Kerstin Wendel
SonntagsglĂźck Der Tag zum Auftanken, Faulenzen und GenieĂ&#x;en
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Sonntagsfragen
Am Ruhetag Getreide ernten? Gut gewachsen, reif und schön sind sie! Die Rede ist von saftigen Ähren auf einem Kornfeld. Der Wind streicht ein wenig hindurch, sodass es ein schönes Rauschen der vollen Ähren gibt. Sie gehen durch die Getreidefelder, einige erwachsene Männer; sie hören dabei auf dies und das, fragen sicher auch nach, damit sie Dinge verstehen, die ihnen noch nicht klar sind. Und weil sie Hunger haben, bedienen sie sich. Ein mühsames Geschäft ist das, bis das kleine Korn endlich so weit befreit ist, dass man es genüsslich kauen kann. Da wäre ein Fladenbrot schneller gegessen gewesen. Aber sie haben nichts anderes. Deshalb nehmen sie die Ähren. Und schon sind die Probleme da! Sonntagsprobleme! Da gibt es Menschen, die das nicht aushalten. Sie halten es nicht aus, dass diese Männer sich da im Kornfeld satt essen. Wie kann man denn am Ruhetag Getreide ernten? Das ist doch verboten! Diese kleine Geschichte steht im Neuen Testament.3 Es ist bei Weitem nicht das einzige Mal, dass Jesus und seine Freunde, die hier mit ihm spazieren gingen, kritisiert werden wegen ihrem Verhalten am Ruhetag, dem Sabbat. „Sieh dir das an! Es ist doch verboten, am Sabbat Getreide zu ernten!“, sagen die Kritiker (Matthäus 12,2). (Wer tiefer einsteigen will: Sabbat? Sonntag? Von welchem Tag sprechen wir eigentlich und von welchem Tag sprachen 22
die Juden? – findet dazu Informationen in den Anmerkungen.4)
Was darf man denn am Sonntag? Jetzt klingelt es in unseren Ohren. Klar, so etwas Ähnliches haben wir auch schon tausend Mal gehört: Dies und das darf man nicht am Sonntag! Es ist ja alles gar nicht so einfach, schön und nett, wie ich es vorhin beschrieben habe! So einfach ist es doch gar nicht mit dem Sonntag. Darf man Mathehausaufgaben machen, um 12 Uhr schon, damit man Die einen fragen: es hinter sich hat, oder doch erst nach 18 Was darf man denn Uhr? Was ist eigentlich mit Haarewaschen? am Sonntag? Das kann man doch schon am Samstag erledigen. Ist es dann nicht besser, es sonntags zu lassen? Und was ist mit dem Geschirrberg, wenn die Großfamilie zu Besuch war? Stellen wir den jetzt in die Badewanne und warten bis zum nächsten Tag, so, wie es meine Urgroßmutter in Ostpreußen aus Ehrfurcht Gott gegenüber noch tat? Auch wenn dann alles total festgebacken ist? Ach so, wir haben ja die Spülmaschine, dann schnell rein mit den Tellern und nur der Rest wartet bis zum Montag? Um unsere Probleme noch zu vergrößern, können wir uns dann noch fragen, ob das Beantworten von E-Mails erlaubt ist oder wenigstens das Lesen? Und was ist eigentlich mit der im Wind schwankenden Rose im Garten? Binden wir die mal eben fest oder lassen wir den Wind an ihr zerren, bis sie am Montag abgeknickt auf dem Gartenzaun liegt? Sonntagsfragen. Was darf man denn am Sonntag? 23
Viele kennen die Fragen ganz genau. Manche Menschen fragen streng und beurteilend, was man tun darf und was man lassen muss.
Sonntag? Ein Tag wie jeder andere Die anderen fragen schon lange nicht mehr, was man am Sonntag tun oder lassen sollte, erleben aber trotzdem manchmal wenig Sonntägliches. Sie waschen ihre Autos oder räumen den Keller auf. Sie erledigen all die Reste, zu denen man in der Woche nicht gekommen ist, und lassen den Tag irgendwann friedlich beim Fernsehen ausklingen. Manchmal vielleicht mit dem Gedanken im Hinterkopf: Was haben wir heute eigentlich den ganzen Tag gemacht? Im Allgemeinen aber sind sie sorglos und unbeschwert über den freien Die anderen machen Tag. Keiner würde sich jemals einen Kopf sich keinen Kopf, darüber machen, ob irgendetwas an dieetwas am Sonntag zu sem Tag nicht getan oder unternommen tun oder zu lassen. werden könnte. Ist das schon Sonntagsglück?
Zurück zu den Kritikern von damals Jetzt sind wir aber erst mal bei denen von damals, die wissen, was man am jüdischen Feiertag nicht tun darf. Sie ärgern sich, denn diesen Kritiker sagt Jesus klar, wie er die Sache sieht: Meine Leute können Ähren essen. Sie laden damit kei24
ne Schuld auf sich. Ihr könnt mir zutrauen, dass ich weise Entscheidungen treffe, was den Feiertag betrifft. Ja, mehr noch, ihr müsst mir das Recht zugestehen, dass ich Entscheidendes zum Thema zu sagen habe. Das wirkt! Es bewirkt Ärger, Tuschelei, Besserwisserei, Vorwürfe, Unverständnis unter den Kritikern. Mit dem Ruhetag war also dasselbe passiert wie mit so manchem anderen auch: Eine sehr gute Idee Gottes war überfrachtet worden mit Sonderregeln. Die Juden hatten zahlreiche Regeln, was am Sabbat nicht erlaubt war. Alles, was unter das Stichwort „Arbeit“ fiel, galt als verboten; somit auch Feuer machen, ein Streichholz anzünden, eine Blume pflücken u. a.5 Deshalb war es für die Kritiker von Jesus eine enorme Herausforderung, ihn dort im Getreidefeld ernten zu sehen. Dass die Liebe manchmal eine Regel außer Kraft setzen muss, das war den Kritikern nicht klar (mehr dazu in Kapitel 7: „Sonntagsbarmherzigkeit“). Über die Jahrhunderte hat sich an den Sonntagsproblemen nichts geändert, höchstens die Themen. Wir wundern uns nicht über eine gekaute Über die JahrÄhre, fragen uns aber sehr wohl, ob wir hunderte hat sich oder andere am Sonntag viel Küchenarbeit, an den SonntagsSchularbeiten oder gar unsere Lohnsteuer- problemen nichts geändert, erklärung machen sollten. höchstens die Und es ist gut, dass wir uns das fragen. Themen.
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Wo ist das Sonntagsglück? Von der Sonntagsfreude an der Natur, den Menschen und Gott war damals am Rande vom Getreidefeld wenig zu spüren, als die Kritiker mit ihren Fragen kamen. Aber auch heute gibt es eine Menge Fragen und Schwierigkeiten rund um die Gestaltung des Sonntags. Wie überlebt man als Eltern von Kindern den Sonntag, ohne dass man abends aus dem letzten Loch pfeift? Was ist mit dem Sonntag des Pastors, des Tankwarts und der Krankenschwester? Hat eine Singlefrau auch irgendwelche Chancen auf Sonntagsglück? Wie kann ein Kind am Sonntag Schönes erleben? Wie organisiert ein Schüler seine Woche so, dass er am Sonntag freimachen kann? Durch alte oder neue Verbote kommen wir dem Sonntagsglück jedenfalls nicht näher. Genauso wenig kommen wir dem Sonntag näher, indem dieser Tag einfach ein „Reste-Tag“ für die Woche ist, an dem alles Unerledigte aufgefangen wird. Wie aber können wir es dann finden – das Sonntagsglück?
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Gott sorgt vor, deshalb können wir uns den Ruhetag gönnen Es ist wohl die erste große Geschichte in der Bibel, bei der es auch um den Sabbat geht und die Menschen ihre Erfahrungen mit dem Ruhetag gemacht haben … Sie ging mittelmäßig schief: Das Volk Israel, Gottes Volk, war in der Wüste unterwegs auf einer sehr langen Wanderung in Richtung neuer Heimat, nämlich nach Kanaan, dem späteren Israel. Unterwegs vermissten die Israeliten ihren Nahrungsüberfluss aus der alten Heimat Ägypten und beschwerten sich tüchtig bei denen, die die Verantwortung für sie trugen, und natürlich auch bei Gott. Nun, für die Zeit des Unterwegsseins hatte Gott ihnen versprochen, sechs Tage lang täglich für frische Nahrung zum Einsammeln zu sorgen, morgens in Brotform, abends in Form von Fleisch. Beides würde einfach auf dem Boden zum Einsammeln bereit liegen. Das gebackene Brot schmeckte wie Honigkuchen und sah weiß aus wie Koriandersamen.7 Sie nannten es „Manna“. Am sechsten Tag sollte es die doppelte Ration geben, damit am siebten Tag das große Faulenzen möglich wäre. Besonders faszinierend: Das Manna vom sechsten Tag hielt sich auch am siebten Tag frisch, während es ansonsten jeweils nach 24 Stunden nicht mehr zu gebrauchen war. Gott sorgte also für einen guten freien Tag seiner Leute vor. Aber einigen der Israeliten war das Gute nicht gut genug. Sie konnten es nicht lassen und marschierten auch am siebten Tag los, in der irrigen Meinung, das, was man dann hoffentlich fand, müsse doch noch besser munden. Entweder 29
war das Gebäck zu lecker, die Sorge um den Hunger zu groß oder die Sabbatidee noch nicht gut in den Herzen verankert. Jedenfalls musste Gott folgende Ansage machen: „‚Wie lange weigert ihr euch noch, meine Gebote und Weisungen zu befolgen? Ich habe euch den siebten Tag als Ruhetag gegeben; darum versorge ich euch am sechsten Tag mit der doppelten Menge Nahrung. Geht also am Sabbat nicht los, um Körner zu sammeln! Bleibt in euren Zelten!‘“ Daraufhin hielt das Volk den siebten Tag als Ruhetag ein“ (2. Mose 16,28-30). Der freie siebte Tag hätte auch schon damals für die Israeliten verlockend sein müssen. Aber auch zu dieser Zeit gab es anscheinend andere Ziele, die den Menschen ebenso reizvoll schienen. Und wenn es nur die Sorge um das tägliche Essen war. Da ist dann eine Lebensanweisung von Gott – nämlich einen bestimmten Tag zum Ausruhen zu reservieren – ganz schnell vergessen. Er wollte die Fürsorge übernehmen, das war bereits am ersten Tag klar. Am sechsten Tag war es überdeutlich, weil sie die doppelte Ration einsammeln konnten. Und obwohl für jeden spürbar und sichtbar genug da war, war es für einige nicht genug. Raffgier, Überfürsorge, Angst, die uralten Sorgen, die uns Menschen so richtig in den Griff nehmen können, die breiteten sich mit Macht aus und nahmen Kopf und Herz gefangen. Und bei uns heute? Wir brauchen diese Geschichte aber nicht zu belächeln, müssen wir doch in ehrlichen Momenten an uns selbst bemerken: So sorgenfrei, gelassen und ruhig, wie man sonntags sein könnte, sind wir doch auch oft gar nicht! Wir suchen zwar nicht nach irgendwelchen Kuchenstücken vor
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der Haustür, aber stattdessen kennen wir sehr wohl die Verlockung, Gott in seiner Fürsorge für uns mal ein bisschen unterstützen zu wollen. Dann wird eben doch noch sonntags drei Stunden für Mathe gelernt oder die Kundenpräsentation vorbereitet. Das kann ja nicht schaden. Als ob Gott nicht in der Lage wäre, uns nach sechs Tagen Arbeit plus einem freien Tag auch montags in der Mathearbeit oder bei der Kundenpräsentation zu begleiten. Doch, er kann das. (Achtung Schüler, wenn euch das jetzt geärgert hat, dann lest bitte in Kapitel 9: „Sonntagskinder … und ihre Eltern“ weiter.) Vielleicht würde uns der 24-Stunden-Abstand die Gelassenheit bringen, die wir brauchen, um am Montag um 8 Uhr wieder voll da zu sein. Einfach mal ausprobieren und Erfahrungen damit ma- So sorgenfrei, chen! Sieben Tage durcharbeiten und dann gelassen und ruhig, wieder sieben Tage usw. ist einfach sinnlos wie wir sonntags und wird uns zielgenau für Erschöpfung, sein könnten, Krankheiten und Burnout vorbereiten. Uns sind wir doch fehlt also nicht der siebte Tag, den manche auch oft gar nicht! Zeitgenossen auch noch für ihre Arbeit und ihre Versorgung verwenden, sondern uns ist eine Pause gegönnt, die uns, unserer Arbeit und Versorgung guttun wird. Auf Dauer werden wir merken: In unserem Leben liegt nicht alles an unserem Bemühen, Tun und Rackern, sondern einiges wird uns auch geschenkt. Mit einigem werden wir versorgt, ohne uns bemühen zu müssen. Also rein in den Liegestuhl, einen Honigkuchen zur Hand, es kann auch ein Stück Erdbeerkuchen sein, und mal zehn Minuten dankbar nachgedacht, womit wir in den letzten 31
sechs Tagen gut versorgt wurden. Kann sein, dass uns dann eine Menge an Erfolg, Ernährung, Kontakt mit anderen, Zufriedenheit und ausreichenden Zahlen auf dem Kontoauszug einfallen.
Der Ruhetag ist für alle da! Diese Einsicht ist schon richtig alt. Als sie das erste Mal zu hören ist, da klingt sie so: „… der siebte Tag aber ist ein Ruhetag für den Herrn, deinen Gott. An diesem Tag darf kein Angehöriger deines Hauses irgendeine Arbeit erledigen. Das gilt für dich, deine Söhne und Töchter, deine Sklaven und Sklavinnen, dein Vieh und für alle Ausländer, die bei dir wohnen. Denn in sechs Tagen hat der Herr den Himmel, die Erde, das Meer und alles, was darin und darauf ist, erschaffen; aber am siebten Tag hat er geruht …“ (2. Mose 20,10-11; Neues Leben Bibel). Klare Ansage: Wenn du für das Leben und die Arbeit eines anderen Menschen in irgendeiner Form verantwortlich bist, dann gönn ihm bitte das Gleiche wie dir selbst, nämlich einen freien Tag! Gott hat das Sonntagsglück also nicht einigen wenigen gegönnt und zugedacht, nein, er wollte es für seine gesamte Schöpfung. Monika Gräfin Metternich nennt das in ihrem empfehlenswerten Sonntagsbuch treffend ein „uraltes und dennoch überaus modernes Stück Sozialgesetzgebung“8.
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Und bei uns heute? Natürlich ist uns klar, dass einige am Sonntag für uns tätig sein müssen. Damit meine ich zum Beispiel das Personal in Kranken- und Altenheimen, in Einrichtungen für behinderte Menschen, im Freizeitbereich, ebenso natürlich Pastoren und häufig auch ihre Frauen, die Polizei und auch andere, die in Notfällen weiterhelfen. Es ist entlastend für uns, dass wir in einem Land leben, wo wir auch sonntags so gut versorgt werden. (Dass die hier genannten Sonntagsarbeiter ihren „Sonntag“ an einem anderen Tag bekommen sollten, ist absolut selbstverständlich und wird in Kapitel 8: „Sonntagsarbeiter“ noch vertieft werden.) Viele aber sind für uns tätig, obwohl es nicht nötig wäre. Es liegt an uns zu überdenken, was und wen wir in Anspruch nehmen wollen. Wie, wir fallen keinem am Sonntag zur Last? Doch, das tun wir, denn hast du nicht gesehen, sind gerade wir am Sonntag auf dem Weg, die Brötchen vom Bäcker zu holen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Damit lassen wir sonntags für uns arbeiten. Obwohl Viele sind das eigentlich so nicht vorgesehen war. Die sonntags für uns Alternative wären Aufbackbrötchen, selbst tätig, obwohl es gebackenes Brot, Toast, Müsli mit beson- nicht nötig wäre.
ders leckeren Früchten, die es alltags nicht gibt. Damit lässt sich festlich starten, ohne dass andere für uns um vier Uhr aus den Federn müssen. Außerdem geht es schneller, als zum Bäcker zu fahren. Dadurch ist Zeit zur Ruhe da, in der wir uns bei Gott bedanken können für so vieles. Oder da ist der spontan eingeladene Besuch für Sonntagabend um halb acht: Natürlich können wir noch mal eben 33
an der Tanke halten, um einige Flaschen Alsterwasser zu erstehen, wo es doch so heiß ist heute. Wir können es aber auch sein lassen. Wir könnten uns so einrichten, dass wir beim Wocheneinkauf immer ausreichend Getränke auch für spontane Gäste einkaufen. Das kann man regeln, wenn es einem wichtig ist. Nein, wir können uns nicht alles abgewöhnen. Ich möchte natürlich eine Predigt vom Pastor hören und auch mal ins Konzert, weil ich es in der Woche zeitlich selten schaffe. Es müssen also ein paar Leute für mich arbeiten. Aber wo ich es nicht unbedingt brauche, da kann ich es doch auch anders einplanen. Noch ein weiteres Beispiel: Gönne ich den Sonntag meinen Kindern und reduziere auch ihre Pflichten auf ein Mindestmaß? Nämlich auf das, was nicht anders geht, wie zum Beispiel den Tisch mit abdecken oder Zähne putzen? Neulich habe ich verstanden, wie viel Arbeit es für meinen Sohn bedeutet, sein Zimmer aufzuräumen. Während ich früher die sonntägliche Mittagspause wunderbar geeignet dafür hielt, dass Brio-Eisenbahn-Schienen wieder zu ihresgleichen finden ebenso wie die verstreuten acht Lustigen Taschenbücher und zahllose Vokabeltests in Englisch, so weiß ich jetzt, dass das besser an den sechs anderen Tagen erledigt wird. Denn für meinen Sohn ist es Arbeit. Das muss nicht sein. Das kann an anderen Tagen laufen. Der Sonntag ist auch für meinen Sohn da!
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Sonntagsgedanken
Sonntag für den vollen Kopf Wenn ich draußen in der Natur bin, dann habe ich oft richtig gut abgeschaltet. An unserem See hier in Wetter an der Ruhr kann ich die Segelboote beobachten, die im Wind gleiten. Ich kann mich auf die Bank legen und den Wolken zuschauen. Manchmal höre ich die Enten oder Schwäne schnattern und schaue nach, was die vorhaben. Oder ich beobachte die Menschen, die mit Inlinern, Fahrrädern oder zu Fuß unterwegs sind und die Natur genießen. Spielen bringt mir den gleichen Effekt. Ich schalte ab dabei. Deshalb mache ich es auch so gern. Ob es nun Krocket ist oder Minigolf, Rummikub oder Carcassonne – ich liebe es, mich ganz dem Spiel hinzugeben. Oft kann ich dabei die Zeit vergessen und manches andere auch. Abschalten kann man auch durch Danke schön sagen: „Ich will den Herrn loben und nie vergessen, wie viel Gutes er mir getan hat“ (Psalm 103,2). Das geht in ganz vielen Situationen, nicht nur im Gottesdienst. Man kann auch „Danke schön“ sagen unter der Dusche, auf dem Weg zum Gottesdienst, beim Fahrradfahren oder Spazierengehen, im Liegestuhl oder im Sessel am Kamin. Trotz der aktuellen Sorgen, die man vielleicht mit sich herumträgt, gibt es sicher eine Menge, was im Leben gut war. Mit dem allen kommt man auf gute Sonntagsgedanken. Ich bin immer voller Gedanken, auch sonntags. So eine 69
bin ich. Deshalb tut mir das Spielen, in der Natur sein und das Danken sonntags auch so gut. Vielleicht kennen Sie solche Menschen oder haben selbst so eine Frau oder so einen Mann zu Hause? Sie liegt abends, auch sonntags, noch in Ihrem Arm und plaudert munter einen Mischmasch daher, was beim Kieferorthopäden los war, wie sie nächste Woche das Terrassendach putzen will und wann bitte schön Sie vom nächsten Baumarkt das notwendige Einzelteil für das KellerwaschSonntagsglück: becken mitbringen … Mensch, kann die Nicht nur die nerven. Sie wollen nämlich abschalten, hier Arbeit darf ruhen, und jetzt. Sie tragen nur halb so viele Gesondern ebenso danken mit sich herum und spätestens bei das Denken daran. Eintritt ins Schlafzimmer sind die verschoben und vergessen. Sie haben es da leichter als ich und die anderen gedankenvollen Menschen. Auch sonntags haben Sie es leichter. Aber was ist mit uns anderen? Was ist mit unserem vollen Kopf am schönen Sonntag? Sonntagsglück besteht auch im Abschalten. Nicht nur die Arbeit darf ruhen, sondern ebenso das Denken an die Arbeit … Das ist für einige Menschen gar nicht so leicht. Im günstigen Fall haben wir uns sonntagsfähig gemacht und die letzten sechs Tage gewürdigt. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung, um gedankenfreier zu sein. Wie aber kann es gelingen, auch in Gedanken am Sonntag auszuruhen und stattdessen, siehe Kapitel 3: „Sonntagsgeschichte“, Gott für manches dankbar zu sein oder einfach faul zu sein? Eine Arbeit nicht zu machen, ist das eine. Nicht an sie zu denken, ist etwas anderes und oft viel schwieriger. 70
Ideen Die folgenden Ideen sind also denen gewidmet, die auch immer voller Gedanken sind, größtenteils zu Hause arbeiten (kleine Kinder hüten, im Homeoffice arbeiten oder selbstständig tätig sind), Rentner sind, aus Krankheitsgründen zu Hause sind. Sie alle befinden sich am Sonntag in ihrem Alltagsumfeld. Sie sehen, riechen, fühlen auch sonntags das, was alltäglich für sie ist.
Meiden wir Terminkalender und To-do-Listen So sehr ich die Dinger ansonsten liebe, so sehr bemühe ich mich, sie sonntags nicht zu benutzen. Wozu mich wieder damit beschäftigen, was noch alles gemacht werden muss? Wenn aber von selber etwas in meinen Kopf schießt, was wichtig ist, dann lieber schnell den Zettel zur Hand genommen und notiert: Personalausweis für meinen Sohn verlängern lassen. Der Zettel kommt dann sofort in die Ablage für die Woche und verschwindet damit hoffentlich auch direkt aus meinen Sonntagsgedanken.
Vermeiden wir Arbeitsabsprachen Sobald wir per Mail, Telefon oder direkt berufliche oder ehrenamtliche Absprachen sonntags treffen, sind wir na-
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türlich wieder „drin“. Wir sind wieder drin im Alltagsgeschehen. Deshalb übe ich mich im Augenblick darin, auch Absprachen, die meine ehrenamtliche Mitarbeit in einer Gemeinde betreffen, nicht sonntags zu tätigen. Absprachen, die meinen Beruf betreffen, natürlich sowieso nicht. Es geht um meinen Sonntag und auch um den Sonntag des anderen. Man kann sehr wohl während der Woche klären, wie viel Geld die Pfadfinder noch für das Camp bekommen, in das mein Sohn fahren wird, oder welche Infos ich noch brauche, um den nächsten Gottesdienst zu gestalten. Mir geht es hier nicht um Kleinlichkeit, sondern darum, einen besonderen Tag auch zunehmend besonders sein zu lassen. Reserviert für Gott eben.
Reduzieren wir Hausarbeit am Sonntag auf ein Mindestmaß Als Hausfrau oder Hausmann, Mutter, chronisch Kranker oder Rentner sind häufig wir für einen Großteil der Hausarbeit verantwortlich. Entlasten können wir uns, wenn wir ganz viel in der Woche getan haben oder haben machen lassen, damit wir sonntags nur das Nötigste tun und nicht mehr im Kopf haben müssen. Eigentlich muss man sich ja sonntags nur um das Essen für die Familie, uns als Paar oder für einen selbst kümmern. Mehr nicht. Man muss sonntags nicht aufräumen, Wäsche zusammenlegen oder einen Arbeitsplan aufstellen. Das sogenannte Sonntagsessen haben wir als Familie schon lange abgeschafft. Das gibt es am Samstag, da ist mehr Zeit zum Kochen, oder von mir aus auch an einem anderen Wochentag. Sonntags wollen wir die Möglichkeit
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haben, nach dem Gottesdienst mit Leuten zu klönen oder ein tieferes Gespräch mit jemandem zu führen. Wir wollen nicht wegen einem Braten nach Hause eilen müssen. Dadurch entsteht überhaupt erst Freiheit für intensivere Gespräche nach dem Gottesdienst. Meine Freundin Conni sagt: „Am Sonntag haben die Kinder keine Schule, also können sie sich auch mehr in der Küche einbringen.“ Gute Idee von Conni, finden wir Eltern … Deshalb teilen wir uns ins Kochen und in alle weitere Küchenarbeit, wozu die Kinder in der Woche mittags natürlich keine Zeit haben. Durch diese Entlastung ist Zeit da für all das, was den Sonntag ausmachen kann. Und, ehrlich gesagt, ihr fleißigen Meister-Proper-Frauen und -Männer: Alles andere „im Haus“, das kann doch getrost in der Woche erledigt werden, oder? Gäste machen natürlich Arbeit! In unserer Familie ist Besuch recht beliebt. Von daher bereiten wir auch das gemeinsam vor. Kleinere Kinder können da auch schon hilfreiche Beiträge leisten und Servietten holen, größere Kinder können schon Kuchen schneiden und natürlich vorkosten. Es muss sich also keine Hausfrau oder Hausmann am Sonntag sehr belastet fühlen. Es muss nicht immer alles selbst gemacht und frisch gebacken sein. Wer schafft das schon?
Ermöglichen wir uns das Abschalten Bücher, Spiele, Natur, kulturelle Veranstaltungen, Sexualität, Gottesdienst, Musik, Austausch und sicher manchmal auch der Tatort – das alles hilft mir zum Abschalten. Deshalb wähle ich gern davon etwas aus.
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