BasisBibel Auslese Gospel Bibeltexte und Impulse
Deutsche Bibelgesellschaft
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Empfehlung der EKD zur BasisBibel Die Lutherbibel 2017 ist die vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für den kirchlichen Gebrauch empfohlene Übersetzung. In Ergänzung dazu empfiehlt der Rat der EKD die BasisBibel als gut lesbare Bibelübersetzung insbesondere zur Erstbegegnung mit der Bibel und im Bereich der Arbeit mit Kindern, Konfirmanden und Jugendlichen.
BasisBibel. Auslese Gospel ISBN 978-3-438-00929-6 © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Satz: Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Druck- und Bindearbeiten: XXX,XXX Printed in XXXXX
Über die Deutsche Bibelgesellschaft Die Deutsche Bibelgesellschaft ist eine kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts. Sie übersetzt die biblischen Schriften, entwickelt und verbreitet innovative Bibelausgaben und eröffnet für alle Menschen Zugänge zur Botschaft der Bibel. International verantwortet sie die wissenschaftlichen Bibelausgaben in den Ursprachen. Durch die Weltbibelhilfe unterstützt sie in Zusammenarbeit mit dem Weltverband der Bibelgesellschaften (United Bible Societies) weltweit die Übersetzung und Verbreitung der Bibel, damit alle Menschen die Bibel in ihrer Sprache lesen können. Weitere Informationen finden Sie unter www.die-bibel.de
Alle Rechte vorbehalten 10.2021
Einführung
Spirituals, Gospels und die Bibel »Go down, Moses«, »Swing low, sweet chariot« oder »Rock my Soul«: Viele traditionelle Spirituals gehören heute ganz selbstver ständlich zum musikalischen Grundwortschatz – ebenso später entstandene Gospelsongs wie »Oh happy day«. Mit ihren eingängi gen Melodien und Rhythmen sind diese Lieder schnell gelernt und laden zum Mitsingen ein. Dabei liegt die Entstehung vieler dieser Lieder im Dunkel: im Dun kel der Sklaverei, die in den amerikanischen Südstaaten seit dem 17. Jahrhundert eine wenig hinterfragte Säule des Wirtschafts lebens war. Die Sklaven wurden aus verschiedenen Ländern West afrikas verschleppt und wie eine Ware weiterverkauft. Diese Praxis ließ sich leichter legitimieren, wenn man die afrikanischen Sklaven nicht als Menschen betrachtete, sondern eher als eine Art Arbeits tier; die Lebensbedingungen der »farm hands« waren meist ent sprechend unmenschlich. Die nicht zu überhörende Musikalität der Sklaven spielte dabei eine zwiespältige Rolle: Wenn sie zur Steigerung der Arbeitsleistung auf den Baumwollfeldern beitrug oder zum abendlichen Amüsement der Plantagenbesitzer, war sie wohlgelitten. Die für die weißen Herrschaften fremdartigen Rhythmusinstrumente wurden den Sklaven aber weggenommen – man befürchtete, sie könnten sich damit geheime Botschaften übermitteln. Wie die spätere Geschichte zeigen sollte, war diese Befürchtung durchaus berechtigt: Manche der »Slave Songs« oder »Negro Spi rituals« hatten einen doppelten Boden. Als sich im 19. Jahrhun dert mit der sogenannten »Underground Railroad« ein System aus Fluchthelfern, sicheren Stationen und Routen entwickelte, dienten manche Lieder als Signalgeber für bevorstehende Fluchtmöglich keiten, für sichere Flussübergänge und verlässliche Wegweiser. In Liedern wie »Go down, Moses« oder »Wade in the water« verban den Flüchtlinge von den Plantagen ihr Schicksal mit dem der bibli schen Israeliten und mit deren Weg in die Freiheit.
