Skip to main content

080946

Page 1

BasisBibel Auslese

Deutsche Bibelgesellschaft


www.basisbibel.de BasisBibel.Auslese Š 2015 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart ISBN: 978-3-438-00946-3 Umschlaggestaltung: gobasil GmbH, Hamburg Satz: Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Gesamtherstellung: CPI – Clausen & Bosse, Leck Alle Rechte vorbehalten Printed in Germany 5.2015


Vorwort

E

ine »Auslese« verspricht immer einen besonderen Genuss: ein Prädikatswein, handgemachte PralinéKreationen oder eben eine Auswahl besonderer Texte. Eine solche Auswahl ist die vorliegende »BasisBibel. Auslese«. Sie lädt ein zu einer spannenden Lesereise durch die Bibel. 40 Texte aus dem Alten und Neuen Testament wurden dafür zusammengestellt. Sie spannen den Bogen von der ersten bis zur letzten Seite der Bibel − von der Erschaffung der Welt bis zur Vision von ihrer endgültigen Vollendung in einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Die Texte spiegeln die thematische wie literarische Vielfalt der Bibel wider. Zum Teil sind es bekannte, zum Teil aber auch weniger bekannte Abschnitte: Hier lesen Sie die Geschichte von Adam und Eva, von der dramatischen Flucht der Israeliten aus Ägypten oder von dem Propheten Jona und seiner Seefahrt im Bauch eines großen Fischs. Sie erfahren von Jesus, seiner wundersamen Geburt, seinen vielfältigen Begegnungen mit den Menschen, seinem Tod und seiner Auferstehung, die den Sieg über den Tod bedeutet. Sie begegnen Texten, die Teil der Weltliteratur geworden sind – den Gebeten der Psalmen, die das ganze Menschenleben mit all seinen hellen und dunklen Seiten vor Gott bringen, der Liebeslyrik des Hohenlieds oder der Bergpredigt Jesu mit ihrer Forderung nach einem zutiefst humanen Umgang aller Menschen miteinander. Sie tauchen ein in die Geschichte der ersten Christen mit all ihren Fragen, ihrer Gefährdung und der Stärkung, die sie immer wieder erleben ... Neugierig geworden? Dann kommen Sie mit auf die »Auslesetour« durch die Bibel. Von ihrer Länge her

5


eignen sich die Texte gut als Leseportionen für jeweils einen Tag. Jeder Einheit ist eine kurze Einleitung vorangestellt, die Ihnen beim Einstieg hilft. Begriffe aus der biblischen Welt, über die Sie gern mehr wissen möchten, werden direkt beim Text erklärt. Weitere Materialien gibt es im Internet: Die Seitenzahlen im Buch sind als Internet-Kurzadresse gestaltet. In Ihren Browser eingegeben, führen sie unmittelbar zu der dem Buch entsprechenden Seite im Web. Dort finden Sie eine Fülle an zusätzlichen Hintergrundinformationen, die Ihnen die faszinierende Welt der Bibel erschließen. Viel Freude beim Leseerlebnis mit der »BasisBibel. Auslese« wünscht Ihnen mit dem gesamten Team der BasisBibel-Übersetzerinnen und Übersetzer bei der Deutschen Bibelgesellschaft

Dr. Hannelore Jahr Leiterin Lektorat/Übersetzung

6


Einführung: Die Bibel

D

ie Bibel ist das Buch, das alle Christen der Welt miteinander verbindet. Man nennt sie auch das Buch der Bücher. Denn die Bibel besteht genau genommen aus einer Sammlung von Schriften, die in einem Zeitraum von ca. 1000 Jahren entstanden sind, zwischen 800 v. Chr. bis 200 n. Chr. Sie umfasst 39 Schriften des Alten Testaments und 27 Schriften des Neuen Testaments. Das Alte Testament gliedert sich in drei Teile: Die erzählenden Bücher handeln von der Geschichte Gottes mit Israel seit Beginn der Welt bis in die Zeit des frühen Judentums. Die poetischen Bücher bieten Lieder, Gebete, Sprichwörter und Lehrschriften, die einen Einblick in das persönliche Gespräch zwischen Mensch und Gott geben. Die prophetischen Bücher sprechen vom Gericht Gottes und von einer Zukunft, in der Frieden ist und Gerechtigkeit herrscht. Das Neue Testament gliedert sich ebenfalls in drei Teile: Die erzählenden Bücher bestehen aus den vier Evangelien und der Apostelgeschichte. Sie erzählen die Geschichte von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, von seinem Tod und seiner Auferstehung, sowie von der Entstehung der ersten christlichen Gemeinden in Kleinasien und Europa. Die Briefe geben einen Einblick in das Leben dieser Gemeinden und in die Fragen, die sie beschäftigt haben. Das prophetische Buch ist die Offenbarung des Johannes, die durch die Schrecken der Zeit hindurch auf das Werden eines neuen Himmels und einer neuen Erde vorausschaut. Es bildet den Schluss der christlichen Bibel. Die frühen Christen haben zwei wichtige Entscheidungen getroffen. Sie haben die Schriften des Alten

7


Testaments als einen unverzichtbaren Teil der christlichen Bibel beibehalten und sie haben das Neue Testament nicht vor, sondern hinter die Bücher des Alten Testaments gestellt. Dadurch wird sichtbar, dass das Alte Testament die Grundlage ist, auf der das Neue Testament aufbaut. Die christlichen Kirchen haben die alttestamentlichen Schriften mit dem Judentum gemeinsam. Bezieht man sich auf die Heilige Schrift des Judentums, spricht man nicht vom Alten Testament, sondern von der Hebräischen Bibel. In ihr gilt der hebräische Gottesname »Jahwe« als heilig. Er wird mit den vier Buchstaben JHWH geschrieben und als »Adonaj« gelesen (das heißt übersetzt: Herr). Dieser Tradition folgen auch deutsche Bibelübersetzungen, indem sie den hebräischen Gottesnamen durch die vier Buchstaben Herr wiedergeben. Das bedeutet: An allen Stellen, an denen Herr in dieser besonderen Schriftart gedruckt ist, steht ursprünglich der hebräische Gottesnamen, der im Judentum nicht ausgesprochen wird. Die Bibel ist das meistgedruckte und -verbreitete Buch der Welt und in ca. 500 verschiedene Sprachen übersetzt. Sie ist nicht nur ein christliches Buch, sondern ein Buch des Lebens. Die Bibel kann von allen Menschen gelesen werden, unabhängig davon, ob sie der Kirche nahe- oder fernstehen. Viele Menschen beziehen aus den biblischen Texten Kraft und Mut, um ihre so unterschiedlichen Herausforderungen im Alltag zu bestehen.

8


Inhalt Altes Testament 1 Gott erschafft die Welt  13 2 Adam und Eva  18 3 Die ersten Tage der Menschheit  22 4 Mose wird geboren  25 5 Gott führt Israel aus Ägypten  28 6 Die Zehn Gebote  33 7 Israel tanzt um das goldene Kalb  38 8 Israel zieht durch die Wüste  42 9 Das verheißene Land  47 10 Simson und Delila  50 11 David und Goliat  55 12 Der Prophet Elija  60 13 Hiob muss leiden  67 14 Die Psalmen – Klage, Lob und Dank  74 15 Nachdenken über Gott und die Welt  80 16 Das Hohelied – Liebeslieder der Bibel  86 17 Trostworte im Buch des Propheten Jesaja  91 18 Zeichenhandlungen des Propheten Jeremia  95 19 Visionen des Propheten Amos  102 20 Jona und die Barmherzigkeit Gottes  105 Neues Testament 21 Weihnachten – Jesus wird geboren  113 22 Jesus wird im Jordan getauft  118 23 Die Bergpredigt  123 24 Gleichnisse vom Himmelreich  130 25 Jesus heilt Menschen  135 26 Jesus ruft zur Nachfolge  140 27 Jesus diskutiert mit Gegnern  145 28 Vom Vater und seinen zwei Söhnen  149 29 Die Auferweckung des Lazarus  152 30 Das letzte Abendmahl  155 31 Passion – Jesus wird verhaftet und verurteilt  160 32 Passion – Jesus wird gekreuzigt und begraben  166

9


33 34 35 36 37 38 39 40

Ostern – Jesus lebt  171 Pfingsten – Gott schenkt den Heiligen Geist  175 Paulus unterwegs in Griechenland  180 Der Brief an die Gemeinde in Rom  185 Von Liebe, Tod und Auferstehung  192 Leben aus der Kraft des Geistes  198 Ermutigung aus dem Gefängnis  201 Himmel und Erde werden neu  206

Anhang Landkarten  214 Epochen der Geschichte Israels  216 Bibelstellenverzeichnis  217 Übersetzungs- und Redaktionsteam  220

10


Altes Testament


1

Gott erschafft die Welt 1. Mose/Genesis 1,1–2,4

Am Anfang der Bibel steht die Schilderung von der Erschaffung der Welt durch Gott. Wie die Strophen eines Gedichtes schreitet sie von Station zu Station. Zunächst herrscht nur finsteres Chaos. Gott bringt Licht in die Dunkelheit und ordnet das Durcheinander. Wie ein Baumeister gestaltet er durch sein Wort und sein Tun einen Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen. Der biblische Bericht, der vor 2500 Jahren entstanden ist, stellt keine wissenschaftliche Dokumentation dar, sondern bezeugt, dass die Welt Gottes Schöpfung ist. In ihm kommen Bewunderung und Staunen über die Vielfalt und Ordnung des Geschaffenen zum Ausdruck, aber auch Dankbarkeit, in dieser wunderbaren Welt leben zu dürfen. Gegliedert ist der Bericht in Tagesabschnitte, die auf den siebten Tag als Ziel und Höhepunkt zulaufen: An diesem Tag hat Gott seine Schöpfung vollendet und ruht sich von seiner Arbeit aus. Gott segnet den siebten Tag und erklärt ihn für heilig. Auch die Menschen sollen am siebten Tag ihre Arbeit ruhen lassen und der Natur eine Erholungspause gönnen. Deshalb feiern die Juden den Sabbat und die Christen den Sonntag als einen Tag der Arbeitsruhe.

Die Erschaffung der Welt 1  Am Anfang erschuf Gott den Himmel und die Erde. 2  Die Erde war noch wirr und leer, und Dunkelheit herrschte über dem Urmeer. Aber Gottes Geist schwebte über dem Wasser. 3  Da sprach Gott: »Licht soll entstehen!« Und es entstand Licht. 4  Und Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott trennte das Licht von der Dunkelheit. 5  Er nannte das Licht »Tag« und die Dunkelheit »Nacht«. Es wurde Abend und wieder Morgen – ein Tag.

1

_Himmel und Erde: Bezeichnet die ganze Welt. _Urmeer: Wasser, das vor der Schöpfung die ganze Erde bedeckte. Es steht für das Chaos, das Gott bei der Erschaffung der Welt in seine Schranken weist.

basisbibel.de/al_13


1. Mose/Genesis _Dach: Gemeint ist eine Art Platte, die auf den Bergen am äußeren Rand der Erde aufliegt. Sie bildet den Boden des Himmels bzw. das Dach der Welt. _Und so geschah es: In der griechischen Übersetzung steht der Satz an dieser Stelle. Im hebräischen Text folgt er am Ende von Vers 7. _anzeigen: Der Lauf der Gestirne bestimmt den Kalender.

6  Und Gott sprach: »Ein Dach wölbe sich mitten im Urmeer! Es soll das Wasser darunter von dem Wasser darüber trennen!« Und so geschah es. 7 Gott machte das Dach und trennte das Wasser darunter von dem Wasser darüber. 8  Gott nannte das Dach »Himmel«. Es wurde Abend und wieder Morgen – ein zweiter Tag. 9 Und Gott sprach: »Das Wasser unter dem Himmel soll sich in einem Becken sammeln! Das feste Land soll sichtbar werden!« Und so geschah es. 10  Gott nannte das feste Land »Erde« und das Wasser »Meer«. Und Gott sah, dass es gut war. 11  Und Gott sprach: »Die Erde soll Pflanzen sprießen lassen, Gewächse, die Samen tragen. Sie soll auch Bäume hervorbringen mit eigenen Früchten und Samen in den Früchten!« Und so geschah es. 12  Die Erde brachte Pflanzen hervor, Gewächse mit ihren eigenen Samen. Und sie ließ Bäume wachsen mit eigenen Früchten und Samen in den Früchten. Und Gott sah, dass es gut war. 13  Es wurde Abend und wieder Morgen – ein dritter Tag. 14  Und Gott sprach: »Lichter sollen am Himmel erscheinen, um Tag und Nacht voneinander zu trennen! Sie sollen auch die Festtage und den Lauf der Tage und Jahre anzeigen!

basisbibel.de/al_14


1  Gott erschafft die Welt

15  Als Leuchten sollen sie am Himmel stehen und der Erde Licht geben!« Und so geschah es. 16  Gott machte zwei große Lichter. Das größere Licht sollte den Tag beherrschen und das kleinere die Nacht. Und er machte auch die Sterne. 17 Gott befestigte sie am Himmel, um der Erde Licht zu geben. 18  Am Tag und in der Nacht sollten sie herrschen und das Licht von der Dunkelheit trennen. Und Gott sah, dass es gut war. 19 Es wurde Abend und wieder Morgen – ein vierter Tag.

_zwei große Lichter: Sonne und Mond. _Vögel: Gemeint sind alle fliegenden Lebewesen, von Insekten bis hin zu Fledermäusen.

20  Und Gott sprach: »Das Wasser soll von Lebewesen wimmeln! Zwischen Himmel und Erde sollen Vögel fliegen!« 21  Gott schuf die großen Meerestiere und alle Arten von Lebewesen, von denen das Wasser wimmelt. Und er schuf alle Arten von Vögeln. Und Gott sah, dass es gut war. 22  Und Gott segnete sie: »Seid fruchtbar, vermehrt euch und füllt das ganze Meer! Auch ihr Vögel sollt zahlreich werden auf der Erde!« 23  Es wurde Abend und wieder Morgen – ein fünfter Tag. 24  Und Gott sprach: »Die Erde soll Lebewesen hervorbringen: alle Arten von Vieh, alles, was auf ihr kriecht und krabbelt, und alle wilden Tiere!« Und so geschah es. 25  Gott machte die wilden Tiere und das Vieh und alles, was sich am Boden bewegt. Er machte sie alle nach ihrer eigenen Art. Und Gott sah, dass es gut war.

basisbibel.de/al_15


1. Mose/Genesis _uns: Gott wendet sich hier an die himmlische Ratsversammlung. _Ebenbild: Damit wird gesagt, dass die Menschen als Gottes Stellvertreter auf der Erde geschaffen werden. _Segen, segnen: Besondere Zuwendung Gottes zu seinen Geschöpfen. Er schenkt ihnen damit Kraft, Leben und Wohlergehen. _er ruhte: Mit dieser Aussage wird in den Zehn Geboten das Gebot begründet, den Ruhetag einzuhalten, vgl. 2. Mose/Exodus 20,8-11.

26  Und Gott sprach: »Lasst uns Menschen machen! Unser Ebenbild, uns gleich sollen sie sein! Herrschen sollen sie über die Fische im Meer und über die Vögel in der Luft! Sie sollen Macht haben über das Vieh und über die ganze Erde. Und sie sollen über alles gebieten, was sich am Boden bewegt.« 27 Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild. Als Gottes Ebenbild schuf er sie. Er schuf sie als Mann und Frau. 28  Gott segnete sie und sprach zu ihnen: »Seid fruchtbar und vermehrt euch! Bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz! Herrscht über die Tiere im Meer und in der Luft! Bestimmt über das Vieh und alles Getier am Boden!« 29 Und Gott sprach: »Als Nahrung gebe ich euch alle Pflanzen auf der Erde, die Samen hervorbringen. Dazu alle Baumfrüchte, die Kerne enthalten. 30  Die grünen Pflanzen sollen Futter für die Tiere sein. Alle Tiere auf der Erde und alle Vögel in der Luft sollen sie fressen. Ebenso sind sie Futter für alles, was am Boden kriecht und krabbelt.« Und so geschah es. 31  Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte. Und siehe, es war alles sehr gut. Es wurde Abend und wieder Morgen – der sechste Tag.

2

1  So wurden Himmel und Erde vollendet

mit allem, was darin ist.

2  Am siebten Tag vollendete Gott seine Werke,

die er gemacht hatte. An diesem Tag ruhte er aus von all seiner Arbeit, die er getan hatte.

basisbibel.de/al_16


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook