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Gartengeschichten der Bibel Ausgewählt und eingeleitet von Gisela Andresen

Deutsche Bibelgesellschaft


Bibeltext: Gute Nachricht Bibel Revidierte Fassung der Bibel in heutigem Deutsch Durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Gemeinsame Bibelübersetzung im Auftrag und in Verantwortung von: Deutsche Bibelgesellschaft (Evangelisches Bibelwerk) Katholisches Bibelwerk e. V. Stuttgart Österreichische Bibelgesellschaft Österreichisches Katholisches Bibelwerk Schweizerische Bibelgesellschaft Schweizerisches Katholisches Bibelwerk

ISBN 978-3-438-04807-3 © 2006 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Lektorat: Eva Mündlein Satz: Typograffiti Birgit Neumann, Neckartenzlingen Einband: modular, Stuttgart Titelabbildung: © J. & G. Le Scanff-Mayer, Saint Mande Gesamtherstellung: Ebner & Spiegel, Ulm Alle Rechte vorbehalten. Printed in Germany www.bibelgesellschaft.de


»Bin im Garten …« – Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Im Paradiesgarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der große Gärtner Macht und Güte des Schöpfers . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Mensch im Einklang mit der Natur Im Garten Eden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jenseits von Eden Der Verlust des Paradieses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das gestörte Gleichgewicht Der Weltenbaum wird gestürzt . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Im Nutzgarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27

Frisches Gemüse auf den Tisch! »Manna, immer nur Manna …« . . . . . . . . . . . . . . . . . Was wächst denn da? Kundschafter finden die sieben Früchte Israels . . . . . . . Heißhunger auf Linseneintopf Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht . . . . . . . . . . . . . . . Das tägliche Brot Rut findet neues Glück bei der Gerstenernte . . . . . . . . . Der König der Bäume und Sträucher Jotams Fabel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Weinberg – schlechte und gute Jahre Das ungerechte Volk bekommt eine zweite Chance . . . Gute Früchte am Weinstock »Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben« . . . . . . Immergrüner Olivenbaum Die Taube mit dem Zweig der Hoffnung . . . . . . . . . . . Im Kräuterbeet der schwarze Senf Das Gleichnis vom kleinsten Samenkorn . . . . . . . . . . .

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Inhalt

Im Blumengarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54

Von der Schönheit und Sorglosigkeit der Blumen »Seht, wie die Blumen auf den Feldern wachsen« . . . . Die Vergänglichkeit der Blumen Alle Menschen sind wie Gras . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mit Blumen sprechen Israel soll blühen wie eine Lilie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Frühblüher und erstes Grün Der Frühling lockt! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . In der Gartenapotheke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Feigenpflaster gegen Entzündung Der Prophet Jesaja heilt den todkranken König Hiskija Wundversorgung mit Olivenöl und Wein Die Reiseapotheke des barmherzigen Samariters . . . . . Desinfizieren und Reinigen mit Ysop Vom Umgang mit geheilten Aussätzigen . . . . . . . . . . . Die abführende Wirkung der wilden Gurken Das ungenießbare Gemüse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die fruchtbarkeitsfördernde Wirkung der Alraune Zwei Schwestern buhlen um die Liebe eines Mannes . . Schöne Haut durch Myrrhenöl Salbe für Verliebte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vegetarische Kost – gesunde Ernährung aus dem Garten Die Daniel-Diät . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Im Duftgarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86 Räucherwerk und köstliche Öle zur Ehre Gottes Mose erhält göttliche Rezepturen . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 Weihrauch, Myrrhe und Aloe für den Friedenskönig Die Weisen aus dem Morgenland bringen Geschenke . . 90


Inhalt

Duftende Salbe – zärtliche Geste Die verschwenderische Liebe einer Frau . . . . . . . . . . . . 92 Das Parfüm der jungen Leute Liebeswerben im Hohelied Salomos . . . . . . . . . . . . . . . 94 Garten- und Feldarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Aus Erfahrung klug Von der Weisheit planvollen Handelns . . . . . . . . . . . . . 99 Säen und Pflanzen Das Gleichnis von der Aussaat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101 Wachsen lassen und vertrauen Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat . . . . . . . 103 Wunderbare Verwandlung: vom Samen zur Pflanze Wie sollen wir uns die Auferstehung vorstellen? . . . . . . 105 Umgraben und Düngen Das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum . . . . . .108 Schädlinge und Ungeziefer Die Heuschreckenplage als Gottes Gericht . . . . . . . . . . 110 Unkrautbekämpfung Das Gleichnis vom Unkraut im Weizen . . . . . . . . . . . . 116 Zweige aufpfropfen Judenchristen und Heidenchristen mit gleichem Stammbaum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Bewässerung Gott schickt Regen zur rechten Zeit . . . . . . . . . . . . . . . 121 Ernte und Vorratswirtschaft Das Gleichnis vom reichen Kornbauern . . . . . . . . . . . .124 Nur nicht nachlassen! Das Feld des Faulpelzes wird von Unkraut überwuchert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127


Inhalt

Im Lustgarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .129 Geselligkeit und Feste Prunkvolle Feier im Schlosspark des Perserkönigs . . . . . 130 Erntedankfest unter Laubhütten Das Volk feiert das Ende von Weinlese und Feldernte . . 132 Das Bad im Garten Susanna kommt in Bedrängnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134 Liebe im Garten Erotische Pflanzenlyrik aus Israel . . . . . . . . . . . . . . . . . 141 Im Garten der Besinnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145

Endlich Ruhe! Gebet und Meditation im Garten Jesus im Garten Getsemani . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .146 Begräbnis und Totengedenken Maria Magdalena begegnet dem Gärtner ihrer Seele . .148 Die menschliche Seele – ein bewässerter Garten Was ist ein wahrhaftiger Gottesdienst? . . . . . . . . . . . . . 151 Gartenträume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154 Schwerter zu Pflugscharen Der Frieden für die Völker geht vom Berg Zion aus . . . . 155 Ein Baumstumpf treibt wieder aus Das zukünftige Friedensreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156 Wasser des Lebens und Blätter der Heilung Der Strom, der vom Tempel ausgeht . . . . . . . . . . . . . . 159 Das wiedergewonnene Paradies Hoffnung für Israel nach der Katastrophe . . . . . . . . . . 163 Alles wird gut Das himmlische Jerusalem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .164 Nachwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167

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»Bin im Garten ...« Vorwort »Bin im Garten ...« – ein solcher Hinweis an der Haustür weckt viele Assoziationen: im Garten also? Vielleicht gemütlich auf der Bank mit einer Tasse Tee? Beim Unkrautjäten oder Umgraben? Bei der Apfelernte vielleicht oder beim Rosenschneiden? … Die Fülle der Möglichkeiten macht neugierig. Wir gehen in den Garten und schauen nach. Vielleicht können wir uns ein wenig dazusetzen, den Duft der Blumen genießen, einen Apfel probieren, ein gutes Gespräch führen. »Bin im Garten ...« – dieser Hinweis hilft nicht nur Menschen weiter, die eine Gartenfreundin besuchen wollen. Er hilft auch Gott-Suchern. Denn wenn sie die Geschichten der Bibel lesen, können sie entdecken, dass Gott oft im Garten zu finden ist: Im Garten Eden geht er umher und ruft: »Adam, wo bist du?« Im Gelobten Land pflanzt Gott sein Volk wie einen Weinberg und lässt es erblühen wie eine Lilie. Den Garten der Liebe erfüllt Gott mit wunderbaren Düften und zeigt den Verliebten die Schönheit seiner Schöpfung. Im Garten Getsemani kämpft Gott um seine Liebe zu den Menschen. Im Friedhofsgarten begeg-

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Vorwort

net er Maria Magdalena als Gärtner ihrer Seele. Im Garten des himmlischen Jerusalems am Strom des Lebens wohnt Gott bei den Menschen und wischt alle Tränen von ihren Augen. Gott ist im Garten – als Gärtner – und in jedem Samenkorn, das aufbricht, sich verwandelt und heranwächst zu einem neuen Leben. »Bin im Garten ... im Keimen, Wachsen und Blühen, im Vergehen und wieder Auferstehen!« Wer sich auf die Spur der biblischen Gartengeschichten begibt, wird staunen, wie viel Erdverbundenheit man in der Heiligen Schrift finden kann, wie viele handfeste Erfahrungen von Gärtnerinnen, Weinbauern, Landwirten und Heilkundigen in einem Buch gesammelt wurden, das uns doch eher am »Überirdischen« interessiert zu sein scheint. Das hat seinen Grund vielleicht auch darin, dass der Garten in der Bibel ein Gleichnis für das Leben der Menschen in der Gegenwart Gottes ist. Zu guter Letzt – oder zuerst – ist der Garten in der Bibel auch ein Traum von einer Welt, wie sie sein könnte: ein Ort der Schönheit und des Friedens, der Fruchtbarkeit und des Heils und der innigen Verbundenheit alles Lebendigen.

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Im Paradiesgarten Die Tourismusbranche spricht von den »letzten Paradiesen« und lockt müde und abgehetzte Menschen auf Südseeinseln und in Bioreservate. Internetseiten versprechen unberührte Landschaften und eine artenreiche Tierwelt, saubere Flüsse und Seen, traumhafte Gärten, freundliche Menschen, Ruhe und Erholung. Einen Zipfel vom Paradies zu erhaschen, wenigstens im Urlaub – davon träumen viele Menschen. Und wirklich gelingt es manchen, für kurze Zeit im Jahr ihr kleines Paradies zu finden und daraus gestärkt hervorzugehen. Für einige ist es eine Blumenterrasse am Mittelmeer, für andere der liebevoll gehegte Schrebergarten vor der Stadt. Viele Menschen tragen darüber hinaus in sich die unbestimmte Hoffnung auf ein ewiges Leben im Paradies am Ende ihrer Tage. Diese Hoffnung wird gespeist aus ihren zeitlich begrenzten, irdischen Paradieserfahrungen und aus den Glaubensüberzeugungen ihrer Religion. Den Traum vom Paradies gibt es bei fast allen Völkern der Erde. Als eine Urerfahrung und Ursehnsucht der Menschen scheint sich diese Vorstellung in der Seele der Menschheit festgesetzt zu haben. Dabei wird das Paradies ebenso als urzeitlicher wie als endzeitlicher Glückszustand gedacht. In vielen Religionen – so auch im

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Im Paradiesgarten

jüdisch-christlichen Glauben – erscheint das urzeitliche Paradies am Anfang der Welt als ein vollkommener Garten, in dem der Mensch in der Gegenwart Gottes sorgenfrei und im Einklang mit sich und allen anderen Lebewesen zu Hause ist. Wasserreichtum, der die Fruchtbarkeit des Gartens gewährleistet, ist ein Grundmotiv der Paradiesvorstellung, ebenso wie der Lebensbaum, dessen Früchte und Blätter Heilung, Verjüngung und Unsterblichkeit schenken. Seine Zweige gewähren Tieren und Menschen Schutz. Wasser und Baum kehren auch in den endzeitlichen Paradiesvorstellungen wieder: Am Ende der Zeit kommen Menschen zurück zum Paradiesstrom und essen an seinen Ufern von den Bäumen des Lebens und der Heilung. Sie leben in Frieden mit der Natur in Gottes fruchtbarem Garten.

Der große Gärtner Macht und Güte des Schöpfers

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»In der Natur bin ich meinem Gott ganz nahe; da habe ich das Bedürfnis, den Schöpfer zu loben für all die Schönheit und die sinnvolle Ordnung, die er geschaffen hat. Ich ahne seine Größe und Güte, wenn ich unter freiem Himmel bin, die Vögel singen höre und sehe, wie alles wächst und gedeiht.« So oder ähnlich empfinden viele Menschen. Sie erleben, dass ihnen die Natur eine unmittel-


Macht und Güte des Schöpfers

bare Beziehung zu den Geheimnissen der Religion vermittelt. Hier draußen fühlen sie sich von starken und heilsamen Kräften umgeben und feiern ihren ganz persönlichen Gottesdienst. Die Vorstellung von Gott als einem großen Gärtner, der die Schöpfung wie einen riesigen Garten wunderbar angelegt hat und versorgt, kommt ihnen entgegen. Sie staunen über die Weisheit, mit der alles aufeinander bezogen ist und zusammenspielt: die Jahresund Tageszeiten, Licht und Dunkelheit, Wasser und Land, Tiere und Pflanzen, die Fruchtbarkeit des Feldes und der Bäume und die Menschen, die mitten in diesen Garten gesetzt sind. Und sie beginnen zu vertrauen, dass die Hand eines großen Gärtners über ihnen ist, die das Chaos in seine Schranken weist, für das Wohlergehen der Geschöpfe sorgt und die Natur immer von Neuem erblühen lässt. Der bekannte norddeutsche Maler Emil Nolde hat 1940 als über Siebzigjähriger ein Ölbild mit dem Titel »Der große Gärtner« gemalt. Dieses Bild kann als Darstellung der Personifikation einer gütigen, die ganze Natur durchwaltenden Schöpfermacht gedeutet werden. Wir sehen darauf einen alten bärtigen Mann, der – am oberen Bildrand angeschnitten – wie aus dem Himmel auf eine weite grüne Landschaft mit Bäumen zu schauen scheint. Mit einer vorsichtigen Handbewegung berührt er eine riesige Blume, die in warmem Gelb über den Baumwipfeln leuchtet. Das Bild wirkt wie eine Illustration des großen Schöpfungspsalms, den Menschen in

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Im Paradiesgarten

alttestamentlicher Zeit gedichtet haben und der vielen noch heute aus dem Herzen spricht. (Psalm 104,1-24. 27-31)

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uf, mein Herz, preise den HERRN! HERR, mein Gott, wie groß du bist! In Hoheit und Pracht bist du gekleidet, in Licht gehüllt wie in einen Mantel. Den Himmel spannst du aus wie ein Zeltdach. Droben über dem Himmelsozean hast du deine Wohnung gebaut. Du nimmst die Wolken als Wagen oder fliegst auf den Flügeln des Windes. Stürme sind deine Boten und das Feuer ist dein Gehilfe. Du hast die Erde auf Pfeilern erbaut, nun steht sie fest und stürzt nicht zusammen. Die Fluten hatten das Land bedeckt, das Wasser stand über den Bergen. Vor deiner Stimme bekam es Angst; es floh vor dem Grollen deines Donners. Von den Bergen floss es ab in die Täler, an den Ort, den du ihm zugewiesen hast. Dann hast du dem Wasser Grenzen gesetzt, nie wieder darf es die Erde überfluten.

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Du lässt Quellen entspringen und zu Bächen werden; zwischen den Bergen suchen sie ihren Weg.


Macht und Güte des Schöpfers

Sie dienen den wilden Tieren als Tränke, Wildesel löschen dort ihren Durst. An den Ufern bauen die Vögel ihre Nester, aus dichtem Laub ertönt ihr Gesang. Vom Himmel schickst du den Regen auf die Berge und gibst der Erde reichlich zu trinken. Du lässt das Gras sprießen für das Vieh und lässt die Pflanzen wachsen, die der Mensch für sich anbaut, damit die Erde ihm Nahrung gibt: Der Wein macht ihn froh, das Öl macht ihn schön, das Brot macht ihn stark. Auch die großen Bäume trinken sich satt, die Libanonzedern, die du gepflanzt hast. In ihren Zweigen nisten die Vögel, hoch in den Wipfeln hausen die Störche. Den Steinböcken gehören die hohen Berge, in den Felsen finden die Klippdachse Zuflucht. Du hast den Mond gemacht, um die Zeit zu teilen; die Sonne weiß, wann sie untergehen muss. Schickst du die Dunkelheit, so wird es Nacht und die Tiere im Dickicht regen sich. Die jungen Löwen brüllen nach Beute; sie erwarten von dir, Gott,

