Richard Dahlstrom
Durchatmen Schritte zu einem nachhaltigen Glauben
Titel der amerikanischen Originalausgabe: O2. Breathing New Life Into Faith Copyright © 2008 bv Richard Dahlstrom Published by Harvest House Publishers Eugene. Oregon 97402 www.harvesthousepublishers.com Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch: Frank Grundmüller und Renate Hübsch
Bibelzitate erfolgen i.d.R. nach der Übersetzung: Hoffnung für alle®, Copyright © 1983, 1996, 2002 by Biblica Inc.™ Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Alle weiteren Rechte weltweit vorbehalten. Andere verwendete Übersetzungen sind wie folgt gekennzeichnet: L – Lutherbibel in der revidierten Fassung von 1984. © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.
Deutsche Ausgabe: © 2011 Brunnen Verlag Gießen www.brunnen-verlag.de Umschlagfoto: Shutterstock, iStockphoto Umschlaggestaltung: Sabine Schweda Satz: DTP Brunnen Herstellung: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm ISBN 978-3-7655-7225-8
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Inhalt
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5 Teil 1 Plädoyer für das Atmen
1 Warten auf das Ausatmen 2 Geistliches Asthma – Die Notwendigkeit des Einatmens
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Teil 2 Ausatmen – ganz praktisch
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Die Reise Hoffnungskünstler: In Gottes Geschichte einsteigen Dienen Gastfreundschaft Großzügig leben
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Teil 3 Einatmen – ganz praktisch
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Die Schöpfung einatmen Für sich sein Beten – Einladung zur Nähe Wirksames Wort: Wie wir die Bibel wieder lesen können Schweigen und Stille Sabbatruhe
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Teil 4 Wie alles zusammenspielt
14 Feiern 15 Lebensregel – Eine eigene Atempraxis entwickeln 16 Hinsehen – Womit alles beginnt und endet
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Anmerkungen
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Es geschieht jedes Wochenende. Nach dem letzten Amen oder dem Segen verlassen Hunderte, sogar Tausende Menschen den Gottesdienst und kommen nie wieder. Dies geschieht, weil viele, die noch zum Gottesdienst kommen, insgeheim Zweifel hegen, ob denn alles, was sie glauben, wahr ist oder (falls dem so ist) ob es im täglichen Leben irgendwelche Auswirkungen hat. Natürlich sind diese Zweifel berechtigt, denn für viele hat religiöse oder geistliche Betätigung keine wirklichen Folgen. Wir, die wir uns jeden Sonntag treffen, gleichen uns statistisch der übrigen Gesellschaft immer mehr an, und zwar in einigen weniger schmeichelhaften Kategorien. Hat unsere Gesellschaft Probleme mit der Ehe, hat die Kirche sie ebenfalls. Ermuntert unsere Kultur zu Konsum und endlosen Finanzspritzen, um die Wirtschaft in Gang zu halten, tut dies die Kirche ebenfalls. Die Kirche hält Schritt. Als sich die Gesellschaft zunehmend einer eher bequemen Sexualmoral zuwandte, blieb die Kirche da bei ihrer eigenen Position? Man könnte weitere Fragen zur inneren Gesundheit der Kirche stellen