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EINE Entdeckungsreise

EINFÜHRUNG

In diesem Buch geht es um Jesus. Irgendwie. Es geht darum, die Welt kennenzulernen, in der er lebte. Und weil diese Welt in der Bibel beschrieben wird, geht es in diesem Buch auch um die Bibel. Vor allem um das sogenannte Neue Testament.

Jesus nutzte die Pflanzen, die Leute, das Land, die Politik und das Essen, um den Menschen von Gott zu erzählen. Seinen Zuhörerinnen und Zuhörern war all dies bekannt, so wie du die Farbe deiner Zimmertapete oder den Geschmack deines Lieblingsessens kennst. Deshalb konnten sie Jesus verstehen.

Aber wir leben ein paar Jahrhunderte später und viele Kilometer entfernt von der Welt, in der Jesus lebte. Deshalb können wir manches nicht so leicht verstehen. Wie groß war ein Senfkorn? Wie schmeckte das Salz?

Wenn du dir solche Fragen auch schon mal gestellt hast, ist dieses Buch genau richtig für dich. In den letzten Jahrhunderten haben Forscher einiges über die Welt, in der Jesus lebte, herausgefunden. So können wir heute diese Welt entdecken und Jesus besser verstehen.

Wo sind wir?

In diesem Buch geht es um einen bestimmten Teil der damaligen Welt. Dieser wurde zwar von jüdischen Herrschern verwaltet, gehörte aber zum Römischen Weltreich. Die gesamte Region wird als „Naher Osten“ bezeichnet. Über die Jahrhunderte hinweg gab es unterschiedliche Namen für das Gebiet, in dem Jesus lebte: Kanaan, Palästina, Judäa oder Israel. Es wird auch das „Heilige Land“ genannt. Der schmale, lange Landstreifen wird vom Fluss Jordan auf der einen und vom Mittelmeer auf der anderen Seite eingegrenzt. Weil diese Region für Christen, Juden und Muslime geschichtlich gleichermaßen wichtig ist, gab es oft Streit.

Wir bezeichnen den Teil der Welt, in dem Jesus lebte, in diesem Buch als „Palästina”. Das ist ausgehend von der historischen Bezeichnung der Region zwar zutreffend, heute aber problematisch. Denn mit „Palästina“ wird heute ein Teil der Region bezeichnet, der von Menschen islamischen Glaubens bewohnt wird und sich vom modernen Staatsgebiet Israels abgrenzt.

In welcher Zeit sind wir?

Jesus lebte vor mehr als 2000 Jahren. Das ist ziemlich lange her. Die Welt war zu dieser Zeit in vielerlei Hinsicht ganz anders als unsere Welt heute, in mancher Hinsicht aber auch erstaunlich ähnlich. Die Menschen damals arbeiteten, liefen umher, schliefen

und aßen ebenso wie wir. Sie hatten Freundschaften, feierten miteinander, erzählten sich Geschichten, wurden krank, bauten Häuser und entsorgten ihren Müll. Sie bezahlten mit Geld, trugen Kleidung, spielten auf der Straße und manche gingen zur Schule.

2500 Jahre vor Christus Zwischen 7 Jahren vor und 6 Jahren nach Christus

Unsere Welt gibt es schon eine Weile, als Jesus lebt. Die Pyramiden von Gizeh sind zu seiner Zeit mehr als 2000 Jahre alt. Jesus kennt Geschichten, die von seinen Vorfahren schon seit 1000 Jahren weitererzählt wurden. Und in China werden bereits seit mehr als 2500 Jahren Seidenfäden zu Stoff gesponnen und zu Kleidung verarbeitet.

Jesus wird geboren. Unsere Zeitrechnung bezieht sich auf das Jahr 0, das ursprünglich vermutete Geburtsjahr von Jesus. Wir sagen deshalb, ein Ereignis hat „vor Christus“ oder „nach Christus“ stattgefunden. Heute wissen wir, dass Jesus nicht genau im Jahr 0 geboren wurde, sondern irgendwann zwischen 7 vor und 6 nach Christus.

Trotzdem gibt es nicht allzu viele Informationen über die damalige Welt.