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Im Blumengarten

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Blumen fehlen eigentlich in keinem Garten. Sie sind »die Seele des Gartens«, verleihen ihm die Heiterkeit und die leuchtenden Farben. Ihre Vielfalt und Schönheit bringt uns zum Staunen. Ein bunter Blumenstrauß aus dem Garten ist ein kostbares Geschenk. Er zieht alle Blicke auf sich. Viele Gartenfreunde entwickeln eine besondere Liebe zu ihren Blumen. Sie beobachten voller Freude jede Blüte, die sich entfaltet, und zeigen sie stolz. Menschen, die keinen eigenen Garten haben können, pflegen oft liebevoll ihre »Balkon- und Fenstergärten«, um die wohltuende Schönheit der Blumen um sich haben zu können. Blumen berühren uns, besonders, wenn wir entdecken, wie sie ihre leuchtenden Blüten trotzig mitten zwischen Geröll und Steinen, dem grauen Asphalt der Städte und auf kargen Sandböden entfalten können. Wie eine tröstliche Decke ziehen sich ihre Farben über Schuttberge, stillgelegte Gleise und trostlose Wege. Vielleicht wirken Blumen oft deshalb so anziehend auf uns, weil sie sich den Mechanismen von Leistung und Zweckbestimmung entziehen. Anders als bei den Nutzpflanzen erwarten wir von ihnen nicht, dass sie reiche Frucht bringen und unsere tägliche Ernährung sichern. Wenn sie blühen, liegt das in ihrer Natur und geschieht zweckfrei. Dankbar nehmen wir


»Seht, wie die Blumen auf den Feldern wachsen«

das Geschenk ihrer Schönheit entgegen. Wir lieben sie um ihrer selbst willen.

Von der Schönheit und Sorglosigkeit der Blumen »Seht, wie die Blumen auf den Feldern wachsen« Es ist schön, sich vorzustellen, dass jeder Mensch wie eine einzigartige Blume im Garten der Schöpfung wächst, von Gott, dem Gärtner, selbst gesät und gepflanzt, liebevoll umsorgt und bewundert. Dann ginge es im Leben eigentlich um nichts anderes, als diese Blume zu sein: von Tag zu Tag die Nährstoffe des Bodens aufzunehmen, sich dem warmen Licht der Sonne entgegenzustrecken, zu wachsen und zu blühen, wie es an der Zeit ist, sich seines Lebens zu freuen und auf die Arbeit des Gärtners zu vertrauen. Aber leider gelingt es oft nicht, diese vertrauensvolle Lebenshaltung in das tägliche Leben zu übertragen. Vielmehr sind die meisten Menschen intensiv beschäftigt mit all dem Unkraut, das auch in Gottes Garten wächst und sich unterirdisch ausbreitet. Die Sorgen des Alltags sind wie wucherndes Unkraut, das die »Blumen« zu ersticken droht. Nach und nach vergessen sie ihre Schönheit und ihren Lebenssinn und versuchen, die Aufgaben des Gärtners zu übernehmen: Sie mühen sich Tag und Nacht, das Unkraut auszumerzen. Ein aussichtsloses Unternehmen ...

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Im Blumengarten

In seiner so genannten Bergpredigt spricht Jesus in einer gleichnishaften Rede von den Blumen auf dem Feld, an denen sich seine Zuhörer ein Beispiel nehmen sollen. Sie sollen sich ihr Leben nicht vom Unkraut der Sorgen zerstören lassen, sondern unbeschwert wie wunderschöne, duftende Blumen in Gottes Garten blühen. Die Bekämpfung des Unkrauts sollen sie getrost Gott, dem Gärtner, überlassen. (Matthäus 6,25-33)