und sie mit der Kultur im Ganzen vergleichen. All unsere großartigen Konferenzen und Aktivitäten haben offensichtlich nicht dazu geführt, dass sich Liebe, Vergebungsbereitschaft, Gastfreundschaft, Lebensfreude, Menschlichkeit, Reinheit und Leidenschaft für Gottes Reich explosionsartig verbreitet hätten. Wenn es wirklich nur geringfügige Unterschiede zwischen Kirchgängern und Kirchenabstinenten gibt, darf man mit Recht fragen, warum man sich in der Kirche engagieren sollte. Und wenn schließlich der einzige Unterschied zwischen Gläubigen und „Weltmenschen“ darin besteht, dass Gläubige keinen freien Sonntagmorgen haben und einen guten Batzen ihres Einkommens spenden, was bringt das dann? Da behalte ich doch lieber meinen Sonntagmorgen mit einer guten Tasse Kaffee und etwas mehr Schlaf für mich – und mein Geld auch. Konsequenterweise kommen denn auch viele nicht mehr. Andere kommen zwar noch, hegen aber dieselben Zweifel
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und fragen sich, ob denn letztlich verlässlich ist, wohinein sie geraten sind oder geboren wurden. Wer hier keinen Zuwachs an Freude, Frieden oder Sinn erfährt, tut ja vielleicht recht daran, nicht mehr zu kommen. Wenn der Jesus, der durch unsere Versammlungen Gestalt gewinnt, aussieht wie ein egozentrischer, arroganter, gestresster, aufstiegsorientierter Nordamerikaner oder Westeuropäer, der sich nur durch den Fisch auf seinem Auto vom Rest Viele Menschen sitzen im der Gesellschaft unterscheidet, dann muss Gottesdienst und hegen man die ganze Sache noch einmal überZweifel, ob das, was sie da denken. tun, im wirklichen Leben Und genau das würde ich gern mit irgendwelche Auswirkungen Ihnen tun. Ich möchte versuchen, einen lehat. benshaltigen Glauben zurückzugewinnen. Einen pulsierenden Glauben, der Leben spendet und Leben weitergibt. Und ich bitte Sie, an einer kleinen Übung teilzunehmen. Machen Sie es sich bequem; setzen Sie sich möglichst auf einen Stuhl und vermeiden Sie jede Ablenkung. Sind Sie bereit? Los geht’s. Atmen Sie! Sie tun es bereits, sonst hätten Sie jetzt kaum dieses Buch in der Hand. Richten Sie aber bitte in den nächsten Augenblicken Ihre besondere Aufmerksamkeit darauf, was geschieht, wenn Sie atmen. Atmen Sie langsam ein und lassen Sie Ihre Lunge sich von oben bis unten füllen; fühlen Sie, wie sich Zwerchfell und Brustkorb weiten. Füllen Sie Ihre Lunge, bis Sie sicher sind, dass nichts mehr hineinpasst. Wie fühlt sich das an? Atmen Sie nun aus, indem Sie die Luft langsam aus Ihrer Lunge entweichen lassen, bis Sie am Ende des Ausatmens alle Luft hinauszwingen und Sie nicht weiter ausatmen können. Achten Sie nun darauf, wie sehr Sie sich danach sehnen, wieder einzuatmen und welche Wohltat es ist, den nächsten Atemzug zu machen. Beachten Sie auch, wie schnell die anfängliche Freude des Einatmens zur Befriedigung wird – und wie beinahe genauso schnell die Befriedigung zur Sättigung wird. Aus der Sättigung wird Übersättigung. In wenigen Sekunden ist in Ihnen aus dem Verlangen, einzuatmen, die ernste Notwendigkeit geworden, auszuatmen. Wiederholen Sie das so langsam wie möglich über zehn Atemzüge.
