/ 1 Steve Wohlberg Der Endzeitwahn
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STEVE WOHLBERG
DER ENDZEITWAHN POPULÄRE ENDZEITVORSTELLUNGEN AUF DEM PRÜFSTAND
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Titel der amerikanischen Originalausgabe: End Time Delusions Copyright © 2004 Steve Wohlberg. All rights reserved. Die amerikanische Originalausgabe ist erschienen bei: Treasure House. An Imprint of Destiny Image Publishers, Inc., P.O. Box 310, Shippensburg, PA 17257-0310, USA. Copyright © der deutschen Ausgabe 2007 by Asaph Verlag, D-Lüdenscheid 1. Auflage 2007 Aus dem Englischen übersetzt von Klaus Püplichhuisen Die zitierten Bibelstellen sind in der Regel der Elberfelder Übersetzung, rev. 1985/1991 entnommen, ansonsten kenntlich gemacht wie folgt: Gute Nachricht 1982 (GN), Zürcher 2000 (Z), Schlachter 2000 (S), Luther 1984 (L). Hervorhebungen im Bibelzitat wurden jeweils vom Autor vorgenommen, Auslassungen durch drei Punkte kenntlich gemacht. Umschlaggestaltung: joussenkarliczek, D-Schorndorf Satz/DTP: Jens Wirth/ASAPH Druck: Schönbach-Druck, D-Erzhausen Printed in the EC ISBN 978-3-935703-85-7 Bestellnummer 147385 Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an: ASAPH – D-58478 Lüdenscheid E-Mail: asaph@asaph.net – www.asaph.net
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DANKSAGUNGEN Mein besonderer Dank geht … … an meine wunderbare Frau Kristin – für deine unendliche Geduld während der unzähligen Stunden, die ich, wieder einmal, vor dem Computer verbrachte. … an meinen Vater Gene Wohlberg – für deine Gebete und die unermüdliche Unterstützung. … an Dr. Charles Roberts, Dave MacPherson, Herb Frizzell, Bill Kalivas, Don Schaefer, Steve McNelley, Dr. Francis Nigel Lee und an Jeff Zaremsky – für eure nicht zu überschätzende Hilfe, eure Anregungen und Gebete. … an Ted und Donna Brown und an Fran McDonald – für eure unermüdliche Arbeit bei der Unterstützung des Dienstes von Endtime Insights/Whitehorsemedia. … an Larry Carpenter – für die zündende Idee, meine drei kleinen Bücher über Prophetie zu einem einzigen zusammenzufassen, zu Der Endzeitwahn. … an Don Milan, Don Nori, Don Nori jr., Lisa Ott und an das ganze Team von Destiny Image. Möge der Heilige Geist die Leitung in eurer Organisation haben. … an all die treuen Protestanten, die uns vorangegangen sind, von denen manche ihr Leben für unseren Herrn gelassen haben – und von denen ich so viel gelernt habe. Und vor allem an Jesus Christus, meinen Messias und Retter – weil deine Todesleiden und deine siegreiche Auferstehung dieses Leben mit allen seinen Segnungen erst möglich gemacht haben – und dazu das ewige Leben. Dein Name sei auf ewig gepriesen!
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In vorliegendem Buch wird häufig auf die Buchreihe Finale (bzw. „Left Behind“) verwiesen. Dabei wird, wenn nötig, zum Teil aus den amerikanischen Originalbüchern zitiert. Zur Zuordnung kann dem Leser die nachfolgende Gegenüberstellung der amerikanischen Originaltitel mit den deutschen Titeln dienen: Band 1: Finale – Left behind Band 2: Die Heimsuchung – Tribulation Force Band 3: Nicolai – Nicolae Band 4: Die Ernte – Soul Harvest Band 5: Apollyon – Apollyon Band 6: Die Verschwörung – Assassins Band 7: Die Rückkehr – The Indwelling Band 8: Das Zeichen – The Mark Band 9: Die Entweihung – Desecration Band 10: Die Felsenstadt – The Remnant Band 11: Harmagedon – Armageddon Band 12: Der Triumph – Glorious Appearing
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INHALT Einleitung ........................................................................................... 9 Vorwort ............................................................................................ 13 Vorwort zur deutschen Ausgabe....................................................... 15 Einführung ....................................................................................... 17
Teil 1 Die Entrückung: Trugschlüsse ..........................................19 Kapitel 1: Man sieht sie – und dann nicht mehr .............................. 21 Kapitel 2: Die Ankunft und das Wimpernzucken ............................ 27 Kapitel 3: Wird Gottes Gemeinde der Trübsalszeit entfliehen? ....... 37
Teil 2 Die siebenjährige Trübsalszeit: Trugschlüsse ..................43 Kapitel 4: Die Theorie der „Siebenjährigen Trübsalszeit“ .............. 45 Kapitel 5: Die Bombe fällt ............................................................... 49 Kapitel 6: Das Geheimnis von David Van Biema ............................ 55
Teil 3 Der Antichrist: Trugschlüsse.............................................59 Kapitel 7: Der Antichrist: Fakten vs. Fiktionen ............................... 61 Kapitel 8: Paulus macht klar: Der Antichrist kommt zuerst ............ 65 Kapitel 9: Von der Wahrheit abfallen ............................................... 69 Kapitel 10: Judas: ein Typus des Antichrists ................................... 73
8 / DER ENDZEITWAHN Kapitel 11: Wird es nur einen einzigen zukünftigen Herrn Diabolos geben? ................................................. 77 Kapitel 12: Gewaltige Wahrheiten über den Tempel ....................... 81 Kapitel 13: Der, der noch zurückhält: Mythen und Erinnerungen ... 85 Kapitel 14: Die Teile zusammensetzen ............................................ 91 Kapitel 15: Echo aus vergangener Zeit – vergessene Stimmen ....... 95 Kapitel 16: 1260 Jahre – der Zeitfaktor ......................................... 105 Kapitel 17: Die Rückkehr des verwundeten Tieres.........................113 Kapitel 18: Die Identität des Antichrists .........................................119 Kapitel 19: Der Krieg der „Ismen“ ................................................ 127 Kapitel 20: Der Weg des Virus....................................................... 143 Kapitel 21: Der Glaube unserer Väter ........................................... 155
Teil 4 Israel: Trugschlüsse .........................................................163
Kapitel 22: Alle Augen schauen auf Israel ..................................... 165 Kapitel 23: Ringkampf mit einem Engel ....................................... 169 Kapitel 24: Jesus Christus mit anderen Augen gesehen................. 175 Kapitel 25: Klarheit durch zweifache Sicht ................................... 179 Kapitel 26: Die Wahl und das erwählte Volk ................................. 187 Kapitel 27: Golgatha und die Scheidung von Gott ........................ 191 Kapitel 28: Als die Mauer einstürzte ............................................. 197 Kapitel 29: 1948: Ein unsinkbares Dogma? .................................. 203 Kapitel 30: Wenn der Euphrat vertrocknet .................................... 213 Kapitel 31: Frösche, Fabeln und Harmagedon .............................. 227 Kapitel 32: Donnerschläge aus dem himmlischen Tempel ............ 233 Kapitel 33: 144.000 Israeliten? Allerdings! ................................... 241 Studienhilfe .................................................................................... 249 Fußnoten ........................................................................................ 261
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EINLEITUNG Ich bin in der Nähe von Hollywood, auf der andern Seite des Hügels, aufgewachsen. Während der ersten zwanzig Jahre meines Lebens hatte ich absolut kein Interesse an biblischer Prophetie, hauptsächlich deshalb, weil ich davon nie etwas gehört hatte. „Entrückung? Was ist das?“, hätte ich mit verständnislosem Gesichtsausdruck geantwortet, wenn Sie mich danach gefragt hätten. Meine jüdische Familie war herzlich und freundlich, aber nicht geistlich. Mein Bruder Michael feierte seine BarMizwa im Alter von 13 Jahren (von da an gilt ein jüdischer Junge als erwachsen); ich dagegen habe das nicht gemacht, denn das Ganze wurde nur beiläufig als etwas, was man tun oder auch lassen kann, dargestellt. So weit ich mich erinnern kann, haben wir niemals die jüdische Bibel gelesen oder auch nur einmal gebetet. Als Teenager war ich umgeben von der hämmernden Musik von Mick Jagger, den Rolling Stones, Aerosmith und von der Drogenkultur der 60er- und 70er-Jahre – und so nahm mein Leben eine Wende in die falsche Richtung. Einige meiner Freunde sind schon tot. Es ist ein Wunder, dass ich nicht dort bin, wo sie jetzt sind. Im Sommer 1979, während ich jede Nacht in Diskotheken verbrachte, arbeitete ich als Statist beim Film. Eines Tages wurde ich durch Vorsehung zu Arbeiten an einer Mini-Fernseh-Serie eingeteilt, die den Namen From Here to Eternity trug und die auf einem Abschnitt des OxnardStrandes gedreht wurde. Dort begegnete ich einem Statistenkollegen, der mir „Zeugnis“ über Jesus Christus und das herannahende Ende der Welt gab. Neugier vermischte sich mit Interesse; dazu kam das bohrende Gefühl eines Bedürfnisses, das über bezauberndes Blendwerk hinausging, und so entschloss ich mich, am nächsten Tag einen christlichen Buchladen in unserer Nachbarschaft aufzusuchen und mir deren Regal
10 / DER ENDZEITWAHN mit Büchern über Prophetie anzuschauen. Hal Lindseys Late Great Planet Earth („Alter Planet Erde wohin?“) war das erste christliche Buch, das ich je angerührt habe. Ich kaufte es und noch zwei andere von Lindseys Büchern. Obwohl mein marihuana-umwölktes Gehirn kaum verstand, was ich da las, gebrauchte Gott diese Bücher und begann, in meinem Innern zu wirken. Einige Tage später bekam ich eine Bibel in die Hand und fing an, darin zu lesen. Anfänglich noch verschwommen, begann ich langsam die Botschaft und die Gnade des Herrn Jesus Christus zu verstehen. Der Wendepunkt kam, als ich von dem ungeheuren Druck, den Christus im Garten Gethsemane aushielt, las, von dem Blut, das von seiner Stirn tropfte, von der Erscheinung eines himmlischen Engels, der ihn stärkte, (s. Lk. 22,39–44) und von seiner unfassbaren Liebe gegenüber einer untergehenden Welt. Bei seinem Ringen über „das Annehmen des Kelches“ traf Jesus die endgültige Entscheidung. Er traf die Wahl, verlorene Sünder zu erretten, ganz gleich, was es ihn persönlich kosten würde, selbst wenn es die Trennung von seinem Vater bedeutete. Schließlich las ich von der Passion Christi und seinem Leiden am Kreuz für meine Sünden. Das reichte. Kurz darauf ging ich in einem Schlafsaal der California State University of Northridge auf meine Knie und lud meinen Messias ein, in mein Herz zu kommen. Licht kam in meine Dunkelheit! Jesus hat mir reichlich meine Sünden vergeben, meine Schuld weggenommen und mein Leben verändert! Keine Drogen mehr. Ich war sauber. Als ich herausgefunden hatte, dass mein Messias einmal als das Baby von Bethlehem gekommen war, bekam ich ein starkes Interesse an dem Thema seines zweiten Kommens und an den angekündigten Ereignissen, die während der letzten Erdentage geschehen sollten. Ich flehte um Verständnis und mich verlangte danach, für die Wiederkunft desjenigen bereit zu sein, der für mich gekreuzigt worden war, sollte er denn zu meiner Lebenszeit wiederkommen. Dies erklärt meinen Enthusiasmus und meine Leidenschaft für prophetische Dinge. Das war vor über 24 Jahren. Ich habe viel gelernt seit meiner ersten Lektüre von Hal Lindseys Büchern bei meiner Statistentätigkeit in Hollywood. Eine Sache, die mich über Jahre hinweg beeindruckt hat, während ich das erste Kommen Christi bedachte, ist die Tatsache, dass ein Grund, warum viele religiöse Führer zur Zeit Jesu ihren eigenen Messias verworfen haben, der war, dass sie die alttestamentlichen Pro-
EINLEITUNG / 11 phezeiungen, die sein erstes Kommen vorhersagten, falsch verstanden haben. Überlegen Sie mit mir. Wenn so etwas schon einmal geschehen ist, könnte es nicht wieder passieren? Könnten heute religiöse Führer einen ähnlichen Fehler begehen, indem sie die Prophezeiungen über sein zweites Kommen falsch verstehen? Ja, das könnten sie. Und ja, viele machen solch einen Fehler. Deshalb habe ich dieses Buch Der Endzeitwahn geschrieben, welches nicht nur darlegt, dass massive Verdrehungen im Christentum Eingang gefunden haben, sondern auch klarstellt, was die Bibel über das Ende der Welt lehrt. In Der Endzeitwahn stecken Jahre an Nachforschungen, zahllose Stunden des Studiums und nur Gott weiß, wie viele ernsthafte Gebete, dass „der Geist der Wahrheit“ mich in „alle Wahrheit“ leite (Jh. 16,13). Ich hoffe, dass diese Entdeckungen Sie genauso begeistern werden wie mich! Bereiten Sie sich auf eine außergewöhnliche Reise vor, die bestimmt kontrovers und doch aufregend und lohnend sein wird. Und wenn Jesus Christus dann tatsächlich wiederkommt: Mögen wir alle „vor ihm unbefleckt und untadelig im Frieden befunden werden“ (2. Pt. 3,14) durch seine vollkommene Gerechtigkeit. Steve Wohlberg
