Hanna Ahrens
Dem Stern folgen
Copyright Brunnen Verlag GieĂ&#x;en 2011
Brunnen Verlag Gießen
Hanna Ahrens
Dem Stern folgen 64 Seiten, Taschenbuch, 12 x 18,6 cm Erscheinungsdatum: 29.07.2011 ISBN: 978-3-7655-4128-5, Bestell-Nr.: 114128 EUR 4,99 (D) / SFr *8,90/ 5,10 (A) Quellenangaben Hilde Domin, Indischer Falter; in: Abel, steh auf. Gedichte, Prosa, Theorie. Reclam, Stuttgart, S. 26 Weifan Wang, Die Weisheit der Lilien, übers. und hg. von Monika Gänßbauer, S.18 © 2011 Brunnen Verlag Gießen www.brunnen-verlag.de Lektorat Eva-Maria Busch Umschlag- und Innenillustrationen: Hanna Ahrens Umschlaggestaltung: Ralf Simon Satz: DTP Brunnen Herstellung: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm
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Inhalt Eine einzigartige Geschichte
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Sternkundige oder Könige?
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Ein Stern leuchtet auf
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Dem Stern folgen
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Den Stern aus den Augen verlieren
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Der Stern ging vor ihnen her
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Überaus große Freude
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Auf dem Rückweg
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Der helle Morgenstern
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Warten auf Weihnachten
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Advent – Zeit des Ankommens
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Unterwegs
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Eine einzigartige Geschichte Die heiligen drei Könige gehören zu Weihnachten wie Krippe und Tannenbaum. Wo erzählt die Bibel von ihnen? Nirgends. Das Matthäusevangelium spricht von Sterndeutern, von Weisen aus dem Morgenland, nennt aber weder ihre Zahl noch ihre Namen. Zu Königen wurden sie erst viel später gemacht. Matthäus – und nur er – berichtet von ihrer langen Reise nach Bethlehem: Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammen kommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): „Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.“ 9
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Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land. (Matthäus 2,1-12)
Sternkundige oder Könige? Ihre kostbaren Geschenke – Gold, Weihrauch und Myrrhe – lassen an großen Reichtum denken. In Psalm 72 ist von „Söhnen der Wüste“ die Rede, von Königen, die Geschenke bringen und vor dem Friedefürsten niederfallen. „Gold und Weihrauch“ wer10
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den bei Jesaja (60,6) erwähnt. So wurden in der späteren kirchlichen Überlieferung aus den Sterndeutern Könige. Die Dreizahl spielte immer eine große Rolle in der christlichen Symbolik. Sie steht für Ganzheit, Harmonie, Vollkommenheit. Gott wird angerufen als Vater, als Sohn, als Heiliger Geist. Man wusste: Aller guten Dinge sind drei. So kam es zu den drei heiligen Königen. Etwa ab dem 6. Jahrhundert bürgerten sich Caspar, Melchior und Balthasar als ihre Namen ein. Sie sollten für die ganze Menschheit stehen. Caspar für Afrika, Melchior für Europa und Balthasar für Asien. Von Nord- und Südamerika wusste man damals in Europa noch nichts. Es sollte gesagt werden: Die ganze Welt ist gekommen, um dem neugeborenen König zu huldigen. Die drei Könige dürfen darum an keiner Krippe fehlen. In unserer Familie haben wir die sonderbaren Gestalten aus Ton geformt und mit bunten Farben bemalt. Einer der Könige legt seine Krone in die Krippe. Sie soll dem wahren König gehören. Die Hirten bringen Felle, um das Kind zu wärmen. Als Maya, unsere kleine Enkelin, das sah, sagte sie: „Ich möchte dem Jesuskind auch etwas schenken!“ „Was denn?“ „Meinen roten Ball!“ Also formten wir ein kleines Mädchen mit einem 11
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Ball, der später rot angemalt wurde. Maya freute sich, weil sie nun auch dabei war. Jedes Jahr kommen neue Gestalten und Tiere dazu. Inzwischen gibt es sogar einen Leoparden, eine Giraffe, eine Schildkröte und eine Maus. Von allen Seiten laufen sie zur Krippe, und alle haben Platz auf unserer weiten, tiefen Fensterbank.
