitalispräparat, um ihren Puls in den Griff zu bekommen, einen Gerinnungshemmer und mehrere Medikamente gegen hohen Blutdruck, die aber alle nichts bewirkten. Auf der Suche nach einer besseren Lösung empfahl ein befreundeter Christ den Chiropraktiker am Ort. Von diesem Arzt hieß es nicht nur, er sei Christ, sondern auch, er sei sehr daran interessiert, den Ursprung von Gesundheitsproblemen herauszufinden und diese mit Diäten, Heilkräutern und Ergänzungsmitteln zu behandeln. All das hörte sich für Ralph und Amy äußerst ansprechend an; anscheinend dachte dieser Arzt über den Weg zu optimaler Gesundheit ganz ähnlich wie sie. Amy ging zwei Wochen vor unserem geplanten gemeinsamen Treffen zu ihrem ersten Termin. Sie war ziemlich beeindruckt von diesem jungen Arzt, obwohl sie seine Vorgehensweise ein bisschen verwunderlich fand – ganz anders als das, was sie als Krankenschwester gelernt hatte. Amy und Ralph hatten meine Vorträge über Vorteile und mögliche Fallen der Alternativmedizin gehört und fragten mich nun, ob ich nicht Interesse hätte, ihnen beim Beurteilen dieser medizinischen Methode zu helfen und sie zu ihrem nächsten Arzttermin zu begleiten. Ich entschied mich, ihre Einladung anzunehmen – und es wurde eine sehr interessante Erfahrung.
Die Notwendigkeit einer umfassenden Beurteilungsmethode / 29 Der Besuch in der Praxis Nachdem wir ein paar Minuten im Wartezimmer gesessen hatten, wurden wir nach hinten in einen Behandlungsraum gerufen. Darin befanden sich außer einigen Sesseln und einem Schreibtisch mehrere Regale mit Ergänzungsmitteln und eine neuartige Computeranlage. Eine quadratische Metallplatte mit einer Seitenlänge von etwa 30 cm war mit dem Computer verbunden und hatte an zwei gegenüberliegenden Ecken angebrachte Drähte. Amy wurde gebeten, in ihrer rechten Hand den Draht mit der Kathode (positive Elektrode) zu halten. An der anderen Ecke war der Draht mit der Anode (negative Elektrode). Diesen hielt der Chiropraktiker in seiner rechten Hand. Er nahm Amys linke Hand und berührte bestimmte Punkte auf ihrer Hand mit der negativen Elektrode. „Diese Punkte“, erklärte er, „entsprechen bestimmten Organsystemen oder Krankheitsprozessen im Körper. Jedes Körperorgan und jede Krankheit hat eine bestimmte Frequenz. Wir können nun jede dieser Frequenzen testen und so den Zustand jedes einzelnen Körpersystems beurteilen. Ist das System gesund, fließt die richtige Energiemenge.“ Jede Berührung mit einem Punkt auf Amys Hand generierte einen blauen Querbalken auf dem Bildschirm, der die vorhandene Energie in diesem bestimmten Organ oder System darstellte. War das System gesund, ergab dies einen Balken, der sich bis in die Mitte des Bildschirms erstreckte. Gab es aber ein Problem, hörte der Balken entweder vor der Mitte auf (zu wenig Energie) oder ging bis gegen den rechten Bildschirmrand (zu viel Energie). So wurde jedes Körpersystem getestet und eine Liste der Problemzonen erstellt. Dann wurde für jede dieser Zonen ein in einer Flasche abgefülltes Ergänzungsmittel oder Heilkraut vom Regal genommen und in die Mitte der Metallplatte gestellt. Die Problemzonen wurden nun nochmals getestet. Jetzt floss die Energie zuerst durch die Patientin und dann durch das Heilmittel, bevor sie zum Computer gelangte. War das Mittel hilfreich, pendelten sich ein oder mehrere der zu kurzen oder zu langen Balken in der Mitte des Bildschirms ein. Alle Heilmittel, die sich auf diese Weise als wirkungsvoll erwiesen,
30 / Biblischer Wegweiser zu alternativer Medizin wurden beiseite gestellt. Nach diesen Einzeltests wurden die ausgewählten Mittel – ungefähr ein Dutzend Flaschen – in die Mitte des Metalltabletts gestellt und alle zusammen nochmals getestet. Der letzte Schritt war, die richtige Dosierung für jedes Heilmittel zu bestimmen. Das wurde herausgefunden, indem Amy jedes Heilmittel einzeln in die rechte Hand nehmen musste. Während sie es eng an ihre Brust hielt, testete der Chiropraktiker die Muskelkraft ihres ausgestreckten linken Arms. Nach jedem getesteten Heilmittel wandte er sich an seine Assistentin und sagte: „Von diesem Mittel braucht sie täglich zwei Tabletten.“ Oder: „Sie braucht vier von jenem.“ Die höchste Tagesdosis, die er von einem dieser Mittel verschrieb, war sechs Tabletten. Nach Abschluss aller Tests dankte uns der junge Arzt freundlich für unser Kommen, schüttelte uns die Hand und verließ den Raum. Darauf fragte ich seine Assistentin, wie es ihm möglich gewesen sei, die richtige Dosierung jedes einzelnen Heilmittels zu bestimmen. „Oh, das ist leicht“, antwortete sie. „Er hat einfach den Körper der Patientin gefragt und von ihm Antwort erhalten.“ Ich war nur wenige Zentimeter von diesem Arzt entfernt gewesen und hatte nichts gehört. Offensichtlich hatte er die Fragen nicht laut ausgesprochen.
Die ärztliche Verordnung Mit dem Aufschreiben und Übergeben der verordneten Mittel war der Arztbesuch beendet. Als wir auf den Parkplatz hinausgingen, fragten mich Ralph und Amy: „Nun, was denkst du? Schaut es gut aus? Ist alles okay?“ Was würden Sie Ralph und Amy sagen? Sind sie auf dem richtigen Weg? Und auf welcher Grundlage würden Sie Ihre Antwort formulieren? Und das Wichtigste: Könnte Gott Sie gebrauchen, um diesen seinen Kindern weisen Rat zu erteilen?
Die Notwendigkeit einer Beurteilungsmethode, die mit der biblischen Lehre im Einklang ist Am Westufer des Potomac River in Arlington, Virginia, steht das Pentagon, eines der größten architektonischen Highlights des