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Fertig? Sie haben gerade eines der großen Wunder der Natur erlebt: das Atmungssystem. Was ist wichtiger – Einatmen oder Ausatmen? Im Blick auf den menschlichen Leib ist diese Frage lächerlich. Im Blick auf den Leib Christi steht es damit anders. Die Kirche, gespalten und zerteilt, hat den traurigen Ruf, dass sie sich selbst bekämpft, ähnlich wie ein menschlicher Körper, der eine Autoimmunerkrankung entwickelt hat. In der Geschichte herrschte im Leib der Kirche oft Bürgerkrieg über die Frage, was wichtiger sei: Einatmen oder Ausatmen. Die Meister des Einatmens (die für unser Bedürfnis stehen, lebensspendende Kraft durch Bibellesen, Gebet und Stille zu empfangen) behandeln die Ausatmer (die Repräsentanten unseres Bedürfnisses, zu dienen und sich in dieser Welt zu engagieren) mehr oder weniger geringschätzig. Sie beschreiben sie oft als Vertreter eines fremden Evangeliums, eines anderen Jesus. Gleichzeitig blicken die Ausatmer misstrauisch auf die Einatmer, die so sehr auf den Himmel ausgerichtet sind mit ihrem Beten, Lesen, Fasten und Einkehren, dass sie gar nicht mehr von dieser Welt sind. Die Meister beider Lager erheben ihre Stimme über die Kluft hinweg, die sie trennt. „Atmet aus!“, rufen jene, die der Ethik des Reiches Gottes verpflichtet sind: „Dient den Armen, seid gastfrei und freigiebig! Wer darin scheitert, scheitert auf ganzer Linie“, und sie zitieren Jesus: „Denn als ich hungrig war, habt ihr mir zu essen gegeben. Als ich Durst hatte, bekam ich von euch etwas zu trinken. Ich war ein Fremder bei euch, und ihr habt mich aufgenommen. Ich war nackt, ihr habt mir Kleidung gegeben. Ich war krank, und ihr habt mich besucht. Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen“ (Matthäus 25,35.36).
„Das“, so rufen sie, „ist das christliche Leben.“ Von jenseits der Kluft schallt es zurück: „Atmet ein!“ Und die Einatmer zitieren ebenfalls Jesus: „Am Tag des Gerichts werden zwar viele sagen: ‚Aber Herr, wir haben doch als deine Propheten das weitergesagt, was du selbst uns aufgetragen hast!
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Wir haben doch in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mächtige Taten vollbracht!‘ Aber ich werde ihnen antworten: ,Ich kenne euch nicht, denn ihr habt nicht nach meinem Willen gelebt. Geht mir aus den Augen!‘“ (Matthäus 7,22.23).
Sie rufen diese Worte als Beweis, dass das wahre Wesen des Glaubenslebens darin bestehe, Jesus zu erkennen, und sie geißeln und warnen die Ausatmer, dass unangebrachter Eifer sie schließlich in die Hölle führen könnte. Und so vertieft in das Bibelstudium, wie sie sind, haben sie noch viele andere Verse zur Hand. Aber ihr Eifer klingt für die Leute auf der anderen Seite der Schlucht wie Überheblichkeit; sie hören das lautstarke Bibelzitieren oft mit so großer Geringschätzung, dass es nur ihre eigene verhärtete Position weiter festigt. Gerade diese Zweiteilung zeigt doch, dass etwas nicht in Ordnung ist. Jeder Mensch ist geprägt – durch Erziehung, persönliche Veranlagung, kirchlichen Hintergrund und weitere Einflussfaktoren; jeder neigt entweder eher zu Engagement oder Rückzug, zu Körper oder Geist, zu Tun oder Sein. Und leider sind die entsprechenden Lager in ihren Schützengräben darauf versessen, unsere Anlagen zu verstärken. Unsere Einseitigkeiten haben eine traurige Folge: Christus wird entstellt, verzerrt. Die Aktivisten schaffen einen ausatmenden Jesus (ich nenne ihn gern A. J.). Er ist unablässig im Dienst für andere auf Kosten seines eigenen Wohls. Es ist der Jesus, der immer auf einem Missionseinsatz ist, ständig in der Suppenküche hilft, laufend ein Fest feiert und Tag und Nacht mit Gerechtigkeit und Barmherzigkeit befasst ist. Auch zu Hause ist er emsig an der Arbeit, er schrubbt die Fugen der Badezimmerfliesen mit der Zahnbürste. Er steht auf tausend Adresslisten und leistet ganzen Einsatz, die Welt zu verändern. Aber all diese Aktivitäten strapazieren ihn sehr und er bekommt langsam Risse. Unter seiner sanften und hilfsbereiten Oberfläche lauert die Wut und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie ausbricht. Er ist ein leidenschaftlicher Weltverbesserer – und er ist zornig gegen jeden, der seine Ansichten nicht teilt, der nicht so entschieden wie er die Welt verändern will, zornig auf die Strukturen und Systeme dieser Welt, die so vielen Menschen Leid zufügen.
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Natürlich kommt die Wut erst zum Vorschein, nachdem er lange durchgehalten hat. A. J. sinkt manchmal zu einem nutzlosen Häuflein zusammen, weil er völlig ausgepowert ist. Vor ein paar Jahren, als wir in den Bergen an der Grenze zu Kanada ein abgelegenes Einkehrhaus mit Bibelschule leiteten, erinnerten meine Frau und ich uns daran. Ein paar Wochen bevor unser Sommerprogramm beginnen sollte, war ich in Europa unterwegs und tat nur eine einzige Sache: Ich unterrichtete. Meine Frau war zuhause und tat vieles: Sie bereitete alUnsere Spaltung in „Einatmer“ und „Ausatmer“ les für den Sommer vor, unterrichtete die hat traurige Folgen: Kinder, putzte Zimmer, die an Urlauber Christus wird verzerrt. vermietet worden waren, mähte den Rasen, kaufte ein, kochte, nahm noch einmal Kontakt auf mit den anreisenden Schülern und richtete alles für unsere Köchin her, die aus Kanada kommen sollte. Ach ja, hatte ich erwähnt, dass wir auch eine Hausgemeinde haben, die sich sonntags bei uns im Wohnzimmer trifft? An einem bestimmten Sonntag dann hatte Donna zu lange am Stück ausgeatmet. Sie hatte nicht genug Ruhe und nicht genug Freiraum in ihrem Leben gehabt. Als die erwartete Köchin aus Kanada anrief, um mitzuteilen, dass sie nun doch nicht kommen könne, nahm Donna die Neuigkeit nicht gerade gut auf. Sie erhielt die Nachricht am Sonntagmorgen, kurz bevor die Leute zum Gottesdienst kommen sollten, was es in keiner Weise einfacher machte. Da kamen sie alle mit glücklichen Gesichtern – bereit, Loblieder zu singen. Ich war in Europa, der Klavierspieler fehlte und jemand fragte meine Frau, ob sie nicht Gitarre spielen könne. „Heute nicht“, sagte sie und kämpfte gegen die Tränen (wegen der Köchin) und gegen die Erschöpfung (weil sie die ganze Last aus Kindern, Schule, Arbeit, Zimmern, Grundstück, Dienst und Gemeinde zwei Wochen lang getragen hatte, während ich mit nur einer Sache beschäftigt war – allein – in Europa). Und sie kämpfte gegen den Zorn. Wie kommen diese Leute eigentlich dazu, hier zu sitzen? Wie können sie es wagen, so fröhlich zu sein? Wie kommt die Köchin dazu, einfach ihre Meinung zu ändern? Wie kommt mein Mann dazu, sich in Europa nur mit einer einzigen Sache zu beschäftigen,
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während ich hier nicht weiß, wo mir der Kopf steht? Und warum muss es jetzt noch zu regnen anfangen? Die Gäste waren aber so beharrlich, dass Donna schon Augenblicke später vor den etwa dreißig Leuten stand, Gitarre spielte und davon sang, dass man mit Dank in Gottes Tore einzieht, jubelt und glücklich ist. Stellen Sie sich vor, wie Tränen der Enttäuschung sich mit kunstvollem Gitarrenspiel verbinden und die Stimme Liedtexte über das Glück schluchzt, dann haben Sie einen Eindruck vom ausatmenden Jesus, wie er (oder in diesem Fall sie) zu ausgebrannt ist, um sich um das eigene Wohl zu kümmern, geschweige denn um das eines anderen. Langsam hörten die Leute auf zu singen, weil sie merkten, dass ihre Musikerin nicht glücklich war, obwohl sie das gerade sang. Als die Musik verstummte, sprudelte das Klagelied der Probleme, Verpflichtungen und Aufgaben aus meiner erschöpften Frau empor. Es bleibt nicht viel Platz für Glück, wenn man total ausgebrannt ist. Für den erschöpften Jesus vertragen sich die Worte von Glück, Frieden und Ruhe nicht mit der Wirklichkeit. Sie kommen einem hohl vor. „Die Arme“, sagte ich, als ich von den Ereignissen hörte (der Tag wurde unter Freunden als „Schwarzer Sonntag“ bekannt). Dann widmete ich mich schnell wieder dem Gebet und Bibelstudium zur Vorbereitung meiner Vorträge und stellte mich danach den Mühen, Zeitschriften zu sichten, vielleicht ein bisschen C. S. Lewis und die Tageszeitung zu lesen. Wir Lehrer müssen ja ständig in der Erkenntnis wachsen und Dingen auf der Spur sein, die vielleicht eines Tages in einem Vortrag irgendwo auf der Welt wertvoll sein könnten. Nachdem ich mich beinahe in den Schlaf gelesen hatte, machte ich einen kurzen Spaziergang, kochte mir anschließend eine Tasse Kaffee und betete für meine arme Frau, die lernen musste, wie man sich ausruht. Ich hatte offensichtlich auch einiges zu lernen über Ehe, Führungsqualitäten und Liebe, aber darüber reden wir ein andermal. Im Augenblick können Sie vielleicht erkennen, wie bereitwillig ich mir die Einseitigkeiten des einatmenden Jesus zu eigen machte (ich nenne ihn nur E. J., weil wir wirklich gute Freunde sind). Für E. J.s wie uns genügt es, Jesus zu verstehen, still zu seinen Füßen zu sitzen, sein Wort zu lesen, zu beten, einsam durch den Wald zu spazieren, der Schöpfung zu lau-
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schen, die seine Herrlichkeit ausstrahlt, und das dann vielleicht noch in einem Tagebuch oder Buch niederzuschreiben. Wir atmen so tief ein, dass unsere Lungen beinahe platzen. Die Aussicht darauf, sich tatsächlich hinaus in die Welt zu begeben und irgendetwas von wirklich handfestem Wert für oder mit anderen zu tun, erschreckt uns. Und so begnügen wir uns mit einer Definition geistWas ist besser - „einatmen“ oder „ausatmen“? licher Gesundheit, die vollständig nach Besser ist es, diese Frage innen gerichtet ist. Die E. J.s verleiten zu vergessen. viele Menschen dazu zu glauben, dass Jesus kein Interesse hat an Politik, Wirtschaft, Umwelt, Internationalem Währungsfonds, G8, AIDS, dem Völkermord in Darfur, Gewaltlosigkeit, dem „gerechten“ Krieg, Obdachlosigkeit oder irgendeinem anderen Thema, das für das Wohl der Welt von entscheidender Bedeutung ist. Diese Missdeutung Jesu ist zwar komplexer als die Formel „Einatmen, ohne auszuatmen“; aber sie ist doch ein Schlüsselfaktor, warum die Kirche für die große Mehrheit der Menschen heute fast in den Bereich der Bedeutungslosigkeit verbannt wird. „Sie mag dazu taugen, dass man sich wohlfühlt“ oder als „Opium des Volkes“, das sich von den wirklichen Tragödien unseres rückgratlosen, ungerechten, isolierten, blassen und langweiligen Lebens ablenken lässt durch einen guten Schuss sanfter Musik und ein paar Psalmen oder auch ein paar Kerzen und Rockmusik, falls eine fortschrittliche Kirche eher dem eigenen Geschmack entspricht. Aber lebensverändernd? Relevant? Wesentlich? Also mal ehrlich! Aber was ist nun besser – Einatmen oder Ausatmen? Besser ist, diese Frage zu vergessen. Fangen wir lieber an zu atmen. Denn wenn wir das tun, werden wir – als Einzelne, aber auch unsere Gemeinden – wieder zu einem gewissen Maß geistlicher Gesundheit und Ausgewogenheit finden. Atmen zu lernen, sich auf den Rhythmus des Lebens einzulassen, der die ganze Schöpfung durchzieht, darum geht es in diesem Buch.
