/ 1 Dr. Neil T. Anderson JĂźngerschaftstraining
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Dr. Neil T. Anderson
Jüngerschaftstraining ●●●●●●●●●●●●●●●●●
Anderen helfen, in der Freiheit in Christus zu leben und zu wachsen
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Titel der englischen Originalausgabe: Discipleship Counseling. The Complete Guide to Helping Others Walk in Freedom and Grow in Christ Herausgegeben von Regal Books from Gospel Light, Ventura, California, USA Copyright © 2003 Neil T. Anderson. All rights reserved. Bibelstellen wurden aus der Neuen Genfer Übersetzung zitiert, © 2011 Genfer Bibelgesellschaft, wenn nicht folgendermaßen gekennzeichnet: NL: Neues Leben. Die Bibel © 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten Hfa: Hoffnung für alle © 1986, 1996, 2002 International Bible Society, Übersetzung, Herausgeber und Verlag: Brunnen Verlag, Basel und Gießen S: Schlachter © 2000 Genfer Bibelgesellschaft REÜ: Revidierte Elberfelder Bibel (Rev. 26) © 1985/1991/2008 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten Copyright © der deutschen Ausgabe 2012 Asaph-Verlag, D-Lüdenscheid Umschlaggestaltung: Philippe Fiedler, werdewelt GmbH, D-Haiger (unter Verwendung eines Fotos von © Yuri Arcurs, Benutzung unter Lizenz von Shutterstock.com) Illustrationen: Robert Williams Satz/DTP: Jens Wirth Druck: Schönbach-Druck, D-Erzhausen Printed in the EU ISBN 978-3-94018848-9 Bestellnummer 147448 Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an: ASAPH, D-58478 Lüdenscheid asaph@asaph.net – www.asaph.net
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Inhalt ●●●●●●●●●●●●●●●●● Vorwort............................................................................................ 7 Einführung..................................................................................... 11 Teil I: Jüngerschaftstraining in der Theorie............................. 23 Kapitel 1: Eine biblische Ausgeglichenheit finden........................ 25 Kapitel 2: Was ist psychische Gesundheit?.................................... 49 Kapitel 3: Theologie und Psychologie miteinander verbinden...... 71 Kapitel 4: Wer ist wofür verantwortlich?..................................... 105 Kapitel 5: Der Heiligungsprozess................................................ 129 Kapitel 6: Beratung in Christus.................................................... 157 Kapitel 7: Die geistlich Bekümmerten beraten............................ 185 Teil II: Jüngerschaftstraining in der Praxis.............................211 Kapitel 8: Das „Freedom Appointment“...................................... 213 Kapitel 9: Falsche Leitung überwinden....................................... 237 Kapitel 10: Täuschung überwinden............................................. 259 Kapitel 11: Bitterkeit überwinden................................................ 277 Kapitel 12: Rebellion überwinden............................................... 305 Kapitel 13: Stolz überwinden....................................................... 321 Kapitel 14: Gebundenheit überwinden........................................ 333 Kapitel 15: Die Sünden der Vorfahren überwinden..................... 359 Kapitel 16: Wie Sie in Ihrer Gemeinde einen Jüngerschaftsberatungsdienst aufbauen können............................. 377 Anhang A: Freigabeformular....................................................... 415 Anhang B: Persönlicher Fragebogen........................................... 417 Anmerkungen............................................................................... 425
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Vorwort ●●●●●●●●●●●●●●●●● Während meines über 20-jährigen vollzeitlichen Dienstes habe ich viele Menschen zum Glauben an Christus geführt oder mit ihnen verschiedene Jüngerschaftsmaterialien durchgearbeitet. Ich habe sie seelsorgerlich betreut und sie an die besten Fachleute der Umgebung verwiesen. Aber trotz all dieser Lehre und allem Rat musste ich mit ansehen, wie unzählige gläubige Männer und Frauen sich mühten, von den seelischen Problemen, die sie belasteten, frei zu werden. Dies geschieht meistens im Stillen aus Angst, irgendjemandem zu sagen, wie die wahren Gefühle dieser Menschen aussehen oder wie entmutigt sie in Bezug auf ihr Leben als Christ sind. Das Ergebnis: eine ungesunde Gemeinde voller engagierter „Macher“, die sich damit abgefunden haben zu glauben, an ihrer Situation sei ohnehin nichts mehr zu ändern. Ohne echte Freude, Liebe und innere Freiheit sind Evangelisation und der Aufbau einer Gemeinschaft sehr schwierig. Solange der Heilige Geist nicht auf natürliche Weise durch die Mitglieder einer Gemeinde fließt und noch durch ungelöste Fragen der Wut, der Angst, des Stolzes und der Unversöhnlichkeit unterdrückt und betrübt wird, legt der durchschnittliche Gemeindeleiter den Schwerpunkt seiner Arbeit wahrscheinlich auf irgendwelche Programme. Menschen werden zu Veranstaltungen, Projekten, Konzerten und Kursen eingeladen, die jedoch keinen wirklichen Einfluss auf ihre Glaubensreife haben. Darüber hinaus trägt das Verkünden und Lehren von Gottes Wort – das den Hauptteil meiner Arbeit und meiner Freude ausmacht – wenig Frucht. Sie können sich vorstellen, wie sehr ich mich freute, als ich entdeckte, dass in Christus ein freies und fruchtbringendes Leben möglich
8 / Jüngerschaftstraining ist! Es war ein besonderes Vorrecht und eine große Freude für mich, Neil und Joanne Anderson in meiner Gemeinde zu begrüßen, und ich habe bereits die Frucht ihrer Arbeit erlebt. Ich habe miterlebt, wie die Macht der Wahrheit Menschen befreien und Probleme und Streitpunkte klären kann, die schon seit Jahren unter der Oberfläche gären. Ich zweifle nicht daran, dass Gott diesem eifrigen Sohn eines Farmers aus Minnesota Erkenntnisse über den Prozess der Jüngerschaft gegeben hat, die die Gemeinde dringend braucht. Ich brauche sie jedenfalls! Als Pastor empfand ich sehr oft ein Missverhältnis zwischen der Jüngerschaftsarbeit in der Gemeinde und den seelsorgerlichen Bedürfnissen der einzelnen Gemeindeglieder. Wir geben indirekt die Botschaft weiter, dass geistliches Verhalten und emotionale Probleme nichts miteinander zu tun haben und dass die Bibel und das Gebet wunderbare Werkzeuge sind, Heilige dafür auszurüsten, ein Zeugnis zu sein. Menschen mit Schwierigkeiten, die ihre Gefühle oder Beziehungen betreffen, werden zum Psychologen vor Ort geschickt. Somit haben wir Menschen mit viel Bibelwissen, aber keine Lösungen für die Probleme und Sünden, die sie bedrängen. Voller Stolz und Angst vertuschen wir die Unsicherheit, die sich in unseren Herzen breitgemacht hat. Das Geniale an Neils Buch ist, dass er die Betreuung des gesamten Menschen – von Körper, Seele und Geist – wieder in die Gemeinde bringt. Außerdem zeigt er auf, wie wir mithilfe der großartigen neutestamentlichen Wahrheiten in Bezug auf unsere Identität in Christus die Probleme bewältigen können, die uns belasten. Dieses Buch ist nichts für Ängstliche oder Passive. Es stellt eine bewusste Strategie vor, Menschen von den Fesseln zu befreien, die sie binden. Mut und Glaube sind unerlässlich, um die Realität der geistlichen Welt mit einzubeziehen. Neil wagt zu behaupten, dass die geistliche Welt unser gesamtes Handeln beeinflusst, und er liefert das Rüstzeug, diese Herausforderungen anzugehen. In einer Welt, in der jedes Problem bis ins kleinste Detail analysiert werden kann, fordert Neil uns heraus, unseren Blick von der Analyse zur Lösung hin zu wenden, und wagt die Hoffnung zu vermitteln, dass wir einmal die Lösung unserer Probleme erleben werden. Außerdem sind diese Konzepte vollkommen übertragbar, sodass jeder reife Christ die Jüngerschaftsberatung lernen kann, darin ausgebildet und zum Dienst in seiner örtlichen Gemeinde eingesetzt werden kann.
Vorwort / 9 Dies ist keine „neue“ Wahrheit. Es ist eine alte neutestamentliche Wahrheit, die die heutige Gemeinde, vom Rationalismus und der weltlichen Psychologie betört, zu ihrem eigenen Schaden vernachlässigt hat. Was für eine Freude es wohl für Jesus Christus sein muss zu sehen, wie seine Kinder ihre Identität und Autorität als seine geliebten Söhne und Töchter wiederentdecken. Möge dieses Buch Ihre Gemeinde von Grund auf verändern, so wie es auch meine verändert! Pastor Sandy Mason Desert View Bible Church, Phoenix, Arizona
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Einführung ●●●●●●●●●●●●●●●●● Während meiner Zeit als Gemeindepastor gab es in meiner Gemeinde viele Menschen mit Problemen, für die ich keine Antworten hatte, und das belastete mich sehr. Ich glaubte, dass Christus die Antwort ist für die verletzten Menschen in dieser gefallenen Welt. Und ich glaubte auch, dass die Wahrheit der Bibel sie frei machen würde. Doch im Leben meiner Gemeindeglieder schien dies nicht zu geschehen. Als mich der Herr dazu berief, an der Talbot School of Theology zu unterrichten, holte ich mir die Bewilligung ein, eine Wahlvorlesung im Rahmen des „Master der Theologie“-Studiengangs anzubieten, um herauszufinden, warum unsere Arbeit und unsere Programme so wenig Frucht trugen. Im ersten Jahr meldeten sich 18 Studenten an, und ich fühlte mich wie ein Zweitklässler, der Erstklässler unterrichtet. Im nächsten Jahr schrieben sich 23 Studenten ein, im darauf folgenden Jahr 35, dann 65, anschließend 150 und schließlich 250 für die einwöchige Sommervorlesung. Ich konnte beobachten, wie die Studenten entdeckten, wer sie in Christus waren und wie sie durch aufrichtige Umkehr persönliche und geistliche Konflikte lösen konnten. Und ich sah, wie sich dabei ihr Leben veränderte. Im Laufe meiner Suche erlebte ich zwei wesentliche Paradigmenwechsel in meinem Denken. Erstens erkannte ich, dass ich das Evangelium noch nicht vollständig verstanden hatte – vor allem in Bezug darauf, wer wir Gläubige in Christus sind. Jesus kam nicht nur, um am Kreuz für unsere Sünden zu sterben, er kam auch, um uns in Christus Leben zu schenken. Folglich sind Christen in Christus Neuschöpfungen. Sie können von ihrer Vergangenheit befreit werden und sind befreit, das zu sein, wofür Gott sie geschaffen hat – und das
12 / Jüngerschaftstraining ist nur eines ihrer Vorrechte. Ja, zu dieser Freiheit hat Christus uns befreit (s. Gal. 5,1). Zweitens hatte ich durch meine westliche Bildung ein verzerrtes Weltbild und dadurch ein mangelhaftes Verständnis der geistlichen Welt. Jesus kam nicht nur, um uns unsere Sünden zu vergeben und uns das Leben zu schenken. Er kam, um die Werke des Teufels zu zerstören (s. 1. Joh. 3,8). Während der Herr mein Denken veränderte, begann er auch, verletzte Menschen zu mir zu führen. Ich wollte eine biblische Antwort für diese lieben Geschwister, die sich nach einem befreiten und fruchtbringenden Leben in Christus sehnten. Mir war außerdem klar, dass Botschaft und Methode akademisch glaubhaft und ganzheitlich sein mussten, damit alle Christen sie akzeptieren würden. Viele verletzte und besorgte Christen begleiteten mich in diesem Lernprozess. Einigen musste ich sagen, dass ich ihre Probleme nicht lösen kann, aber dass Jesus es kann. Außerdem sagte ich ihnen, dass ich Gott weiterhin um eine Antwort bitten würde, wenn sie bereit wären, mit mir zu arbeiten. Im Laufe der Zeit – nach viel Lernen und einigen Erfahrungen – konnte ich immer mehr sehen, wie Gott Gefangene befreite und Niedergeschlagene ermutigte. Ich erkannte außerdem, dass all diese leidenden Christen eines gemeinsam hatten: Ihnen war nicht bewusst, wer sie in Christus waren und was es wirklich bedeutete, ein Kind Gottes zu sein. „Der Geist selbst bezeugt es uns in unserem Innersten, dass wir Gottes Kinder sind“ (Röm. 8,16). Warum spürten sie dies denn nicht? Der Apostel Paulus schreibt: „Gott [hat] den Geist seines Sohnes in eure Herzen gesandt, den Geist, der […] ‚Abba, Vater!‘ ruft“ (Gal. 4,6). Die Botschaft des Evangeliums „Christus in euch – die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit!“ (Kol. 1,27) hatten sie persönlich noch nicht erfahren und sie kannten ihr geistliches Erbe nicht. Durch meine Erziehung und meine Ausbildung war mein Denken von westlichem Rationalismus und Naturalismus geprägt. Ich hatte vieles über das Reich Gottes gelernt, aber nichts über das Reich der Finsternis. Heute verstehe ich den Kampf etwas besser, der zwischen dem Reich Gottes und dem Reich der Finsternis, zwischen Christus und dem Antichrist, zwischen dem Geist der Wahrheit und dem Vater der Lüge, zwischen den wahren und den falschen Propheten sowie zwischen Gut und Böse geführt wird.
