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AUSGABE STUTTGART 01/2023
Von der Ukraine nach Deutschland Ein Interview DOSSIER Seite 4 + 5
Unnützes Wissen Warum es trotzdem wichtig ist
Der Wald T E X T A n n e - C h a r l o t t e Haa s
Etwa 32 % der Fläche Deutschlands ist mit Wald bedeckt. Doch unseren Wäldern geht es schlecht. In Deutschland und überall sterben ganze Waldflächen ab. Die Gründe für das Waldsterben: Unter anderem die extreme Trockenheit, die Ausweitung der Landwirtschaft, die Abholzung und die Luftverschmutzung.
W
ir haben unsere Kolleg*innen gefragt: Was bedeutet der Wald für dich? Für einige ist der Wald ein Ort der Ruhe, der Erholung und der frischen Luft. Andere denken dabei an Wandern gehen und Pilze sammeln. In jedem Fall ist der Wald ein Raum, in den Menschen gehen, um die Natur zu genießen: ein Raum, der geschützt werden muss. Denn der Wald ist noch viel mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Was ist ein Wald? Kann jede Gruppe von Bäumen als Wald definiert werden? Nein. Die Fläche der Bäume muss groß genug sein, damit sich ein Waldklima entwickeln kann. Bäume am Straßenrand oder in Parks können also kein Wald sein. Es gibt verschiedene Arten von Wäldern: Urwald, Naturwald und Wirtschaftswald. Ein Urwald ist ein „natürlicher“ Wald, in dem die Pflanzen und Bäume ohne äußere Einwirkung gewachsen sind. Im Gegensatz dazu ist ein Wirtschaftswald ein Wald, in den der Mensch eingreift. Der Mensch kann zum Beispiel das Holz der Bäume als Brennholz nutzen. Dafür werden die Bäume in einem Wirtschaftswald oder Nutzwald regelmäßig gefällt, um das Holz als Rohstoff zu nutzen. Zudem werden neue Bäume gepflanzt und kranke Bäume entfernt. Diese Bearbeitung eines Waldes nennt sich Forstwirtschaft.
WIR ZUSAMMEN Seite 8
I L L U S T R A T I O N M A R I ON B LO M E Y ER
Als Naturwald wird ein ehemaliger Wirtschaftswald bezeichnet, in dem keine Forstwirtschaft mehr betrieben wird. Wenn die Forstwirtschaft in einem Wirtschaftswald beendet wird, kann sich der Wald langsam erholen. So wächst mit der Zeit die Artenvielfalt und der Wald nähert sich immer weiter seiner ursprünglichen, natürlichen Struktur an – er wird zum Naturwald. Warum ist der Wald so wichtig? Wälder besitzen verschiedene Funktionen, die wichtig für das Leben auf der Erde sind. Der Wald hat ein eigenes Mikroklima: Die Blätter von Bäumen bilden ein Dach, das die Sonnenstrahlen abhält. Dank dieses Dachs ist es im heißen Sommer kühler im Wald. Und im Winter, wenn die Temperaturen sinken, sind die Temperaturen im Wald noch angenehm. Der Wald speichert Wasser: Durch Moos und lockere Erde funktionieren Waldböden wie ein Schwamm. Die Waldböden können bis zu 6-mal mehr Wasser speichern als eine Wiese. Diese Schwammfunktion verringert die Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen und sorgt dafür, dass Flüsse kontinuierlich mit Wasser versorgt werden. Die Bäume in den Wäldern erhalten so auch in den trockensten Zeiten ausreichend Wasser. Der Wald reinigt unser Trinkwasser: Ein Wald kann nicht nur eine große Menge Wasser speichern, sondern es auch reinigen. So kann ein Wald eine Stadt mit Trinkwasser versorgen. Zum Beispiel bezieht die Stadt München ihr Trinkwasser fast ausschließlich aus den Quellen und dem Grundwasser der Mangfall und des Loisachtals. Der Wald reinigt unsere Luft: Ein Großteil des Staubs, der sich in der Luft befindet, setzt sich auf den Blättern der Waldbäume ab. Der Regen reinigt sie
und spült den Staub wieder auf den Boden. Wälder, insbesondere tropische Wälder, binden ebenfalls große Mengen an CO2. Diese werden oft als die „Lungen der Erde“ oder „Kohlenstoffsenken“ bezeichnet. Das bedeutet, dass die Wälder mehr Kohlendioxid aufnehmen als sie freisetzen. Die massive Abholzung der Wälder im Amazonasgebiet und in Südostasien für menschliche Aktivitäten hat viele Kohlenstoffsenken zerstört. Der Wald verhindert Erdrutsche und Erosionen: In den Bergen erfüllt der Wald eine besonders wichtige Funktion. Die Wurzeln der Waldbäume stabilisieren den Boden und verhindern Erosionen. Wenn es beispielsweise in den Alpen keine Wälder gäbe, würden starke Regenfälle den Boden aufreißen und ins Tal spülen. Der Wald ist eine große Quelle der biologischen Vielfalt: In den Wäldern gibt es eine große Artenvielfalt. Insgesamt beherbergen Wälder etwa 80 % des Lebens auf der Erde. Unseren Wäldern geht es schlecht Das Jahr 2022 war ein Jahr mit extremer Dürre. In Europa löste die Dürre viele Waldbrände aus. Von Januar bis November gingen in Europa mehr als 785.000 Hektar in Flammen auf. In den letzten 15 Jahren waren es durchschnittlich 317.000 Hektar. Naturkatastrophen wie Waldbrände oder Stürme sind zwar eine der Hauptursachen für den Rückgang der Wälder. Doch der Mensch ist die größte Bedrohung für das Ökosystem Wald. Weltweit werden jedes Jahr 13 Millionen Bäume zerstört. 2022 ist in tropischen Regenwäldern pro Minute eine Fläche in der Größe von 10 Fußballfeldern verschwunden. Die Abholzung für die Landwirtschaft ist ein großes Problem für den Wald. Wir -1-
Menschen essen zu viel Fleisch. Deshalb wird viel Viehfutter benötigt. Dafür wird Soja angebaut. Und für die Sojafelder werden Wälder abgeholzt. Palmöl ist in der Hälfte aller Lebensmittel enthalten. Für das Fett holzen Länder den Regenwald vor allem in Südostasien ab. Durch die Brandrodung werden viele Treibhausgase freigesetzt. Der Lebensraum für viele Tiere verschwindet, die Ökosysteme leiden. Das muss sich ändern, zum Beispiel indem Brachflächen statt Wälder genutzt werden. Im Kampf gegen die Klimakrise spielt der Wald eine große Rolle. Es werden zwar neue Bäume gepflanzt, aber vor allem bestehende Wälder müssen geschützt werden. Rechtlich gesehen können Wälder durch die Einrichtung von Schutzgebieten geschützt werden. In Naturschutzgebieten ist die Abholzung von Wäldern nicht erlaubt. Was können wir tun, um den Wald zu schützen? Wir können sparsam mit Holz und Papier umgehen: Holz wird zum Beispiel für den Hausbau, Paletten, Möbel, Papier, Kartons und Feuerholz verwendet. Holz ist kein endlos verfügbarer Rohstoff. Wir sollten sparsam damit umgehen. Bei Holzprodukten kann man auf das FSC-Siegel achten. Es ist aktuell das beste verfügbare Zertifikat, das zeigt, dass diese Produkte umwelt- und sozialverträglich hergestellt wurden. Wenn es geht, kann man Recyclingpapier kaufen. Gutes Recyclingpapier erkennen wir am Umweltzeichen Blauer Engel. Nachhaltig und lokal konsumieren hilft dem Wald: Weniger Produkte mit Palmöl kaufen, bei Holzmöbeln lieber solche aus heimischen Hölzern nehmen, weniger Verpackungsmüll produzieren ... es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um im Alltag zum Waldschutz beizutragen!
die Abholzung, -en gleichzeitiges Fällen der Bäume oder auf großen Wald- oder Forstdie Entwaldung, -en flächen die Erholung
Erneuerung der körperlichen und psychischen Kräfte
die Einwirkung, -en hier: Einfluss die Artenvielfalt
unterschiedliche Tier-, Pflanzenund Pilzarten
das Moos, Möser
grüne Landpflanzen, die in der Regel kein Stütz- und Leitgewebe ausbilden
das Schwamm, Schwämme
ein Gegenstand aus sehr saugfähigem Material
die Mangfall und die Loisach
2 Flüsse in Bayern
der Kohlenstoff, -e chemisches Element, Bestandteil aller Lebewesen: Diamant, Graphit, Carbon, Kohle das Kohlendioxid, -e farb-, geruch- und geschmackloses Gas, bei der Verbrennung kohlenstoffhaltiger Brennstoffe entsteht CO2 die Erosion, -en
die Landschaft verändert sich durch die zerstörende Wirkung von Wasser, Eis und Wind
die Dürre, -n
ein extremer, über einen längeren Zeitraum, Zustand, in dem weniger Wasser oder Niederschlag verfügbar ist als erforderlich.
in Flammen aufgehen
verbrennen, durch Feuer zerstört werden
die Bedrohung, -en Zeichnen, das eine Gefahr andeutet die Brachfläche, -n ein ungenutztes Grundstück. sparsam sein
hier: darauf achten, so wenig wie möglich zu konsumieren
umwelt- und sozialverträglich herstellen
Produktion von Waren, die die Umwelt und soziale Normen respektieren.
Scanne den QR-Code und höre dir viele Texte aus der ArrivalNews auf deinem Handy an. Jeden Monat kommen neue Texte hinzu soundcloud.com/ arrivalnews