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acht euch keine Sorgen um euer Leben, ob ihr etwas zu essen oder zu trinken habt, und um euren Leib, ob ihr etwas anzuziehen habt! Das Leben ist mehr als Essen und Trinken, und der Leib ist mehr als die Kleidung! Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte – aber euer Vater im Himmel sorgt für sie. Und ihr seid ihm doch viel mehr wert als Vögel! Wer von euch kann durch Sorgen sein Leben auch nur um einen Tag verlängern? Und warum macht ihr euch Sorgen um das, was ihr anziehen sollt? Seht, wie die Blumen auf den Feldern wachsen! Sie arbeiten nicht und machen sich keine Kleider, doch ich sage euch: Nicht einmal Salomo bei all seinem Reichtum war so prächtig gekleidet wie irgendeine von ihnen. Wenn Gott sogar die Feldblumen so ausstattet, die heute blühen und morgen verbrannt werden, wird er sich dann nicht erst recht um euch kümmern? Habt ihr so wenig Vertrauen? Also macht euch keine Sorgen! Fragt nicht: ›Was sollen wir essen?‹ ›Was sollen wir trinken?‹ ›Was sollen wir anziehen?‹


Alle Menschen sind wie Gras

Mit all dem plagen sich Menschen, die Gott nicht kennen. Euer Vater im Himmel weiß, dass ihr all das braucht. Sorgt euch zuerst darum, dass ihr euch seiner Herrschaft unterstellt, und tut, was er verlangt, dann wird er euch schon mit all dem anderen versorgen.

Die Vergänglichkeit der Blumen Alle Menschen sind wie Gras Wer im Frühling durch die Täler, die Berge und Wüsten Israels wandert, staunt über die Fülle wunderschöner Feldblumen in leuchtenden Farben: Rote Anemonen, vielfarbige Mohnblumen, Hahnenfuß, Margariten, gelbweiße Kamille und viele andere Arten überziehen das Land wie mit einem bunten Teppich. Nur kurze Zeit dauert die Pracht dieser schnell verblühenden Blumen. Der Klatschmohn, die häufigste Mohnart in Israel, blüht höchstens zwei bis drei Tage. Auch in unseren Breiten kennen wir den Klatschmohn in seiner rasch vergehenden Schönheit an Straßen- und Feldrändern, in Wiesen und Gärten. Voller Bedauern erleben wir, wie seine zarten Blütenblätter bei der kleinsten Berührung zu Boden sinken. Die kurzlebigen Feldblumen werden in der Bibel häufig als Bild für die Vergänglichkeit des Menschen verwendet: So wie die Blütenblätter vom heißen Wind fortgeweht werden und die Pflanzen vertrocknen, so geht es mit den Menschen, deren Blütezeit oftmals auch schnell zu Ende sein

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Im Lustgarten

Geselligkeit und Feste Prunkvolle Feier im Schlosspark des Perserkönigs

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Sie sind ein häufiges Motiv in Filmen über das Leben der Mächtigen und Reichen: die großartigen Gartenfeste zwischen Marmorsäulen, Springbrunnen, kostbaren Gartenmöbeln und opulenten Buffets, auf denen hochgestellte, edel gekleidete Persönlichkeiten mit einem Glas in der Hand umhergehen, Smalltalk pflegen und die Möglichkeiten zur so genannten »kleinen Politik« ausnutzen. Auch aus dem realen Leben der Regierenden hören wir von solchen Parkfesten, zu denen Diplomaten und wichtige Geschäftsleute, manchmal allerdings auch verdiente einfache Bürgerinnen und Bürger eingeladen werden. Viele Menschen finden Platz in dem großzügigen Parkgelände des Regierungspalastes und fühlen sich durch die Einladung des einflussreichen Politikers geehrt. In der alttestamentlichen Novelle »Ester« wird von der großen, sieben Tage andauernden Gartenparty des Perserkönigs Xerxes I. erzählt, die er für die in und um seine Festung Susa wohnenden Untertanen gab. Xerxes I. regierte im 5. Jahrhundert v. Chr. und musste zu Beginn seiner Herrschaft eine Reihe von Aufständen in seinem Vielvölkerstaat niederwerfen. Als er nach drei Jahren seinen Herrschaftsanspruch gefestigt sah, lud er alle wichtigen Fürsten, Regierungsbeamten und Heerführer seiner Länder in seine Winterresidenz ein. Er stellte sechs Monate lang seinen Reichtum und seine Macht vor ihnen zur


Prunkvolle Feier im Schlosspark des Perserkönigs

Schau. Anschließend veranstaltete er in seinem Park ein Fest für die einfachen Bewohner Susas. Wir lesen von der Pracht dieser Gartenparty in aller Ausführlichkeit. Die Untertanen des Perserkönigs waren gewiss ebenso beeindruckt wie die Menschen, die heute eine Einladung in den Park eines Präsidenten erhalten. (Ester 1,1-8)

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s war in der Zeit, als König Xerxes über das Perserreich herrschte, ein Reich aus 127 Provinzen, das von Indien bis Äthiopien reichte; sein Königsthron stand in der Stadt Susa. In seinem dritten Regierungsjahr gab er ein Fest für alle führenden Männer des gesamten Reiches. Die hochrangigen Offiziere aus Persien und Medien, der hohe Adel und die Statthalter aller Provinzen nahmen daran teil. Volle sechs Monate stellte der König seine Macht und seinen unermesslichen Reichtum vor ihnen zur Schau. Anschließend veranstaltete der König ein Fest für alle Bewohner des Palastbezirks, vom vornehmsten bis zum geringsten. Sieben Tage lang wurde im Schlosspark gefeiert. Zwischen Alabastersäulen waren weiße und blaue Vorhänge aus kostbaren Stoffen aufgehängt, befestigt mit weißen und purpurroten Schnüren und silbernen Ringen. Polsterbetten mit goldenen und silbernen Füßen standen auf dem kostbaren Fußboden aus verschiedenfarbigen Steinplatten. Getrunken wurde aus goldenen Bechern, von denen keiner dem andern glich; Wein gab es in Fülle aus den königlichen Kellern. Alle konnten trinken, so viel sie wollten; aber niemand wurde dazu gezwungen. Der König

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Im Lustgarten

hatte die Diener angewiesen, sich ganz nach den Wünschen der Gäste zu richten.

Erntedankfest unter Laubhütten Das Volk feiert das Ende von Weinlese und Feldernte

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Eines der in unserer Zeit noch besonders gut verständlichen und an Bedeutung zunehmenden Feste des Kirchenjahres ist das Erntedankfest. Die unmittelbare Sinnenfreude, die der mit reichen Erntegaben geschmückte Kirchenraum auslöst, die fröhlichen Danklieder, die Erinnerung an unsere Einbindung in die Rhythmen von Natur und Jahreszeiten – all das stößt, gerade angesichts der gefährdeten Schöpfung und des Lebens in naturfernen Städten, auf eine große Offenheit bei Jung und Alt. In den Einkaufsstraßen sieht man geschmückte Erntedanktische und Schaufenster. Kindergärten und Schulen schenken diesem Fest ebenso Beachtung wie Betriebe und Senioreneinrichtungen. Auch bei Menschen jüdischen Glaubens zählt das Erntedankfest im Herbst zu einem der drei Hauptfeste des Jahres. Die drei wichtigsten Feste des Judentums stehen alle auch in Verbindung mit der Pflanzenwelt und orientieren sich an bestimmten Ereignissen des landwirtschaftlichen Lebens: Das Passahfest liegt im Frühling, wenn die Gerste zu reifen beginnt und die ersten Garben als Opfer darge-


Das Volk feiert das Ende von Weinlese und Feldernte

bracht werden sollen. Das Pfingstfest wird zur Zeit der Weizenernte gefeiert. Das Laubhüttenfest am Ende der Weinlese und Feldernte gehört seit der Einwanderung des Volkes Israel in das Land Kanaan in den Festkreis der Juden. Es entspricht unserem Erntedankfest und beginnt ursprünglich mit einer Wallfahrt nach Jerusalem. Das sieben Tage dauernde Wohnen in Laubhütten, die aus Zweigen von mindestens vier verschiedenen Bäumen überall auf den Straßen und Plätzen aufgebaut werden, rührt aus der Zeit der Weinernte, in der man Tag und Nacht in den Weinbergen zubrachte. Die Laubhütten sollen an das Wohnen des Volkes Israel in Zelten während der Wüstenwanderung erinnern. (Nehemia 8,13-18)

A

m zweiten Tag kamen die Sippenoberhäupter des ganzen Volkes mit den Priestern und den Leviten zu Esra, dem Lehrer, um die Worte des Gesetzes noch genauer zu studieren. Da fanden sie im Gesetz, was Mose auf Befehl des HERRN geschrieben hatte: »Die Israeliten sollen während des Festes im siebten Monat in Laubhütten wohnen und sie sollen in Jerusalem und in allen ihren Städten ausrufen und bekannt machen: ›Geht auf die umliegenden Berge und holt frische Zweige von edlen und wilden Ölbäumen, Myrten, Dattelpalmen und anderen dicht belaubten Bäumen, damit wir Laubhütten bauen können, wie das Gesetz es vorschreibt!‹« Da ging das Volk hinaus, holte Zweige und baute sich Laubhütten, die einen auf den flachen Dächern ihrer Häu-

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Im Garten der Besinnung

der Meditation und des Gebets, der schöpferischen Pause – im besten Sinn des Wortes.

Endlich Ruhe! Gebet und Meditation im Garten Jesus im Garten Getsemani

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Von Jesus wissen wir, dass er sich immer wieder aus dem Trubel, der seine Person umgab, in die Einsamkeit der Natur zurückzog. Er wanderte in die Wüste, ruderte weit hinaus auf den See Gennesaret, stieg allein auf Berge und suchte Gärten auf, um zu beten. Die Klarheit über seinen Auftrag, die Kraft seiner Worte und die Liebe zu den vielen Hilfe suchenden Menschen schöpfte er wohl auch aus dieser einsamen Zwiesprache mit Gott. In der lebensbedrohlichen Lage vor seiner Verhaftung zieht es Jesus in einen Garten, der ihm von früheren Aufenthalten her vertraut ist. Er verbringt seine letzte Nacht in Freiheit zwischen den Ölbäumen Getsemanis. Jesus kann die Nähe dieser knorrigen Wächtergestalten gut brauchen. Die starken immergrünen Olivenbäume ziehen selbst aus karger steiniger Erde alle Nährstoffe für ihre schwarzen Früchte, um sie schließlich der Ölpresse zu opfern. In Israel gelten sie als die Bäume des Lebens und der Hoffnung. Nun sind die Ölbäume die einzigen wachen Gefährten Jesu, als er mit seinem bitteren Schicksal ringt. Den Tod vor Augen kommt Jesus im Garten Getsemani in seine


Jesus im Garten Getsemani

schwerste Krise. Aber er hält stand. Er stellt sich der Angst, der Einsamkeit und den Schmerzen. Um der Liebe willen findet er durch die eigene Verzweiflung zur Annahme seines Leidensweges. Sein menschlicher Mut und die göttliche Liebe wachsen in diesem Garten über den Tod hinaus. (Matthäus 26,36-46)

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ann kam Jesus mit seinen Jüngern zu einem Grundstück, das Getsemani hieß. Er sagte zu ihnen: »Setzt euch hier! Ich gehe dort hinüber, um zu beten.« Petrus und die beiden Söhne von Zebedäus nahm er mit. Angst und tiefe Traurigkeit befielen ihn, und er sagte zu ihnen: »Ich bin so bedrückt, ich bin mit meiner Kraft am Ende. Bleibt hier und wacht mit mir!« Dann ging er noch ein paar Schritte weiter, warf sich nieder, das Gesicht zur Erde, und betete: »Mein Vater, wenn es möglich ist, erspare es mir, diesen Kelch trinken zu müssen! Aber es soll geschehen, was du willst, nicht was ich will.« Dann kehrte er zu den Jüngern zurück und sah, dass sie eingeschlafen waren. Da sagte er zu Petrus: »Konntet ihr nicht eine einzige Stunde mit mir wach bleiben? Bleibt wach und betet, damit ihr in der kommenden Prüfung nicht versagt. Der Geist in euch ist willig, aber eure menschliche Natur ist schwach.« Noch einmal ging Jesus weg und betete: »Mein Vater, wenn es nicht anders sein kann und ich diesen Kelch trinken muss, dann geschehe dein Wille!« Als er zurückkam, schliefen sie wieder; die Augen waren ihnen zugefallen.

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