Die Deutsche Bibelgesellschaft ist eine kirchliche Stiftung öffentlichen Rechts. Sie übersetzt die biblischen Schriften, entwickelt und verbreitet innovative Bibelausgaben und eröffnet für alle Menschen Zugänge zur Botschaft der Bibel. International verantwortet sie die wissenschaftlichen Bibelausgaben in den Ursprachen. Durch die Weltbibelhilfe unterstützt sie in Zusammenarbeit mit dem Weltverband der Bibelgesellschaften (United Bible Societies) weltweit die Übersetzung und Verbreitung der Bibel, damit alle Menschen die Bibel in ihrer Sprache lesen können.
Weitere Informationen finden Sie unter www.die-bibel.de.
ISBN 978-3-438-04837-0
Du bist ein Gott, der mich sieht – Hoffnungsvolle Texte aus der Bibel
Lektorat: Christiane Herrlinger Layout und Satz: Deutsche Bibelgesellschaft Druck und Bindearbeiten: Livonia Print, Riga
Printed in Latvia
Alle Rechte vorbehalten
Inhaltsverzeichnis
Würdigung einer Herabgewürdigten
1. Mose/Genesis 16,1-16
Kampf und Stille
2. Mose/Exodus 14,10-14
Der Schritt ins Unbekannte
2. Mose/Exodus 16,1-18
Bileam und die Eselin
4. Mose/Numeri 22,22-28a.30-32
Ermutigung vor der großen Aufgabe
Josua 1,1-9
Fülle des Lebens im Augenblick der Leere
1. Könige 19,1-8
Ein feines, sanftes Flüstern
1. Könige 19,8-18
Im Angesicht des Todes
2. Könige 20,1-11
Warum tust du mir das an?
Hiob 19,1-14.17-29 + Hiob 42,1-7.10
Warum? Psalm
Denn du bist an meiner Seite!
Gott ist unsere Zuflucht
Weiter Himmel über dem versperrten Weg
Psalm 121,1-8
Zweisamkeit in der Einsamkeit
Psalm 139,7-12
Hoffnung trotz tiefster Not Klagelieder 3,15-23.31-33
Hier und jetzt
Kohelet/Prediger 3,1-8.11.13
... verleiht Flügel
Jesaja 40,27-31
Was heißt hier Glück?
Matthäus 5,1-9
Fürsorge in den Sorgen des Alltags
Matthäus 6,24-34 81
Ruhe im Sturm
Markus 4,35-41 85
Heilung an Leib und Seele
Markus 5,21-43 89
Von allen verlassen
Markus 15,33-41 93
Leere und Licht
Markus 16,1-8 97
Das Wunder der Geburt
Lukas 1,39-56
Bist du bereit für ein Wunder?
Lukas 2,1-20
Hingabe
Lukas 7,36-50
Gedanken-los
Lukas 10,38-42 113
Ich bin nicht wichtig – oder doch?
Lukas 15,1-7
Helfen und um Hilfe bitten
Lukas 18,35-43 121
Durst nach Leben, Sinn und Gottes neuer Welt
Johannes 4,5-15 125
Leid und Liebe
Römer 5,1-5 129
Zerbrechlichkeit und Stärke
2. Korinther 4,6-11 133
Kraft in der Schwäche
2. Korinther 12,1-10
Einander achten
Philipper 2,1-11
Schuld loslassen – Liebe leben
1. Johannes 3,18-24
Trost in der Traurigkeit
Offenbarung 21,1-4
Autorinnen und Autoren
Würdigung einer Herabgewürdigten
Würdigung einer Herabgewürdigten
Gott sieht nach mir.