Einführung / 13 Jesus bezeichnet den Teufel als den „Herrscher dieser Welt“ (Joh. 16,11) und Johannes schreibt, dass „sich die ganze Welt in der Gewalt des Bösen befindet“ (1. Joh. 5,19). Paulus lehrt: „Der Gott dieser Welt [Satan] hat sie mit Blindheit geschlagen“ (2. Kor. 4,4) und ermahnt die Gläubigen, die Waffen, die Gott uns gibt, zu ergreifen. „Denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Wesen von Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächte, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die Geistwesen der Bosheit in der himmlischen Welt“ (Eph. 6,12). Petrus schrieb: „Seid besonnen und wachsam und jederzeit auf einen Angriff durch den Teufel, euren Feind, gefasst! Wie ein brüllender Löwe streift er umher und sucht nach einem Opfer, das er verschlingen kann“ (1. Pt. 5,8, NL). Das sind keine Bibelstellen, die wir nach Belieben abtun können, als gäbe es keine geistliche Welt und kein Reich der Finsternis. Jesus war sich dieser Realität bewusst und betete: „Ich bitte dich nicht, sie aus der Welt herauszunehmen; aber ich bitte dich, sie vor dem Bösen zu bewahren. Sie gehören nicht zur Welt, so wenig wie ich zur Welt gehöre. Mach sie durch die Wahrheit zu Menschen, die dir geweiht sind. Dein Wort ist die Wahrheit“ (Joh. 17,15–17).
Der geistliche Kampf um Ihre Gedanken Während jener Jahre des Wachstums beschränkte sich meine Arbeit auf den Campus der Biola-Universität. Offen gesagt wollte ich meine Erkenntnisse nicht in Gemeinden weitergeben, bevor ich sicher war, dass meine Botschaft und Methode biblisch, ganzheitlich und umsetzbar waren. Ich wollte auch mehr darüber lernen, was im Leben von christlichen Teenagern vorging, denn die Mehrheit der von mir betreuten Erwachsenen hatte Probleme, die ihren Ursprung in ihrer Jugend hatten. Also befragte ich über 1.700 christliche Studenten [in den USA oft Teenager] und stellte fest, dass 71 Prozent dieser jungen bekennenden Christen Stimmen hörten oder mit gotteslästerlichen oder verurteilenden Gedanken zu kämpfen hatten.1 Dieser Kampf um ihre Gedanken schien nicht in erster Linie neurologische oder psychologische Ursachen zu haben. Er schien eher 1. Timotheus 4,1 zu entsprechen: „Der Geist Gottes hat allerdings unmissverständlich vorausgesagt, dass am Ende der Zeit manche vom Glauben abfallen werden. Sie werden sich irreführenden Geistern zuwenden und auf
14 / Jüngerschaftstraining Lehren hören, die von dämonischen Mächten eingegeben sind.“ Erleben wir das heute? Ja, und es geschieht auf der ganzen Welt! Unsere Befragung zeigte auch, dass 74 Prozent der Teenager glauben, anders als ihre Altersgenossen zu sein: Bei anderen funktioniert der christliche Glaube, aber bei mir nicht. Stimmt das? Natürlich nicht! Aber wenn Christen glauben, anders als die anderen zu sein, hat das einen Einfluss auf ihren Lebensstil. Wir haben erlebt, dass viele Erwachsene dieselbe Lüge glauben, obwohl die Bibel eindeutig lehrt, dass Christus alles und in allen (Gläubigen) ist. Während der letzten 20 Jahre hatte ich das Vorrecht, Seelsorger von Hunderten von Menschen zu sein, die mit ihren Gedanken zu kämpfen hatten, denen es schwerfiel, in der Bibel zu lesen, oder die sogar Stimmen hörten. In vielen Fällen zeigte sich, dass der Kern ihres Problems ein geistlicher Kampf um ihre Gedanken war. Das Problem war schnell gelöst, wenn sie sich Gott unterordneten und dem Teufel Widerstand leisteten. Durch den Jüngerschaftstrainingsprozess, der in diesem Buch gelehrt wird, haben wir gelernt, wie wir diesen Menschen helfen können, ihre Identität und Freiheit in Christus zu finden. Außerdem haben Tausende von Menschen an Konferenzen ihre Identität und Freiheit in Christus gefunden, wo wir ihnen halfen, durch aufrichtige Umkehr ihre persönlichen und geistlichen Konflikte zu lösen. Die meisten verlassen unsere seelsorgerlichen Gespräche oder unsere Konferenzen mit dem Frieden Gottes, der ihre Herzen und Gedanken bewahrt. Diesen neu gefundenen seelischen Frieden haben viele bisher noch nie erlebt. Während ich in Grand Rapids, Michigan, eine Konferenz zum Thema „In Christus befreit leben“ leitete, beschloss die diplomierte christliche Therapeutin Judy King, einen lockeren Test unter den Konferenzbesuchern durchzuführen. Die Probanden ihrer Studie waren Konferenzteilnehmer, die um ein persönliches Gespräch gebeten hatten. Sie erhielten vor dem Gespräch einen Fragebogen und drei Monate später einen weiteren. Die Seelsorge wurde von einem Laienermutiger2 durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten eine Besserung um 52 % bei Depressionen, eine Besserung um 47 % bei Ängsten, eine Besserung um 57 % bezüglich quälender Gedanken, eine Besserung um 48 % bei persönlichen und geistlichen Konflikten und eine Besserung um 39 % bezüglich negativer Verhaltensweisen oder Gewohnheiten.
Einführung / 15 Dies führte zu weiteren Studien. Eine Konferenz in Tyler, Texas, erbrachte folgende Ergebnisse: ►►Depressionen Besserung um 57 % ►►Sorgen Besserung um 54 % ►►Angst Besserung um 49 % ►►Wut Besserung um 55 % ►►Quälende Gedanken Besserung um 50 % ►►Negative Gewohnheiten Besserung um 53 % ►►Selbstwert Besserung um 56 % Die jeweiligen Probleme des Ratsuchenden wurden nicht bereits vor dem Ausfüllen des Fragebogens festgestellt. Oder anders ausgedrückt: Manche der Menschen, die um ein Gespräch baten, waren möglicherweise gar nicht deprimiert oder besorgt, was die Resultate umso beeindruckender macht. Wichtig ist noch anzumerken, dass nicht ich die Seelsorge übernahm. Alle Gespräche wurden von gut ausgebildeten Laien durchgeführt. Im Januar 2000 hielt ich an der Regent-Universität eine Vorlesung vor Doktoranden der Theologie. Dr. Fernando Garzon, ein Dozent an der Psychologischen Fakultät, bat mich um Erlaubnis, an den Studenten meines Kurses Forschungen durchzuführen. Es handelte sich um einen einwöchigen Intensivkurs, während dessen wir uns täglich für jeweils acht Stunden trafen. Die Studenten arbeiteten entweder an einem Master der Theologie, einem Doktor der Psychologie oder einem Doktor der Theologie. Dr. Garzon verwendete den Fragebogen von Judy King und befragte die Studenten jeweils vor und nach dem Kurs mithilfe der Rosenberg-Self-Esteem-Skala, des Beck-Angst-Inventars und der Symptom Checklist 90-R. Dr. Garzons Ergebnisse wurden im Journal of Psychology and Theology veröffentlicht. Zusammengefasst schrieb er: Statistisch signifikante Abnahmen wurden in den Bereichen ... Besorgtheit, Depression, Zwanghaftigkeit, zwischenmenschliche Probleme, Aggressivität, Somatisierung, paranoides Denken und Psychotizismus festgestellt. Besorgtheit konnte verringert werden … und es wurden auch statistisch signifikante Zunahmen beim Selbstwert und bei der Geistlichkeit festgestellt.3
16 / Jüngerschaftstraining Sie werden mir wahrscheinlich zustimmen, dass die meisten Studenten auf diesem Bildungsniveau nicht in erster Linie Kurse besuchen, damit ihr Leben verändert wird. Doch genau das ist geschehen. Dr. Garzon und Judy King erforschten anschließend gemeinsam die Anwendung dieser Botschaft und Methode in ihrer Therapie. Alle, die bei Judy King in der Beratung waren, erlebten eine Verbesserung gemäß den oben beschriebenen Ergebnissen. In der zweiten Ausgabe des Buches Released from Bondage, das ich gemeinsam mit Judy King und Dr. Garzon verfasst habe4, werden mehrere Fallbeispiele beschrieben und ihr Heilungsprozess in Christus erklärt. Wie sind solch bedeutende Ergebnisse zu erklären? Ich versichere Ihnen, dass die Frucht, die regelmäßig und auf der ganzen Welt in unserer Arbeit sichtbar wird, sich nicht aufgrund meiner Fähigkeiten im Bereich der christlichen Arbeit oder aufgrund irgendeiner besonderen Berufung oder Begabung meinerseits erklären lässt. Ohne Christus habe ich weder die Macht noch die Fähigkeit, Gefangene zu befreien oder Niedergeschlagene aufzurichten. Das kann allein Gott. Ich werde später in diesem Buch näher darauf eingehen, wie wir den wunderbaren Ratgeber bewusst in diesen Jüngerschaftstrainingsprozess mit einbeziehen können. Er ist der stets anwesende Dritte und der Einzige, der die Macht hat, Menschen zu verändern.
Zerbrochenheit Aber es genügt nicht, die richtige Botschaft und Methode zu haben. Man muss auch die richtigen Menschen haben, die von Gott abhängig sind. Auf dem Höhepunkt meiner Lernkurve ließ Gott mich und meine Familie eine Zeit der Zerbrochenheit durchmachen. 15 Monate lang wusste ich nicht, ob meine Frau leben oder sterben würde. Wir verloren alles, was wir hatten. Nur noch Gott und sich selbst zu haben, gibt einem die Möglichkeit zu entdecken, dass man nur Gott allein braucht. Gott brachte mich ans Ende meiner Möglichkeiten, damit ich seine Möglichkeiten entdecken konnte. Das war das Beste, was mir passieren konnte. Solange wir glauben, dass wir anderen durch unsere eigene Kraft und unsere eigenen Mittel weiterhelfen können, wird er uns dies versuchen lassen. Die Arbeit freedom in christ entstand aus dieser Zerbrochenheit heraus. Während jener Zeit lernte ich auch, dass Barmherzigkeit eine wesentliche Voraussetzung für diesen Dienst ist.