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VORWORT Der britische Essayist G. K. Chesterton hat einmal bemerkt, dass einige Menschen eher die Wahrheit leugnen als hinter der Zeit herhinken zu wollen. Steve Wohlberg, Autor des Buches, das Sie gerade in Händen halten, ist kein solcher Mann. Wohlberg ruft den Leser aus dem prophetischen Unbehagen der heutigen Zeit heraus und führt ihn hin zu einer Wahrheit, die von den meisten Christen längst vergessen wurde. Jene Wahrheit wurde von den großen Reformatoren des 16. und 17. Jahrhunderts aus den Tiefen des Wortes Gottes geschürft, aber aus Gründen, die Sie beim Lesen dieses Buches sehr bald entdecken werden, wurde jene Wahrheit erbittert angegriffen und schließlich untergraben, und zwar genau in den Kirchen, die behaupten, in direkter Linie der Reformation zu stehen. Vielleicht ist kein anderer Bereich des Christentums so vielen fehlgeleiteten Auslegungen und falschen Lehren unterlegen, wie der der biblischen Prophetie und der Aussagen über die „Endzeit“ in den Büchern Daniel und Offenbarung. Viele Leser dieses Buches Der Endzeitwahn mögen überrascht sein, wenn sie erfahren, dass die vorherrschende Ansicht, nämlich die des Dispensationalismus, in den meisten amerikanischen evangelikalen Gemeinden eine Neuerung in der langen Geschichte der christlichen Gemeinden ist. Im Lichte dessen ist doch die offensichtliche Frage, die der Leser stellen mag, diese: „Was war die damalige vorherrschende Ansicht und wie konnte die gegenwärtige Ansicht, wie sie in den Finale-Büchern und -Filmen zum Ausdruck gebracht wird, solch eine Popularität erlangen?“ Steve Wohlberg beantwortet diese und viele andere Fragen in diesem Buch. In einigen christlichen Kreisen hat eine andere Ansicht über Endzeit-Prophetie den Vorrang erlangt, nämlich die des Präterismus. Ob-
14 / DER ENDZEITWAHN wohl dieser einen entgegengesetzten Weg gegenüber der Ansicht des Dispensationalismus vertritt, zeigt Wohlberg auf, dass beide Ansichten gemeinsame Wurzeln haben, und dass der Ursprung von beiden darauf ausgerichtet war, Dinge zu verdunkeln anstatt zu klären, was das Wort Gottes wirklich über den Antichrist lehrt. Als Pastor und Bibellehrer schätze ich Steve Wohlbergs Beherrschung der Bibel und seine Hingabe an sie als das unfehlbare Wort Gottes. Der Leser wird feststellen, dass es Freude macht, dieses Buch zu lesen, das reich an Illustrationen und Beispielen ist, und eine christuszentrierte Herausforderung zu den vorherrschenden – doch irrtumbehafteten – Theorien über Prophetie darstellt. Außerdem gibt es in vielen der heutigen populären Bücher über Prophetie eine starke Betonung auf sensationelle Ereignisse, während man es vernachlässigt, die Aufmerksamkeit auf den auferstandenen und herrschenden Christus zu lenken. Wohlberg vermeidet diese Fehlhaltung und gibt dem Messias Jesus die Ehre, was ja das Ziel von jedem angesehenen Buch über die Endzeit sein sollte. Für diejenigen, die es gewohnt sind, „Bücher über Prophetie“ von einer anderen Perspektive aus zu lesen, mag dies zuerst ungewöhnlich erscheinen; doch wird es anregend sein und es wird als biblisch fundiert erkannt werden. Schließlich soll der Leser auch verstehen, dass das, was er hier liest, keine Neuheit ist. Es ist ein Aufruf dahingehend, die Bibel für sich selbst über das Thema der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Welt reden zu lassen. Charles H. Roberts Pastor der Ballston Center Associate Reformed Presbyterian Church
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VORWORT ZUR DEUTSCHEN AUSGABE Während der vielen Jahrzehnte meines Lebens als neugeborener Mensch in Christus Jesus hat mich das Thema Endzeit immer besonders interessiert. Wie viele Endzeitbücher habe ich verschlungen, die alle von den üblichen Anschauungen her geprägt waren: der Zwei-PhasenEntrückungslehre gemäß dem englischen Christen John Nelson Darby (1800–1882), von einer Ein-Mann-Antichrist-Vorstellung oder der Theorie, dass „ganz Israel gerettet wird“. Erst als ich das Buch, dessen deutsche Übersetzung Sie nun in der Hand halten, las, merkte ich, dass all die Zweifel, die ich seit Langem besonders bei den Vorstellungen über die gängigen Israel-Lehren hatte, ihre Bestätigung fanden. Steve Wohlberg stellt z. B. zu Recht die Frage, welches Israel denn gemäß Römer 11 gerettet wird. Was mir im Laufe der Jahre immer wieder aufgefallen war, war die Gleichstellung eines irdischen, Jesus leugnenden Israels gemäß dem Fleisch mit dem neuen Israel, das am Pfingstfest zu Jerusalem gemäß Apostelgeschichte 2 im Heiligen Geist entstanden war. Nachdem ich End Time Delusions – so der Originaltitel – von Steve Wohlberg auf dem Büchertisch einer Gemeinde in Kalifornien entdeckt hatte, fand ich immer neue Aufschlüsse über den falschen Endzeitkurs so vieler geschätzter Bibellehrer und Israel-Freunde. Steve Wohlberg hat mir mit diesem Buch die Augen geöffnet, dass christliche Gemeinden, zu denen ich ja gehöre, voll von gigantischen Fehlinterpretationen sind, etwa über die Entrückung, die 70 Jahrwochen beim Propheten Daniel, über das Wirken des Antichrists und ganz besonders über die Sondererlösung Israels, die viele christliche Lehrer heutzutage vertreten.
16 / DER ENDZEITWAHN So schreibt Steve Wohlberg, dass massive Veränderungen innerhalb der Gemeinden, der Israel-Werke und der theologischen Seminare geschehen sollten. Wir brauchen in der Tat eine neue „Israel-Bibliologie“, zu der dieses Buch mit der Anschauung über das „Israel nach dem Geist“ in großartiger Weise beiträgt. Klaus Püplichhuisen Übersetzer von Der Endzeitwahn
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EINFÜHRUNG Es war Donnerstag, der 14. August 2003, 16.09 Uhr New Yorker Zeit. Es begann mit einem Flackern der Lichter, dann gingen sie ganz aus. Für einige Stunden war es von New York über Cleveland bis Detroit dunkel, ja sogar bis nach Kanada hinein. Das Titelblatt der NewsweekAusgabe von Ende August betitelte dieses Ereignis als den Blackout des Jahres 2003. Glücklicherweise haben die 50 Millionen betroffenen Nordamerikaner es ganz gut hingenommen. Es gab kaum Plünderungen und niemand kam ums Leben. Der Endzeitwahn handelt von einer anderen Verdunkelung – einer geistlichen –, die heutzutage innerhalb der Christenheit stattfindet, und es betrifft die wahre Bedeutung von Gottes „festem Wort der Prophetie“ (2. Pt. 1,9). Millionen an Prophetie interessierter Christen, mich selbst eingeschlossen, spüren, dass wir uns der Wiederkunft Jesu Christi nähern. Doch, wenn wir das einmal auswerten, was die Mehrheit meint, was während der letzten Erdentage geschehen soll, und was die Bibel in Wirklichkeit über dieses Geschehen aussagt, werden wir einen Unterschied feststellen, der gewaltig ist. Es ist offensichtlich, dass die folgenden fünf Auffassungen ungeheuer populär geworden sind: 1. Alle wahren Christen werden bald bei einer Entrückung entschwinden. 2. Ein siebenjähriger apokalyptischer Terror wird über die kommen, die zurückbleiben müssen. 3. Ein schlimmer Mensch – der Antichrist – wird die Welt übernehmen.
18 / DER ENDZEITWAHN 4. Der Antichrist wird sich in einen wieder aufgebauten Tempel in Jerusalem setzen und behaupten, Gott zu sein. 5. Die Völker der Welt werden Israel bei Harmagedon angreifen. Diese fünf Konzepte werden im Radio, im Fernsehen, auf prophetischen Konferenzen, in zahllosen Büchern und Magazinen, in Filmen über die Endzeit, in theologischen Seminaren und im Internet gelehrt. Die fünf Punkte dieses Glaubenssystems sind so eng miteinander verflochten, dass angeblich das eine Ereignis dem nächsten folgt, genauso wie das Stromleitungsnetz von New York City verflochten ist. Am 15. August 2003, um 16 Uhr, haben unsere landesweiten Generatoren, elektrischen Kabel, Überlandleitungen und Stromproduzenten alle effektiv zusammengearbeitet, alles lief zufriedenstellend. Bis um 16.09 Uhr. Dann zwang ein einziger Stromstoß, eine kurze Überspannung, Teile Amerikas in „den größten Stromausfall unserer Geschichte“.1 Wenn wir nun einmal populäre prophetische Theorien bewerten, ist es dann möglich, dass sich ein großer Teil der Christenheit heutzutage in der Mitte eines anderen Ausfalls, nämlich eines Wahrheitsausfalls befindet? Die Bibel sagt voraus: „Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Lüsten sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden“ (2. Tim. 4,3–4). Ist diese Zeit gekommen? Der Zweck dieses Buchs Der Endzeitwahn besteht darin, die oben erwähnte Zusammenstellung von eng ineinandergreifenden Theorien sorgfältig zu überprüfen, wie z. B. die der „leisen“ Entrückung, der zukünftigen siebenjährigen Trübsalszeit, die von einem einzigen Antichrist oder was den heutigen israelischen Staat anbelangt. Wenn wir uns das vornehmen, werden Sie unwiderlegbare, mit Hochspannung geladene neutestamentliche Beweise eines anderen Systemzusammenbruchs entdecken. Lesen Sie bitte dieses Buch unter viel Gebet. Mit Gottes Hilfe hoffe ich, viele Lichter anzuschalten.
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TEIL 1
DIE ENTRÜCKUNG: TRUGSCHLÜSSE
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KAPITEL 1
MAN
SIEHT SIE – UND DANN NICHT MEHR Wenn du in den letzten Jahren nicht wenigstens eine größere Idee fallen gelassen oder eine neue erworben hast, dann fühl deinen Puls. Vielleicht bist du schon tot. FRANK GELETT BURGESS (1866–1951)
Obwohl sich das Wort „Entrückung“ so nicht in der Bibel findet, sind Millionen Christen trotzdem gelehrt worden, dass Gottes Gemeinde sehr bald spurlos vom Planeten Erde verschwinden wird. Es werden Schlagzeilen vorausgesagt wie: „Scharen von Menschen unauffindbar, Chaos fegt über den Globus!“ – „Alle Kinder verschwunden!“ – „Gewaltige Verkehrsstörungen, weil Fahrer sich in Luft auflösten!“ – „Flugzeugabstürze, Zugentgleisungen, da Piloten und Lokführer verschwanden!“ Vielleicht haben Sie schon einmal Autoaufkleber mit der Aufschrift gesehen: „Einsteigen auf eigene Gefahr. Im Falle der Entrückung ist das Fahrzeug führerlos!“ Effektivstes Transportmittel für diese Entrückungsidee ist in den letzten Jahren die Buchserie Finale (engl. „Left Behind“ – d. h. „zurückgelassen, also von der Entrückung nicht erfasst“ – Anm. d. Üs.) gewesen, die auf der Bestseller-Liste der New York Times stand und die von dem Autorenduo Tim LaHaye und Jerry B. Jenkins verfasst wurde.
22 / DER ENDZEITWAHN Hinter den sich rasant verkaufenden zwölf Bänden dieser Romanreihe über die Endzeit steht die Lehre, dass die Rückkehr Jesu Christi in zwei unterscheidbaren Phasen verläuft. Zuerst käme Jesus unsichtbar wieder, um seine Gemeinde vor Beginn einer siebenjährigen Trübsalszeit wegzunehmen, während der Rest der Menschheit in dieser Zeit dem Antichrist gegenüberstehen müsste. Das wäre die Entrückung. Am Ende jener sieben Jahre würde Jesus sichtbar wiederkommen, um erstens diejenigen zu erretten, die während der Trübsalszeit Christen geworden sind – nachdem ihnen eine zweite Gelegenheit gegeben wurde, gerettet zu werden –, und zweitens, um die nach Israel hereinströmenden Feinde bei Harmagedon aufzureiben. Das wäre das zweite Kommen. Also – zuerst die Entrückung, danach sieben Jahre mit dem Antichrist und dann das sichtbare zweite Kommen Jesu Christi. Diese populären Konzepte – Entrückung, sieben Jahre Schreckensherrschaft, ein zukünftiger Antichrist – sind auch in zahlreichen apokalyptischen christlichen Filmen gelehrt worden, wie etwa in A Thief in the Night, Image of the Beast, Tribulation Force, The Omega Code, Left Behind: The Movie und Megiddo. Weil die Lehre von der Entrückung in unserer (der amerikanischen, Anm. d. Üs.) Gesellschaft – sogar unter denen, die nicht zur Gemeinde Jesu gehören – so stark propagiert wurde, hat das Gerücht die Runde gemacht, dass einige Manager von American Airlines sich wenigstens einen nicht-christlichen Piloten an Bord eines jeden Fluges wünschten – nur für den Fall, dass … Aber die Kernfrage lautet, ob sich die Lehre über eine derartige „Entrückung“ in der Bibel findet, auch wenn der Begriff als solcher dort vielleicht nicht stehen mag. Wenn das nicht der Fall ist, könnte es sich dann um einen Trugschluss handeln? Das wollen wir herausfinden. Zuerst einmal lehrt die Bibel die wirklich aufregende Wahrheit, dass Jesus Christus für sein Volk wiederkommen wird. Unser Herr sagte selbst: „Ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin“ (Jh. 14,3; Z). Alle Christen sollten diesem Versprechen Christi glauben und sich nach der Begegnung mit ihm an diesem großen Tag sehnen. Aber wird er völlig unsichtbar erscheinen? Wird die Gemeinde des Herrn einfach so verschwinden? Lehrt die Bibel wirklich das Verschwinden von Christen? Zweifelsohne ist die am meisten zitierte Bibelstelle, die gebraucht wird, um dieses Entrückungskonzept zu unterstützen,
MAN SIEHT SIE – UND DANN NICHT MEHR / 23 1. Thessalonicher 4,17. Eine große Schar von Christen kennt diesen Vers auswendig, und er wird in Left Behind: The Movie zitiert. In diesem Vers beschreibt Paulus, dass wahre Gläubige eines Tages „entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft“ (1. Thes. 4,17; Z). Aber bedeutet „entrückt werden“ einfach „verschwinden“? Beschreibt Paulus hier eine stille Wiederkunft Jesu Christi, bevor es zu einer apokalyptischen siebenjährigen Trübsalszeit kommt? Wir brauchen nicht zu raten. Die Antwort liegt im Zusammenhang, und Sie benötigen keinen theologischen Abschluss, um der Wahrheit auf den Grund zu kommen. Sind Sie jemals auf der Autobahn gefahren, ohne zu merken, wie schnell Sie fuhren? Und dann, als Sie endlich auf den Tachometer schauten, kam es Ihnen: „Ich fahre zu schnell, ich muss langsamer werden!“ Genau das müssen wir mit 1. Thessalonicher 4 tun: Geschwindigkeit runter und genauer hinsehen! Folgendes hat Paulus geschrieben: Denn der Herr selbst wird unter einem Befehlsruf, unter der Stimme eines Erzengels und unter der Posaune Gottes vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die Übrigbleibenden, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit bei dem Herrn sein (1. Thes. 4,16–17; Z).
Lehrer der Entrückung interpretieren dieses Ereignis als etwas Stilles, Geheimnisvolles; doch scheint es nicht eher etwas Lautes und Sichtbares zu sein? Hier erklingt ein Befehlsruf, eine Stimme, ein Posaunenschall. Haben Sie jemals von einer leisen Posaune gehört? Die Wahrheit ist doch, dass 1. Thessalonicher 4,16 einer der „lautesten“ Verse in der Bibel ist! Betrachten wir die Sache einmal gründlich: Jesus Christus kommt unter einem Befehlsruf und unter dem Schall der Posaune vom Himmel herab. Die Toten stehen auf! Dann werden wahre Gläubige entrückt. Können Sie darin wirklich etwas über verschwindende Christen vor einer kommenden Trübsalszeit erkennen? Befürworter solch einer Entrückung interpretieren „entrückt werden“ als verschwinden, weil diese Ansicht ihrem engmaschigen prophetischen System entspricht; doch müssen wir zugeben, dass der Text so etwas nicht aussagt. Vor rund 2000 Jahren wurde Jesus Christus am Ende seines irdischen Lebens ebenfalls „emporgehoben“ (Apg. 1,9). Das heißt doch nicht, dass
24 / DER ENDZEITWAHN er verschwand und seine Kleider auf Erden zurückließ. Stattdessen wurde er direkt vor den Augen seiner staunenden Jünger „emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, so dass er ihren Blicken entschwand“ (Apg. 1,9). „… ihren Blicken entschwand“, das heißt, dieses Ereignis war höchst sichtbar. Lukas sagt, dass Jesus Christus „emporgehoben wurde“, und dann werden Wolken erwähnt, genauso wie Paulus über Gläubige schrieb, die „entrückt werden in Wolken“. Beachten Sie bitte genau den vollen Zusammenhang von Apostelgeschichte 1,9: Und als er dies gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie unverwandt zum Himmel blickten, während er dahinfuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißer Kleidung bei ihnen, die sprachen: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr hier und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird in derselben Weise wiederkommen, wie ihr ihn habt in den Himmel auffahren sehen (S).
Hier haben wir heilige Engel, die in der Gestalt von Männern in weißer Kleidung die einfache Wahrheit der Wiederkunft Jesu Christi erklären. Sie sagten den Jüngern, dass Jesus, genauso, wie er buchstäblich und sichtbar in die Wolken „emporgehoben“ wurde, „in derselben Weise wiederkommen wird“, wie sie ihn hatten in den Himmel auffahren sehen. Obwohl diese Engel nie ein theologisches Seminar besucht hatten, gibt es keinen Zweifel darüber, dass ihre Theologie stimmte. Sie lehrten kein geheimes Kommen des Herrn oder etwas über verschwindende Christen. Nein, alles wird dann höchst sichtbar sein, genauso wie es bei der Himmelfahrt Jesu Christi gewesen ist. Gehen wir wieder zum 1. Thessalonicherbrief zurück und betrachten wir die Vorstellung vom „Dieb in der Nacht“: Denn der Herr selbst wird unter einem Befehlsruf, unter der Stimme eines Erzengels und unter der Posaune Gottes vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die Übrigbleibenden, zugleich mit ihnen entrückt werden in den Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit bei dem Herrn sein. Darum tröstet einander mit diesen Worten! In Bezug auf die Zeiten und Fristen aber, ihr Brüder, habt ihr nicht nötig, dass euch geschrieben wird. Denn ihr
MAN SIEHT SIE – UND DANN NICHT MEHR / 25 selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn so kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen werden: Es ist Friede und Sicherheit, dann kommt plötzliches Verderben über sie wie die Wehen über die schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen können (1. Thes. 4,16–18; 5,1–3; Z).
Hier vergleicht Paulus das Kommen Jesu Christi mit dem Auftreten eines Diebes mitten in der Nacht. Befürworter der Entrückung interpretieren dies so, dass Jesus wie ein leiser, sich anschleichender Dieb kommen wird, um die Gläubigen auf der Erde hinwegzunehmen, bevor das siebenjährige Chaos losbricht – dann werden führerlose Autos zusammenstoßen, Flugzeuge ohne Piloten abstürzen und Babys in ihren Kinderbettchen vermisst werden. Der christliche Film A Thief in the Night, der dem Film Left Behind: The Movie ähnlich ist, schildert dies in dramatischer Weise. Doch – ist das wirklich die Aussage, die der Apostel Paulus machen will? Nochmals, drosseln wir das Tempo und fassen wir unseren biblischen Tacho genauer ins Auge. Zuerst einmal ist der Tag, an dem Jesus so wie ein Dieb erscheint, ganz klar genau der gleiche Tag, an dem er mit einem Befehlsruf und mit dem Schall der Posaune vom Himmel herabkommt. Zweitens: Das Kommen „wie ein Dieb in der Nacht“ bezieht sich nur auf unvorbereitete Menschen. Wenn es eintrifft, „dann kommt plötzliches Verderben über sie wie die Wehen über die schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen können“ (1. Thes. 5,3). Erkennen Sie, was Paulus wirklich sagen will? Das Kommen Jesu wie ein „Dieb in der Nacht“ bedeutet nicht, dass er still und unsichtbar erscheint, um Gläubige aus dieser Welt herauszustehlen, wie es in Filmen über die Entrückung und in Büchern der Bestsellerliste der New York Times gelehrt wird. Vielmehr bedeutet es, dass er unerwartet kommt und „plötzliches Verderben“ über die nicht erretteten Menschen bringt. Somit ist es kein Kommen im Geheimen, sondern nur eines, das plötzlich geschieht. Werden die unvorbereiteten Menschen eine „zweite Gelegenheit“ bekommen, um während einer darauffolgenden siebenjährigen Trübsalszeit gerettet zu werden? Paulus beantwortete doch diese Frage, als er schrieb: „und sie werden nicht entfliehen können“ (V. 3). Hier folgt eine einfache Zusammenfassung dessen, was 1. Thessalonicher 4,16–18; 5,1–3 wirklich aussagt:
26 / DER ENDZEITWAHN • Jesus Christus wird buchstäblich vom Himmel mit einem Befehlsruf und unter dem Schall der Posaune herabkommen. • Die Toten in Christus werden zuerst auferstehen, und wahre Gläubige werden „entrückt“ werden, genauso wie Jesus Christus selbst sichtbar vor fast 2000 Jahren in den Himmel „emporgehoben“ wurde. • Dieser umwälzende „Tag des Herrn“ wird auf die unvorbereiteten Menschen hereinbrechen wie die unerwartete Ankunft eines Diebes um Mitternacht. • „Plötzliches Verderben“ wird die verlorenen Menschen überwältigen, „und sie werden nicht entfliehen können.“ Wenn man es wörtlich auffasst, dann beschreiben diese Worte die sichtbare zweite Ankunft Jesu Christi und keine geheime Entrückung. Sofort nach der feierlichen Voraussage des Paulus über die Wiederkunft Christi wie ein Dieb um Mitternacht schrieb er an wahre Gläubige: „Ihr aber, ihr Brüder, seid nicht in Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb überraschen sollte. Denn ihr alle seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages; wir gehören nicht der Nacht noch der Finsternis an“ (1. Thes. 5,4–5; Z). Wie war es bei dem Stromausfall im Jahre 2003? Er versetzte 50 Millionen Nordamerikaner in Dunkelheit, weil ein Kurzschluss einen massiven Systemausfall im Fernleitungsnetz auslöste. Wenn wir das nun auf 1. Thessalonicher 4,16–18; 5,1–3 übertragen, dann werden wir Zeugen eines anderen Systemausfalls. Die populäre Lehre von einer stillen, geheimen Wiederkunft Jesu Christi und von verschwindenden Christen ist in dieser Bibelstelle einfach nicht zu finden. Nochmals – Paulus schrieb: „Denn ihr alle seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages; wir gehören nicht der Nacht noch der Finsternis an“ (1. Thes. 5,5; Z). Gott möchte, dass wir „Wahrheitsausfälle“ vermeiden. Er möchte, dass die Lichter brennen.
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KAPITEL 2
DIE ANKUNFT UND DAS WIMPERNZUCKEN Wenn wir über den Schatten streiten, übersehen wir das Wesentliche. ÄSOP (620–560 V. CHR.)
Jesus Christus hat vorausgesagt: „Dann werden zwei auf dem Feld sein, einer wird genommen und einer gelassen; zwei Frauen werden an dem Mühlstein mahlen, eine wird genommen und eine gelassen. Wacht also, denn ihr wisst nicht, zu welcher Stunde euer Herr kommt“ (Mt. 24,40–42). Diese Bibelstelle wird wohl am zweithäufigsten zitiert, um das Dogma einer unsichtbaren Wiederkunft Jesu Christi und von verschwindenden Christen zu untermauern. Angeblich soll die Stelle „einer wird genommen und einer gelassen“ bedeuten, dass in einem unbemerkten Aufblitzen gläubige Menschen verschwinden, während der Rest der Welt plötzlich verwirrt aufwacht und sich verwundert fragt: „Wo sind sie nur geblieben?“ Wieder liegt der Schlüssel im Zusammenhang. Matthäus beginnt damit, dass unser Erlöser auf dem Ölberg sitzt. Da „traten seine Jünger für sich allein zu ihm und sprachen: ‚Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?‘“ (Mt. 24,3).
28 / DER ENDZEITWAHN Offensichtlich dachten die Jünger an die Wiederkunft Jesu und an das Ende der Welt. Sie baten den Meister, ihre Erkenntnislücken zu schließen und ihnen zu helfen, die losen Enden zusammenzubekommen. Bevor wir die Antwort Christi betrachten, beachten Sie das Wort „Ankunft“ in Vers 3. Das ursprüngliche Wort im Griechischen heißt parousia und kann in jeder guten Grundtextkonkordanz überprüft werden. Man braucht nicht Griechisch zu können, um die Bibel zu verstehen, aber das kleine Wort ist von großer Bedeutung. Wie wir schon bald sehen werden, vermittelt uns das „Parusie-Prinzip“ sehr schnell wichtige Einsichten bei der Frage der Entrückung. Als Antwort auf die Anfrage seiner Jünger, doch über das Ende Aufklärung zu geben, lautete gleich der erste Satz des Christus: „Seht zu, dass euch niemand verführe!“ (Mt. 24,4). Die Eindringlichkeit seiner Antwort sollte uns aufrütteln. Warum? Weil sie deutlich macht, dass Jesus wusste: Genau um dieses Thema seines „Kommens“ oder der „Parusie“ würde es einen großen Verführungswirbel geben. Viermal warnt Christus in dieser einzigen Predigt: „… dass euch niemand verführe“, was das Thema noch dramatischer erscheinen lässt (s. Mt. 24,4.5.11.24). Dabei kommt einem der Gedanke, dass endzeitliche Irreführungen eines Tages wie eine gewaltige Flutwelle über die Erde fegen werden. Es gibt nur einen Weg, wie wir vermeiden können, von dieser aufgewühlten See der Unwahrheiten hinweggeschwemmt zu werden, dass wir nämlich gewissenhaft auf die genauen Worte Jesu Christi achtgeben. Unser Herr sagte weiterhin: „Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten auftreten und werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen“ (Mt. 24,24; S). Damit sagte Jesus, dass die Täuschungsmanöver des Satans schließlich so raffiniert und wirkungsvoll werden, dass nur die „Auserwählten“ unversehrt davonkommen. Wer sind die „Auserwählten“? Vom Zusammenhang her gesehen, müssen sie eine Schar von Menschen sein, die den, der die Quelle der Wahrheit ist, und die Bibel so gut kennen, dass selbst der Teufel persönlich sie nicht verführen kann. Vers 31 sagt uns auch, dass die „Auserwählten“ solche Menschen sind, die für die Wiederkunft Jesu Christi bereit sind. Sogleich nach seiner Warnung vor listigen, falschen Propheten und Verführungen sagte Jesus: „Wenn also die Leute sagen: Draußen in der Wüste ist er, dann geht nicht hinaus! Oder wenn sie sagen: Er ist hier
DIE ANKUNFT UND DAS WIMPERNZUCKEN / 29 und hält sich in einem Haus verborgen, dann glaubt ihnen nicht! Denn der Menschensohn wird plötzlich und für alle sichtbar kommen, wie ein Blitz, der von Ost nach West über den Himmel zuckt“ (Mt. 24,26– 27; GN). An dieser Stelle zieht Jesus einen messerscharfen Kontrast zwischen falschen Ansichten über seine Rückkehr und der Wahrheit. Was die falschen Ansichten anbelangt, achten Sie auf das kleine Wort „verborgen“ in Vers 26. Jesus warnt hier unverkennbar, dass einige Leute irrigerweise ein „verborgenes“ Kommen propagieren würden. Wenn wir den Zusammenhang betrachten, entdecken wir, dass das einer der Haupttrugschlüsse ist, welche nur Gottes treue Auserwählte vermeiden werden. Wie sollten wir auf das Konzept einer verborgenen Rückkehr reagieren? Christi Antwort ist verblüffend und einfach: „Glaubt ihnen nicht!“ Warum? Weil es heißt: „Denn wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein“ (V. 27). Weit von einem verborgenen Geschehen entfernt, vergleicht Jesus selbst seine Rückkehr mit einem glänzenden Aufleuchten von elektrisch geladenen Blitzen, die über den Himmel zischen. Nun gibt es hier einen wichtigen Punkt. Was, meinen Sie, ist das griechische Wort, das Matthäus für das „Kommen“ (Ankunft) in Vers 27 gebraucht? Er verwendet das gleiche Wort wie in Vers 3 – „parousia“. Das ist doch ein klarer Beweis, dass die Parusie eindeutig auf die höchst sichtbare zweite Ankunft des Herrn Jesus Christus zutrifft. In Agentenfilmen sieht man manchmal, dass auf vertraulichen Akten das Wort „Streng geheim“ steht. Was nun die Parusie angeht, hat uns Jesus klargemacht, dass sie alles andere als „geheim“ sein wird. Die verwirrten Jünger Christi hatten gefragt: „Was ist das Zeichen deiner Ankunft (Parusie) und der Vollendung des Zeitalters?“ Nachdem er vor heimlichtuerischen Verführungen gewarnt hatte, antwortete Jesus schließlich auf ihre eigentliche Frage, indem er den Vorhang der Geschichte lüftet und enthüllt, wie seine von verheerenden Umwälzungen geprägte Rückkehr vonstatten gehen wird: Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit
30 / DER ENDZEITWAHN starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende (Mt. 24,30–31).
