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Seine Liebe macht alles neu

Erlebe tiefgreifende Ver채nderung durch die Kraft der Liebe Gottes

Debbie Alsdorf


Copyright © 2008 by Debbie Alsdorf. All rights reserved. Originally published in English by Revell a division of Baker Publishing Group P.O. Box 6287, Grand Rapids, MI 49516-6287 www.revellbooks.com under the title Deeper by Debbie Alsdorf

Alle Rechte, © 2009, der deutschen Ausgabe bei:

Adullam Verlag St.-Ulrich-Platz 8 85630 Grasbrunn 089 468801 www.adullam.de ISBN 978-3-931484-95-8 1. Auflage, September 2009 Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags. Bestellungen bitte an oben stehende Adresse richten.

Alle Bibelzitate wurden, wenn nicht anderweitig gekennzeichnet, der Revidierten Elberfelder Bibel, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal, © 1985/1991/2006, entnommen. Hervorhebungen durch den Autor.

Übersetzung: Dagmar Schulzki Umschlag: Anne Dittrich, Druckerei Mißbach Satz und Umbruch: Adullam Verlag Druck: Schönbach Druck, Erzhausen Lektorat: Joshua Werling, www.wortschoepfung.info Korrektorat: Barbara Doering, Das gute Wort


„Möge der Geist Gottes diese lebensverändernden Wahrheiten tief in dein Herz einpflanzen. Die Botschaft auf diesen Seiten wird dein Leben in Christus auf neue Ebenen der Freude und des Friedens erheben! Auf jeder Seite finden sich neue Wahrheiten aus Gottes Wort.“ Glenna Salsbury, Sprecherin; Autorin von The Art of the Fresh Start „Im tiefsten Inneren unseres Wesens sehnen wir uns nach einer Beziehung zu Gott, die oberflächlichen Glauben in eine innige Liebesbeziehung verwandelt. Indem Debbie Alsdorf uns an ihren persönlichen Erfahrungen teilhaben lässt und uns biblische Wahrheiten sowie deren Anwendung aufzeigt, gibt sie uns eine praktische Anleitung dafür, wie wir in eine tiefere Beziehung zu Gott hineinkommen können. Die Überlegungen am Ende jedes Kapitels machen dieses Buch zu einem idealen Leitfaden für persönliche Studien und die Interaktion in kleinen Gruppen. Ich kann es wärmstens empfehlen!“ Carol Kent, Sprecherin; Autorin von A New Kind of Normal „Frauen brauchen die Wahrheit. Viele von uns glauben, wir würden den Maßstäben nicht gerecht werden und müssten Leistungen erbringen, um akzeptiert zu werden. In Seine Liebe macht alles neu nimmt Debbie Alsdorf den Leser mit auf eine ehrliche und lebensverändernde Reise durch vier Schlüsselwahrheiten aus Psalm 139. Wenn eine Frau diese Wahrheiten annimmt, wird sie freigesetzt! Seine Liebe macht alles neu hilft Frauen, Gottes Liebe und seine Gegenwart in jedem Detail des Lebens zu entdecken. Debbie hat diese tiefe Liebe angenommen und vermittelt die Wahrheit jetzt auf so wunderbare Weise, dass sie Frauen für immer verändert.“ Jennifer Rothschild, Autorin von Lessons I Learned in the Dark und Self Talk, Soul Talk „Bist du das oberflächliche, von ständigem Konkurrenzkampf geprägte, fremdgesteuerte christliche Leben leid? Sehnst du dich danach, eine tiefere Verbindung mit Gott einzugehen und die ‚reale‘ Beziehung zu Christus zu entdecken? Debbie Alsdorf führt 5


