Überblick Altes Testament 1–5 Am Anfang
Schon im ersten Satz der Bibel wird ihre wichtigste Person vorgestellt: Gott. Das Erste, was er vollbringt, ist, eine wunderschöne und zugleich komplexe Welt zu schaffen. In diese hinein stellt er die Menschen, die er nach seinem Bild geschaffen hat. Leider dauert es nicht lange, bis diese ersten Menschen – Adam und Eva – sich etwas zuschulden kommen lassen und sich von Gott abwenden. Und damit ist das Dilemma perfekt: Wie soll der unvollkommene Mensch mit dem vollkommenen Gott versöhnt werden?
AT 1 AT 2 AT 3 AT 4 AT 5
Genesis 1,1–2,25 Genesis 3,1-24 Genesis 6,5–7,24 Genesis 8,1–9,17 Genesis 11,1-9
Schöpfung Sündenfall Sintflut Gottes Zusage an Noach Turmbau in Babel
S. AT 3 S. AT 5 S. AT 8 S. AT 10 S. AT 12
6–10 Abraham, Isaak und Jakob
Das Dilemma ist perfekt: Wie soll der unvollkommene Mensch mit dem vollkommenen Gott versöhnt werden? Glücklicherweise unternimmt Gott Schritte, um aus diesem Dilemma herauszukommen. Zunächst wendet er sich einer kleinen Gruppe von Menschen zu – und zeigt sich ihnen ganz persönlich. Er wählt drei Männer aus – Abraham, Isaak und Jakob, die sogenannten Erzväter –, um durch sie ein ganz besonderes Volk entstehen zu lassen: das Volk Israel.
AT 6 AT 7 AT 8 AT 9 AT 10
2
Genesis 12 Genesis 15 Genesis 21,1–22,19 Genesis 27–28 Genesis 32–33
Abrams Berufung Gottes Bund mit Abram Isaaks Geburt und Rettung Esau und Jakob Esau und Jakob versöhnen sich
S. AT 13 S. AT 15 S. AT 20 S. AT 27 S. AT 34
Überblick Altes Testament 11–15 Die Josefsgeschichte
Der Geschichte von Josef und seiner Familie wird in der Bibel viel Raum gegeben. Zunächst sieht es so aus, als würde Gottes Plan, durch eine Familie ein ganzes Volk entstehen zu lassen, in eine Sackgasse führen. Denn Josef wird als Sklave verkauft und gerät darüber hinaus in Ägypten in Gefangenschaft. Doch dann zeigt sich, dass gerade in Ägypten die von Gott auserwählten Menschen zu einem ganzen Volk heranwachsen.
AT 11 AT 12 AT 13 AT 14 AT 15
Genesis 37 Genesis 39–41 Genesis 42 Genesis 43–44 Genesis 45,1–46,7
Josef wird als Sklave verkauft Im Gefängnis und beim Pharao Josefs Brüder reisen nach Ägypten Erneute Reise nach Ägypten Josef gibt sich zu erkennen
S. AT 39 S. AT 41 S. AT 44 S. AT 46 S. AT 48
16–20 Mose und der Auszug aus Ägypten
Die Israeliten wachsen in Ägypten zu einem ganzen Volk heran. Infolgedessen beginnen die Ägypter, sie zu unterdrücken. Deshalb wählt Gott Mose aus, um sein Volk in die Freiheit zu führen. Dabei erweist Gott immer wieder seine unbegreifliche Macht. Zudem verdeutlicht er den Menschen, wie wichtig es ist, ihm zu vertrauen und gehorsam zu sein. Diese Rettung, der Exodus, wird zum Symbol für die größere Freiheit, die Gott allen Menschen schenken möchte: Freiheit von der Macht der Schuld.
AT 16 AT 17 AT 18 AT 19 AT 20
Exodus 1–2 Exodus 3,1–4,17 Exodus 6,28–11,10 Exodus 12,1-42 Exodus 13,17–14,31
Moses Geburt Der brennende Dornbusch Die zehn Plagen Passafest und Auszug aus Ägypten Durchzug durchs Meer
S. AT 55 S. AT 57 S. AT 60 S. AT 65 S. AT 68
3
Überblick Altes Testament 21–25 Die Gebote und das versprochene Land
Viele Jahre zuvor hatte Gott dem Erzvater Abraham das Versprechen gegeben, dessen Nachkommen ein eigenes Land zu schenken. Nach dem Auszug aus Ägypten führt Mose die Israeliten durch die Wüste und bringt sie an die Grenze dieses Landes: Kanaan. Josua ist es schließlich, der die Israeliten in das Land Kanaan führt, um es in Besitz zu nehmen. Noch während der Wüstenzeit offenbart Gott den Israeliten, nach welchen Grundsätzen sie ihr Leben gestalten sollen. Er gibt ihnen durch Mose die „Zehn Gebote“.
AT 21 AT 22 AT 23 AT 24 AT 25
Exodus 19,1–20,21 Exodus 32–34 Josua 1 Josua 3,1–5,1 Josua 5,13–6,27
Die Zehn Gebote Das Goldene Kalb Josua wird Nachfolger von Mose Durch den Jordan Die Mauern Jerichos fallen
S. AT 74 S. AT 88 S. AT 199 S. AT 201 S. AT 203
26–30 Richter
Das Volk Israel ist zu einer Nation geworden. Die Israeliten haben das versprochene Land Kanaan in Besitz genommen, aber sie haben noch keinen König, der sie regiert. Stattdessen beruft Gott immer wieder neu markante Persönlichkeiten, die Richter genannt werden und in Kriegszeiten das Volk anführen. Wer diese beeindruckenden Berichte liest, kann sehen, welche Folgen es haben kann, Gott nicht gehorsam zu sein. Es wird aber auch sichtbar, wie Gott antwortet, wenn Menschen sich an ihn wenden und ihn um Hilfe bitten.
AT 26 AT 27 AT 28 AT 29 AT 30
4
Richter 2,6–3,6 Richter 4–5 Richter 6,1–8,3 Richter 13–16 Rut 1–4
Der Ungehorsam des Volkes Deboras Sieg Gideon besiegt die Midianiter Simson besiegt die Philister Die Geschichte von Rut
S. AT 226 S. AT 228 S. AT 230 S. AT 239 S. AT 249
Überblick Altes Testament 31–35 Saul und David
Schließlich beruft Gott einen König für Israel: Saul. Zunächst kommt er seinen Aufgaben gut nach. Dann jedoch wird er Gott ungehorsam. Gott muss ihn fallen lassen. David wird sein Nachfolger. Er hat als Junge den Riesen Goliat besiegt und war dadurch zum Nationalhelden geworden. Durch seine kriegerischen Erfolge und aufgrund seines Glaubens an Gott führt König David den Staat Israel in eine historische Blütezeit. Er wird dadurch zum Symbol für einen noch viel größeren König, der einst kommen wird: Jesus Christus.
AT 31 AT 32 AT 33 AT 34 AT 35
1 Samuel 1,1–4,1a 1 Samuel 8–10 1 Samuel 16,1–18,16 1 Samuel 23,7–24,23 2 Samuel 5–7
Samuel hört Gottes Stimme König Saul David und Goliat David und Saul König David
S. AT 252 S. AT 259 S. AT 268 S. AT 277 S. AT 290
36–40 Die Zeit der Könige
König Salomo bleibt bis heute bekannt für seine Weisheit und seine großen geschichtlichen und kulturellen Errungenschaften. Dennoch ist er am Ende seiner Regentschaft dazu bereit, die Tür für die Anbetung fremder Götter im Volk Israel einen Spalt breit zu öffnen, um seine Ziele zu erreichen. Durch die guten Beziehungen zu den benachbarten Völkern kommt es immer wieder vor, dass die Menschen aus dem Volk Israel auch deren Götter verehren. Das hat verheerende Folgen für Israel. Gott wendet sich von seinem Volk ab.
AT 36 AT 37 AT 38 AT 39 AT 40
2 Samuel 11,1–12,25 1 Könige 2–3 1 Könige 8,1–9,9 1 Könige 16,29–19,18 2 Könige 24,20b–25,30
David und Batseba König Salomo Salomo baut Gott einen Tempel Elija und die Baalspropheten Jerusalem wird eingenommen
S. AT 295 S. AT 316 S. AT 324 S. AT 338 S. AT 378
5
Überblick Altes Testament 41–45 Psalmen und Sprichwörter
Das Buch der Psalmen ist ein Buch des Gebets und der Anbetung Gottes. Viele Psalmen werden David zugeschrieben. Sie sind wie ein Fenster zu seiner Seele und gewähren Einblick in sein Innerstes. David wird in der Bibel als jemand beschrieben, der von Gott erwählt ist und der ihm wie kein anderer dient. Die Sprüche hingegen sind eine Sammlung von Weisheiten, die ein Leben nach dem Willen Gottes beschreiben. Ein Großteil stammt von Salomo.
AT 41 AT 42 AT 43 AT 44 AT 45
Psalm 23 Psalm 51 Psalm 103 Sprichwörter 1–4 Sprichwörter 16–18
Der Herr ist mein Hirte Herr, erbarme dich Gott loben Göttliche Weisheit Salomos Ratschläge
S. AT 522 S. AT 540 S. AT 570 S. AT 597 S. AT 608
46–50 Propheten
In der Geschichte Israels schickt Gott immer wieder Propheten zu den Menschen. Ihr Auftrag ist es, die Anbetung fremder Götter sowie schuldhaftes Verhalten anzuprangern. Aber zugleich kündigen sie auch an, dass eines Tages ein von Gott gesandter Retter, der Messias, kommen wird. Gegen Ende des Alten Testaments ist diese Zusage noch nicht eingetroffen. Die Enthüllung des Rettungsplans Gottes für die Menschen kann gespannt erwartet werden.
