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Dieses Heft will Ihnen, liebe Kursteilnehmer, die Bücher Josua bis Könige vorstellen – sechs umfangreiche Geschichtsbücher also, dazu die kleine Erzählung von Rut. Auf den ersten Blick scheint damit eine große Textfülle vor Ihnen zu liegen, und vermutlich haben Sie in Ihrem Kurs bereits vereinbart, wie lange sie sich für jedes Buch und damit für die Arbeit an diesem Heft Zeit nehmen wollen (der Umfang der genannten Bücher ist übrigens geringer als der des Pentateuch!). Sie werden vermutlich rasch beobachten, das sich diese Bücher zügig lesen und in der Regel leicht verstehen lassen; denn sie erzählen Geschichte – von Josua, dem Nachfolger des Mose, bis zum Ende der beiden Reiche, nämlich des Nordreiches »Israel« und des Südreiches »Juda«; in diese beiden Teile spaltete sich das Reich nach dem Tod des Königs Salomo. Mit diesen Daten lässt sich bereits der Erzählbogen, den diese Bücher beschreiben, überblicken. In Jahreszahlen ausgedrückt:

• Die »Landnahme« unter Josua begann etwa 1230 v. Chr. • Das Nordreich Israel wurde 722 v. Chr. zerstört • Das Südreich Juda endete mit der Zerstörung Jerusalems 587 v. Chr. Die Bücher Josua bis 2. Könige überblicken also einen Zeitraum von mehr als 600 Jahren. Und wenn wir schon bei Jahreszahlen sind, erfahren Sie hier noch drei weitere:

• Im Jahr 1004 v. Chr. begann die 40-jährige Regierungszeit von König David. • Die anschließende Regentschaft seines Sohnes Salomo ging 926 v. Chr. zu Ende; danach wurde das Reich geteilt. • König Ahab regierte im Nordreich Israel um 860 v. Chr. So viele Daten lassen sich in einer Grafik besser überblicken: Josua

David/Salomo

1200

Josua

1100

Richter

1000

1. Samuel

2. Samuel

722 Ende Nordreich

Ahab 900

1. Könige

800

700

587 Ende Südreich 600

2. Könige

Nein, der Bibelkurs wird nicht zum Geschichtsunterricht; und Sie sollen die Jahreszahlen auch nicht auswendig lernen. Auch, wenn Sie von den hier genannten Ereignissen bisher nichts oder nur wenig wussten, ist das nicht schlimm. Sie sollen mit der Tabelle und den folgenden Erklärungen eine Übersicht über den Erzählrahmen der Bücher Josua bis 2. Könige und einige Leitlinien zum Verständnis dieser Bücher bekommen.

• Der Erzählrahmen der Bücher Josua bis 2. Könige beginnt mit der so genannten Landnahme (oder

besser: mit der Landgabe durch Gott). Die Verheißung an Abraham (»das Land, das du siehst, will ich dir und deinen Nachkommen geben«, 1. Mose 13,15) findet ihre Erfüllung: Gott führt sein Volk in das »gelobte Land«. Und der Erzählrahmen endet mit dem Verlassen des Landes: Ein großer Teil des Volkes wird ins Exil nach Babylon deportiert. Das deutliche Gefälle zwischen dem verheißungsvollen Anfang und dem schmählichen Ende stellt unweigerlich vor die Frage: Warum hat das Volk die von Gott gegebene Chance vertan? Worin liegen die Gründe für das Scheitern? Welche Schuld hat das Volk auf sich geladen?

• Die Geschichte von der Landnahme bis zur Zerstörung des Südreiches Juda gleicht freilich nicht

einer geraden Linie abwärts, sondern einem bewegten Auf und Ab. Immer wieder bricht das Volk den Bund mit Gott, gehorcht nicht seiner Weisung, vertraut mehr auf die eigene Kraft als auf die seines Herrn. Und immer wieder greift Gott trotz allem rettend ein, vergibt, lässt das Volk neu leben, wählt Richter, Propheten, Könige und bewegt Israel zur Umkehr. Stuttgarter Bibelkurs, Heft 11 Seite 1

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Josua

24 Kapitel

Richter

21 Kapitel

Ehud Debora und Barak Gideon

10–12

Jeftah

13–16

Simson

1–8

Samuel

9–31

Saul – der erste König

16 17

Salbung Davids Goliat

31

Sauls und Jonatans Tod

2

David wird König über Juda

5

David wird König über ganz Israel

7

Nathansweissagung

1

Salomo wird König

12–14

Trennung Israels und Judas

17–22

Elia und Ahab

Thronfolgeauseinandersetzungen

Zerfall des Reiches

om o

Absalom

Einigung des Reiches

Sal

1. Könige

22 Kapitel

13–18

Auseinandersetzungen zwischen Saul und David

David

3 4+5 6–8

l

Verteilung des Landes

Sau

13–23

Die Bücher Josua bis Könige (Das »Deuteronomistische Geschichtswerk«)

Nachfolge Davids

2. Samuel

24 Kapitel

Einzug ins Land

Aufstieg Davids

1. Samuel

31 Kapitel

1–12

1–8 (–13) Elia/Elisa 2. Könige

25 Kapitel

Geschichte der beiden Reiche 17

Untergang des Nordreiches Israel

24

Untergang des Südreiches Juda

Stuttgarter Bibelkurs, Heft 11 Seite 2

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• Die Geschichte von Josua bis zur Exilszeit erreicht im Königtum Davids ihren Höhepunkt.

Fast ein Drittel der sechs Bücher (ohne Rut) berichten von Davids Aufstieg und seiner Thronfolge. Im Zentrum der Davidsgeschichte wiederum begegnet jene Verheißung Gottes, die der Prophet Nathan dem König zusagt und die über das Ende der Königreiche Israel und Juda hinausleuchtet: dass Gott dem David einen Nachkommen erwecken und dessen Königtum ewiglich bestätigen wird (2. Samuel 7,12 f).

Die Bücher Josua, Richter, 1.+2. Samuel, 1.+2. Könige werden in der hebräischen Bibel zu den Prophetenbüchern gerechnet. In diesen Schriften wird deutlich, wie das Schicksal des Volkes sich an seiner Stellung zum Wort Gottes, das die Propheten verkünden, entscheidet. Es hat seinen guten Sinn, die genannten biblischen Bücher als Einheit zu betrachten. Trotz der unterschiedlichen Prägung jedes Buches lässt sich nämlich erkennen, dass die einzelnen Erzählungen durch Formulierungen miteinander verbunden sind, die den theologischen Leitmotiven des 5. Mosebuches verwandt sind. Manche alttestamentlichen Forscher bezeichnen die Bücher Josua bis Könige als »Deuteronomistisches Geschichtswerk«. Auf der vorigen Seite sehen Sie eine Übersicht über die Bücher Josua bis Könige (nur das Büchlein Rut fehlt; es wird gesondert behandelt). Lesen Sie bitte die Übersicht durch; Sie können auch Angaben ergänzen – zum Beispiel einzelne Geschichten zwischen Josua und Salomo, die Sie kennen, eintragen – und die Übersicht farbig gestalten. Wichtig ist hier nicht so sehr, dass Sie viele Einzelheiten auswendig lernen, sondern dass Sie erkennen, wie die sechs Bücher aufgebaut sind, worin jedes einzelne Buch seine besonderen Schwerpunkte hat.

Josua Auf der nächsten Seite sehen Sie eine Gliederung des Buches Josua. Welche der dort genannten Erzählungen und Ereignisse kennen Sie bereits? Bevor Sie dann in diesem Heft weiterarbeiten, nehmen Sie sich bitte Zeit, das Buch Josua durchzulesen: Die Kapitel 1–6 und 23+24 sollten Sie gründlich lesen. Die Aufzählungen in Kap. 13–21 erscheinen uns eher langweilig, doch gerade auf diesen Abschnitten liegt besonderes Gewicht: Jetzt bekommt jeder Stamm seine Heimat – und die Landverheißung Gottes erfüllt sich konkret! Darum sollten Sie die Überschriften dieser Kapitel ansehen und auf einer Karte vergleichen. Überlegen Sie dann bitte, welche Bedeutung folgende drei Kapitel innerhalb des Buches Josua haben (welche grundsätzlichen Aussagen machen sie?):

• Kap. 1, v. a. V. 9: »Siehe, ich habe dir geboten…« • Kap. 5,13-15: »Fürst über das Heer des Herrn« • Kap. 24: »Landtag zu Sichem«

Stuttgarter Bibelkurs, Heft 11 Seite 3

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1 Einleitung:

V. 1-9 Wort Gottes an Josua V. 10-15 Wort Josuas an die Amtleute (Unterführer) V. 16-18 Ant-Wort der Amtleute des Volkes

2–12 Eroberung des Landes: 2 Kundschafter in Jericho 3–5 5,13-15

Zug durch den Jordan, Denksteine, Beschneidung Josua begegnet dem »Fürst über das Heer des Herrn«

6 Eroberung Jerichos 7+8 Eroberung der Stadt Ai; Achans Diebstahl (»heiliger Krieg«!) 9–11 Unterwerfung der Gibeoniten (List!) – der kanaanitischen Könige (10,3+5), v. a. im Süden – der Könige und Völker im Norden (Kap. 11) 11,16: »So nahm Josua das ganze Land ein…« 12 Liste der besiegten Könige 13–21 Verteilung des Landes: 13 Ostjordanland: Stämme Ruben, Gad, Manasse 14 Westjordanland: Süden: Kaleb 15 Stamm Juda 16+17 Mitte: Stamm Josef (Ephraim und Manasse) 18+19 Benjamin, Simeon Norden: Stämme Sebulon, Issachar, Asser, Naftali, Dan 20 Freistädte 21 Wohnorte der Leviten 22

Rückkehr der im Ostjordanland beheimateten Stämme; Altarbau

23+24

Abschiedsrede Josuas und Landtag zu Sichem (»Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen!«)

Das Volk Israel war östlich des Toten Meeres nach Norden gezogen. Jetzt ist es am Jordan angekommen. Drüben, auf der anderen Seite des Flusses, breitet sich das verheißene Land aus – die Jordanebene, dann die Steilhänge über dem Tal und das Gebirge. Die Mauern Jerichos sind zu erkennen, und durch die Kundschafter (4. Mose 13 f) weiß das Volk von den Bewohnern des Landes, von ihren Städten, ihren Gärten und Feldern. Wie wird der Einzug in dieses Land gelingen? Mose ist tot; wer führt nun weiter? Einst waren die Eltern derer, die nun am Jordan stehen, aus Ägypten ausgezogen; Gott war mächtiger als die Ägypter. Wird Gott nun weiterhin helfen? Mit dieser Situation beginnt der Bericht des Buches Josua. Er schildert, wie das Volk den Jordan durchquert, die Städte Jericho, Ai und Gibeon einnimmt, den Süden und dann den Norden besiedelt. Dabei ist Josua der unbestrittene Führer. Kennen Sie Josua? An folgenden vier Stellen können Sie wichtige Stationen seines bisherigen Lebens entdecken:

• • • •

2. Mose 17,8-14: __________________________________________________________________________ 2. Mose 24,13:

__________________________________________________________________________

4. Mose 13,8+16: __________________________________________________________________________ 4. Mose 27,18 ff:

__________________________________________________________________________ Stuttgarter Bibelkurs, Heft 11 Seite 4

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Zum Aufbau und Anliegen des Buches Josua:

• «Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Der Herr ist mit dir…« – diesen

Zuspruch hört Josua. Angesichts der ungewissen Zukunft erinnert Gott an seine bisherige Führung und an seine Verheißungen (1,1-9). Der Zuspruch und die Mahnung, das Gesetz zu halten, stehen am Wendepunkt von der Wüstenzeit zur beginnenden Epoche der Sesshaftigkeit im Land.

• Kap. 3+4 berichten vom Zug durch den Jordan. Er gleicht einer feierlichen Prozession. Die 12 Steine (4,9) blieben jahrhundertelang Gedenksteine der Landgabe.

Hier geht ein Volk durchs Wasser, um in ein neues Land zu kommen. Kennen Sie einen solchen Weg durch Wasser hindurch auch aus anderen biblischen Geschichten? Und wo kommt dieser »Weg durch Wasser in einen anderen Herrschaftsbereich« im Leben Ihrer Kirche vor? ________________________________________________________________________________________ ________________________________________________________________________________________ ________________________________________________________________________________________ ________________________________________________________________________________________

• Von der Eroberung des Landes berichten im Grunde nur die Kapitel 6–12. Dabei fällt auf, dass

die Städte Jericho, Ai und Gibeon (Kap. 6–9) alle im Gebiet des Stammes Benjamin liegen. Erst Kap. 10–12 richten dann den Blick auf das ganze Land, das nun unter den Stämmen verteilt wird. Die »Stämme« Israels sind nach den Söhnen Jakobs benannt; der Stamm Levi, das Priestergeschlecht, bekam kein eigenes Land. Dagegen wurden die Nachkommen Josefs in zwei Stämme geteilt und nach den Söhnen Josefs, Manasse und Ephraim, benannt; sie und Juda erhielten auffällig große und fruchtbare Gebiete.

• Das Buch Josua will nicht in erster Linie die Jahrzehnte nach Mose lückenlos darstellen.

