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Andere Zeiten-Magazin 2/2026

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andere zeiten

Magazin zum Kirchenjahr

HIMMELFAHRT

Unendlich wischiwaschi

NEUES WIMMELBILD

Den Sommer entdecken

ANDERS HANDELN

Vom Suchen und Finden

URLAUBSZEIT

Platz für das Glück

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist, als ob man ein Fenster aufgestoßen hätte – die milden Tage kommen! Frisch gemähtes Gras duftet, das Seewasser schmatzt am Steg. Platz für Leichtigkeit: Wir können ziehen lassen, was uns beschwert. Wieder durchblicken. Steine ins Wasser werfen oder sie hüpfen lassen. Momente voller Bewegung ebenso wie Ruhe brauchen wir gerade in Zeiten, die viel von uns fordern. Die Feste dieser Zeit erzählen davon, wie sich Feststehendes löst und Neues möglich wird. In ihrem Text zu Himmelfahrt nimmt uns Linda Giering mit auf einen Grenzgang, bei dem deutlich wird, dass natürliche Grenzen weitaus weniger starr sind, als wir oft glauben. Autor Quinton Ceasar ist in Südafrika aufgewachsen, in einem Land mit vielen Sprachen. Warum wir häufiger auf Menschen hören sollten, die unbequem sind und aus einer brüchigen Erfahrung mit dem Leben sprechen, zeichnet er in seinem Beitrag zu Pfingsten nach. Außerdem geben wir Ihnen eine Kostprobe vom »Brot der Solidarität«, nehmen Sie mit auf eine christlich­jüdische Hochzeit und

haben uns von Expert:innen Tipps für den Umgang mit Erwartungen an die Ferien geholt. Und wir stellen Ihnen unser neues Wimmelbild »Sommer« vor – vielleicht kann das auf längeren Autofahrten für ein bisschen Ablenkung auf der Rückbank sorgen. Vom 13. bis 17. Mai erwarten wir Sie mit einem vielfältigen Programm auf dem Katholikentag in Würzburg. »Hab Mut, steh auf!« lautet das Motto in diesem Jahr. Mut ist nicht angeboren, man kann ihn üben. Ein paar spielerische Vorschläge finden Sie auf den Seiten 14 und 15 in diesem Magazin. Zu unserem Sommergottesdienst kommen wir in diesem Jahr in Eutin, im »Garten am frischen Wasser«, zusammen. Wir laden Sie herzlich ein!

Möge Ihr Sommer voller sonnengesegneter und heiterer Momente sein!

Inhalt

Andere Seiten 3

Viel weiter als gedacht 6

Vereinte Sprachvielfalt 8

Das neue Anders Handeln 11

Augenblick 12

Spiele für Mutige 14

Das Fest des Brotes 16

Vorfreude im Realitätscheck 18

Himmlische Dialekte 20

Endlich! Kolumne 21

Bei uns / Impressum 22

Bestellen 23

Himmelfahrt Wenn Grenzen sich öffnen

Pfingsten Eine heilige Störung

Fronleichnam Alle machen mit

Urlaub Was willst du?

Unser neues Wimmelbild

»SOMMER«

»Für ein Wimmelbild zeichne ich genauso viel wie für ein ganzes Buch«, sagt Stew Wegner, die Illustratorin unseres neuen Wimmelbildes »Sommer«. Und tatsächlich waren ihre Fragen schon in der Entwicklungsphase so detailliert, dass wir unsere Antworten genau überlegen mussten: Welchen Talar trägt die Pastorin, die das Kind im See tauft? Was macht der kleine Engel, der auf all unseren Wimmelbildern zu finden ist? Wie viele Menschen chillen im Boot auf dem See? Was steht beim Sommerfest auf den Tischen? 33 liebevoll illustrierte Szenen sind auf unserem dritten Wimmelbild für Kleinkinder zu entdecken. Nach dem »Advent« und dem »Herbst« freuen wir uns über das »Sommergewimmel«, das alltägliche Szenen mit den Kirchenjahresfesten dieser Zeit verbindet. Es lädt Kinder und Große ein, einander Geschichten zu erzählen. Und wer Lust auf noch mehr Geschichten hat: Mit den Fragen auf der Rückseite kann man die Szenen weiterspinnen. Zudem gelangt man per QR­Code auf unsere Internetseite, wo kleine Episoden kindgerecht die Hintergründe der Kirchenjahresfeste dieser Zeit schildern.

Mit einem Körbchen streife ich durch den Garten und pflücke einen Löwenzahn. Ich zupfe zwei Blättchen von der Brennnessel und vom Gundermann. Die gefiederten Blättchen der Schafgarbe sind noch ganz weich. Erste Blüten sind auch da: Sie sollen in meinem Kräuterstrauß zum Johannistag nicht fehlen. Ebenso Königskerze, wilde Margeriten und Beifuß, die alle ohne mein Zutun ihr Fleckchen im Garten gefunden haben. In den Wiesen hinter unserem Haus wächst sogar Johanniskraut. Sieben bis neun Kräuter gehören in ein Sonnenwendbüschel.

Alle Infos zum Bestellen des neuen Wimmelbildes finden Sie am Ende des Magazins.

Eine Tradition zum Johannistag am 24. Juni, die mir bisher gar nicht vertraut war. Aber weil ich die Fülle der Wildkräuter in meinem Garten lieben gelernt habe, will ich mir so ein Büschel zusammenstellen. Früher wurden diese Kräutersträuße in den Johannisfeuern verbrannt, wohl in der Hoffnung, dass Krankheiten und Unheil abgewendet werden können. Mein Körbchen füllt sich. Ich sammle auch noch fürs Abendessen: Spitzwegerich, Taubnessel, Giersch. Ein Gänseblümchen, Vogelmiere, Wilde Möhre, Beinwell, Knoblauchsrauke, Wegwarte! Alles wird mit dem Wiegemesser klein geschnitten und mit Quark verrührt. Mmmh, wie das duftet. Nach Sommer. Nach Frische. Vielfalt. Sonne. Regen. Segen. kirsten westhuis

Mut ist nichts Lautes, nichts Plötzliches.

Mut ist ein leiser Muskel, den wir täglich trainieren.

Bleiben, wenn Gehen einfacher wäre. Verzeihen, wenn

jede Faser nach Vergeltung schreit. Eine Hand reichen,

trotz Verletzung. mariann edgar budde

Sie kleben miteinander

Während einer Reha auf dem Darß haben sich Eva und Antonia 2024 kennengelernt. Sie könnten vom Alter her Mutter und Tochter sein. Doch sie pflegen eine innige Freundschaft. Beide sind von verschiedenen Krebserkrankungen betroffen. »Wir konnten uns von Anfang über alle Fragen des Lebens austauschen«, sagt Eva. Ein Ausdruck ihrer Nähe ist ihr »Freundinnenbuch«, ein Blankoheft mit 80 Seiten, das zwischen ihren Berliner Wohnorten hin­ und herwandert. Jede behält es für ein paar Wochen zuhause und gestaltet Seiten mit »Schnipselpoesie« – unter anderem mit Wörtern und Bildern aus dem Andere Zeiten-Magazin oder aus dem Anderen Advent. Unmengen von Schnipseln haben sie gesammelt, sortiert in Briefmarkenalben. »Ich warte auf den richtigen Moment zum Kleben, brauche Zeit, Ruhe und einen großen Tisch«, sagt Eva. »Immer wieder bin ich erstaunt, was dabei herauskommt.« Sie lassen Revue passieren, was sie erlebt haben, und geben der anderen etwas zum Schmunzeln und Nachdenken mit. »Auch unsere Dünnhäutigkeit können wir mit niemandem so innig teilen«, sagt Eva. Die kreative Freundschaft gibt Kraft. Weit über die Hälfte der Seiten ist inzwischen mit den fantasievollen Collagen gefüllt. Und was, wenn das Buch mal voll ist? »Das ist ein schwieriges Thema«, sagt Eva und lacht. »Vielleicht fangen wir ein zweites an, dann kann jede eins zuhause behalten.«

Wir feiern Sommergottesdienst am See!