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1 Warten auf das Ausatmen
Versuchen Sie es. Betrachten Sie das Ausatmen als ersten Schritt und atmen Sie dann ein paar Minuten auf diese Weise. Atmen Sie ganz bewusst mehrere vollständige Atemzüge, indem Sie zuerst ganz ausatmen und dann einatmen. Machen Sie sich ganz leer, quetschen Sie den letzten Atem hinaus, atmen Sie dann ein. Beginnen Sie den nächsten Atemzug mit dem Ausatmen und beenden Sie ihn mit dem Einatmen. Dan Brule, Better Breathing (Besser Atmen)
„Ich entdecke mehr Leidenschaft für Bäume in einer Umweltschutzorganisation als Leidenschaft für Jesus in der Kirche.“ Diesen Vergleich warf mir der Pastor einer jungen Studentin an den Kopf, während wir darüber sprachen, warum Christsein auf junge Menschen oft so langweilig wirkt. Die junge Frau studierte zwar weiterhin Umweltwissenschaften, es fiel ihr aber ausgesprochen schwer, irgendwelche Verbindungen zwischen ihrer Liebe zur Natur und dem Leben als Christ zu erkennen. Sie konnte nicht sehen, dass ihre Leidenschaft für die Natur und dafür, etwas gegen die weltweite Umweltverschmutzung und das dahinterstehende Konsumverhalten zu tun, in der Tat ein Ausdruck der Liebe zu Jesus sein konnten. Wie konnte sie diesen Zusammenhang übersehen? Meine Vermutung ist: Die paar Predigten, die sie über einfaches Leben, Bewahrung der Schöpfung und Fragen wirtschaftlicher Gerechtigkeit in der Kirche gehört haben mochte, konnten nicht ankommen gegen die Lawine zerstörerischer Lebensweisen, die sie überall um sich herum in der Gemeinde wahrnahm. Vielleicht sah sie Wohlstand und Konsum ohne tatkräftigen Einsatz zur Lösung der drängenden Frage der Armut. Vielleicht hatte sie gehört, dass Sex vor der Ehe zu vermeiden ist, aber nichts über die Verzweiflung, die so viele Frauen in die Prostitution treibt. Sie hatte vielleicht Leute über das Ende der Welt reden hören und gesehen, wie rücksichtslos umweltzerstörend dieselben Leute lebten. Nach einer Weile war die Kluft zwi-
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schen ihrem Glauben und dem, wofür ihr Herz brannte, einfach zu groß geworden. Als sie sich entscheiden musste, hielt sie es mit der Begeisterung und gab ihren Glauben auf. Dass sie sich überhaupt vor diese Entscheidung gestellt sah, ist eine Anklage gegen die Art, wie wir Grundüberzeugungen unseres Glaubens vertreten. Die meisten Menschen, die heute an Christus glauben, haben sich dazu entschlossen, weil sie zur Überzeugung gelangten, dass Sünde, Versagen, Schuld oder Entfremdung von Gott eine persönliche Bedeutung für sie haben. Ihnen wurde klar, dass Gott durch Christus einen Weg zur Versöhnung anbietet; einzige Bedingung dabei ist, dass ein Mensch dieses Angebot im Glauben annimmt. Das ist eine gute Nachricht; sie ist wahr und schön. Oft taucht unmittelbar nach diesem herrlichen Augenblick des neuen Lebens und der Bekehrung eine Schwierigkeit auf. Statt davon zu erzählen, dass Gott einen Plan hat zur Überwindung von Gier, Ungerechtigkeit, Verschmutzung, Zerstörung, Hass, Unterdrückung, Begierde und all jener Elemente, die in uns und unter uns durch die Sünde Wurzeln geschlagen haben, reden wir davon, wie großartig es ist, dass wir eines Tages in den Himmel Wenn wir behaupten, kommen werden. Statt Menschen einzudass es beim Glauben um die laden, aktiv an dieser unglaublichen GeSeele geht, unterstellen wir, schichte teilzunehmen, die Gott in der Welt dass die Autos, schreibt, laden wir Leute ein, zum Gottesdie wir fahren, und die Dinge, dienst zu kommen, sich hinzusetzen, zuzudie wir konsumieren, hören und zu lernen: zu lernen, was man nichts mit dem Glauben glaubt, wie man betet, eine Stille Zeit hält, zu tun haben. seine Bibel liest, sie studiert und am Gottesdienst teilnimmt. Und wenn wir ganz eifrig sind, dann lehren wir die Leute auch noch, was man zum Gottesdienst anzieht, welche Musik man hört und was man trinkt (oder noch wichtiger: nicht trinkt). Dieses ganze System hat den traurigen Effekt, dass man die dynamische und revolutionäre Bewegung, die Jesus ins Leben rief, verdorren lässt und auf etwas weitgehend Innerliches verkürzt, dem ein paar hilfreiche Anstöße beigefügt werden, damit man mit anderen Christen auskommt.