Einführung / 17 Im Ingenieurstudium hatte ich meine kognitiven Fähigkeiten verbessern können und mir beigebracht, diszipliniert zu sein. Obwohl ich zur Kirche ging und von gläubigen Eltern erzogen worden war, wurde ich erst nach meinem Studium Christ. Kurz nach meiner Bekehrung hatte ich das Vorrecht, alles Jüngerschaftsmaterial durchzuarbeiten, das von Campus für Christus und den Navigatoren erstellt worden war – gute Lehre, und ich war dankbar, dass diese guten Hilfsmittel meinen Glauben vertieften. Rückblickend erkenne ich, dass dieses Material genau auf einen jungen Menschen wie mich zugeschnitten war: Ich hatte kaum Schwierigkeiten in meinem Leben, ich trank keinen Alkohol, nahm keine Drogen und hatte noch keine sexuellen Erfahrungen gemacht. Während der letzten 40 Jahre hat sich die amerikanische Kultur extrem verändert, und die meisten Jugendlichen würden meiner Beschreibung nicht mehr entsprechen. Viele Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, hätten große Mühe, das Jüngerschaftsmaterial von früher durchzuarbeiten. Sex, Alkohol, Drogen, Missbrauch und der Zerfall der Familie haben bei vielen ungelöste Probleme hinterlassen. Dieser Wandel unserer Kultur hat zu einem unglaublichen Wachstum im Bereich der christlichen Seelsorge geführt, die ganz andere Vorgehensweisen hat als frühere Ausbildungsprogramme in Jüngerschaft und Evangelisation. In amerikanischen Gemeinden gibt es fast keine Jüngerschaftsarbeit mehr. Das Material ist veraltet und entspricht nicht mehr den Bedürfnissen derer, die das Leben und die Freiheit in Christus dringend nötig haben. Vielen unserer Masterstudiengänge in Psychologie fehlt es an geeigneter Theologie, die Umkehr und Glaube an Gott beinhaltet. Es ist nicht das festgelegte Ziel dieser Ausbildungsprogramme, jeden zu einem geistlich reifen Menschen heranzuformen (s. Kol. 1,28), was jedoch ein Ziel der Jüngerschaftsarbeit ist. Ich glaube, dass die Bereiche der Seelsorge und der Jüngerschaft in der Bibel ein und derselbe Bereich sind, obwohl sie unter uns Christen zu oft als voneinander getrennte, unterschiedliche Bereiche behandelt werden. Jüngerschaft ist ein Prozess, bei dem wir uns gegenseitig helfen, das Leben von Christus in unser Leben „einzubauen“. Das Jüngerschaftstraining ist eine Begegnung mit Gott. Biblisch gesehen sollte man als guter Seelsorger auch gut darin sein, andere in der Jüngerschaft zu ermutigen.
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Ganzheitlichkeit Jüngerschaftstraining ist ein Versuch, die Menschen dort abzuholen, wo sie sind, und ihnen zu helfen, ihre persönlichen und geistlichen Konflikte zu lösen, sodass sie in Christus lebendig und frei werden können. Die Menschheit braucht den Herrn, und der Weg zurück zu Gott muss hinreichend einfach sein, damit ihn auch die einfachsten seiner Kreaturen gehen können. Sonst reduzieren wir unser Leben mit Gott zu einer intellektuellen Übung und machen ein siegreiches Christenleben nur entsprechend Begabten zugänglich. Aber wir dürfen nicht allzu vereinfachend oder eindimensional mit dieser Freiheit umgehen. Um eine ganzheitliche Antwort zu erhalten, müssen christliche Leiter lernen, Schnittstellen mit christlichen Disziplinen außerhalb ihres Bereichs zu finden. Ich spreche nicht davon, weltliche Philosophien in unseren christlichen Glauben zu integrieren. Das wäre Synkretismus. Wir sollten vielmehr verstehen, wie Körper, Seele und Geist zusammenspielen und wie unsere Beziehung zu Gott selbst und untereinander aus Gottes Sicht aussehen sollte. Eine umfassende Antwort setzt sowohl das Verstehen als auch das Einbeziehen der ganzen Realität voraus. Wir haben einen ganzen Gott, der unsere ganze Person – Körper, Seele und Geist – anspricht, und wir leben sowohl in einer natürlichen als auch in einer geistlichen Welt. Wir sollten dankbar sein für die Ärzte, Ernährungsberater und Physiotherapeuten, die sich um unsere körperlichen Bedürfnisse kümmern – vor allem für diejenigen, die wissen, dass der medizinische Aspekt nur ein Teil der Antwort ist. Medikamente zur Heilung unseres Körpers einzunehmen, ist empfehlenswert, es ist jedoch bedenklich, die Seele mithilfe von Tabletten heilen zu wollen. Das Buch Biblischer Wegweiser zur alternativen Medizin, das ich mit Dr. Michael Jacobson zusammen verfasst habe,5 ist ein Versuch, die biblische Gesundheit aus einer ganzheitlichen Sicht zu verstehen. In diesem Buch entwickelten Dr. Jacobson und ich einen biblischen Raster, mit dem wir medizinische Praktiken beurteilten. Anschließend benutzten wir diesen Raster, um allopathische, osteopathische und chiropraktische Medizin, Homöopathie, Naturheilkunde, Reflexologie, Irisdiagnostik, traditionelle chinesische Medizin und noch viele weitere Arten der Medizin zu untersuchen.
Einführung / 19 Ich hatte außerdem das Vorrecht, zusammen mit christlichen Therapeuten zwei weitere Bücher zu verfassen. Das Buch Christ-Centered Therapy verfasste ich zusammen mit Terry und Julie Zuehlke.6 Terry ist ein ausgebildeter Seelsorger und hat im ganzen Staat Minnesota Zentren für christuszentrierte Beratung aufgebaut. Julie ist diplomierte Psychiatrieschwester. Sie ist außerdem in der New Hope Church in Minneapolis für den Bereich Seelsorge angestellt. Terry und Julie verwenden ein Modell, das meiner Meinung nach jede Gemeinde und jedes Seelsorgezentrum benutzen sollten. Dabei arbeitet der ausgebildete Seelsorger mit der Gemeinde vor Ort zusammen. Finding Hope Again ist ein Buch über das Überwinden von Depressionen, das ich gemeinsam mit Dr. Hal Baumchen, einem diplomierten Psychologen, geschrieben habe.7 Wenn wir depressiven Menschen helfen wollen, brauchen wir eine ganzheitliche Antwort. Denn die Depression ist ein Problem, das Körper, Seele und Geist betrifft.
Jüngerschaft in Christus In diesem Buch werde ich zuerst einmal das Ausmaß und die Grenzen der biblischen Ganzheitlichkeit behandeln sowie den Begriff „mentale Gesundheit“ aus christlicher Sicht erläutern. Dann werde ich auf die Rolle des Ermutigers (Jüngerschaftstrainers) eingehen, dann auf die des Ratsuchenden und schließlich auf die Rolle, die nur Gott ausführen kann. Anschließend werde ich die theologische Grundlage des Jüngerschaftstrainings in Christus untersuchen, und schließlich werde ich auf die praktischen Aspekte der Seelsorge in Christus eingehen. Dabei werde ich jeden der sieben Schritte aus Die sieben Schritte zur Freiheit in Christus erklären. Mithilfe dieser Schritte wird Menschen auf der ganzen Welt geholfen, kritische Grundprobleme zwischen ihnen und Gott zu lösen. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um einen Prozess der Umkehr, der den Menschen hilft, sich Gott unterzuordnen und dem Teufel zu widerstehen (s. Jak. 4,7). Ich empfehle Ihnen, sich ein Exemplar der Sieben Schritte zur Freiheit in Christus zu kaufen, damit Sie meine Erläuterung jener Schritte besser verstehen.8 Jedes Buch kann zwar für sich allein gelesen werden, doch Sie würden enorm davon profitieren, wenn Sie zuerst Neues Leben – neue Identität9 und anschließend Der die Ketten sprengt10 lesen würden.
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Grundprinzipien Es gibt fünf wesentliche Glaubensprinzipien, die dem Inhalt dieses Buches und der Arbeit von freedom in christ zugrunde liegen. Erstens glaube ich, dass die Bibel die einzige verlässliche Quelle für Glaube und Handeln ist (s. 2. Tim. 3,16–17). Gottes Wort genügt, um eine Grundlage zu schaffen, anhand derer alle anderen Quellen des Wissens und der Erkenntnis bewertet werden können. Ich werde im ersten Kapitel dieses Buches erklären, weshalb ich glaube, dass empirische Forschung nach dem Raster der Bibel beurteilt werden sollte. Zweitens glaube ich, dass die Botschaft und Methode des Jüngerschaftstrainings auf dem vollendeten Werk von Christus begründet sein sollte (s. Kol. 1,27–2,10). Die Tatsache, dass jeder Christ in Christus schon jetzt ewiges Leben hat, ist die einzige Grundlage unserer Hoffnung. Drittens stütze ich mich ganz auf das gegenwärtige Wirken des Heiligen Geistes (s. Joh. 16,7–15). Ohne Heiligen Geist gäbe es keine Gemeinde und wir könnten kein christliches Leben führen. Er ist „der Geist der Wahrheit“ (Joh. 14,17) und wird uns helfen, die Wahrheit vollständig zu erfassen (s. Joh. 16,13), und diese Wahrheit wird uns frei machen. Viertens müssen wir die Entscheidung der Einzelnen für oder gegen den Glauben akzeptieren. Wir sind nicht nur durch den Glauben gerettet, sondern auch durch den Glauben geheiligt (s. Gal. 3,1–5). Wir können nicht für einen anderen Menschen glauben. Genauso wenig können wir Menschen helfen, die keine Hilfe wollen oder die ihre Verantwortung, sich für die Wahrheit zu entscheiden, nicht wahrnehmen wollen. Wenn sie sich stattdessen entscheiden, einer Lüge zu glauben oder in der Sünde zu leben, ist das ihre Entscheidung. Ich respektiere ihr Recht, zu wählen, aber sie sind mir wichtig genug, dass ich sie über die Konsequenzen ihrer Entscheidung informieren möchte. Schließlich glaube ich, dass wir alle die Unterstützung der christlichen Gemeinschaft brauchen und dass wir unseren Glauben und unser Leben mit Gott erneuern müssen (s. Hebr. 10,17–25). Es war sicher nie Gottes Absicht, dass wir unser Leben für uns allein leben. Wir haben sowohl Gott als auch einander dringend nötig. Die Frage
Einführung / 21 „Wer braucht diese Art von Dienst überhaupt?“, beantwortet mein Freund Dr. Wayne Grudem am besten. Im Vorwort meines Buches Praying by the Power of the Spirit schrieb er: Nachdem ich über 50 Jahre als Christ gelebt und mehr als 25 Jahre als Bibel- und Theologieprofessor unterrichtet hatte, nahm ich mir etwa zwei Stunden Zeit, um Andersons Schritte zur Freiheit in Christus sorgfältig durchzuarbeiten und jeden Schritt in meinem eigenen Leben umzusetzen, indem ich jedes vorgeschlagene Gebet laut las. Gott benutzte diesen Prozess, um mir einige Gedanken und innere Einstellungen aufzuzeigen, die ich verbessern sollte, und schenkte mir danach ein wunderbares Gefühl der Freiheit, des Friedens, der Freude und der Gemeinschaft mit ihm.11 Es gibt kein größeres Vorrecht, als von Gott gebraucht zu werden, anderen zu helfen. Als ich ein junger Pastor war, drückte mir ein lieber älterer Bruder eines Morgens nach dem Gottesdienst einen Zettel in die Hand. Darauf stand: „Eine der größten Entschädigungen des Lebens besteht darin, dass kein Mensch einem anderen wirklich helfen kann, ohne dabei gleichzeitig sich selbst zu helfen.“ Möge dieser Satz für Sie wahr werden, während Sie versuchen, anderen zu helfen.
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Teil I ●●●●●●●●●●●●●●●●●
Jüngerschafts training in der Theorie
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Kapitel 1
Eine biblische Ausgeglichenheit finden ●●●●●●●●●●●●●●●●● Nach dem Vortrag in einer Gemeinde sprach mich eine Frau mittleren Alters an: „Sie haben mich haargenau beschrieben. Ich mühe mich schon seit Jahren ab und kann meine Probleme einfach nicht lösen.“ Nach vielen Jahren ergebnisloser Beratung hatte sie beschlossen, sich in einem Therapiezentrum behandeln zu lassen. Ich fragte sie, ob ich sie zuvor noch besuchen dürfe, weil ich wusste, dass die Patienten in jenem Therapiezentrum hauptsächlich mit verschreibungspflichtigen Medikamenten behandelt wurden. Als ich sie am Vorabend ihrer Aufnahme in das Therapiezentrum bei der Lösung ihrer persönlichen und geistlichen Konflikte unterstützte, hatte sie eine Begegnung mit Gott. Nachdem wir fertig waren, sagte ich zu ihr: „Ich glaube wirklich nicht, dass Sie die Behandlung in dieser Klinik benötigen, aber wenn Sie doch hingehen, so schreiben Sie mir doch in einer Woche, wie es Ihnen geht.“ Ein paar Tage später erhielt ich diesen Brief: Ich werde Ihnen in etwa einer Woche schreiben, wie es mir geht, aber ich wollte meine Freude mit Ihnen teilen, solange sie noch ganz frisch ist. Nach unserem Treffen am Montagabend waren sowohl ich als auch mein Mann absolut euphorisch. Er war sehr froh, mich so glücklich zu sehen. Aber die beste Nachricht ist, dass ich nicht mehr von Albträumen geplagt werde oder schreiend aufwache. Ich erwache mit einem singenden Herzen, und mein allererster Gedanke
26 / Jüngerschaftstraining am Morgen ist: „Die Steine werden schreien“ und „Abba, Vater“. Neil, der Heilige Geist lebt in mir. Dank sei dem Herrn. Ich bin jetzt in diesem Therapiezentrum. Es war für mich eine riesige Umstellung. So viele verletzte Menschen. Ich wünschte, Sie könnten hierherkommen, um sich mit jedem von ihnen zu treffen und auch sie frei zu machen. Vor allem eine Frau scheint das Böse in Person zu sein. Sie hat mich schon am ersten Tag verbal angegriffen. Danke, Neil, dass Sie den Mut hatten, einen Menschen Gottes aus dem Griff des Feindes zu befreien. Ich kann gar nicht beschreiben, wie frei ich mich fühle, aber ich kann mir denken, dass Sie es wissen. Ich wünschte, ich könnte jetzt erzählen, die Ärzte und Therapeuten in jenem weltlichen Therapiezentrum hätten das Wirken Gottes in dieser Frau verstärkt, aber das taten sie nicht. Kann eine Entscheidung, sich Gott unterzuordnen und von ihm abhängig zu sein, durch ein Programm widerrufen werden, das die Unabhängigkeit von Gott und die Abhängigkeit von Medikamenten fördert? Können drei Stunden biblischer Seelsorge von drei Wochen gottloser Therapie außer Kraft gesetzt werden? Hier war das der Fall. Diese Frau wurde abhängig von verschreibungspflichtigen Medikamenten und von den Ratschlägen ihrer weltlichen Ärzte, die ihr rieten, keine andere Therapie auszuprobieren. Und aus Angst, die Unterstützung der Ärzte zu verlieren, folgte sie deren Rat. Haben weltliche Programme keinen Wert? Können Christen überhaupt etwas von der Welt lernen? Ist Wahrheit lediglich auf die biblische Offenbarung beschränkt? Kann erfahrungswissenschaftliche Forschung (experimentieren und beobachten) unser Vertrauen in die Bibel widerlegen, untergraben oder sogar zerstören? Sind die Naturwissenschaften auf Kollisionskurs mit der göttlichen Offenbarung oder könnten sie womöglich ein wichtiger und notwendiger Verbündeter sein? Ist die weltliche Psychologie nichts als weltliche „Weisheit“ und womöglich sogar ein Werkzeug des Feindes? Gibt es eine biblische Psychologie, die von allen Christen verstanden und akzeptiert werden sollte? Wie wissen wir, was wahr, echt, relevant und richtig ist? Wir werden uns mit diesen Fragen befassen und untersuchen, inwiefern Theologie mit erfahrungswissenschaftlicher Forschung vereinbart werden kann.
Eine
biblische
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Ausmaß und Grenzen der Ganzheitlichkeit Legen wir zuerst ein Fundament, indem wir betrachten, wie Gott uns sowohl sich selbst als auch seinen Willen offenbart. Theologen unterscheiden drei Arten von göttlicher Offenbarung.
Allgemeine Offenbarung Die allgemeine Offenbarung ist das, was in der Natur beobachtet und erforscht werden kann. In Psalm 19,1 (NL) steht: „Der Himmel verkündet die Herrlichkeit Gottes und das Firmament bezeugt seine wunderbaren Werke.“ In Römer 1,20 heißt es: „Seit der Erschaffung der Erde sind seine Werke ein sichtbarer Hinweis auf ihn, den unsichtbaren Gott, auf seine ewige Macht und sein göttliches Wesen.“ Paulus sagt weiter, dass wir keine Ausrede dafür haben, Gott nicht zu kennen, denn wir brauchen nur Gottes Schöpfung zu betrachten, um seine Existenz, seine Werke und sein Wesen zu verstehen. Wenn wir die Schöpfung betrachten, sollte es unsere „natürliche“ Reaktion sein, den Schöpfer zu loben. Die gefallenen Bewohner dieser Welt haben Gott jedoch nicht geehrt. „Sie vertauschten die Wahrheit, die Gott sie hat erkennen lassen, mit der Lüge“ (V. 25), und obwohl sie die negativen Konsequenzen erleiden mussten, eine Lüge geglaubt zu haben, wollten sie ihn dennoch nicht ehren. „Gott [hat] sie entehrenden Leidenschaften preisgegeben. Die Frauen [und Männer] vertauschten den natürlichen Geschlechtsverkehr mit dem widernatürlichen“ (V. 26; siehe auch V. 27). Schließlich „hat Gott sie ihrem Verstand preisgegeben“ (V. 28), einem Verstand ohne Logik. Wenn diese Wahrheit auf ein Volk zutrifft, dann auf unser Land, dem dieses letzte Urteil unmittelbar bevorsteht. Die göttliche Offenbarung wurde durch politische Korrektheit ersetzt, und wir scheinen unseren moralischen Kompass verloren zu haben. Es gibt zunehmend klare Beweise dafür, dass viele nicht mehr unterscheiden können, was richtig und was falsch ist (ein verdorbener Verstand hat kein Gewissen). Die Auffassung einer allgemeinen Offenbarung hat dazu geführt, dass biblische Ethiker den Begriff des „Naturgesetzes“ geprägt haben. Die Befürworter des Naturgesetzes sind der Meinung, dass Gott einen Sinn für Gerechtigkeit und Moral in die Welt eingefügt hat. Weil Gott
28 / Jüngerschaftstraining in der Welt auch Ordnung geschaffen hat, gibt es eine natürliche Art und Weise, wie das Zusammenleben der Menschheit aussehen sollte. Sexuelle Beziehungen unter Männern sind zum Beispiel unnatürlich. Gott hat Männer geschaffen, um mit Frauen eine sexuelle Beziehung zu haben und mit ihnen in einer sich gegenseitig ergänzenden Beziehung zu leben. Der Beweis für das Naturgesetz kann in heidnischen Gesellschaften, die kein biblisches Wissen über Gott und sein Tun haben, beobachtet werden. Diese scheinen alle zu „wissen“ oder miteinander übereingekommen zu sein, dass Taten wie morden, stehlen oder lügen falsch sind, und sie leben in Familieneinheiten. Jede Gesellschaft hat bestimmte Normen darüber, was richtig und was falsch ist. Und diese Normen stimmen in der Regel mit der biblischen Moral überein, auch wenn die Menschen ihre eigenen Normen manchmal nicht erfüllen. In einer gottlosen Gesellschaft wie der unseren ist das Naturgesetz vielleicht die einzig zulässige Grundlage für Diskussionen über Moralfragen in der Öffentlichkeit oder in Gerichten. Wenn Sie vor einer Abtreibungsklinik demonstrieren und die Wahrheit aus dem Wort Gottes über die Heiligkeit des Lebens verkünden, werden diejenigen, die Gott nicht kennen, es nicht annehmen. Sie werden stattdessen einDie Grundgesetze fach erwidern: „Ich glaube weder an der Natur Gott noch an die Bibel.“ Damit wäre widersprechen die Diskussion beendet, denn diese nie der Bibel. Sie Menschen leben nach anderen Normen, und wir können ihnen unsere veranschaulichen Normen nicht aufzwingen. anhand der Die Wahrheit in Liebe gesagt kann Schöpfung, was vielleicht überzeugen und zu einer Gott in seinem Entscheidung für Jesus führen, sie Wort gesagt hat. wird aber keine direkten Auswirkungen auf die Gesetze unseres Landes haben. Warum? Weil unsere Gerichte die Bibel nicht als moralische Norm akzeptieren. Die Verfassung ist die Grundlage, auf die sich unsere Gerichte bei ihrer Rechtsprechung stützen. Doch was kann ein unbelehrbarer Mensch einem ehrlichen Arzt oder Genetiker vorwerfen, der aufgrund der Naturgesetze beweisen kann, dass ein un-
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geborenes Kind ab der Empfängnis bereits ein Mensch und deshalb durch die Verfassung geschützt ist? Katholische Ethiker legen mehr Gewicht auf Naturgesetze als Protestanten. Ich persönlich glaube, dass wir die Auffassung der Grundgesetze der Natur vermehrt in unser Denken aufnehmen sollten. Die Grundgesetze der Natur widersprechen nie der Bibel. Sie veranschaulichen anhand der Schöpfung, was Gott in seinem Wort gesagt hat. Die Wissenschaft ist ein Versuch zu verstehen, was Gott geschaffen hat.
Besondere Offenbarung Der Begriff „besondere Offenbarung“ bezieht sich auf das geschriebene Wort Gottes. Protestanten beschränken die besondere Offenbarung auf die 66 anerkannten Bücher, die sich im Alten Testament (39 Bücher) und im Neuen Testament (27 Bücher) finden. Das Alte Testament beschreibt die Schöpfungsgeschichte, den Fall der Menschheit, die Beziehung Gottes zu seinem Volk aufgrund seiner Zusagen gegenüber Abraham (s. 1. Mo. 12,1–3), sowie die Zehn Gebote (s. 2. Mo. 24,8). Das Neue Testament zeigt Gottes Lösung für die gefallene Menschheit, indem das Leben, der Tod, die Grablegung und die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus beschrieben werden und aufgezeigt wird, wie die Beziehung Gottes zu seinem Volk heute unter dem Neuen Bund aussieht (s. Jer. 31,31–34; Mt. 26,28; Hebr. 10,16–17).
Vollkommene Offenbarung Jesus Christus ist die vollkommene Offenbarung Gottes. „Am Anfang war das Wort; das Wort war bei Gott und das Wort war Gott“ (Joh. 1,1). Nur Jesus lässt uns vollkommen erkennen, wer Gott ist, denn er ist Gott. „Er, der das Wort ist, wurde ein Mensch von Fleisch und Blut und lebte unter uns. Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit, wie nur er als der einzige Sohn sie besitzt, er, der vom Vater kommt“ (V. 14). Durch die Herrlichkeit Gottes wird seine Gegenwart sichtbar. Jesus sagt: „Würdet ihr mich kennen, dann würdet ihr auch meinen Vater kennen“ (Joh. 8,19). „Ich und der Vater sind eins“ (Joh. 10,30). „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh. 14,9).
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Der Schlüssel zum Verständnis Dies sind die drei Formen der Offenbarung, durch die Gott uns sowohl sich selbst als auch seinen Willen gezeigt hat. Aber ohne das Wirken des Heiligen Geistes können wir diese drei Formen weder verstehen, noch haben sie irgendwelche Auswirkungen auf unser Leben. Er ist zuallererst „der Geist der Wahrheit“ (Joh. 14,17). Er wird uns helfen, die Wahrheit vollständig zu erfassen (s. Joh. 16,13), und diese Wahrheit wird uns frei machen (s. Joh. 8,32). Die gefallene Menschheit kann die befreiende Wahrheit des Wortes Gottes nicht kennen, denn „ein Mensch, der Gottes Geist nicht hat, lehnt ab, was von Gottes Geist kommt; er hält es für Unsinn und ist nicht in der Lage, es zu verstehen, weil ihm ohne den Geist Gottes das nötige Urteilsvermögen fehlt“ (1. Kor. 2,14). „Wenn das Evangelium, das wir verkünden, trotzdem wie mit einer Decke verhüllt ist, dann ist das bei denen der Fall, die verloren gehen, weil sie der Wahrheit keinen Glauben schenken. Der Gott dieser Welt hat sie mit Blindheit geschlagen“ (2. Kor. 4,3–4). Ein vollkommenes Verständnis und ein Sichaneignen der befreienden Wahrheit des Wortes Gottes lassen sich nicht von der Realität der geistlichen Welt trennen. Wir brauchen die befreiende Kraft des Heiligen Geistes und Schutz gegen die zerstörerischen Strategien des Teufels. Der wahre Kampf hier auf der Erde Dieser Kampf spielt sich zwischen dem Reich der zwischen dem Finsternis und dem Reich des Lichts Vater der Lüge ab. Dieser Kampf zwischen dem Vater und dem Geist der Lüge und dem Geist der Wahrheit der Wahrheit wird wird hauptsächlich in den Gedanken hauptsächlich in der Menschen ausgetragen. Niemand den Gedanken bleibt von diesem Kampf verschont. der Menschen Selbst Gläubige müssen sich entschlieausgetragen. ßen, alles menschliche Denken gefangen zu nehmen und es Christus zu unterstellen, weil sie ihm gehorchen wollen (s. 2. Kor. 10,5), und ihre Gedanken auf das zu richten, was wahr, gut, gerecht, redlich und liebenswert ist (s. Phil. 4,8).
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Woher wissen wir aber, was die Wahrheit ist und welche Vorgehensweise die richtige ist? Lassen Sie uns die Ganzheitlichkeit der allgemeinen und der besonderen Offenbarung im Diagramm 1.1 betrachten. Diagramm 1.1 DIAGRAMM 1.1
Gott
Offenbarung (Ps. 19)
Spezifisch (19,7-14)
Allgemein (19,1-6)
Exegese
Psychologische Forschung
Interpretation und Anwendung auf der Basis des unfehlbaren Wortes
Schlussfolgerung zur empirischen Studie (Experiment und Beobachtung) Christliche Beratung
Die linke Seite des Schaubilds zeigt den rationalen Prozess der Überprüfung, der durch Beobachtung und Experimentieren geschieht. Sie stellt die wissenschaftliche Forschungsmethode dar, welche die Grundlage der höheren Bildung in unserer westlichen Welt bildet. Psychologische und soziologische Forschung wird von Wissenschaftlern betrieben und von Menschen, die einen Abschluss auf höchstem Bildungsniveau anstreben. Die rechte Spalte des Schaubilds stellt die besondere Offenbarung (die Bibel) dar, die in verschiedenen Bibelschulen und Theologischen Hochschulen verkündet, erklärt und verteidigt wird. Abschnitte aus der Bibel werden anhand von Auslegung (Exegese) und Predigt (Hermeneutik) erklärt, um zu verstehen, was Gott uns sagen möchte. Man ist versucht anzunehmen, dass beide Seiten des Schaubilds gleich gewichtig sind und dass die Wahrheit in einer Kombination von beiden liegt. Aber ich glaube zusammen mit vielen anderen besorgten Christen, dass diese Herangehensweise an die Ganzheitlichkeit ernsthafte Probleme mit sich bringt. Lassen Sie mich hier drei kritische Beobachtungen anfügen.
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Die Vorrangstellung der besonderen Offenbarung Erstens ist die besondere Offenbarung (die Bibel) maßgebend, während die allgemeine Offenbarung (die Natur) veranschaulicht. Himmel und Erde verkünden und zeigen zwar die Herrlichkeit Gottes, aber wissenschaftliche Beobachtungen allein können die philosophische Frage „Warum?“ nicht beantworten. Wie erklären wir den Ursprung der Tier- und Pflanzenarten, ganz zu schweigen vom Zweck ihres Daseins? Ohne die besondere Offenbarung als Erklärung für das Leben und seine Bedeutung können wir lediglich auf humanistisch-philosophische Spekulationen oder auf wissenschaftlichen Rationalismus zurückzugreifen. Die Forschung ist wertvoll, weil sie uns zeigt, was ist. Und wir werden mehr Frucht bringen, wenn wir lernen, unseren Dienst entsprechend anzupassen. Dies sagt Paulus auch in 1. Korinther 9,19–22: Ich bin also frei und keinem Menschen gegenüber zu irgendetwas verpflichtet. Und doch habe ich mich zum Sklaven aller gemacht, um möglichst viele für Christus zu gewinnen. Wenn ich mit Juden zu tun habe, verhalte ich mich wie ein Jude, um die Juden zu gewinnen. Wenn ich mit denen zu tun habe, die dem Gesetz des Mose unterstehen, verhalte ich mich so, als wäre ich ebenfalls dem Gesetz des Mose unterstellt (obwohl das nicht mehr der Fall ist); denn ich möchte auch diese Menschen gewinnen. Wenn ich mit denen zu tun habe, die das Gesetz des Mose nicht kennen, verhalte ich mich so, als würde ich es ebenfalls nicht kennen; denn auch sie möchte ich gewinnen. (Das bedeutet allerdings nicht, dass mein Leben mit Gott nicht doch einem Gesetz untersteht; ich bin ja an das Gesetz von Christus gebunden.) Und wenn ich mit Menschen zu tun habe, deren Gewissen empfindlich ist, verzichte ich auf meine Freiheit, weil ich auch diese Menschen gewinnen möchte. In jedem einzelnen Fall nehme ich jede nur erdenkliche Rücksicht auf die, mit denen ich es gerade zu tun habe, um jedes Mal wenigstens einige zu retten. Gute christliche Dienste sind von Bedeutung, wenn sie über das, was gesellschaftlich in ihrem Umfeld geschieht, immer gut informiert bleiben und verstehen, was die Menschen tun, denken und sagen. Ich habe selbst Untersuchungen angestellt, die mir enorm helfen, Men-
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schen zu verstehen. Ohne dieses Wissen würden wir wahrscheinlich viele Fragen beantworten, die gar nicht gestellt wurden, oder Bedürfnisse zu erfüllen versuchen, die gar niemand hat. Wir müssen über die Bedürfnisse und den Zustand unserer Gesellschaft informiert sein, ohne im Blick auf Botschaft oder Moral Kompromisse einzugehen. Wir können nicht auf alle Rücksicht nehmen, ohne wenigstens ein bisschen zu verstehen, wer „alle“ sind. Und auch wenn wir nicht von dieser Welt sind, sind wir sicherlich in dieser Welt, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen. Die Wahrheit des Wortes Gottes ändert sich nie, doch unsere Gesellschaft ändert sich, denn die Menschen ändern ihr Denken, Glauben und Tun. Wenn Verhaltensforscher die Menschheit untersuchen, beobachten sie meistens das, was die Bibel „Fleisch“ nennt. Sie beschreiben das Handeln und die Einstellung der gefallenen menschlichen Natur, die unabhängig von Gott funktioniert. Diese Forschung kann anschaulich und hilfreich sein, wenn wir ihre Grenzen verstehen. Sobald die Forschung jedoch vorschreibend wird und beschreibt, wie das Leben und das menschliche Verhalten aussehen sollten, verdreht sie die Wahrheit und wird zum Feind des Evangeliums. Die weltliche Forschung geht von der Annahme aus, dass wir hinsichtlich unserer Entwicklung ein Produkt unserer Vergangenheit sind, von unseren jeweiligen Entscheidungen geformt. Diese Forschung versucht weder, das Potenzial eines neuen Lebens in Christus aufzuzeigen, noch darzustellen, wie ein geisterfülltes Leben aussehen könnte. Wir sind davon abhängig, dass der Schöpfer des Lebens uns erklärt, warum wir hier sind, wie wir das, was wir beobachten, auslegen sollen und wie wir ein bedeutungsvolles Leben mit einer erwartungsvollen Hoffnung auf die Zukunft haben können. Es war Gottes Absicht, dass die besondere Offenbarung die natürliche Offenbarung auslegt und erklärt.
Die Unzulänglichkeit der Wissenschaft Zweitens lässt die wissenschaftliche Forschungsmethode erklärtermaßen die Realität der geistlichen Welt aus. Gott ordnet sich nicht unseren Überprüfungsmethoden unter. Wir können die Existenz
34 / Jüngerschaftstraining Gottes nicht wissenschaftlich beweisen, um die Skeptiker zufriedenzustellen. Die Metaphysik (die Natur des Seins oder die wesentliche Realität) wird in Philosophie- und nicht in Wissenschaftsfakultäten diskutiert. Nicht einmal die Bibel versucht, die Existenz Gottes zu beweisen, ganz zu schweigen von der Realität der geistlichen Welt. Gott erklärt ganz einfach, dass es ihn, die Engel und die Dämonen sehr wohl gibt, und er ermahnt uns, durch den Glauben seine Sicht anzunehmen und entsprechend zu leben. „Und ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass es ihn gibt und dass er die belohnt, die ihn aufrichtig suchen“ (Hebr. 11,6). Ich versichere Ihnen, dass der Gott dieser Welt unseren Forschungsmethoden nicht entgegenkommen wird. Er ist der Fürst der Finsternis und der Vater der Lüge. Er handelt unter dem Mantel des Betrugs und wird sich nicht uns zuliebe freiwillig zu erkennen geben. Ein anerkannter christlicher Pädagoge sagte mir, er sei interessiert an der Arbeit von freedom in christ, wolle sie aber wissenschaftlich überprüfen, bevor er sie in seinen Lehrplan aufnehme. Als er mir vorschlug, gemeinsam Forschungen durchzuführen, erwiderte ich, dass ich schon selbst Forschungen angestellt hätte, aber offen dafür sei, mit ihm zusammenzuarbeiten. Als ich ihm jedoch erklärte, wie begrenzt die Ergebnisse einer solchen Studie letztendlich seien, hatte er kein Interesse mehr. Anscheinend brauchte es seiner Meinung nach Forschung, um die Offenbarung zu bestätigen. Forschung veranschaulicht möglicherweise besondere Offenbarung, aber sie bestätigt diese nicht. Zur Auslegung der empirischen Forschung ist das Wort Gottes notwendig. Die Wissenschaft hilft uns, das Naturgesetz zu verstehen, das Leid der Welt etwas zu lindern und unseren Lebensstandard zu erhöhen, für das Erklären von Glaubensfragen ist sie jedoch ganz einfach unzulänglich.
Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt Warum wollte dieser Pädagoge die Realität der geistlichen Welt nicht in den Lehrplan eines christlichen Ausbildungsprogramms auf Hochschulniveau aufnehmen? Er fürchtete wahrscheinlich um seine Glaubwürdigkeit und seinen Ruf und wollte keine Kurse anbieten, welche die Zulassung der Schule gefährden könnten. Mir scheint, dass hier der Schwanz mit dem Hund wedelt. Wir müssen aufpassen, dass
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uns das, was andere über uns denken, nicht wichtiger wird als das, was Gott über uns denkt. Paulus würde bestimmt sagen: „Nehmt euch vor denen in Acht, die euch mit einer leeren, trügerischen Philosophie einfangen wollen, mit Anschauungen rein menschlichen Ursprungs, bei denen sich alles um die Prinzipien dreht, die in dieser Welt herrschen, und nicht um Christus“ (Kol. 2,8). Um an unseren weltlichen Hochschulen lehren zu können, muss man einen Doktortitel haben. Ein solches Doktoratsstudium würde die Realität der geistlichen Welt und die besondere Offenbarung ausschließen. So wurden die empirische Forschung und der Rationalismus zur Grundlage für ein weltliches Studium der Geisteswissenschaften in der westlichen Welt. Wahr, echt und richtig ist, was mithilfe eines rationalen Ausschlussverfahrens gesehen, gehört und gespürt werden kann. Es gibt heute wieder eine größere Nachfrage nach übersinnlicher Forschung. In vielen weltlichen Schulen steht die Parapsychologie auf dem Lehrplan, ihre Forschung wurde jedoch nicht mithilfe der göttlichen Offenbarung ausgewertet. Der Humanismus wird in weltlichen Schulen durch New-Age-Philosophien ersetzt. Die Forschung in den Sozialwissenschaften basiert auf der wissenschaftlichen Forschungsmethode. Als ausgebildeter Raumfahrtingenieur bin ich mit dieser wissenschaftlichen Vorgehensweise vertraut. Diese Methode hat ihren Ursprung bei den Naturwissenschaften, die im Großen und Ganzen genaue Wissenschaften sind. Es gibt zum Beispiel über 100 Elemente im Periodensystem. Ein Teil davon ist künstlich. Wenn mehrere dieser Elemente auf eine bestimmte Art und Weise unter einem vorgegebenen atmosphärischen Druck und festgelegter Temperatur miteinander verbunden werden, kann sehr exakt vorausgesagt werden, was sich irgendwo auf der Welt ereignen wird.
Keine Genauigkeit in den Sozialwissenschaften Wenn die Naturwissenschaften relativ genau sind, warum wird dann bei den Sozialwissenschaften nicht dieselbe wissenschaftliche Methode angewandt? Weil die Sozialwissenschaften nicht genauso präzise sind. Sobald der Wille des Einzelnen und andere (nicht beeinflussbare) äußere Faktoren ins Spiel kommen, kann das Ergebnis nicht sicher vorausgesagt werden.
36 / Jüngerschaftstraining Alle, die wie ich einen Doktor der Sozialwissenschaften haben, mussten Vorlesungen in Forschungsmethodologie und Statistik belegen. In den Sozialwissenschaften gibt es keinen perfekten Forschungsentwurf, da keiner der entscheidenden Faktoren vollkommen gemessen oder gesteuert werden kann. Folglich werden alle Ergebnisse in Wahrscheinlichkeitsgraden angegeben, und Übereinstimmungen können nur als statistisch bedeutend oder unbedeutend aufgezeigt werden. Es gibt nichts Absolutes in der Soziologie, Psychologie oder Anthropologie. In weltlichen Gesellschaften wird mit den Sozialwissenschaften jedoch häufig umgegangen, als ob sie genau und daher maßgeblich und zuverlässig seien. Wird in einer Nachrichtensendung beispielsweise berichtet, dass ein vom Gericht bestellter Psychiater oder Psychologe einen Menschen als geistig gesund oder als prozesstauglich erklärt hat, sollten sich die Zuschauer fragen: „Welcher vom Gericht bestellte Psychiater oder Psychologe? Und auf welcher Grundlage erfolgte seine Beurteilung?“ Schulen der Psychologie unterscheiden sich grundlegend, und in der Verhaltensforschung gibt es unzählige, sich widerlegende Theorien.
Ein breites Spektrum Auf einer Seite des psychologischen Spektrums befindet sich die Verhaltensmodifikation, die auf dem Glauben beruht, dass wir in erster Linie ein Produkt unserer Umgebung sind. Die operante Konditionierung wurde durch die Forschung an den Pawlowschen Hunden bekannt und wird schon seit Jahren an verschiedenen Schulen der Psychologie an Ratten und Tauben gezeigt. Von der Annahme ausgehend, dass die Menschheit nur eine höhere Form des Tieres darstellt, glauben die Forscher (oder Therapeuten, Lehrer, Eltern usw.), durch die Anwendung des richtigen Reizes aus einem Kind alles machen zu können, was sie wollen. Dies geschieht, indem sie gutes Verhalten belohnen und schlechtes Verhalten bestrafen. Auf der anderen Seite des Spektrums der Verhaltensforschung stehen die Theoretiker und Praktiker der persönlichen Relevanz. Sie gehen die Beratung auf eine eher nondirektive Art und Weise an und widersprechen der Aussage, dass Menschen lediglich ein Produkt äußerer Reize seien. Sie beschäftigen sich mehr mit den inneren Werten,
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mit der inneren Einstellung, der Würde und dem Selbstwertgefühl, die wir alle haben sollten. Nondirektive Berater sind gute Zuhörer, die den Menschen helfen, ihre Gefühle wahrzunehmen. Therapeuten im Bereich der persönlichen Relevanz haben oftmals gelernt, den Ratsuchenden ihre Überzeugungen oder Werte nicht aufzudrängen. Sie verwenden Beratungsmethoden wie Empathie, Kongruenz, Übertragung, Gegenständlichkeit und Aufrichtigkeit. (Übrigens sind dies einfach gute seelsorgerliche Fähigkeiten.) Therapeuten, die sich auf die persönliche Relevanz stützen, versuchen das Vertrauen der Ratsuchenden aufzubauen und bei ihnen Beziehungsfähigkeiten zu entwickeln. Sie wollen den Ratsuchenden helfen, sich selbst mitzuteilen. Dann können sie erklären, warum es diesen nicht gut geht, und ihnen anschließend die emotionale Unterstützung geben, die sie benötigen, um ihr Leben zu bewältigen. Irgendwo zwischen diesen beiden Extremen gibt es noch die Gestalttherapie, die kognitive Therapie, die Realitätstherapie und zahlreiche andere Theorien. Welche Theorie aus dieser psychologischen Palette ist nun die richtige? Sind sie alle falsch? Wenn es in ihrer Botschaft nicht ein bisschen Wahrheit gäbe, würde niemand auf sie hören. Gibt man sich genügend Mühe, lässt sich sogar zu jeder dieser Theorien irgendeine biblische Grundlage finden. Betrachten wir zum Beispiel die Verhaltensmodifikation. Lehrt die Bibel nicht, dass schlechtes Verhalten bestraft und gutes Verhalten belohnt werden wird? Die Körperstrafe ist eine Art Verhaltensmodifikation. Nehmen wir nun einen anderen Punkt des psychologischen Spektrums: Sollten wir uns nicht um andere kümmern und ihnen das zeigen, indem wir uns ihrer annehmen und ihnen Empathie entgegenbringen? Hat der kognitive Therapeut nicht recht, wenn er die Wichtigkeit des richtigen Denkens betont? Gewiss liegt der Realitätstherapeut nicht falsch, wenn er die Notwendigkeit verantwortungsvollen Verhaltens betont. Doch Sie werden nie die nötige Ausgewogenheit und das nötige Verständnis erhalten, wenn Sie diese Theorien begeistert annehmen und anschließend Bibelverse suchen, um diese zu untermauern. Das nennt sich Hineinlesen in die Bibel – „Eisegese“ –, anstelle der Exegese, dem Lesen aus der Bibel.
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Zu viele Raster Der dritte Grund für meine Bedenken, die empirische Forschung auf das gleiche Niveau wie die Bibel zu heben, hat mit Welt anschauung zu tun. Im rationalen Überprüfungsprozess werden Dinge immer nach den Rastern der Kultur, der Bildung und der persönlichen Erfahrung bewertet. Wir deuten die Welt, die wir beobachten, automatisch aus unserer Perspektive. Weisheit ist jedoch, das Leben aus Gottes Perspektive zu betrachten. Wir neigen außerdem dazu, unsere Sichtweise oder die der Gruppen, in denen wir verkehren, aufrechterhalten zu wollen, und Christen stellen in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar. Stellen Sie sich zur Veranschaulichung einmal vor, Sie spürten Gottes Ruf in den vollzeitlichen Dienst. Sie besuchen eine konservative Presbyterianische Kirche. Der Pastor ist ein Calvinist, der die reformierte Theologie lehrt. Da dieser Mann einen bedeutenden Einfluss in Ihrem Leben hatte, bitten Sie ihn, Ihnen eine Bibelschule zu empfehlen. Er würde Ihnen wahrscheinlich calvinistische Schulen vorschlagen, die reformierte Theologie lehren, und Sie würden wahrscheinlich eine solche Schule besuchen. Dort würden Sie lernen, die Bibel aus dieser Perspektive auszulegen und die Welt zu verstehen. Was für eine Schule würde Ihnen der Pastor jedoch empfehlen, wenn er Dispensationalist wäre? Oder arminianisch? Anglikanisch? Katholisch? Charismatisch? Evangelikal? Jede Bibelschule und jede Gemeinde hat ein Profil und eine Ausrichtung, und jeder Professor oder Pastor hat einen theologischen Standpunkt, den er oder sie für richtig hält. Genauso verhält es sich mit jeder psychologischen Ausbildungsstätte und jedem Psychologen.
Nur Gott hat recht Keiner von uns hat eine vollkommene Sicht der Realität. Der Einzige, der vollkommen recht hat, ist Gott. Wir glauben manchmal vielleicht, uns für die Wahrheit einzusetzen, in Wirklichkeit jedoch setzen wir uns für unseren eigenen theologischen Standpunkt und unsere Sicht der Welt ein. Wir sind nicht allwissend, und jeder von uns beurteilt und bewertet das Leben nach seinem eigenen Raster. Im Bewusstsein dieses Problems kann ich ehrlich behaupten, dass
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ich heute weniger von meiner Theologie überzeugt bin als damals direkt nach Beendigung meiner Seminarzeit. Von der Wahrheit bin ich heute jedoch überzeugter denn je, weil ich erlebt habe, wie sie Menschen frei macht. Theologie ist unser Versuch, die Wahrheit zu systematisieren. Offen gesagt hat sich meine Theologie verändert, während Von der ich reifer geworden bin. Was sich nicht Wahrheit bin ich verändert hat, ist die Wahrheit. heute jedoch Wir legen sogar die Bibel aus überzeugter unserer Sicht aus. Lassen Sie mich denn je, weil ich das veranschaulichen: Ein intellektuell begabter und engagierter Lehrer einer erlebt habe, wie Bibelschule hielt eines Tages in der sie Menschen frei Kapelle eine Andacht über 2. Timomacht. theus 2,24–25: „Und wer ein Diener des Herrn sein will, darf nicht streiten, sondern soll zu allen freundlich sein. Er muss fähig sein, die Lehre des Evangeliums weiterzugeben, muss es gelassen ertragen können, wenn ihm Unrecht zugefügt wird, und soll denen, die sich gegen das Evangelium stellen, geduldig den rechten Weg zeigen.“ Nachdem er den Text grammatikalisch zerlegt hatte, erklärte er, wie unsere Beziehungen untereinander als Brüder und Schwestern im Leitungsteam einer Gemeinde aussehen sollten. Ich kippte fast vom Stuhl. Dieser Mann unterrichtete Hermeneutik und kannte sich gut in der Bibel aus. Warum las er nicht die darauf folgenden Verse? „Vielleicht gibt Gott ihnen ja die Möglichkeit zur Umkehr, sodass sie die Wahrheit erkennen und zur Besinnung kommen. Dann können sie sich aus der Schlinge befreien, in der sie der Teufel gefangen hält, um ihnen seinen Willen aufzuzwingen“ (V. 25–26). Es ging in diesem Abschnitt nicht darum, wie die Mitarbeiter einer Gemeinde miteinander umgehen sollten. Paulus beschreibt hier, durch welche Menschen Gott arbeitet, um Gefangene zu befreien. Ich glaube, dass der Professor durch seine eigene Sicht der Welt verblendet war – genauso wie ich zu Beginn meines Dienstes. Das folgende Zeugnis zeigt, wie unsere Bildung und Weltanschauung einen Raster bilden können, anhand dessen wir Daten auswerten und Erfahrungen beurteilen.
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Stille Wenn ich sitze und nachdenke, denke ich über vieles nach – mein Leben, was ich machen möchte, was ich über Menschen und Angelegenheiten denke. Ich führe Selbstgespräche in meinen Gedanken. Ich spreche mit mir und gebe mir Antwort. Ich bin meine beste Freundin. Wir kommen toll miteinander aus! Manchmal führe ich im Laufe des Tages so viele Selbstgespräche, dass ich am Ende des Tages ganz müde bin. Aber dadurch bin ich gut beschäftigt, und es hilft mir außerdem, Dinge zu durchdenken. Manchmal sehe ich mich als zwei Menschen: die, die ich an jedem Tag der Woche bin, und die, die ich verändern möchte. Diejenige, die einen niedrigen Selbstwert hat und sich fürchtet, vor anderen Menschen wirklich sie selbst zu sein. Und dann gibt es das andere Ich in mir – das selbstsichere. Ich wünschte, dass es sich zeigte, aber aus irgendeinem Grund tut es das nicht. Ich nenne diesen Teil von mir „sie“. Es ist eine Sie, und deshalb nenne ich sie auch so. Sie ist sehr mutig, und alle lieben sie. Oder ich glaube zumindest, dass das passieren würde, wenn ich sie zeigen würde. Wenn ich nur ich selbst sein könnte, dann wäre das Leben viel einfacher und schöner. Aber bis dahin spreche ich einfach innerlich mit ihr. Wir sprechen darüber, was wir heute tun, wo wir essen, was wir anziehen und mit wem wir sprechen werden. Manchmal hat sie sehr gute Ideen, und dann bin ich beeindruckt, wie schlau ich doch bin. Wenn die Menschen nur mein richtiges Ich kennen würden, denke ich, würden sie mich lieben. Und manchmal sagt sie Dinge zu mir, die keinen Sinn machen. Dann denke ich: Das sollte ich nicht tun. Das ist nicht sehr nett. Es würde jemanden verletzen. Das wäre dumm. Und in diesen Fällen höre ich nicht auf sie. Aber das macht nichts. Ich spreche gerne mit ihr, und das werde ich auch in Zukunft tun. Stellen Sie sich folgende Fragen, bevor Sie den Rest der Geschichte hören. Ist das „normal“, was diese Frau beschreibt? Führt sie Selbstgespräche? Hat sie eine gespaltene Persönlichkeit? Ist sie psychotisch? Hat sie multiple Persönlichkeiten? Hört sie das „innere Kind ihrer Vergangenheit“? Verstehen Sie, wie Ihre Erziehung, Weltanschauung und Erfahrung Ihre Diagnose beeinflussen können? Lassen Sie mich nun die Geschichte zu Ende erzählen: Eines Tages veränderte sich die Lage zwischen ihr und mir. Mein Leben lief gut, doch ich wollte eine engere Beziehung zu Gott. Ich wollte von meiner Vergangenheit befreit sein und von den
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Verletzungen in meinem Innern geheilt werden. Jemand erzählte mir von einem Programm namens Die Schritte zur Freiheit in Christus, und ich vereinbarte einen Termin mit einem Ermutiger. Ich dachte nicht an meine Freundin in mir. Ich dachte an mich. In der Beratung wurde ich gebeten, einige Gebete und Abschnitte aus der Bibel laut vorzulesen. Da wurden meine Gedanken unklar und ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Als ich dann aber versuchte, in meinen Gedanken mit ihr zu sprechen, war ich verwirrt. Ich konnte sie kaum hören. Ich bekam Angst, mein Herz fing an zu rasen, und ich begann innerlich zu toben. Ich zitterte. Wo war meine innere Freundin? Warum war sie plötzlich wütend? Was war los? Was war falsch mit mir? Und dann erkannte ich es. Sie war nicht meine Freundin. Sie war nicht wirklich ich. Sie wollte nicht, dass ich eine Beziehung mit Jesus habe, und sie wollte nicht, dass ich mein Leben mit Gott in Ordnung bringe. Es machte keinen Sinn, weil das Dinge waren, die ich tun wollte. Ich hatte gedacht, sie wäre auf meiner Seite. Aber ich hatte mich getäuscht. Ich musste sie bitten zu gehen – laut. Laut? Es schien seltsam, als mir gesagt wurde, dass sie meine Gedanken nicht lesen könne. Doch es machte Sinn. Sie war weder Gott noch war sie allgegenwärtig. Und so befahl ich ihr zu gehen – und sie verschwand. Und dann war es still. Es gab keine innerlichen Selbstgespräche mehr. Ich vermisste sie. Ich wusste, dass es nicht richtig war, aber ich tat es trotzdem. Ich wusste, dass sie nicht gut für mich gewesen war und dass Gott wollte, dass ich mit ihm spreche und nicht mit ihr. Der Gedanke, nicht mit ihr zu sprechen, machte mir Mühe. Ich konnte die Stille nicht ertragen. Ich fühlte mich einsam. Sie versuchte zurückzukommen, und das machte mir Angst. Sie war wütend und feindselig. Ich fühlte mich betrogen. Aber nach einer Weile gewöhnte ich mich an die Stille. Ich nutzte sie, um mit Gott zu sprechen. Er antwortete mir nicht so wie sie. Ich hörte seine Stimme nicht so, wie ich die ihre gehört hatte. Aber ich begann, gerne mit ihm zu sprechen und ihn zu besingen. Ich fühlte mich ihm sehr nahe, ich spürte, dass ich ihm wichtig war. Und nach einer Weile fiel mir die Stille nicht mehr auf. Einige Zeit später fühlte ich mich wieder einsam. Ich vergaß die Stille und führte – ohne es zu merken – Selbstgespräche. Mein Leben war verworren und mir war nicht klar, warum – bis ich eines Tages beten musste. Eine Freundin, die mit mir das Jüngerschaftsmaterial durchgearbeitet hatte, wollte mir helfen, und ich wollte Hilfe. Sie sprach mit mir über meine Rebellion und dass ich aufhören müsse, unabhängig von Gott zu leben. Und plötzlich hörte ich eine sehr laute Stimme in mir, die sagte: „ICH BIN
42 / Jüngerschaftstraining UNABHÄNGIG VON GOTT.“ Ich hatte Angst. War ich das? War das wirklich meine Meinung? Nein! Sie war zurück. Dann wurde ich wütend, weil ich ihre Rückkehr nicht verhindert hatte. Ich wollte sie nicht, aber ich konnte mich weder bewegen noch etwas sagen. Meine Freundin betete mit mir, und ich neigte den Kopf. Sie sagte mir, ich solle mir den Himmel vorstellen, mit einem Licht, den Leuchtern und dem Thron Gottes. Ich begann, all das wirklich zu sehen und mich wieder ruhig zu fühlen, als die Stimme laut zu rufen begann: „Nein! Nein! Nein!“ Also öffnete ich die Augen und gab auf. Mein Herz wurde hart. Ich wollte Gott nicht alles übergeben. Ich wollte immer noch die Kontrolle haben. Es gab Dinge, die ich nicht aufgeben wollte. Aber in meinem Innern sehnte ich mich wieder nach der Stille. Wie ironisch, dachte ich, etwas, das mir zuerst gar nicht gefallen hat, ist nun meine Freiheit geworden. Ich kämpfte innerlich, ob ich nun zu Gott beten oder vor ihm weglaufen sollte. Es ist so einfach wegzulaufen. Es ist so einfach, das aufzuschieben, was ich eigentlich sofort tun könnte. Doch ich fühlte keine Reue. Ich fühlte mich nicht danach loszulassen, obwohl ich wusste, dass es nötig war. Ich fragte mich, ob ich dies je wieder fühlen würde. Im selben Moment fiel mein Blick plötzlich auf die Worte der Sieben Schritte zur Freiheit in Christus. Da stand: „Glauben ist der Beschluss, etwas zu tun, und nicht der Wunsch oder das Gefühl, etwas zu tun.“ Und dann fasste ich diesen Entschluss. Und jetzt lebe ich in wunderbarer Stille. Das Problem dieser Frau war hauptsächlich geistlicher Natur. Könnte jemand mit ihren Symptomen auch ein neurologisches oder psychologisches Problem haben? Ja, aber in viel zu vielen Fällen werden nur diese Möglichkeiten in Betracht gezogen.
Aufruf zur Ausgewogenheit Westlicher Rationalismus und Naturalismus stehen im Ungleichgewicht zur biblischen Realität. Die säkulare Welt hat uns gelehrt, dass es für alles eine natürliche Erklärung und daher auch auf alles eine natürliche Antwort gibt. Manche Gemeinden verteidigen die Wunder der Bibel, bleiben jedoch der geistlichen Welt gegenüber skeptisch. Die Bibel lehrt uns, dass „unser Kampf sich nicht gegen Wesen von Fleisch und Blut [richtet], sondern gegen die Mächte, gegen die Gewalten“ (Eph. 6,12), aber viele erleben dies nicht als
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praktische Realität in ihrem täglichen Leben. Manche sagen sogar beschönigend: „Der Teufel hatte gestern seinen großen Tag.“ Auf die Frage jedoch, wie er das tat, wissen sie keine Antwort. Es ist nicht viel mehr als eine Redensart, um Schwierigkeiten zu erklären, oder schlimmer noch, ein Versuch, irgendjemandem oder irgendetwas die Schuld in die Schuhe zu schieben. „Er kämpft mit seinen persönlichen Dämonen“, ist eine weitere Redensart, die mehr Wahrheit enthalten könnte, als einem bewusst ist. Betrachten wir auf unserer Suche nach biblischer Ausgewogenheit das Schaubild 1.2. Beachten Sie, dass ich ein korrektes biblisches Verständnis von Gott (Theologie), dem Menschen (Psychologie), der natürlichen Welt und der geistlichen Welt voraussetze. Und ich spiele sie nicht gegeneinander aus. Ich möchte zeigen, was passieren könnte, wenn eines auf Kosten des anderen überbewertet wird. Diagramm 1.2 DIAGRAMM1.2
Geistlich
New Age Psychologisch
Medizinische Modelle und Humanismus
Spiritismus Christus
NatŸrlich
Theologisch
Theistischer Rationalismus, Naturalismus und Legalismus
Zuerst müssen wir uns klarmachen, dass die westliche Welt im Wesentlichen einseitig auf das Natürliche ausgerichtet war. Aber das hat sich mit der Ausbreitung der New-Age-Bewegung und dem Einfluss der östlichen Religionen in den vergangenen Jahren dramatisch verändert.