Vom See zieht eine Brise herüber, die mehr als 150 Jahre alten Federbuchen rauschen. Im »Garten am frischen Wasser«, direkt am Großen Eutiner See gelegen, möchten wir Sie mit unserem Andere Zeiten-Sommergottesdienst auf eine Zeit der Erholung einstimmen – ganz egal, ob Sie die Ferien zuhause oder in der Ferne verbringen, ob allein oder in Gemeinschaft. Am Mittwoch, 24. Juni, um 18.30 Uhr möchten wir uns mit Ihnen auf dem Gelände der ehemaligen Landesgartenschau treffen. In malerischer Kulisse möchten wir gemeinsam nachdenken, singen und beten. Bei Regen laden wir Sie in die St.­Michaelis­Kirche in der Schlossstraße ein. Aktuelle Infos finden Sie unter anderezeiten.de/begegnen

Das A und O der Sicherheit

Alpha beruhigt mich. Und manchmal erfreut es mich sogar. (Bei Omega bin ich unentschieden. Chi und Rho sind relevant, sprengen aber mein Zeitbudget.) Mein Interesse für diese Buchstaben des griechischen Alphabets hat jetzt erst mal nichts mit Osterkerzen zu tun oder mit antiken Wandinschriften frühchristlicher Gemeinden, nichts mit Paramenten oder Christusmonogrammen, auf denen die vier Buchstaben an Christus (Chi und Rho), den Herrn über Anfang (Alpha) und Ende (Omega), erinnern, den Ursprung der Schöpfung und das Ziel der Geschichte. An so was denke ich nicht im Alltag, zum Beispiel, wenn es um Alpha geht.

Im Alltag, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit an der Bundeswehrkaserne vorbeikomme und auf dem Schild am Eingang immer noch (die niedrigste) »Gefährdungsstufe: ALPHA« steht, bin ich erleichtert: Dann ist ja alles im olivgrünen Bereich. Und dann radle ich etwas beruhigter weiter. Das ist natürlich naiv, aber das Sicherheitsbedürfnis in diesen verrückten Zeiten lässt einen halt nach so manchem Alpha greifen.

Es soll sogar Menschen geben, die sich inzwischen wieder nach autoritären, machthungrigen, selbstsüchtigen, kooperationsunfähigen Anführern sehnen, nur weil sie hinter solchen Eigenschaften ein Alphamännchen oder ­weibchen vermuten. Das hat sich in der Geschichte meist als die schlechteste Strategie erwiesen, um mehr Ruhe, Verlässlichkeit und Sicherheit ins Leben zu bringen.

Aber ich sollte nicht auf andere zeigen, wenn es um Widersprüchlichkeit geht. Da ist zum Beispiel das Thema Altersvorsorge, bei dem ich mir auch mehr Ruhe, Verlässlichkeit und Sicherheit wünsche. Weil ich theoretisch älter werden könnte, als angeblich rententechnisch gut ist, soll ich ja noch mehr privat vorsorgen. Das sagen jetzt alle. Man treibt uns zum Grasen auf die Kapitalmärkte – dorthin, wo alle grasen. Problem: Um die Aufgabe einer zukunftssicheren privaten Vorsorge zu lösen, muss man sich dabei vom eigenen Sicherheitsbedürfnis verabschieden. Also ins Risiko gehen. Und am besten eine »Überrendite« mit dem Ersparten erzielen. Im Jargon der Finanzmärkte: Ich suche ein positives – da ist es wieder – »Alpha«. Das kann es gelegentlich tatsächlich geben – Ruhe, Verlässlichkeit und Sicherheit aber gerade nicht. Denn ich bin sicher: Die private Altersvorsorge verspricht Sicherheit, entlässt die Menschen aber vor allem mit Sorgen. Mit oder ohne Alpha.

Es ist paradox, aber ich habe den Verdacht, dass das Alpha mit dem geringsten (weltlichen) Sicherheitsund Renditeversprechen (»Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.«) am ehesten in diesen Zeiten Ruhe und Gelassenheit vermitteln kann. Womit wir doch wieder bei der Osterkerze gelandet sind: »In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.«

Auf Alpha stieß axel reimann schon in der Kindheit in der Musik der Popgruppe Alphaville. Inzwischen interessiert er sich altersbedingt auch für Omega­3­Fettsäuren.

Meine engen Grenzen

Manchmal verliere ich am Meer kurz die Orientierung. Wenn bei einem bestimmten Licht an der Nordsee das Watt, das Meer und der Himmel fast die gleiche Farbe haben, erkenne ich den Horizont nicht mehr und weiß nicht, wo die Grenze verläuft zwischen Himmel und Erde. Ich suche dann nach einem Fokuspunkt, an dem ich festmachen kann: ein Boot, eine Insel, eine Möwe in der Luft. Oder ich wandere mit den Augen zurück, bis ich wieder sicher bin, was ich sehe: soliden, festen Grund, auf dem meine Füße stehen.

An Grenzen bin ich gewöhnt. Der klare Raum, den sie abstecken und in den ich meine Erfahrungen und Gedanken einord­

An Himmelfahrt verschwimmen Räume, die wir eigentlich als klar abgetrennt wahrnehmen. Das kann verunsichern – oder den Horizont erweitern. von linda giering

nen kann wie in einen Setzkasten, gibt mir Stabilität und die Vergewisserung, dass ich alles im Griff habe. Ich erkenne mich als Individuum, das sich von anderen unterscheidet. Ich spüre, wo meine persönlichen Grenzen sind, wo meine Komfortzone endet. Manche Barriere kann ich sogar sehen: Mein Bundesland beginnt bei dem Schild an der Straße, das Nachbargrundstück hinter der Buchenhecke und am Ende einer geschriebenen Seite bricht der Text um. Andere sind unsichtbar, aber mir dennoch bewusst: Um 12 Uhr endet der Vormittag, nach der Schul­/Ausbildungs­/ Berufszeit beginnt ein neuer Lebensabschnitt.

Wenn die wohltuende und mir bekannte Ordnung aufgelöst wird, bin ich verunsichert. Jemand steht zu nah hinter mir, Großbritannien gehört auf einmal nicht

Wir verschwimmen permanent ein bisschen mit dem Universum.

mehr zur Europäischen Union, Niederländisch ist nicht Plattdeutsch, Kürbisse sind botanisch gesehen Obst und manche meiner Freunde verlassen zum Arbeiten nie ihre Wohnung. Das ist doch gegen die Re­

Himmelfahrt

Er wird emporgehoben in eine andere Sphäre − in eine Welt, zu der wir Menschen den Blick heben und aus der wir Kraft, Trost und Inspiration aufnehmen können. Die Apostelgeschichte in der Bibel beginnt mit dem Aufstieg Jesu in den Himmel: Nachdem der Auferstandene noch einmal 40 Tage mit seinen Jüngerinnen und Jüngern zusammen gewesen war, gab er ihnen letzten Zuspruch –und »eine Wolke nahm ihn auf und er verschwand«. Man kann die räumliche Entrückung Jesu als eine Metapher lesen, um göttliche Macht auszudrücken, den Triumph über alles, was weltliche Herrscher für sich reklamieren. Ähnliche Erzählungen finden sich etwa auch in griechischen Mythen, im Koran und in der Hebräischen Bibel. Diese Vorstellung birgt eine Glaubensweisheit – und die Hoffnung, dass Jesus und sein rettendes Eintreten für Schwache, Arme und Ausgestoßene fortlebt und wirksam ist.

geln, die ich kenne! Die Verwirrung rüttelt an der Vorstellung von eindeutiger Trennung – und das gibt Raum für Neues. Manche Übergänge sind eben fließend. In einem Video über Quantenphysik erklärt der Moderator Ralph Caspers, dass sogar die Grenzen unseres Körpers eigentlich unscharf sind. Die Atome der äußersten Hautschicht bestehen aus Atomkernen, die von Elektronen umschwirrt werden, bei denen man nie ganz exakt sagen kann, wo genau sie sich gerade befinden, da sie keinen festen Bahnen folgen. Der Autor und Kolumnist Axel Hacke leitet daraus ab, dass wir eigentlich permanent ein wenig mit dem Universum verschwimmen.

Grenzen können also auch wischiwaschi sein. Eigentlich ganz attraktiv, oft wünsche ich mir einen freieren Umgang oder sogar die Aufhebung von Trennlinien, die mir unsinnig oder ausgrenzend erscheinen. Grenzen sind nicht gottgegeben und unverrückbar. Sie können kommuniziert, gedehnt, verschoben, für unsinnig befunden oder als sinnvoll bestätigt werden. Sie lassen Übergänge zu: »Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen« (Psalm 18,30). Sie können verwandelt werden, wenn sie mich auf eine ungute und sinnlose Weise hemmen. »Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht, bringe ich vor dich. Wandle sie in Weite«, heißt es in einem Lied von Eugen Eckert. Grenzen können in Weite verwandelt werden. Gut. Aber dabei brauche ich manchmal Starthilfe.

Eine solche Starthilfe, die meinen Grenzhorizont erweitert, ist für mich die biblische Geschichte von Christi Himmelfahrt (Apostelgeschichte 1). Die scheinbar eindeutige Trennung, die zwischen Himmel und Erde, die ich (außer manchmal am Meer) täglich mit eigenen Augen sehe und die ich immer als logisch und unüberwindbar hingenommen habe, verschwimmt und bricht auf. Bis dahin war in den biblischen Erzählungen zwar ab und zu ein himmlischer Bote auf die Erde

Der Versuch, sich Zugang zum Himmel zu verschaffen, ist eine Geschichte des Scheiterns.

herabgekommen, aber es schien klar, dass der Grenzübergang nur in eine Richtung nutzbar ist: von oben nach unten. Zwar haben Menschen versucht, sich einen Zugang zum Himmel zu verschaffen – davon erzählt der Turmbau zu Babel (1. Mose 11). Doch das ist eine Geschichte des Scheiterns.

Erst mit Christi Himmelfahrt öffnet sich in meinem Kopf die Pforte für uns Irdische. Jesus entschwindet nicht heimlich, sondern weitet die Grenzen der Vorstellung seiner Freunde und Freundinnen. Mit dieser Geschichte im Rücken traue ich mich was, kann gut auch mal fünf gerade sein lassen und hinter eine Buchenhecke schauen. Wer weiß, wer mich dort erwartet!

Auf einer Wanderung im Allgäu entdeckte linda giering viele Grenzsteine auf Weiden und fragte sich, wie viele unsichtbare Grenzen es in ihrem Leben gibt.

Eine heilige

Verständigung ist möglich, ohne dass alle gleich sprechen. Davon erzählt Pfingsten. Doch wie wird ein Miteinander möglich, hier und heute? von quinton ceasar

Südafrika hat zwölf amtliche Sprachen. Wer dort aufwächst, lernt früh: Man versteht nicht jedes Wort – und versteht sich trotzdem. Auf Schulhöfen, im Supermarkt, in Familien – und ja, auch in Kirchen – wechseln Menschen selbstverständlich zwischen Sprachen. Ein Satz beginnt in der einen, endet in der anderen. Und doch kommt an, was gemeint ist.

Erst als ich nicht mehr in dieser Vielstimmigkeit lebte, merkte ich, wie besonders das ist. Verständigung ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist ein Geschenk. Etwas Zerbrechliches. Mehrsprachigkeit war für mich nie ein theologisches Bild, sondern Alltag.

Vielleicht habe ich die Pfingstgeschichte deshalb lange eher verstanden als gespürt. Sie erzählte von etwas, das ich kannte: dass Verständigung möglich ist, ohne dass alle gleich sprechen. Aber sie erzählte auch von einer Kraft, die Unterschiede nicht auslöscht – sondern sie hörbar macht.

Und vielleicht wird Pfingsten genau hier persönlich. Nicht als frommes Symbol, sondern als Erinnerung daran, dass Verständigung Mut braucht. Offenheit. Die Bereitschaft, Kontrolle loszulassen.

Von hier aus schaue ich auf unsere Kirchenfeste –und merke, wie zwiespältig mein Verhältnis zu ihnen ist. Als Pastor lebe ich mit ihnen, gestalte sie, predige darüber. Gleichzeitig erlebe ich, wie viele Menschen – innerhalb wie außerhalb der Kirche –mit diesen Festen wenig anfangen können. Besonders mit Pfingsten.

Weihnachten leuchtet ein: ein Kind, ein Stall, eine Geschichte gegen die Kälte der Welt. Ostern: Leben gegen den Tod. Aber Pfingsten? Eine unsichtbare Geistkraft, die Menschen durcheinanderbringt und zugleich zueinander führt. Vielleicht berührt mich dieses Fest gerade deshalb: weil es von einer Verständigung erzählt, die nicht selbstverständlich ist.

Störung

Pfingsten beginnt für mich dort, wo Worte nicht mehr reichen. Wo unsere Sprache brüchig wird. Wo das Herz voll ist – von Schmerz, Wut, Hoffnung, Sehnsucht – und kein Satz passt. Im Römerbrief heißt es, dass Gottes Geistkraft für uns eintritt –mit einem Seufzen, das keine Worte braucht. Ich mag dieses Bild. Diese Kraft ist keine perfekte Dolmetscherin. Sie ist eher ein Atemholen. Ein Seufzer. Ein erster Laut gegen die Sprachlosigkeit.

Mitten im Miteinander geschieht etwas

Pfingsten wird oft als »Geburtstag der Kirche« bezeichnet. Ein hübsches Bild. Doch je länger ich Pastor bin, desto weniger überzeugt es mich. Es klingt nach internem Betriebsfest: Wer dazugehört, feiert mit. Wer draußen bleibt, bleibt draußen. Die biblische Geschichte erzählt anderes. Sie spielt nicht im Kirchenraum, sondern auf einem öffentlichen Platz. Menschen aus verschiedenen Regionen und Sprachen sind da – Religiöse, Neugierige, Skeptiker:innen. Und mitten im Miteinander geschieht etwas.

Das Wunder besteht nicht darin, dass alle dieselbe Sprache sprechen. Jede:r hört in der eigenen. Unterschiede bleiben. Vielfalt wird nicht eingeebnet, sondern ernst genommen. Verständigung entsteht nicht durch Gleichmacherei, sondern durch die

Pfingsten

Die Menschen feiern das »Wochenfest« Schawuot 50 Tage nach Pessach. Auch Anhängerinnen und Anhänger Jesu versammeln sich in Jerusalem. Alle kommen zusammen, um für den ersten Weizen zu danken. Doch nun geschieht etwas Unerwartetes: Die Apostelgeschichte im Neuen Testament berichtet von einem mächtigen Brausen, von Flammenzungen und Sprachengewirr. Menschen, ergriffen vom Leben, vom Handeln und den Worten Jesu, werden von einer ungeahnten Kraft erfüllt und verstehen einander. Die Zeitzeugen sind entsetzt und ratlos. Andere spotten: »Sie sind voll süßen Weins.« Auch heute ist das Wirken der heiligen Geistkraft unberechenbar und nicht zu fassen: manchmal laut wie ein Sturm, manchmal leise wie ein Hauchen – aber für die, die sie teilen, existenziell verbindend.