1 Warten auf das Ausatmen
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Wir verkünden diesen weitgehend innerlichen Glauben, wenn wir uns mehr um den Zustand unserer sakralen Gebäude sorgen als um das Wohl der Obdachlosen in unserer Stadt, wenn uns der Musikstil in unseren Gemeinden mehr beschäftigt als die Tatsache, dass täglich 30.000 Kinder an behandelbaren Krankheiten sterben. Wenn wir behaupten, dass eigentlich nur Seele und Geist letztlich bedeutsam sind, unterstellen wir damit, dass die Autos, die wir fahren, und die Dinge, die wir konsumieren, nichts mit dem Glauben zu tun haben, den wir bekennen. Der Neubekehrte, der in diesen privatisierten Weg des Denkens und Lebens eingeführt wird, steht nun an einem gefährlichen Scheideweg, und die zwei am häufigsten eingeschlagenen Wege an dieser Kreuzung sind beide zerstörerisch. Einerseits kann die nach innen gerichtete, private Version des Glaubens großen Anklang finden. Der junge Christ wird zu einem von vielen, bei denen sich Theologie und Lebensführung hauptsächlich um die unsichtbare, „geistliche“ und zukünftige Seite des Glaubens drehen. Hat er sich erst mit diesem Ansatz angefreundet, fühlt er sich sicher und getröstet durch die Versicherung, dass sein Tun ihm hier inneren Frieden und nach dem Tod die Gewissheit des ewigen Lebens bringt. Er versteht seinen Glauben als eine Kombination einiger privater Heiligungspraktiken mit vielleicht der sorgsamen Vermeidung einiger ausgewählter Sünden. Oder er wird zu einem von Millionen Opfern des Glaubens, die ihren Weg mit Jesus zwar begannen, für die diese ganze Sache aber letztlich leider doch ihren Zauber verlor. Die eigene Leidenschaft für ein Leben in einer gerechteren, saubereren und hoffnungsvolleren Welt findet nur wenig Ausdrucksmöglichkeiten innerhalb einer Gemeinschaft, die vornehmlich beschäftigt ist mit der Entfaltung des inneren Lebens, bestimmten Einschränkungen des Lebensstils und mit Fragen der Herzenshaltung. Die Leute an der Weggabelung empfinden so eine Art „Ja, aber“. Nicht, dass sie nicht glaubten, dass Jesus für ihre Sünden gestorben ist oder es den Himmel wirklich gibt oder dass Bibellesen für die geistliche Gesundheit lebenswichtig ist. Zu all dem würden sie „Ja“ sagen. „Aber“, so würden sie anfügen, „ich mache mir auch Sorgen über die Abholzung des Regenwaldes und das Artensterben. Ich mache mir aber auch Sorgen über die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich und die Obdachlosen und