WAS WIR WISSEN

Es gibt einige gesicherte Informationen über die Welt, in der Jesus lebte. Sie stammen von Schriftstücken, die die Jahrhunderte überlebt haben, zum Beispiel auch Teile der Bibel.

WAS WIR GLAUBEN ZU WISSEN

Diese Informationen von Zeitzeugen ergänzen wir durch sinnvolle Vermutungen, so dass eine bessere Vorstellung von der damaligen Welt entsteht.

WAS WIR WISSEN, DASS WIR ES NICHT WISSEN

Jede Menge.

WAS WIR NICHT WISSEN, DASS WIR ES NICHT WISSEN

Vermutlich noch mehr. Unsere Vorstellung von der damaligen Welt muss unvollständig bleiben. Dennoch helfen uns die wenigen gesicherten Informationen, Jesus besser zu verstehen. Vorsicht!

Auch wenn wir nur wenig wissen, kann der Blick in die Welt, in der Jesus lebte, unser Verstehen der biblischen Geschichten verändern. So, als würden wir mit einer Lupe den Garten vor dem Haus ganz neu entdecken. Los geht’s!

A. Das Mittelmeer ist mit 2.510.000 Quadratkilometern Ausdehnung das größte „Binnenmeer“ der Welt. Es ist lediglich durch die (Wasser-)Straße von Gibraltar mit dem Atlantischen Ozean verbunden. An manchen Stellen ist es über 5000 Meter tief.

B. Die Küste der Region, in der Jesus lebte und wirkte, ist etwa 300 Kilometer lang.

C. Mit dem Auto fährt man zwei Tage und Nächte (etwa 48 Stunden), um von Berlin nach Betlehem zu kommen.

D. Die Stadt Jerusalem liegt auf etwa 750 Metern Höhe über dem Meeresspiegel.

E. Die Stadt Jericho dagegen liegt etwa 260 Meter unter dem Meeresspiegel.

F. Der Fluss Jordan ist etwa 250 Kilometer lang.

G. Das Ufer des Toten Meeres liegt 430 Meter unter dem Meeresspiegel.

H. In der Bibel wird das Tote Meer „Salzmeer“ genannt (Josua 3,16, Lutherbibel). Weil das Wasser viel Salz enthält, treibt man an der Oberfläche, wenn man im Toten Meer schwimmen geht.

476 nach Christus 1163 nach Christus 1601 nach Christus 1969 nach Christus 1215 nach Christus

Rom, das Zentrum des Römischen Weltreiches, wird zerstört.

Der Bau der Kathedrale Notre Dame in Paris wird begonnen.

Die Magna Carta, die „große Urkunde der Freiheiten“, wird aufgesetzt. Sie gilt bis heute als eines der wichtigsten Dokumente für die Entwicklung der modernen Demokratie.

Der englische Schriftsteller William Shakespeare schreibt seine weltberühmte Tragödie „Hamlet”.

Der Astronaut Neil Armstrong betritt als erster Mensch den Mond

DIE

GESELLSCHAFT

Jede Gesellschaft hat eine bestimmte Form und eine Anzahl von Regeln, nach denen das gemeinsame Leben funktioniert. Wer bestimmt? Wer bekommt was von wem? Wie gehen die Menschen miteinander um, so dass alle gut leben können? In der Zeit, in der Jesus lebte, war die Antwort auf diese Fragen einfach: Eine kleine Gruppe von Menschen hatte das Sagen und alle anderen mussten tun, was diese wollten.

Zur Zeit von Jesus war Palästina von großer Ungleichheit geprägt, was Macht und Wohlstand anging. Stell dir den Aufbau der Gesellschaft wie eine Pyramide vor: Ein paar Leute stehen ganz oben an der Spitze und profitieren von der Arbeit und den Anstrengungen der vielen anderen Menschen unter ihnen.

Je höher die Position in der Pyramide war, umso größer waren auch Macht und Wohlstand. Die Menschen ganz unten hatten am wenigsten Einfluss und Macht. In der Mitte standen Menschen, die sich über die aufregten, die mehr hatten als sie selbst. Dabei versuchten sie, sich weiter nach oben zu arbeiten, um reicher und mächtiger zu werden.

Die meisten Menschen zur Zeit von Jesus waren jedoch arm und hatten nur wenig Einfluss. Oft dienten sie denen, die Macht und Wohlstand hatten, manchmal sogar als Sklavinnen und Sklaven. Die wenigen Mächtigen konnten Entscheidungen treffen, die das Leben von vielen anderen beeinflussten. Die meisten Menschen mussten hart arbeiten: Sie schufteten auf den Feldern, fingen Fische und kümmerten sich um die Tierherden. Die wenigen Mächtigen profitierten von dieser Arbeit. Weil ihnen das Land gehörte, konnten sie Abgaben von denen verlangen, die das Land pachten mussten. Und ihre Bediensteten sorgten zusammen mit den Sklavinnen und Sklaven außerdem dafür, dass sie ein angenehmes Leben hatten. Zwischen den Mächtigen und denen, die für sie arbeiteten, gab es natürlich auch noch andere: zum Beispiel Zolleinnehmer oder Handwerker wie Bauleute, die sich mit Stein und Holz auskannten. Andere konnten töpfern oder Kleidung herstellen.

Der Römische Herrscher

Zur Zeit von Jesus war dies Kaiser Augustus. Er regierte von Rom aus und war der Mächtigste im Römischen Reich. Er teilte seine Macht nur, wenn es seinem eigenen Interesse diente.

Die Mächtigen in Palästina

Sie waren von Rom eingesetzt, begünstigt oder geduldet: Könige oder Statthalter. In der Bibel werden zum Beispiel König Herodes, Herodes Antipas oder Pontius Pilatus genannt.

Andere Menschen, die viel zu sagen hatten

Zum Beispiel Soldaten, Priester, Landbesitzer, Zolleinnehmer

Jesus wandte sich vor allem den Menschen unten in der Pyramide zu. Dabei kritisierte er die Einflussreichen und trat für die ein, die wenig zu sagen hatten oder am Rande der Gesellschaft standen.

Menschen, die wenig zu sagen hatten

Zum Beispiel Handwerker, Bauern, Fischer, Hirten, Arbeiterinnen und Arbeiter, Dienerinnen und Diener

Diese Form der Gesellschaft bestimmte das Leben zur Zeit von Jesus. Egal, ob man auf dem Land oder in den großen Städten lebte. Städte wie Cäsarea oder Tiberias wurden von wenigen Menschen kontrolliert, die gute Beziehungen zu den Herrschenden im Römischen Weltreich pflegten. Deshalb gaben sie den Städten auch den Namen der römischen Herrscher. Die Ländereien rund um die Städte waren meistens im Besitz von wenigen Mächtigen, die in den Städten lebten. Die harte Arbeit der vielen Menschen aus den umliegenden Dörfern kam ihnen zugute: Sie sorgten dafür, dass es den Mächtigen und Wohlhabenden an nichts fehlte.

Menschen, die nichts zu sagen hatten

Sklavinnen und Sklaven, Tagelöhner

Die mächtigen Familien in Palästina verbündeten sich (manchmal bekämpften sie sich auch) und sorgten gemeinsam dafür, dass ihr Einfluss nicht weniger wurde.

Die anderen einflussreichen Menschen in Palästina bemühten sich darum, von den Mächtigen wahrgenommen zu werden und gute Beziehungen zu ihnen aufzubauen. Sie profitierten am meisten von der Arbeit der vielen anderen Menschen, von den Dienerinnen und Dienern und von den Sklavinnen und Sklaven.

Diese Menschen waren in einer ungünstigen Situation: Sie bestellten Felder, die ihnen nicht gehörten und kümmerten sich um Viehherden, die nicht ihre eigenen waren. Von der Ernte mussten sie einen großen Teil abgeben und wenn sie Pacht für das Land zahlen mussten, blieb ihnen nicht viel zum Leben übrig. Arbeiteten sie für die Mächtigen und Einflussreichen, war ihr Lohn gering.

