Susanne Breit-Keßler | Frank Muchlinsky (Hrsg.)
Vielleicht lässt jemand Wunder regnen
Ein hoffnungsfrohes Lesebuch
Der Titel unseres Buches ist ein zauberhafter Aufschwung – wie die kleinen, feinen Lesestücke auch. Damit be nden wir uns mitten im Leben, in dem wir die Balance halten zwischen Sorge und Zuversicht, Mut und Leichtsinn, Ho nung und Verzagen, zwischen Alltag und täglichem Staunen. Aufschwung und Abschwung, mit schönster Orientierung nach vorne, aber auch mal mit einem Sich-fallen-Lassen.
Es geht nach oben – „ja, bestimmt“ – und zurück – „nein, niemals“. In der
Mitte ein zartes „vielleicht“. Es könnte doch sein. Denn Wunder, die gibt es. Aufwachen, aufstehen, leben dürfen, manchmal ganz anders als erwartet.
Ein Kind, ein Engel, der Freund, die Liebste, Eltern und Großeltern, man selbst: ein glattes Wunder mit Unebenheiten, phantasievoll kreiert.
Wunder? Ja, bitte. Vielleicht regnet es eine warme, herrliche Dusche von beglückenden Lebenserfahrungen, die dem trotzen, was wir oft auch erleben. Und jemand soll sie regnen lassen. Wir können uns da nur den Herrn dieses verrückten Daseins vorstellen, der einen atemberaubenden
Ab- und Aufschwung vollführt hat, um uns Lebensmut zu machen.
Bis in alle Ewigkeit. Schwingen Sie getrost und vergnügt durch dieses Buch!
SUSANNE BREIT-KESSLER
FRANK MUCHLINSKY
Güte
Als ich sie tre e, bin ich überrascht:
Die Güte ist eine alte Frau, und ihr Haar ist kraus. Sie sieht ein bisschen aus wie Pippi Langstrumpf. Nur in Alt. Damit habe ich nicht gerechnet. Sie bittet mich in ihr Haus. Die Wände sind durchlässig. Sommerwind fährt durch die Räume. Die Güte ist immer da.
Ihre Tür steht o en. „Und wenn
dir jemand was nimmt?“, frage ich. Doch schon bald merke ich, wie dumm die Frage ist. Was kann man jemandem nehmen, der alles gibt?
Die Güte ist eigensinnig, von Logik will sie nichts wissen. Sie rechnet nicht. Den Ka ee schenkt sie ein bis zum Rand. Die Butter schmiert sie ngerdick. Die Güte verteilt
Rosinenstuten. Kein Teller bleibt leer. Sie fragt nicht. Sie hält nichts vor. Manche Worte hat sie vergessen. Recht. P icht. Vergeltung.
Gerechtigkeit interessiert sie nicht. Sie schöpft aus dem Vollen. Sie gibt, weil sie hat. Die Güte ist eine Verschwenderin.
Als ich aufbreche, sagt sie: „Nimm mich mit.“ Ich stutze einen Moment und wundere mich, dass sie fort will, doch sie lächelt mich nachsichtig an. Ob ich denn wirklich glaube, dass eine wie sie an nur einem einzigen Ort wohnt?
Verschwende dich. Lobe jemanden über den grünen Klee. Mach ein Lächeln zu deinem Tagwerk. Gib jemanden frei. Hab den Himmel im Gepäck. Er trägt dich. Gib das Rechnen auf. Ein anderer kennt die Gleichungen. Streue deine Erwartungen in den Wind. Ö ne dein Herz. Vielleicht lässt jemand Wunder regnen.
SUSANNE NIEMEYER

Aber
die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie au ahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
JESAJA 40,31
Here comes the sun
Es war früh am Morgen, viertel nach sechs, Montag, der 23. März 2020. Am Tag zuvor hatte die Bundesregierung die Kontaktsperre verfügt und den Lockdown des Landes verkündet. Ich war mit unserer Hundedame Ginger für den Morgenspaziergang draußen und merkte: Ich brauche jetzt etwas, das mir inneren Halt gibt.
Da ging die Sonne auf. Das Licht utete das Land. Wunderschön und unberührt davon, welcher Sturm an Angst gerade in mir wütete. Das Virus, das unsichtbar schleicht, der verhängte Ausnahmezustand drückten mich nieder. Die Sonne zog mich innerlich nach oben. Auch wenn ich nicht schlafen konnte in der Nacht, hier kam die Sonne und ein neuer Tag.