AT 46 AT 47 AT 48 AT 49 AT 50
6
Jesaja 51–53 Jeremia 1,1–3,5 Daniel 6,2-28 Jona 1–4 Maleachi 1–3
Der leidtragende Diener Jeremias Berufung und Botschaft Daniel in der Löwengrube Jona muss nach Ninive Der Tag des Gerichts
S. AT 682 S. AT 696 S. AT 821 S. AT 851 S. AT 877
Einführung Altes Testament 1–5 Am Anfang Wenn Sie eine enge Freundschaft mit jemandem schließen möchten, versuchen Sie, Ihr Gegenüber so gut wie möglich kennenzulernen: Wer ist dieser Mensch, mit dem Sie es zu tun bekommen haben? Wo ist er aufgewachsen? Was bewegt ihn? Was trägt ihn? Wenn Sie ein Haus kaufen möchten, dann gehen Sie der Sache anders auf den Grund. Sie versuchen so viel über das Haus herauszufinden, wie es geht: Wann wurde es gebaut? Welche Bereiche wurden verändert? In welchem Zustand befindet sich die Bausubstanz? Wie hat sich der Wert des Grundstücks über die Zeit entwickelt? Und wenn Sie wissen möchten, wie die Welt entstanden ist, warum es sie gibt und wo die Menschen herkommen? Dann können Ihnen die ersten fünf Einheiten darüber Auskunft geben. Die Berichte am Anfang unserer Bibel erzählen davon, dass Gott die Welt geschaffen hat und dass er den Menschen ins Leben rief. Die Bibel beginnt mit den unbestreitbar bedeutungskräftigsten Worten, die jemals aufgeschrieben wurden: „Am Anfang schuf Gott …“ Dabei wird gar nicht erst versucht, die fundamentalste aller Behauptungen zu rechtfertigen: Gott existiert. Auf dieser Grundwahrheit fußt die Bibel, fußt alles Leben. Sie können versuchen, die Bibel als ein reines Geschichtsbuch zu lesen. Sie können auch versuchen, es als ein rein literarisches Werk anzusehen. Die Bibel ist beides – und noch mehr: Denn sie gibt Einblick in die Gedankenwelt Gottes, und genau das macht sie so besonders. Doch noch ein zweiter Gedanke verbindet sich mit den ersten fünf Einheiten, die sie zu etwas Besonderem werden lassen. In ihnen können wir lesen, wie diese Welt und unser Leben im Innersten aufgebaut ist. Die Urgeschichte schildert die ureigensten Bedingungen des Menschseins: Dass der Mensch als Mann und Frau geschaffen wird, gehört genauso dazu, wie die Fragen nach Schuld, schlechtem Gewissen und Stolz. Weil sich in den Texten alles um die Urverhältnisse in der Welt und der Menschheit dreht, geschieht hier alles so, als geschähe es zum ersten Mal. Die Urgeschichte will jedoch keinesfalls alle auftauchenden Fragen end- und allgemeingültig beantworten. Doch die hier aufgeworfenen Grundfragen durchziehen sämtliche Bücher der Bibel. Und noch etwas anderes Bemerkenswertes ist in diesen Texten zu finden: Die ersten Worte, die Gott spricht: „Es werde Licht.“ Je länger Sie auf Ihrer Entdeckungsreise durch die Bibel mit E100 unterwegs sind, desto mehr werden Sie entdecken, wie sich Gott unverändert danach sehnt, dass Licht die Finsternis verdrängt. Und wie er selbst durch seinen Sohn Jesus Christus alles dafür getan hat, damit dieses Ziel erreicht wird. Dafür hat er ihn am Kreuz sterben und am dritten Tag vom Tod auferstehen lassen. Doch damit soll nichts von dem vorweggenommen werden, was an Spannendem zuerst – und vielleicht zum ersten Mal – auf diesem Weg entdeckt werden kann: über Gott, diese Welt und uns selbst.
7
Einführung Altes Testament 6–10 Abraham, Isaak und Jakob Die ersten Kapitel der Bibel erzählen auf eindrückliche Weise davon, wie wunderbar Gottes Welt geschaffen ist. Aber genauso betonen sie, wie sich alles dramatisch verändert, wenn Schuld und Sünde Einzug halten. Ein Neuanfang musste her, so erzählt es die Geschichte von der Sintflut. Und der Bericht vom Turmbau zu Babel hält fest, dass Stolz die Menschen auseinandertreibt. Sünde als Trennung von Gott führt dazu, dass die von Gott geschaffene Welt zu zerbrechen beginnt. Es bleibt die Hoffnung der Menschen, dass Gott selbst eingreift. Das ist der Grund dafür, dass die nächsten fünf Bibelabschnitte so bedeutungsvoll sind. Sie beschreiben die ersten Schritte, die Gott unternahm, um die Menschen aus Liebe zu retten und eine Beziehung zu ihm möglich zu machen. Erneut tritt er als Schöpfer in Aktion: Er schafft sich ein Volk, Israel, um durch dieses Volk die Welt zu beschenken – denn aus diesem Volk soll einmal der Retter der Welt, der Messias, zu den Menschen kommen. Auf diesem Weg ruft Gott zunächst Abraham (oder Abram, wie er anfangs genannt wird) aus seinem bisherigen Leben. Abraham war der Vater von Isaak und der Großvater von Jakob. Sie sind die sogenannten „Erzväter“ Israels und somit liegt in ihrer Familie der Ursprung für ein ganzes Volk. Abraham, Isaak und Jakob waren nicht perfekt und gerade deshalb von Gott auserwählt. Wie alle Menschen hatten sie ihre Schattenseiten: Sie machten sich schuldig und widersetzten sich Gott. Und trotzdem wandte sich Gott ihnen zu. Das kann uns Mut machen, denn es macht deutlich, dass Gottes Wege nicht an unseren Fehlern scheitern. Wir können uns darüber wundern, dass Gott einen solchen Weg wählt. Warum liegt ihm so viel daran, versöhnt und in Gemeinschaft mit uns Menschen zu leben? Warum nicht noch einmal eine schreckliche Flut schicken, die alles fortspült, was nicht zu ihm passt? Die Antwort kann – um es mit C. S. Lewis zu sagen – nur sein: „Er liebt diese haarlosen Zweibeiner, die er erschaffen hat, wirklich […]“ (C. S. Lewis: Dienstanweisung für einen Unterteufel, Brendow, Moers 2006). Und dann ist da noch etwas, das in den kommenden Texten nicht übersehen werden darf: der Glaube. Er ist das Eigentliche und Besondere, das Abraham auszeichnet. Er ahnt nicht, warum Gott gerade ihn auswählt und wohin ihn sein Weg führen wird. Und vor allem weiß er nicht, was Gottes Plan hinter allem ist. Aber er vertraut Gott und seinem Auftrag an ihn: „Verlass deine Heimat!“ Genau das tut er. Gott zu vertrauen – in allen Lebenssituationen –, das meint die Bibel mit „Glauben“. Im Römerbrief erklärt der Apostel Paulus, warum Abrahams Glaube beispielhaft ist (Römer 4,16-25). Denn so wie er können auch wir uns die Frage stellen, ob wir Gott vertrauen wollen. Ob wir ihm glauben wollen, dass durch seinen Sohn Jesus Christus Vergebung von Schuld und dadurch eine Beziehung zu ihm möglich wird.