Ein Stern leuchtet auf Wenn das Siebengestirn den Horizont berührt, ist es Zeit zur Ernte. Das wussten die Ackerbauern. Auch die Seefahrer orientierten sich beim Überqueren der Meere am immer gleichen Lauf der Gestirne. Die Weisen aus dem Morgenland waren als Astrologen geradezu Fachleute, was den Sternenhimmel betraf. Immer hielten sie Ausschau nach besonderen Zeichen und Konstellationen. Sie verknüpften dann ihre Beobachtungen am Himmel mit Geschehnissen auf der Erde. Auf diesem Gebiet kannten sie sich aus. Das war sozusagen ihr Zuhause. Am Himmel fanden sie das Zeichen, dem sie folgen sollten. Überraschend entdeckten sie einen neuen, hellen Stern und verstanden dies als Hinweis auf die Geburt eines großen Herrschers. Es war sein Stern, der da aufleuchtete. Ihm wollten sie nachgehen, um den neuen König zu finden und ihm zu huldigen. 12
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Gott sucht auch uns an dem Ort auf, wo wir zu Hause sind. Er spricht mit uns in unserer Sprache, wie er es mit den Sternkundigen und den Hirten auf den Feldern von Bethlehem tat. Bei ihrer gewöhnlichen Arbeit geschah das Außergewöhnliche. Ob Gott auch heute einen Engel schickt, der uns zuruft: „Fürchte dich nicht!“? Einen Engel, der uns große Freude verspricht, weil Christus, der Retter, da ist? Und was, wenn es nicht geschieht? 13
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Immer dürfen wir bitten: Mache mich aufmerksam für die Zeichen, die du mir gibst, lass mich Ausschau halten nach dem, was Leben verheißt. Vielleicht ist es kein heller Stern, der mich auf den Weg schickt, sondern etwas ganz anderes, bei dem mir ein Licht aufgeht: Das Wort eines Freundes oder eines Fremden, ein Satz aus einem Buch, der mich anspricht und mir nicht erlaubt, alles beim Alten zu lassen. Manchmal genügt eine Frage, um mich aus dem alltäglichen Gang der Dinge herauszureißen. Es kann auch das Hören einer Musik sein, wobei mir etwas auffällt oder einfällt, woran ich bisher nie gedacht hatte. Dieses Unerwartete, bislang Unbekannte beginnt nun in mir zu leuchten. Es wärmt das Herz und ermutigt mich, diesen Signalen nachzusinnen und vielleicht sogar nachzugehen. Manchmal geschieht so etwas mitten in der Nacht. Ich lag lange wach. Die Erkältung hatte mich fest im Griff. Übermorgen sollte eine große Veranstaltung stattfinden, bei der mein Beitrag fest eingeplant war. Ich konnte nicht mehr absagen. Da fiel mir ein, dass ich gestern in unserer großen alten Familienbibel, die immer aufgeschlagen auf meiner Kommode liegt, ein Wort von Gottes Nähe gelesen hatte, von seiner Nähe gerade in schweren Zeiten. Leise stand ich auf und ging in mein Arbeitszimmer. Psalm 75 war noch aufgeschlagen: „Wir danken dir, Gott …, dass dein Name so nahe ist.“ Darunter die Erklärung: Nähe bedeutet, 14
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„dass Gott uns bald und getrost hilft und erhält“. In großer Ruhe konnte ich wieder einschlafen und wachte ganz erfrischt auf. „Heut’ ist ein Sternlein vom Himmel gefallen“, so beginnt ein Lied. Auch kleine Sterne sind Himmelslichter. Oft sehen wir erst im Nachhinein, wo Gott uns etwas sagen oder zeigen wollte. Leonardo da Vinci wird das Wort zugeschrieben: „Binde deinen Karren an einen Stern!“ Das heißt doch: Lass dich von einem Zeichen des Himmels, einem Wort, einem Wink in Bewegung setzen! Richte dein Leben danach aus! Der chinesische Theologe Weifan Wang hat die Sache mit dem Himmel und unseren Herzen so gesehen: „Berge und Meere, der Nachthimmel und die Wolken am Morgen: das sind die weiten Leinwände Gottes. Dennoch bereitet es ihm mehr Freude, wenn er einen Pinselstrich in unsere Herzen malen kann, und sei er noch so klein.“ Ein „Pinselstrich“, ein Wort Gottes, in unser Herz gemalt – und alles leuchtet.
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