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Pierre Tschanz

Angst Von verfolgten Christen lernen

Brunnen Verlag / Open Doors


Brunnen Verlag Gießen

Pierre Tschanz

Angst Von verfolgten Christen lernen 112 Seiten, Taschenbuch, 12 x 18,6 cm Erscheinungsdatum: 2.8.2012 ISBN: 978-3-7655-4168-1 Bestell-Nr.: 114168 EUR 6,99 (D) / SFr 10,50 / 7,20 (A) Aus dem französischen Originalmanuskript „Face à la peur“ ins Deutsche übersetzt von Barbara Trebing S. 5 Zitat von Alexander Solschenizyn aus: Der erste Kreis der Hölle, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1968, S. 644

Bibelverse S. 51, 61, 69, 71, 90, 96 (2. Kor 3,17; Eph 6,11-12; Phil 4,9; 1. Kön 19,3-4; Lk 12,4; 1. Joh 4,18) aus: Lutherbibel, revidierter Text 1984, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart © der deutschen Ausgabe: Brunnen Verlag Gießen 2012 www.brunnen-verlag.de Umschlagfoto: Shutterstock Umschlaggestaltung: Ralf Simon Satz: DTP Brunnen Druck: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm


Inhalt Einleitung

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Angst Angst als Teil des Lebens Angst – was sie ist, woher sie rührt und wie sie wirkt

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Mit Angst konfrontiert König Saul Daniel und seine Freunde Prüfung für zwei Freunde Für eine Kiste Wodka Ich sah die, die gerettet wurden

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Ursachen der Angst Verfolgung Verfolgung in der Vergangenheit und heute Absage-Formular Verpflichtung Brief eines laotischen Pastors Feindliche Umgebung zu alttestamentlicher Zeit In einer feindlichen Umgebung heute Wirkung von Überraschungseffekten Petrus wurde überrumpelt Wang Mingdao Sozialer, ideologischer und religiöser Druck Der soziale Druck Der ideologische Druck Der religiöse Druck Das geistliche Erbe Geistige und psychische Prägung Was unsere Wahrnehmungen bestimmt

30 30 31 38 39 40 42 44 47 47 49 53 53 56 60 63 66 66

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Was uns verletzlich macht Fehlende geistliche Vorbereitung Mutlosigkeit Entfernung von Gott

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Folgen der Angst Falsche Wahrnehmung der Ereignisse Misstrauen Faule Kompromisse Aufgabe des Glaubens Verrat Nachlassen in der VerkĂźndigung des Evangeliums

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Wie die Angst besiegen? In einer lebendigen Beziehung zu Gott bleiben Sein Kreuz auf sich nehmen Treu sein und bleiben Furchtlos handeln

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Epilog Dank Anmerkungen

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Angst Angst als Teil des Lebens Seit jeher gehört die Angst zum Leben des Menschen. Sie beeinflusst seine Entscheidungen und bestimmt sein Verhalten. Sie kann immer und überall auftreten. Überraschung ist eines ihrer Hauptmerkmale. Die Geschichte der Jünger von Jesus, die mit ihrem Boot den See Genezareth überqueren, kann uns dafür als Beispiel dienen: Es war spätnachts und es wehte ein heftiger Wind, aber da sie an stürmisches Wetter gewöhnt waren, war dies für sie eigentlich kein Grund zur Beunruhigung. Bis zu dem Moment, als sie Jesus auf dem Wasser auf sich zukommen sahen. Da schrien sie vor Entsetzen, weil sie ihn für ein Gespenst hielten (siehe Matthäus 14,25-26). Ereignisse, die nicht in unser Denkschema passen, überraschen uns und erschüttern unser Vertrauen. Sie sind potenzielle Quellen der Angst und verändern unsere Wahrnehmung wie beim Beispiel der Jünger, die Angst bekamen und ihr Urteilsvermögen verloren. „Gespenst“, „Phantom“, auf Griechisch phantasma, kann auch „Wahnvorstellung“ heißen! Aber die Worte von Jesus: „Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!“, helfen ihnen, in die Realität zurückzukehren. Petrus wagt sogar, auf den Wellen zu Jesus zu gehen. Mutig, aber nicht waghalsig, zerstreut er noch den letzten Zweifel, bevor er losgeht: „Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.“ Bist du es … Das ist die absichernde Frage vor jedem Schritt des Glaubens. Der Aufbruch ins Ungewisse ist immer von Angst begleitet. Doch beruhigt verlässt Petrus das Boot und macht ein paar Schritte. Dann 13