Überall dort, wo Menschen zusammen leben oder arbeiten, müssen sie sich darüber verständigen, wie sie ihre gemeinsamen Ziele erreichen können. Kommt es zum Konflikt, stellt sich die Frage, wie mit den unterschiedlichen Interessen auf hilfreiche Weise umgegangen werden kann. Denn dort, wo Konflikte eskalieren, tragen die Konfliktpartner nicht selten seelische Verletzungen davon – sei es, dass sie sich nicht richtig verstanden oder gesehen fühlen, sei es, dass sie sich ausgegrenzt und entwürdigt fühlen. Genauso wie Verletzungen, die durch körperliche Gewalt entstehen, spüren die Betroffenen diese Wunden häufig noch lange nach der unmittelbaren Situation eines eskalierten Konflikts.
Mit Hagar stellt der folgende Text eine Frau vor, die als Magd in eine heftige Auseinandersetzung mit ihrer Herrin Sarai gerät. Im Verlauf des Konflikts fühlt Hagar sich von Sarai derart herabwürdigend behandelt, dass sie keinen anderen Ausweg weiß als die Flucht. Doch Flucht ist nicht die einzige Möglichkeit, die sich im Umgang mit einem familiären Konflikt bietet. Vielmehr eröffnet sich durch Gottes nachgehende Zuwendung und seine Mut machenden Zusagen eine neue und überraschende Perspektive. So wird es möglich, sich der Auseinandersetzung zu stellen, dabei für die eigenen Interessen einzutreten und gemeinsam Ziele zu verfolgen.
Abrahams Sohn Ismael wird geboren
1 Abrams Frau Sarai hatte keine Kinder bekommen. Sie hatte eine ägyptische Magd, die hieß Hagar.
2 Sarai sagte zu Abram:
»Der Herr hat mir Kinder ver weigert.
Geh doch zu meiner Magd!
Vielleicht kann ich durch sie ein Kind bekommen.«
Abram hörte auf Sarai.
3 So gab Sarai ihrem Mann Abram ihre ägyptische Magd Hagar zur Nebenfrau. Abram wohnte damals schon zehn Jahre im Land Kanaan.
4 Er schlief mit Hagar, und sie wurde schwanger. Als sie merkte, dass sie schwanger war, sah sie auf ihre Herrin herab.
5 Da sagte Sarai zu Abram:
»Mir geschieht Unrecht, und du bist schuld. Ich war es doch, die dir meine Magd gegeben hat.
Kaum ist sie schwanger, sieht sie auf mich herab. Der Herr soll zwischen dir und mir entscheiden!«
6 Abram antwortete Sarai:
»Sie ist deine Magd und in deiner Hand. Mach mit ihr, was du für richtig hältst.«
Daraufhin behandelte Sarai ihre Magd so schlecht, dass diese ihr davonlief.
7 Ein Engel des Herrn fand Hagar an einer Wasserquelle in der Wüste. Sie war am Brunnen auf dem Weg nach Schur
8 Der Engel fragte: »Hagar, du Magd Sarais, wo kommst du her und wo gehst du hin?«
Sie antwortete:
»Ich bin auf der Flucht vor meiner Herrin Sarai.«
9 Da sagte der Engel des Herrn zu ihr:
»Kehre zu deiner Herrin zurück und ordne dich ihr unter!«
10 Weiter sagte der Engel des Herrn zu ihr: »Ich werde deine Nachkommen so zahlreich machen, dass man sie nicht zählen kann.«
11 Der Engel des Herrn fügte hinzu: »Du bist schwanger und wirst einen Sohn zur Welt bringen. Den sollst du Ismael, ›Gott hat gehört‹, nennen. Denn der Herr hat dich gehört, als du ihm deine Not geklagt hast.
12 Dein Sohn wird heimatlos sein wie ein Wildesel. Er wird mit allen im Streit liegen und getrennt von seinen Brüdern wohnen.«
13 Hagar gab dem Herrn, der mit ihr geredet hatte, den Namen El-Roi, das heißt: Gott sieht nach mir. Denn sie hatte gesagt: »Hier habe ich den gesehen, der nach mir sieht.«
14 Darum nannte man den Brunnen Beer-Lahai-Roi, das heißt: Brunnen des Lebendigen, der nach mir sieht. Er liegt zwischen Kadesch und Bered.
