Ulrich Mack
Feste feiern
Mit der Bibel die Feste des Kirchenjahres entdecken
Inhalt
Vorwort 4
Dreimal Bibel 6
FESTE
DER ADVENTSUND WEIHNACHTSZEIT
Advent 10
1. Advent 12
Andreastag 14
2. Advent 16
3. Advent 18
4. Advent 20
Thomastag 22
Heiligabend 23
Weihnachten / Christfest 27
Stephanustag 31
Fest der unschuldigen Kinder 32
Beschneidung und Namensgebung von Jesus 33
Erscheinungsfest / Epiphanias 34
Lichtmess 36
FESTE DER PASSIONSZEIT
Matthiastag 40
Fastnacht 42
Aschermittwoch 44
Passionszeit 45
Ankündigung der Geburt von Jesus 48
Palmsonntag 50
Karwoche 52
Gründonnerstag 53
Karfreitag 56
Karsamstag 60
FESTE DER OSTERZEIT
Ostern 64
Die österliche Freudenzeit 70
Quasimodogeniti 72
Misericordias domini 74
Jubilate 76
Kantate 78
Rogate 79
Himmelfahrt 80
Pfingsten 85
FESTE DER TRINITATISZEIT
Trinitatis / Dreieinigkeitsfest 92
Die Sonntage nach Trinitatis 94
Johannistag 96
Peter & Paul 98
Heimsuchung Marias 100
Michaelistag 102
Erntedankfest 104
FESTE ZUM ENDE DES KIRCHENJAHRES
Reformationsfest 108
Allerheiligen 110
Ewigkeitssonntag 112
Jede Woche Feiertag: 6+1 Tage 114
Wochenstart: »Am ersten Tag der Woche ...« 117
Vorwort
»Was ist das größte Fest im Kirchenjahr?«, fragt ein Lehrer seine Fünftklässler. Erst ratloses Schweigen, dann meldet sich einer: »Rosenmontag!« Die anderen nicken.
»Warum feien wir Ostern?«, will ein Quizmoderator in einer Vorabendsendung wissen. Die meisten im Publikum denken zuerst an Osterhasen. Die Kandidaten murmeln etwas von Frühling und frischem Grün. Nur einer hat schon mal was von »Auferstehung« gehört. Aber was genau feiert man da?
Und auch bei der Frage nach der Bedeutung von Weihnachten kommt manchmal Ratlosigkeit auf. Kommt da das Christkind mit Geschenken oder Santa Claus durch den Schornstein?
Zahlreiche Schichten an Traditionen haben sich im Lauf der Jahrhunderte um die großen Feste gelegt und sich mit ihnen verbunden, bisweilen sogar seltsame Märchen und lokale Bräuche. Dieses Buch will anregen, den Kern der Feste wiederzuentdecken –und zwar mit der Bibel; denn die Urkunden zu den wichtigsten Festen im Jahreskreis finden sich in der Bibel. Die besonderen Tage und die biblischen Texte gehören zusammen. Was wären Weihnachtsgeschenke ohne Weihnachtsgeschichte? Osterfrühstück ohne Auferstehung? Freie Pfingsttage ohne die Ahnung, was frei macht?
Dieses Buch will beides: ausgewählte Bibelabschnitte für die großen und kleinen Festtage im Jahr bereitstellen – und über Entstehung, Bedeutung und wichtige Details der Feste informieren.
LUST AUF FEIERN?
Klar, Geburtstag wird gefeiert! Jedenfalls von Kindern, aber auch von den meisten Erwachsenen. Viele Menschen gehen auch einfach mal so zu einer Party. Eben wenn es sich ergibt und wenn sie dazu Lust haben. Und wenn man auf Ostern keine Lust hat? Oder auf Advent? Was interessant ist: Zum gemeinsamen Leben in Gemeinschaften gehört seit jeher der gemeinsame Rhythmus besonderer Tage und Zeiten. Besonders die kirchlichen Feste erlebte man als etwas Verbindendes, etwas, was man nicht machen kann, sondern was gegeben ist. Eine Erinnerung an das, was Gott getan hat. Warum sind solche Tage und Zeiten wichtig? Weil im gemeinsamen Feiern immer wieder neu ein innerer Weg gebahnt wird, das eigene Leben als Teil von Gottes Geschichte zu erfahren. Sich in den gemeinsamen Rhythmus des Kirchenjahres mit seinen frohen, strahlenden und auch mit seinen stillen, besinnlichen Zeiten fallen zu lassen – das hat etwas Haltgebendes, Befreiendes, Schönes.