Diese Beschreibung der Rückkehr Jesu Christi enthält mehr Explosivkraft als der sogenannte Urknall. Kein Zweifel: Sein „Kommen“ oder die „Parusie“ wird unverkennbar sichtbar für „alle Stämme des Landes“ sein. Die benommenen Massen der Menschheit werden buchstäblich „den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit“. Dem wird gewiss keiner entkommen, und niemand wird am nächsten Tag erwachen und sich fragen: „Wohin sind die Christen verschwunden?“ An diesem schrecklichen Tag werden die nicht geretteten Menschen „trauern“. Warum? Weil ihre lieben Verwandten verschwunden sind? Nein! Sondern weil Jesus Christus plötzlich erschienen ist und sie ihre letzte Gelegenheit zur Vorbereitung vertan haben. Dann ist es zu spät. Sie sind in Ewigkeit verloren. Der Absatz lässt sich auch mit den Worten des Paulus in 1. Thessalonicher 4,16–17 in Einklang bringen. So wie Paulus uns eine Beschreibung gegeben hat von dem, was geschehen wird, wenn wahre Gläubige „entrückt“ werden, so hat uns auch Jesus gesagt, dass sein Kommen ein sehr geräuschvolles Ereignis sein wird, das ein lautes Widerhallen des „starken Schalls der Posaune“ im gesamten Himmelsbereich einschließt. Wenn dieser schallende Trompetenstoß gehört wird, werden Scharen von strahlenden Engeln in die verschmutzte Atmosphäre der Erde heruntersteigen, den Globus umkreisen, „und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende“. So werden wahre Gläubige in die Luft „entrückt werden“. Und nun verpassen Sie Folgendes nicht: Diese sind genau die gleichen Grundlagen, über die Paulus in 1. Thessalonicher 4,17 geschrieben hat! In beiden Bibelstellen, Matthäus 24,30–31 und 1. Thessalonicher 4,16–17, lesen wir etwas über Wolken, Lärm, eine laute Posaune, ein Einsammeln und über wahre Gläubige, die in den Himmel emporgehoben werden. Wenn wir diese Abschnitte nebeneinander stellen – vorurteilsfrei und ohne vorgefasste Meinungen –, dann erkennen wir doch eine Botschaft, die zwingend, unabwendbar und unwiderlegbar ist. Beide Stellen verweisen auf ein lautes, höchst sichtbares und herrliches zweites Kommen Jesu Christi!
DIE ANKUNFT UND DAS WIMPERNZUCKEN / 31 Zurück zu Matthäus 24 – der, welcher selbst die Wahrheit ist, spricht weiter: Von jenem Tage und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel in den Himmeln, sondern mein Vater allein. Aber wie die Tage Noahs waren, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Denn wie sie in den Tagen vor der Flut waren: sie aßen und tranken, sie heirateten und verheirateten, bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging, und sie es nicht erkannten, bis die Flut kam und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Dann werden zwei auf dem Feld sein, einer wird genommen und einer gelassen; zwei Frauen werden an dem Mühlstein mahlen, eine wird genommen und eine wird gelassen. Wacht also, denn ihr wisst nicht, zu welcher Stunde euer Herr kommt. Das aber erkennt: Wenn der Hausherr gewusst hätte, in welcher Wache der Dieb komme, so hätte er wohl gewacht und nicht zugelassen, dass in sein Haus eingebrochen würde. Deshalb seid auch ihr bereit; denn in der Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen (Mt. 24,36–44).
An dieser Stelle vergleicht Jesus seine Rückkehr mit dem plötzlichen Herabfallen von Milliarden Tonnen Wassers auf verlorene Sünder in den Tagen Noahs. Diese Menschen aus uralter Zeit dachten, dass Noah ein verrückter alter Mann wäre, „bis die Flut kam und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein“ (Mt. 24,39). Und welches griechische Wort wird hier wieder für die „Ankunft“ gebraucht? Glauben Sie mir nicht einfach, schauen Sie nach. Das Wort heißt parousia, und wird, wie wir schon bewiesen haben, unmissverständlich für das höchst sichtbare zweite Kommen Jesu Christi gebraucht. Beachten Sie jetzt, dass Jesus sofort, nachdem er seine „Parusie“ in Vers 39 beschrieben hat, in einem Atemzug fortfuhr: „Dann werden zwei auf dem Feld sein, einer wird genommen, einer wird gelassen“ (V. 40). Denken Sie daran, dass das der Vers ist, der am zweithäufigsten zitiert wird, um die Lehre einer geheimen Entrückung zu stützen. Angeblich sollen, wenn Vers 40 in Erfüllung geht, diejenigen, die „genommen“ werden, spurlos verschwinden, und nur ihre Kleidung, Schuhe, ihre falschen Zähne und Eheringe hinterlassen. Auf der andern Seite müssen die, die „zurückgelassen“ werden, eine schreckenerregende siebenjährige Trübsalszeit durchmachen und dem Antichrist gegenüberstehen. Nur – hat Jesus Christus das wirklich gesagt?
32 / DER ENDZEITWAHN Wir müssen uns nicht auf Gelehrte verlassen, um die Antwort zu finden. In der Tat ist es niemals sicher, sich auf irgendeinen Menschen zu verlassen, ganz gleich wie schlagfertig und gebildet er auch sein mag. Christen sollte niemals beigebracht werden, sich einzig und allein auf Tim LaHaye, John Walvoord, Thomas Ice, Hal Lindsey, Jack Van Impe, Grant Jeffrey, Chuck Smith, John Hagee oder irgendeinen anderen populären Bibellehrer – Steve Wohlberg eingeschlossen – zu berufen. Wir alle sollten unsere eigene Bibel aufschlagen, unsere eigene Konkordanz zur Hand nehmen und selbst herausfinden, was die Wahrheit ist. Wenn Sie bereit sind, das zu tun, werden Sie sicherlich Folgendes feststellen: Gläubige werden bei seinem „Kommen“ (der Parusie, V. 39) „genommen“ (V. 40), was die Bibel klar auf die laute, sichtbare und herrliche Erscheinung Jesu Christi an genau dem Ende der Welt bezieht (s. Mt. 24,3.27.30–31.39). Im Wesentlichen sagte Jesus: „… wird es sein wie zu Noahs Zeit“ (GN, s. Vs. 37–39). Nun überlegen Sie. Sind Noah und seine Familie vor der Flut verschwunden? Nein, sie gingen für alle sichtbar in die Arche. Und was war mit denen, die zurückblieben, nachdem die Tür der Arche geschlossen wurde? Bekamen sie eine zweite Gelegenheit? Wiederum nein! Wie blieben sie zurück? Sie blieben tot zurück; sie konnten nicht entfliehen. Nachdem er gesagt hatte: „… bis die Flut kam und alle wegraffte“, machte Jesus seine so kraftvolle Aussage: „… so wird auch die Ankunft (Parusie) des Sohnes des Menschen sein“ (V. 39). Und dann sagte Christus sofort anschließend: „Dann werden zwei auf dem Felde sein, einer wird genommen, und einer wird gelassen“ (V. 40). Wenn man diese Worte sorgfältig studiert, bleibt kein Raum für die Finale-Märchen über „Gläubige der Trübsalszeit“, die dem Antichrist während einer siebenjährigen Periode, die der Entrückung folgen soll, widerstehen. Warum nicht? Weil die, die „genommen“ werden, während des „Kommens“ oder der Parusie hinweggenommen werden, und das ist das endgültige zweite Kommen Jesu Christi! Unmittelbar nachdem er gesagt hatte, „einer wird genommen und einer gelassen“, hat dann der König der Könige sein zweites Kommen mit dem plötzlichen Erscheinen eines Diebes um Mitternacht verglichen, genauso wie Paulus in 1. Thessalonicher 5,2–3. Christus sagte: „Das aber erkennt, wenn der Hausherr gewusst hätte, in welcher Wache der Dieb kommt, so hätte er wohl gewacht und nicht zugelassen, dass in
