Kapitel
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Kleinviehnomaden und Kamelbeduinen Neben dem Ackerbau war die
Kleinviehzucht eine wichtige Ernährungsgrundlage der Menschen. Abraham, Isaak und Jakob lverden a1s Kieinviehzüchter dargestellt. Sie lebten von der Zr-rcht von Schafen und Ziegen und siedelten in Gegenden, deren Bewohner nicht auf den Ackerbau spezialisiert waren. Die Heimat Abrahams war die Umgebung von Hebron (Gen 13,18), das in der frühen Eisenzeit die südlichste Siedlung ludas darstellte und damit am Rande des bebauten Landes Iag. Isaak siedelte um Beerscheba (Gen 26,33) und damit in einer Region, die nur in eingeschränktem Maße für die Landwirtschaft genutzt wurde. iakobs Heimat rvar das mittlere Bergland Palästinas in der Gegend um Bet-El (Gen 35,1), ein Gebiet, das in der Spätbronzezeit nahezu unbesiedelt war. Dort fanden die Tiere in dem Macchia-Gestrüpp reichlich
Nahrung. Naba1, ein Grol3herdenbesitzer
aus der Zeit Davids, ließ seine
Herden in der Wüste Maon weiden, die südlich von Hebron 1ag (1 Sam 25,2). Aber auch Amos, der nach Arn 7,14 von Beruf Maulbeerfeiger.r züchter tind Hirte war, Iebte in Tekoa am Rande der judäischen Wüste und somit abseits der großen Siedlungszentren. Dasselbe gilt ftir die Hirten im Neuen Testament, die
bekanntlich in der Gegend von Betlehern ihre Schafe hüteten (Lk 2,8). Auch hier befinden wir uns wieder am Rande der Wasserscheide und damit schon in einem Gebiet, das nicht mehr zu den dicht besiedelten Gegenden zählt. Die Wahl dieser Regionen als Siedlungsraum für Nomaden leuchtet unmittelbar ein: Das Kulturland ist als Weide für Schafe und Ziegen ungeeignet. denn hier wären zumindest in
Zudem ist
es
für Kleinviehno-
maden rvichtig, ihre eigenen Produkte auf einem Markt zu verkaufen und andererseits fremde Produkte, die sie selbst zum Leben brauchen, dort zu erwerben. Ein enger Kontakt zwischen Städtern und Kleinviehnornaden ist daher auch in diesem Bereich nötig und für beide Seiten von NutTen. In der Spätbronzezeit. uls cs im Bergland nur ivenige Ortschaften und mit |erusalem und Sichem nur zwei kleinere
den Wintermonaten Ackerbau-
Städte gab, hatten eben diese
ern und Nomaden harte Konkurrenten. Brechen Tiere in die Ackerflächen ein, so lressen sie die Halme ab und vernichten dadurch die Ernte. Daher ist es während der Wintermonate ideal, Schafe und Ziegen in der Steppe rveiden zu lassen, wo der zu dieser Zeit vorhandene dänne Belvuchs ausreichend Nahrung für die Tiere bietet. Im Sommer, wenn die Felder abgeerntet sind und die Steppe allmählich austrocknet, können die Nomaden in das Kulturland ziehen. Dort stehen noch die abgeernteten Getreidehalme und bieten den
beiden Städte a1s Marktorte besondere Bedeutung. Sie waren jeweils ftir eine Region von rund 25 km Radius die zentralen Umschlagplätze: Hier wurden Nachrichten ausgetauscht und Waren gehandelt. Nur in dieser
Tieren reichlich Nahrung. Mit ihrern Mist dür-rgen die Schafe und Zieger beirn Weiden auch gleichzeitig die Felder. Auf diese Weise herrschte in der Antike eine Art
zwischen i0 und 80 km. In bibli-
Funktion konnten ferusalem und Sichem, die r.öllig abseits der großen Handelsstraßen lagen, wirtscha itl ich überleben, ja sogar autblühen. Die Wanderbewegungen der Kleinviehnomaden hängen stark von den jer,r,eils herrschenden Rahmenbedingungen ab. Vor 1948
wanderten sie im Negev
scher Zeit diirlten die Distanzerr geringer gewesen seirr. Sor,r eit
Symbiose zwischen Acherbauern
und Kleinviehzüchtern, von der beide Seiten profi ticrtcn.
Der gute Hirte. Marmorstatue aus der Zeit um 300 n. Chr.
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t
ansonsten vornehmlich von Brot ernährte. Ie rvenigcr crrtn icl<clt cine Ge'el lschal-t ist. trmso rt crtiger
Arbeitsteilung r,r,ird benötigt. Im Gegensatz zu dem viel stärker
sich den biblischen Texten entnehmen 1ässt, lagen auch die winterlichen Weidegebiete nicht allzu weit von den gröI3eren es
Orten entfernt. Der Kontakt zwischen Städtern und Nomaden war eng. Die Distanzen in Israel sind zudem klein, sodass man beispielsweise von Tekoa bis zum Toten Meer nur eine Strecke von gerade einmal 20 km Luftlinie zu überrvinden hat. Hier boter-r sicl-r für die Nomaden ausreichende Weidegründe, r,n'obei man sich immer wieder vergegenwärtigen muss, dass die Zahl der Nomaden in der Königszeit in Israel und Juda im Gegensatz zur Spätbronzezeit und zur Eisenzeit I/ Richterzeit nicht al1zu groß gervesen sein dürfte. Ein Hinweis dafür ist, dass es in dieser Zeit in den Wohnhäusern der Städte
in der Regel Ställe gab, in denen einige Tiere gehalten wurden. Damit r.ersorgten sich die Städter mit den notr'vendigen tierischen
Produkten wie Milch, loghurt und Käse. So war l(ir cirrc au:reichende Fett- und Vitamin-'.ersorgung gesorgt, da man sich ja
§ 1 1B
KAPTTEL s
in geringer Tiefe aufgehalten wircl. Nlerdings versiegen viele Brunnen in den Sommermonaten, wenn sor'voh1 Schafe als auch Ziegen täglich Wasser brauchen, sodass auch aus diesem
Grund
städtisch geprägten Leben der Bronzezeit rvar das Leben ir-r der Körrigszeit, ron den wcnigen größeren Städten einmal abgesehen, generell eher ländlich strukturiert. Deshalb spielte die 5elbstversorgung, zu der eben auch das Halten einiger Schafe oder Ziegen gehörte, für die meisten Menschen im Kernland eine zentrale Rolle. An den Rändern des Kulturlandes gab es abcr arrch in der Künigszeil Kleinviehnomaden, vor allem im
die Non-raden eine Zeitlang in das Kult urland zr.rrückkehr:cn rn ü)sen,
Ostjordanland und im Neger,. h-r der Eisenzeit I boten Schafe und
rvas sich
Ziegen eine Möglichkeit für die
ehemdigen Städter, sich rasch eine neue Existenz aufzubauen. I(einviehherden vermehren sich schnell, und so konnten die Menschen jener Zeit ihr Leben kurzfristig am einfachsten durch Kleinviehhaltung sichern.
Während der Wintermonate, wenn man sogar in der Wtiste saftiges Gras findet, brauchet.t Schafe nur etwa alle zehn Täge Wasser zun.r Trir-rken. Ziegen
müssen in dieser-r Monaten überhaupt nicht getränkt lverden. Für die Schafe findet rnan leicht Wasser in den Brunnen, die die Hirten graben. Diese sind meist drei bis fünf Meter tief und rverdcrr von Grundwasser gespeist. das in den Wadis in den Wintermonaten versickert, aber t on r'vasserundurchlässi gen Schichten
Die Suche nach Wasser und nach Futter bestimmt derr JahresIauf der Nomaden in besor-rderer Weise. Sehr r iel Erlahrurrg i'l hier nötig, um jederzeit clie richtigen P1ätze aufzufrnden und so der Herde genügend Nahrung zu bieten. In diesem Zusammenhang spielt auch die Gastfreundschaft der Nomaden eine wichtige Ro11e, denn dr,rrch Offenheit
gegenüber Fremden erfahren sie,
in der jeweiligen Gegend
abspielt, wo es gtinstige Weideplatze gibt und wo eventuell andere Nomaden lagern, denen man besser ausweicht, da es sonst rvomöglich Streit um die Weidegründe giht. Regenlälle könrrcrr räumlich sehr begrenzt sein und in Schauern niedergehen, sodass man eventuell erst durch Nachrichten von anderen erfährt, rvo gerade günstige Bedingungen herrschen.
Die Fürsorge des l-lirten fär seine Herde findet sich als Bild aucl-r
in
den.r berührntesten Psalm der Bibel wieder (l']s 23,1f.):
»Der HERR ist n'rein Hirte, mir wird r-richts mangeln. Er rveidct mich auf einer grünen
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und führet mich zum frischen Wasser.«
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Hirtenstab und Steinschleuder
Solche Steinschleudern waren aus
Das Bild oben zeigt den Abdruck
Stoff oder aus Leder. Zwischen zwei langen Bändern befand sich eine kleine Tasche, in die ein Stein gelegt werden konnte. Die Schleudersteine
eines Rollsregels aus dem 3..lahr'
tausend v. Chr. ln der oberen Reihe ist ein Hirte zu sehen, der mit einem langen Hirtenstab und einer Keule vor der Herde hergeht. Der Hirtenstab dient dazu, dre Herde zu führen, die Keule drent zur Abwehr von Feinden und Raubtieren,Wenn es in Ps 23,4 heißt »dein Stecken und Stab trösten mich«, so ist mit dem Stecken die Keule und mit dem Stab der lange Hirtenstab gemeint, auf den sich der Hirte auch stützen k0nnte. ln der unteren Reihe ist auf
können bei entsprechender Übung ziemlich zielgenau geschleudert werden und erreichen eine Geschwindigkeit von über 90 km/h. Schleudersteine wurden nicht nur von Hirten verwendet, sondern auch von Soldaten im Heer.
dem Rollsiegel ein Hirte abgebildet, der ebenfalls mit Hirtenstab sowie einer zweiten Waffe, wahrscheinlich einer Steinschleudel bewaffnet rst.
Das Bild rechts zeigt assyrrsche Krie-
die die Stadt Lachisch belagern und mit ihren Schleudersteinen bekämpfen. Solche Schleuderer waren auch noch in römischer Zeit geq,
Bestandteil des Heeres.
KLEINVIEHNON1ADEN UND KAN/ELBEDUINEN
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