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uns in eine tiefere, reichere, erfülltere Liebesbeziehung zu Gott hinein. Jede Frau würde das Leben mehr lieben, wenn auch sie tiefer in ihrer Beziehung zu Gott ginge. Jetzt steht diese Möglichkeit allen Frauen offen, denn Debbie hat den Weg für ein tieferes Leben mit Gott gebahnt.“ Pam Farrel, Autorin von Männer sind wie Waffeln – Frauen sind wie Spaghetti „In Seine Liebe macht alles neu lässt Debbie Alsdorf uns alle an ihrer praktischen, fundierten Weisheit teilhaben. Als Debbies Pastor, Kollege und Freund habe ich beobachtet, wie sie ihren Glauben in den letzten zehn Jahren jeden Tag ausgelebt hat. Debbie hat so vielen Menschen geholfen, ihren Wert neu einzuschätzen – auf der Grundlage dessen, was Gott gesagt und getan hat, nicht aufgrund von Verletzungen (oder Schmeicheleien), die wir von anderen erfahren haben. Diese gesunde Denkweise erfordert, dass wir jeden Tag gemäß auf der Bibel basierender Grundsätze leben, was im Zuge unsere bewussten und unterbewussten Denkprozesse im Lauf der Zeit verändert. In Seine Liebe macht alles neu vermittelt Debbie wesentliche Schlüsselwahrheiten, die ihr aus dem Morast schmerzlicher Erinnerungen herausgeholfen haben. Ich weiß aus erster Hand, dass Debbie alles praktiziert, wovon sie in Seine Liebe macht alles neu spricht. Gottes Liebe zu uns ist real und sie ist tiefer als jede menschliche Liebe.“ Steve Madsen, leitender Pastor der Cornerstone Fellowship

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Inhaltsverzeichnis Danksagung ............................................................................ 11 Einleitung: Der Beginn von etwas Tieferem ............................ 13 1 Tanz mit Engeln: Die letzten Worte einer Mutter an ihre Tochter ............... 17 Schritt 1 – Werde Gott gegenüber wahrhaftig Ich wende mich von mir selbst ab, um mich in ihm zu finden 2 Der Glaube, ungenügend zu sein: Die quälende Falle alter Botschaften ................................ 29 3 Kein Verstecken mehr: Wenn dich die Liebe berührt ................................................. 47 4 Ich gehöre ihm: Ich ergreife meine wahre Identität ..................................... 65 Schritt 2 – Zurück zu den Grundlagen Grundlegende Wahrheiten für wahre Lebensveränderung 5 Von der Wahrheit verwandelt: Die Freiheit eines neuen Bewusstseins .............................. 83

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6 Gott kennt mich: Ich darf lernen, mich zu entspannen und loszulassen .......... 97 7 Gott beschützt mich: Ich kann glauben, muss mich nicht fürchten .................. 109 8 Gott hat mich geschaffen: Ich bin bedeutend, weil er es sagt ..................................... 125 9 Gott schätzt mich: Ich werde geschätzt, gehegt und geliebt ............................... 139 Schritt 3 – Ein Neubeginn für ein verändertes Leben Bringe den Puls deines Lebens in Einklang mit dem Herzschlag Gottes 10 Die Entscheidung für eine neue Richtung: Deine Einstellung bestimmt dein Leben ........................... 161 11 Die Entscheidung für ein Leben in Abhängigkeit: Die Länge haben wir nicht in der Hand, nur die Tiefe ...... 179 12 Jeder Tag zählt: Werde zu einem Gefäß für jeden Tag ................................ 195 Quellenangaben .................................................................... 213 Bibliografie ........................................................................... 215 Über die Autorin ................................................................... 217

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Alles hat Gott durch ihn geschaffen, und alles findet in ihm sein letztes Ziel. Kolosser 1, 16 (Gute Nachricht )


Einleitung Der Beginn von etwas Tieferem Du weißt, dass es noch mehr geben muss, du bist nur nicht sicher, wie du dorthin gelangst. Eines ist sicher: Du willst nicht dort bleiben, wo du bist. Charles Swindoll

Mein Leben als Christ gleicht zwei völlig unterschiedlichen Büchern. Den ersten Band nenne ich Christentum light, das Leben einer perfekt funktionierenden Frau – zumindest rein äußerlich. Ich wusste die richtigen Dinge zu sagen und zu tun, füllte mich mit einer Menge biblischen Wissens und diente in der Ortsgemeinde – doch in meinem wahren Leben hatte sich sehr wenig verändert. Obwohl ich meiner Rolle nach außen hin gerecht wurde, war mein Leben von geheimer Scham und verborgenen Komplexen erfüllt. Die Realität meines Lebens stimmte nicht mit meiner Lehrmeinung überein und es ging in meinem Leben mehr um mich als um Christus. Dann kam der zweite Band. Die Fassade der perfekt funktionierenden Frau brach zusammen und verbrannte. Mein Leben, wie ich es kannte, fiel auseinander. Als die Umstände immer schlimmer wurden, schien mein Leben außer Kontrolle zu geraten und unglaublich leer zu sein. Ich führte plötzlich ein Leben, von dem ich nie geahnt hatte, dass es so etwas gab. Ich brauchte mehr, als zu einem großen christlichen Club zu 13


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gehören, mehr als gut auszusehen und Gutes zu tun. Ich brauchte wahre Hoffnung auf einen wahren Gott. Ich brauchte den Mut für einen Neubeginn. Zu diesem Zeitpunkt war mein Leben voller chaotischer Bruchstücke und ungelöster Probleme. Ich hatte sie weggestopft, unterdrückt und versucht, sie zu bedecken. Aber irgendwo auf dem Weg hörte ich auf, sie zu verstecken, und begann, mir über meine Zerbrochenheit klar zu werden. Und nachdem ich den Großteil meines Lebens damit verbracht hatte, mich zu fragen, wer ich war und ob mein Leben eine Rolle spielte, erfuhr ich die Wahrheit über meine Existenz und die Liebe Gottes, der mich erschaffen hatte. Ich begann, den Gott zu suchen, der ein Leben in Fülle verheißen hat, und ich wollte unbedingt wissen, wie dieses Leben wirklich aussah. Ich wagte, zu hoffen, dass es sich dabei nicht nur um ein christliches Klischee handelte, das ich über die Jahre hinweg aufgesagt hatte. Ich hoffte, dass es die Wahrheit war und dass ein Leben in Fülle für Menschen wie mich gedacht war. Weil ich den Punkt erreichte, an dem ich wollte, dass sich in meinem geistlichen Leben etwas veränderte, erkannte ich, dass ich aufhören musste, das zu tun, was ich bisher getan hatte. Ich musste diesen Wahnsinn stoppen und etwas Neues ausprobieren. Deshalb traf ich die Entscheidung, in meinem Leben mit Gott einen Neuanfang zu wagen, und nachdem ich siebzehn Jahre lang gläubig gewesen war, entschloss ich mich, meinen Glauben ernster zu nehmen. Langsam näherten sich meine Lehrmeinung und die Realität einander an. Ich begann, Gott als den zu sehen, der er ist, und mich selbst als einen Menschen, der zu ihm gehört. Ich erlangte einen Glauben an Gott, der authentisch und praktisch war – einen Glauben, der mir half, im ganz normalen Alltag anders zu leben. Ich will, dass wir Frauen von heute lernen, so zu leben. Wir Frauen, die unter dem Druck stehen, Leistungen zu erbringen und uns der Gesellschaft anzupassen, damit unser Wert anerkannt wird. Frauen, die in einer Welt leben, die applaudiert, wenn man „etwas tut“, sich jedoch sehr wenig dafür interessiert, wer man wirklich ist. 14


Einleitung

Wenn wir die Realität der Liebe Gottes und seine Treue kennen und lernen, jeden Tag in der Wahrheit dieser Liebe zu leben, werden wir etwas Tieferes entdecken – seinen Puls inmitten unseres täglichen Lebens. Diese geistliche Realität ist der Beginn einer anderen Lebensweise – ein Ruf zurück zur Wahrheit. Oswald Chambers schreibt: „Wenn du in der Realität verwurzelt bist, kann dich nichts erschüttern.“1 Lass uns verwurzelt, wahrhaftig und unerschütterlich werden – und lernen, in dem Bewusstsein zu leben, dass Christus wahrhaftig lebt und dass wir wirklich mit ihm verbunden sind. Ich freue mich darauf, diese Reise mit dir gemeinsam anzutreten. Debbie Alsdorf

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1 Tanz mit Engeln Die letzten Worte einer Mutter an ihre Tochter Wenn wir Gott wahrhaft wirken sehen, werden wir uns nie mehr darum sorgen, was geschieht, weil wir unserem Vater im Himmel, den die Welt nicht sehen kann, wirklich vertrauen. Oswald Chambers

Das Leben nimmt seinen Lauf. Die Umstände reiben uns auf und oft fehlt in unserem Leben als „Christ“ das übernatürliche Element, das unser Leben grundlegend verändern sollte. Statt einer authentischen Begegnung mit Gott beschränkt sich unsere Beziehung zu ihm oft darauf, dass wir ein tapferes Gesicht aufsetzen, gute Werke tun und die Beulen bandagieren, die wir uns im Leben zuziehen. Normalerweise gestehen wir uns unsere Ruhelosigkeit und Leere nicht ein; stattdessen arbeiten wir noch härter daran, alles in den Griff zu bekommen, und reißen uns zusammen, so gut es geht, auch wenn es rein äußerlich ist. Wir kämpfen in unserem tiefsten Inneren und fragen uns, ob es da noch mehr gibt. Vielleicht haben wir es aufgegeben, darauf zu hoffen, dass Wünsche in Erfüllung gehen und sind märchenhaftem Denken entwachsen, doch in unserem tiefsten Inneren hoffen wir immer noch auf das 17


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Besondere, das die Leere in unserem Herzen füllen und unserem Alltag die Düsterkeit nehmen kann – und uns wirklich verändert.

Gott hat einen Weg, sich uns als real zu erweisen Es war ein trauriger und schwieriger Sommer. Meine Schwester und ich kümmerten uns mit der Unterstützung des Hospizes um unsere Mutter, die im Sterben lag. Obwohl draußen die Sonne hell schien, war im Inneren alles dunkel, während wir zusahen, wie unsere einst temperamentvolle Mutter im Lauf des Tages immer schwächer wurde. Sie, die immer schon eine starke Frau gewesen war, kämpfte jetzt gegen den nahenden Tod, obwohl ihr Körper dabei war, aufzugeben. Auf das Drängen der Hospizschwester hin redete ich meiner Mutter nochmals zu, loszulassen. „Es ist in Ordnung, loszulassen“, flüsterte ich, als ich ihre zerbrechliche Hand in meine nahm. „Wir wissen, dass du bei Jesus sein wirst, deshalb ist es wirklich in Ordnung, Mama.“ „Nein! Ohne dich und die Jungen werde ich nirgendwohin gehen!“, fuhr sie mich trotzig an. „Mama, ich denke, das wirst du müssen. Deine Zeit ist gekommen, unsere noch nicht.“ Ihre Unterlippe begann zu zittern. „Du hast leicht reden! Du bist dort und ich bin hier. Wir sollten besser hoffen, dass alles, woran wir geglaubt haben, wahr ist!“ Schockiert erkannte ich, dass meine Mutter Angst hatte – große Angst vor dem Tod. Ich hatte zuvor nie viel darüber nachgedacht, doch in meiner Naivität war es mir nicht in den Sinn gekommen, dass Christen tatsächlich Angst vor dem Sterben haben könnten. Schließlich reden wir über die Verheißungen Gottes und sagen, dass wir an das ewige Leben glauben. Wir singen sogar Lieder über seine Gnade und den Himmel. Doch als meine Mutter sich jetzt der Erfüllung der Verheißungen näherte, hatte sie – und sie war wirklich ein Christ gewesen – Angst vor dem Sterben. 18


Tanz mit Engeln

Ihre Furcht brach mir das Herz. Ich begann, dafür zu beten, dass Gott sich ihr als real erweisen und sie von der Angst befreien möge, die ihr ins Gesicht geschrieben stand. Das war am Montag.

Gott hat einen Weg, uns zu berühren Am Freitagmorgen wurde ich von einem Anruf geweckt. Mir wurde gesagt, ich solle zum Haus meiner Schwester kommen. Meine Mutter erlebte einen letzten Auftrieb. Man hatte uns darüber informiert, dass manche Patienten kurz vor dem Tod noch ein letztes Mal einen Kraftschub erleben. Aber obwohl uns das Hospiz über die verschiedenen Phasen des Sterbens aufgeklärt hatte, gab es nichts, das mich auf diesen Tag hätte vorbereiten können. Während meine Mutter zum ersten Mal in der Woche aufrecht im Bett saß, strahlte sie vor Freude und Glück. Das war nicht die verängstigte Frau von Montagmorgen. Nein, jetzt hatte sie ein breites Grinsen im Gesicht, breiter als ich es je bei ihr gesehen hatte, und eine Ausstrahlung, die den Raum zu erhellen schien. „Debbie! Es ist so schick dort!“, erzählte sie mir mit kindlicher Begeisterung, als ich an ihr Bett trat. Meine Mutter hatte noch nie Worte wie „schick“ benutzt. Ich war ganz überrascht, sie hatte nun mehr denn je meine volle Aufmerksamkeit. „Wo?“, fragte ich, während mein Herz so stark schlug, als wolle es gleich aus meiner Brust hüpfen. „Setz dich und ich werde dir alles darüber erzählen“, sagte sie, während sie sich aufrichtete. Ich setzte mich neben ihr Bett und sie erzählte mir von dem flüchtigen Blick auf den Himmel, den sie erhascht hatte. Sie sprach von Engeln, von Smaragden so groß wie Felsbrocken und von Straßen so durchsichtig wie Glas. Besonders fasziniert war sie davon, dass der Zeitpunkt, an dem jeder von uns diesen Ort betreten würde, bereits festzustehen schien. Sie war begeistert und bereit, die Erde zu verlassen, und wollte, dass ich wusste, dass alles, an das wir glaubten, der völligen Wahrheit entsprach – es war ihr so real geworden, dass sie kein Verlangen mehr danach hatte, noch länger hier zu bleiben. 19


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Ich sah zu der Schwester hinüber, der die Tränen über das Gesicht liefen und die mir lautlos zu verstehen gab: „Es ist alles wahr. Sie steht nicht unter dem Einfluss von Arzneimitteln … es ist wahr!“ Ganz offensichtlich handelte es sich weder um eine von Medikamenten verursachte Hysterie noch um eine Halluzination. Obwohl meine Mutter im Sterben lag, hatte sie keine Medikamente bekommen. Sie sprach zusammenhängend und klar und war fest entschlossen, mir von der Realität des Himmels und von dem, was sie gesehen hatte, zu erzählen. Innerhalb der nächsten Stunde breitete sie alles vor mir aus – Stück für Stück. Ich hatte meine Mutter noch nie so gesehen; ich wusste, die Erfahrung, die sie beschrieb, war völlig authentisch. In ihrer Begeisterung bat sie mich, meine zwei Söhne zu holen, damit sie auch ihnen davon erzählen konnte. Ich raste durch die Stadt und wieder zurück. Wir sprachen eine Weile mit ihr und sangen dann einige ihrer Lieblingslieder aus der Gemeinde. Während wir sangen, ließ sie ihren Blick voller Staunen durch den Raum schweifen und lächelte und nickte Dingen zu, die wir nicht sehen konnten. Als wir aufhörten, zu singen, lächelte sie und sagte zu den Jungen: „Wenn die Engel zusammen mit euch singen, hört sich das noch viel schöner an.“ Mein ältester Sohn, ein typischer Siebzehnjähriger, korrigierte sie: „Nein, Großmama, das sind nur wir.“ „Oh nein, dieser Raum ist voller Engel.“ Zufrieden lächelte sie ihre Schau des Himmelreiches an, das über uns tanzte. Jetzt war es Zeit, Abschied zu nehmen. Sie bat meinen ältesten Sohn, Justin, zu sich herüber. Sie räusperte sich und begann: „Justin, du warst immer Großmamas großer Junge. Ich wollte dich nie verlassen. Aber du kennst die Engel, von denen in der Bibel gesprochen wird. Du weißt, dass sie uns auf all unseren Wegen bewahren sollen, nicht wahr? Ich war mir nie sicher, ob es sie wirklich gibt, aber jetzt bin ich es. Sie sind real. Ich habe sie gesehen, deshalb muss ich mir keine Sorgen mehr machen. Du bist sicher. Gib Großmama nur noch ein Versprechen, bevor ich gehe …“ Schluchzend sagte mein Sohn: „Alles, Großmama, alles.“

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„Justin, lebe, als sei das alles wahr, denn das ist es!“ Weinend umarmte er sie und drückte sich dann in eine Ecke des Zimmers, wo er sich zu sammeln versuchte, während sein jüngerer Bruder Cameron an Großmamas Bett trat. Obwohl er bereits dreizehn war, wurde er wieder ganz der kleine Junge, der an jedem Wort seiner Großmutter hing. Weinend und schniefend nickte Cameron, als sie erneut ruhig bat: „Wirst du Großmama etwas versprechen?“ Unter demselben herzzerreißenden Schluchzen wie sein Bruder gelang es auch ihm, zu piepsen: „Ja, Großmama.“ Als sie ihn ein letztes Mal in die Arme schloss, wiederholte sie dieselbe Botschaft: „Lebe, als sei das alles wahr, denn das ist es.“ Jetzt war ich an der Reihe. Ich glaubte, wir würden jetzt besonders emotional werden und uns gegenseitig sagen, wie sehr wir uns liebten … du weißt schon, so etwas wie: „Meine liebe Tochter, ich liebe dich so sehr …“ Doch ihre letzten Worte an mich waren nicht gefühlsbetont. Nein, sie wurde sehr müde, fast schien es, als würde das letzte bisschen Kraft aus ihr weichen. Sie ließ mich nah zu sich herantreten und zog an meinem Kragen, um mich noch näher an ihr Gesicht zu bringen. Ihre verblassten braunen Augen blickten jetzt streng und ernst. „Debra.“ Oh, oh, sie nannte mich nur „Debra“, wenn ich in Schwierigkeiten war oder wenn sie es sehr ernst meinte. Das würde keine gefühlsbetonte Szene werden; sie hatte etwas Wichtiges zu sagen. Fast wie der letzte Befehl einer Mutter erteilte sie mir einen entschiedenen Auftrag: „Lebe, als sei das alles wahr, denn das ist es.“ Weinend und unfähig zu sprechen, nickte ich. Und, ganz die Mutter, fügte sie noch hinzu: „Und die Frauen, zu denen du sprichst – sage ihnen, sie sollen ihr Leben so leben, als sei das alles wahr.“ Ich war verblüfft, weil sie diese Botschaft uns gegenüber dreimal wiederholt hatte. Es gab kein letztes „ich liebe dich“, keine letzte Erinnerung an vergangene Zeiten, nur diese klare Botschaft: Lebe, als sei das alles wahr. Während ich neben dem Krankenhausbett stand, umgeben von zerknüllten Taschentüchern, wusste ich, dass etwas Tiefgreifendes stattgefunden hatte. Urplötzlich war ich aus meinem normalen Leben herausgerissen worden und hatte einen heiligen Augenblick erlebt – einen Augenblick, den ich nie ver21


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gessen werde. Meine Mutter hatte ein ganzes Leben dafür gebraucht, doch jetzt, zum Zeitpunkt ihres Todes, hatte sie den wahren Lebensfunken gefunden, und das hatte sie auf eine Art und Weise, die wirklich untypisch war für sie, mit Glauben, Hoffnung und Liebe erfüllt. Während der nächsten Tage schlief sie die meiste Zeit. Gelegentlich wachte sie auf und sprach mit anderen Familienmitgliedern, wobei sie Sachen sagte wie „es ist so schick dort“ und „ich bin bereit, zu gehen“. Meine Schwester bekam ein letztes „ich liebe dich“, aber ich hörte die Stimme meiner Mutter nie wieder; diese wenigen Worte an ihrem letzten Freitag waren die letzten Worte, die sie zu mir sprach. Einige Tage später starb sie friedlich, es war ihre Zeit zu gehen.

Das Leben wartet auf uns Die Worte meiner Mutter beziehen sich mehr auf das Leben als auf den Tod. Sicher, sie wollte uns wissen lassen, dass der Himmel real ist, doch wir sollten das erfahren, damit Gott unsere Herzen jetzt ergreifen und durchdringen könnte und unsere Sicht unseres Lebens hier auf der Erde völlig verändert würde. Es war beeindruckend, zu sehen, wie sich eine von Furcht gefesselte Frau in eine Frau verwandelte, die von dieser Furcht vollkommen befreit worden war. Was sie sah, veränderte sie. Ich begann, zu hoffen, dass auch ich verändert werden konnte. Obwohl ich schon viele Jahre Christ gewesen war, waren die acht Jahre bis zum Tod meiner Mutter für mich sehr schwer gewesen. Ich hatte in dieser Zeit eine Krankheit durchlitten und eine Scheidung, eine Wiederheirat und einen Wohnortwechsel durchgemacht. Nachdem ich vieles verloren hatte und in dem Loch der klinischen Depression gelandet war, trat ich die Reise an, Gott gegenüber wahrhaftig zu werden, indem ich zu den Grundlagen des Glaubens zurückkehrte, während ich darum kämpfte, mein Leben und meine Stabilität zurückzugewinnen. Das waren harte Jahre. An manchen Tagen glaubte ich nicht, dass ich es schaffen würde. Aber Gott war treu und zeigte mir in meinem Schmerz die Realität seiner Liebe zu mir. Das Kinderlied Jesus Loves Me (Jesus liebt mich) nahm eine ganz neue Bedeutung für mich an, als mir 22


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bewusst wurde, was es eigentlich aussagte, und diese Erkenntnis ihren Weg von meinem Verstand in mein Herz fand. Das bewirkte eine geistliche Veränderung in mir, die völlig neu war für mich. Ich begann, mit Frauen aller Altersgruppen über die Realität der Liebe Gottes zu sprechen. Während dieser Jahre zog meine alternde Mutter bei uns ein. Sie half uns mit den Kindern und wir kümmerten uns um ihre medizinische Versorgung. Unsere angeschlagene Mutter-Tochter-Beziehung begann, geheilt zu werden, und das Leben ging in stetigem Schritt weiter. Gerade als ich dabei war, ganz neu anzufangen und zu lernen, wie ich mich Gottes Liebe anvertrauen konnte, wendeten sich die chronischen gesundheitlichen Probleme meiner Mutter zum Schlechten. Ehe ich mirs versah, war sie fort.

Gott hat einen Weg, uns zu verändern An dem Tag, an dem meine Mutter starb, fühlte ich mich leer. Ich verspürte eine größere Leere als je zuvor. Meine Wurzeln waren ausgerissen worden. Mein Vater war schon einige Jahre zuvor gestorben und nachdem nun meine beiden Eltern fort waren, war ich offiziell eine Waise. Und obwohl ich in meinen frühen Vierzigern war, fühlte ich mich, als sei ich fünf Jahre alt. Ich weinte und weinte und versuchte, aus den Worten, die sie mir hinterlassen hatte, Hoffnung zu schöpfen. Während ich um meine Mutter trauerte, wurde ich täglich an ihre Worte erinnert. Ich konnte sie sagen hören: „Debra, lebe, als sei das alles wahr, denn das ist es.“ Ich konnte ihre durchdringenden, betagten, braunen Augen vor mir sehen. Langsam erkannte ich, dass ihre Worte ein Geschenk Gottes waren. Es waren Worte über den Glauben an den Allmächtigen, den Glauben an die Wahrheit der Bibel, den Glauben an die Bedeutung, die es hatte, wenn ich Christus letztendlich zu meinem Leben machte – ganz und gar. Seit ihrem Tod sind inzwischen einige Jahre vergangen, doch diese Worte klingen immer noch in mir nach. Ich habe begriffen, dass ich keine Waise bin, dass ich nicht allein bin und mich nicht allein durchschlagen muss. Ich gehöre zu dem Allmächtigen. Ich bin als ihm hingegebene Frau stetig gewachsen – in ganz kleinen Schritten, 23


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einer nach dem anderen. Ich merke, wie alte Ängste und Unsicherheiten allmählich immer schwächer werden. Und ich habe mein Versprechen gehalten – wenn ich irgendwo als Sprecherin eingeladen bin, schließe ich immer mit den Worten: „Lebe, als sei das alles wahr, denn das ist es!“ Jetzt schreibe ich dieses Buch und bete, dass du auf diesen Seiten etwas findest, das deinen Glauben an Gott neu belebt, deinen Fokus schärft und dich auf eine Weise definiert, die alles verändert. Obwohl die Worte meiner Mutter von dem kurzen Blick auf den Himmel handelten, den sie erhaschte, als sie dem Tod ins Auge sah, geht es in diesem Buch darum, ein Leben zu führen, das uns dem Himmel näher bringt. Um diese neue Sichtweise zu erlangen, müssen wir akzeptieren, dass die Kraft der Liebe Gottes real und ihre Verheißung wirklich wahr ist. Wir müssen die Wahrheit glauben, wenn es um die Fragen geht, wer wir denn eigentlich sind, und, was noch wichtiger ist, wem wir gehören. Wenn wir auf diese Liebe ansprechen, werden wir ein Leben entdecken, in dem wir nicht mehr nur für uns selbst leben, sondern für ihn. Wir wurden erschaffen, um der Berufung Gottes für unser Leben zu entsprechen, in seiner Liebe zu uns zu ruhen und abhängig von seiner Kraft in uns durchs Leben zu gehen. Aber viele von uns sind innerlich so verschlossen, dass wir nicht in dieser Berufung leben. Jesus sagte, die Wahrheit würde uns frei machen. Es gibt nur eine Wahrheit, die dich freisetzen wird, zu erfahren, wofür du erschaffen wurdest. Der Kern der Wahrheit ist die Tatsache, dass du ihm gehörst. Das bedeutet, dass du sein Schatz bist und dass du in guten, mächtigen, liebevollen Händen geborgen bist. Du gehörst dem allerhöchsten Gott. Das ist wirklich wahr! Diese Wahrheit hat eine größere Reichweite, als wir uns je vorgestellt haben, und ist realer, als wir uns je erhofft haben. Wirst du es wagen, diese Wahrheit zu ergreifen und ihr dein Herz zu öffnen? Wirst du es wagen, zu lernen, so zu leben, als sei das alles wahr? Wenn du die Wahrheit ergreifst, kann ich dir versprechen: Du wirst bemerken, dass du frei wirst. Diese Verheißung der Freiheit 24