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Einführung Wie kam es aber überhaupt zu all diesen biblisch inspirierten Lie dern? Wie dazu, dass die aus Afrika stammenden, religiös völlig anders geprägten Sklaven den christlichen Glauben ihrer weißen Herrschaften übernahmen? Auch hier liegt vieles im Dunkel der Geschichte verborgen, und vie les mag von Plantage zu Plantage unterschiedlich verlaufen sein. Die westafrikanische Sitte, während eines Aufenthalts außerhalb der Heimat auch für die Verehrung der dortigen Götter offen zu sein, mag dabei ebenso eine Rolle gespielt haben wie die Vermu tung der weißen Herren, der christliche Glaube mit seinen oft nicht sehr freiheitsorientierten Aussagen über Sklaven (z. B. Kol 3,22ff; 1 Tim 6,1f) werde dabei helfen, die Arbeiter zu disziplinieren. Der entscheidende Funke wird aber bei den »Camp Meetings« der großen Erweckungsbewegungen ab Mitte des 18. Jahrhunderts übergesprungen sein. Die christliche Aufbruchsstimmung dieser Zeit erfasste Weiße und Farbige gleichermaßen – oder vielleicht muss man eher sagen, Weiße und Farbige durften gleichermaßen an den »Camp Meetings« teilnehmen (wenn auch oft in getrennten Zelten). In der religiös und emotional aufgeladenen Atmosphäre dieser Treffen, zu denen oft hunderte Menschen zusammenkamen, traf biblische Verkündigung auf eine Form musikalischer Aneig nung, die unter den oft illiteraten Sklaven »An-Eignung« im buch stäblichen Sinne war: Das gepredigte Wort wurde oft noch in der Predigt, als deren selbstverständliche Fortsetzung, zu Refrains und Liedversen. Dabei musste nicht einmal der Prediger Vorsänger sein; die gängige Praxis des »Moaning«, mit dem die Gemeinde die Ver kündigung ohnehin begleitete, konnte nicht nur in gesprochene Worte übergehen, sondern auch in gesungene. Es ist oft diskutiert worden, ob Gospels und Spirituals eher eine schwarze oder eine weiße »Erfindung« sind, und wie hoch die An teile der jeweils mitgebrachen Musiktraditionen – afrikanisch auf der einen, europäisch auf der anderen Seite – zu gewichten sind. Aber muss man etwas Lebendiges sezieren, um es zu verstehen? Während der Camp Meetings wird vieles in der Luft gelegen haben, die emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten afrikanischer Rhythmik und Melodik ebenso wie die Melodien der oft aus England stam menden Kirchenlieder der weißen Bevölkerung. Was davon auf welche Weise Eingang in die neuen Lieder gefunden hat, mag man unterschiedlich veranschlagen. Fest steht aber, dass etwas Neues 6
Einführung entstanden ist, und dass dieses Neue nicht entstanden wäre, hät ten die afrikanischen Sklaven nicht ihre Musik mitgebracht in die Neue Welt, die sie oft so unbarmherzig behandelt hat. Die Lieder, die wir heute Spirituals und Gospels nennen, sind oft nicht nur ge lebter Glaube, sondern auch erlittener Schmerz – und werden nicht zuletzt dabei geholfen haben, die andauernden Demütigungen und Misshandlungen der Sklavinnen und Sklaven zu ertragen. Aber mehr als das: Sie sind auch ein bleibendes Zeugnis dafür, dass die nach Amerika verschleppten Afrikaner Menschen waren und keine Arbeitstiere. Menschen, die unter unmenschlichen Bedingungen dazu in der Lage waren, eine solche Kulturleistung zu vollbringen – und damit auch die Bibel weiterzugeben, ohne dass dazu Lesen und Schreiben nötig gewesen wären, und mit der Bibel und Gott als le bendigem Gegenüber zu leben. Diese Lebendigkeit macht sich bis heute bemerkbar, wenn wir Gos pels und Spirituals hören und singen. Wie auch biblische Geschich ten, Persönlichkeiten und Worte in diesen Liedern lebendig sind, soll die folgende Auslese biblischer Texte zeigen.
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Inhalt Auch im deutschsprachigen Raum werden Spirituals und Gospels meist auf Englisch gesungen. Das Inhaltsverzeichnis greift darum überwiegend englische Formulierungen auf, die aus diesen Liedern geläufig sind.
Altes Testament 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
He’s got the whole world in His hands The tree of life 17 Tell me who built the Ark 23 Father Abraham 27 Climbing Jacob’s Ladder 30 Go down, Moses 34 Wade in the water 37 River Jordan, Canaan’s shore 42 Zion, Beulah, Promised Land 45 Joshua fit the battle of Jericho 49 Little David, play on your harp! 52 God told Hezekiah 61 Is there a balm in Gilead? 64 Ezechiel saw the wheel 66 The Chariot comes 71 Motive aus den Psalmen 74 Didn’t my Lord deliver Daniel? 76 A handwriting on the wall 81 Jonah in the belly of a whale 86 War no more 90
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Neues Testament 21 22 23 24 25 26 27
The Holy Babe 95 Jesusworte 99 The lonesome valley 105 Jesus washed my sins away Poor man Lazarus 111 Mary and Martha 114 Peter go! 119
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Inhalt 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40
Were you there when they crucified my Lord? The angel rolled the stone away 126 Paul and Silas 128 Soldiers of the cross 131 My Father’s children 133 Done with the troubles of the world 136 Weitere Motive aus den Briefen des Neuen Testaments 139 John the Regulator 142 Starry crown 146 The Lamb 148 Trumpet sound 151 Great Day 154 The yonder city 157
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Anhang Texte der Gospels und Spirituals 163 Register der Gospels und Spirituals 193 Literaturhinweise 195
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Altes Testament
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He’s got the whole world in His hands 1. Mose/Genesis 1,1‒2,4
Von der Erschaffung der Welt erzählen Spirituals und Gospels nur selten. So richtig interessant wird es doch erst, als die Menschen erschaffen werden – denn mit ihnen, all den bibli schen Geschöpfen mit ihren guten und schweren Erfahrungen, wissen sich die Sängerinnen und Sänger der Spirituals in ganz unmittelbarer, unverstellter Gemeinschaft. Zu dieser Weltsicht gehört auch die Überzeugung: Alle Menschen, die biblischen und die gegenwärtigen, und die ganze Welt um sie herum, Sonne, Mond und Sterne, all das steht in Gottes Hand. »He’s got the whole world in His hands.«
Die Erschaffung der Welt
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Am Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. 2 Die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag über dem Urmeer. Über dem Wasser schwebte Gottes Geist. 3 Gott sprach: »Es soll Licht werden!« Und es wurde Licht. 4 Gott sah, dass das Licht gut war, und Gott trennte das Licht von der Finsternis. 5 Er nannte das Licht »Tag« und die Finsternis »Nacht«. Es wurde Abend und wieder Morgen – der erste Tag. 1
Gott sprach: »Ein Dach soll sich wölben mitten im Urmeer! Es soll das Wasser darunter von dem Wasser darüber trennen.« Und so geschah es. 7 Gott machte das Dach und trennte das Wasser unter dem Dach von dem Wasser über dem Dach. 8 Gott nannte das Dach »Himmel«. Es wurde Abend und wieder Morgen – der zweite Tag. 6
Himmel und Erde: Be- zeichnet die ganze Welt. Urmeer: Wasser, das am Anfang die ganze Erde bedeckte. Es steht für das Chaos, das Gott bei der Erschaffung der Welt in seine Schranken weist. Geist Gottes: Kraft, durch die Gott in der Welt wirkt. Dach: Meint eine Art Platte, die auf den Ber- gen am äußeren Rand der Erde aufliegt. Sie bildet den Boden des Himmels und gleichzei- tig das Dach der Erde.
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1 He’s got the whole world in His hands zwei große Lichter: Meint Sonne und Mond.
Gott sprach: »Das Wasser unter dem Himmel soll sich an einem Ort sammeln, damit das Land sichtbar wird!« Und so geschah es. 10 Gott nannte das Land »Erde« und das gesammelte Wasser »Meer«. Und Gott sah, dass es gut war. 9
Gott sprach: »Die Erde soll frisches Grün sprießen lassen und Pflanzen, die Samen tragen! Sie soll auch Bäume hervorbringen mit eigenen Früchten und Samen darin!« Und so geschah es. 12 Die Erde brachte frisches Grün hervor und Pflanzen, die Samen tragen. Sie ließ auch Bäume wachsen mit eigenen Früchten und Samen darin. Und Gott sah, dass es gut war. 13 Es wurde Abend und wieder Morgen – der dritte Tag. 11
Gott sprach: »Lichter sollen am Himmelsdach entstehen, um Tag und Nacht voneinander zu trennen! Sie sollen als Zeichen dienen, um die Feste, die Tage und Jahre zu bestimmen. 15 Als Leuchten sollen sie am Himmelsdach stehen und der Erde Licht geben.« Und so geschah es. 16 Gott machte zwei große Lichter. Das größere Licht sollte den Tag beherrschen und das kleinere die Nacht. Dazu kamen noch die Sterne. 17 Gott setzte sie an das Himmelsdach, um der Erde Licht zu geben. 18 Sie sollten am Tag und in der Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis trennen. 14
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1 He’s got the whole world in His hands
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Und Gott sah, dass es gut war. Es wurde Abend und wieder Morgen – der vierte Tag.
Gott sprach: »Das Wasser soll von Lebewesen wimmeln, und Vögel sollen fliegen über der Erde und am Himmel!« 21 Gott schuf die großen Seeungeheuer und alle Arten von Lebewesen, von denen das Wasser wimmelt. Er schuf auch alle Arten von Vögeln. Und Gott sah, dass es gut war. 22 Gott segnete sie und sprach: »Seid fruchtbar, vermehrt euch und füllt das ganze Meer! Auch die Vögel sollen sich vermehren auf der Erde!« 23 Es wurde Abend und wieder Morgen – der fünfte Tag. 20
Gott sprach: »Die Erde soll Lebewesen aller Art hervorbringen: Vieh, Kriechtiere und wilde Tiere!« Und so geschah es. 25 Gott machte die wilden Tiere und das Vieh und alle Kriechtiere auf dem Boden. Er machte sie alle nach ihrer eigenen Art. Und Gott sah, dass es gut war.
Vögel: Meint alle fliegen- den Lebewesen, von Insekten bis hin zu Fledermäusen. Segen, segnen: Beson- dere Zuwendung Gottes zu seinen Geschöpfen. Gott schenkt durch sei- nen Segen Leben, Kraft und Wohlergehen. uns: Gott bespricht sich mit der himmlischen Ratsversammlung. Ebenbild: Damit wird ge- sagt, dass die Menschen als Gottes Stellvertreter auf der Erde geschaffen sind.
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Gott sprach: »Lasst uns Menschen machen – unser Ebenbild, uns gleich sollen sie sein! Sie sollen herrschen über die Fische im Meer und die Vögel am Himmel, über das Vieh und die ganze Erde, und über alle Kriechtiere auf dem Boden.« 27 Gott schuf den Menschen nach seinem Bild. Als Gottes Ebenbild schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie. 28 Gott segnete sie und sprach zu ihnen: »Seid fruchtbar und vermehrt euch! 26
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1 He’s got the whole world in His hands
Bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz! Herrscht über die Fische im Meer und die Vögel am Himmel und über alle Tiere, die auf dem Boden kriechen!«
Himmel und Erde: Be- zeichnet die ganze Welt. er ruhte: Mit dieser Aus- sage wird in den Zehn Geboten das Gebot begründet, den Ruhe- tag einzuhalten; vgl. 2. Mose/Exodus 20,8‑11.
Gott sprach: »Als Nahrung gebe ich euch alle Pflanzen auf der Erde, die Samen hervorbringen – dazu alle Bäume mit Früchten und Samen darin. 30 Die grünen Pflanzen sollen Futter für die Tiere sein: für die Tiere auf der Erde, die Vögel am Himmel und alle Kriechtiere auf dem Boden.« Und so geschah es. 31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Abend und wieder Morgen – der sechste Tag. 29
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So wurden Himmel und Erde vollendet mit allem, was darin ist. 2 Am siebten Tag vollendete Gott sein Werk, das er gemacht hatte. An diesem Tag ruhte er aus von all seiner Arbeit, die er getan hatte. 3 Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn zu einem heiligen Tag. Denn an diesem Tag ruhte Gott aus von all seinen Werken, die er geschaffen und gemacht hatte. 4 Das ist die Entstehungsgeschichte von Himmel und Erde: So wurden sie geschaffen. 1
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