Lust auf solches Feiern? Hoffentlich. Dieses Buch will dazu einen Beitrag leisten. Es beginnt mit dem 1. Advent; denn da beginnt das Kirchenjahr. Es führt durch kleine und große Festtage. Und es will zeigen: Die Feste des Kirchenjahres sind Zeit gewordenes Evangelium. Das gilt schon für den wöchentlichen Festtag, den Sonntag. Er erinnert daran, dass wir letztlich nicht von unserer Leistung leben, sondern aus Gottes Güte. So ist er eine heilsame Unterbrechung des Alltags.
DreimalBibel
Wir sind es gewohnt, die Bibel in unserer Sprache lesen zu können. Dabei gerät uns manchmal aus dem Blick, dass die Bibel ursprünglich in Hebräisch (Altes Testament) bzw. Altgriechisch (Neues Testament) verfasst wurde. Unsere Bibelausgaben heute sind Übersetzungen dieser Urtexte.
Die in diesem Buch abgedruckten Bibeltexte kommen aus drei unterschiedlichen Übersetzungen – damit auf diese Weise die Möglichkeit besteht, den besonderen Charakter einer jeden Übersetzung schätzen zu lernen.
LUTHERBIBEL (2017): Die Lutherbibel ist die klassische deutsche Bibelübersetzung. Sie ist nach wie vor die Bibel mit der größten Verbreitung im deutschsprachigen Raum. Ihre Geschichte reicht zurück bis in die Frühzeit der Reformation: Martin Luther nutzte seinen unfreiwilligen Aufenthalt auf der Wartburg im Winter 1521/22, um das Neue Testament – in der Rekordzeit von nur 10 Wochen – aus dem Griechischen ins Deutsche zu übersetzen. Zwölf Jahre später (1534) konnte dann die gesamte Bibel in seiner Übersetzung erscheinen, an deren Vervollkommnung Luther bis zu seinem Lebensende weitergearbeitet hat. Im Jahr 2017, anlässlich des Reformationsjubiläums (500 Jahre seit dem Beginn der Reformation 1517), ist eine völlige Neubearbeitung der Lutherbibel erschienen.
GUTE NACHRICHT BIBEL: Seit 50 Jahren ist die Gute Nachricht Bibel die bedeutendste moderne Bibelübersetzung auf Deutsch. Sie ist bis heute auch die einzige durchgehend interkonfessionell übersetzte Bibel im deutschsprachigen Raum: Sie entstand in Zusammenarbeit der katholischen und evangelischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie der Freikirchen. Die Gute Nachricht Bibel will ohne besondere Vorkenntnisse und zusätzliche Erklärungen verständlich sein. Dafür genügt es nicht, die biblischen Texte Wort für Wort in die deutsche Sprache zu übersetzen. Vielmehr kommt es darauf an, den jeweils angemessenen Ausdruck für das zu finden, was der ursprüngliche Text sagen will. Die vorliegenden Texte stammen aus der 2018 noch einmal gründlich durchgesehenen Neuausgabe.
BASISBIBEL: Die BasisBibel ist die neueste Bibelübersetzung der Deutschen Bibelgesellschaft. Sie wurde zu Beginn des Jahres 2021 veröffentlicht. Sie verbindet Treue zum Ausgangstext mit einer besonders leicht zugänglichen Sprachgestalt: Kurze Sätze, prägnante Sprache, im Normalfall Sätze mit höchstens 16 Wörtern. Ihr ganzes Potenzial entfaltet die BasisBibel digital, denn zusätzlich zum Text gibt es eine Vielzahl an Erklärungen und weiterführenden Medien, die mit dem Text verknüpft sind.

Osterzeit Feste der
Ostern
Christ ist erstanden! –
Viel mehr als ein Frühlingsfest
1 Korinther 15,1-7 (Gute Nachricht Bibel)
Brüder und Schwestern, ich erinnere euch an die Gute Nachricht, die ich euch verkündet habe. Ihr habt sie angenommen; sie ist der Grund, auf dem ihr im Glauben steht. Durch sie werdet ihr gerettet, wenn ihr sie unverfälscht festhaltet – und zwar dem Wortlaut entsprechend, in dem ich sie euch übermittelt habe. Anderenfalls wärt ihr vergeblich zum Glauben gekommen!
Ich habe an euch weitergegeben, was ich selbst als Überlieferung empfangen habe, nämlich als Erstes und Grundlegendes:
Christus ist für unsere Sünden gestorben, wie es in den Heiligen Schriften vorausgesagt war, und wurde begraben.
Er ist am dritten Tag vom Tod auferweckt worden, wie es in den Heiligen Schriften vorausgesagt war, und hat sich Petrus gezeigt, danach dem ganzen Kreis der Zwölf.
Später sahen ihn über fünfhundert Brüder auf einmal; einige sind inzwischen gestorben, aber die meisten leben noch. Dann erschien er Jakobus und schließlich allen Aposteln.
»Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick; im Tale grünet Hoffnungsglück«. So beginnt der Osterspaziergang in Goethes Faust. Ostern – für viele ein Frühlingsfest. Hoffentlich mit dem Glück, das gut versteckte Osternest zu finden, dem Zartbitterosterhasen das erste Ohr abzuknabbern, Trüffelostereier zu naschen und Frühlingssonnenstrahlen zu genießen. Was für ein Fest! Doch es steckt noch mehr drin.
DIE GRANDIOSE NACHRICHT:
JESUS CHRISTUS LEBT
Alle vier Evangelien überliefern Berichte der Auferweckung von Jesus Christus:
Matthäus 28
Markus 16
Lukas 24
Johannes 20+21
Die Berichte enthalten unterschiedliche Details; sie stimmen aber in der zentralen Botschaft überein: Jesus ist auferstanden, und er ist vielen als Lebender begegnet. Frauen, Jünger und andere haben ihn gesehen. Paulus schreibt über
die Auferstehung am ausführlichsten in 1 Korinther 15 – und zwar über die Auferweckung von Jesus und über unsere Auferweckung am Ende der Zeiten.
WAS BEDEUTET OSTERN?
»Gott hat Jesus von den Toten auferweckt« – das ist das grundlegende christliche Bekenntnis. Dabei ist wichtig: Jesus wurde nicht in unserem Sinne medizinisch wiederbelebt; er kehrte nicht in sein altes Leben zurück. Sondern er wurde durch den Tod hindurch in ein neues Leben geführt. Darum konnte er bis zur Himmelfahrt vielen Menschen in einem andersartigen, verklärten Körper erscheinen.
Und daraus folgt: Die Macht des Todes ist nicht mehr endgültig. Sie hat einen Riss bekommen. Die gegenwärtige vergängliche Welt treibt nicht einem dunklen Nichts entgegen. Sondern durch Ostern wurde die Perspektive eines neuen, ewi-
Lukas 24,1-12 (Lutherbibel)
Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten.
Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht.
Und als sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer in glänzenden Kleidern. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war und sprach: Der Menschensohn
gen Lebens für alle Menschen eröffnet. Jesus hat einmal gesagt: »Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen« (Johannes 12,32).
KANN MAN DAS TATSÄCHLICH GLAUBEN?
Die menschliche Erfahrung sagt: Tot ist tot. Die naturwissenschaftliche Logik sagt: Das kann doch nicht sein. Die Vernunft meldet kräftige Zweifel an. Waren die Leute damals leichtgläubiger oder mythischer veranlagt als wir?
Nein – die Erzählungen der Bibel zeigen: Auch die ersten Osterzeugen taten sich zuerst schwer, an die Auferweckung zu glauben. Sie hatten ein kritisches Gespür dafür, was Wahrheit ist und was nicht. Als die Jünger von den Frauen hörten, Jesus sei auferstanden, hielten sie das für dummes »Geschwätz«, für reine Erfindung. »Sie glaubten ihnen nicht« (Lukas 24,11). Als Jesus ihnen dann erschien, waren sie erstmal entsetzt. Der
muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. Und sie gedachten an seine Worte.
Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den Elf und allen andern Jüngern. Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern Frauen mit ihnen; die sagten das den Aposteln. Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht. Petrus aber stand auf und lief zum Grab und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich über das, was geschehen war.
Apostel Thomas war leider nicht dabei. Als die anderen ihm erzählten: »Wir haben Jesus gesehen«, stellte er klar: »Ich kann’s nicht glauben« und wollte Beweise (Johannes 20,25).
Erst als sich Jesus vielen Frauen und Freunden wiederholt zeigte, wandelte sich der Zweifel in Glauben. Sie begriffen: Was Jesus selbst angekündigt hatte (z. B. Markus 10,34), wurde wahr. Und sie verstanden noch mehr: Die Auferweckung ist Gottes große Reaktion auf den Tod Jesu. Wenn Jesus alles, was uns am Ende von Gott trennt, mit in seinen Tod genommen hat, dann hat der Tod seine endgültige Macht verloren. Dann hat mit Ostern nichts weniger als eine neue Schöpfung begonnen.
SEIT WANN WIRD
OSTERN GEFEIERT?
Ostern ist das älteste Fest der Christenheit. Wir können annehmen: Schon die ersten Gemeinden trafen sich an jedem Sonntag frühmorgens, um die Auferstehung ihres Herrn zu feiern. Dabei darf nicht vergessen werden, dass ja die ersten christlichen Gemeinden aus Juden bestanden, die an Jesus als den Messias glaubten, also als den von Gott im Alten Testament versprochenen Retter. Sie feierten weiterhin das Passafest – und damit dann auch das Fest der Auferstehung Jesu. Der jährliche Termin zur Feier des Osterfestes war zunächst vorgegeben (s. u.). Von Bischof Polycarp von Smyrna (gestorben um 155 n. Chr.) wird erzählt, er habe noch mit Johannes und anderen Aposteln das Passa gefeiert.
WELCHES DATUM FÜR
DAS OSTERFEST?
Die ersten Christen in Jerusalem hatten für die Feier der Auferstehung Jesu also ihren festen Termin: das Passafest. Doch mit der Zeit entstand ein Problem: Das Christentum breitete sich immer weiter aus. Mehr und mehr Menschen ohne einen jüdischen Hintergrund kamen zum Glauben. Diese richteten sich nicht nach dem jüdischen Kalender. Warum sollten sie das Fest der Auferstehung von Jesus Christus ausgerechnet am Tag des jüdischen Passafestes feiern – meistens an einem Werktag? Sollte man das Osterfest nicht immer an einem Sonntag feiern, am ersten Tag der Woche, dem Auferstehungstag?
Bald gab es zwei Ostertermine: Die einen feierten während des jüdischen Passafestes, andere an einem Sonntag danach. Als Kaiser Konstantin das Christentum offiziell erlaubte, ging er bald daran, einige ungelöste Fragen zu klären. Er berief im Jahr 325 n. Chr. ein Konzil nach Nicäa ein. Dieses beschloss:
Der Termin des Osterfestes richtet sich wie bisher nach dem Mondkalender; allerdings wird es nicht am Passafest gefeiert, sondern am Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühjahrsanfang. Und diese Regelung gilt tatsächlich seit damals bis heute.
WANN FEIERN WIR OSTERN?
Der Osterfesttermin richtet sich also nach dem Mond – immer am Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühjahrsanfang. Er kann zwischen dem 22. März und dem 24. April liegen. Darum ist auch das Datum der mit Ostern verbundenen Feier-


tage, angefangen mit Fastnacht und Aschermittwoch, von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Die ganze Kirchenjahreszeit zwischen Fastnacht und Pfingsten richtet sich nach dem Datum von Ostern, also nach dem Mond.
Ganz anders ist es bei Weihnachten: Der Termin richtet sich nach dem Sonnenkalender. Deshalb liegt dieses Fest immer auf dem 25. Dezember.
GERMANISCHE WURZELN?
Gerade rund um Ostern kann man in Zeitschriften lesen oder im Radio hören: Ostern sei eigentlich ein germanisches Fest. Es hätte mit dem 21. März zu tun, der Tag- und Nachtgleiche, würde die Fruchtbarkeit beschwören, den Winter mit Feuer vertreiben und die heimkehrenden Zugvögel begrüßen.
Solche Äußerungen entbehren jeglicher Grundlage. Sie stammen u. a. aus ungenauen Forschungen und schrägen Mutmaßungen der Gebrüder Grimm. Während der Germanenverehrung des 19. und 20. Jahrhunderts wurden diese
Begründungsansätze gerne herangezogen. Sie vermischten sich mit Antijudaismus und Kritik am Christentum, und sie prägten ganze Generationen –von Richard Wagner bis zum Nationalsozialismus. Nicht nur Ostern, sondern alle christlichen Feste wurden damals »germanisiert« und auf angebliche Frühlings-, Sonnenwend-, Ernte- und Julfeiern zurückgeführt. Manche von ihnen, auch eine Göttin »Ostara«, sind reine Erfindungen des 19. Jahrhunderts. Bis heute wirken aber diese Gedanken weiter.
Dabei wird oft übersehen: Als im 8. Jahrhundert Mönche aus Irland und Schottland das Christentum in die germanischen Gebiete brachten, hatten sie auch die christlichen Feste im Gepäck. Welche Feste die Germanen bis dahin feierten, wissen wir nicht genau. Aber dass im ganzen römischen Reich schon lange, bevor Germanen Christen wurden, Ostern als Fest der Auferstehung Jesu gefeiert wurde – daran kann nicht gezweifelt werden.
WOHER STAMMT
DER NAME »OSTERN«?
Auch der deutsche Begriff »Ostern« stammt nicht von einer angeblichen Frühlingsgöttin Ostara, sondern vom althochdeutschen Wort »Ostra« bzw. »Eostarum«, mittelhochdeutsch »Oster(e)n« – und das bedeutet »Morgenrot« oder »Aufgang«. Damit wurde das in der Bibel verwendete griechische Wort für »Aufgang« bzw. »Auferstehung« (»anastasis«) ins Altbzw. Mittelhochdeutsche übersetzt.
WAS HAT OSTERN
MIT HASEN ZU TUN?
Woher kommt der Osterhase? Ganz sicher lässt sich das nicht mehr klären. Jedenfalls ist er nicht einfach ein heidnisches Fruchtbarkeitssymbol, das sich in das Osterfest eingeschlichen hat. Hasendarstellungen waren vielmehr in römischer und frühchristlicher Zeit häufig. Im Alten Testament ist ein Satz in den Sprüchen interessant: »Die Hasen – ein schwaches Volk, dennoch bauen sie ihr Haus in den Felsen« (Sprüche 30,26), so lautet die (im Mittelalter meist gelesene) lateinische Übersetzung.
Jedoch ist längst erwiesen, dass es sich hier biologisch gesehen nicht um »Hasen«, sondern um die sogenannten »Klippdachse«, hebräisch: »Felsenkaninchen« handelt. Die lateinischsprachigen Christen hatten bei dieser Textstelle jedoch Hasen vor Augen und bezogen dies bildhaft auf sich selbst und ihr felsenfestes Vertrauen auf Christus. Vielleicht begleitete deshalb der Hase das Osterfest durch die Jahrhunderte?
WIESO EIER ZU OSTERN?
Eier gehören zum jüdischen Passamahl, als Zeichen für die Fruchtbarkeit des Volkes Israel. Beim Passamahl erinnern sich die Juden an den Auszug ihres Volkes aus Ägypten. Das Volk war so zahlreich geworden, dass der Pharao daran scheiterte, es unter Kontrolle zu bekommen.
An Ostern waren Eier auch aus einem anderen Grund wichtig: Früher mussten Bauern an Gründonnerstag ihren Grundherren in Form von Naturalien, meistens auch in Eiern, die Zinsen abliefern. Diese Eier wurden zur Markierung rot gefärbt und auch »Entlass-Eier«
genannt; denn mit ihnen war die ZinsSchuld erlassen. Da in der Fastenzeit vor Ostern in der Regel keine Eier gegessen werden sollten, hatte man an Ostern viele Eier zur Verfügung. Auch darum haben die Eier an Ostern eine besondere Bedeutung und – zumindest damals –gab es dann zum Fest so viele davon.
Ein alter Osterspruch lautet: »Wie der Vogel aus dem Nest gekrochen, hat Jesus Christus das Grab zerbrochen.« Die aufgebrochene Schale kann als Symbol für das aufgebrochene Grab gedeutet werden.
Die Freudenzeitösterliche
Von der Osteroktav
über Himmelfahrt bis Pfingsten
Was nun? Osterhasen verspeist, Osterschmuck verstaut und der Osterurlaub vorbei. Was bleibt vom christlichen UrFest aller Feste? Hoffentlich nicht der triste Alltag bis zu den nächsten Ferien. Sondern die österliche Freudenzeit. Sie wird oft unterschätzt. Aber sie sollte im Jahreskreis genauso viel Gewicht haben wie der Advent oder wie die Passionszeit.
FREUDENZEIT – MIT GUTEM GRUND
Denn der Jubel »Christus ist auferstanden von den Toten« klingt weit über das Osterfest hinaus. Er prägt die Wochen danach. Die Adventszeit und vor allem die Passionszeit waren von Konzentration, Umkehr und Besinnung geprägt. Jetzt sollen Lob, Begeisterung und Freude die Tage und Wochen bestimmen. Darauf weisen auch die Namen

der Sonntage hin, die nun bis Himmelfahrt kommen.
WIE LANGE DAUERT
DIE OSTERZEIT?
Darauf gibt es drei Antworten: Die Woche nach Ostern bis einschließlich des Sonntags nach Ostern nannte man die »Osteroktav«. »Oktav« kommt vom lateinischen Wort für »acht«; von Sonntag bis einschließlich des nächsten Sonntags sind es acht Tage. Acht Tage lang feierte man jeden Tag Ostern! Der erste Sonntag nach Ostern trägt übrigens den schönen Namen »Quasimodogeniti«. Was dieser Name bedeutet, findet sich auf den folgenden Seiten.
40 Tage nach Ostern feiert man seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. das Fest der Himmelfahrt Christi. Hier haben wir also die dritte 40-Tages-Strecke im Kirchenjahr. Nach dem Lukasevangelium erschien Jesus Christus während dieser 40 Tage als der Auferstandene immer wieder seinen Jüngern und vielen anderen.
50 Tage liegen zwischen Ostern und Pfingsten. Laut der Apostelgeschichte (2. Kapitel) waren die Jünger mit einigen anderen Leuten an diesem Tag zusammen, um das Schawuot-Fest (griechischer Name: Pentecoste) zu feiern. Dieses lag 7 Wochen (50 Tage) nach dem Passafest. An diesem Fest erfüllte sie der Heilige Geist, und von da an konnten sie nicht mehr anders, als Jesus Christus als den Auferstandenen zu verkündigen. Die erste Gemeinde entstand. Pfingsten gilt deshalb als »der Geburtstag« der christlichen Kirche (s. u.) und kann als das Ende der Osterzeit angesehen werden.
1 Petrus 1,3-5 (BasisBibel)
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus. In seiner großen Barmherzigkeit hat er uns neu geboren. Denn er hat uns eine lebendige Hoffnung geschenkt, weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Es ist die Hoffnung auf ein unvergängliches Erbe, das rein ist und nie seinen Wert verliert. Das hält Gott im Himmel für euch bereit, und er bewahrt euch durch seine Macht. Ihr sollt durch den Glauben gerettet werden. Das wird am Ende der Zeit offenbart werden.
Johannes 20,19-23 (Gute Nachricht Bibel)
Es war Abend geworden an jenem Sonntag. Die Jünger waren beisammen und hatten aus Angst vor den führenden Juden die Türen abgeschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: »Frieden sei mit euch!«
Dann zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Als die Jünger den Herrn sahen, kam große Freude über sie. Noch einmal sagte Jesus zu ihnen: »Frieden sei mit euch! Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich nun euch.«
Dann hauchte er sie an und sagte: »Empfangt den Heiligen Geist! Wenn ihr jemand die Vergebung seiner Schuld zusprecht, ist die Schuld auch von Gott vergeben. Wenn ihr die Vergebung verweigert, bleibt die Schuld bestehen.«