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kommt nicht von mir; ihre Quelle ist weitaus zuverlässiger. Diese Verheißung kommt direkt von Gott, der seinen Sohn Jesus gesandt hat, um unser Leben wiederherzustellen und es zu erneuern. Das ist die gute Nachricht – das Leben nimmt seinen Lauf und dann kommt Jesus, um uns von der Realität des Schmerzes, der Verwirrung und der Leere freizusetzen. Ich bin in dieses neue Leben eingetreten und lerne seitdem, zu leben, als sei die einfache Wahrheit der Liebe Gottes wirklich wahr – willst du dich mir anschließen? Wir sind zu so viel mehr bestimmt, als nur dazu, für uns selbst zu leben. Und für alle ist er gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist. 2. Korinther 5, 15

Ich kann hören, wie er mich an einen Ort größerer Tiefe ruft. Sein Ruf ergeht an alle, die mehr wollen. Er ruft … Komm zu mir und lerne, anders zu leben. Komm und entdecke die Realität ganz neu. Komm zu mir und entdecke, wem du gehörst. Komm zu mir und lerne, zu leben, als sei das alles wahr.

Denkanstöße 1. Worauf gründet sich deine Lebenseinstellung? Verlässt du dich nur darauf, was du siehst, oder gehst du weiter und lebst im Blick auf etwas, das man Glauben nennen könnte? 2. Ist der Glaube die Grundlage deiner Lebensführung oder spiegeln deine alltäglichen Handlungen wider, dass du dein Leben nur auf deine Gefühle und eine eingeschränkte Selbstwahrnehmung gründest? 3. Was bräuchte es, um dein Leben zu verändern? 4. Wenn du leben würdest, „als sei das alles wahr“ – würde das dann konkrete Veränderungen hervorrufen und würdest du dann anders leben? 25


Schritt 1

Werde Gott gegenüber wahrhaftig Ich wende mich von mir selbst ab, um mich in ihm zu finden

Wenn unsere Liebesbeziehung zu Gott wachsen soll, müssen wir schonungslos ehrlich zu ihm sein und ihn schonungslos ehrlich zu uns sein lassen. Wir müssen ihm vor allem Zeit geben – Zeit, in der wir den wahren Kern unseres Seins offenbaren können. Wir müssen es wagen, ihm gegenüber wahrhaftig, offen und verwundbar zu sein. Tim Hansel 26


Wahrhaftig Authentisch, aufrichtig, nicht täuschend. Gott gegenüber wahrhaftig zu werden, bedeutet, einen klaren, ehrlichen Blick darauf zu werfen, wer du bist, wo du in deinem Leben stehst und woraus dein geistliches Leben besteht. Es bedeutet, die Maske abzulegen, die du in der Gemeinde trägst, die Fassaden fallen zu lassen und dich dafür zu entscheiden, die harte Arbeit auf dich zu nehmen, die notwendig ist, um Gott nichts mehr vormachen zu wollen. Wahrhaftig zu sein, bedeutet zuzugeben, dass du nicht vollkommen bist und es auch nie sein wirst. Es bedeutet, zu akzeptieren, dass dein Leben nicht vollkommen ist und es das auch nie sein sollte, dass nur Gott vollkommen ist. Wenn sich eine Frau über die unrealistischen Erwartungen hinwegsetzt, die sie sich selbst oder die Gesellschaft ihr auferlegt hat, verändert sie sich. Dann wird sie auf authentische Weise eine Frau Gottes. Da ist etwas Aufrichtiges in ihrem Glaubensleben, etwas Ernsthaftes in ihren Entscheidungen und eine neue, gesunde Einfachheit in ihren Überzeugungen. Wenn sie all die Fassaden hinter sich lässt, wird sie von einer neuen Freude erfüllt. Diese Freude ist ansteckend. Diese Freude gibt ihr wieder Leidenschaft für das Leben. Diese Authentizität lässt sich ohne ein Verständnis des Wesens der Liebe Gottes nicht erreichen. Wenn die Wahrheit der Liebe Gottes in sie eindringt, verändert sich alles. In Ehrlichkeit und Demut kann ein neues Leben beginnen. Doch all das beginnt mit dem ersten Schritt – Gott gegenüber wahrhaftig zu werden.

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