Kriminalgeschichten der Bibel Ausgewählt und eingeleitet von Bertram Salzmann
Deutsche Bibelgesellschaft
Wenn Krimi und Bibel sich treffen – Einleitung . . . . . . . . . . 7 Am Anfang stand ein Mord – Kain und Abel . . . . . . . . . . . . 13 Kriminelles aus den besten Familien . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Betrug an Bruder und Vater Jakob, Isaak und Esau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Verwandte hinters Licht geführt Jakob, Laban und Rahel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Mordanschlag und Menschenhandel Josef und seine Brüder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 Was Könige auf dem Kerbholz haben . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
Putschversuch mit Massenmord Abimelech und die Männer von Sichem . . . . . . . . . . . . 55 Erpressung von Schutzgeld David, Abigajil und Nabal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Von sexueller Nötigung zum Mord David, Batseba und Urija . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Vergewaltigung und Hochverrat Amnon, Tamar und Abschalom . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 Das perfekte Justizverbrechen Ahab, Isebel und Nabot . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88 Kleinkriminalität mit großen Folgen . . . . . . . . . . . . . . . . . 93
Der erste Mundraub der Weltgeschichte Adam und Eva . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 Diebstahl an Gottes Eigentum Achan und Josua . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Betrug aus Habgier Gehasi und Elischa . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
Inhalt
Unterschlagung und Betriebsschädigung Ein reicher Mann und sein Verwalter . . . . . . . . . . . . . . 108 Sabotageakt im Weizenfeld Ein Gutsherr und sein geheimnisvoller Widersacher . . . 110 Skrupellose Anschläge, schutzlose Opfer . . . . . . . . . . . . . . 113
Vergewaltigung mit grausamer Rache Dina und Sichem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 Erpressung und Verleumdung Susanna und die falschen Richter . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Raubüberfall mit Körperverletzung Ein Verbrechen auf offener Straße . . . . . . . . . . . . . . . . 125 Gemeinschaftlich begangener Mord Die bösen Weinbergspächter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128 Mordanschlag auf einen Gefangenen Eine Verschwörung gegen Paulus . . . . . . . . . . . . . . . . . 130 Verbrechen von Staats wegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134 Königlich befohlener Massenmord Der Pharao und die Israeliten in Ägypten . . . . . . . . . . . 135 Politische Verfolgung eines Oppositionellen Jeremia und die Minister Zidkijas . . . . . . . . . . . . . . . . 140 Verfolgung aus religiösen Gründen Nebukadnezzar und seine jüdischen Provinzaufseher . . 145 Ein staatlich geplanter Genozid Xerxes, Haman und Ester . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 Organisiertes Massaker an Säuglingen Der Kindermord des Herodes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162 Leser, übernehmen Sie! – Der Fall Jesus . . . . . . . . . . . . . . 166 Gottes Krimirolle – Nachwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180
Kleinkriminalität mit großen Folgen
Unterschlagung und Betriebsschädigung Ein reicher Mann und sein Verwalter Um den Menschen seiner Umgebung seine Botschaft auf anschauliche und zugleich einprägsame Weise nahe zu bringen, erzählte Jesus oft kleine Geschichten. In ihnen setzte er das, was er sagen wollte, bildhaft in Szene. Unter diesen Gleichnissen und Beispielerzählungen finden sich auch einige Kriminalgeschichten. So erzählt Jesus zum Beispiel vom Fall eines untreuen Verwalters, der bei Unterschlagungen ertappt wird. Dass es ihm durch einen raffinierten Trick bei seinen letzten Amtshandlungen noch gelingt, sich