8
1 MOSE/GENESIS 1
3
DAS ERSTE BUCH MOSE (GENESIS) Inhaltsübersicht Die Urgeschichte von Welt und Mensch Kap 1±11 Die Erschaffung der Welt 1±2 Paradies und Verlust des Paradieses 3±4 Von Adam bis Noach 4±5 Noach und die Sintflut 6±9 Ausbreitung der Menschheit 10 Der babylonische Turm. Sem bis Abraham 11 Die Väter und Mütter Israels 12±36 Abrahams Berufung und Segnung 12±18 Untergang von Sodom und Gomorra 19 Geburt Isaaks und Prüfung Abrahams 21±22 Isaak und Rebekka 24±26 Jakob erlangt den Erstgeburtssegen 27 Jakob bei Laban, seine Frauen und Söhne 28±31 Jakobs Rückkehr 32±35 Die Nachkommen von Esau 36 Josef und seine Brüder 37±50 Josefs wunderbarer Aufstieg 37±41 Die Erprobung der Brüder 42±45 Die Nachkommen Jakobs in ¾gypten 46±50
DIE URGESCHICHTE VON WELT UND MENSCH (Kapitel 1±11) Die Erschaffung der Welt
1 d 1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde . a
2 Die Erde war noch leer
und öde, Dunkel bedeckte sie und wogendes Wasser, und über den Fluten schwebte Gottes Geist*.
3 Da sprach Gott: »Licht entstehe!«,
und das Licht strahlte auf. 4 Und Gott sah das Licht an: Es war gut. Dann trennte Gott das Licht von der Dunkelheit 5 und nannte das Licht Tag, die Dunkelheit Nacht. Es wurde Abend und wieder Morgen: der erste Tag.
6 Dann sprach Gott: »Im Wasser soll ein Gewölbe b entstehen, eine Scheidewand zwischen den Wassermassen!« 7 So geschah es: Gott machte ein Gewölbe und trennte so das Wasser unter dem Gewölbe von dem Wasser, das darüber war. 8 Und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und wieder Morgen: der zweite Tag. 9 Dann sprach Gott: »Das Wasser unter dem Himmelsgewölbe soll sich alles an einer Stelle sammeln, damit das Land hervortritt.« So geschah es. 10 Und Gott nannte das Land Erde, die Sammlung des Wassers nannte er Meer. Und Gott sah das alles an: Es war gut. 11 Dann sprach Gott:
»Die Erde lasse frisches Grün aufsprieûen, Pflanzen und Bäume von jeder Art, die Samen und samenhaltige Früchte tragen!« So geschah es: 12 Die Erde brachte frisches Grün hervor, Pflanzen jeder Art mit ihren Samen und alle Arten von Bäumen mit samenhaltigen Früchten. Und Gott sah das alles an: Es war gut. 13 Es wurde Abend und wieder Morgen: der dritte Tag. 14 Dann sprach Gott:
»Am Himmel sollen Lichter entstehen, die Tag und Nacht voneinander scheiden, leuchtende Zeichen, um die Zeiten zu bestimmen: Tage und Feste und Jahre. 15 Sie sollen am Himmelsgewölbe leuchten, damit sie der Erde Licht geben.« So geschah es: 16 Gott machte zwei groûe Lichter,
a Das Begriffspaar Himmel und Erde bezeichnet die Welt in ihrer Gesamtheit. Vers 1 ist als Überschrift zur folgenden Schöpfungsgeschichte zu verstehen. b Vgl. Sacherklärung »Himmelsgewölbe« im Anhang. 1,1±2,4 a Ps 8; 104; Ijob 38,1±39,30; Joh 1,1-4; Sir 16,26±17,10; 42,15±43,33
M:/Buch/bibel/1619_e100/umbruch/altes-testa/01mose.3d***10.2.2014***17:0:3 Format: A4 596 x 842 pts Original: 459.212 x 668.976 pts *setpagedevice*
4
1 MOSE/GENESIS 1.2
ein gröûeres, das den Tag beherrscht, und ein kleineres für die Nacht, a dazu auch das ganze Heer der Sterne. 17 Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe, damit sie der Erde Licht geben, 18 den Tag und die Nacht regieren und Licht und Dunkelheit voneinander scheiden. Und Gott sah das alles an: Es war gut. 19 Es wurde Abend und wieder Morgen: der vierte Tag. 20 Dann sprach Gott: »Das Wasser soll von Leben wimmeln, und in der Luft b sollen Vögel fliegen!« 21 So schuf Gott die Seeungeheuer und alle Arten von Wassertieren, ebenso jede Art von Vögeln und geflügelten Tieren. Und Gott sah das alles an: Es war gut. 22 Und Gott segnete seine Geschöpfe und sagte: »Seid fruchtbar, vermehrt euch und füllt die Meere, und ihr Vögel, vermehrt euch auf der Erde!« 23 Es wurde Abend und wieder Morgen: der fünfte Tag. 24 Dann sprach Gott: »Die Erde soll Leben hervorbringen: alle Arten von Vieh und wilden Tieren und alles, was auf der Erde kriecht.« So geschah es. 25 Gott machte die wilden Tiere und das Vieh und alles, was auf dem Boden kriecht, alle die verschiedenen Arten. Und Gott sah das alles an: Es war gut. 26 Dann sprach Gott:
»Nun wollen wir Menschen machen, ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist! Sie sollen Macht haben über die Fische im Meer, über die Vögel in der Luft, über das Vieh und alle Tiere auf der Erde c und über alles, was auf dem Boden kriecht.«
27 So schuf Gott die Menschen nach
seinem Bild, als Gottes Ebenbild schuf er sie und schuf sie als Mann und als Frau. d 28 Und Gott segnete die Menschen und sagte zu ihnen: »Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz! e Ich setze euch über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben, und vertraue sie eurer Fürsorge an.« 29 Weiter sagte Gott zu den Menschen:
»Als Nahrung gebe ich euch die Samen der Pflanzen und die Früchte, die an den Bäumen wachsen, überall auf der ganzen Erde. 30 Den Landtieren aber und den Vögeln und allem, was auf dem Boden kriecht, allen Geschöpfen, die den Lebenshauch in sich tragen, weise ich Gräser und Blätter zur Nahrung zu.« So geschah es. 31 Und Gott sah alles an, was er geschaffen hatte, und sah: Es war alles sehr gut. Es wurde Abend und wieder Morgen: der sechste Tag.
2
So entstanden Himmel und Erde mit allem, was lebt.
2 Am siebten Tag hatte Gott sein Werk vollendet
und ruhte von aller seiner Arbeit aus.
3 Und Gott segnete den siebten Tag
und erklärte ihn zu einem heiligen* Tag, der ihm gehört, denn an diesem Tag ruhte Gott, nachdem er sein Schöpfungswerk vollbracht hatte. 4a Dies ist die Geschichte der Entstehung
von Himmel und Erde; so hat Gott sie geschaffen.
a Die Namen »Sonne« und »Mond« werden vermieden, weil sie bei manchen Nachbarn Israels als Namen für Götter verwendet wurden. Sie werden als Lichter (Lampen) bezeichnet, um klarzustellen, dass sie keine schicksalsbestimmende Macht haben ± und natürlich erst recht nicht die anschlieûend genannten Sterne. b in der Luft: wörtlich über die Erde, am Himmelsgewölbe; entsprechend in den Versen 26 und 28 am Himmelsgewölbe. c und alle Tiere ...: mit einer alten Übersetzung; H und die ganze Erde. d Wörtlich männlich und weiblich schuf er sie. e nehmt sie in Besitz: Die herkömmliche Übersetzung macht sie euch untertan hat oft Anlass gegeben zu dem Missverständnis, die Schöpfung sei der Willkür des Menschen ausgeliefert. Nach hebräischem Verständnis gehören Herrschaft und Fürsorge zusammen; die Könige und Fürsten im Alten Orient galten als »Hirten« des Volkes. Deshalb wird die Fortsetzung, die wörtlich lautet Herrscht über (die Fische usw.), wiedergegeben durch Ich setze euch über ... und vertraue sie eurer Fürsorge an. 1,27 Mk 10,6 par; Kol 3,10; Weish 2,23 1,28 Weish 9,2 1,29 9,3 1,31 1 Tim 4,4 2,2-3 Ex 20,8-10 S; Hebr 4,9-10
M:/Buch/bibel/1619_e100/umbruch/altes-testa/01mose.3d***10.2.2014***17:0:3 Format: A4 596 x 842 pts Original: 459.212 x 668.976 pts *setpagedevice*
1 MOSE/GENESIS 2.3
Der Mensch im Garten Eden (Das Paradies) 4b Als Gott, der HERR, a Erde und Himmel machte, 5 gab es zunächst noch kein Gras und keinen Busch in der Steppe; denn Gott hatte es noch nicht regnen lassen. Es war auch noch niemand da, der das Land bearbeiten konnte. 6 Nur aus der Erde stieg Wasser auf und tränkte den Boden. 7 Da nahm Gott, der HERR, Staub von der Erde, formte daraus den Menschen b und blies ihm den Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch ein lebendes Wesen. c 8±9 Dann legte Gott im Osten, in der Landschaft Eden*, einen Garten an. Er lieû aus der Erde alle Arten von Bäumen wachsen. Es waren prächtige Bäume und ihre Früchte schmeckten gut. Dorthin brachte Gott den Menschen, den er gemacht hatte. In der Mitte des Gartens wuchsen zwei besondere Bäume: der Baum des Lebens, dessen Früchte Unsterblichkeit schenken, und der Baum der Erkenntnis, dessen Früchte das Wissen verleihen, was für den Menschen gut und was für ihn schlecht ist. d 10 In Eden entspringt ein Strom. Er bewässert den Garten und teilt sich dann in vier Ströme. 11 Der erste heiût Pischon; er flieût rund um das Land Hawila, wo es Gold gibt. 12 Das Gold dieses Landes ist ganz rein, auûerdem gibt es dort kostbares Harz und den Edelstein Karneol. 13 Der zweite Strom heiût Gihon; er flieût rund um das Land Kusch*. 14 Der dritte Strom, der Tigris, flieût östlich von Assur. e Der vierte Strom ist der Eufrat. 15 Gott, der HERR, brachte also den Menschen in den Garten Eden. Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen.
5
16 Weiter
sagte er zu ihm: »Du darfst von allen Bäumen des Gartens essen, 17 nur nicht vom Baum der Erkenntnis. f Sonst musst du sterben.«
Die Erschaffung der Frau der HERR, dachte: »Es ist nicht gut, dass der Mensch so allein ist. Ich will ein Wesen schaffen, das ihm hilft und das zu ihm passt.« 19 So formte Gott aus Erde die Tiere des Feldes und die Vögel. Dann brachte er sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er jedes Einzelne nennen würde; denn so sollten sie heiûen. 20 Der Mensch gab dem Vieh, den wilden Tieren und den Vögeln ihre Namen, doch unter allen Tieren fand sich keins, das ihm helfen konnte und zu ihm passte. 21 Da versetzte Gott, der HERR, den Menschen in einen tiefen Schlaf, nahm eine seiner Rippen heraus und füllte die Stelle mit Fleisch. 22 Aus der Rippe machte er eine Frau und brachte sie zu dem Menschen. 23 Der freute sich und rief: 18 Gott,
»Endlich! Sie ist s! Eine wie ich! g Sie gehört zu mir, denn von mir ist sie genommen.« h 24 Deshalb verlässt ein Mann Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins, mit Leib und Seele. i 25 Die beiden waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.
Die Menschen müssen den Garten Eden verlassen Die Schlange* war das klügste von allen Tieren des Feldes, die Gott, der HERR, gemacht hatte. Sie fragte die Frau: »Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft die Früchte von den Bäumen im Garten nicht essen¬?«
3
a Eigentlich der HERR Gott; ebenso in der Fortsetzung bis 3,24. »Der HERR« in dieser Schreibweise steht in der Übersetzung stets für den Gottesnamen; siehe dazu die Sacherklärung »HERR«. b Im Hebräischen gehören Mensch (adam) und Erde (adama) auch sprachlich zusammen. Später wird Adam zum Eigennamen des ersten Menschen (siehe Anmerkung zu 3,17). Staub ist ein Hinweis auf die Hinfälligkeit des Menschen; vgl. 3,19. c Wörtlich eine lebende nefesch. Das hebräische Wort nefesch wird herkömmlich mit »Seele« übersetzt. Gemeint ist damit ein Lebewesen wie Mensch oder Tier im Unterschied zu den Pflanzen (vgl. auch Sacherklärung »Seele«). d Wörtlich der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und Schlechten (siehe dazu Anmerkung zu Vers 17). e Gemeint ist die Stadt dieses Namens; siehe Sacherklärung. f Erkenntnis: wörtlich Erkenntnis des Guten und Schlechten. Gemeint ist nicht die Fähigkeit, zu unterscheiden, was sittlich gut oder böse ist, sondern ein umfassendes Wissen von allem, was für das menschliche Leben nützlich oder schädlich ist. Ein solches Wissen kann den Menschen zu der Meinung verführen, sein Leben in eigener Regie führen zu können. Das würde ihn überfordern und die ihm anvertraute Schöpfung zerstören, weil er der Versuchung zum Missbrauch der damit gegebenen Möglichkeiten nicht gewachsen ist (vgl. 4,1-8.23; 6,5; 11,1-9 sowie Ez 28,1-19). g Endlich ...: wörtlich Gebein von meinem Gebein, Fleisch von meinem Fleisch. h Sie gehört ...: Die Zugehörigkeit ist im Hebräischen in der Namengebung ausgedrückt. Diese enthält ein Wortspiel, das sich im Deutschen nicht nachahmen lässt: »Sie wird ischa (= Frau) genannt werden, denn vom isch (= Mann) ist sie genommen.« i sind dann eins ...: wörtlich sind dann ein Fleisch, womit die volle leiblich-seelische Einheit bezeichnet wird. 2,7 Ijob 33,4; Ps 104,29-30; Koh 12,7; 1 Kor 15,45-49 2,8-9 Offb 22,14 2,24 Mk 10,7 par; Eph 5,31 3,1-5 Weish 2,24
M:/Buch/bibel/1619_e100/umbruch/altes-testa/01mose.3d***10.2.2014***17:0:3 Format: A4 596 x 842 pts Original: 459.212 x 668.976 pts *setpagedevice*
2 d
6
1 MOSE/GENESIS 3 2 »Natürlich