15 Hagar brachte Abrams Sohn zur Welt. Er nannte den Sohn, den Hagar geboren hatte, Ismael.
16 Abram war 86 Jahre alt, als Hagar Ismael zur Welt brachte.
Kampf und Stille
Kampf und Stille
Fürchtet euch nicht! Stellt euch auf und seht, wie der Herr euch heute retten wird! ... Der Herr wird für euch kämpfen. Ihr aber sollt still sein.
Die Bibel ist ein »Tagebuch der Menschheit«, und so geht es gleich im zweiten Buch der Bibel um die Freiheit für ein ganzes Volk: im Auszug aus Ägypten. Diese Geschichte der Befreiung ist zugleich eine »Revolution der Alten Welt«, weil hier ein ganz neues Verhältnis zu Gott und zur Welt beginnt. Aber alles beginnt zunächst anders als erwartet. Israel wird bedroht vom mächtigeren, hochgerüsteten Gegner. Es wird verfolgt und scheint keine Chance zu haben. Panik bricht darum aus, Vorwürfe werden laut, Ängste kommen hoch. Hätten wir doch bloß alles beim Alten gelassen, wären wir in der Herrschaft der Zwänge geblieben, dann wäre es jetzt nicht so bedrohlich! Schwierige Klärung der Freiheit. Aber man kann sie auch nach Innen wenden, diese Geschichte einer Befreiung. Es sind auch Ängste und Zwänge, die uns Menschen beherrschen, weil schon Eltern oder Partner die Freiheit nicht zugetraut haben und nun das Leben auf der engen Bahn des ungefährlich Vertrauten verläuft, bis es mich beherrscht, meinen Alltag, mein Leben.
Mose setzt aber im Hören auf Gott hier nicht auf die Sicherheit der vertrauten
Unfreiheit, sondern auf das Versprechen einer unvertrauten Freiheit. Dieses Versprechen ruht im Vertrauen auf eine Kraft, die Freiheit schafft: Gott. Darum kommt vor dem Kampf die Stille. Die Stille, in der ich jenseits der Zwänge das eigene Bestreben höre, in der die eigenen Wünsche sich hörbar machen und seien sie noch so verzagt. Diese Stille lässt den Kampfeslärm hinter sich und führt in die Gottesgegenwart des eigenen Herzens. Der Kampf ist, diese Stille auszuhalten. Das Volk stellt sich in dieser bedrohlichen Situation auf – und ist still. Keine vorschnelle Handlung, die alles zerstört, kein vorschnelles Wort, das trennt, keine Aktion, die die Angst vertreibt. Das Vertrauen in Gottes Tun gibt die Freiheit hinzusehen, hinzuhören, bis das Rettende auftaucht. Es kommt aus den Tiefen der Seele – ein Wort, ein Bild, ein Gedanke. Es kommt aus der Begegnung mit Menschen, die mich weiterbringen. Wie eine Feuersäule in der Nacht.
Die Israeliten schreien um Hilfe 14
10 Als der Pharao näher kam, blickten die Israeliten auf und sahen: Die Ägypter rückten hinter ihnen heran! Da bekamen die Israeliten große Angst und schrien zum Herrn um Hilfe.
11 Sie beklagten sich bei Mose: »Gab es denn keine Gräber in Ägypten? Hast du uns in die Wüste gebracht, damit wir hier sterben?
Wie konntest du uns aus Ägypten führen!
12 Haben wir nicht schon in Ägypten zu dir gesagt: Lass uns in Ruhe!
Wir wollen lieber den Ägyptern dienen! Es ist besser, dass wir in Ägypten Sklaven sind, als in der Wüste zu sterben.«
13 Darauf sagte Mose zum Volk:
»Fürchtet euch nicht!
Stellt euch auf und seht, wie der Herr euch heute retten wird!
Denn so, wie ihr die Ägypter jetzt seht, werdet ihr sie nie wieder sehen.
14 Der Herr wird für euch kämpfen. Ihr aber sollt still sein.«