Erfahrung: Meine Geschichte, mein Tonfall, meine Grammatik werden gehört. Ich muss mich nicht verstellen, um dazuzugehören.

Das ist für mich die Zumutung und Verheißung von Pfingsten: eine Geistkraft, die Verschiedenheit nicht wegmoderiert, sondern zur Grundlage von Gemeinschaft macht.

In kirchlichen Räumen erlebe ich oft das Gegenteil. Wir reden von Vielfalt – solange sie auf Postern steht. Doch wenn Menschen anders glauben, anders lieben, anders predigen, wird es unbequem. Dann fragen wir: Passt das noch zu uns? Ist das nicht zu politisch?

Wir sorgen uns um den »Kern« des Glaubens –und verraten ihn vielleicht gerade dadurch. Ich verstehe Pfingsten als heilige Störung. Diese Geistkraft bringt Stimmen nach vorn, die sonst überhört werden: Jugendliche, die Rassismus klar benennen. Queere Christ:innen, die sich nicht verstecken. Menschen mit Fluchterfahrungen, die unsere Sicherheiten infrage stellen. Diese Kraft bringt auch mich in Bewegung.

Viele Menschen jenseits kirchlicher Räume zweifeln weniger an einer Geistkraft als an ihrer Verwaltung. Sie erleben Kirche als einengend statt befreiend. Genau deshalb ist mir Pfingsten wichtig. Gottes Geistkraft fällt nicht auf Beschlüsse, sondern auf Menschen – oft auf die Unpassenden.

In meiner Biografie war Pfingsten nie ein fertiges Bild, eher ein Minimum an Vertrauen: nicht allein zu sein. Nicht allein, wenn wir benennen, was uns als Kirche herausfordert. Nicht allein, wenn Jugendliche von ihrer Angst vor Krieg, Klimakrise und Hass erzählen. Pfingsten ist der Moment, in dem Müdigkeit nicht das letzte Wort behält. In dem jemand sagt: »Wir widersprechen.«

Vielleicht sollten wir Pfingsten weniger als Geburtstag der Kirche feiern, sondern als Geburtstag jedes neuen Anfangs. Wenn Menschen ihre Würde verteidigen. Wenn wir uns jeder Form von Diskriminierung widersetzen. Wenn wir Vielfalt nicht fürchten, sondern feiern. Pfingsten ist die Einladung, dieser Kraft zu vertrauen. Nicht naiv, sondern wach. Vielleicht ist das die Verheißung: dass unsere brüchigen Stimmen sich verbinden –kein perfekt abgestimmtes Ensemble, sondern eine Gemeinschaft in Bewegung, tastend, widersprüchlich, lebendig.

Vielleicht ist das genug: nicht die richtigen Worte zu haben, sondern sich von dieser Kraft bewegen zu lassen.

quinton ceasar ist Pastor in Wiesmoor in Ostfriesland. Auf Instagram ist er unter @pastor_vanniekaap aktiv und äußert sich zu gesellschaftlichen und religiösen Themen. Mehr als 60 000 Menschen folgen ihm dort.

Sehnsucht und Antrieb

Zu suchen kann quälen und Orientierung geben, zermürben und erfüllen. Unser neues Themenheft

Anders Handeln »Auf der Suche« ergründet eine schier unerschöpfliche Tätigkeit des Menschen.

Der Wohnungsschlüssel ist nicht an seinem Platz. Eben war er noch da. Er liegt doch sonst immer auf dieser Kommode. Ist er schon in der Jackentasche? Nein. Vielleicht heruntergefallen? Fehlanzeige. In der Sofaritze, neben der Kaffeemaschine, unter dem Bett? Nein, nein, nein. Die Suche nach etwas Verlorenem kann uns kurzzeitig in den Wahnsinn treiben –vor allem, wenn am Ende auffällt, dass der Schlüssel ganz unschuldig von innen im Schloss steckte und darauf wartete, am denkbar naheliegendsten Ort gefunden zu werden.

Suchen kann aber auch Spaß machen, beim Stöbern auf Flohmärkten oder bei der Muschelsuche am Strand. Und auch im großen Stil sind Menschen auf der Suche: nach sich selbst, nach Glück, nach Gott oder der Antwort auf alles (ist es wirklich 42?).

Die Suche ist ein Mittel, das eigene Leben zu gestalten, und auch ein Weg der Reflexion, denn unterwegs müssen wir uns immer wieder neu auf das Ziel ausrichten. Das kann anstrengend sein und sollte nicht endlos dauern: Wir müssen zumindest Aussicht auf Erfolg haben, um die Suche nicht frustriert abzubrechen.

Wer suchet, der findet. Aber was? In unserem Themenheft Anders Handeln begeben wir uns selbst auf die Suche nach dem, was Menschen antreibt weiterzusuchen. Nach Orientierung und Emotionen auf dem Weg, Entscheidungsmomenten und der Frage, was passiert, wenn am Ende der Suche etwas ganz anderes liegt als erwartet.

In den Porträts nehmen uns die Protagonist:innen mit in ihre persönlichen Suchgeschichten: Ein Detektiv berichtet von den moralischen Grenzen seiner Branche, Tandems von Senior:innen und Studierenden zeigen, warum ein Generationenaustausch bereichernd ist, ein Archäologe sucht im Watt nach der versunkenen Stadt Rungholt und eine Frau findet nach 27 Umzügen endlich ein Zuhause. Wir fragen Tatjana Schnell, Expertin für Sinnsuche, wie die Suche nach Glück gelingen kann. Johanna Degen, Fachfrau für Online­Dating, ordnet die internetbasierte Partnersuche ein. Und Autor Daniel Schreiber spürt die großen Fragen auf, die wir uns selbst nicht zu stellen wagen. Daneben gibt es Überlegungen darüber, wo Gott zu finden ist, was uns Fossilien über das Suchen beibringen können, und über die Schwierigkeit, passende Worte zur richtigen Zeit zu finden. Unterhaltung und Erleichterung bietet die Fotostrecke über »stille Örtchen« an unerwarteten Stellen. Und auch die eigenen Suchfähigkeiten werden geschult: in einem Bilderrätsel und einer Schnitzeljagd durch das ganze Heft. Nur die Antwort auf alles bleiben wir schuldig. linda gierin g

Alle Infos zum Bestellen von Anders Handeln finden Sie am Ende des Magazins und unter andershandeln.de

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Pfingstwind.

Himmelfahrtshimmel. Nicht alles lässt sich fassen.

Wer kann dir schon die Welt erklären?

Da ist einer, der den Himmel spannt. Über dir.

Du darfst dich hineinlegen.

In dieses Blau, bist willkommen.

nele beste

»Hab Mut, steh auf!« lautet das Motto des diesjährigen Katholikentags in Würzburg. Mut ist nicht angeboren. Und manchmal wünschen wir uns mehr davon. Sich etwas zu trauen, kann man üben – sieben Ideen für Sie.

Was wäre, wenn

Der Zufall

gibt den Weg vor

Erstellen Sie eine Liste von zehn Dingen, die Sie tun würden, wenn Sie keine Angst hätten. (Allein das macht schon Spaß!) Wenn der richtige Zeitpunkt da ist, etwas davon auszuprobieren, markieren Sie Ihr Vorhaben und planen den ersten Schritt in der Umsetzung.

Riskieren Sie doch mal, sich zu verirren –und Vertrautes ganz neu zu entdecken.

Sie benötigen: 20 bis 30 kleine Zettel. Auf diese schreiben Sie eins der folgenden Wörter: rechts, links, geradeaus, zurück.

Dann gehen Sie los. An jeder Kreuzung ziehen Sie einen Zettel und folgen der Anweisung.

SiebenSpiele

Nimm mich an die Hand

Wenn Sie das nächste Mal mit Ihrem Partner, einem Freund oder einer Freundin spazieren gehen, schließen Sie die Augen und lassen Sie sich langsam führen. (Geht auch in der Wohnung.)

Hallo, da bin ich wieder!

Schauen Sie in Ihr Adressbuch und überlegen, wer sehr lange nichts von Ihnen gehört hat. Nach langer Funkstille ist es manchmal komisch, den Kontakt wieder aufzunehmen. Probieren Sie es einfach mal – wenn Sie unsicher sind, am besten mit einer Postkarte. Das ist ungewöhnlich und lässt der anderen Person Zeit zu reagieren.

fürmehrTraute

aus drei mach eins

Sie brauchen ein

Memory-Spiel oder einen

Stapel Postkarten und Mitspieler:innen. Die Karten verdeckt auf einen Stapel legen, drei ziehen und aus den drei Bildern eine kurze

Geschichte erzählen.

Dafür steht Ihr Name

Schreiben Sie die Buchstaben Ihres Vornamens untereinander.

Spontaneität ist Trumpf.

Jetzt zu jedem Buchstaben etwas aufschreiben, wo Sie zuletzt mutig waren. Zum Beispiel:

N eu in der Stadt

E lefant gestreichelt

L aufen gelernt

E inhändig Fahrrad gefahren

Wahrheit oder Pflicht

Spiel in einer kleinen Gruppe oder zu zweit:

Reihum muss eine mutige

Wahrheit (z.B. Wovor hattest du zuletzt richtig Angst?)

formuliert oder eine mutige Pflicht (z. B. einer anderen Person etwas Wertschätzendes sagen) erfüllt werden. Die Fragen und Aufgaben bestimmen jeweils die anderen Teilnehmenden.

Voller Mut in Würzburg!

Sehen wir uns auf dem Katholikentag vom 13. bis 17. Mai 2026? Wir bieten ein vielfältiges Programm und freuen uns sehr, Sie zu treffen!

workshops »Mach’s mutig, Mensch!« – Kreativ und spielerisch biblischen Texten und der eigenen Spiritualität näherkommen. Freitag, 15. Mai / 11 – 12.30 Uhr / Katholische Hochschulgemeinde, Großer Saal / Hofstallstraße 4

»Anders lesen – Mut (ver)teilen« – Wir sprechen über spirituelle Texte und schreiben selbst welche. Freitag, 15. Mai / 14 – 15.30 Uhr / St.-Ursula-Schule, Liobabau, Raum 102 / Augustinerstraße 17

»Mutprobe« – Wir schreiben eine prophetische Rede. Samstag, 16. Mai / 16.30 – 18 Uhr / St.-Ursula-Schule, Liobabau, Raum 103 / Augustinerstraße 17

pilgerweg

»Triff Gott an der Haltestelle« führt uns zu alltäglichen Mut­Orten in der Stadt. Samstag, 16. Mai / 16.30 – 18 Uhr / Startpunkt: Burkardushaus, Pavillon / Am Bruderhof 1

abendrevue

»Aus den Sitzen, fertig – Mut!« mit Texten, Film und Mitmachelementen. Donnerstag, Freitag und Samstag / 19 – 21 Uhr / Matthias-EhrenfriedHaus, Saal / Bahnhofstraße 4–6

unser stand

Sie finden unseren Pavillon auf der »Medienmeile« direkt am Hauptbahnhof. Lernen Sie unsere Aktionen kennen und kommen Sie mit uns ins Gespräch! Donnerstag, 14. Mai / 11.30–19 Uhr Freitag, 15. Mai / 10.30–19 Uhr Samstag, 16. Mai / 10.30–18 Uhr

Weitere Details zu unserem Programm finden Sie unter anderezeiten.de/begegnen

Das Brot der Solidarität

Fronleichnam trägt den Glauben auf die Straßen. Welche Bedeutung hat das Fest für uns heute? von gereon alter

Da kommt der liebe Gott!«, rief der kleine Junge, als die Fronleichnamsprozession an ihm vorbeizog. Zunächst musste ich schmunzeln. Dann aber dachte ich: Wow! Das Kind hat den Kern des Ganzen erfasst.

Noch weit davon entfernt, sich Gedanken darüber zu machen, wie zeitgemäß dieses Ritual ist, was es mit der kleinen Brothostie auf sich hat und mit all dem Brauchtum drum herum: Der Junge hat intuitiv erfasst und ausgedrückt, dass es an Fronleichnam im Grunde darum geht, einen Gott zu feiern, der nicht irgendwo im Himmel thront, sondern mitten unter uns ist und auf uns zukommt. Irgendwann wird er verstehen, dass wir Gott auf sehr verschiedene Weise begegnen können und dass eine Fronleichnamsprozession nichts anderes ist als der Versuch, diese vielfältigen Möglichkeiten darzustellen und zu feiern.

Der Junge hat zunächst auf den Pfarrer gezeigt – wohl, weil er ihm mit seinem weißen Gewand und der goldenen Monstranz als Erstes ins Auge gefallen ist. Seine Eltern werden ihm bald erklären, dass es da doch einen gewissen Unterschied gibt zwischen dem »lieben Gott« und einem Pfarrer. Treffend an seiner Wahrnehmung aber ist, dass Gott uns vor allem in anderen Menschen begegnet – denen man ansieht und bei denen man spürt, dass sie selbst in Kontakt mit ihm sind und dass das etwas Gutes und Schönes ist.

Gott kann durch jeden, der nach ihm sucht, sichtbar und erfahrbar werden. Das wird dem Jungen als Nächstes aufgefallen sein: Da ist ja eine Heerschar von Menschen unterwegs, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Kleine, Große, Junge, Alte, aufrecht Schreitende, sich müde Dahinschleppende … In so einer Prozession bildet sich die ganze Vielfalt unseres menschlichen Daseins ab. Der Apostel Paulus hat diese bereits als »Leib Christi« bezeichnet (1. Korinther 12,12). Die Gemeinschaft derer, die sich, obwohl sie so verschieden sind, miteinander auf den Weg machen und Jesus Christus in ihrer Mitte haben. Auch da, in dieser Gemeinschaft, können wir Gott begegnen.

Und dann ist da noch der »Leib Christi« im engeren Sinn, die Brothostie. Die wird der Junge erst einmal gar nicht erkannt haben. Das fällt ja selbst uns Erwachsenen schwer bei all dem Prunk, von dem sie bei so einer Prozession umgeben ist. Hat man sie aber erst einmal entdeckt, bedarf sie keiner großen Erklärung. Ein kleines Stück Brot, gebrochen und geteilt. Es steht für Mitleid

und Solidarität, für die Bereitschaft, selbst einen Schritt zurückzutreten, damit es anderen besser geht – kurz gesagt: für all die Liebe, die Jesus von Nazareth uns vorgelebt und beim letzten Abendmahl als Zusage und Auftrag hinterlassen hat.

Das könnte bei der ein oder anderen Prozession sicher noch deutlicher werden – durch eine zeitgemäßere Gestaltung etwa, ein wenig mehr Bescheidenheit und eine stärkere Konzentration auf das Eigentliche – aber dazu bräuchte es den Blick jenes Kindes, das den Kern erfasst.

Der Junge hat nicht an der Prozession teilgenommen, sondern mit seiner Mutter am Straßenrand gestanden und sich das Ganze angeschaut, wie es heute so viele tun. Erst als ihm aufgegangen ist, dass da ja der »liebe Gott« kommt, hat er kräftig am Arm seiner Mutter gezogen, um näher an das Geschehen heranzukommen. Und auch damit gibt er uns einen wertvollen Impuls: Wer verstehen will, was es mit dem Fronleichnamsfest auf sich hat, der darf es nicht bloß von außen betrachten. So richtig erschließt es sich erst dem, der sich in das Geschehen hineinziehen lässt.

In unserer Gemeinde gibt es viele, die den Weg aus Alters­ oder Krankheitsgründen nicht mehr mitgehen können. Sie nehmen trotzdem aktiv daran teil – sie feiern die Messe zu Beginn mit oder begleiten die Pilgernden durch ihr Gebet zuhause. Andere feiern das Fest vor dem Fernseher mit. Wieder andere lassen die Prozession mit einem Frühlingsspaziergang ausklingen. Auch das ist eine wunderbare Möglichkeit, Gott zu begegnen. Was mich persönlich am meisten berührt, ist der ehrenamtliche Einsatz, durch den eine Fronleichnamsprozession erst möglich wird. Das Beflaggen der Straßen, das Schmücken des Open­AirAltars, das Üben der Bläserinnen und Bläser, das Singen des Chores … Da sind Menschen am Werk, die ihren Glauben im wahrsten Sinne des Wortes in die Hände nehmen, auf dass er auch für andere sichtbar wird.

gereon alter ist Priester in Essen. Er erinnert sich noch gerne an einen Fronleichnamsgottesdienst in einer Reithalle – mit einem Altar aus Heuballen.

Rosenrote Tage

Die Urlaubszeit ist freie Zeit, vollgepackt mit Vorfreude und Erwartungen. Doch was ist, wenn sich unsere Wünsche nicht erfüllen?

von sabine henning

Hinter den Fichten lag ein kleiner See, spiegelglatt. Wir waren zu viert an diesem späten Nachmittag im Hochsommer, meine Schwester und ich, unsere Eltern, sonst niemand. Die Luft weich und noch warm, sie duftete nach Kiefernharz; die Lippen blau vom Saft der Heidelbeeren, die wir unterwegs gepflückt hatten. Der Moorsee spiegelte die Bäume und Holzhütten, den Himmel. Wir schlüpf­

ten aus unseren Klamotten und ließen uns ins Wasser gleiten. Für mich war es, als sei ich im Himmel. Ich war damals etwa zehn Jahre alt, doch dieser Urlaub in Bayern setzte Maßstäbe für mein Leben. »Rosenrote Tage«, so nennt Malin in Astrid Lindgrens Kinderbuch »Ferien auf Saltkrokan« solche Ferienmomente voller Leichtigkeit und Staunen. Wir möchten sie am liebsten in jedem Urlaub erleben. Ent­

sprechend hoch können die Erwartungen an die Ferien sein. Das muss nichts Negatives sein. »Die Sonnenseite der Erwartung ist die Vorfreude«, sagt Jonas Geißler. Er ist Zeitexperte und arbeitet als Autor und Berater in München. Denn im besten Fall stehen uns Tage und Wochen bevor, in denen wir den Alltag vergessen, uns an bekannten Orten erholen oder an fremden Abenteuer erleben, eintauchen in andere

Routinen, Kulturen und Landschaften. Wir träumen von erlösenden Gesprächen und innigen Begegnungen. Und hinterher oder schon mittendrin möchten wir etwas zu erzählen haben und Fotos zeigen.

Eine gute Planung kann helfen, mit Erwartungen umzugehen, besonders, wenn man als Paar oder Familie unterwegs ist. Sie kann Orientierung geben: Wer möchte am Strand liegen und lesen? Wer sucht den Adrenalinkick? Wer kleine Kinder hat, weiß, dass diese im Jetzt leben. »Ihr Bedürfnissystem ist unmittelbar, da muss ich mich auf Unplanbarkeit einstellen«, sagt Geißler. Viele Paare wünschen sich zusätzlich zum Familientrubel auch Zeit füreinander.

Gut, wenn all diese Wünsche vorher auf den Tisch kommen. »Man sollte aber nicht zu fest an ihnen kleben bleiben. Planung ist alles, der Plan nichts«, so der Zeitexperte. Denn wenn alles nur so gehen darf wie vorher ausgetüftelt, verspielt man »Serendipity«­Momente, also das zufällige Glück, von dem man nicht wusste, dass es existiert: Man entdeckt das kostenlose Sonnenaufgang­Yoga am Strand oder findet ein Buch im Tauschregal des Hostels, das man schon immer mal lesen wollte.

Die Schattenseite der Erwartung ist die Enttäuschung. Plötzlich merkt das Paar, dass so viel gemeinsame Zeit ungewohnt ist. Und einer stellt fest, dass er mehr Ruhe braucht als gedacht, während die andere plötzlich der Ehrgeiz packt und sie jeden Berg in der Umgebung bezwingen möchte. Geißlers Tipp, damit sich Sonne und Schatten die Waage halten: im Urlaub »Lässigkeit« bewahren – und »Freugier« kultivieren, eine Mischung aus Neugier und Freude.

Susanne Lindner verantwortet mit einer Kollegin die ökumenisch ausgerichtete Kur­ und Urlauberseelsorge in Bad Staffelstein. In den Ort mit seinen warmen Quellen, malerisch in der Fränkischen Alb zwischen Coburg und Bamberg gelegen, kommen vor allem auch Menschen, die gerne wandern. »Die meis­

ten Gäste möchten in der Mischung aus Natur und Bewegung den Kopf frei bekommen, Körper und Geist etwas Gutes tun.« Die Seelsorgerinnen und ein Team von Ehrenamtlichen bieten Pilgertouren auf den nahen Staffelberg an oder laden zum Abendsingen ein. Danach kommen sie mit den Menschen ins Gespräch. »Dabei merke ich, oft auch nur zwischen den Zeilen, ob die beruflichen Themen noch belasten oder ob der Gast schon etwas Abstand gewonnen hat.« In manchen Gesprächen erfährt sie auch von dem Erwartungsdruck, der von außen auf die Ferienzeit gelegt wird. »Manche sagen mir: ›Ich muss mich erholen, denn zuhause muss ich wieder volle Pulle funktionieren.‹ Das ist schade, wenn der Urlaub so verzweckt werden muss.« Meistens hört sie in solchen Situationen nur zu. »Dabei äußern viele den Wunsch, einfach sein zu können und zu genießen.«

Urlaub üben: auch im Alltag Ferienmomente genießen

Manchmal verpasst man die Erholung auch, weil man zu viel erleben möchte und den Urlaub durchtaktet. Die Texte der Bibel setzen dem etwas entgegen und erzählen vom stillen Wachsen: vom Senfkorn, das im Dunkel und im Vertrauen zur Kraft kommt (Lukas 13,19). Jesus selbst leitet die Jünger an, sich Ruhe zu gönnen und Atem zu holen (Markus 6,31). Und hält sich auch selbst daran, indem er sich zurückzieht (Matthäus 14,13). Der erste Schöpfungsbericht macht klar, dass zum Leben Pausen gehören: die Pause zwischen zwei Atemzügen, zwischen zwei Herzschlägen, der Schlaf, die Ruhepause, nachdem man etwas geschafft hat.

Jonas Geißler schlägt vor, diesem Rhythmus auch regelmäßig im Alltag zu folgen –denn das beeinflusst am Ende den Urlaub: »Wenn ich nicht komplett erschöpft in den Urlaub hechle, werden Erwartungen an Erholung auch nicht so leicht enttäuscht«,

sagt er. Stattdessen könne man sich im Alltag jeden Tag fragen: »Wann mache ich heute Urlaub?« Das kann die meditative Viertelstunde am Abend sein, eine Kaffeepause mit dem Liebsten oder einer Freundin, nachdem man die Kinder in die Kita gebracht hat, ein kurzer Spaziergang nach dem Mittagessen. Auch »Resonanzmomente« gehören dazu, in denen man ganz in etwas eintaucht: ein gutes Gespräch mit Freunden, Hobbys und Tätigkeiten, bei denen man sich als selbstwirksam erlebt. »So kann man einen Erholungseffekt mit den eigenen Händen schaffen«, sagt Geißler.

Die Zeit im Urlaub vergeht schnell, wenn sie mit positiven Emotionen gefüllt ist. Man kann sie in der Rückschau verlängern, indem man Fotos betrachtet und Erinnerungen teilt. Oder einfach im nächsten Jahr wieder an denselben Ort fährt: In dem Moorsee meiner Kindheit bin ich später noch ein paar Mal geschwommen.

Und auch wenn ein Urlaub nicht hielt, was er versprach, erinnert man sich vielleicht doch an den einen Moment, der einfach so geschenkt wurde, unerwartet − und in dem man mit der Welt im Einklang war. So wie es Astrid Lindgren in »Ferien auf Saltkrokan« beschreibt: »Mochten noch so viele Frösche im Brunnen sein und noch so viele Fensterscheiben zerbrochen, mochte das Schreinerhaus noch so verfallen sein –nichts sollte sie daran hindern, gerade hier und gerade jetzt mit dem Glücklichsein anzufangen.«

sabine henning beherzigt auf langen Reisen den Rat ihrer Achtsamkeitslehrerin, vor dem Ziel eine Pause einzulegen. So kommt sie erfrischt an.

Himmlische Dialekte

Religiöse Unterschiede anerkennen und miteinander ins Gespräch kommen, dafür steht der Israelsonntag. oliver spies , Pastor der deutschen Gemeinde in Barcelona, schildert eine besondere Form der Sprachfindung.

Geschichte, in der Christen jüdischen Menschen immer wieder unsägliches Leid zugefügt haben. Oder daran, dass keiner dem anderen das erste Wort nehmen wollte.

Die Vorbereitungsgespräche waren auf Englisch, weil das deutsche Paar kein Spanisch konnte. Mir wäre Spanisch lieber gewesen oder Deutsch, aber das sprach der Rabbi nicht. Und die Regionalsprache Katalanisch kam für niemanden infrage, obwohl die Hochzeit in den Bergen von Barcelona gefeiert werden sollte. Das machte die Sache nicht leichter. Denn eigentlich war es Herausforderung genug, eine jüdisch­christliche Hochzeit vorzubereiten – die erste für den Rabbi und auch für mich als Pastor. Vor der ersten Videokonferenz schlug ich vorsorglich einige Hochzeitsvokabeln und Schlagworte zur jüdischen Trauung nach. Und ich fragte mich, wie wir unsere unterschiedlichen Abläufe, Traditionen und Religionen gemeinsam sprechen lassen könnten. Der Wunsch des Paares war klar: Es sollte kein Nacheinander oder Nebeneinander sein, sondern ein Miteinander.

Das Gespräch begann mit den üblichen Mikro-Problemen: »Ich kann dich nicht hören!« – »Jetzt?« Kopfschütteln. Als schließlich alle on air waren, stellte das Brautpaar uns einander vor, wiederholte seinen Wunsch für den großen Tag und überließ uns das Wort. Der Rabbi und ich schauten uns erwartungsvoll an – und schwiegen. Ein paar Augenblicke der Sprachlosigkeit. Vielleicht lag es daran, dass wir nicht geübt waren in der Zusammenarbeit. Vielleicht auch an meiner eigenen Unsicherheit angesichts der

Ich fasste mir ein Herz. »Bueno, ähm, well«, begann ich und fragte den Rabbi, wo er lebte. Es stellte sich heraus, dass ich vor Kurzem in dieser Stadt gewesen war. »Du hättest vorbeikommen sollen«, sagte er mit großer Selbstverständlichkeit. Dass man gelegentlich bei fremden Pfarrer:innen anklopft, kenne ich. Aber bei einem Rabbiner? Ich dachte daran, dass Nähe zwischen Juden und Christen oft nicht selbstverständlich ist.

Das Brautpaar verabschiedete sich aus dem Videocall. Und wir erzählten uns – jetzt auf Spanisch –, wie wir Hochzeiten feiern und was uns in der Gestaltung wichtig ist. »La bendición!« – Segen. »Benedicere«: Der lateinische Ursprung des Wortes bedeutet, jemandem etwas Gutes zuzusprechen. Darauf kommt es an. Es geht um Segen, um Frieden, um Miteinander. Anschließend konnten wir an einem gemeinsamen Ablauf schnitzen. Sprachlos waren wir nicht mehr.

Auch nicht am Tag der Hochzeit, als wir gemeinsam in die Berge fuhren. Wir hatten Zeit und begannen, von uns selbst zu erzählen. Am Ort angekommen, wurden wir neugierig empfangen und schnell ins Gespräch gezogen: der Rabbi vom christlichen Teil der Gesellschaft; ich, der Pastor, vom jüdischen. Viele waren gespannt: Würde es unter der Chuppa, dem jüdischen Hochzeitsbaldachin, gelingen, Kippa und Talar miteinander sprechen zu lassen?

Auf Englisch, mit spanischem und deutschem Akzent, eröffneten wir den Gottesdienst. Ein wenig spiegelte dieser Sprachmix für mich wider, dass Religionen wie himmlische Dialekte nebenund miteinander klingen können. Am Ende sprach ich den Segen. Der Rabbi lud das Brautpaar ein, das Glas zu zertreten. Und die Gemeinde rief: »Siman tov u’mazal tov!« Mir war, als würden alle Gäste die hebräischen Worte verstehen. Nicht, weil sie sie übersetzen konnten, sondern weil wir sie gemeinsam als einen großen Wunsch mit vielen Stimmen sprachen: »Ein gutes Zeichen und viel Glück.«

Als 16­Jähriger kam oliver spies mit dem jüdischen Theologen Pinchas Lapide (1922–1997) ins Gespräch. Die Begegnung war ein Anstoß für ihn, Theologie zu studieren.

Paris puzzeln

Wieder wird Sommer. Und wieder liegt er uns zu Füßen. Mit lauen Abenden, üppigen Farben, Getümmel am Badesee, Grillevents in Parks. Und mit Urlaub.

Sommerzeit ist Reisezeit. Manche fiebern das ganze Jahr darauf hin. Haben Sehnsucht. Nach Abenteuer und fremden Kulturen, nach dem Meer oder den Bergen. Andere sind genervt. Von Planungsstress, von der Aussicht auf volle Züge und lange Staus, überfüllte Strände und Familienzoff. Aber irgendwie muss man ja irgendwas machen … Neue Städte entdecken, wandern oder in der Sonne braten.

Mythos Reisen. Oft schön, oft überhöht, oft auch unerreichbar. Weil das Geld fehlt oder gesundheitliche Einschränkungen eine Reise nicht möglich machen. Und manchmal, ja manchmal, fehlt auch schlicht die Lust.

Ich bleibe in diesem Sommer zuhause. Einfach weil ich mich so fühle. Zuhause scheint mir im Moment ein guter Ort zu sein. Ich bin also nicht »zu Gast bei Freunden«, und

weil mir das vielleicht auch ein bisschen fehlen wird, hole ich mir die Welt nach Hause. Die schlechten Nachrichten kommen sowieso – per Radio, Fernsehen, Zeitung, Internet. Ich hole mir die guten Seiten! Einen Hauch Frankreich und Argentinien, ein bisschen Norwegen und Dänemark, ein Quäntchen Asien, Schottland und Südtirol. Wie das geht?

