111 Bibeltexte, die man kennen muss
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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Vorwort
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Bibeltext:
Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft
BasisBibel, © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft
Layout: Eva Kraskes, nach einem Konzept von Lübbeke | Naumann | Thoben
Druck und Bindung: CPI – Clausen & Bosse, Leck
Printed in Germany 2021
ISBN 978-3-7408-1101-3 Originalausgabe
ISBN 978-3-438-04836-3
© 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, D-70567 Stuttgart www.die-bibel.de
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Montagfrüh in der Firma auf dem Flur sagt eine Kollegin zu Ihnen: »Tollen Film gestern im Kino gesehen. Du kamst übrigens auch drin vor.«
Sie lachen, schütteln den Kopf. »Doch, doch«, beteuert sie, »verblüffend getroffen, so vom Typ her.«
Sie sind verunsichert: »Was, äh…«, aber da ist die Kollegin schon fast vorbei und setzt noch einen drauf: »Und Deine Familie! Interessant, wirklich. Vieles wusste ich noch gar nicht.«
Ihnen wird heiß um die Stirn. »Quatsch!«, rufen Sie ihr hinterher, wollen nachfragen, glauben es nicht, gehen irgendwann zur Tagesordnung über, lenken sich ab. Aber lässt es Sie in Ruhe? Ich vermute, noch am selben Abend sitzen Sie im Kino.
Willkommen in der Bibel. 66 Bücher und Briefe aus zwei Jahrtausenden. Aber: Sie kommen auch drin vor. In Personen, Ereignissen und Überlegungen, mit denen sich Frauen und Männer aller Kulturen und sozialen Schichten identifizieren können.Weil es Texte sind, denen nichts Menschliches fremd ist.
Und nichts Göttliches. Weil die Bibel Ihre Geschichte, Ihre Gedanken und Gefühle, Ihre Hoffnungen und Befürchtungen exemplarisch erzählt.
Nicht nur Ihre. Meine auch.
Die 111 wichtigsten Szenen, Dialoge, Geheimnisse, Skandale und Konflikte der Bibel sollte man kennen. Wenn man sich selbst und andere besser kennenlernen möchte. Viel Spaß und Staunen beim Stöbern wünsche ich Ihnen.
Andreas Malessa
Aller Anfang ist …
Ein Wort schafft Wirklichkeit
Und das soll man glauben? Mal ganz peu à peu: »Am Anfang« – da denken wir an einen chronologischen Beginn und fragen: »Wann und wie?« Durch den Urknall? Vor zig Milliarden Jahren? Als ein dimensionsloser Punkt reiner Energie in einer 10-hoch-minus43stel Sekunde explodierte und sich die herumfliegenden Brocken nach Größe, Gravitation, Entfernung zur Sonne und Neigungswinkel exakt so positionierten, dass die chemischen Stoffe auf diesem Planeten ein gemäßigtes Klima und schließlich biologisches Leben ermöglichten? – Keine Ahnung. Das mag ja alles astrophysikalisch erklärbar sein, aber ein »Wunder« ist es irgendwie trotzdem, finde ich.
1. Mose/Genesis 1 ist eine Erzählung, die an den qualitativen Beginn denkt und fragt: »Wer und warum?« Der Text wurde aus dem Hebräischen ins Lateinische übersetzt, und da gibt es zwei Wörter für »Beginn«: »Initium«, das ist der zeitliche Anfang (»Ergreif doch mal die Initiative!«). Und »Principium«, das ist der ursächliche Anlass (»grundsätzlich, prinzipiell«).Welcher steht hier? »In principio creavit Deus …«! Statt einer Datierung mit Chronologie gibt’s eine Botschaft: Gott ist der Grund, warum es die Welt gibt! Gottes Reden lässt Leben entstehen. Alles beginnt, wenn aus Geist Materie wird, aus einer Idee eine physische Wirklichkeit.
Na gut. Aber so, wie es da steht, kann’s ja nicht gewesen sein, oder? Schöne Grüße von der Astronomie, der Geologie, den Evolutionsbiologen …! – Als Naturforscher Charles Darwin 1859 sein Buch »Von der Entstehung der Arten« veröffentlichte, beendete er es mit den Worten: »Es liegt Größe in dieser Sicht des Lebens mit seinen Kräften, die anfangs durch den Schöpfer in einige wenige Formen hineingeatmet wurden, und, dass aus so einfachen Anfängen endlos schönste und wundervollste Formen entwickelt wurden und noch werden.«
»Durch den Schöpfer hineingeatmet« – das trifft es, finde ich.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: »Es werde Licht!« Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.
Die Blabla-Bauruine
Hoch hinaus und nichts erreicht
Blitzschnell war der Berliner Großflughafen fertig, im Vergleich dazu: Von 1200 bis 600 vor Christus werkelten Sumerer, Assyrer und Babylonier im Südirak an einem »Zikkurat«, einem Turm mit Tempel drauf für ihren Gott Marduk, und ernteten 18 Generationen lang Spott für die Bauruine. Dass sich Völker mit steingewordenen Machtsymbolen »einen Namen machen« wollen, hat sich bis heute nicht geändert: Das welthöchste Gebäude (Stand 2021), der »Burj Khalifa« in Dubai, ist 828 Meter hoch und soll die Wirtschaftskraft der Stadt, wohl auch den »überragenden« Islam, demonstrieren. Die Zerstörung der Zwillingstürme in New York am 11. September 2001 wurde folgerichtig als »Demütigung aller Amerikaner« verstanden.
Aber: Als die nach Babylonien verschleppten jüdischen Exilanten mit einer Erzählung zu erklären versuchen, warum es so viele Sprachen gibt, da hat dieser Turm gar keinen Tempel obendrauf, bewacht offenbar als Wehrturm eine Stadt, und Gott zerstört weder den Turm noch die Stadt! Stattdessen blitzt Spott zwischen den Zeilen auf: Das Machtsymbol soll »bis an den Himmel reichen«, aber um es zu sehen, muss Gott »vom Himmel herniederfahren«. Entweder ist er kurzsichtig oder eben doch jene 46,6 Milliarden Lichtjahre entfernt, die das –heute beobachtbare – Universum in jeder Richtung groß ist. Und ein Lichtjahr, nur zur Erinnerung, sind 9,46 Billionen Kilometer … Was hat Gott gegen »himmelstürmende« Architekten, meine Güte? Nichts. Aber immer wenn Genies »nach den Sternen greifen«, ist die Anmaßung im Spiel, nun sei »uns nicht mehr verwehrt, alles zu tun«! Dieser totalitäre Autonomie-Anspruch, dieses »Herrenmenschentum«, hat noch immer in moralische Katastrophen geführt. Woher also kommt die Bedrohung, gegen die Wehrtürme und Stadtmauern machtlos sind? Aus der Unfähigkeit, sich zu verständigen. Aus einer »babylonischen« Sprachverwirrung, aus dem Nicht-Verstehen-Können der Menschen untereinander. Sogar, wenn alle Deutsch könnten.

Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Und sie sprachen untereinander: »Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut über die ganze Erde.« Da fuhr der Herr hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der Herr sprach: »Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe!« So zerstreute sie der Herr von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen.