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Chuck & Karen Cohen

Heimkehr zu den Wurzeln

Azar GbR, Schwarzauer Str. 56, 83308 Trostberg www.azarnet.de


„... ich diene dem Gott meiner Väter, indem ich allem glaube, was in dem Gesetz und in den Propheten geschrieben steht.“ Apg. 24,14

Die englische Ausgabe erscheint unter dem Titel „Homecoming: Our Return to Biblical Roots“ beim Verlag Sovereign World, Lancaster, England © Copyright 2002 by Chuck and Karen Cohen Die englische Ausgabe erscheint unter dem Titel „Home to the roots of our Deutsche faith“ beim Übersetzung: Verlag Sovereign World, Lancaster, England ©© Copyright 2014 Azar2002 GbRby Chuck and Karen Cohen

Schwarzauer Str. 56, 83308 Trostberg, Deutschland VLM-Paperback www.azarnet.de Bestell-Nr. 549 120 ISBN Alle 978-3-921113-20-2 Rechte vorbehalten Internet: www.vlm-liebenzell.de 2. Auflage: 2007 E-Mail: vlm@liebenzell.de 3. Auflage 2014 2. stark überarbeitete und erweiterte Auflage 2007 ISBN 978-3-944603-01-8 © Copyright 2007 der deutschen Ausgabe by Verlag der Liebenzeller Mission,Die 75378 Liebenzell erste Bad englische Auflage dieses Buches erschien unter dem Titel „Roots of our Übersetzung: Lars Kilian Publishing Faith“ bei CFI-Jerusalem Die erste englische Auflage dieses Buchs erschien unter dem Titel „Roots of Übersetzung: LarsJerusaelm Kilian Publishing our Faith” bei CFI Umschlag: Ewald Sutter, Azar GbR Trostberg Umschlaggestaltung: Design-Studio Henri Oetjen, Lemgo Herstellung: Finidr, Cesky Tesin/EU Umgschlagfoto: © Subbotina | Dreamstime.com Druck: CPI books GmbH, 25917 Leck


Inhalt Danksagungen ............................................................................7 Vorwort .....................................................................................9 Einleitung ................................................................................11 Prolog .......................................................................................14 TEIL I: Lehren .......................................................................17 Ist das Alte Testament heute immer noch das Wort Gottes?....19 Das Wesen Gottes im Alten Testament....................................29 Rettung im Tanach: Passah .....................................................50 Rettung im Tanach: Gnade und Glauben ................................59 Lehren im Tanach: Sünde, Blut, Sühne ...................................71 Tag der Sühne: Yom Kippur ....................................................79 Die Wiedergeburt ....................................................................94 TEIL II: Lehrer .................................................................. 103 Der Prophet wie Mose ...........................................................105 Das Evangelium nach dem Tanach ....................................... 125 Das Kreuz im Tanach: Teil 1 ................................................135 Das Kreuz im Tanach: Teil 2 ................................................146 Das Kreuz im Tanach: Teil 3 ................................................159 Die Auferstehung ..................................................................175 Der Messias ist Gott ..............................................................184 Der Heilige Geist im Tanach: Teil 1 .....................................219 Der Heilige Geist im Tanach: Teil 2 .....................................228 Der Heilige Geist im Tanach: Teil 3 .....................................238 TEIL III: Lernende .............................................................253 Die Braut im Tanach ............................................................255 Israel und unsere Errettung ....................................................268 Dein Volk ist mein Volk: Teil 1 ............................................279 Dein Volk ist mein Volk: Teil 2 ............................................289 304 Nachwort ...............................................................................304 306 Glossar ..................................................................................307 308 Begriffsregister ......................................................................309 Bibelstellenregister ................................................................321


Danksagungen Wir loben Gott für den Einfluss seiner unschätzbaren Gnade und seines Erbarmens in unserem Leben, angefangen durch die Gebete der Familie Graziano, als unsere Augen für den Ruf und Anspruch Yeshuas geöffnet wurden. Ihre Liebe zu uns und ihre offenen Arme reizten uns zur Eifersucht. Unsere ehemalige Gemeinde in den USA, Temple Aron haKodesh, in denen Yosef und Marty Koelner – Freunde, die wir nicht oft genug treffen – viele Jahre lang als Pastoren dienten, hat uns auch auf vielerlei Weise fruchtbar unterstützt. Neil und Jamie Lash und all die „Jewish Jewels“ [„Jüdische Juwelen“] fallen in die selbe Kategorie; sie haben uns persönlich beigestanden und uns mit ihrer Zeit, Energie und den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln geholfen – eine echte Mischpoche! Und besonders danken wir unserer gegenwärtigen Gemeinde – der King of Kings Assembly –, Pastor Wayne Hilsden, seiner Frau Ann und ihrer Familie, sowie dem treuen Mitarbeiterteam für ihre Liebe, Ermutigung und ihre Gebete. Großer Dank geht auch an Ray und Sharon Sanders von Christian Friends of Israel, die unsere Vision für „Wurzeln“ geteilt haben, die unsere Bücher erst möglich machen und ihren Herzenswunsch, die Zeit mit ihrer Geduld auszukaufen, vorsichtig ausgleichen. Dank auch an ihre treuen Mitarbeiter, vor allem an Norma Megson, die „alles zusammengebracht“ hat. Wir sind Marita Brokenshaw dankbar für ihre Bereitschaft, ihr Fachwissen und ihre Erfahrung von Anfang an mit uns zu teilen. Wir haben auch Liz Baxter nicht vergessen, die zusammen mit Marita an unserem ersten Buch so eifrig mitgearbeitet hat. Dank geht auch an Coral Mings für das viele Korrekturlesen. Es gibt noch andere, denen wir für ihre Beiträge auf andere Arten Dank schulden – zum Beispiel Walter C. Kaiser Jr., dessen Lehren und Bücher ein einflussreicher Teil dieses Buches geworden sind – tatsächlich wurden wir dadurch angespornt, der Wichtigkeit solider Theologie noch größere Beachtung zu schenken. Wir lieben und schätzen unsere beiden Söhne Michael und Jedidiah, die mit uns auskommen mussten, während wir an diesem Buch arbeiteten. Abgesehen von Reparationen verdie77


nen sie ein riesengroßes Dankeschön dafür, dass sie während des gesamten Prozesses fortfuhren, uns zu lieben, für uns zu beten und uns zu unterstützen. Und schließlich: Danke, Yeshua, geliebter Messias und Herr, dass du uns in deine Heilige Stadt gebracht und ein Verlangen in unsere Herzen und in die aller dieser Freunde und unserer Familie gelegt hast, unser Volk zur Eifersucht zu reizen.

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Vorwort

Aufgrund der Substitutionstheologie ist heute nur wenig jüdischer Einfluss auf die Gemeinde Jesu geblieben. Viele nichtjüdische Gläubige halten das Christentum für einen Ersatz des Judentums und gehen davon aus, dass „jüdische Wurzeln“ unwichtig seien. Das Gegenteil ist der Fall: Alles, was die Gemeinde heute besitzt, ist durch das jüdische Volk gekommen. Das Buch Heimkehr zu den Wurzeln von Ehepaar Cohen wird uns helfen, die geistliche Verbindung zwischen der Gemeinde und Israel neu zu entdecken. Zu diesem Zweck stellt es das Wissen der biblischen Wurzeln des Christentums wieder her. Als theologisch unbestreitbares Werk wird dieses Buch Gläubigen helfen, die ein solides und reiferes, Messiaszentriertes Leben aufbauen möchten. Wir wissen, dass Gläubige, die es lesen, vor der Herausforderung stehen werden, ihre Beziehung mit dem Gott Israels zu vertiefen. In der Bibel ist Rut ein Bild dafür, wie unsere Beziehung zu Israel aussehen sollte. Gott verhüte, dass die Gemeinde dem Weg Orpas folgt, die Noomi (Israel) verließ. Wie Rut müssen wir uns an Noomi klammern (an Israel und unsere biblischen Wurzeln) – andernfalls verspielen wir einen großen geistlichen Segen in unserem Leben und im Leben der weltweiten Gemeinde. Denken Sie beim Lesen und Studieren dieses Buches daran, dass noch viele andere Gläubige überall auf der Welt ihr biblisches Fundament wieder entdecken und neu beanspruchen werden. Eine der größten Bewegungen des Heiligen Geistes in der heutigen Gemeinde besteht in einer Vorbereitung auf die Wiederherstellung aller Dinge – eine Vorbereitung auf die Wiederherstellung eines biblischen Verständnisses für die Fundamente unseres Glaubens.

Ray und Sharon Sanders, Direktoren Christian Friends of Israel, Jerusalem

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Verwendete jüdisch-messianische Begriffe und Bibelübersetzungen Messias = Christus Yeshua (sprich: Jeschua) = Jesus Tanach = Altes Testament Nationen [in Rev. Elberfelder Bibel] = Nichtjuden, Heiden Sofern nicht anders angegeben, stammen sämtliche Bibelzitate aus der Revidierten Fassung der Elberfelder Übersetzung. Die Bibel, Elberfelder Übersetzung © 1985/1991/2006, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal Wenn nötig, wurden die Stellen vom Übersetzer ganz oder teilweise wörtlich aus dem Englischen übernommen, wo dem Autor die King-James-Bibel von 1611 vorlag. Dies wurde durch die Abkürzung KJV nach der Stelle gekennzeichnet. Wenn die revidierte Fassung dieser Bibel verwendet wurde, lautet die Abkürzung NKJV. Einige Worte und Sätze innerhalb von Bibelzitaten wurden zur Betonung durch Fett- oder Kursivdruck hervorgehoben. Eingeklammerte Worte innerhalb der Bibelzitate stammen vom Autor. Fremdwörter werden am Ende des Buches kurz erklärt.

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Einleitung Chuck saß im Flugzeug auf dem Weg zu einer Isaelkonferenz am „Christ for the Nations Institute“ in Dallas, Texas. Der Herr sagte ihm in etwa: „Wenn du mit dem Lehren fertig bist, wird dich jemand fragen, wo du studiert, welches Seminar du besucht und welche Bücher du gelesen hast, um die Heilige Schrift so zu sehen, wie du sie siehst. Und das sollst du ihm antworten.“ Nach Chucks erster Lehreinheit kam tatsächlich ein junger Mann zu ihm und stellte genau diese Frage. Chuck antwortete: „Sie sind der, von dem Gott zu mir gesprochen hat. Und das soll ich Ihnen antworten: Ich lese die Bibel einfach von Anfang an!“ Viele Gläubige denken insgeheim, ihre Bibel beginne mit Matthäus. Sie bekennen vielleicht mit den Lippen die Tatsache, dass das Alte Testament Teil des Wortes Gottes ist, aber wenn sie wirklich an seine Gültigkeit für heute glaubten, würde der als „Substitutionstheologie“1 bekannte große Betrug in der Gemeinde nicht so grassieren. Im zweiten Jahrhundert löste sich die Kirche offiziell von allem Jüdischen. Seit dieser Zeit wird ihre Theologie von einer gefährlichen Mischung aus Wahrheit und Irrtum regiert.

Wir betrachten die Schrift anders als viele Gläubige. Chuck ist Jude. Nachdem Yeshua sich ihm offenbart hatte, brauchte er die Rückversicherung, dass das, was er jetzt vom Messias Israels glaubte, sich mit der Heiligen Schrift Israels, dem Tanach, vereinbaren ließ. Viele Gläubige sind gelehrt worden, das Alte Testament durch die Augen des Neuen Testaments zu betrachten. Aber wir betrachten das Neue Testament durch die Augen des Alten. Das taten auch Yeshua, seine Jünger, Paulus und der Leib des Mes-

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Substitutionstheologie entsteht aus dem Stolz, vor dem Paulus nichtjüdische Gläubige in Römer 11 warnt. Ihre Anhänger glauben, dass das Volk Israel durch die Kirche bzw. Gemeinde ersetzt wurde, die nun als Volk Gottes allen Segen ererbt, während die Flüche Israel treffen. Bei dieser Vorstellung ist die einzige Möglichkeit für einen Juden, mit dem Gott des (geistlichen) Israel – d. h. mit dem Gott der Kirche – eine Verbindung zu haben, Christ zu werden und jegliche jüdische Tradition zu vernachlässigen.

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sias im ersten Jahrhundert. Sie hatten keine Wahl – sie besaßen nur den Tanach, um zu beweisen, dass das, was sie sagten, von Gott stammte. Nach der aliyah und dem Leben im wiederhergestellten Jerusalem in der auferstandenen Nation Israel vertrauen wir auf das Wort des Gottes Israels von 1.Mose an. Unser theologischer Standpunkt ist ganzheitlich. Wir sind nicht neutestamentliche Gläubige – wir sind Bibelgläubige. Unsere Bibel beginnt mit 1.Mose und geht weiter bis zum letzten Wort der Offenbarung. Trotzdem erkennen wir die Wahrheit fortschreitender Offenbarung. Oft wirft Gottes Offenbarung zu einem späteren Zeitpunkt in der Schrift, vor allem im Neuen Testament, mehr Licht auf den Tanach. Aber sie steht nicht im Gegensatz dazu. Gott ändert sich nicht; er entscheidet auch nicht, dass „Plan A“ nichts taugt. Gott ist allwissend und weiß alles im Voraus. Sein Plan ist von Anfang bis Ende vorbereitet – er braucht nichts zu ändern. Tatsächlich sagt er das im Tanach: „Denn ich bin der HERR, ich wandle mich nicht; deshalb seid ihr Söhne Jakobs nicht verzehrt worden“ (Mal. 3,6, KJV). Das Neue Testament schafft Klarheit über bestimmte Dinge, die schon früher verkündet wurden. Chuck sah ein wunderbares Beispiel dafür, als er an einem teilweise bewölkten Tag draußen saß. Er betrachtete den schwachen Schatten eines Baumes. Dann brach die Sonne durch, und der Schatten des Baumes wurde so scharf, dass Chuck sogar die Umrisse einzelner Blätter erkennen konnte. Teile des Alten Testaments (vor allem die Rituale und Feste des Gesetzes) waren Schatten der guten Dinge, die kommen sollten (Kol. 2,17; Hebr. 8,5; 10,1). Doch als der Messias Yeshua erschien und vollendete, was sein Vater ihm zugewiesen hatte, verschwanden die Schatten nicht – tatsächlich wurden sie deutlicher, verständlich und erbaulich. Unser Wunsch ist es, dass Sie durch das Studium dieses Buches „bibelgläubig“ werden und so tiefe Tanach-Wurzeln im Wort Gottes haben, dass die verschiedenen Winde der Lehre, die in den letzten Tagen durch die Gemeinde blasen werden, Sie nicht werden entwurzeln können. „Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, 12


den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht. Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm“ (Ps. 1,1-3).

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Prolog Die alten Israeliten waren nicht berühmte Seefahrer wie ihre wetteifernden Nachbarn. Im Gegensatz zu den Phöniziern, Griechen, Ägyptern und Römern, die zur See fuhren, Neues entdeckten und auf drei Kontinenten die Grenzen festlegten, hatten die Israeliten ihr Verheißenes Land schon betreten. Jahrtausende nach Noah sollten die Heiden, die fleißig die Erde eroberten und heidnisierten, einen Ruf aus jenem Verheißenen Land hören. Dieser Ruf sollte sie auf eine geistliche Reise zurück zur Quelle des ewigen Lebens in dem Einen, im wahren Gott führen. In den vergangenen zweitausend Jahren haben viele von ihnen diesem Ruf Folge geleistet. Wir haben dieses Buch geschrieben, um alle Reisenden auf ihrem Weg zurück nach Hause zu ermutigen. Ihre Wanderung ist einer Seereise ähnlich – eine angemessene Illustration für die zahllosen Nachkommen jener antiken Seefahrer, diese Völker, deren seltsam anmutenden Fahrzeuge heute zwischen den Planeten verkehren. Hier ist diese Illustration – etwas wie ein Gleichnis – basierend auf Psalm 107,23-31. Gott schuf den Menschen nicht und ließ ihn dann wie einen schiffbrüchigen Matrosen zurück, der sich auf rauer See an einem Stück Treibholz festklammert. Er kommt längsseits und bietet uns Unterkunft und Verpflegung in seiner „Arche“ der Sicherheit an – dem Messias, der sowohl Schiff als auch Kapitän ist. Obwohl Noahs Arche weder Ruder noch Segel hatte, verfügt das Schiff des Messias über beides. Um die Segel zu füllen, schickt er seinen Atem – den Heiligen Geist. Und um das Schiff zu steuern, hat er eine Mannschaft hineingesetzt. Aber das ist keine Ferienkreuzfahrt. Nicht ein einziger zahlender Passagier lustwandelt nach eigenem Gutdünken an Deck. Alle, die das Angebot des Messias, an Bord zu kommen, angenommen haben, werden zu Crewmitgliedern. Aber wohin segelt das Schiff, und warum? Um diese Fragen zu beantworten, hat Gott sicher seine Karten und seinen Kompass an Bord verstaut – die Heilige Schrift. Das „+“ auf der Karte bezeichnet den Baum des Lebens im Verheißenen Land. Der Kapitän selbst hat die Route blutrot eingezeichnet. 14


Als seine Mannschaft sind wir mit der wichtigsten und herausforderndsten Aufgabe aller Zeiten unterwegs. Das goldene Vlies, der Jungbrunnen, der Heilige Gral, der Heimatplanet – alles Phantome und Schatten. Wir nehmen statt dessen Kurs auf die Wirklichkeit, die Wahrheit und das Ewige. Diese möchte Gott mit uns teilen. Weil er weiß, was gut für uns ist, sollten wir ihn ernst nehmen; wir sollten die Schrift studieren, um gut navigieren zu können, dem Kapitän gehorchen und lernen, wie sich das Schiff verhält. Und eines Tages werden wir dank seiner Treue ein wunderbares Land betreten und den ewigen Baum des Lebens in seiner Fülle schauen. Wir kommen jedoch während der Reise diesem Ziel nur näher, indem wir korrekt anwenden, was wir beim Studium der Seekarten gelernt haben – und indem wir unsere manchmal mühsamen Aufgaben an Bord ohne Murren in Angriff nehmen. Eine unserer wichtigsten Pflichten, die leicht von anderen Dingen verdrängt wird, ist es, die Einheit des Schiffes zu wahren und sicherzustellen, dass es wasserdicht und seetüchtig bleibt. Das ist eine grundlegende Pflicht, und sie verlangt genaue Kenntnis der äußerst einzigartigen Eigenschaften des Holzes, aus dem unser Schiff gebaut ist. Wir entdecken bald, dass die selbe Art von Holz beim Bau unseres Schiffes Verwendung fand, die auch zur Herstellung unserer Seekarten verwendet wurde! Sollte es uns überraschen, auch zu wissen, dass dieses Holz vom Baum des Lebens selbst stammt? Es scheint, unsere Mittel und unser Ziel seien ein und das selbe! So lasst uns nun anfangen, gute Seemannschaft zu erwerben, indem wir diesen Baum untersuchen, von dem unsere ganze Aufgabe abhängt. Es ist ein uralter Ölbaum, immer grün ...

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Teil I Lehren Als Glieder des Leibes des Messias haben wir eine Bundesverpflichtung, in unserem Glauben fest zu werden. Jede wichtige Lehre des Neuen Testaments hat Wurzeln tief im Tanach. Um diese Lehren ganz und gar verstehen zu können, müssen wir in ihrer hebräischen Erde graben. Nur, wenn wir durch das ganze Wort Gottes ernährt werden, können wir den Sturm überdauern.

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Kapitel 1

Ist das Alte Testament immer noch das Wort Gottes? In Römer 112 vergleicht der Apostel Paulus Gläubige an Yeshua mit einem Teil des Ölbaumes. Da ein Baum tief reichende Wurzeln braucht, um starken Winden widerstehen zu können, braucht auch unsere Glaubensgemeinschaft „tief reichende Wurzeln“. Die Heilige Schrift enthält Warnungen vor vielen Verführungen der Letzten Tage und vor „Winden“ falscher Lehren, die gegen die Gemeinde Yeshuas blasen werden.3 Wir brauchen die gesamte Offenbarung Gottes, um die Wurzeln unseres Glaubens zu stärken – sowohl auf unserem täglichen Weg als auch in unserer Theologie, „denn wir sollen nicht mehr Unmündige [Kinder] sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die [leichte] Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum“ (Eph. 4,14). Wenn wir uns als Teil dieses Ölbaums aus Römer 11 sehen, dann ist der Geist Gottes der Leben bringende Saft, der Nahrung und Wasser von unseren Wurzeln im Tanach zu den Zweigen der Gläubigen bringt, die voller Früchte hängen. Ein teilweise entwurzelter Baum ist von einem Großteil seiner Kraft abgeschnitten. Traurigerweise spiegeln Wurzeln ohne Erde den Zustand eines Großteils der organisierten Kirche in ihrer Geschichte wider. Viele alte und immer wieder auftauchende Irrlehren wie Gnostizismus und Substitutions-„Theologie“ rühren von einem falschen Verständnis oder einer falschen Verwendung des Wortes Gottes im Tanach her. Daher ist es von größter Wichtigkeit, die Gültigkeit des Alten Testaments für unseren Weg mit Gott heute anzuerkennen, damit wir geistlich reifen können – es ist die Frontlinie unserer Verteidigung gegen die Verführungen der Endzeit. Bedenken Sie, dass es zu der Zeit, als unser Messias auf der 2 3

Röm. 11,1-6. Mt. 24,4-5.11.24; Röm. 16,17-18; 2.Thess. 2,2-4.

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Erde wandelte, kein Neues Testament gab. Als Petrus an Pfingsten (Shavuot) zu seinen Mitjuden predigte, predigte er aus dem Tanach. Als Yeshua Satan in der Wüste widerstand, zitierte er drei mal aus dem „Gesetz des Mose“ (5.Mose), und der Teufel zog sich zurück!4 Als Paulus zu den Heiden predigte, benutzte er nur den Tanach. Tatsächlich verwendet Paulus allein im Römerbrief fast sechzig Mal alttestamentliche Verse oder bezieht sich darauf, um „neutestamentliche“ Lehren zu bestätigen Das deutet darauf hin, dass die Grundlage für Paulus’ Lehre wie auch die prophetischen Zeichen, die den Messias bestätigen, im Tanach zu finden waren. Fragen und Antworten Hier sind einige lebensnotwendige Fragen, auf die Gläubige die biblischen Antworten wissen müssen. Vertrauen wir auf und rechtfertigen wir unseren Glauben mit der selben Heiligen Schrift, mit der Yeshua, die Apostel und die ersten Gläubigen das taten? Wenn der Tanach damals das Wort Gottes war, ist er auch heute noch das Wort Gottes? Ist er für uns heute genauso das Wort Gottes wie im Neuen Testament? Um die totale Offenbarung zu verstehen, die Gott von sich selbst gegeben hat, müssen die Antworten auf diese Fragen in unserem Kopf und in unserem Herzen klar beantwortet sein. Wie oft haben Sie jemanden sagen hören oder vielleicht auch selbst gesagt: „Ich bin ein neutestamentlicher Gläubiger“? Persönlich deuten wir lieber nicht an, dass wir von unseren Wurzeln abgeschnitten sind. Wir sind Bibelgläubige. Wir erkennen, dass die niedergeschriebene Offenbarung Gottes mit 1.Mose 1,1 beginnt und sich bis ans Ende des Buches der Offenbarung erstreckt. Wenn 1.Mose 1,1 nicht das Fundament unseres Glaubens ist – das heißt, der Glaube an den Gott, der der Schöpfer ist – dann ist tatsächlich alles andere, was wir glauben, auf Sand gebaut. Historisch gesehen verwendet das Neue Testament den Be4

Alle drei Zitate stammen aus dem selben Buch, 5.Mose: Mt. 4,4 aus 5.Mo. 8,3b; Mt. 4,7 aus 5.Mo. 6,16; Mt. 4,10 aus 5.Mo. 6,13a und/oder 10,20a.

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griff „Schrift“ nur, um sich aufs Alte Testament zu beziehen. Behalten Sie das in Erinnerung, während wir die folgenden Verse betrachten: Johannes 10,35 „... die Schrift kann nicht aufgelöst werden ...“5 Johannes 5,39 „... erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen.“ Die folgende Schriftstelle ist so wichtig, dass wir sie später genauer untersuchen wollen: 2.Timotheus 3,16-17 „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung [Ermahnung], zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig [vollkommen] sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.“ Das Neue Testament sagt dies über das Alte Testament. Wenn der Tanach heute für uns noch das Wort Gottes ist, sollten wir fähig sein, überzeugende Antworten auf die Fragen zu finden: „Wie sieht das Neue Testament den Tanach?“ und „Wie betrachtete Yeshua den Tanach?“ Wie das Neue Testament den Tanach sieht Laut dem hervorragenden Buch „The Uses of the Old Testament in the New“6 von Walter Kaiser Jr. enthält das Neue Testament schätzungsweise 300 direkt zitierte Verse, 200 indirekte Zitate und 1100 neu formulierte oder phrasierte Verse aus dem Tanach. Das Neue Testament benutzt diese 1600 alttestamentlichen Verse zum Beweis dafür, dass Yeshua der verheißene Messias ist, zur Lehre und Unterweisung, zur Ermutigung und Ermahnung. Kaiser weist auf andere Fakten hin, die zeigen, wie die Autoren des Neuen Testaments ihre Bibel – den Tanach – betrachteten. Beispielsweise macht das Neue Testament oft keinen 5

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Dies könnte folgendermaßen übersetzt werden: „Es gibt keine Macht oder Autorität, die das Alte Testament aufheben, umkehren, zerstören, überwältigen, seiner Autorität berauben oder für ungesetzlich erklären könnte“! Walter Kaiser Jr., The Uses of the Old Testament in the New; Moody Press, Chicago, 1985, S. 2-3.

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Unterschied zwischen dem, was Gott sagt, und dem, was der Tanach sagt. Wenn der Tanach etwas sagt, nehmen die Schreiber des Neuen Testaments an, dass Gott der Redende ist, selbst wenn es ihm nicht direkt zugeschrieben wird. Hier sind einige Beispiele. In Apostelgeschichte 4,24b-25 beten die Apostel: „Herr, du bist Gott, der du geschaffen hast Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, der du durch den Mund deines Dieners David gesagt hast: Warum tobten die Heiden [verhielten sich hochmütig] und dachten [planten, verschworen sich] die Völker eitle Dinge?“ (KJV). Die Apostel zitieren aus Psalm 2, der von David geschrieben wurde; aber sie nehmen korrekt an, dass es Gott war, der durch David sprach (siehe hervorgehobene Worte). Paulus sagt in Galater 3,8: „Die Schrift [Tanach] aber, voraussehend, dass Gott die Nationen [Heiden, Nichtjuden] aus Glauben rechtfertigen [für gerecht erklären] werde, verkündigte dem Abraham die gute Botschaft [im] Voraus: „In dir werden gesegnet werden alle Nationen.“7 Paulus stellt fest, dass der Tanach dies sagt, obwohl im Originalbericht Gott selber redet (s. 1.Mo. 12,1-3).8 Wir haben bereits 2.Timotheus 3,16-17 erwähnt, die herausragendste neutestamentliche Stellungnahme zur Relevanz des Tanach für Gläubige. Können wir erfassen, was der Geist Gottes in diesem Abschnitt über den Nutzen des Alten Testaments sagt? Wir wollen den Abschnitt einmal im Detail anschauen. 2. Timotheus 3,16-17 „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur [Ermahnung], zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig [vollkommen] sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.“ „Alle Schrift ...“ beinhaltet heute sowohl das Alte als auch das Neue Testament; aber in historischem Kontext konnte sich Paulus nur auf den Tanach beziehen. 7 8

Das selbe griechische Wort wie vorher in diesem Vers. Hier einige weitere Beispiele: Mt. 19,4-5 und 1.Mo. 1,27; 2,23-24; Röm. 9,17 und 2.Mo. 9,16.

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„Alle Schrift ist von Gott eingegeben ...“ Mit der Verwendung des Wortes „eingegeben“ verkündet Paulus, dass der Tanach von Gott durch den Heiligen Geist eingehaucht wurde und ganz genau so akkurat ist, als ob Gott mit einem Stift geschrieben hätte. Petrus bestätig diese hohe Meinung vom Tanach. Als er über Tanach-Prophetien spricht, sagt er: „... indem ihr zuerst wisst, dass keine Prophetie in der Schrift aus eigener Deutung stammt [ins Leben gerufen wurde]. Denn in alter Zeit kam die Prophetie nicht durch den Willen [oder Wunsch; Vergnügen] des Menschen; sondern heilige Männer Gottes sprachen, wie sie vom Heiligen Geist bewegt [mitgenommen] wurden“ (1.Petr. 1,20-21, KJV). „Alle Schrift ... ist nützlich zur Lehre ...“ „Nützlich“ bedeutet brauchbar, von Vorteil. Unter der direkten Inspiration des Geistes Gottes ermutigt der Apostel Paulus die Gemeinde, den Tanach zu studieren, um ihr Unterweisungs- und Lehrmaterial zu erhalten. Er wusste, dass wir ohne den grundlegenden Teil des Wortes Gottes keine solide Lehre haben können. Ein Beispiel: Wie können wir ganz die Rettung und das Geschehen am Kreuz verstehen, wenn wir nicht Leviticus 16 (Yom Kippur, der Tag der Sühne), Jesaja 53 (der leidende Diener) und die vielen anderen Bilder im Tanach verstehen, die völlig offenbaren, was auf Golgatha geschah?9 „... nützlich zur ... Zurechtweisung [Tadel] ...“ Zurechtweisung oder Tadel ist ein Gnadenakt von Gottes Seite. Ein Beispiel: „Wendet [bereut] ihr euch meiner Mahnung [Tadel] zu, siehe, so will ich meinen Geist euch sprudeln lassen, will euch kundtun meine Worte“ (Spr. 1,23; s. auch 3,11-12). Hat Gottes Geist Sie jemals durch den Tanach zurechtgewiesen? „... nützlich zur ... Zurechtweisung ...“ „Zurechtweisung“ bedeutet wörtlich, wieder in eine aufrechte Haltung oder einen richtigen Zustand zurückgebracht zu werden, verbogene oder verdrehte Dinge zu begradigen Der Tanach kann oft als Werkzeug in der Hand Gottes benutzt werden, um uns zu ihm zurückzubringen, nachdem wir gesündigt haben. „... nützlich zur ... Unterweisung in der Gerechtigkeit ...“ Dieser Satz zeigt die Unterwürfigkeit eines Jüngers unter die Einweisungsregeln seines Lehrers. Er deutet Wachstum von 9

Siehe Kapitel 10, 11 und 12 („Das Kreuz im Tanach“) für eine Auslegung dieses Themas.

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Kindheit zur Reife an, von Schwäche zu Stärke. Bedenken Sie auch, dass diese Gerechtigkeit aus Glauben kommt. Das Neue Testament verwendet fortwährend alttestamentliche Heilige und/oder Verse, um zu beweisen: „Der Gerechte wird durch Glauben leben.“ Dieser Vers findet sich ursprünglich in Habakuk 2,4b.10 Tatsächlich verwendet Paulus in Römer 10,6-8 einen Text aus 5.Mose 30,12-14 um „... die Gerechtigkeit aus Glauben ...“ zu beschreiben. Wir werden das in einem späteren Kapitel intensiver betrachten.11 „... damit der Mensch Gottes richtig [vollkommen, ganz, reif] sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.“ Bei jemandem, der aus dem Heiligen Geist geboren ist, verlangt geistliche Reife das Verstehen des Tanach. Es ist geistliche Überheblichkeit, anzunehmen, dass man Gott und seinen Willen kennen kann und dennoch mehr als 75 Prozent der Selbstoffenbarung, die er uns gegeben hat, nicht zu lesen, zu studieren und zu glauben braucht. Das kann zu einem Missverständnis der Person Gottes führen, und dies ist ein todsicherer Weg zum Tor der Verführung. Vor diesen Versen, in 2 Timotheus 3,14-15, hatte Paulus Timotheus ermutigt: „Bleibe in dem [gehe nicht ab von dem], was du gelernt hast ...“ Das beinhaltet insbesondere „... die heiligen Schriften [das ist der Name des Heiligen Geistes fürs Alte Testament], die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der im Messias Yeshua ist.“ Menschen können gerettet werden (was auch tatsächlich geschieht), indem sie Gottes Wort im Tanach hören oder lesen und erkennen, dass Yeshua der verheißene Messias ist. Wir sollten das Evangelium aus dem Alten Testament predigen können – wie Petrus es an Pfingsten tat. Können Sie die Botschaft des Evangeliums von Yeshua, dem Messias, darlegen, indem Sie nur den Tanach benutzen? Es ist erstaunlich, wie viele jüdische Menschen auf Schriftstellen aus „ihrer“ Bibel hören werden. „Als sie ihm [Paulus] aber einen Tag bestimmt hatten, kamen mehrere zu ihm... denen er das Reich Gottes auslegte und bezeugte. Und er suchte sie zu überzeugen von Yeshua, sowohl aus dem Gesetz Moses als auch den Propheten, von frühmorgens bis zum Abend“ (Apg. 28,23). 10 11

Siehe Röm. 1,16-17; Gal. 3,11; Hebr. 10,38; auch Röm. 4,3 und 10,5-6. Siehe „Rettung durch Glauben im Tanach“ in Kap. 4 und „Gerettet durch Glauben“ in Kap. 9.

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Wie betrachtete der Messias Yeshua den Tanach? Yeshua betrachtete den Tanach als das Wort Gottes. In Matthäus 5,17-18 warnt er uns davor, auch nur zu denken, dass er gekommen sei, ihn aufzulösen; er sagt, dass der Tanach Gottes Wort bleiben wird, bis alles erfüllt ist – das heißt, bis ein neuer Himmel und eine neue Erde gekommen sind (Jes. 65,17). „Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen [zu zerstören, zu unterwerfen oder für nichtig zu erklären]; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen [zu vermehren, zu ergänzen]. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein [kleinster Teil der Buchstaben des Hebräischen Alphabets] von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.“ In Markus 7,1-13 wies Yeshua auf ein ernsthaftes Problem bei der Haltung der Pharisäer gegenüber Gottes Wort hin. In den Versen 7-13 beschuldigte er sie, dass sie Gott umsonst anbeteten, weil sie menschliche Traditionen als Grundlage ihrer Lehre hatten und nicht „das Wort Gottes“. Die Auswirkung war, dass sie Gottes Wort abgelehnt hatten, weil das Endergebnis darin bestand, dass sie „das Wort Gottes ungültig machten“.12 Bevor wir zu sehr auf die Pharisäer herabsehen, wäre es die Zeit wert zu überlegen, auf welche Art wir im Leib uns der selben Dinge schuldig gemacht haben könnten. Hier eine Sammlung weiterer Verse, wo Yeshua deutlich aussagt, dass der Tanach immer noch das Wort Gottes ist: Markus 12,24 „Yeshua sprach zu ihnen: Irrt ihr nicht des12

Mk. 7,7-13 „Vergeblich [erfolglos] aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren. Ihr gebt das Gebot Gottes preis [dieses Wort bezeichnet einen Mann, der sich von seiner Frau scheidet; auch vernachlässigen, auslassen, gering schätzen] und haltet die Überlieferung der Menschen fest [ergreift, haltet zurück]; Waschungen der Krüge und Becher und vieles andere dergleichen tut ihr ... Trefflich [mit großem Geschick] hebt ihr das Gebot Gottes auf, damit ihr eure Überlieferung haltet [vorsichtig bewahrt]. Denn Mose hat gesagt: „Ehre deinen Vater und deine Mutter!“ und: „Wer Vater oder Mutter flucht, soll des Todes sterben.“ Ihr aber sagt: Wenn ein Mensch zum Vater oder zur Mutter spricht: Korban – das ist eine Opfergabe [ein heiliges Geschenk] – sei das, was dir von mir zugute gekommen wäre, lasst ihr ihn nichts mehr für Vater oder Mutter tun [erlaubt ihr ihm nichts mehr ...], indem ihr das Wort Gottes ungültig macht [seiner Kraft und Autorität beraubt] durch die Überlieferung, die ihr überliefert habt; und ähnliches dergleichen tut ihr viel.“

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halb [weicht ihr nicht von der Wahrheit ab; werdet betrogen], weil ihr die Schriften [den Tanach] nicht kennt und nicht die Kraft Gottes?“ Markus 12,36 „David selbst hat im Heiligen Geist gesagt...“ Lukas 16,29.31 „Abraham aber spricht: Sie haben Mose und die Propheten. Mögen sie die hören... Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht.“ Johannes 10,35 „... und die Schrift kann nicht aufgelöst werden ...“13 Yeshua verwendete auch den Tanach, um Streitfälle zu schlichten. In Matthäus 12,1-7, als einige Pharisäer seine Jünger beschuldigten, dass sie durch das Ährenausraufen zur Nahrung das Sabbatgebot brächen, antwortete Yeshua, indem er ihnen erzählte, wie David das Schaubrot aus der Stiftshütte nahm, um seinen hungrigen Männern zu Essen zu geben, und wies auch darauf hin, dass die Priester im Tempel am Sabbat arbeiteten. Ein anderes Mal zitierte Yeshua aus Psalm 8,3 im Tanach, als er Kinder verteidigte, die ihn priesen. „Ja, habt ihr nie gelesen [gelesen und verstanden, oder zugegeben]: „Aus dem Mund der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet [erfüllt, wiederhergestellt]“?“ (Mt. 21,16b).14 Yeshua hatte tiefsten Glauben an die Macht des Wortes Gottes, das man im Tanach findet. Als er in der Wüste versucht wurde, widerstand er dem Satan, indem er drei Mal aus 5.Mose zitierte. Ja, Yeshua benutzte das „Gesetz des Mose“ als Schwert, um den Feind zu besiegen (s. Lk. 4,1-13)! In seiner Lehre verwendete er sehr häufig direkte und indirekte Zitate aus dem Tanach. Beispielsweise sind seine Lehren, als er von seiner Wiederkunft sprach (Mt. 24,29-31), aus vielen Versen des Tanach zusammengesetzt (diese Stellen sind in Klammern angegeben). „Aber gleich nach der Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. [aus Jes. 13,10; 34,4] Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes [aus Sach. 12,10-12], und sie werden den 13 14

Siehe Fußnote 5 oben. Einige andere Beispiele: Mt. 22,29-46 und Joh. 5,23.45-47.

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Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit [aus Dan. 7,13-14]. Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall [aus Jes. 27,12-13], und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende [aus 5.Mo. 30,4; Sach. 2,10).“ Sogar seine ethischen Lehren wurzeln in der selben Erde. Hier zwei klassische Beispiele: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Denn darin besteht das Gesetz und die Propheten“ (Mt. 7,12). „Und siehe, einer kam und sprach zu ihm: Guter Meister, welches Gute soll ich vollbringen, damit ich ewiges Leben habe? Und er sagte zu ihm: Was nennst du mich gut? Es ist kein Guter außer einem, das ist Gott; aber wenn du ins Leben eintreten willst, halte die Gebote. Er spricht zu ihm: Welche? Yeshua sagte: Du sollst nicht morden, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen, du sollst kein falsches Zeugnis weitergeben, ehre deinen Vater und deine Mutter: und, du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mt. 19,16-19, KJV). Und schließlich: Bedenken wir, dass das gesamte Fundament seiner eigenen Rolle als Messias einzig und allein von seiner Überzeugung abhing, dass er den Tanach erfüllen musste. In den Evangelien gibt es viele Verse, die das untermauern; wir wollen aber nur drei zitieren und einige weiter in den Endnotizen aufzählen. Als Antwort auf die Frage Johannes des Täufers, ob er, Yeshua, derjenige sei, dessen Kommen vorhergesagt wurde, antwortet Yeshua mit „Ja“, indem er den Jüngern des Johannes aufträgt, von den Taten zu berichten, die sie ihn tun sehen – Taten, die in mehreren Prophetien aus Jesaja 29,18-19 und 35,4-6 aufgezählt werden: „Blinde werden sehend, und Lahme gehen, Aussätzige werden gereinigt, und Taube hören, und Tote werden auferweckt, und Armen wird gute Botschaft verkündigt“ (Mt. 11,5). In einer Synagoge in Nazareth, als Yeshua zum ersten Mal verkündete, wer er ist, zitierte er Jesaja 61,1-2a: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen das Evangelium zu predigen; er hat mich gesandt, die zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, den Gefangenen Freiheit [Lösung 27


aus Bindung] zu predigen, den Blinden das Augenlicht zurückzugeben, die Verwundeten [Zerbrochenen, Zerschmetterten] in Freiheit zu bringen, das angenehme Jahr des Herrn zu predigen [öffentlich zu verkünden]“ (Lk. 4,18-19, KJV). Dann sagte er: „Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt“ (Lk. 4,21b). Und in Johannes 5,39 eröffnet uns Yeshua: „Erforscht die Schriften [das Alte Testament]; denn in ihnen meint ihr, das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir zeugen“ (KJV). Es ist das Alte Testament, auf das er uns hinweist, wenn wir Beweise für seine Messianität suchen.15 Schluss Es besteht kein Zweifel daran, dass die Autoren des Neuen Testaments den Tanach, das Alte Testament, nicht nur als das Wort Gottes betrachteten, sondern auch als gültig für sie auf ihrem Weg mit dem Herrn. Es gibt keine einzige Predigt oder Lehre im Neuen Testament, der ein solides Lehrfundament im Tanach fehlt. In den folgenden Kapiteln werden wir die Wurzeln des Evangeliums und einen Großteil der Lehren des Neuen Testaments erforschen. Wir werden sehen, wie alles daraus in Gottes Wort gegründet ist, das wir im Tanach finden. Dort und nirgends sonst wurde die Saat gesät, der Baum begossen und beschnitten, zurückgestutzt und beobachtet, bis die Zeit erfüllt war. Dann war die Frucht reif, und unser Messias erschien, „ein Licht zur Offenbarung für die Nationen und zur Herrlichkeit deines Volkes Israel“ (Lk. 2,32).

15

Hier einige wenige von vielen anderen Beispielen: Mt. 22,41ff.; 23,37-39; 26,24; 27,46; Lk. 12,49-53; 18,31-34; 22,22.37; 24,25-27.44-49.

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Kapitel 2

Das Wesen Gottes im Alten Testament Viele Lehren, die nach der Meinung Gläubiger an Yeshua typisch fürs Neue Testament sind, haben ihre Wurzeln tief im Tanach. Die Wahrheit der „fortschreitenden Offenbarung“ (d. i. die Vorstellung, dass Gott seinem Volk im Laufe der Vervollkommnung der Heiligen Schrift mehr und mehr offenbart hat) ändert nicht die Tatsache, dass einige Konzepte zu einem frühen Zeitpunkt der Geschichte offenbart wurden.16 In Maleachi 3,6a steht: „Denn ich bin der Herr, ich wandle mich nicht“ (KJV). Wenn das stimmt, muss die Offenbarung seines Wesens und seiner Person in seinem Sohn Yeshua17 sowie im Neuen Testament tiefe Wurzeln im Tanach haben. Schon im zweiten Jahrhundert identifizierte man gewisse „christliche“ Sekten, nämlich Marcionismus und Gnostizismus, als Ketzerei. Neben anderen Irrtümern behaupteten sie, der Gott des Tanach sei dem Gott des Neuen Testaments unterlegen. Unglücklicherweise können Menschen unserer Zeit für die selbe Irrlehre empfänglich sein – besonders, wenn sie nicht mit dem Tanach vertraut sind. Wie wir aber bald entdecken werden, ist Gott im Alten Testament derselbe wie im Neuen. 16

17

Walter Kaiser macht folgende Beobachtung: „Hier und da ... ließ der historische Fortschritt eine volle Heranreifung eines Aspektes der Aufzeichnung zu, und an diesen Punkten erstaunt uns der Text durch die Art, in der Bedeutung und Lehre die Erfahrung und die Zeit weit hinter sich lassen.“ (Walter J. Kaiser Jr., Toward An Old Testament Theology, Academie Books, Zondervan Publishing House, Grand Rapids, Michigan, 1978, S. 8-9). „Und das Wort [Yeshua] wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Joh. 1,14); „[Yeshua] ... ist das Abbild des unsichtbaren Gottes ... Denn es gefiel dem Vater, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte“ (Kol. 1,15a.19); „[Gott] hat in diesen letzten Tagen durch seinen Sohn zu uns gesprochen ... Er, der die Ausstrahlung der Herrlichkeit und Abdruck seines Wesens ist und der alles durch das Wort seiner Macht aufrecht erhält; als er durch sich selbst unsere Sünden gereinigt hatte, setzte er sich zur Rechten der Majestät in der Höhe“ (Hebr. 1,2a.3, KJV).

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Gott ist Liebe „Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe“ (1.Joh. 4,8); „Und wir haben erkannt und geglaubt [sind überzeugt worden; wir haben Vertrauen gesetzt in] die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt [wohnt], bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm“ (1.Joh. 4,16). Es ist der von Gläubigen vielleicht am häufigsten gebrauchte Satz, wenn sie die Kernaussage der guten Botschaft an Ungläubige weitergeben: „Gott liebt dich!“ Das ist eine überwältigende Wahrheit, die in ihrer ganzen Fülle im Neuen Testament herauskommt. Aber es ist traurig, ja sogar beschämend, dass manche Gläubige vom Gott der Liebe im Neuen Testament sprechen, als bilde er einen Kontrast zum Gott des Gerichts im Tanach. Glauben diese Menschen nicht, dass er der selbe Gott ist – der selbe liebende, gerechte Vater, und zwar von 1.Mose bis zur Offenbarung? Man muss vermeiden, Gott in die verschiedenen Züge seines Wesens zu unterteilen. A. W. Tozer drückt es in seinem äußerst empfehlenswerten Buch „The Knowledge of the Holy“ so aus: „Die Worte ‚Gott ist Liebe’ sagen aus: Liebe ist ein Grundwesenszug Gottes. Liebe ist etwas, das auf Gott zutrifft; aber sie ist nicht Gott. Das Wort ‚Liebe’ drückt die Art Gottes in seinem einzigartigen Wesen aus – wie auch die Worte Heiligkeit, Gerechtigkeit, Treue und Wahrheit. Weil Gott sich nicht wandelt, handelt er immer wie er selbst. Und weil er eine Einheit ist, stellt er niemals einen seiner Wesenszüge zurück, um einen anderen auszuüben.“18 Aus diesem Grunde sollten wir lernen, sogar inmitten seiner Gerichte sein Handeln in Gnade und Liebe zu sehen. Eines der besten Beispiele für diese Lehre findet sich beim Auszug Israels aus Ägypten. Anstatt Israel aus der Sklaverei zu erlösen, ohne den Ägyptern eine Vorwarnung zu geben, schickte der Herr über einen gewissen Zeitraum hinweg zehn Plagen: Nicht nur, um den Glauben und das Vertrauen seines Volkes zu vergrößern, sondern auch, um den Ägyptern die Möglichkeit der Erkenntnis zu geben, dass er, der HERR, der allmächtige Gott ist. „Und die Ägypter sollen erkennen, dass ich der HERR bin, 18

A. W. Tozer, The Knowledge of the Holy, Harper & Row, Pub. Inc., New York, 1961, S. 105.

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wenn ich meine Hand über Ägypten ausstrecke und die Söhne Israel aus ihrer Mitte herausführe“ (2.Mo. 7,5).19 Nicht nur, dass Gott in Gnade richtet; er richtet, weil er liebt. Wir sind erlöst, weil Gott ein Gott des Gerichts ist. Unsere Sünden trennten uns von ihm (Jes. 59,1-2). Hätte Gott unsere Sünden nicht am Kreuz gerichtet, könnten wir uns ihm nie nähern, wir könnten ihn nicht kennen. Und Psalm 9,17a sagt ausdrücklich: „Der HERR wird erkannt durch das Gericht, das er ausführt“ (KJV). Ist unser Gott „der selbe gestern und heute und in Ewigkeit“ (Hebr. 13,8), dann ist er sowohl im Tanach als auch im Neuen Testament ein Gott der Liebe. Und somit ist er auch im Neuen Testament genau wie im Tanach ein Gott des Gerichts. Bevor wir die Schriften des Tanach nach seiner Liebe erforschen, möchten wir die folgenden neutestamentlichen Verse über sein Gericht untersuchen. Er ist der selbe Gott in der ganzen Schrift. Der Gott des Gerichts im Neuen Testament „Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele [wörtl. Atem; übertragen Lebensessenz] aber nicht zu töten vermögen; fürchtet [Grch. „phobeo“, Angst haben, äußerst geängstigt sein vor] aber vielmehr den, der sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle“ (Mt. 10,28). Trotz gegensätzlicher Erklärungen dieses Verses sagt Yeshua seinen Nachfolgern tatsächlich, dass sie Gott fürchten sollen – in Übereinstimmung mit vielen Geboten im Tanach, welche die Furcht des HERRN gebieten.20 19

20

S. auch 2.Mo. 7,16-17; 8,6.15.18; 9,14-16.20.29; 10,1-2; 11,7; 14,4.18.31. Hier einige Beispiele aus dem Tanach: „Möge doch diese ihre Gesinnung [Gemüt, Wille, Seele, innerer Mensch] bleiben, mich allezeit zu fürchten [sowohl verehren als auch Angst haben] und alle meine Gebote zu halten, damit es ihnen und ihren Kindern ewig gut geht!“ (5.Mo. 5,29). „Dienet dem HERRN mit Furcht, und jauchzt mit Zittern“ (Ps. 2,11). „Fürwahr, nahe ist sein Heil denen, die ihn fürchten, damit Herrlichkeit wohne in unserem Land“ (Ps. 85,10). „Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis“ (Spr. 1,7a).

„Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und Heilung ist unter ihren Flügeln“ (Mal. 3,20).

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Apostelgeschichte 5,1-11 berichtet von Gottes Gericht über Hannanias und Saphira, weil sie den Heiligen Geist belogen hatten. Das Ergebnis: „Es kam große Furcht [Grauen, Schrecken] über die ganze Gemeinde [Gläubige] und über alle, welche dies hörten“ (V. 11). „Denn wir müssen alle erscheinen [wörtl. gesehen werden] vor dem Richterstuhl des Messias, dass ein jeder empfangen möge die Dinge, die er in seinem Körper getan hat ... seien sie gut oder schlecht. Da wir den Schrecken des Herrn kennen, überzeugen wir die Menschen“ (2.Kor. 5,10-11a). Das mit „Schrecken“ übersetzte griechische Wort „phobos“ ist die Wurzel unseres Wortes „Phobie“. Wörtlich bedeutet es Furcht, Grauen oder Schrecken. Der neutestamentliche Brief an die Hebräer enthält zwei klare Aussagen über Gott. „Denn wir kennen den, der gesagt hat: „Mein ist die Rache [Vergeltung], ich will vergelten [zurückzahlen]“; und wiederum: „Der Herr wird sein Volk richten.“ – „Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen [von ihnen zu Fall gebracht zu werden]“ (Hebr. 10,30-31). Und wenige Kapitel später erklärt der Schreiber im Kontext der Aufforderung zur Gottesfurcht: „Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer“ (Hebr. 12,29). Im letzten Buch des Neuen Testaments, der Offenbarung, gibt das sanfte Lamm Gottes, unser Messias und Herr, Yeshua, zwei Warnungen weiter – und zwar an Gläubige! „Und ihre Kinder werde ich mit dem Tod töten, und alle Gemeinden werden erkennen, dass ich es bin, der Nieren [innerste Gedanken, Gefühle und Absichten] und Herzen [Gemüt, Emotionen und Wille] erforscht [untersucht]; und ich werde euch einem jeden nach euren Werken geben“ (Offb. 2,23). „Also, weil du lau [bildl. apathisch] bist ... werde [beabsichtige] ich dich ausspeien [wörtl. erbrechen] aus meinem Munde“ (Offb. 3,16). Diese neutestamentlichen Verse offenbaren, dass Gottes Gerechtigkeit und Gericht selbst nach dem Kreuz noch gültig sind. Aber zeigt sich seine Liebe im Tanach so klar wie seine Gerechtigkeit im Neuen Testament?

Weitere Bezugsstellen für die Furcht des Herrn: Jos. 24,14; 1.Sam. 12,14; Ps. 19,10; Spr. 1,7; Pred. 12,13; Jes. 8,13.

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Der Gott der Liebe im Tanach Ahavah und chesed sind zwei hebräische Worte, die im Tanach zur Beschreibung zweier unterschiedlicher Aspekte der Liebe Gottes verwendet werden. Beide tragen zu einem soliden Verständnis der Erwählung Israels und der Gemeinde sowie der Sicherheit in Gottes Treue bei. Die Erwählungs-Liebe Gottes – ahavah Ahavah ist im modernen Hebräisch der Begriff für „Liebe“. Laut Norman Snaith in „The Distinctive Ideas of the Old Testament“21 steht ahavah im Tanach für die Erwählungs-Liebe Gottes. Er beobachtet: „... wird die [hebräische Wurzel von ahavah oder ahabah] für die Liebe zu Personen gebraucht, bezeichnet sie die Haltung eines Höherstehenden gegenüber einem Tieferstehenden“ (S. 132). Wir werden das selbe Muster später für ein biblisches Konzept der Gnade finden: Ein Höherstehender begünstigt einen Tieferstehenden. Snaith weist auf folgendes hin: „Ahavah ist die ErwählungsLiebe, wie chesed [wird im nächsten Abschnitt erklärt] die Bundes-Liebe ist ... der Ursprung des Bundes liegt an Jahwes ahavah (Erwählungs-Liebe) ... [Israel] ist sein auserwähltes Volk“ (S. 133-134). „Alle Schreiber des Alten Testaments waren sich sicher, dass Gottes Liebe für Israel nicht an bestimmten Werken oder am Wesen Israels liegt“ (S. 136). Wir sehen schon, wie nah dieser Begriff dem neutestamentlichen Wort „Gnade“ kommt. Snaith sagt: „Entweder wir akzeptieren diese Vorstellung der Wahl von Gottes Seite (inklusive der notwendigerweise damit einhergehenden Ausschließlichkeit), oder aber wir vertreten eine Lehre über die Liebe Gottes, die von der biblischen Aussage abweicht“ (S. 139). Abschließend weist Snaith in Bezug auf den Befehl Gottes an sein Volk, ihn mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben, noch auf folgendes hin: Die Liebe Gottes, die Israel erwählt hat, ist auch die Macht, die er ihnen gibt, um ihm zu gehorchen (S. 142). 21

Norman H. Snaith, The Distinctive Ideas of the Old Testament, Schocken Books, New York, 1964, Kap. VI, The Election-Love of God, S. 131-142.

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In der Bibel werden unterschiedliche Worte mit „Liebe“ oder „lieben“ übersetzt. Das Wort ahavah und die davon abgeleiteten Begriffe sind in vielen Versen mit „Liebe“, „lieben“ übersetzt. Wir werden nun betrachten, wie diese verschiedenen Worte verwendet werden (Hervorhebung durch Fettdruck). In 5.Mose 7,7-8a spricht Gott durch Mose zu Israel, als sie kurz davor stehen, das Verheißene Land zu betreten. „Der Herr hat seine Liebe [chashaq – Verlangen oder Freude] nicht über euch ausgeschüttet oder euch erwählt, weil ihr größer an Zahl wäret als andere Völker; denn ihr wart das kleinste aller Völker: sondern weil der Herr euch liebte [ahavah]“ (KJV). Wenn Israel auf alle Gebote des Herrn hören und sie befolgen wird, dann, so Moses nächste Worte, „wird der HERR, dein Gott, dir den Bund und die Güte bewahren, die er deinen Vätern geschworen hat. Und er wird dich lieben [ahavah] und dich segnen und dich zahlreich werden lassen“ (V. 12b-13a). Erinnern wir uns: Dieses Versprechen steht nicht im Neuen Testament; es steht im Gesetz des Mose. Der folgende Vers zeigt den Unterschied zwischen chashaq und ahavah. Chashaq bezeichnet ein Verlangen nach, die Freude an oder Zuneigung zu einem Menschen. Dieser Vers verkündet auch Gottes Erwählung Israels. „Nur deinen Vätern hat der HERR sich zugeneigt [chashaq], sie zu lieben [ahavah]. Und er hat ihre Nachkommen nach ihnen, nämlich euch, aus allen Völkern erwählt, so wie es heute ist“ (5.Mo. 10,15). In 5.Mose 23,6 bezieht sich Mose auf den Zwischenfall mit Bileam aus 4.Mose 23-25 und sagt: „Aber der HERR, dein Gott, wollte nicht auf Bileam hören, und der HERR, dein Gott, wandelte dir den Fluch in Segen um; denn der HERR, dein Gott, hatte dich lieb [ahavah]“. Hat Gott nicht auf die selbe Weise durch das Kreuz den auf uns ruhenden Fluch umgewandelt? Hat nicht Yeshua das Urteil für das Brechen des Gesetzes auf sich genommen und dann den Segen unseres Gottes, der uns mit so überströmender Liebe liebt, an seine Stelle gesetzt? Aufgrund der Liebe Gottes „hat uns der Messias losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist – denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der am Holz hängt! –, damit der Segen Abrahams im Messias Yeshua zu den Nationen komme“ (Gal. 3,13-14a). In Jesaja 63,7-64,12 wird Gott angerufen, sich seiner Gnadenerweise an Israel zu erinnern (V. 7) und sich ihm wieder 34


zuzuwenden, und zwar aufgrund seines Bundes mit diesem Volk – ein Beispiel des Eintretens für Israel. In diesem Abschnitt findet sich auch folgender Text: „In all ihrer Anfechtung war er angefochten, und der Engel seiner Gegenwart rettete sie: in seiner Liebe [ahavah] und seinem Mitleid erlöste er sie; und er trug sie [hob sie auf] und trug sie alle Tage der Vorzeit“ (Jes. 63,9, KJV). Jeremia 30,23-31,1 ist eine Prophetie, die sich auf die endzeitliche Wiederherstellung Israels bezieht. Warum bringt Gott sein Volk wieder in sein Land – und bringt sie gleichzeitig zu sich? Warum sagt Gott, er wolle Israel näher an sich heranziehen? Aufgrund seiner Liebe! In Jeremia 31,3 heißt es: „Der HERR ist ihm von ferne [von alters her] erschienen: Ja, mit ewiger Liebe [ahavah] habe ich dich geliebt [ahavah]; darum habe ich dir meine Güte [chesed – siehe unten] bewahrt.“ Hesekiel 16 ist eines der klassischen Kapitel der Bibel, die über Gottes Beziehung mit Israel lehren. Im ersten Teil, den Versen 1-14, erinnert Gott an seine Liebe für Israel, als er das Volk zuerst auserwählte. Dann – in den Versen 15-34 – spricht er von Israels Hurereien gegen ihn. Warum bezeichnet Gott Israel als Ehebrecherin und Hure? Weil er es als seine Braut sah! Das wird aus Vers 8 deutlich, wo Gott sich seiner ersten Liebe für Israel erinnert. „Und ich ging an dir vorüber und sah dich, und siehe, deine Zeit war da, die Zeit der Liebe [Hebr. „doe-deem’“, wörtl. „Lieben“ (Mehrzahl), bildl. Ehe]; und ich breitete meinen Zipfel22 über dich aus und bedeckte deine Blöße. Und ich schwor dir und trat in einen Bund mit dir, spricht der Herr, und du wurdest mein.“ Und obwohl Gott in Hesekiel 16,35-59 seine Gerichtsurteile bekannt gibt, prophezeit er in den Versen 60-63, dass er am Ende einen ewigen Bund mit dem Haus Israel schließen wird. Hosea 14,5 stammt aus der Schriftlesung, die am Shabbat Shuvah, dem Sabbat der Buße, in den Synagogen gelesen wird. Dieser Sabbat fällt zwischen die Feste Rosh haShanah und Yom Kippur. Im Judentum heißen die zehn Tage zwischen diesen beiden heiligen Tagen „die Tage der Ehrfurcht“; es ist eine Zeit, 22

Auch „Rock“, „Gewandsaum“, hebr. „Flügel“; alles bedeutet das selbe, mählich „Verlobung“ (vergl. mit Rut 3,9b: „Ich bin Rut, deine Magd. So breite den Saum deines Gewandes über deine Magd aus, denn du bist Löser [mein naher Verwandter; mein Verwandter-Löser]!“)

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in der man das eigene Herz prüft und Versöhnung mit Gott und Menschen sucht. Diese Schriftstelle aus Hosea, die so gut für eine derartig heilige Zeit passt, betrifft die unsterbliche Liebe Gottes für Israel. Er wartet nur darauf, dass es seine Sünde bekennt und zum Herrn, seinem Bräutigam, zurückkehrt. Hosea drängt in den Versen 2-3: „Oh Israel, kehr um zum Herrn, deinem Gott; denn du bist gefallen durch deine Schuld. Nimm Worte mit dir, und wende dich [kehre um; tue Buße] zum Herrn: sprich zu ihm: Nimm weg alle Schuld und nimm uns gnädig an ...“ (KJV). Der Herr antwortet mit einem Versprechen, dass er die Flamme der Hoffnung im jüdischen Volk durch Jahrhunderte des Exils und der Dunkelheit am Leben erhalten hat: „Ich will ihre Abtrünnigkeit [ihr Zurückgleiten] heilen, will sie aus freiem Antrieb lieben [ahavah]. Denn mein Zorn hat sich von ihm abgewandt“ (14,5). Wir haben hier nicht genug Platz, um die anderen Verse im Tanach zu untersuchen, die von Gottes ahavah23 sprechen. Dennoch schauen wir zum Schluss dieses Abschnitts ins Hohelied Salomos; Rabbi Akiva erklärte es im 2. Jahrhundert zum „Allerheiligsten“ der Heiligen Schrift. Viele betrachten dieses Buch als Allegorie auf die Liebe zwischen Gott und Israel – auch auf die Liebe zwischen Yeshua und seiner Braut, über deren Charakter das Lied sagt: „Er brachte mich in die Festhalle, und sein Banner [Flagge, Standarte] über mir war Liebe [ahavah]“ (Hld. 2,4). Gottes Wesen ist unwandelbar, und er war von Anfang an, von Ewigkeit her, ein Gott der Liebe. „Der Herr dein Gott in deiner Mitte ist mächtig; er wird retten, er wird sich mit Freude über dich freuen; er wird ruhen in Liebe [ahavah], er wird jauchzen über dich mit Gesang“ (Zef. 3,17, KJV). Die Bundes-Liebe Gottes – Chesed Das hebräische Wort chesed ist zentral für die Erklärung der Beziehung Gottes mit Israel. Die ausgedrückte Vorstellung lässt 23

Hier einige weitere Beispiele: 1.Kön. 10,9; 2.Chr. 2,10; Hos. 3,1; 11,4.

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sich allerdings nur schwer übersetzen. Die beste Erklärung findet sich in Snaiths Buch.24 Er betont: „Ahavah [s. Abschnitt oben] ist die Erwählungs-Liebe Gottes. Chesed dagegen ist seine Bundes-Liebe“ (S. 95). Im folgenden Satz wird Snaiths Definition des Wortes chesed hervorgehoben. „Als man anfing, dieses Wort hauptsächlich für den Bund zwischen Jehova und Israel zu gebrauchen, erkannten die Propheten: Ein solcher Bund kann nur aufrecht erhalten werden durch jene anhaltende, entschlossene, standfeste Liebe Gottes, die in Wesen und Ausmaß jede andere Liebe übersteigt“ (S. 99). Obwohl chesed manchmal mit „Liebe“ oder „Erbarmen“ übersetzt wird, weist Snaith auf folgendes hin: „Diese Begriffe sind oft viel zu schwach, um die Kraft, die Festigkeit und Beständigkeit dieser sicheren Liebe Gottes anzudeuten ... Die wichtigste aller charakteristischen Vorstellungen des Alten Testaments ist Gottes ständige und außergewöhnliche Beharrlichkeit darin, das abtrünnige Israel trotz seiner Abtrünnigkeit weiterhin zu lieben“ (S. 102). Das selbe gilt für Gottes „außergewöhnliche Beharrlichkeit in seiner Liebe“ zur Gemeinde – denjenigen unter uns, die in den Ölbaum Israels eingepfropft sind (Röm. 11,17). Snaith legt dar, dass chesed der Grund für Gottes Treue zu seinem Bund mit Israel ist. „[Hosea] kam zu der Erkenntnis, dass Gottes chesed Gottes unerschütterliche Entschlossenheit bezeichnet, seinem Teil der Bundesverpflichtungen nachzukommen – egal, was Israel tat“ (S. 111). Nochmals Snaith: „Aber durch all die Schwierigkeiten hindurch, die auf den Ehebund Jehovas mit Israel einstürzten und ihn zerbrachen, gab es einen unwandelbaren Faktor ... Gottes sichere Liebe zu Israel. Aufgrund dieser sicheren, niemals wankenden Liebe kann der Bund niemals vollständig und für immer zerbrochen werden“ (S. 113). Snaith schließt: „Aus dieser sicheren, niemals wankenden Liebe also erhalten wir die Lehre des Überrests – und mit ihr den Glauben, dass Gott in Israel diese Buße und Zuwendung zu ihm bewirken wird, ohne die es keine Hoffnung auf bessere Tage geben kann – ja, überhaupt keine Hoffnung auf einen Überrest jeglicher Art“ (S. 122). In Römer 9-11 lesen wir das selbe. 24

Norman H. Snaith, a. a. O., S. 94-130.

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Chesed ist nicht das selbe wie Gnade, obwohl diese Begriffe manchmal verwechselt werden. Snaith weist auf folgendes hin: Gnade, chen, „bringt ... die Vorstellung unverdienter Gefälligkeiten mit sich“. Er stellt klar, wie beides zusammen wirkt: „Das ganze Geheimnis des Erbarmens Gottes mit Israel ist, dass es sein auserwähltes Volk war [durch Liebe und Gnade] ... [Aber] die Hoffnung auf Rettung lag in Gottes anhaltender Bundes-Liebe (chesed)“ (S. 128-129). Wie wir schon gesehen haben, war in biblischen Zeiten der Name oft ein Hinweis auf den Charakter. In 2.Mose 33,18 bat Mose den Herrn: „Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen!“ Gott verkündete seinen Namen. „Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: ‚Jahwe, Jahwe, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade [chesed] und Treue, der Gnade [chesed] bewahrt an Tausenden von Generationen, der Schuld, Vergehen und Sünde vergibt, aber keineswegs ungestraft lässt’“ (2.Mo. 34,6-7a). Wir sehen in dieser Offenbarung des Namens Gottes im Tanach, dass – obwohl er deutlich sagt, dass er sich mit Sünde befassen muss – sein Wesen das der Bundes-Liebe, der Gnade und des Erbarmens ist. Nachdem Gott uns durch seine Gnade erlöst, führt er uns durch seine chesed – seine treue Liebe – in das hinein, was er uns verheißen hat.25 „In deiner Gnade [chesed] hast du geleitet das Volk, das du erlöst, hast es durch deine Stärke geführt zu deiner heiligen Wohnung“ (2.Mo. 15,13). Obwohl sich dieser Vers in seinem ursprünglichen Umfeld auf die Kinder Israel bezieht, lassen sich laut dem Apostel Paulus die Handlungsprinzipien des Herrn mit seinem Volk auch auf seine Gemeinde anwenden. „Alles dies aber widerfuhr jenen [Israel in der Wüste] als Vorbild [Beispiel] und ist geschrieben worden zur Ermahnung [Beachtung, Warnung] für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist“ (1.Kor. 10,11). Mose tritt für Israel ein, indem er sich auf Gottes chesed be25

Das Neue Testament beschreibt Gottes Treue an vielen Stellen. Beispiele: Röm. 16,25; 2.Kor. 1,21; Phil. 1,6; 2,13; Kol. 1,22; 1.Thess. 5, 24; 2.Thess. 3,3-4; 2.Tim. 4.18. Dazu diese unglaubliche Aussage in Jud. 24-25: „Dem aber, der euch ohne Straucheln zu bewahren und vor seine Herrlichkeit tadellos mit Jubel hinzustellen vermag, dem alleinigen Gott, unserem Heiland durch Jesus Christus, unseren Herrn, sei Herrlichkeit, Majestät, Gewalt und Macht vor aller Zeit und jetzt und in alle Ewigkeiten! Amen.“

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ruft – einen Grundzug des Wesens Gottes! Er begründet sein Anliegen mit einigen Charakteristika Gottes, darunter chesed. „Vergib doch die Schuld dieses Volkes nach der Größe deiner Gnade [chesed] und so, wie du diesem Volk vergeben hast von Ägypten an bis hierher“ (4.Mo. 14,19). In Psalm 51,3 bittet König David den Herrn um Vergebung für seinen Mord und Ehebruch. Er begründet seine Bitte mit einer Anzahl der Eigenschaften Gottes, darunter chesed. „Sei mir gnädig [wörtl. hab Erbarmen; Mitleid], o Gott, nach deiner Gnade [chesed]; tilge meine Vergehen [Rebellion] nach der Größe deiner Barmherzigkeit!“ Wir finden den Begriff, wiederum im Kontext der Buße, in Psalm 86,5: „Denn du, Herr, bist gut und zum Vergeben bereit, groß an Gnade [chesed] gegen alle, die dich anrufen.“ David sagt hier: Chesed befähigt Gott, sein Volk nach seinem Wesen zu behandeln und nicht nach dem, was wir verdienen. „Er hat uns nicht getan nach unseren Vergehen, nach unseren Sünden uns nicht vergolten. Denn so hoch die Himmel über der Erde sind, so übermächtig ist seine Gnade [chesed] über denen, die ihn fürchten“ (Ps. 103,10-11). Warum hat jemals jemand – egal ob Jude oder Nichtjude – die Möglichkeit, sich diesem heiligen Gott zu nähern? Aufgrund der Bundes-Liebe Gottes. Psalm 136, das Große Hallel, hat 26 Verse. Jeder endet mit den Worten: „... denn seine Gnade [chesed] währt ewig!“ David verstand das Konzept der Bundes-Liebe, vertraute darauf, dass Gottes Beziehung mit Israel auf seiner chesed aufbaute. Jeremia bittet das abtrünnige Israel, Buße zu tun, weil Gott seinen Bund hält und Gnade mit ihnen haben wird. „Kehre zurück, Israel, du Abtrünnige, spricht der HERR! Ich will nicht finster auf euch blicken. Denn ich bin gütig [chesed], spricht der HERR, ich werde nicht für ewig grollen“ (Jer. 3,12b). Gottes große chesed hält auch für diejenigen auf ewig an, die an den Messias Yeshua glauben, dann zwar in Unglauben fallen, aber schließlich doch Buße tun. Micha nennt den Grund, aus dem Gott vergeben und gnädig sein möchte: weil es ihm gefällt, auf der Grundlage seiner chesed zu handeln. „Wer ist ein Gott wie du, der Schuld vergibt und Vergehen verzeiht dem Überrest seines Erbteils! Nicht für immer behält er seinen Zorn, denn er hat Gefallen an Gnade [chesed]“ (Mi. 7,18). 39


Unter allen Versen im Tanach, die über Gottes chesed sprechen, findet sich ein besonders bewegender Vers im Buch der Klagelieder. Der Prophet Jeremia, Autor dieses Klagegesangs, beobachtet die Zerstörung Jerusalems, der geliebten Stadt. Er wird Zeuge fürchterlicher Bilder und Geräusche (s. Klgl. 2,20; 4,10). Er schreit seinem Gott sein Entsetzen heraus. Dennoch, inmitten seiner herzzerreißenden Klage, spricht Jeremia eine der großartigsten Glaubenssätze in der gesamten Schrift: „Ja, die Gnadenerweise [chesed] des HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue“ (Klgl. 3,22-23). Der Gott der Barmherzigkeit Obwohl chesed, Bundes-Liebe, oft mit „Barmherzigkeit“ übersetzt wird, gibt es ein anderes hebräisches Wort – rachamim –, das der heutigen Verwendung des Wortes „Barmherzigkeit“ näher kommt. Rachamim findet sich im Tanach immer in der Mehrzahl. Das Wort weist auf bestimmte Ereignisse des Mitgefühls und der geduldigen Liebe Gottes für sein Volk hin. Die Wurzel des Wortes ist verwandt mit einem hebräischen Wort für den Mutterleib, recham. Wir dienen nicht einem gefühllosen Gott. Yeshua sagt: „Wenn ihr mich seht, seht ihr den Vater“ (Joh. 14,6-11). Im Evangelium finden wir viele Stellen, an denen Yeshua seine Gefühle zu erkennen gibt: Er ernährt und heilt die Volksmassen in Mitgefühl (Mt. 9,36; 14,14). Er weint über Lazarus’ Grab (Joh. 11,35). Er weint über Jerusalem (Lk. 19,14). Er ist zornig und bekümmert über das verstockte Herz einiger Menschen (Mk. 3,5). Er ist zornig darüber, dass seines Vaters Haus zu eine „Räuberhöhle“ gemacht wird (Mt. 21,1213). Er freut sich über die Taten, die seine Jünger in seinem Namen vollbracht haben (Lk. 10,17-22). Er ist enttäuscht über den Unglauben seiner Jünger (Mt. 8,25-26; 14,29-31) usw. Viele Psalmen lesen sich wie Ausschnitte aus Yeshuas Autobiographie. In Abschnitten, die tiefe und mächtige Gefühle 40