auf Kosten seines Arbeitgebers Freunde unter dessen Schuldnern zu machen und damit seine eigene Zukunft zu sichern, bringt ihm sogar ein Lob Jesu für seine Schlauheit ein. Damit wird deutlich, dass Jesus solche Kriminalgeschichten nicht erzählt, um seine Zuhörerinnen und Zuhörer zu Recht und Ordnung zu erziehen, sondern um sie auf den Anbruch der mit ihm kommenden neuen Welt Gottes vorzubereiten. So wie der untreue Verwalter noch in letzter Minute für die Zukunft vorsorgt, so sollen auch die Hörerinnen und Hörer der Geschichte nicht zuletzt bei ihrem Umgang mit dem Geld Gottes kommendes Reich im Blick haben. (Lukas 16,1-9)
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ann wandte sich Jesus seinen Jüngern zu, den Männern und Frauen, und erzählte ihnen folgende Geschichte:
Ein reicher Mann und sein Verwalter
»Ein reicher Mann hatte einen Verwalter, der ihn betrog. Als sein Herr davon erfuhr, ließ er ihn rufen und stellte ihn zur Rede: ›Was muss ich von dir hören? Leg die Abrechnung vor, du kannst nicht länger mein Verwalter sein!‹ Da sagte sich der Mann: ›Was soll ich machen, wenn mein Herr mir die Stelle wegnimmt? Für schwere Arbeiten bin ich zu schwach, und zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tun werde: Ich muss mir Freunde verschaffen, die mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich hier entlassen werde.‹ So rief er nacheinander alle zu sich, die bei seinem Herrn Schulden hatten. Er fragte den Ersten: ›Wie viel schuldest du meinem Herrn?‹ ›Hundert Fässer Olivenöl‹, war die Antwort. ›Hier ist dein Schuldschein‹, sagte der Verwalter; ›setz dich hin und schreib fünfzig!‹ Einen anderen fragte er: ›Wie steht es bei dir, wie viel Schulden hast du?‹ ›Hundert Sack Weizen‹, war die Antwort. ›Hier ist dein Schuldschein, schreib achtzig!‹« Jesus, der Herr, lobte den betrügerischen Verwalter wegen seines klugen Vorgehens. Denn in der Tat: Die Menschen dieser Welt sind, wenn es ums Überleben geht, viel klüger als die Menschen des Lichtes. »Ich sage euch«, forderte Jesus seine Jünger auf, »nutzt das leidige Geld dazu, durch Wohltaten Freunde zu gewinnen. Wenn es mit euch und eurem Geld zu Ende geht, werden
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Kleinkriminalität mit großen Folgen
sie euch in der neuen Welt Gottes in ihre Wohnungen aufnehmen.«
Sabotageakt im Weizenfeld Ein Gutsherr und sein geheimnisvoller Widersacher
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In einem anderen Gleichnis Jesu kann ein reicher Gutsherr die Schädigung durch seine eigenen Diener gerade noch verhindern. Jesus erzählt, dass dieser Gutsherr Opfer eines Sabotageaktes durch einen persönlichen Feind wurde. Dieser säte zwischen den Weizen auf seinem Feld offensichtlich den Taumellolch, eine Unkrautpflanze, die vom Weizen erst zu unterscheiden ist, wenn sie ihre schwarzen Früchte ansetzt. Als es so weit ist und der Täter natürlich längst alle Spuren verwischt hat, stehen die Diener des Gutsbesitzers vor einem Rätsel. Der Hausherr hingegen zieht wie ein guter Detektiv rasch und nüchtern seine Schlüsse, ohne jedoch einen konkreten Verdächtigen auszumachen. Deshalb schreitet er im Weiteren auch nicht zur Verfolgung des Täters, dem ja ohnehin nichts mehr nachzuweisen wäre, sondern bemüht sich um Schadensbegrenzung. Er fällt seinen Dienern, die ohne Durchblick, aber mit Übereifer sofort das Unkraut ausreißen wollen, in den Arm und trifft eine Entscheidung mit Weitblick. Auch in diesem Krimi-Gleichnis geht es Jesus nicht um moralische Belehrung, sondern um die Frage, welches
Skrupellose Anschläge, schutzlose Opfer
ihn! Wenn du noch mehr brauchst, will ich es dir bezahlen, wenn ich zurückkomme.‹« »Was meinst du?«, fragte Jesus. »Wer von den dreien hat an dem Überfallenen als Mitmensch gehandelt?« Der Gesetzeslehrer antwortete: »Der ihm geholfen hat!« Jesus erwiderte: »Dann geh und mach du es ebenso!«
Gemeinschaftlich begangener Mord Die bösen Weinbergspächter
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Als sich im Laufe von Jesu Auftreten die Auseinandersetzung mit den jüdischen Autoritäten mehr und mehr zuspitzte, setzte Jesus auch seinen Konflikt mit ihnen in einer kleinen Kriminalgeschichte ins Bild. Er erzählt darin von einigen Weinbergspächtern, die gewaltsam versuchen, sich den von ihnen gepachteten Weinberg anzueignen. Vom Alten Testament her ist der Weinberg ein geläufiges Bild für das Volk Israel und der Weinbergbesitzer für Gott. Mit dem Schicksal, das die Boten des Weinbergbesitzers im Gleichnis ereilt, spielt Jesus offensichtlich auf das Schicksal vieler Propheten in Israel an. Und so wie dem Sohn des Weinbergbesitzers im Gleichnis droht es ihm bald selbst zu gehen. Dennoch wendet sich das Gleichnis nicht gegen das Volk Israel als Ganzes, sondern nur gegen dessen religiöse Führer, die sich auch sofort getroffen fühlen. Im Unterschied zu den Weinbergspächtern im Gleichnis verfolgten sie Jesus allerdings nicht aus
Die bösen Weinbergspächter
niederen Motiven. Ihr Vorgehen hatte seinen Grund in ihrer Interpretation der Tora und nicht in habgierigen Interessen. (Lukas 20,9-19)
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arauf wandte sich Jesus wieder dem Volk zu und erzählte ihm dieses Gleichnis: »Ein Mann legte einen Weinberg an. Den verpachtete er und verreiste dann für längere Zeit. Zum gegebenen Zeitpunkt schickte er einen Boten zu den Pächtern, um seinen Anteil am Ertrag des Weinbergs abholen zu lassen. Aber die Pächter verprügelten den Boten und ließen ihn unverrichteter Dinge abziehen. Der Besitzer schickte einen zweiten, aber auch den verprügelten sie, behandelten ihn auf die schimpflichste Weise und schickten ihn mit leeren Händen weg. Er sandte auch noch einen dritten. Den schlugen die Pächter blutig und jagten ihn ebenfalls davon. Da sagte der Besitzer des Weinbergs: ›Was soll ich tun? Ich werde meinen Sohn schicken, dem meine ganze Liebe gilt; vor dem werden sie wohl Respekt haben.‹ Aber als die Pächter ihn kommen sahen, sagten sie zueinander: ›Das ist der Erbe! Wir bringen ihn um, dann gehört seine Erbschaft, der Weinberg, uns.‹ So stießen sie ihn aus dem Weinberg hinaus und töteten ihn. Was wird nun der Besitzer des Weinbergs mit ihnen machen? Er wird kommen und diese bösen Pächter töten und wird den Weinberg anderen anvertrauen.«
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Skrupellose Anschläge, schutzlose Opfer
Als die Leute das hörten, sagten sie: »Das darf nicht geschehen!« Jesus schaute sie an und sagte: »Was bedeutet denn dieses Wort in den Heiligen Schriften: ›Der Stein, den die Bauleute als wertlos weggeworfen haben, ist zum Eckstein geworden‹? Wer auf diesen Stein stürzt, wird zerschmettert, und auf wen er fällt, den zermalmt er!« Die Gesetzeslehrer und die führenden Priester hätten Jesus am liebsten auf der Stelle festgenommen; denn sie merkten, dass das Gleichnis auf sie gemünzt war. Aber sie hatten Angst vor dem Volk.
Mordanschlag auf einen Gefangenen Eine Verschwörung gegen Paulus
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Paulus gehört zweifellos zu den engagiertesten Anhängern von Jesus. Obwohl er diesem zu dessen Lebzeiten nie begegnet ist und erst durch eine Erscheinung des Auferstandenen vom Verfolger der Christen zu ihrem eifrigsten Missionar wurde, zählt er zu den Aposteln. Der zweite Teil der Apostelgeschichte ist denn auch ganz seinen Missionsreisen durch Kleinasien gewidmet. Am Ende der dritten Reise kommt Paulus nach Jerusalem, ins Zentrum des jüdischen Lebens, wo er schon bald nach seiner Ankunft in einen Konflikt mit Tempelbesuchern gerät. Sie werfen ihm aufrührerische Lehren vor und sehen in ihm wegen seines Umgangs mit Nichtjuden einen Ent-