dürfen wir sie essen«, erwiderte die Frau, 3 »nur nicht die Früchte von dem Baum in der Mitte des Gartens. Gott hat gesagt: Esst nicht davon, berührt sie nicht, sonst müsst ihr sterben!¬« 4 »Nein, nein«, sagte die Schlange, »ihr werdet bestimmt nicht sterben! 5 Aber Gott weiû: Sobald ihr davon esst, werden euch die Augen aufgehen; ihr werdet wie Gott sein und wissen, was gut und was schlecht ist. Dann werdet ihr euer Leben selbst in die Hand nehmen können.« a 6 Die Frau sah den Baum an: Seine Früchte mussten köstlich schmecken, sie anzusehen war eine Augenweide und es war verlockend, dass man davon klug werden sollte! Sie nahm von den Früchten und aû. Dann gab sie auch ihrem Mann davon und er aû ebenso. 7 Da gingen den beiden die Augen auf und sie merkten, dass sie nackt waren. Deshalb flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Lendenschurze. 8 Am Abend, als es kühler wurde, hörten sie, wie Gott, der HERR, durch den Garten ging. Da versteckten sich der Mensch und seine Frau vor Gott zwischen den Bäumen. 9 Aber Gott rief nach dem Menschen: »Wo bist du?« 10 Der antwortete: »Ich hörte dich kommen und bekam Angst, weil ich nackt bin. Da habe ich mich versteckt!« 11 »Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?«, fragte Gott. »Hast du etwa von den verbotenen Früchten gegessen?« 12 Der Mensch erwiderte: »Die Frau, die du mir an die Seite gestellt hast, gab mir davon; da habe ich gegessen.« 13 Gott, der HERR, sagte zur Frau: »Was hast du da getan?« Sie antwortete: »Die Schlange ist schuld, sie hat mich zum Essen verführt!« 14 Da sagte Gott, der HERR, zu der Schlange: »Verflucht sollst du sein wegen dieser Tat! Auf dem Bauch wirst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang ±
du allein von allen Tieren. 15 Und Feindschaft soll herrschen zwischen dir und der Frau, zwischen deinen Nachkommen und den ihren. b Sie werden euch den Kopf zertreten, und ihr werdet sie in die Ferse beiûen.« 16 Zur Frau aber sagte Gott:
»Ich verhänge über dich, dass du Mühsal und Beschwerden hast, jedes Mal wenn du schwanger bist; und unter Schmerzen bringst du Kinder zur Welt. Es wird dich zu deinem Mann hinziehen, aber er wird über dich herrschen.« zum Mann c sagte Gott: »Weil du auf deine Frau gehört und mein Verbot übertreten hast, gilt von nun an:
17 Und
Deinetwegen ist der Acker verflucht. Mit Mühsal wirst du dich davon ernähren, dein Leben lang. 18 Dornen und Disteln werden dort wachsen, und du wirst die Pflanzen des Feldes essen. 19 Viel Schweiû musst du vergieûen, um dein tägliches Brot zu bekommen, bis du zurückkehrst zur Erde, von der du genommen bist. Ja, Staub bist du, und zu Staub musst du wieder werden!« Mensch nannte seine Frau Eva, d denn sie sollte die Mutter aller Menschen werden. 21 Und Gott, der HERR, machte für den Menschen und seine Frau Kleider aus Fellen. 22 Dann sagte Gott: »Nun ist der Mensch wie einer von uns e geworden und weiû, was gut und was schlecht ist. f Es darf nicht sein, dass er auch noch vom Baum des Lebens isst. Sonst wird er ewig leben!« 23 Und er schickte den Menschen aus dem Garten Eden* weg, damit er den Ackerboden bearbeite, aus dem er gemacht war. 20 Der
a Dann werdet ihr ...: verdeutlichender Zusatz; vgl. Anmerkung zu 2,17. b Das hebräische Wort für Nachkommen ist der grammatischen Form nach Einzahl: Same, d.h. Nachkommenschaft. In der Alten Kirche wurde die Einzahl auf eine Einzelperson bezogen und auf Christus oder Maria gedeutet, die Schlange entsprechend auf den Teufel. c Wörtlich zum Menschen. In H wird das Wort durch die zugesetzten Vokale schon hier (nicht erst ab 4,1) als Eigenname gedeutet (ebenso in Vers 21; die Vorkommen in den Versen 20, 22, 23 und auch 24, wo wörtlich die Einzahl steht, lassen beide Deutungen zu). Ursprünglich ist Adam kein Name, sondern das hebräische Wort für »Mensch« (vgl. Anmerkung zu 2,7). d Der Name Eva klingt im Hebräischen wie das Wort für »Leben«. e uns ist wahrscheinlich ein Hinweis auf den himmlischen Hofstaat; vgl. Sacherklärung »Gottessöhne«. f Vgl. Anmerkung zu 2,17. 3,4 Joh 8,44; Offb 20,2 3,5 Jes 14,14; Ez 28,2; 2 Thess 2,4 3,19 2,7; Ps 90,3; Koh 3,20-21 S
M:/Buch/bibel/1619_e100/umbruch/altes-testa/01mose.3d***10.2.2014***17:0:3 Format: A4 596 x 842 pts Original: 459.212 x 668.976 pts *setpagedevice*
1 MOSE/GENESIS 3.4 24 So
c AT 8
trieb Gott, der HERR, die Menschen hinaus und stellte östlich von Eden die Keruben* und das flammende Schwert als Wächter auf. Niemand sollte zum Baum des Lebens gelangen können. Der Bruder erhebt sich gegen den Bruder Adam schlief mit seiner Frau Eva, a und sie wurde schwanger. Sie brachte einen Sohn zur Welt und sagte: »Mit Hilfe des HERRN habe ich einen Mann hervorgebracht.« b Darum nannte sie ihn Kain. 2 Später bekam sie einen zweiten Sohn, den nannte sie Abel. Abel wurde ein Hirt, Kain ein Bauer. 3 Einmal brachte Kain von seinem Ernteertrag dem HERRN ein Opfer. 4 Auch Abel brachte ihm ein Opfer; er nahm dafür die besten von den erstgeborenen Lämmern seiner Herde. c Der HERR blickte freundlich auf Abel und sein Opfer, 5 aber Kain und sein Opfer schaute er nicht an. Da stieg der Zorn in Kain hoch und er blickte finster zu Boden. 6 Der HERR fragte ihn: »Warum bist du so zornig? Warum starrst du auf den Boden? 7 Wenn du Gutes im Sinn hast, kannst du den Kopf frei erheben; aber wenn du Böses planst, lauert die Sünde vor der Tür deines Herzens und will dich verschlingen. Du musst Herr über sie sein!« 8 Kain aber sagte zu seinem Bruder Abel: »Komm und sieh dir einmal meine Felder an!« d Und als sie drauûen waren, fiel er über seinen Bruder her und schlug ihn tot. 9 Der HERR fragte Kain: »Wo ist dein Bruder Abel?« »Was weiû ich?«, antwortete Kain. »Bin ich vielleicht der Hüter meines Bruders?« e 10 »Weh, was hast du getan?«, sagte der HERR. »Hörst du nicht, wie das Blut deines Bruders von der Erde zu mir schreit? 11 Du hast den Acker mit dem Blut deines Bruders getränkt, deshalb stehst du unter einem Fluch und musst das fruchtbare Ackerland verlassen. 12 Wenn du künftig den Acker bearbeitest, wird er dir den Ertrag verweigern. Als heimatloser Flüchtling musst du auf der Erde umherirren.« 13 Kain sagte zum HERRN: »Die Strafe ist zu hart, das überlebe ich nicht! 14 Du vertreibst
4
7
mich vom fruchtbaren Land und aus deiner schützenden Nähe. Als heimatloser Flüchtling muss ich umherirren. Ich bin vogelfrei, jeder kann mich ungestraft töten.« 15 Der HERR antwortete: »Nein, sondern ich bestimme: Wenn dich einer tötet, müssen dafür sieben Menschen aus seiner Familie sterben.« Und er machte an Kain ein Zeichen, damit jeder wusste: Kain steht unter dem Schutz des HERRN. 16 Dann musste Kain aus der Nähe des HERRN weggehen. Er wohnte östlich von Eden* im Land Nod. f Kulturentwicklung und menschliche Überheblichkeit 17 Kain schlief mit seiner Frau, da wurde sie schwanger und gebar einen Sohn: Henoch. Danach gründete Kain eine Stadt und nannte sie Henoch nach dem Namen seines Sohnes. 18 Henochs Frau gebar ihm einen Sohn: Irad. Dieser Irad zeugte Mehuja l, Mehuja l zeugte Metuscha l, und Metuscha l zeugte Lamech. 19 Lamech nahm sich zwei Frauen: Ada und Zilla. 20 Ada gebar ihm Jabal; von dem stammen alle ab, die mit Herden umherziehen und in Zelten wohnen. 21 Sein jüngerer Bruder war Jubal, von dem kommen die Zither- und Flötenspieler her. 22 Auch Zilla gebar einen Sohn: Tubal-Kain. Er wurde Schmied und machte alle Arten von Waffen und Werkzeugen aus Bronze und Eisen. Seine Schwester war Naama. 23 Lamech sagte zu seinen Frauen: »Ihr meine Frauen, Ada, Zilla, hört! Passt auf, wie Lamech sich sein Recht verschafft: g Ich töte einen Mann für meine Wunde und einen Jungen, wenn mich jemand schlägt! 24 Ein Mord an Kain ± so hat es Gott bestimmt ± verlangt als Rache sieben Menschenleben; für Lamech müssen siebenundsiebzig sterben!« Ersatz für Abel schlief wieder mit Eva, und sie gebar noch einmal einen Sohn. Sie nannte ihn Set, denn sie sagte: »Gott hat mir wieder einen Sohn
25 Adam
a schlief mit ...: wörtlich erkannte Eva, seine Frau; ebenso in den Versen 17 und 25. Das hebräische Wort bedeutet »erkennen/kennenlernen« in der persönlichen Begegnung. Zu Adam siehe Anmerkung zu 3,17. b hervorgebracht: oder erworben. Im Hebräischen ein Wortspiel mit dem Namen Kain. Abel (Vers 2) bedeutet »Windhauch, Flüchtigkeit«. Mit Hilfe des HERRN: Deutung unsicher. c Oder er nahm die fetten Stücke von den erstgeborenen ... d »Komm und sieh ...«: mit alten Übersetzungen; in H fehlt der Satz. e Hüter: Anspielung auf den Hirtenberuf des Bruders. f Nod klingt wie das hebräische Wort für »ruhelos«. g wie Lamech ...: verdeutlichender Zusatz; H (Passt auf) auf meine Rede. 4,4 Hebr 11,4 4,10 Ijob 16,18 S; Hebr 12,24 4,23 Ex 21,23-25 4,24 Mt 18,22
M:/Buch/bibel/1619_e100/umbruch/altes-testa/01mose.3d***10.2.2014***17:0:3 Format: A4 596 x 842 pts Original: 459.212 x 668.976 pts *setpagedevice*