DIE ANKUNFT UND DAS WIMPERNZUCKEN / 33 sein Haus eingebrochen wird. Deshalb seid auch ihr bereit! Denn in der Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen“ (Mt. 24,43–44). Zu „wachen“ bedeutet nicht, endlos viel Zeit vor dem Fernsehapparat zu verbringen, auch bedeutet es nicht, populäre Filme über die Endzeit anzuschauen, welche von der Wahrheit abweichen. Eher bedeutet es, auf der Hut zu sein vor satanischen Verführungen und Endzeitmythen. Matthäus 24 und 1. Thessalonicher 5 passen so vollkommen zusammen wie Adam und Eva vor dem Sündenfall. Beide Stellen beschreiben eine laute, höchst sichtbare, von Posaunenschall erfüllte und glorreiche Rückkehr Jesu Christi in den Wolken. Beide Stellen beschreiben, wie Gläubige in die Luft emporgehoben werden. Beide Stellen sagen aus, dass dieser Tag so unvorhergesehen wie bei einem Dieb über alle schlafenden Sünder kommen wird. Zur Zeit Noahs, als die Wassermassen herunterkrachten, gab es für die, die sich geweigert hatten, in die Arche zu gehen, keine zweite Gelegenheit. Gleicherweise sagte Paulus, dass die Verlorenen „nicht entfliehen werden“. Und Paulus und Matthäus gebrauchen beide das gleiche griechische Wort, um diesen großen und ungemein mächtigen „Tag des Herrn“ zu beschreiben. Schauen Sie in Ihre Konkordanz. Es ist das Wort parousia, das sich klar auf Christi zweites Kommen bezieht. Wahren Gläubigen wird ans Herz gelegt zu wachen und bereit zu sein, allen raffinierten, heimlichtuerischen, teuflischen Tricks auszuweichen. Bevor wir dieses Kapitel beenden, lassen Sie uns noch eine Stelle anschauen, die ein Ereignis beschreibt, von dem vorausgesagt wird, dass es so schnell eintrifft, „wie man mit der Wimper zuckt“ (1. Kor. 15,52; GN). Das ist wahrscheinlich der am dritthäufigsten zitierte „Pro-Entrückungs-Vers“, der gebraucht wird, um die Vorstellung von verschwindenden Christen zu untermauern, was noch vor einer Angst einflößenden siebenjährigen Trübsal geschehen soll. Wir sind bereits – mit Blick auf unseren biblischen „Tacho“ – langsamer geworden, doch dieses Mal müssen wir mit quietschenden Reifen zum Stehen kommen. Zusammenhang, Zusammenhang, Zusammenhang – so heißt die Sicherheitszone. Beachten Sie genau, was Paulus wirklich geschrieben hat: Ich sage euch jetzt ein Geheimnis: Wir werden nicht alle sterben. Aber wenn die Posaune den Richter der Welt ankündigt, werden wir alle verwandelt. Das geht so schnell, wie man
34 / DER ENDZEITWAHN mit der Wimper zuckt. Wenn die Posaune ertönt, werden die Verstorbenen zu unvergänglichem Leben erweckt. Wir aber, die wir dann noch am Leben sind, bekommen einen neuen Körper (1. Kor. 15,51–52; GN).
Will Paulus sagen, dass Gläubige eines Tages verschwinden werden, während ihre Verwandten mit den Wimpern zucken? Wohl kaum. Er sagt einfach, dass die Toten auferweckt werden und unsere sündhaften Leiber verwandelt werden, und zwar so schnell, wie ein Wimpernschlag dauert. Wann wird dieser „Augenblick“ stattfinden? Die Antwort des Paulus ist klar. Er wird sein, wenn „die Posaune den Richter der Welt ankündigt“, wenn „die Posaune ertönt“, das heißt genau am Ende der Welt. Das ist genau derselbe „starke Posaunenschall“, der, wie Jesus Christus sagte, gehört werden wird, wenn er am Ende seine leuchtenden Engelfreunde aussendet, um sein Volk bei seinem zweiten Kommen zu versammeln (s. Mt. 24,31). Zusammengefasst beweist das Parusie-Prinzip (unterstützt durch den Zusammenhang von Matthäus 24), dass das Ereignis, „da einer genommen wird“, bei dem letzten zweiten Kommen Jesu Christi geschieht. Und auf den vollen Zusammenhang von 1. Korinther 15,52 gegründet, geschieht der Moment, der so schnell eintrifft, „wie man mit der Wimper zuckt“, gleichermaßen am Ende des Zeitalters. Um den 15. April herum müssen auch Christen in den USA manchmal bei der amerikanischen Steuerbehörde einen Antrag auf Verlängerung der Frist zur Abgabe ihrer Steuererklärung stellen. Ich habe das auch schon getan. Solch eine Verschiebung des Abgabetermins ist erlaubt und wird gewöhnlich auch bewilligt. Aber eine siebenjährige Verschiebung bei den Worten Jesu Christi in Matthäus 24,40 oder der Botschaft des Paulus in 1. Korinther 15,52 hinzuzufügen, ist offen gesagt eine endzeitliche Verirrung. Ein Pastor hatte sich den Ruf erworben, seinen Gemeindegliedern in Zeiten großer Anfechtung immer zu sagen: „Es könnte noch schlimmer sein.“ Eines Tages erzählte ihm eine betrübte Seele: „Letzte Nacht habe ich geträumt, dass Jesus mit strahlenden Engeln in den Wolken erschien. Das Furchtbare dabei war: Ich war verloren!“ Dieser Mann erwartete Aufmunterung, doch der Pastor gab eine schockierende Antwort: „Es könnte noch schlimmer sein.“ „Was sagt er da?“, dachte der Mann ungläubig. „Was könnte denn noch schlimmer sein?“ In feierlichem Ernst flüsterte ihm sein Pastor zu: „Es wäre noch schlimmer, wenn es kein Traum gewesen wäre.“
DIE ANKUNFT UND DAS WIMPERNZUCKEN / 35 Wie wahr! Glücklicherweise sind die liebevollen Arme Jesu Christi für Sünder immer noch offen. Lassen Sie uns rechtzeitig auf die Güte Gottes und auf die flehende Stimme des Gekreuzigten eingehen! Seine sichtbare Wiederkehr ist kein Traum.
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KAPITEL 3
WIRD GOTTES GEMEINDE DER TRÜBSALSZEIT ENTFLIEHEN? Die Kronen, die im Himmel getragen werden und die am meisten funkeln, sind erprobt, geschmolzen und poliert und durch die Schmelzöfen der Trübsal verherrlicht worden. EDWIN HUBBEL CHAPIN (1840–1880)
Mit dem „Entrückungspaket“ gehen diese beiden Konzepte einher: 1. Die Gemeinde Jesu Christi wird der „Trübsalszeit“ entkommen. 2. Die Menschen, die die Entrückung verpassen, werden eine zweite Gelegenheit der Errettung bekommen. Abgesehen von dem, was die Bibel tatsächlich über Punkt 1 lehrt, kann Punkt 2, wenn man es sich überlegt, gefährlich werden. Einige mögen logisch folgern: „Wenn die Entrückung stattfindet, dann weiß ich, dass Gott real ist. Auch wenn es in dieser Zeit hart zugehen mag, kann ich dennoch während der Trübsalszeit Christ werden und diesem Antichrist-Burschen widerstehen!“ Auf diese Weise mögen Sünder, die eine träge und abwartende Haltung einnehmen, ihre Entscheidung, gerade jetzt umzukehren und Jesus nachzufolgen, aufschieben.