ausdrücken26, können wir uns über Gottes tiefe Liebe für uns freuen – und mit ihm die Abscheu gegen unsere Sünde teilen.27 Er hat uns sogar befohlen, mit ihm gemeinsam das Böse zu hassen. „Die ihr den HERRN liebt, hasst das Böse“ (Ps. 97,10a).28 Bei der näheren Betrachtung des Wortes rachamim werden wir einige der selben Verse anschauen, die wir schon im Abschnitt über chesed untersucht haben. Erinnern wir uns: Wir können die Eigenschaften Gottes nicht trennen und keine Psychoanalyse über ihn aufstellen. Tatsächlich ist es eine der größten Wahrheiten über Gott, dass er mehr ist als die bloße Kombination seiner Eigenschaften. A.W. Tozer schreibt: „Barmherzigkeit ist ein Attribut Gottes, ... welches darauf hinweist, dass Gott aktiv mitfühlt. Sowohl das Alte als auch das Neue Testament verkünden die Barmherzigkeit Gottes; aber das Alte hat mehr als das Vierfache von dem darüber zu sagen, was das Neue Testament lehrt.“29 Wie Tozer sagt, die beste Definition von rachamim wäre wahrscheinlich „aktiv mitfühlend“. Genau wie Liebe ein Lebensstil, eine Entscheidung, jedoch kein Gefühl ist, so ist auch Barmherzigkeit eine Handlung und nicht bloß ein Gefühl. Mitgefühl ist ein Gefühl, aber Barmherzigkeit ist eine Handlung „an“ dem Empfänger. Rachamim und davon abgeleitete Begriffe sind im folgenden durch Fettdruck hervorgehoben. Wie bei der Bundes-Liebe chesed verkündet Gott, dass auch Barmherzigkeit, rachamim, ein Grundbestandteil seines Wesens ist. „Jahwe, Jahwe, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade [chesed] und Treue.“ Barmherzigkeit ist das erste Attribut auf der Liste nach seinem Namen (2.Mo. 34,6). In 5.Mose 4 prophezeit Mose, dass Israel den Herrn zum Zorn reizen wird (V. 25). Dies sollte eine Zerstreuung in die ganze Welt durch die Hand Gottes zur Folge haben (V. 26-27). Aber er sagt auch (V. 30), dass Israel in den letzten Tagen Gott finden wird, wenn sie ihn ernsthaft suchen. Mose wusste doch 26

Z. B. Ps. 22,1-22 [s. Kapitel 11, Abschnitt „Psalm 22“]; 41,5-13; 69,4.7- 9.10-26. Spr. 6,16; Jes. 61,8; Jer. 44,4; Am. 5,21; Sach. 8,17. Yeshua hasst Dinge, die seine Gemeinde verschmutzen (Offb. 2,6.15). 28 S. auch Ps. 101,2-3; 119,104.113.128.163; 139,21-22; Spr. 8,13; Am. 5,14-15. 29 A.W. Tozer, a. a. O., S. 96-97. 27

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alles, was Israel tun würde – wie erklärt er also dieses Ende? „Denn ein barmherziger Gott ist der HERR, dein Gott. Er wird dich nicht aufgeben und dich nicht vernichten und wird den Bund deiner Väter nicht vergessen [ignorieren], den er ihnen geschworen hat“ (5.Mo. 4,31). Nehemia und Daniel, die Israels andauernde Rebellion gegen Gott bekannten, verkünden: Israel überlebt aufgrund der unendlichen Barmherzigkeit Gottes mit seinem Volk. „Doch in deinen großen Erbarmungen hast du nicht ein Ende mit ihnen gemacht und sie nicht verlassen. Denn ein gnädiger und barmherziger Gott bist du“ (Neh. 9,31) „Bei dem Herrn, unserem Gott, ist das Erbarmen und die Vergebung. Denn wir haben uns gegen ihn aufgelehnt“ (Dan. 9,9). König David zieht diese Vorstellung auf eine persönliche Ebene. „Sei mir gnädig [wörtl. Mitleid – nicht rachamim], o Gott, nach deiner Gnade [chesed]; tilge meine Vergehen nach der Größe deiner Barmherzigkeit“ (Ps. 51,3). In Sprüche 28,13 heißt es, bezogen auf das Bekennen von Sünde: „Wer seine Verbrechen [wörtl. Übertretungen; Auflehnungen] zudeckt, wird keinen Erfolg haben; wer sie aber bekennt und lässt, wird Erbarmen finden.“ Das ist einer der Wurzelverse für Johannes’ Aussage in 1.Joh. 1,9: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.“ Die Propheten beschreiben Gottes barmherziges Mitgefühl als eine der „Belohnungen“ der Buße. „Der Gottlose verlasse seinen Weg und der Mann der Bosheit seine Gedanken! Und er kehre um [tue Buße] zu dem HERRN, so wird er sich über ihn erbarmen, und zu unserem Gott, denn er ist reich an Vergebung“ (Jes. 55,7). „Zerreißt euer Herz und nicht eure Kleider und kehrt um zum HERRN, eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig“ (Joel 2,13a). Schauen wir uns nochmals die Verse in den Klageliedern an, die sowohl chesed als auch rachamim enthalten. „Ja, die Gnadenerweise [chesed] des HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen [rachamim] hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue“ (Klgl. 3,22-23). Wahrscheinlich sind viele dieser Verse Ihnen bekannt, und Sie zitieren einige sogar auswendig. Derartige wunderbare Offenbarungen des Wesens Gottes finden sich häufig im Alten Testament. Die Heiligen des Tanach brauchten Gottes Barmherzigkeit genauso wie wir. 42


„Gnädig ist der HERR und gerecht, und unser Gott ist barmherzig“ (Ps. 116,5). Der Gott der Gnade Gott hat im Tanach nie durchs Gesetz gerettet. Rettung durch Werke gibt es nirgendwo in der Schrift. Gottes Rettungsweg hing immer ab von Gnade durch Glauben an sein Wort. „Gnade“ (hebräisches Wurzelwort „chen“, manchmal mit „Gunst“ übersetzt) kann folgendermaßen definiert werden: Ein Höhergestellter hat Gefallen an und guten Willen für einen Untergebenen und erweist ihm Gefallen; der Stärkere kommt dem Schwächeren zur Hilfe. Gottes Gnade bedeutet: Es freut ihn, seine Gaben über seine Kinder auszuschütten, die das gar nicht verdienen. Die schlichteste theologische Definition für „Gnade“ ist Gottes unverdientes Werk an Sündern. Seine Gnade blüht überall im Tanach. (Das hebräische chen und die davon abgeleiteten Worte sind in den folgenden Versen durch Fettdruck hervorgehoben.) Wenn wir in 1.Mose beginnen – wie wurden Noah und seine Familie aus der Flut gerettet? Durch Gottes Gnade. „Noah aber fand Gunst in den Augen des HERRN“ (1.Mo. 6,8). Und erst danach spricht die Schrift davon, dass er gerecht und „untadelig unter seinen Zeitgenossen“ war (1.Mo. 6,9). Mose kannte die Gnade Gottes. Im bereits behandelten Abschnitt „Lass mich deine Herrlichkeit schauen“ und seiner Einleitung kommt das Wort chen neun mal vor! (2.Mo. 33,12-19; 34,5-9). „Mose nun sagte zum HERRN: Siehe [bedenke], du sagst zu mir: Führe dieses Volk hinauf! – aber du hast mich nicht erkennen lassen, wen du mit mir senden willst, wo du doch selbst gesagt hast: Ich kenne dich mit Namen [ich weiß alles über dich], ja, du hast Gunst gefunden in meinen Augen. Und nun, wenn ich also Gunst gefunden habe in deinen Augen, dann lass mich doch deine Wege erkennen, so dass ich dich erkenne, damit ich Gunst finde in deinen Augen, und bedenke, dass diese Nation dein Volk ist! Er [Gott] antwortete: Mein Angesicht wird mitgehen und dich zur Ruhe bringen. 43


Er [Mose] aber sagte zu ihm: Wenn dein Angesicht nicht mitgeht, dann führe uns nicht von hier hinauf! Woran soll man denn sonst erkennen, dass ich Gunst gefunden habe in deinen Augen, ich und dein Volk? Nicht daran, dass du mit uns gehst und wir, ich und dein Volk, dadurch vor jedem Volk auf dem Erdboden ausgezeichnet werden? Der HERR antwortete Mose: Auch diesen Wunsch, den du jetzt ausgesprochen hast, werde ich erfüllen; denn du hast Gunst gefunden in meinen Augen, und ich kenne dich mit Namen. Er [Mose] aber sagte: Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen! Er [Gott] antwortete: Ich werde all meine Güte an deinem Angesicht vorübergehen lassen und den Namen Jahwe vor dir ausrufen [der seine Eigenschaften beinhaltet]: Ich werde gnädig sein, wem ich gnädig bin, und mich erbarmen [rachamim], über wen ich mich erbarme ...“ „Da stieg der HERR in der Wolke herab, und er trat dort neben ihn30 und rief den Namen des HERRN aus. Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Jahwe, Jahwe, Gott, barmherzig [rachamim] und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade [chesed] und Treue, der Gnade [chesed] bewahrt an Tausenden von Generationen, der Schuld, Vergehen und Sünde vergibt [trägt], aber keineswegs ungestraft lässt, sondern die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern, an der dritten und vierten Generation. Da warf sich Mose eilends zur Erde nieder, betete an und sagte: Wenn ich doch Gunst gefunden habe in deinen Augen, Herr, so möge doch der Herr in unserer Mitte mitgehen! Wenn es auch ein halsstarriges [störrisches; widerspenstiges] Volk ist, vergib uns aber dennoch unsere Schuld und Sünde und nimm uns als Erbe an!“ Mose gründet seine Bitte, Gott selbst und nicht nur ein Engel31 möge das Volk Israel begleiten, auf die Gnade Gottes. Beachten wir den Kontext; dieser Dialog ereignet sich direkt 30

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Wer war dieser HERR, der Mose auf dem Berg das Grundwesen des Gottes Israels offenbarte? Laut Johannes war es der noch nicht Fleisch gewordene Sohn Gottes: „Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn kundgemacht“ (Joh. 1,18). S. 2.Mo. 32,34-33,3.

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nach der Sünde des Götzendienstes, als Israel das Goldene Kalb herstellte und anbetete (2.Mo. 32-33). Aber hier bestätigt32 Gott nochmals Gnade, unverdiente Gunst, als die Grundlage seiner Beziehung mit Mose und den Israeliten. Gott befahl den Priestern Israels, das Volk zu segnen, indem sie seinen Namen auf die Menschen legten. Dazu verwendeten sie den „aaronitischen Segen“. In einem Teil dieses wunderbaren Segens wird Gott gebeten, seinen Kindern gnädig zu sein. „Der HERR segne dich und behüte [beschütze; bewahre] dich! Der HERR lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig! Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden“ (4.Mo. 6,24-26). Dieser Friede – hebräisch shalom – stammt aus der Gnade Gottes. Er bedeutet viel mehr als nur Beendigung von Streitigkeiten. Shalom beinhaltet Ganzheit, Wohlbefinden, Gesundheit, Sicherheit, Zufriedenheit und Wohlstand. Obwohl der König von Syrien sich Israel widersetzte, wurde das Volk nicht vernichtet. „Aber der HERR war ihnen gnädig, erbarmte sich über sie [rachamim] und wandte sich ihnen zu wegen seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob. Er wollte sie nicht vernichten und verstieß sie nicht von seinem Angesicht bis dahin“ (2.Kön. 13,23). Es kam zwar eine Zeit, als Israel „aus der Gegenwart Gottes verstoßen“ wurde, aber selbst dann stand Gottes Versprechen fest, sie nicht zu zerstören – bis heute steht dieses Versprechen (Jer. 31,35-37; 51,5). Die Bitte um Gottes Gnade kommt in den Psalmen mindestens 20 mal vor, wird aber manchmal auch mit „Erbarmen“ übersetzt. „Sei mir gnädig, HERR, denn ich bin welk; heile mich, HERR, denn meine Gebeine sind bestürzt“ (Ps. 6,3). „Ich sprach: HERR, sei mir gnädig! Heile meine Seele, denn ich habe gegen dich gesündigt“ (Ps. 41,4. Auch 4,2; 6,3; 9,14; 25,16; 51,3; 119,58 usw.). Psalm 84,12 ist ebenfalls eine wunderbare Verheißung an diejenigen unter uns, die in Gottes Augen gerecht sind, weil sie im Messias bleiben (2.Kor. 5,21; Phil. 3,9) – diejenigen, die mit Furcht und Zittern ihre Rettung bewirken (Phil. 2,12b-13). Un32

Wir reden von einer erneuten Bestätigung, weil Gott Abraham, Isaak und Jakob auserwählt und Israel aus der ägyptischen Sklaverei befreit hatte – alles gegründet auf seine Gnade und Liebe. Mose kannte Gottes Gnade persönlich. Gott bestätigt sie erneut, indem er auf Moses Bitte mit Ja antwortet.

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ter den Dingen, die Gott uns verheißt, ist mehr Gnade! „Denn Gott, der HERR, ist Sonne und Schild. Gnade und Herrlichkeit wird der HERR geben, kein Gutes vorenthalten denen, die in Lauterkeit wandeln.“ Psalm 102,13 ist einer der Verse, die uns Hoffnung geben. „Du wirst aufstehen, wirst dich Zions erbarmen [rachamim – aktives Mitgefühl]. Denn es ist Zeit, ihn zu begnadigen [von chen, Gnade], denn gekommen ist die bestimmte Zeit.“33 Beachten wir, dass Gott sich mit Israel aufgrund seiner Gnade uns seines Erbarmens befasst – nicht, weil Israel vollkommen oder immer gehorsam ist (vgl. Jer. 31,1-3). Er befasst sich auf die selbe Art mit Gläubigen – wofür wir auf ewig dankbar sein werden! Sprüche 3,34 ist ein Wurzelvers, der von Jakobus (4,6) und Petrus (1.Petr. 5,5) verwendet wird: „Ja, mit den Spöttern treibt er seinen Spott, den Demütigen [Niedrigen, Sanften, Armen, denen, die zerbrochenen Herzens sind] aber gibt er Gnade.“ Wir schließen diesen Abschnitt über Gnade mit zwei Endzeitprophetien, die sich auf Israel beziehen. In Jesaja 30,18-19 sagt der Prophet, dass Gott auf Israels Hilferuf wartet: „Und darum wird der HERR darauf warten, euch gnädig zu sein, und darum wird er sich erheben, sich über euch zu erbarmen [rachamim]. Denn ein Gott des Rechts [der Gerechtigkeit] ist der HERR. Glücklich alle, die auf ihn harren! Ja, du Volk aus Zion, das in Jerusalem wohnt, du wirst nicht mehr weinen! Er wird dir gewiss Gnade erweisen auf die Stimme deines Hilfegeschreis. Sobald er hört, wird er dir antworten.“ Die Situation gleicht der in Hesekiel 36,37a beschriebenen Lage: Nachdem der Herr verspricht, viele wunderbare Dinge für Israel zu tun, wartet er nur darauf, dass Israel um diese Dinge bittet. „So spricht der Herr, HERR: Auch noch darin werde ich mich vom Haus Israel bitten lassen, es für sie zu tun:“ Aber wann wird Israel zu seinem Gott rufen? Sacharja 12 zeigt uns, wie alle Nationen gegen Jerusalem in den Krieg ziehen werden (V. 2-11), und Gott behandelt sein Volk immer noch mit Gnade! „Aber über das Haus David und über die Be33

Das hebräische Wort für „bestimmte Zeit“ lautet moed. Es bezeichnet einen von Gott festgesetzten Termin, sich mit seinem Volk zu treffen. Es ist mehr als nur ein Festessen, obwohl es in 3.Mose, wo die „Feste“ des Herrn beschrieben werden, mit „Fest“ übersetzt wird.

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wohnerschaft von Jerusalem gieße ich den Geist der Gnade und des Flehens [vom selben Wort wie Gnade] aus, und sie werden auf mich blicken [mir Aufmerksamkeit schenken; mich bedenken], den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt, und werden bitter über ihn weinen, wie man bitter über den Erstgeborenen weint“ (Sach. 12,10). Gott hatte dieses geistliche Prinzip, ihn um seine Gnade anzuflehen, schon früher in Sacharja aufgestellt. Er sagte nämlich zu Serubbabel, den einige Rabbiner für einen Schatten auf den Messias halten: „Dies ist das Wort des HERRN an Serubbabel: Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der HERR der Heerscharen. Wer bist du, großer Berg? Vor Serubbabel werde zur Ebene! Und er wird den Schlussstein herausbringen unter lautem Zuruf: Gnade, Gnade für ihn“ (Sach. 4,6b-7).

Gott, unser Vater Für Gläubige ist es einer der größten Gewinne des Glaubens an den Messias, dass wir Gott „Abba, Vater“34 nennen dürfen. Allerdings haben einige den Eindruck, Gottes Vaterschaft sei eine neue Lehre, die Yeshua offenbart habe. Wie alle Lehren des Neuen Testaments hat auch diese ihre Wurzeln im Tanach. Hier einige der Wurzelverse. Gott befahl Mose, sich dem König von Ägypten folgendermaßen zu nähern: „Und du sollst zum Pharao sagen: So spricht der HERR: Mein erstgeborener Sohn ist Israel“ (2.Mo. 4,22). Die Ägypter hielten Pharao für einen Gott, und in symbolischer Weise für einen Vater. Also fordert Gott Pharao heraus: „Und ich sage dir: Lass meinen Sohn ziehen, damit er mir dient! 34

Röm. 8,15; Gal. 4,6. Abba (Papa) hört man heute in Israel überall auf den Straßen und in den Häusern.

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Wenn du dich aber weigerst, ihn ziehen zu lassen, siehe, dann werde ich deinen erstgeborenen Sohn umbringen“ (2.Mo. 4,23). Mose bezeugte Gottes Vaterbeziehung mit den Israeliten. In seiner letzten Rede sagte er: „Ihr seid die Kinder des HERRN, eures Gottes“ (5.Mo. 14,1a, KJV). Später im selben Buch stellte er Israel die spitzfindige Frage: „Wollt ihr so dem HERRN vergelten, törichtes und unweises Volk? Ist er nicht dein Vater, der dich erkauft hat? Hat er dich nicht gemacht und dich bereitet?“ (5.Mo. 32,6) Auch König David offenbarte dem Volk Israel Gott als Vater. „Und David pries den HERRN vor den Augen der ganzen Versammlung, und David sprach: Gepriesen seist du, HERR, Gott Israels, unser Vater, von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (1.Chr. 29,10). Hier zwei interessante Verse aus dem Propheten Jesaja. In Jesaja 63,16 bekennt offenbar ein gläubiger Überrest in Israel35 den Herrn, obwohl sie nicht vollständig im Glauben ihrer Vorväter, Abraham und Israel, geblieben sind. Dennoch: „Denn du bist unser Vater. Denn Abraham weiß nichts von uns, und Israel kennt uns nicht. Du, HERR, bist unser Vater, unser Erlöser von alters her, das ist dein Name [dein Ruf; dein Charakter].“ Nachdem diese Menschen aus dem Überrest ihre Sünden bekannt hatten, bitten sie Gott in Jesaja 64,7 inständig, sich über Israel zu erbarmen – aufgrund seiner Vaterbeziehung mit dem Volk. „Aber nun, HERR, du bist unser Vater. Wir sind der Ton, und du bist unser Bildner, und wir alle sind das Werk deiner Hände.“ Der Herr rechtfertigt, dass er Israel das Land Israel zum Besitz gibt, indem er sagt: Wenn er das Volk als Nation rettet, wird es ihn als Vater erkennen und ihm dienen und ihn anbeten. „Und ich hatte doch gedacht: Wie will ich dich unter die Söhne aufnehmen und dir ein köstliches Land geben, ein Erbteil, das die herrlichste Zierde der Nationen ist! Und ich meinte, ihr würdet mir zurufen: ‚Mein Vater!’ und würdet euch nicht mehr von mir abwenden“ (Jer. 3,19). Und: „Mit Weinen kommen sie, und unter Flehen führe [trage] ich sie. Ich bringe sie zu Wasserbächen auf einem ebenen [geraden, rechten, gerechten] Weg, auf dem sie nicht stürzen. Denn ich bin Israel wieder zum Vater 35

Wie Paulus in Röm. 9,27 und 11,5 andeutet, wird es immer einen „Überrest nach Auswahl der Gnade“ geben.

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geworden, und Ephraim ist mein Erstgeborener“ (Jer. 31,9). Dieser letzte Vers ist eine definitive Endzeitprophetie, die sich heute in einem Überrest Israels erfüllt. Im Tanach gibt es sogar Stellen, an denen Gott von einzelnen Menschen „Vater“ genannt wird. Als Gott den Bund mit David verkündet, sagt er über Salomo: „Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein“ (2.Sam. 7,14a). Es gibt auch eine Gruppe Unterprivilegierter, denen Gott ein Vater zu sein versprochen hat. „Ein Vater der Waisen und ein Richter [Verteiler von Gerechtigkeit für die] der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung“ (Ps. 68,6). Wir sehen also: Bevor Yeshua im Fleisch kam, hatten viele Verse im Tanach Gott schon als unseren Vater offenbart. Yeshua betonte Gottes Vaterschaft mehr als irgend jemand vor ihm, aber er konnte dies mit absoluter biblischer Korrektheit tun: nämlich aufgrund der tiefen Wurzeln im Tanach, die wir gerade betrachtet haben. Die Vaterschaft Gottes spielt auch im rabbinischen Judentum eine große Rolle. A. Cohen beobachtet: „Gott wird ständig angeredet mit ‚Vater im Himmel’, man spricht von ihm unter diesem Titel ... Es galt als Zeichen außergewöhnlicher Gnade seinerseits, dass diese intime Beziehung besteht und den Menschen offenbart wurde.“ In seinem Buch Everyman’s Talmud fährt er fort: „Vor allem beim Gebet wurde der Einzelne dazu ermuntert, sich als jemanden zu betrachten, der seine Bitten an einen richtete, der mit ihm in einer Vaterbeziehung stand.“36 Im traditionellen jüdischen Gebetbuch, dem Siddur, beginnt in dem wunderschönen liturgischen Sündenbekenntnis, das am Versöhnungstag Yom Kippur in jeder Synagoge gelesen wird, jede Zeile mit den Worten: „Unser Vater, unser König.“ „Er wird mich anrufen: Mein Vater bist du, mein Gott und der Fels meines Heils“ (Ps. 89,27).

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A. Cohen, Everyman’s Talmud, Schocken Books, New York, 1975 (Nachdruck der Ausgabe von 1949, Hrsg. EP Dutton), New York, S. 20-21.

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Heimkehr ruft in uns starke Gefühle wach: Geborgenheit, Wärme, Dazugehörigkeit. Dieses Buch möchte dies auch erreichen, dass wir nämlich durch Erkennen unserer Wurzeln um so mehr daheim sind bei Gott und seiner Macht und Stärke, geborgen in seiner Hand. Das Autoren-Ehepaar Karen und Chuck Cohen ist davon überzeugt, dass das Alte Testament das Fundament des Neuen Testaments ist. Wenn das Fundament eines Hauses nicht lotrecht, rechtwinklig und eben gelegt wird, wird das Haus verzogen, schief und schräg sein oder „geistlich ungesund“. Auch ist es nötig in unserer Zeit, uns neu bewusst zu machen, wie stark die neutestamentliche Gemeinde auf jüdischen Fundamenten gebaut ist. Chuck und Karen Cohen haben sich intensiv mit der Bibel beschäftigt und ein solides biblisches Wissen in diesem Buch zusammengetragen – über unbestreitbare Tatsachen unseres jüdischen Erbes – und dabei grundlegende Lehren des christlichen Glaubens erläutert. Dieses Buch sollte seinen Platz in unseren Bibliotheken und Gemeinden haben.

AZAR GbR Schwarzauerstr. 56 | 83308 Trostberg Tel.: 08621 6498754 E-mail: info@azarnet.de www.azarnet.de

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ChuCk Cohen stammt aus einer jüdischen Familie mit amerikanischer Staatsangehörigkeit. 1967 entdeckte er, dass Jesus der von Gott gesandte Messias ist. Seit 1989 lebt Chuck mit seiner Frau karen und ihren beiden Söhnen in Israel. er war Co-Pastor der „king of kings“ Gemeinde in Jerusalem und ist einer der leitenden Verantwortlichen von „Intercessors for Israel“, Jerusalem, sowie herausgeber des Rundbriefes „Watchmen from Jerusalem“ – einer biblischen Perspektive der nachrichten aus Israel, der auch in deutscher Sprache erscheint.

ISBN 978-3-944603-01-8


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