Tango Argentino und StricknadelPas de deux

Ich puzzle Paris. Aus 1000 Einzelteilen. Den Eiffelturm, Notre-Dame, die Seine. Ich tanze Tango Argentino auf einem Straßen-Event. Jede und jeder kann mitmachen. Ich stricke mir einen Norwegerpulli aus dicker Wolle. Die liegt schon bereit. Auch das Buch mit dem Krimi aus Südtirol. Mord im Weinberg … Ich lade Freundinnen

und Freunde zu einem SushiAbend ein (Sushi selbst gerollt, versteht sich!). An einem Sonntag Familienpicknick im Wald mit dänischem Frühstück, das ist gerade »in«. Der Clou: Auf das Smørrebrød kommt geschlagene Butter. Ich höre mir den Reisevortrag »Rund um Schottland« im Clubhaus eines Segelvereins an, besuche davor den Internationalen Markt auf der Kieler Woche. Und besorge mir Stecklinge aus der örtlichen Gärtnerei. Vielleicht gelingt es mir, auf meiner Fensterbank Lavendel zu ziehen.

In diesem Sommer hole ich mir die Welt nach Hause. Und das Beste ist: Ich komme nicht nach zwei Wochen zurück. Ich bleibe. Die ganze Zeit. Nur meine Gedanken reisen. Viel länger als zwei Wochen. Immer mal wieder. Mitten im sommerlichen Alltag. ulrike berg

UNSERE SPORTLICHE

Die besten Keksrezepte? Gibt es nach Meinung von johanna wiegard bei ihren Kolleginnen im Andere Zeiten-Haus in der Fischers Allee. Dabei ist die studierte Ökotrophologin selbst Ernährungsprofi. Bevor sie zu uns kam, koordinierte sie die Erwachsenenbildung in einer evangelischen Familienbildungsstätte in Hamburg. Nach der Coronazeit wechselte sie in unseren Leser:innenservice. »Verbindung zu schaffen, macht mir Spaß«, sagt sie. Wenn sie nicht gerade mit Bestellungen beschäftigt ist, gibt sie freiberuflich Kurse zu Ernährungsthemen. Und sie ist in Bewegung: beim Yoga und Tanzen, auf dem Rad, dem SUP oder beim Kickboxen. Sie liebt es, in den Ferien mit ihrem elfjährigen Sohn durch Schwedens einsame Gewässer zu paddeln. Aufgewachsen in einer Turnerfamilie, kann sie nicht nur Spagat, sondern auch Handstand mit Überschlag. Die Welt mal aus einer anderen Perspektive zu sehen − für Johanna nichts leichter als das.

Impressum

Andere Zeiten – Magazin zum Kirchenjahr

Herausgeber: Andere Zeiten e.V. –Initiativen zum Kirchenjahr

Vertreten durch den Vorstand: Oliver Spies und Florian Theuerkauff Fischers Allee 18, 22763 Hamburg Internet anderezeiten.de und andershandeln.de

Telefon Bestellungen 040 / 47 11 27 27

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Neues aus dem Andere Zeiten-Haus

* fisch und donner *

Auf einem guten Weg

Die Planungen für unseren Fastenauftakt Ende Februar waren eine Zitterpartie: Würden die Wege durch das Moor zu glatt sein? Doch als uns der Wetterdienst das Go gab, zogen wir los: Mit gut 125 Menschen pilgerten wir auf dem Jakobsweg von Bad Oldesloe zum Kloster Nütschau. Wir lachten, lauschten, schwiegen. Und kamen erfüllt an. Ein großes Glück: Denn schon am nächsten Tag waren die Wege in der Niederung durch das Tauwasser überschwemmt. Das Beweisfoto schickte uns Teilnehmerin Ulrike Graeber von der Biotopgruppe Bad Oldesloe. Wenn unser Haus- und Hofmeister Frank in Aktion tritt, hat das Hand und Fuß. Zuerst flickte er unseren Strandkorb im Garten, dann putzte er ihn. »Mit einer Klobürste, natürlich einer frischen, kommt man am besten in die Ecken«, sagt Frank. Für unkonventionelle Ideen sind wir immer zu haben! Für unser neues Themenheft Anders Handeln »Auf der Suche« traf Ulrike Berg den 20-jährigen Leo aus Hamburg, der nach dem Abi 2200 Kilometer nach Santiago de Compostela gepilgert war. Und war beeindruckt von der Begegnung: »Leo hat tolle Erfahrungen mitgenommen, zum Beispiel die, Menschen und Momenten zu vertrauen.«

Redaktion Ulrike Berg, Nele Beste, Linda Giering, Sabine Henning, Iris Macke, Axel Reimann, Sarah Seifert (Assistenz), Kirsten Westhuis

Projektleitung Sabine Henning

Gesamtverantwortung Ulrike Berg Gestaltung koop­bremen.de, Sabine Veerkamp

Korrektorat Susanne Brütt

Druck Druckzentrum Neumünster, druckzentrum­neumuenster.de

Text S. 4 oben: Mariann Edgar Budde, aus: Die Zeit 12/25, Interview: Peter Neumann; Rückseite: gefunden auf yogakinder.de

Illustrationen S. 17: Nicole Vögeli, nicolevoegeli.com; S. 21: Thomke Meyer, thomkemeyer.com; Autor:innenporträts

S. 5, 7, 10, 16, 19, 20: Hendrik Jonas, hendrikjonas.de

Fotos Titel: © the_burtons/Getty Images; S. 3 oben: © Lisovskaya/iStock by Getty Images; S. 4 links: privat; Schere: BillLivingstone/iStock by Getty Images; rechts unten: Merle Fromberg, Ev.Luth. Kirchenkreis Ostholstein; S. 6/7: © plainpicture/ Anna Rammelkamp; S. 8/9: © plainpicture/ Jean Marmeisse; S. 11: © picture alliance/ imageBROKER/Robert Poorten; S. 12/13: © mauritius images/Johnér; S. 18: © plainpicture/Oliver Feist; S. 20: © mauritius images/Jason Finn/Alamy/Alamy; S. 22: links oben: Nicole Malonnek, nicolemalonnek.com; rechts oben mittig: Dr. Ulrike Graeber; S. 24: © Rosemary Calvert/Getty Images

Das Magazin wird Ihnen dreimal im Jahr kostenfrei zugesandt. Andere Konditionen gelten für Österreich (zu erfragen bei

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Wunderbar

Ein Gelehrter, ein Kaufmann und ein Bettler gingen zu einer Weisen. Sie wollten, dass sie ihnen etwas Wunderbares zeigte. Die Weise trug ihnen auf, einen Tag lang gen Osten zu ziehen, dort würden sie wahrscheinlich etwas Wunderbares entdecken. Also wanderten die drei Männer den ganzen folgenden Tag gemeinsam auf der Straße nach Osten. Am Abend gelangten sie an eine kleine schattige Quelle. Der Hüter der Quelle reichte jedem von ihnen einen Becher voll Wasser. Der Gelehrte, der gehofft hatte, zu einer großen Erkenntnis zu gelangen, stürzte das Wasser hinunter und schaute sich um. »Ich sehe hier nichts Besonderes«, beschwerte er sich, »oder du, mein Freund?« Der Kaufmann, der gehofft hatte, zu einem Goldschatz zu gelangen, sagte: »Nein, nichts.« Nachdem er seinen Becher Wasser in einem Zug geleert hatte, fügte er hinzu: »Ich glaube, man hat uns hereingelegt.« Doch der Bettler, der lediglich wusste, dass ihm heiß war und die lange Reise ihn sehr erschöpft hatte, setzte sich in den Schatten, schlürfte in Ruhe das kühle, reine Quellwasser und seufzte: »Ah, das ist wunderbar.« legende

ANDERE ZEITEN E.V. FISCHERS ALLEE 18 22763 HAMBURG

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