Jesus war Sohn eines Zimmermanns. Er gehörte wie etwa 85 Prozent aller anderen Menschen seiner Zeit zu der Gruppe von Menschen, die nicht viel zu sagen hatten.

Diese Menschen hatten weder Einfluss noch Besitz. Oft mussten sie Schulden abarbeiten oder sie „gehörten“ den Mächtigen und nahmen ihnen alle Arbeit ab.

Denar (Silbermünze)

Geschenkeund Schutz TreueGuteBeziehungenund zuden Mächtigen

Zunahmean Macht und wachsender Besitz durch harte Arbeit Gefälligkeiten,

Sesterze (Kupfermünze)

Aureus (Goldmünze)

Weintrauben/Wein

WAS WÄCHST DENN DA?

Durch seine besondere Lage auf der Erde gibt es in Palästina ein optimales Klima für eine große Vielfalt an Pflanzen und Bäumen: Es liegt zwischen den trockenen Wüsten Ägyptens und Nordafrikas und der feuchteren, aber noch nicht tropischen Region am östlichen Mittelmeer. Die milden Winter sind feucht genug und die Temperaturen fallen nur selten unter den Gefrierpunkt. Die Sommer sind trocken und heiß, besonders in den tiefliegenden Wüstenregionen Palästinas. Nur wenige Flüsse in Palästina führen das ganze Jahr hindurch Wasser. Der Fluss Jordan bekommt sein Wasser von der Schneeschmelze auf dem Berg Hermon im Frühjahr. Die Menge an Regen nimmt ab, je weiter man nach Osten oder Süden fährt. In der südlichen Wüste Negev fällt in manchen Jahren nicht ein Tropfen Regen.

Ringelblumen

Senfpflanze

Granatäpfel

Der Name „Granatapfel“ leitet sich von einer

Bezeichnung ab, die „mit Kernen versehener Apfel“ bedeutet. Wenn in der Bibel von Äpfeln die Rede ist, könnten damit Granatäpfel gemeint sein, auch wenn Granatäpfel am ehesten zu den Beerenfrüchten gezählt werde n.

Alpenveilchen

Anemonen

Blumen

Kurz nach den ersten Winterregen im Oktober und November wird das Land grün und alles wächst und gedeiht bis zur nächsten Trockenperiode.

Pinke und weiße Alpenveilchen, weiße und lilafarbene Anemonen blühen von Dezember bis März. Danach erblühen blaue Lupinen und gelbe Ringelblumen.

Senfkörner

Feigenbäume

Essen

Die Bibel beschreibt im 5. Buch

Mose/Deuteronomium, welches Essen es für das Volk Israel geben wird, wenn es im verheißenen Land Kanaan lebt. Die Aufzählung in 5. Mose/Deuteronomium 8,8 beinhaltet Weizen und Gerste, Feigen, Weintrauben, Oliven, Granatäpfel und Honig. Dies waren in der Region über Jahrtausende wichtige Nahrungsmittel.

Flachs
Lilien
Lupinen
Feigen

Weizen

Zypressen

Gerste

Verschiedene Pflanzen, die in Palästina heimisch sind, werden auch „Geophyten“ genannt. Sie speichern ihre benötigten Nahrungsvorräte in Knollen im Erdboden. Sie blühen am Ende des Sommers.

Terebinthen (Terpentin-Pistazie)

Weinstöcke

Bäume

Die Küstenregion am Mittelmeer hat ein mediterranes Klima. Hier wachsen niedrige Sträucher und Gräser ebenso wie Eichenbäume um den Berg Tabor. Die Steppenund Wüstenregionen im Osten und Süden sind so trocken und heiß, dass nur die genügsamsten Pflanzen dort überleben. So auch die Dattelpalmen, denen sogar das salzhaltige Brachwasser der Oasen ausreicht. Gewöhnliche Eichen und Platanen sowie Terebinthen und Johannisbrotbäume wachsen in den höhergelegenen Regionen und im nördlichen Teil Palästinas.

Berg Tabor Eichen

Olivenbäume
Dattel- palmen
Weidenbäume
Johannisbrotbäume
Oliven
Krokusse

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