Der Quadrant „Natürlich/Psychologisch“ Der Quadrant unten links spiegelt die medizinischen Modelle wider, welche die sozialen Berufe dominieren. Der Mensch und
44 / Jüngerschaftstraining die Natur sind die einzigen Handelnden, mit dem Humanismus als vorherrschende Philosophie. Die christliche Seelsorge ist in diesem Quadrant von weltlichen Theorien beeinflusst. Viele versuchen, diese Modelle in den christlichen Glauben zu integrieren. Dies führt häufig zu folgendem Ergebnis: freundliche christliche Therapeuten, die weltliche Beratungen durchführen. Andere versuchen ernsthaft, sich diese weltlichen Theorien aus einer christlichen Perspektive zu eigen zu machen. Aber es gibt zwei biblische Sichtweisen, die wir zuerst vollständig übernehmen müssen, bevor wirkliche Integration geschieht. Erstens: Haben wir das Evangelium vollkommen erfasst? Macht es einen Unterschied, ob die Person, der wir helfen wollen, Christ ist oder nicht? Sind wir lediglich Produkte unserer Vergangenheit oder sind wir Produkte dessen, was Christus für uns am Kreuz vollbracht hat? Hat 2. Korinther 5,17 einen praktischen Bezug zu dem, was wir zu erreichen versuchen: „Vielmehr wissen wir: Wenn jemand zu Jesus gehört, ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, etwas ganz Neues hat begonnen!“? Versuchen wir, unsere Vergangenheit in Ordnung zu bringen oder von ihr frei zu werden? Setzen wir unsere Hoffnung auf Gott oder setzen wir sie auf irgendeine Methode, Person oder Theorie? Ich werde im nächsten Kapitel noch näher auf diese Fragen eingehen. Zweitens: Haben wir die Realität der geistlichen Welt berücksichtigt? Oder anders ausgedrückt: Haben wir eine biblische Sicht der Welt? Richtet sich unser Kampf gegen Fleisch und Blut? Versuchen wir, Gottes Willen ohne die Kraft und Führung des Heiligen Geistes zu erfüllen? Ist die Person, der wir helfen, psychisch krank oder steht sie in einem geistlichen Kampf um ihre Gedanken? Verwenden wir bei Nichtchristen dieselbe Botschaft und dieselbe Methode wie bei Christen? Versuchen wir, den Menschen zu helfen, ihre Identität und den Zweck sowie die Bedeutung ihres Lebens zu finden und ihre Bedürfnisse zu stillen – ohne Christus? Ist das nicht genau das, was der Teufel tut? Wie ernüchternd! Ich schätze Ärzte sehr, und ich danke Gott für die Errungenschaften der Medizin hinsichtlich der Linderung von menschlichem Leiden und Krankheit. Ich bezweifle nicht, dass es Menschen gibt, die an chemischem Ungleichgewicht oder Drüsenproblemen leiden,
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aber jeder ehrliche Arzt wird zugeben, dass auch ein medizinisches Modell seine Grenzen hat. Sind es nicht die Mediziner, die uns mitteilen, dass die meisten Krankheiten psychosomatische Ursachen haben? Die Gemeinde muss auch ihren Beitrag leisten, sonst werden die Menschen nie eine umfassende Antwort erhalten.
Der Quadrant „Psychologisch/Geistlich“ Wenn man sich auf der linken Seite des Schaubilds nach oben bewegt, gibt es eine drastische Verschiebung der weltlichen Modelle. Tragischerweise liegt die Betonung im geistlichen Bereich nicht auf dem Christlichen, sondern auf dem Dämonischen. Mangels geeigneter Theologie haben Fachleute keine Ahnung, worauf sie sich einlassen. Sie verändern einfach die Identität der Dämonen, indem sie diese Geistführer nennen. Ein Medium wird Channeler genannt, und eine leichtgläubige Öffentlichkeit übernimmt diese Annahmen. Der Humanismus als brauchbare Philosophie nimmt ab, während Spiritismus und New-Age-Philosophien zur etablierten Religion Amerikas werden. Die Anhänger der New-Age-Philosophie glauben, dass Sterbliche sich nicht selbst retten können. Wenn man jedoch ein Gott wäre, würden die Chancen besser stehen. Also, warum glauben wir dann nicht einfach, dass wir Gott oder ein Gott sind? Die New-AgeBotschaft ist reizvoll, aber grundlegend falsch. Ihrer Lehre zufolge sind wir nicht Sünder, die Erlösung brauchen, sondern Götter, die Erleuchtung brauchen. Das ist viel attraktiver als östliche Religionen, weil man nicht nur „Erleuchtung“ sondern auch geistliche Macht und materielle Dinge erlangen kann. Wow! Der Atheismus, der unter der einflussreichen Elite Englands als religiöse Philosophie zunimmt, ist ein interessanter Ableger der amerikanischen New-Age-Bewegung. Die Anhänger lehnen die Kirche als brauchbare Möglichkeit ab, weil es ihr an geistlicher Substanz fehlt. New Age sowie okkulte und antike Religionen scheinen mehr geistliche Realität anzubieten. Die Menschen wollen Macht, die der Spiritismus anbietet. Seit der Veröffentlichung der Harry-PotterBände hat das Interesse an Okkultem in England beträchtlich zugenommen.1 Von esoterischem Wissen und Macht angelockt, haben sich viele Sympathisanten im Netz des Okkultismus verfangen.
46 / Jüngerschaftstraining
Der Quadrant „Geistlich/Theologisch“ Der Aufschwung auf der rechten Seite des Schaubilds war auch in christlichen Kreisen rasant. Unter konservativen Christen wurde der Heilige Geist in den 1960er und 1970er Jahren erlebt, und der Teufel erschien in den 1980ern und 1990ern. Dieses neue Bewusstsein war äußerst nötig, Verzerrungen sind jedoch offensichtlich, wenn es aus dem Gleichgewicht gerät. Persönliche Bedürfnisse und Verantwortungen werden oft übersehen. Man sagt von Menschen, dass sie „diesen Geist“ oder „jenen Geist“ haben. Mit anderen Worten, wenn sie jenen falschen Geist nur loswerden könnten, wäre alles in Ordnung. Dieses eindimensionale Denken hat die Kirche zum Zerrbild gemacht und brachte manche dazu, den geistlichen Kampf als Schwindel zu sehen.
Der Quadrant „Theologisch/Natürlich“ Der Einfluss des Quadranten unten rechts nimmt in unserer Kultur stetig ab, doch ein gesetzlicher Überrest hat immer noch eine laute Stimme. Je weiter sich diese Menschen von der verletzten Menschheit zurückziehen, desto beherrschender und verurteilender werden sie. Sie sind die „Verteidiger des Glaubens“ und sind den Pharisäern ähnlicher als den Jüngern von Jesus. Ihr größter persönlicher Mangel wird erkennbar, wenn man versucht, sich ihnen zu nähern und eine Beziehung mit ihnen aufzubauen. Sie werden das nicht zulassen. Sie motivieren durch Angst und Schuldgefühle. Würden Sie versuchen, ihnen klar zu machen, wie sie derart hart und verbittert geworden sind, würden diese Menschen Sie wegen Ihrer Analyse bestrafen. In solch gesetzlichen Gemeinden werden Menschen als Sünder in den Händen eines zornigen Gottes angesehen. Aber eigentlich sind sie Heilige in den Händen eines liebenden Gottes. Ich konnte nie verstehen, wie diese einfache Wahrheit von denjenigen, die sich mit Nachdruck auf die Autorität der Bibel berufen, so oft verdreht werden kann. Ich glaube, Gott würde ihnen sagen: „Geht und denkt einmal darüber nach, was dieses Wort bedeutet: ‚Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer!‘ ‚Gerade das muss doch das Ziel jeder Verkündigung sein – Liebe‘“ (s. Mt. 9,13; 1. Tim. 1,5). Der Fundamentalismus ist in Amerika keine populäre christliche Bewegung mehr, aber die Grundsätze unseres Glaubens werden für diejenigen immer wahr sein, die die Gnade Gottes verstehen.
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Christus ist das Zentrum Christus, der Gott-Mensch, ist das Zentrum und das Gleichgewicht, das wir brauchen. Wir werden uns in Kapitel 3 damit befassen, wie alles von ihm ausstrahlt. Ich meine, dass die Lehre ein Mittel zum Zweck sein sollte. Wenn unsere Theologie stimmt, so sollte sie bewirken, dass wir Gott und einander lieben, denn das ist das wichtigste Gebot. Gebet hat seine Zeit, Dienen hat seine Zeit, Anbeten bzw. Zeugnis hat seine Zeit. Gebet und Anbetung kommen zuerst. Aber wenn wir behaupten, Gott zu lieben, müssen wir auch für seine Lämmer sorgen und uns um sie kümmern (s. Joh. 21,5–19). Wenn wir behaupten, Gott zu lieben, fordert die Bibel uns auf, auch unsere Brüder und Schwestern zu lieben (s. 1. Joh. 4,19–21). Die Erklärung der vier Quadranten ist eine einfache Analyse derer, die sich zu weit vom Zentrum entfernen. Und wer befindet sich mitten im Zentrum des Schaubilds? Allein Christus! Niemand ist vollkommen im Gleichgewicht, auch wenn sich das alle wünschen. Deshalb werde ich noch zwei Kreise ins Schaubild einfügen. Toleranz
Diagramm 1.31.3 DIAGRAMM
Geistlich New Age
Psychologisch
Medizinische Modelle und Humanismus
Spiritismus
Christus
NatŸrlich
Theologisch
Theistischer Rationalismus, Naturalismus und Legalismus
Der innere Kreis steht für die orthodoxe Lehre derer, die die Bibel als absolute Autorität ansehen. Wenn allein Gott sein Wort auslegen würde, wäre der Kreis ein Punkt. Für uns ist es ein Kreis, weil es immer unwesentliche Meinungsverschiedenheiten geben wird, sogar unter hochbegabten Theologen. Kein Mensch wird je allwissend sein.
48 / Jüngerschaftstraining Ihre Position auf dem inneren Kreis hängt außerdem von Ihren Gaben ab. Diejenigen mit der Gabe der Prophezeiung sind wohl etwas mehr rechts orientiert, weil sie Heiligkeit begehren; die Verwalter befinden sich eher unten, weil sie mit Daten und Zahlen arbeiten; diejenigen mit der Gabe des Dienstes sind eher auf der linken Seite, weil sie motiviert sind, anderen zu dienen, usw. Der nächste Kreis steht für die Notwendigkeit von Toleranz. Menschen befinden sich im Wandel und in unterschiedlichen Stadien des Wachstums. Jene außerhalb des Kreises müssen von ihrem Tun umkehren und sich von den Lügen lossagen, die sie glauben. Das Ziel des Jüngerschaftstrainings besteht nicht darin, die negativen Folgen ihres Glaubens und Tuns zu beseitigen. Genauso wenig sollten wir ihnen ihren Lebensstil angenehmer machen, damit sie weiterhin in der Sünde leben können. Das Ziel ist, ihnen zu helfen, umzukehren, die Wahrheit zu glauben und Gott zu vertrauen.