aber spürt er den Wind, bekommt Angst und beginnt zu sinken! Die Angst vor dem Wind gewinnt die Oberhand über sein Vertrauen zu Jesus, der doch so nahe ist. Verzweifelt klammert er sich an das Leben und ruft: „Herr, hilf mir!“ Und der Herr zieht ihn aus dem Wasser (nachzulesen in Matthäus 14,27-30). Egal, in welcher Situation wir uns befinden, ob Ängste uns quälen oder der Glaube fehlt, immer können wir rufen: „Herr, hilf mir!“ Die Gnade Gottes ist stärker als unsere Ängste! Wenn Jesus unsere Ängste und Befürchtungen kennt, dann deshalb, weil er sie selbst durchlitten hat. In Gethsemane rang er „mit dem Tode und betete heftiger. Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen“ (Lukas 22,44). Kreuz und Tod und den Moment vor Augen, in dem er das Leid und die Sünde der ganzen Welt auf sich nehmen sollte, wurde er von einer äußersten Angst ergriffen. „Gott selbst hat den Tod gefürchtet“, schrieb Corneille1. Ein anderer französischer Schriftsteller, Charles Péguy, meint sogar, verglichen mit der Angst in Gethsemane sei das Leid auf Golgatha, „nur noch die Durchführung“ gewesen. Wenn Jesus selbst Angst hatte, wie viel anfälliger sind dann wir. Es genügt nicht zu meinen, wenn wir dem Satan gebieten, sei der Sieg errungen. Jeder Sieg enthält einen Anteil an Ängsten: Angst, zu leiden, etwas zu unternehmen, zu reden, zu entscheiden, ausgelacht zu werden, zu bezeugen – Angst vor dem Risiko, dem Unvorhergesehenen, dem Unbekannten, dem anderen. Die Liste ist lang. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie diese Sache funktioniert, von der man sagt, sie sei ein schlechter Ratgeber. Oder – wie die alte Weisheit lautet: Man muss „den Feind kennen, um ihn besiegen zu können“. 14


Angst – was sie ist, woher sie rührt und wie sie wirkt Die Angst ist eines unserer Grundgefühle und einer der ersten Instinkte in der Tierwelt. Es gibt angeborene Ängste, die unabhängig sind von jeglicher Erfahrung, wie etwa die Trennungsangst beim Kind.2 Daneben gibt es Ängste, die im Laufe des Lebens erworben werden. Angst ist ein Oberbegriff für Dinge wie Entsetzen, Verwirrung, Beklemmung, Furcht, Bestürzung, Grauen, Panik, Unruhe oder Besorgnis. Auch wenn die Aufzählung nicht vollständig ist, zeigt sie doch die Bandbreite der Angst. Psychologen unterscheiden im Deutschen zwischen „Angst“ und „Furcht“: „Angst“ bezieht sich nicht auf ein konkretes Ereignis, ist also ein allgemeines Gefühl. „Furcht“ dagegen entsteht aus der Perspektive und Erwartung einer konkreten Gefahr. Angst und Furcht werden im alltäglichen Sprachgebrauch jedoch überwiegend gleichgesetzt, eine Praxis, der auch dieses Buch teilweise folgt. Die Angst, sofern sie das Denken nicht lähmt, ist ein hervorragendes Warnsystem, das erlaubt, im Fall einer Gefahr wirkungsvoll zu handeln. Andererseits kann sie den Einzelnen destabilisieren, ein Gefühl der Verzweiflung hervorrufen und eine falsche Wahrnehmung der Ereignisse bewirken. In einem französischen Wörterbuch3 findet man eine Definition von Angst, die auch in ihrer deutschen Übertragung zutreffend ist: Sie ist das Bewusstsein einer echten oder eingebildeten Gefahr. Im Deutschen spricht man von einem unbestimmten, oft grundlosen Gefühl des Bedrohtseins. Mithilfe dieser Definition versteht man, dass die Angst auf zwei Ebenen spielt, der wirklichen und der eingebildeten. Da diese häufig zusammenhängen, ist eine der Konsequenzen der 15