Warum ist mein Leben so?
Hat Gott es so für mich bestimmt? – Wie ist es denn?
Wenn das Leben gut ist, dann nimmst du das so hin. Ist es aber schwer, machst du Gott Vorwürfe: Warum passiert das jetzt mir? Die Bibel sagt, dass Gott unsere Tage in ein Buch geschrieben hat. Damit ist vielleicht in erster Linie die Länge unserer Lebenszeit gemeint, aber es geht auch um unsere fehlende Kraft, Gut und Böse zu unterscheiden.
Wir irren uns oft. Wir meinen etwas gut und es kommt doch andersrum an. Das weiß Gott. Gott kennt meinen wahren Willen. Manche sagen, Gott kennt mich besser als ich mich selbst. So betrachtet, ist mein Leben von Gott bestimmt. Oder anders gesagt: Ich vertraue darauf, dass Gott es immer gut mit mir meint.
CHRISTIANE THIEL
der herr segne und berühre dich er behüte dich unter seinen engels ügeln und halte den himmel stets für deine heimkehr o en
berühre mich

seine worte mögen in deine seele einfallen wie wassertropfen die erde begießen
unser gott taufe deine tage und nächte mit unendlicher güte er bette deine sorgen auf rosen nach durchwachten tränennächten lasse er deinen schwermut zu neuer ho nung erblühen
SIEGFRIED ECKERT
Kleine Übung zum
Durchhalten an mittelguten Tagen
Ungewöhnliche Zeiten verlangen nach ungewöhnlichen Übungen.
Zum Beispiel diesen ...
1. 10 Sachen aufschreiben, die dich nerven. Wirklich nerven.
2. Wähle die Sache aus, die am Schlimmsten ist.
3. Stell dir vor, jemand schreibt dir einen Brief und erklärt, warum gerade diese Sache eigentlich als großartig zu preisen ist, ein Geschenk, das dein Leben bereichern wird.
4. Sei dieser Jemand und schreib diesen Brief.
5. Sei dabei maßlos, übertrieben und verrückt.
6. Den Brief an den Küchenschrank hängen und weitermachen.
SUSANNE NIEMEYER
Mögest du immer einen Blick für das Sonnenlicht haben, das sich in deinen Fenstern spiegelt –und nicht für den Staub, der auf den Scheiben liegt.
ALTIRISCHER SEGENSWUNSCH
Mit Gott ins Bett
Abendgebete für jeden Tag der Woche
Schau beim Zähneputzen in den Spiegel.
Genau so hat Gott dich gemacht.
Putze fröhlich weiter!
Schlaf gut!
Leg dich auf den Rücken und schau an die Decke.
Weit darüber ist der Himmel.
Und Gott ist hier bei dir.
Schlaf gut!
Was dich heute beschäftigt hat:
Leg es ab!
Gott wird es gut verwahren.
Schlaf gut!
Leg dir eine Hand auf dein Herz.
Dein Herz schlägt.
Fühle und danke Gott.
Schlaf gut!
Setz dich auf dein Bett und nde irgendetwas, für das du Gott heute danken kannst.
Leg dich erst hin, wenn du etwas gefunden hast.
Schlaf gut!
Setz dich aufrecht an deine Bettkante.
Bete das Vaterunser. Das tun gerade Tausende andere auch.
Danke Gott für diese Gemeinschaft.
Schlaf gut!
Zieh dir die Decke über den Kopf.
Sei einen Moment lang ganz still.
Lächle und lass dich nden von Gott!
Schlaf gut!
FRANK MUCHLINSKY
Ja, ich sage es noch einmal:
Sei mutig und entschlossen!
Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst!
Denn ich, der Herr, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.
