Die wahre Größe einer Frau In dir steckt mehr, als du siehst
Lisa Bevere
Copyright Š 1999 in German by Adullam Verlag. Originally published in English by
Creation House, Lake Mary, Florida, USA under the title
The True Measure of a Woman by Lisa Bevere Copyright Š 1997 by Creation House. All rights reserved. Alle Rechte der deutschen Ausgabe bei:
Adullam Verlag St.-Ulrich-Platz 8 85630 Grasbrunn ISBN 3-931484-11-4 Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.
Inhaltsverzeichnis Vorwort von John Bevere Einleitung ................................................................................. 9 1 Stelle Fragen .................................................................... 13 2 Miste deinen Kleiderschrank aus ..................................... 23 3 Ehrliche Maßstäbe ............................................................ 39 4 Salomos Suche .................................................................. 57 5 „Das ist nicht fair!“ ............................................................ 75 6 Entfliehe deiner Vergangenheit ......................................... 93 7 Die Enthüllung ............................................................... 109 8 Du bist nicht das, was die anderen sehen! ....................... 125 9 Du bist nicht, was du wiegst! ........................................... 139 10 Fasten ............................................................................. 163 11 „Ich hab’s gefunden!“ ...................................................... 179 12 Der dritte Strang ............................................................. 193 Schlusswort ........................................................................... 207 Über die Autorin ................................................................... 209
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Vorwort von John Bevere Was bist du wert? Die Antworten auf diese Fragen sollte jeder Mensch in seinem Herzen und in seinem Kopf fest verankert haben. Allem und jedem auf dieser Erde wird ein bestimmter Wert beigemessen. Wir würden keine 200.000 Euro für ein Haus bezahlen, das nur 50.000 Euro wert ist. Und wenn wir es dennoch täten, wäre dies nicht nur ein unrentables Geschäft – es wäre ein Verlustgeschäft. Jesus stellte folgende Frage: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ (Mt. 16, 26; Luther) Diese Frage verdeutlicht die Wahrheit, dass wir ein Verlustgeschäft machen würden, wenn wir nach dem Reichtum, der Macht, dem Einfluss und der Weisheit dieser Welt streben würden. Denke einmal darüber nach: Wenn wir den Wert, den wir selbst besitzen, gegen alle Unternehmen, alles Gold, alles Geld und alle Reichtümer dieser Welt eintauschen würden, wäre dies ein unrentables Geschäft. Doch viele würden ihr Leben schon für weitaus weniger irdische Reichtümer hingeben. Was bist du also wert? In Johannes 3, 16 heißt es: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab.“ Gott hat seinen Sohn im Tausch für dich hingegeben. „Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blut Christi“ (1. Petr. 1, 18–19). Wenn du der einzige Mensch auf der Erde gewesen wärst, wäre Jesus trotzdem für dich gestorben! Gott macht niemals unrentable Geschäfte, und auch du würdest nicht wissentlich mehr für ein Produkt bezahlen, als es wert ist. In Gottes Augen bist du als Einzelner so viel wert wie das Leben seines Sohnes! Viele Gläubige stimmen dieser Tatsache zwar verstandesmäßig zu, doch sie werden nie in dieser Wahrheit gegründet. Dieses Buch enthält überzeugende Lehrinhalte und Beispiele, die diese Wahrheit beleuchten. Nachdem ich das Manuskript halb gelesen 7
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hatte, wandte ich mich an meine Frau, um ihr mitzuteilen, dass es nur eine einzige Sache gäbe, die ich zu bemängeln hätte. Betroffen fragte sie: „Und das wäre?“ Ich antwortete: „Der Titel deines Buches spricht keine Männer an, dein Buch zu lesen.“ Die wahre Größe einer Frau enthält einige der grundlegendsten Wahrheiten aus Gottes Wort, über die ich jemals gelesen habe. Es ist Augen öffnend. Es spornt an. Dein Leben wird sich verändern. Ich behaupte mit voller Überzeugung, dass die Zeilen, die du lesen wirst, aus dem Herzen Gottes stammen! Vertiefe dich mit offenem Herzen in dieses Buch, und du wirst erleben, wie du dich veränderst. Ich möchte jeden Leser um einen Gefallen bitten: Wenn dieses Buch einen positiven Einfluss auf dein Leben ausübt, dann gib ein Exemplar davon an einen Mann weiter und bitte ihn, jedes einzelne Wort darin zu lesen! Wenn er dich daraufhin etwas merkwürdig anschaut, dann entgegne ihm: „John Bevere sagt, dass jeder Mann dieses Buch lesen soll!“ Ich habe das Glück, seit beinahe 15 Jahren mit Lisa verheiratet zu sein. Ihr Leben ist ein Beispiel für Gottesfürchtigkeit und Tugend. Ich vertraue ihr rückhaltlos, und das kannst du auch! Gott hat ihr eine Botschaft für sein Volk anvertraut. Du hältst dieses Buch nicht zufällig in der Hand, sondern Gott hat es so gewollt! Möge Gott dich beim Lesen reichhaltig segnen!
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Einleitung Es ist Gott ein Vergnügen, uns auf den Kampfplatz unserer größten Ängste zu führen, damit wir ihnen ins Auge sehen müssen. Auf diese Weise unterweist Er unsere Hände zum Kampf und unsere Finger zum Krieg (vgl. Ps. 144, 1). Im Jahr 1982 gab mir Gott den Auftrag, Frauen zu dienen. Zum damaligen Zeitpunkt schluchzte ich gleich los: „Keine Frauen, Gott! Alles, bloß keine Frauen! Ich gehe überall hin, aber bitte zwinge mich nicht, vor Frauen zu stehen!“ Ich hatte kein Herz für Frauen. Meistens ärgerte ich mich ja nur über sie. Ich hatte kein Vertrauen zu ihnen. Ich kam besser mit Männern zurecht. Die sagen wenigstens, was sie meinen, und meinen, was sie sagen. Frauen dagegen kommunizieren scheinbar in einer unklaren und missverständlichen Sprache, die mir nicht geläufig zu sein schien. Anscheinend sagte ich immer genau das Verkehrte. Ich ging mit meinem Kummer zu einem viel väterlichen Freund, den ich sehr schätzte und der mich als seine geistliche Tochter angenommen hatte. Ich erzählte ihm von meinem Auftrag von Gott. „Ich bin nicht wie sie!“, klagte ich. „Sie sind alle so nett, lächeln immer und sagen zu allem: ,Preis den Herrn!‘ – und dann …“ „… dann fallen sie dir in den Rücken?“, brachte er meinen Satz zu Ende. „Na ja, nicht alle“, stammelte ich. „Ich passe einfach nicht hinein. Ich glaube, mit mir stimmt etwas nicht.“ Ich war den Tränen nahe und senkte meinen Blick. Dieser liebenswerte Herr nahm meine Hand in die seine, schaute mir in die Augen und sagte etwas sehr Befreiendes zu mir: „Lisa, du sollst gar nicht hineinpassen. Gott hat dich so gemacht, wie du bist. Versuche nicht, wie alle anderen zu sein.“ Dann fuhr er fort: „Überall gibt es Frauen, die verletzt sind. Deshalb verletzen sie andere. Du musst Gott darum bitten, dir sein Herz für Frauen zu schenken. Das geschieht oftmals durch das Leid, das du selbst erlebt hast.“ 9
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Wie sich herausstellen sollte, waren seine Worte nur allzu wahr! Dieses Buch drückt meinen Herzensschrei aus. Es ist für jeden, der schon mal das Gefühl hatte, nicht dazuzugehören. Es ist für alle, denen es so vorkommt, als ob sie immer nur am Rande stünden, und die sich wünschen, dass es noch mehr zu sehen gäbe als das, was sie bisher erspäht haben. In diesem Buch geht es nicht lediglich um Frauenangelegenheiten, sondern vielmehr um Herzensangelegenheiten. Gott hat uns dazu ausersehen, mehr zu sein, als was wir bislang waren – mehr als was wir uns bislang vorstellen konnten. Gleich zu Beginn dieses Buches möchte ich dich dazu anregen, beim Lesen anders als gewohnt vorzugehen. Ich möchte, dass du mit diesem Buch arbeitest und nicht nur das Gelesene in Gedanken bewegst. Ich ermutige dich, die Themen, die in diesen Seiten angeschnitten werden, aufzugreifen und dich persönlich mit ihnen auseinander zu setzen. Es ist mir ein Anliegen, dass die Wahrheiten in diesem Buch in den Teppich deines Lebens eingearbeitet werden. Das wird nur geschehen, wenn du diese Wahrheiten auf persönlicher Ebene umsetzt. Leichter gesagt als getan. Es ist stets einfacher, dich gefühlsmäßig von einem Buch zu distanzieren und dessen Inhalt nur gedanklich nachzuvollziehen, ohne selbst davon berührt zu werden. Doch so kommt es zu keiner Veränderung. Nur die Wahrheit, in der wir leben, macht uns frei, nicht die Wahrheit, die wir bloß kennen. Um solche Wahrheiten entdecken zu können, müssen wir ehrlich zu uns selbst sein, uns einige Fragen selbst beantworten und dann unsere Ansichten ändern. In dem Maße, wie du ehrlich und offen bist, wird das Licht von Gottes Wort dich erleuchten. Nur Gottes Wort kann das Edle vom Unedlen trennen. Um dieses Ziel zu erreichen, empfehle ich dir, ein Tagebuch zu führen oder dir ein Notizbuch zuzulegen, solange du mit diesem Buch arbeitest. Nur du kennst die Antworten zu den Fragen, die im Laufe des Buches gestellt werden. Es ist wichtig, dass du diese Antworten festhältst, bevor du weiterliest. Diese Fragen werden dich vielleicht auch an eigene Fragen erinnern, die du am besten auf10
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schreiben solltest, damit du sie später in deiner Gebetszeit vor den Vater bringen kannst. Da ich etwas von dir verlange, kommt Eigenverantwortung mit ins Spiel. Vielleicht möchtest du dieses Buch als Grundlage für ein gemeinsames Bibelstudium innerhalb einer Gruppe von mehreren Leuten verwenden oder auch nur als persönlichen Leitfaden. Wozu immer du auch dieses Buch einsetzen wirst, mache es zur vorrangigsten Sache deines Lebens, dich in den göttlichen Wahrheiten zu gründen. Ich lade dich ein, mit mir auf dem Weg der Wahrheit weiterzugehen. Lisa Bevere Orlando, Florida
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Gott erweckt in uns nagende Fragen, wenn Er mรถchte, dass wir nach Antworten suchen.
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Stelle Fragen Ich preise dich darüber, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Psalm 139, 14
Dieses Buch ist der Höhepunkt meiner anhaltenden Suche nach Antworten auf eine Reihe von Fragen, die mich seit meinen Teenagerjahren beschäftigen. Es sind Fragen, die – wie ich glaube – jeder Frau, ganz gleich welcher sozialen Schicht sie angehört oder welche Erfahrungen sie gemacht hat, im Auf und Ab der verschiedenen Lebensphasen durch den Kopf gehen. Es sind wirklich einfache Fragen – Fragen wie: „Wie füge ich mich in die Welt um mich herum ein und in welcher Beziehung stehe ich zu ihr?“, und „Welchen Wert misst man mir bei?“ Obwohl ich glaubte, die Antworten auf diese Fragen zu kennen, hatte ich vor kurzem die Gelegenheit, sie in einem neuen und anderen Licht zu sehen. Ganz unerwartet, wusste ich auf einmal, dass sich meine Ansichten für immer verändern würden. Ich war vor der Unruhe und dem Lärm in unserem Haus, das unsere vier jungen Söhnen in Beschlag genommen hatten, in das Büro meines Mannes geflüchtet, um dort die Ruhe nach dem Feierabend zu genießen. Ich hatte mir diesen Raum ausgesucht, um ein Radiointerview zu meinem Buch Außer Kontrolle und begeistert darüber zu geben. Obwohl dieser Titel die Vorstellung von enormer Energie und jeder Menge Aktivität erweckt, war mir klar, dass die Zuhörer trotzdem eine ruhige Kulisse schätzen würden, während ich über mein Buch sprach. Radiosendungen sind wunderbar und entspannend, weil keiner einen sehen kann. Mit einer Baseballkappe auf dem Kopf und nur mit einem Trainingsanzug bekleidet, wartete ich also auf den Anruf meiner Interviewerin, bis das Programm später per Telefon zugeschaltet werden sollte. 13
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Einige Wochen zuvor hatte ich schon einmal mit Sarah, meiner Interviewerin, gesprochen, um sie kennen zu lernen und einen Termin für die Sendung zu vereinbaren. Sie war nett und professionell. Sie war so ehrlich, mir zu gestehen, dass sie mein Buch noch nicht gelesen hatte und dass sie es wahrscheinlich nur kurz überfliegen können würde, bevor wir wieder miteinander sprechen würden. Sarah erklärte mir, dass sie so viele Bücher zum Durchsehen erhält, dass sie kaum ein Buch von vorne bis hinten durchlesen kann, bevor sie den Autor interviewt. Sie schlug vor, dass ich mir einige Fragen ausdenken und einige Diskussionspunkte vorschlagen sollte, über die ich sprechen wollte. Sie sagte, sie würde einige Minuten vor dem eigentlichen Interview anrufen, damit wir gemeinsam meine Fragen durchgehen könnten. Da saß ich nun im leeren Büro meines Mannes, wo es still war, und blätterte in meinem Buch, machte mir Notizen am Rand und knickte die Seiten ein, die wichtige Stichpunkte enthielten. Dabei betete ich, dass Menschen, die dieses Interview hören sollten, ihr Radio einschalteten und dass das Interview vor allen Dingen Gott ehren sollte. Etwas nervös wartete ich und ahnte nicht, welche Wirkung das Interview auf mich selbst haben sollte. Das Klingeln des Telefons durchbrach die Stille und schreckte mich auf. Es war Sarah, doch dieses Mal klang sie begeistert: „Ich möchte jetzt noch nichts sagen und deine Antworten auf Sendung schmälern, aber ich habe dein Buch gelesen! Und wir müssen unbedingt ein paar Themen anreißen. Ich habe meine Fragen vorbereitet. Und ich möchte dein „Tratsch-Kapitel“ in unserem Interview zum zentralen Thema machen!“ Das „Tratsch-Kapitel“! In diesem Kapitel hatte ich mir überhaupt nichts unterstrichen! Sarahs Begeisterung hatte mich völlig aus dem Konzept gebracht. Ich hatte vorgehabt, über das Kapitel, in dem das Thema Wut behandelt wurde, zu sprechen. Hektisch blätterte ich die Seiten um, machte Eselsohren und bekritzelte hastig noch einige Haftnotizzettel. Ich holte tief Luft und dachte an die Frage, die mir mein Mann immer dann stellt, wenn er mir wieder einmal als Nervenbündel vor einem Interview begegnet: „Hast nicht du dieses Buch geschrieben?“ Natürlich hatte ich es geschrieben, und das „Tratsch-Kapitel“ war besonders persönlich! 14
Stelle Fragen
Die darauf folgende Stunde diskutierten Sarah und ich darüber, dass Frauen dazu neigen, über andere zu reden, und was der tiefere Beweggrund dafür war – nämlich Angst. Sarah hatte jegliche Professionalität abgelegt, als sie die Sendung mit dem ehrlichen, gestammelten Bekenntnis begann, dass sie selbst zum Tratschen neigte. Sie bat die für sie nicht sichtbare Zuhörerschaft eindringlich, offen zu sein und sich in diesem Bereich ihres persönlichen Lebens verändern zu lassen. Sie gestand, dass sie Klatsch von Berufs wegen immer als eine Art „Informationsaustausch“ betrachtet habe. Sarahs Fragen erwiesen sich als tief gehender als sie von einem neutralen Interviewer normalerweise gestellt werden. In ihnen hallten der Aufschrei und die Begeisterung eines suchenden Herzens nach, das plötzlich auf die Wahrheit gestoßen war. Wir tauschten uns vor den Zuhörern aus, rangen um sie und beteten gemeinsam für sie. Als das Interview zu Ende war, setzten wir unsere Unterhaltung fort. Sarah vertraute sich mir noch mehr an, und schließlich beteten wir miteinander. Nachdem ich den Hörer aufgelegt hatte, kam es mir so vor, als ob ich mich gerade von meiner Zimmergenossin verabschiedet hätte, mit der ich im Studentenwohnheim zusammenwohne. Einen Augenblick blieb ich noch allein im Stillen sitzen, mir wohl bewusst, dass soeben etwas Besonderes passiert war.
Austausch auf Herzensebene Obwohl ich diese Frau noch nie gesehen hatte, hatte ich den Eindruck, als ob sie mir vertrauter als die meisten Frauen sei, die ich persönlich kannte. Ich wusste nicht, ob sie jung oder alt, reich oder arm, dick oder dünn, schwarz oder weiß, blond, braun- oder rothaarig war. Ich hatte nicht die Möglichkeit gehabt, ihre Mimik oder Gestik zu beobachten, als wir miteinander sprachen. Ich konnte nicht sehen, ob sie wie eine Geschäftsfrau gekleidet war oder legere Freizeitkleidung trug. Und doch hatte ich das Gefühl, als würde ich sie kennen. Schließlich dämmerte es mir, dass diese freundschaftliche Verbundenheit vielleicht niemals entstanden wäre, wenn wir uns persönlich getroffen hätten. Ganz unbewusst hätten wir einander 15
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gemustert, und unser Urteil wäre sehr stark von unserem visuellen Eindruck abhängig gewesen. Obwohl ich sie in einer Menschenmenge niemals wieder erkannt hätte, hatte ich das Gefühl, als würde ich diese Frau namens Sarah besser kennen als einige meiner Nachbarinnen. Ich hatte sie nicht gesehen, aber ich hatte sie gehört – nicht ihr äußeres Erscheinungsbild, sondern ihr wirkliches Ich. Ich hatte etwas gehört, was ich nie hätte sehen können, denn sie hatte mir ihr Herz offenbart. Der Heilige Geist unterbrach meine rasenden Gedanken und sagte: „Auf dieselbe Weise kenne ich auch dich.“ Er flüsterte: „Ich kann dich nicht sehen, weil du in Christus verborgen bist. Ich kann dich nur hören. Ich höre deine Worte und das, was dein Herz mir ununterbrochen mitteilt.“ Das stimmte! Da ich nicht aus eigenem Bemühen vor Gott gerecht dastehen kann, ist mir durch das Erlösungswerk die Gerechtigkeit Jesu zuteil geworden. Gott kann mich so, wie ich bin, nicht anschauen, deshalb bedeckt mich das Sühneopfer, das Jesus Christus vollbracht hat. Vergleichbar mit diesem Radiointerview ist es für den Heiligen Geist nicht maßgeblich, wie ich aussehe; das Einzige, was zählt, sind meine Worte. Natürlich hat der Heilige Geist eine andere „Frequenz“, die selbst der leistungsstärkste Satellit nicht empfangen kann. Seine Wellenlänge ist die stille Kommunikation meines Herzens! Das ist einerseits gut, andrerseits schlecht! Gut deshalb, weil Gott sich im Gegensatz zu uns nicht von dem beeinflussen lässt, was Er sieht, oder uns danach beurteilt … und schlecht, weil wir dazu neigen, den sichtbaren Dingen mehr Beachtung zu schenken als den unsichtbaren. Das bedeutet, dass ich mich häufig unbewusst an Maßstäben messe, von denen Gott überhaupt keinen Gebrauch macht! Das ist schlecht, weil ich, obwohl ich in bestimmten geistlichen Bereichen schon gewachsen war – wie beispielsweise wenn es um das Bekennen ging –, auf dem stürmischen, unerbittlichen Schlachtfeld meiner Gedankenwelt immer noch nicht den Sieg errungen hatte. An jenem Abend nahmen mein Mann und ich einen längst überfälligen Termin wahr: Wir gingen zusammen essen. Beim Essen 16
Stelle Fragen
erzählte ich ihm, was sich an jenem Nachmittag während des Radiointerviews ereignet hatte. Ich erklärte John, wie Frauen Dinge betrachten. Ich gebrauchte verschiedene Beispiele, um aufzuzeigen, dass Frauen zum Konkurrenzdenken neigen und einander häufig nach dem äußeren Erscheinungsbild beurteilen. Ich gab zu, dass ich auch an mir selbst diese Tendenz festgestellt hatte, und gestand ihm, wie sehr es mich frustriert, wenn ich bemerke, dass man mich nach dem beurteilt, wie ich aussehe oder was ich anhabe. Sicherlich war ich nicht die Einzige, die darunter litt. In meinem Herzen hatte ich eine verzehrende Sehnsucht nach der Wahrheit. Ich hatte es satt, all die Ausreden zu hören, die ich bis dahin immer so bereitwillig akzeptiert hatte: „Du kennst doch die Frauen; so sind sie eben!“, oder: „Das ist typisch Frau!“ Solche Aussagen klingen im ersten Moment plausibel, doch sie entsprechen nicht der Wahrheit! Ich wollte die göttliche Wahrheit herausfinden und keine Ausreden mehr gelten lassen, nicht einmal für mich selbst! Das bedeutete, ich würde einige Schichten freilegen müssen, so wie man bei einer Zwiebel die äußere verschmutzte trockene Schale abzieht – Schale um Schale falscher Vorstellungen und inkorrekter Informationen –, um schließlich auf die reine Wahrheit zu stoßen.
Fragen und Antworten Gott erweckt in uns nagende Fragen, wenn er möchte, dass wir nach Antworten suchen. Wenn wir etwas lernen wollen, müssen wir zunächst Fragen stellen. Es ist nicht immer angenehm, Fragen zu stellen. Ging es dir in der Schule nicht auch so, dass du etwas fragen wolltest, aber dich nicht trautest, weil du Angst hattest, man würde dich für dumm halten? Oder der Lehrer hatte dich etwas gefragt und du warst dir nicht sicher, ob deine Antwort richtig war? Nun, hier ist die Frage, mit der wir uns in diesem Buch immer wieder auseinandersetzen werden: „Worin besteht die wahre Größe einer Frau?“ Du könntest einer x-beliebige Anzahl von Menschen diese Frage stellen und würdest eine Menge unterschiedlicher Antworten 17
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erhalten. Die Antworten würden je nach kulturellem Hintergrund, Geschlecht und Alter des Befragten variieren. Wenn du ein Kind im Vorschulalter fragen würdest, würdest du feststellen, dass das Bild, das es über die Frau hat, maßgeblich von seiner Mutter geprägt ist. Ein älteres Kind würde zum Vergleich noch Lehrerinnen, Sportlerinnen und Schauspielerinnen heranziehen. Ein junger Erwachsener oder Teenager misst eine Frau anhand des Maßstabes, der durch Models, berühmte Persönlichkeiten aus der Filmszene oder die kulturellen Einflüsse ihrer Altersgruppe vorgegeben werden, wie eine Frau aussehen und was sie anziehen soll. Nun stehen die körperlichen und geschlechtlichen Unterschiede im Vordergrund und überschatten die zuvor unverdorbene kindliche Vorstellung über die Frau. Wenn wir spezifischer vorgehen und nur eine bestimmte Gruppe von Frauen fragen würden, würden wir wiederum andere Antworten erhalten; persönliche und offenherzige Antworten, die man nur dann bekommt, wenn keine Männer in der Nähe sind. Ich glaube jedoch nicht, dass wir bei öffentlichen Befragungen nach persönlichen Meinungen auf die Antwort stoßen, nach der wir suchen. Auch unsere eigenen Erfahrungen oder die anderer werden uns dabei nicht weiterhelfen, denn sie sind zu begrenzt. Ebenso wenig werden wir die Antwort in unserer Gesellschaft finden. Sie wirft schon an sich genügend Fragen auf aufgrund ihrer Unbeständigkeit und dem vorherrschenden Geist dieser Welt – es sind Fragen, deren Antworten sie nicht liefern kann. Wir könnten auch unsere Mütter fragen, doch wie wir sind die meisten von ihnen selbst noch auf der Suche nach der richtigen Antwort. Im Augenblick richte ich meine Frage nicht an eine bestimmte Personengruppe. Ich mache keine öffentliche Umfrage, sondern ich frage dich persönlich –, obwohl ich weiß, dass ich deine Antwort vermutlich niemals erfahren werde. Das geschriebene Wort hat die Kraft, direkt in die geheime Welt deiner Gedanken einzudringen. Ich kann weder deine Stimme hören noch was du antwortest. Doch mittels dieser Buchseiten können wir auf eine so vertraute, nonverbale Weise kommunizieren, wie es nicht einmal möglich wäre, wenn du und ich uns gegenübersitzen würden. 18
Stelle Fragen
Vielleicht hast du dir schon überlegt, wie deine Antwort ausfallen soll. Jetzt möchte ich dich bitten, dir einen Moment Zeit zu nehmen und deine Antwort auf die folgenden Zeilen zu schreiben: Worin besteht die wahre Größe einer Frau? ________________________________________________________ ________________________________________________________ ________________________________________________________ ________________________________________________________ Vielleicht denkst du: „Mensch, wenn ich das wüsste, würde ich doch dieses Buch nicht lesen!“ Denke daran, was wir in der Einleitung festgestellt haben. (Wenn du sie nicht gelesen hast, dann hole es bitte nach.) Dieses Buch verlangt deine Mitarbeit, nicht nur deine gedankliche Zustimmung. Um etwas zu lernen, reicht es nicht aus, nur etwas zu wissen –, wir müssen auch wirklich verstehen, was wir bereits wissen. Es ist zwingend notwendig, dass wir beide zusammenarbeiten, auch wenn du das im Moment vielleicht schwierig oder mühselig findest. Es kann auch sein, dass es dir schwer fällt, diese Frage exakt zu beantworten. Das ist in Ordnung. Beantworte sie einfach, so gut du kannst. Und wenn dir überhaupt nichts einfällt, dann schreibe: „Ich habe keine Ahnung!“ Die Hauptsache ist, dass du ehrlich bist. Dies ist keine Prüfung, und deine Antworten werden nicht benotet. Niemand wird deine Antworten jemals zu Gesicht bekommen, wenn du sie keinem zeigst. In diesem Buch geht es lediglich darum, die Wahrheit herauszufinden. Ich maße mir nicht an, auf jede Frage des Lebens die passende Antwort zu kennen, doch dieses Buch enthält eine Botschaft, die aus meinem tiefsten Inneren kommt und direkt an dein Herz gerichtet ist. Und ich glaube, dass in ihm auch der Herzschlag unseres Vaters zu spüren ist. Wir werden uns mittels dieser stummen Seiten unterhalten. Und ich bete, dass die Kraft des Heiligen Geistes die ganze Zeit mit uns ist, wenn wir die verschiedenen Themen miteinander besprechen, damit wir seine Weisheit erkennen. Ich möchte dich dazu anspornen, dich mit mir gemeinsam auf die Suche nach der wahren Größe einer Frau zu machen. Inzwischen bist du bestimmt schon neugierig geworden! Wenn du Seite um 19
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Seite weiterliest und auf die göttlichen Wahrheiten stößt, wird es dir wie Schuppen von den Augen fallen. Möge sein Licht deine Augen öffnen! Bete mit mir: Himmlischer Vater, lass mich durch dein Wort und deinen Geist deine Wahrheit erkennen. Herr, gib mir Augen, die sehen, Ohren, die hören, und ein aufnahmebereites und verständiges Herz. Und vor allem, Herr, gib mir ein williges und formbares Herz, das deine Wahrheiten glaubt und danach handelt, damit sie in meinem Leben deine göttliche Frucht bringen. Ich erlaube Dir, meine Ansichten zu verändern. Gib Dich mir zu erkennen, denn Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Amen. Du kannst davon überzeugt sein, dass Er das tun wird!
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