Angst die Entstellung der Wirklichkeit und eine verzerrte Wahrnehmung. Das Akronym von „fear“ (Angst auf Englisch) beschreibt dies eindrücklich: False Evidence Appearing Real – Falsche Indizien, die echt wirken. Ablehnung der Vernunft, Aberglaube oder der Glaube an das Übersinnliche sind Einstellungen, welche die Angst begünstigen, denn die Einbildung neigt dazu, die Wirklichkeit zu ersetzen. Im Animismus werden konkrete Gegenstände sogar in spirituelle Objekte verwandelt. Einen Baum zu fällen wird so zu einem gefährlichen Unternehmen, denn man riskiert, den Zorn des in ihm wohnenden Geistes zu entfesseln. Im Gegensatz dazu erklärt die Bibel vom ersten Buch Mose an, dass alles dem Menschen untertan ist. Sonne und Mond sind nichts anderes als Lichter, um die Erde zu erhellen (siehe 1. Mose 1,14-18). Es gibt also überhaupt keinen Grund, sie zu fürchten. Früher war das Meer ein typischer Ort der Angst. Deshalb gibt es aus der alten Zeit ganze Bücher über die fantastischsten und schrecklichsten Ungeheuer, die von den Seeleuten „gesehen“ wurden, wenn sie den entfesselten Elementen, beklemmendem Nebel oder rabenschwarzen Nächten hilflos ausgeliefert waren. Heute, angesichts der technischen Sicherheit moderner Schiffe, ist diese Welt der eingebildeten Ungeheuer verschwunden und mit ihr die Angst vor ihnen. Paradoxerweise hat unsere übergescheite Welt jedoch an anderen Orten neue Ängste erzeugt. „In Wirklichkeit bleiben unsere großen Ängste bestehen, ganz einfach weil wir ihnen mit unserem Verhalten gehorchen und fliehen. Und wir gehorchen ihnen in unserem Denken, indem wir um uns herum nur noch Gefahren und Bedrohungen sehen. Die Angst beeinflusst damit unsere Intelligenz. 16


Zum Glück weiß man heute, wie man sie in ihre Schranken weist.“4 Zu allen Zeiten wurde die Angst benutzt, um zu manipulieren und zu herrschen. Ideologien, Diktatoren, Religionen haben sie ausgiebig gebraucht, um Völker zu unterwerfen und zu lenken. Die Französische Revolution mit ihrem Terror war das erste Regime, das – durch zahllose Hinrichtungen, willkürliche Verhaftungen und systematische Denunziationen – die Angst als Herrschaftsinstrument einführte. Ähnliche Methoden machten sich Ideologien des 20. Jahrhunderts zunutze. Um die Menschen zu mobilisieren, musste man „Volksfeinde“ erfinden, Sündenböcke, die der Ursprung alles Bösen sein sollten. Der Begriff „Feind“, innerer oder äußerer, spielt in einem solchen Zusammenhang überhaupt eine große Rolle. Im Inneren verpflichtet ein totalitäres Regime den Einzelnen, sich für oder gegen das System zu entscheiden – wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Wer es wagt, sich zu widersetzen, wird selbst zum Feind und muss die Konsequenzen tragen. Für den, der geistlich und geistig nicht zum Widerstand gerüstet ist, ist die Entscheidung, die Reihen zu schließen, sicher sehr verführerisch. Der äußere Feind wird als Bedrohung dargestellt, weil er eine andere Religion, eine andere „Rasse“ oder politisches System hat (zum Beispiel die westlichen Demokratien). Darum muss man die Angst vor dem Feind schüren und ihn bekämpfen. Das Bild des Feindes ist die Nahrung totalitärer Herrschaft, einer geistigen Macht, zu deren furchtbarsten Waffen die Angst gehört. Während der Inquisition gebrauchte die katholische Kirche totalitäre Methoden, um die Gläubigen in einer sogenannten Rechtgläubigkeit zu halten. Wer sich weigerte, galt als Häretiker, wurde gefoltert oder zum Scheiterhaufen 17


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