JOSUA 1,9
INHALT
VERZEICHNIS
DER AUTORINNEN
UND AUTOREN
NACHWEIS
DER ABDRUCKRECHTE
BILDNACHWEIS
IMPRESSUM
INHALT
Seite
5 Vorwort SUSANNE BREIT-KESSLER, FRANK MUCHLINSKY
6 Güte SUSANNE NIEMEYER
8 Du aber, Herr PSALM 40,12
9 Gott lacht mit CHRISTINE LUNGERSHAUSEN
12 Der Herr denkt an uns PSALM 115,12
13 Brauchst du einen Engel? SUSANNE NIEMEYER
14 Von guten Mächten DIETRICH BONHOEFFER
16 Müssen Christen immer zuversichtlich sein?
BURKHARD WEITZ, LISA RIENERMANN
19 gott küssen SIEGFRIED ECKERT
20 Gott ist die Liebe 1. JOHANNES 4,16b
21 Wann hört die Liebe auf? CHRISTIANE THIEL
22 Kleine Verstecke SUSANNE NIEMEYER
23 „Siehste!“ ANDREAS MALESSA
26 Aber die auf den Herrn harren JESAJA 40,31
27 Here comes the sun MARTIN VORLÄNDER
30 Es gab in meinem Leben MARK TWAIN
32 Der Engel, der Busfahrerin werden wollte SUSANNE NIEMEYER
36 können SIEGFRIED ECKERT
37 Im Laufe meines Lebens MICHAEL, Erfurt
38 Steh auf und geh! MATTHIAS LEMME
39 Der Herr segne dich ÄGYPTISCHER SEGEN
40 Sing, bet und geh auf Gottes Wegen GEORG NEUMARK
41 Sonntagsgedanken SUSANNE NIEMEYER
42 Langsamer Walzer RAMÓN SELIGER
44 Angst ist SØREN KIERKEGAARD
46 Perfekt ist das Leben nie EINE SCHÜLERIN
47 Sehnsucht nach besseren Tagen SUSANNE BREIT-KESSLER
52 Warum ist mein Leben so? CHRISTIANE THIEL
53 berühre mich SIEGFRIED ECKERT
54 Alle Dinge sind möglich MARKUS 9,23
55 Ewigkeitssonntag SUSANNE NIEMEYER
56 Glück auf Umwegen CHRISTIANE BIRGDEN
58 Wir wissen aber RÖMER 8,28a
59 Du darfst SUSANNE NIEMEYER
60 regenbogen SIEGFRIED ECKERT
61 Dem Vergangenen Dank DAG HAMMERSKJÖLD
62 Kleine Übung zum Durchhalten an mittelguten Tagen
SUSANNE NIEMEYER
63 Mögest du immer ALTIRISCHER SEGENSWUNSCH
64 Weitergehen, bis alles gut wird GERD-MATTHIAS HOEFFCHEN
66 Denn es sollen wohl Berge weichen JESAJA 54,10
67 Wachsen MATTHIAS LEMME
68 Lohnt sich Ho nung? ANDREAS MALESSA
71 Vögel singen ANDREA SCHWARZ
72 Tagwerk SUSANNE NIEMEYER
73 Be ehl du deine Wege PAUL GERHARDT
74 Damit ihr Ho nung habt! SUSANNE BREIT-KESSLER
77 Fürchte dich nicht JESAJA 41,10
79 Ho nung garantiert keinen guten Ausgang FULBERT STEFFENSKY
80 #inWahrheit FRANK MUCHLINSKY
81 „Knacka på!“ ANDREA SCHNEIDER
84 Jeder Mensch HEDI EICHELMANN
85 Großmut SUSANNE NIEMEYER
86 Denn Gott hat uns nicht gegeben 2. TIMOTHEUS 1,7
87 Es kommt, wie es kommt MARTIN VORLÄNDER
89 Humor ist der Regenschirm B. HAMBERGER
90 Sie stirbt zuletzt SUSANNE NIEMEYER
92 Mit Gott ins Bett FRANK MUCHLINSKY
93 Ja, ich sage es noch einmal JOSUA 1,9
94 Zuversicht ANDREA WÖLLENSTEIN
96 Fürchte dich nicht 1. MOSE 26,24b
97 „Warum warst du nicht da, als ich dich wirklich brauchte?“ SUSANNE NIEMEYER
99 Wird dein Herz mit seinen Sorgen MARTIN LUTHER
100 Alles hat seine Zeit PREDIGER SALOMO 3,1–8
101 Das müde Glück ROGER WILLEMSEN
107 gebet zur nacht SIEGFRIED ECKERT
108 Warum soll ich mir Sorgen machen? SIMONE WEIL
109 Schwestern SUSANNE NIEMEYER
IMPRESSUM
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Das Buch wurde auf alterungsbeständigem Papier gedruckt.
Gestaltung: Anja Haß, Leipzig Bildredaktion: Lena Upho , Frankfurt Druck und Bindung: Těšínská tiskárna, a.s., Český Těšín
ISBN 978-3-96038-270-6
ISBN 978-3-438-06278-9 www.eva-leipzig.de www.die-bibel.de