Ihm liegt vielmehr daran zu zeigen: Gott, der Israel aus Ägypten führte, ist es, der nun das Land gibt. Er macht seine Verheißung wahr. Nicht das Volk nimmt sich das Land aus eigenem Willen; dazu wäre Israel weder berechtigt noch mächtig! Die Mauern Jerichos fallen ja gerade nicht durch militärische Stärke. Der Zug um die Stadt gleicht keiner Heerschau, sondern einer Prozession (mit Priestern, Posaunen und Bundeslade!). Hier wird deutlich: Eigentlich kämpft Gott! (Vgl. die Erzählung 2. Mose 17,8-16 und das Motto 2. Mose 14,14). Darin liegt auch der Sinn der merkwürdigen Begebenheit, die Josua 5,13-15 überliefert: Der göttliche Kriegsfürst erscheint und zeigt: Jetzt übernimmt Gott alle Kampfführung – es ist sein Krieg um sein Land (darum: »heiliger Krieg«). Auch die Erzählung in Josua 7 ist von diesem Grundsatz her zu verstehen: Wenn es Gottes Krieg um sein Land ist, dann gehört auch alle Kriegsbeute dem Herrn – und keinem Menschen!

• Der Einzug in das Gelobte Land, das Sesshaft-Werden nach der langen Nomadenzeit in der

Wüste – das bedeutete für Israel Neubeginn und Gefahr zugleich. Als freie Menschen Land zu besitzen, säen und ernten zu können, verstand das Volk als Geschenk von Gott (die »Ruhe ringsumher«, von der Josua 21,44 spricht, meint nicht nur Waffenstillstand, sondern die ersehnte Ruhe zum Leben im Land). Im Neubeginn steckte aber zugleich eine Gefahr: Israel wohnte nun zwischen fremden Kulturen (denn zahlreiche Städte und Gebiete der Kanaaniter und anderer Völker konnte Josua nicht einnehmen). Andere Völker hatten andere Götter, oft spezielle Fruchtbarkeitsgottheiten (z. B. Baal und Astarte, vgl. Richter 2,13 und 10,6). Stuttgarter Bibelkurs, Heft 11 Seite 5

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Israel stand damit vor der Frage: Ist der Gott der Väter, der uns nun aus Ägypten geführt hat, auch ein Gott für die Sesshaftigkeit? Ist »Jahwe« nur ein Wüstengott oder auch ein Gott für das Leben im fruchtbaren Land? Die letzten beiden Kapitel des Josuabuches antworten auf diese Fragen. Josua ruft die Stämme zusammen, ermahnt sie, zählt Gottes Taten auf und legt ihnen zuletzt – auf dem »Landtag zu Sichem« – die Entscheidung vor: »Wählt euch heute, wem ihr dienen wollt!« (Josua 24,15).

Josua und mit ihm das Volk bekennt: »Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen.« So erneuert Josua den Bund im verheißenen Land. Josua 24 ist Höhe- und Zielpunkt der Landgabe.

Kennen Sie solche Entscheidungs-Situationen auch in Ihrem Leben? Und im Leben der Kirche? Stellen Sie sich vor, einzelne Szenen des Buches Josua würden nachgespielt werden; dabei fallen folgende Sätze. In welche Geschichte gehören sie?

• »Schau mal, da kommt schon wieder der israelische Posaunenchor und macht seine

Prozession um uns herum! Wann die mal genug haben?«

• »Was schreibt er denn auf die Altarsteine?« • »Seht nur, das Wasser hat sich gestaut!« • »Wir sollen nach Sichem kommen? Warum?« • »Doch, es ist gut, dass Josua das macht! Schließlich ist es das Zeichen des Bundes

mit Abraham; nur in der Wüste haben wir es vernachlässigt – jetzt muss es nachgeholt werden.«

Richter 1–3,6 Einleitung: 3–16 Die Richter:

1,1–2,5 2,6–3,6

eroberte und nicht eroberte Orte die Richterzeit – zusammenfassende Einleitung

3,7 ff Otniel – Ehud – Schamgar 4 + 5 DEBORA / BARAK (Kampf gegen Sisera) 6–9 GIDEON (Berufung, Krieg gegen Midian; sein Sohn Abimelech) 10,1-16 Tola – Jair 10–12 JEFTAH 12,8-15 Ibzan – Elon – Abdon 13–16 SIMSON

17 + 18 19–21

Michas Gottesbild – Wanderung des Stammes Dan Schandtat der Einwohner von Gibea im Stamm Benjamin

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Stuttgarter Bibelkurs, Heft 11 Seite 7

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