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Bergauf #1.2024

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heft #1.2024 — Jänner/februar/März

Das Magazin des Österreichischen Alpenvereins seit 1875

Österreichische Post AG MZ 02Z030032 M Österreichischer Alpenverein Olympiastr. 37, 6020 Innsbruck Retouren an Postfach 555, 1008 Wien

auf Berg Thema

Frischer Wind... Der Österreichische Alpenverein stellt sich neu auf. Wir porträtieren jene Menschen, die ihr Engagement in den kommenden Jahren in den Dienst unseres Vereins stellen. Das WIR im Mittelpunkt Der neue Präsident des Alpenvereins, Gerald Dunkel-Schwarzenberger, im Gespräch _ 10

#1.2024 — Jänner/februar/März

Gute Reise Das neue Junge Alpinisten TEAM steht: Acht junge Bergsteiger*innen im Porträt _ 14

Frischer Wind im Verein Die neuen Mitglieder im Präsidium und im Bundesausschuss des Alpenvereins. _ 20 1


ROBERT SCHLEMER 2

RADICAL

Bergauf


editorial

evelin stark

Chefredakteurin Bergauf

Liebe Leserin, lieber Leser, Simon Schöpf ist Autor und Fotograf mit Fokus auf Bergthemen (bergspektiven.at). Seine freien Minuten verbringt der Tiroler am liebsten in langen Alpin­routen, steilen Skiabfahrten und am Zauberteppich mit seinen zwei Kindern. Sein Interview mit dem Skitourenguru (S. 34) kommt ihm da gerade recht.

Während ihrer Arbeitszeit ist Jasmin Maringgele im Referat für Raumplanung und Naturschutz im Alpenverein tätig. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Kind und Kegel in der heimischen Bergwelt, um ein respektvolles Naturverständnis (siehe S. 64) zu fördern.

„jetzt ist schon wieder was passiert.“ So wie Wolf Haas seine BrennerKrimis beginnt, würde ich auch gern einmal ins Bergauf starten. Tatsächlich ist was passiert, nur nicht schon wieder, und ganz bestimmt kein Kriminalfall. Das neue Jahr hat begonnen, das ist passiert. Und mit dem Jahreswechsel hat der Österreichische Alpenverein ein neues Präsidium bekommen, das frischen Wind in den Vereinsalltag bringt – allen voran der neue Präsident Gerald Dunkel-Schwarzenberger. Ihn stellen wir in diesem Bergauf vor, weil wir finden, dass Sie als Vereinsmitglieder den Mann an der Spitze kennenlernen sollten. Er ist ein Guter und weiß, worauf er sich einlässt, das kann ich Ihnen schon einmal verraten. Was ist sonst noch passiert? Nicht allzu viel, zum Glück. Der Winter ist da und mit ihm der Schnee und mit ihm die Lawinengefahr für Wintersportler*innen. Das ist alles nichts Neues und dennoch kein „Schnee von gestern“. Bergauf hat deshalb Skitourenguru-Macher Günter Schmudlach zum Interview getroffen. Skitourenguru ist ein Online-Tool, das tausenden Skitouren im Alpenraum täglich ein Lawinen­risiko zuweist. Der Alpenverein empfiehlt die Nutzung dieses Tools bei der Tourenplanung. Er empfiehlt auch, den gesunden Menschenverstand nicht zu Hause zu lassen und Risiken zu bedenken, bevor es zu spät ist. Damit eben nicht schon wieder was passiert. Ich möchte Ihnen außerdem noch empfehlen, sich auch den Rest dieser Ausgabe anzuschauen. Wir haben wieder einige Schmankerl dabei, deren Lektüre sich lohnt – z. B. ein Porträt über den Wolf vom Biologen und Verhaltensforscher Kurt Kotrschal oder Teil 2 der Geschichte über die Hintergründe des Rechtsstreits rund um die Gamsgrube im National­ park Hohe Tauern. Ein gutes, sicheres neues Jahr und viel Freude mit diesem Bergauf!

Miro Eržen ist Koordinator des Projekts Bergsteigerdörfer in Slowenien. (S. 54) Er war auch Leiter des Projekts zur Einrichtung des Slowenischen Alpenmuseums in Mojstrana. Ansonsten engagiert er sich ehrenamtlich im Bereich Berghütten.

Aktuelle Informationen: www.alpenverein.at f facebook.com/alpenverein I instagram.com/alpenverein

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inhalt Heft #1.2024 JÄNNER/FEBRUAR/MÄRZ

32 Spitzkehren-Ballett Tipps vom Bergsport, Teil 6. 34 „Die Verantwortung liegt bei uns.“ Interview mit Günter Schmudlach, dem Guru hinter dem Planungstool Skitourenguru. 38 Die Branca-Hütte in den Genen Foto: Archiv Massimo Ombrello

42 Hütten: Alles geregelt?!

54 thema 10 Das WIR im Mittelpunkt 14 Gute Reise! Das neue Junge Alpinisten TEAM begibt sich auf eine zweijährige gemeinsame Reise im hochalpinen Terrain. 18 Geben und Nehmen 20 Frischer Wind im Verein Die neuen Mitglieder des Alpenvereins­ präsidiums und -bundes­ausschusses stellen sich vor.

UNTERWEGS 24 Im Bild

Coverfoto: Adobe Stock

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REGIONAL 48 Die Gamsgrube im Widerstreit Teil 2: Der Fuscherkarkopf und die neue ­Parzelle. Weitere Hintergründe zur Geschichte eines Rechtsstreites. 52 „Die Geberden der Botaniker bei der Entdeckung einer neuen Pflanze“

RESPEKTVOLL 54 Im Schatten symbolträchtiger Berge Die neuen Bergsteigerdörfer Dovje-Mojstrana in Slowenien und Crissolo im Piemont. 58 Nicht alle sind erfreut Was die Rückkehr des Wolfs bedeutet. 62 Das Engagement im Klimaschutz 66 Mitten im Winter

KULTUR

26 Heiß auf Eis II Tourenplanungstipps für den Trendsport Eisklettern.

70 Traum der Berge Der Vorarlberger Peter Mathis fotografiert Berge und schafft dabei Traumwelten in Schwarzweiß.

30 Ab ins Eis!

71 Im Schaukasten: Kleiner Hildebrand

3 editorial 7 Ausgangspunkt 22 vereinsintern 23 Einsichten 31 Ab ins Freie 46 Alpenvereinsshop 57 Paragraph 64 RespektAmBerg 65 Kinderwelt 68 Auslese 74 Vorschau/Impressum

72 Bildgeschichten: Hakenkreuz vor Gletscher

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PORTRÄT Der neue Alpenvereinspräsident Gerald Dunkel-Schwarzenberger sieht viele Herausforderungen in den kommenden Jahren auf den Verein zukommen. Foto: Thomas Schrott

Bergauf


Du und deine Karte. Und die Berge schützen. Wir sind Anwalt der Alpen. Wir sorgen dafür, dass die sensible Bergwelt bestehen bleibt. Und machen Bergerlebnisse weiterhin möglich.

www.alpenverein.at/deinekarte

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Mitglieder werben zahlt sich aus. Begeistern Sie Freunde und Bekannte von den Vorteilen des Alpenvereins und holen Sie sich Ihre Prämie …

Mitgliederwerbung Aktion gültig von 1. September bis 31. August des Folgejahres. Einsendeschluss: 1. Dezember. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

mitglied.werben@alpenverein.at bzw. per Post an den

… für 1 neues Mitglied erhalten Sie eine Alpenvereinskarte* Ihrer Wahl.

Österreichischen Alpenverein „Mitglieder werben“ Olympiastraße 37 6020 Innsbruck

Weitere Informationen: +43/512/59547

… für 5 neue Mitglieder erhalten Sie einen Gutschein von SPORTLER** im Wert von € 70,– und zusätzlich ein Monatsabo für die alpenvereinaktiv.com-App.

… für 10 neue Mitglieder erhalten Sie einen Gutschein von SPORTLER** im Wert von € 160,– und zusätzlich ein Jahresabo für die alpenvereinaktiv.com-App.

* Expeditions- und Sportkletter karten sind von dieser Aktion ausgenommen. ** Der Warengutschein von Sportler kann im Onlineshop www.sportler.com, in allen Sportler-Filialen oder telefonisch unter +39/0471/208202 eingelöst werden.

www.longo.media

Werber können für die Dauer dieser Aktion nur jeweils eine 10er-Prämie, eine 5er-Prämie und maximal vier Stück AV-Karten in Anspruch nehmen. Beitragsfreie Mitglieder können nicht berücksichtigt werden!

Melden Sie uns Ihre neu gewonnenen Mitglieder und schicken Sie uns deren Daten (Name, Adresse, Geburtsdatum) und Ihren Prämienwunsch an:

WE ARE YOUR

MOUNTAIN EXPERTS


ausgangspunkt

Gerald Dunkel-Schwarzenberger

Präsident des Österreichischen Alpenvereins

Frischer Wind

Der neue Alpenvereinspräsident Gerald Dunkel-Schwarzenberger wagt einen Blick in das angefangene neue Jahr.

N

ach über 160 Jahren Vereinsgeschichte haben unsere satzungsgemäßen Aufträge, (1) den Bergsport zu fördern und (2) die Schönheit der alpinen Bergnatur zu erhalten, nichts an Aktualität und gesellschaftlicher Bedeutung eingebüßt. Was unseren Verein über all die Jahre ausgezeichnet hat, ist neben dem klaren Bekenntnis zu unseren Werten und Grundsätzen insbesondere der stete Wille, Entwicklungen und Innovationen nicht nur zuzulassen, sondern diese aktiv zu fördern. Zahlreiche Initiativen der Alpenvereinsjugend, der Alpenverein-Akademie, im Bergsport etc., aber auch unsere Schutz-

Foto: norbert-freudenthaler.com

Als Bergsportler haben wir gelernt, wie wichtig es ist, gerade in Zeiten mit viel Gegenwind noch enger zusammenzurücken. hütten sind Zeugen von erfolgreich umgesetzten Innovationsprojekten. So wurde im Herbst die erste Hütte, die Photovoltaik zur Erzeugung von grünem Wasserstoff nutzt, in Betrieb genommen, um bei Bedarf (z. B. Nacht, Nebel) über eine Brennstoffzelle wieder Strom zur Verfügung zu haben. Dieses Jahr wird viele Veränderungen bringen. Mit viel frischem Wind und Motivation werden neue Ideen und Schwerpunkte diskutiert und daraus Projekte definiert werden. Im Zuge der Diskussion zur Klimastrategie werden u. a. Initiativen zur sanften Mobilität entwickelt. Wir alle können durch unser Mobilitätsverhalten einen entscheidenden Beitrag zum Natur- und Klimaschutz leisten. Mit dem kla-

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ren Bekenntnis zum Erhalt unserer Hütten und Wege werden wir deren Bedeutung öffentlichkeitswirksam präsentieren und die anstehenden Herausforderungen diskutieren. Nur gemeinsam mit dem verstärkten Bekenntnis der politischen Entscheidungsträger zur alpinen Infrastruktur können wir diese für zukünftige Generationen erhalten. Besonders spannend und herausfordernd zugleich wird die Auseinandersetzung mit der zunehmenden Technisierung unserer Gesellschaft. Inwieweit Digitalisierung und die sogenannte „künstliche Intelligenz“ in unsere Aktivitäten draußen in der Bergnatur Einzug nehmen werden, wird Teil unserer alpinen Zukunftsdiskussion sein. Wie so oft gilt es, Chancen und Risiken zu bewerten und Vorteile zu nutzen – aber dabei unsere Grundsätze wie z. B. Respekt am Berg, Tage draußen, Bewegung aus eigener Kraft und Sicher am Berg nicht aus den Augen zu verlieren. Es bleibt unsere wichtige Aufgabe, trotz oder gerade wegen des massiven Drucks auf die verbleibende hochalpine Bergnatur, unsere Stimme für die Natur und für die erholungsuchenden Menschen zu erheben, indem wir uns z. B. gegen eine weitere Erschließung von Gletscherskigebieten aussprechen und damit den absoluten Gletscherschutz forcieren. Als Bergsportler haben wir gelernt, wie wichtig es ist, gerade in Zeiten mit viel Gegenwind noch enger zusammenzurücken. Und so bin ich optimistisch, dass wir uns auch angesichts der großen Veränderungen der kommenden Jahre – getragen von der Haltung, die das Gemeinsame stets vor das Trennende stellt – sehr erfolgreich weiterentwickeln werden. Geschätzte Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen dieses Bergauf und für diesen Winter viele erlebnisreiche und unfallfreie Tage draußen in unserer wunderbaren winterlichen Bergnatur. — 7


rucksack

I Dieses Foto stammt von Elisabeth Pendl. Es ist am Scharfen Eck (Seetaler Alpen) entstanden: „Es war an einem der Tage, an dem man das Haus nicht gerne verlässt, dennoch hofften meine Freundin Sandra und ich, zumindest in höheren Lagen ein wenig Schnee vorzufinden. Mutterseelenalleine und kurze Zeit später durften wir Teil dieser bizarren Landschaft werden. Was der Wind dort geschaffen hatte, glich einem anderen Planeten.“

Das Bild wurde vor wenigen Wochen auf unserem Instagram-Kanal veröffentlicht. Wir haben einige FollowerKommentare für euch eingefangen: »Lady in Red.« I »Nur noch um die Ecke und die Hütte ist in Sicht.« I »Besuch beim schlafenden Elefanten.« I »In der Schneewüste gelandet.« I »Der Mensch – ein vorübergehender Farbklecks der gewaltigen Natur.« I »Wir san glei do.« I »Stille!« I »Eiskalt entwischt.« I »Magie der Berge.« I »Der Eisbär macht den Aufstieg frei.« I »Die Schöne und das Biest.« I »Eis, Eis, Baby.« I »Der Schlaf.« I »Mach dich sichtbar!« I »Faszinierend frostig.« I »Walking in the winterwonderland.«

aufgestöbert

Fotos: Elisabeth Pendl, Eispark Osttirol, Thomas Hude, Fabio Keck, Florian Lechner

7. Eiskletterfestival in Osttirol

Der Eispark Osttirol ist heuer von 11. bis 14. Jänner zum siebten Mal Austragungsort des Eiskletterfestivals. Das Programm umfasst erneut die Staatsmeisterschaft im Eisklettern, zahlreiche Workshops, Produkttests, Künstler, Vorträge und Iglubau. Weitere Infos: eisparkosttirol. wordpress.com/ eis-festival 8

Integrationspreis für Bergsteigerdorf

Bergauf online lesen Bergauf ist DAS Medium, das alle Mitglieder über die Themen des Alpenvereins informiert. Für diejenigen, die ihr Magazin lieber online lesen wollen, statt es in Papierform aus dem Briefkasten zu holen, gibt es ab sofort die Möglichkeit, dies unter mein.alpenverein.at > „meine Services“ festzulegen.

Das Bergsteigerdorf Kötschach-Mauthen wurde in der Kategorie Zivilgesellschaft mit dem Integrationspreis des Landes Kärnten ausgezeichnet. Aus einer zufälligen Begegnung im Zug zwischen einer Mauthnerin und einer ukrainischen Flüchtlingsfamilie wurde ein Netzwerk der gegenseitigen Unterstützung. Mehr: t1p.de/mauthen

alpenverein basecamp In dieser Folge bitten wir Lawinenexperte Michael Larcher vor das Mikrofon. Mit seinem Lawinenupdate füllt er jeden Frühwinter die Säle in ganz Österreich, im Podcast verrät er uns die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Vortrag. Das alpenverein basecamp entsteht mit Unterstützung der Generali Versicherung. Mehr: alpenverein.at/ basecamp Bergauf


zahlendatenfakten

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Randnotiz So viele Biwakschachteln betreibt der Österreichische Alpenverein, vom Hochsengs-Biwak in den Oberösterreichischen Voralpen auf 1.583 m bis zum Glockner-Biwak in den Hohen Tauern auf 3.208 m. Schutz vor der Witterung und damit ein kleines Refugium der Zuflucht am Berg, das ist die primäre Funktion von Biwakschachteln.

Via Hüttenfinder (alpenverein.at/huetten) lassen sich Angaben und Kontakte zu den Biwakschachteln nachlesen (und ggf. saisonale Belegungs- und Zustiegsverhältnisse erfragen).

empfehlung

¡ Erhältlich im alpenverein.shop

Die Neuauflage dieses Alpenvereinsklassikers bietet 186 Bausteine für bunte Kletterstunden. Das Buch ist in drei Bereiche gegliedert: Ein Aufwärmteil mit allgemeinen Aufwärm­ spielen, den Hauptteil mit Klettertechnik-, Boulder- und Trainingsspielen und den Turnsaalteil, der Möglichkeiten beschreibt, auch ohne Kletterwand kletterspezifische Spiele und Übungen in der Sporthalle durchzuführen. In der Neuauflage wird zusätzlich darauf eingegangen, welche Spiele für Menschen mit Beeinträchtigungen geeignet sind und wie die Spiele eventuell angepasst werden können.

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clemens matt

Generalsekretär Alpenverein

Viel Neues Das neue Jahr markiert für den Alpenverein den Beginn vieler Neuerungen. Personal­ veränderungen haben bereits über den Jahreswechsel stattgefunden, beginnend mit einer frischen Zusammensetzung im Präsidium über neue Mitglieder im Bundesausschuss bis hin zu neuen Mitarbeitenden in verschiedenen Arbeits­ bereichen des Hauptvereins. Ein zentrales Thema, das uns nun mehr denn je beschäftigt, ist die Klima­ strategie des Alpenvereins. Es ist ermutigend, zu sehen, dass sich bereits einige Pilot­ sektionen aktiv an der Umset­ zung dieser Strategie betei­ ligen. Sie bringen ihre Ideen ein und tragen maßgeblich dazu bei, unser gemeinsames Ziel zu erreichen: Klimaschutz als Gemeinschaftsaufgabe im Vereinsalltag zu verankern. Unser Ziel ist es, weiterhin in Harmonie mit der Bergwelt zu agieren und sie nachhaltig zu nutzen. 9


Thema

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Bergauf


Das WIR im Mittelpunkt Gerald Dunkel-Schwarzenberger hat mit 1.1.2024 das Amt des Alpenvereinspräsidenten übernommen. Für Bergauf Anlass, bei ihm nachzufragen, was ihm der Österreichische Alpenverein bedeutet, welche Themen ihn beschäftigen und wie er die Zukunft des Vereins sieht. Evelin Stark

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‹ Gerald Dunkel-Schwarzenberger, neuer Präsident des Österreichischen Alpenvereins, freut sich auf die neue Aufgabe. Foto: Thomas Schrott / himmel

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ls Alpenverein dürfen wir stolz auf unbedingt hochalpines Terrain, dennoch unsere über 160-jährige Geschich- eine wunderschöne Gegend zum Wandern, te zurückblicken. Gerade im Lich- Mountainbiken und Klettern. Übrigens: te der aktuellen Entwicklungen – der so Nach wie vor engagiert sich der Familizahlreichen regionalen, aber auch globa- envater im „Kleinen“ und leitet gemeinlen Krisen – da überkommt mich immer sam mit seiner Frau Sandra die inklusiwieder ein Staunen: darüber, mit welcher ve Familiengruppe LaLo in der Region Weisheit und welch großartigem Gespür Langenlois – Kamptal. Ihre beiden Kindie Gründer unseres Vereins die Bedeu- der sind natürlich mit dabei. tung der Alpen als einzigartigen LebensMit dem Jahreswechsel hat er nun das und Naturraum schon vor über 100 Jah- Amt des Präsidenten des Österreichischen ren erkannt haben und dabei versucht Alpenvereins übernommen, nachdem er haben, das Gemeinsame vor das Tren- im Oktober 2023 von der Jahreshauptvernende zu stellen“, sagt Gerald Dunkel- sammlung einstimmig dafür gewählt wurde: Schwarzenberger. „Auf den Verein kommen große HerausforDer 53-Jährige hat bereits einige eh- derungen zu. Neben den Themen Schutzrenamtliche Alpenvereinsjahre auf dem hütten und alpiner Naturschutz auch unBuckel und das „Gemeinsame“ im Verein sere ambitionierte Klimastrategie, mit der kennen und schätzen gelernt: In seiner wir uns verpflichtet haben, bis 2033 klima­ Heimatsektion Alpenverein Edelweiss war neutral zu werden“, so der studierte Umer jahrelang als Tourenführer viel unter- weltökonom. Er freue sich, gemeinsam wegs, war außerdem Bundesjugendleiter mit einem motivierten Präsidiumsteam und seit 2008 Vizepräsident des Österrei- die Zukunft des Alpenvereins mitgestalchischen Alpenvereins. Dunkel-Schwar- ten zu können und die wichtigen Schritzenberger lebt mit seiner Familie im nie- te zu setzen, die es braucht, um den komderösterreichischen Langenlois – nicht menden Herausforderungen zu begegnen. > 11


thema >

Große Themen „Mich beschäftigt besonders das Thema Alpenvereinshütten. Diese kämpfen immer mehr mit Themen wie Wassermangel und Extremwetterereignisse. Für viele Schutzhütten steht zudem eine Generalsanierung oder manchmal sogar ein Ersatzbau an“, erklärt der Präsident. „Ich bin aber (vorsichtig) optimistisch, denn auch den politischen Entscheidungsträgern ist bewusst, dass nur mit dem ehrenamtlichen, professionellen und so leidenschaftlichen Engagement unserer Freiwilligen das ‚wanderbare Österreich‘ auch zukünftig in unseren wunderbaren Bergen stattfinden kann.“ Apropos wunder- bzw. wanderbar: Der Österreichische Alpenverein ist der mit Abstand größte Bergsportverein Öster­ reichs. Bergwandern, Klettern, Klettersteig, Mountainbiken, Skitouren und ­vieles mehr – die Bewegung draußen in der Bergnatur ist das, was für viele Mitglieder den Verein ausmacht, so auch für den neuen Präsidenten: „,Wir sind ­Alpin‘, hat ein langjähriger Alpenvereinsfunktionär einmal geschrieben und damit unsere Identität trefflich auf den Punkt gebracht. Der Alpenverein wurde gegründet, um Begegnungen der Menschen mit der Bergnatur zu ermöglichen. Und g­ enau

»Wir alle dürfen auf das Erreichte stolz sein, hat doch jeder und jede der unglaublichen

Ehrenamtlichen in ihrer bzw. seiner Freizeit einen ganz wichtigen Beitrag zum Erfolg geleistet.« 12

Foto: Thomas Schrott / himmel

25.000 Bergauf


dafür stehen wir – nach über 160 Jahren Vereinsgeschichte – auch heute noch“, so der Niederösterreicher. Was das „wir“ für ihn bedeute? „Wer mich kennt, der weiß: WIR in meinem Verständnis schließt grundsätzlich niemanden aus, unser Verein steht jedem offen – egal welcher Herkunft, welcher Religion, egal welchen Alters und selbstverständlich auch Menschen mit und ohne Behinderung. G ­ erade für Menschengruppen, deren Weg in die Natur hinaus oft von vielen – ich sage mal ‚Stolpersteinen‘ oder von Barrieren (die oftmals nur in unseren Köpfen existieren) – gezeichnet ist, sollen und werden wir uns auch in Zukunft aus Überzeugung engagieren.“ Werte und Botschaften Der Bergsport werde sich in den nächsten Jahrzehnten allerdings verändern: Klimawandel, verstärktes Auftauen des Permafrosts, die Energiewende, die Mobilitätswende (Stichwort: Bergsport ist Motorsport!) würden gezwungenermaßen zu Veränderungen führen – zu Entwicklungen, die wir heute noch gar nicht vorhersehen können: „Wir sind gut beraten, uns (pro-)aktiv in diesen Veränderungsprozess einzubringen. Als ein Beispiel sei an dieser Stelle unsere Klimastrategie und deren Umsetzung angeführt. Diese wird in allen Bereichen unseres Vereinslebens Entwicklungen und Veränderungen bewirken.“ Die Maßnahmen in Sachen Klimastrategie rühren übrigens unmittelbar von zwei Aufträgen aus der Satzung des Österreichischen Alpenvereins, und zwar (1) den Bergsport zu fördern und (2) die Schönheit und Ursprünglichkeit der alpinen Bergnatur zu erhalten: „Damit sind wir bei unseren beiden Rollen – einerseits als Naturnutzer und andererseits als Naturschützer – angelangt. Wir sind gefordert, unsere Expertise in diesen beiden Bereichen weiter zusammenzuführen und so das gegenseitige Verständnis im Verein und auch zwischen unseren Lebensraumpartnern zu erhöhen.“ Nur so werde der Verein auch in Zukunft DER Kompetenzträger in Sachen naturverträglicher Bergsport bleiben. Wo steht der Alpenverein heute? Dunkel-Schwarzenberger: „Heute sind wir

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steckbrief

Gerald DunkelSchwarzenberger Geboren 1970 in der Obersteiermark Wohnhaft in Langenlois, NÖ Verheiratet, 2 Kinder 2008–2016 Bundesjugendleiter 2016–2018 Vorstandsmitglied VAVÖ (Verband Alpiner Vereine Österreichs) Seit 2012 Inklusive Familiengruppe LaLo, Alpenverein Edelweiss Seit 2016 Vorsitz Internationale Steuerungsgruppe Bergsteigerdörfer Seit 2019 Präsident VAVÖ 2008–2023 Vizepräsident des Österreichischen Alpenvereins Seit 2024 Präsident des Österreichischen Alpenvereins

nicht nur der mit Abstand größte Bergsportverein Österreichs, wir sind anerkannte Umweltorganisation, werden häufig als ‚Anwalt der Alpen‘ bezeichnet, wir sind aber auch die größte Jugendorganisation des Landes. Mit unserer alpinen Infrastruktur und 231 Schutzhütten und 10.000 Schlafplätzen sind wir außerdem der größte Beherbergungsbetrieb Österreichs.“ Der Verein habe gerade in den letzten Jahrzehnten einen unglaublich dynamischen Aufschwung genommen. „Wir alle dürfen auf das Erreichte stolz sein, hat doch jeder und jede der unglaublichen 25.000 Ehrenamtlichen in ihrer bzw. seiner Freizeit einen ganz wichtigen Beitrag zum Erfolg geleistet – allen voran unsere Tourenführerinnen und Tourenführer, die zahlenmäßig größte Funktionärsgruppe. All das mit dem Resultat, dass unser Verein das Vertrauen der Bevölkerung genießt. Das kann nur durch Stimmigkeit von unseren Werten, Botschaften und unserem Handeln erklärt werden“, zeigt sich der Präsident stolz. Ein weiterer Grundpfeiler und der Souverän des Vereins seien die 196 Sektionen mit ihren zahlreichen Ortsgruppen. Gerade diese große Anzahl an Teilorganisationen mache es möglich, dass der Alpenverein in den Tälern, in den Ortschaften und Dörfern, also mitten bei und mit den Menschen, aktiv ist. Der laut § 2 der Satzung des Österreichischen Alpenvereins definierte Zweck des Österreichischen Alpenvereins ist es, das Bergsteigen, alpine Sportarten und das Wandern zu fördern und zu pflegen – dies in Eigenverantwortung seiner Zweigvereinsmitglieder. Außerdem soll er die Schönheit und Ursprünglichkeit der Bergwelt erhalten, die Kenntnisse über die Gebirge erweitern und verbreiten und dadurch auch die Liebe zur Heimat pflegen sowie die Wissenschaft und Forschung in diesem Bereich fördern. Dies könne nur dank der vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfüllt werden: „Wenn wir diesen so klar formulierten Vereinszweck als oberste Prämisse unseres Handels (bei-)behalten und dabei stets das Gemeinsame vor das Trennende stellen, dann dürfen wir trotz der enormen Herausforderungen sehr optimistisch in die Zukunft blicken“, erklärt der Alpenvereinspräsident. — 13


thema

Joanna Kornacki

Fotos: Junge Alpinisten TEAM, Much Mayr, Joanna Kornacki; Porträtfotos: Joanna Kornacki

Gute Reise!

Das Junge Alpinisten TEAM steht: Acht junge Bergsteiger*innen begeben sich auf eine zweijährige Reise voller Abenteuer, Erlebnisse und Erfahrungen.

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Bergauf


I

m Herbst 2023 war es wieder so weit, die Karten wurden neu gemischt und acht junge Bergsteiger*innen im Alter zwischen 19 und 22 Jahren haben die Chance bekommen, Teil des neuen Junge Alpinisten TEAMs zu sein! Damit hat der bereits vierte Durchgang begonnen, seit das Programm vor zehn Jahren von der Alpenvereinsjugend ins Leben gerufen wurde. Das Erfolgskonzept, oder besser gesagt die einzigartige Möglichkeit, welche den ausgewählten Alpenvereinsmitgliedern geboten wird, hat sich in der jungen Alpinwelt bereits herumgesprochen und wohl einen Namen gemacht: Uns haben zahlreiche Bewerbungen von motivierten Bergsteigern und Bergsteigerinnen (Letztere sogar in der Überzahl) erreicht. Das Level war so hoch wie noch nie zuvor und die Motivation und zum Teil jahrelange

Vorbereitung, um ins Junge Alpinisten TEAM „reinzukommen“, haben uns sehr positiv überrascht.

Sie werden Verantwortung für sich und andere übernehmen und viel Eigenständigkeit erfahren. Aber vor allem werden sie lernen, als Team in den Bergen unterwegs zu sein.

Persönliche Weiterentwicklung Acht Personen haben es schlussendlich geschafft! Elias, Eva, Jakob, Leonie, Lorenz, Manuel, Murron und Philipp begeben sich nun auf eine gemeinsame Reise durch alle Disziplinen des Alpinismus. Sie werden gemeinsame Abenteuer erleben, viel Wissen und Erfahrungen sammeln, ihre Grenzen verschieben und eine gute Zeit draußen in den Bergen erleben. Jede*r von ihnen hat dabei die Möglichkeit, sich auch persönlich weiter zu entfalten und ihren und seinen Part zum TEAM beizutragen. Ob beim Alpinklettern in den Dolomiten, Winterbergsteigen in den Julischen

Elias

Eva

Jakob

Am Berg immer dabei: Manner-Waffeln.

Am Berg immer dabei: ein guter Snack und gute Laune.

Am Berg immer dabei: Schlechte Witze und ein Plan B.

Sommer oder Winter: Auf jeden Fall Winter, egal ob auf Ski oder beim Eisklettern.

Sommer oder Winter: Im Winter die Finger abfrieren.

(22, Alpenverein Vöcklabruck)

Sommer oder Winter: Eindeutig im Winter in den Nordwänden herumspringen. Worauf ich mich freue: Darauf, viel von den Mentor*innen und anderen Teammitgliedern zu lernen, sowie auf die vielen lässigen Touren, die wir gemeinsam machen werden. Was ich mir vom Junge Alpinisten TEAM erwarte: Gute Seilschaften, in denen man sich vertraut und voneinander profitieren kann.

(21, Alpenverein Innsbruck)

Worauf ich mich freue: Bei den Updates neue Sachen zu lernen und mit einer coolen, motivierten Gruppe unterwegs zu sein. Was ich mir vom Junge Alpinisten TEAM erwarte: Ich will meine eigenen Grenzen verschieben, mein Können verbessern und mich persönlich weiterentwickeln. Jetzt in den letzten Wochen haben wir schon einiges gemeinsam gemacht. Es ist einfach cool, mit einer motivierten Gruppe unterwegs zu sein, in der man sich gegenseitig unterstützen und pushen kann.

(19, Alpenverein Innsbruck)

Worauf ich mich freue: Coole Kletterei, lustige Standplatzgespräche und hoffentlich viele schöne Sonnenaufgänge. Was ich mir vom Junge Alpinisten TEAM erwarte: Eine intensive Zeit und genauso viel zu lernen wie Spaß zu haben.

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thema > Alpen, Skihochtouren in den Hohen Tauern oder Rissklettern in Cadarese, sie werden lernen, das Risiko beim Bergsteigen einzuschätzen, und sich mit ihrem Risikobewusstsein auseinandersetzen. Die jungen Reisenden werden Momente der Freude genießen genauso wie den Umgang mit Scheitern lernen müssen. Sie werden Verantwortung für sich und andere übernehmen und viel Eigenständigkeit erfahren. Aber vor allem werden sie lernen, als Team in den Bergen unterwegs zu sein. Viele Pläne Der Auftakt hat bereits stattgefunden und das TEAM ist eine Woche nach dem offiziellen Start im Oktober 2023 zum Alpinklettern in die Loferer Steinberge gefahren. Neben den ersten gemeinsamen Touren an der Steinplatte und am

Leonie

Lorenz

Manuel

Am Berg immer dabei: Gute Freunde und ganz viele Snacks.

Am Berg immer dabei: Gute Gesellschaft.

Sommer oder Winter: Auf jeden Fall Winter, am liebsten beim Skifahren/ Skitourengehen und Eisklettern, wobei es immer schwierig ist, sich zu entscheiden, was man an einem schönen Wintertag macht.

Sommer oder Winter: Ein paar Tage im Winterraum und von dort aus ein paar coole Touren gehen!

Am Berg immer dabei: Ein*e gute*r Kletterpartner*in, denn dann ist ein toller Tag am Fels oder im Eis garantiert, selbst wenn es mal nicht so läuft, wie man es gerne hätte.

(22, Alpenverein Salzburg)

Worauf ich mich freue: Ich glaube, dass jede gemeinsame Unternehmung ein Highlight ist und man einerseits viel Neues lernt und auch viele neue Erlebnisse und Erfahrungen teilt. Besonders freue ich mich auf die Expedition. Was ich mir vom Junge Alpinisten TEAM erwarte: Ganz viel Neues zu lernen und mich am Berg in allen Disziplinen weiterzuentwickeln und zu verbessern. Aber am allerwichtigsten, mit einer richtig motivierten Gruppe gemeinsam am Berg unterwegs zu sein.

(21, Alpenverein Hall in Tirol)

Worauf ich mich freue: Auf die gemeinsamen Abende, wenn jede*r von den Erlebnissen des Tages erzählt. Was ich mir vom Junge Alpinisten TEAM erwarte: Eine coole Zeit, in der man voneinander lernt, sich weiterentwickelt und gemeinsam viel erlebt.

(21, Alpenverein Innsbruck)

Sommer oder Winter: Definitiv Sommer! Man kann so vieles unternehmen, die Tage sind lang, das Wetter oft gut und die Dolomitentouren gehen mir nicht aus. Worauf ich mich freue: Viel Neues zu lernen und auch Facetten des Alpinismus auszuprobieren, die bis jetzt eher zu kurz gekommen sind, aber vor allem freue ich mich auf die Abschlussexpedition. Was ich mir vom Junge Alpinisten TEAM erwarte: Dass wir eine tolle Zeit verbringen und viele bleibende Eindrücke und Erinnerungen sammeln.

Fotos: Junge Alpinisten TEAM, Much Mayr, Joanna Kornacki

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Bergauf


Nockberge-Trail

Urlkopf sowie diversen Tipps und Tricks zum Standplatzbau, Rope-Solo-Techniken und dem Umgang mit Haken und Hammer, die sie bereits von den Mentor*innen mit auf die Reise bekommen haben, hat das TEAM die ersten gemeinsamen Abende verbracht, Kochkünste bewiesen, Spielideen auf den Tisch gelegt und fleißig Pläne für die bevorstehende Zeit geschmiedet. Wir wünschen ihnen eine gute Reise mit dem Junge Alpinisten TEAM! — Joanna Kornacki ist Mitarbeiterin der Alpenvereinsjugend und leitet das Projekt Junge Alpinisten.

Gunny „k“

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Noc bergeTrail Weiß

Junge Alpinisten TEAM Blog Weitere Informationen zum Projekt Junge Alpinisten findet ihr unter: jungealpinisten.at.

K-Blau

Schwarz

Die Wildnis & Wellness Skidurchquerung

Über die gemeinsamen Abenteuer berichtet das TEAM hier: alpenvereinsjugend.blog/tag/ junge-alpinisten und auf Instagram @junge_alpinisten. Junge Alpinisten TEAM wird unterstützt von Salewa, La Sportiva, Edelrid und Knox Versicherungsmanagement.

4 Tagesetappen/ 5 Skigebiete: Katschberg – Innerkrems – Turracher Höhe – Falkertsee – Bad Kleinkirchheim

Murron

Philipp

Am Berg immer dabei: Schokolade und Panzertape.

Am Berg immer dabei: Eine gute Jause muss bei jeder längeren Tour immer mit dabei sein, und vor allem auch viel Motivation und Spaß.

(22, Alpenverein Imst-Oberland/Jerzens)

Sommer oder Winter: Definitiv Winter! Die kalten und kurzen Tage, das Eisklettern an den heimischen Eisfällen und die Schwünge im unberührten Pulverschnee machen den Winter zur schönsten Jahreszeit. Worauf ich mich freue: Auf die gemeinsame bergsteigerische und persönliche Weiterentwicklung, die Herausforderungen und die Chance, von den erfahrenen Mentoren zu lernen. Und natürlich auch auf die gemütlichen Abende. Was ich mir vom Junge Alpinisten TEAM erwarte: Eine prägende Zeit mit Gleichgesinnten, dass wir gemeinsam viele Erfahrungen sammeln und viel lernen. Sowie eine gute Zusammenarbeit und Gruppendynamik, in der wir uns gegenseitig unterstützen.

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(20, Alpenverein Stubai)

Sommer oder Winter: Ich mag beide Jahreszeiten gerne, im Sommer das Klettern und im Winter Skifahren und Skitouren gehen. Die Abwechslung machts aus. Worauf ich mich freue: Auf die gemeinsame Zeit mit den Leuten und auf lässige Erlebnisse zusammen. Was ich mir vom Junge Alpinisten TEAM erwarte: Ich möchte vor allem viel lernen in allen Disziplinen und mich weiterentwickeln und eine lässige Zeit haben.

• Für genussorientierte Skitourengeher • Im Kärntner Biosphärenpark Nockberge • Max. 6 h Gehzeit und 1.000 Hm pro Etappe • Erste Auffahrt des Tages immer mit der Seilbahn • Übernachtung in komfortablen Hotels • Online Buchbar – Trail Hotline – Gepäcktransfer • Neu: Auch als Schneeschuhroute buchbar!

nockberge-trail.com

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Fotos: Heli Düringer

Thema

Geben und Nehmen Die Kurse „Junge Alpinisten YOUNGSTERS“ der Alpenvereinsjugend Österreich richten sich an Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren, die bereits Erfahrung in den Bergen gesammelt und Lust auf mehr haben. Eine Reflexion. Magda Hofinger

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ntschlossen probiere ich, meine Hand im Riss zu verkeilen. Der raue Granit drückt durch den selbstgebastelten Tape-Handschuh gegen die Haut auf meinem Handrücken, die Finger gleiten über feine Kristalle. Vorsichtig beginne ich, die Hand etwas zu belasten – doch sie rutscht und fluchend hänge ich wieder im Seil. Ich muss lächeln, wenn ich an diesen Tag in Cadarese, Europas Risskletter-Paradies, mit dem Junge Alpinisten TEAM zurückdenke. Es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen. Ich spüre noch die Neugier und Begeisterung von damals, wieder etwas Neues zu lernen, spüre die freudige 18

Die Autorin ist ehemalige Teilnehmerin des Junge Alpinisten TEAMs und jetzt als Kursleiterin bei den YOUNGSTERS tätig.

Erwartung, wenn wieder ein Junge-Alpinisten-Wochenende geplant war. Von 2017 bis 2019 war ich im Junge Alpinisten TEAM 2.0 der Alpenvereinsjugend. Mehr durch Zufall bin ich damals auf die Werbeanzeige gestoßen, unwissend, wie sehr dies meinen weiteren Lebensweg beeinflussen würde. Ich war schon damals, geprägt durch meine Kindheit, sehr sportaffin und naturbegeistert, doch beschränkte sich mein alpiner Horizont eher auf die „leichter zugänglichen“ Disziplinen wie gebohrte Mehrseillängen oder einfachere (Ski-) Hochtouren. Durch das TEAM eröffnete sich mir plötzlich das ganze SpektBergauf


rum an Möglichkeiten. Ich entwickelte das Selbstbewusstsein, in schwierigere Touren einzusteigen, und lernte, das Risiko selbständig und verantwortungsbewusst einzuschätzen. Langsam und wohlbehütet entwickelte ich mich in diesen zweieinhalb Jahren zur Allroundalpinistin. Die treibende Kraft dahinter war wohl immer meine Passion für „das Draußensein“. Ich liebe den einfachen Lebensstil, den das Klettern mit sich bringt, reduziert auf das Wesentliche. Ich konnte mir plötzlich nicht mehr vorstellen, diesen wichtigen Teil in meinem Leben zugunsten alltäglicher Pflichten hintenanzustellen, sodass ich 2021 mit der Ausbildung zur Bergführerin begann. Der vergangene Sommer war sehr besonders für mich. Es war meine erste Führungssaison – das erste Mal, dass ich erleben durfte, wie sich meine Leidenschaft in den Augen meiner Gäste widerspiegelt. Einen Höhepunkt stellten dabei sicher die Jugendkurse für die Alpenvereinsjugend dar. Die YOUNGSTERS sind sozusagen das Vorläuferprogramm des Junge Alpinisten TEAMs. Sie bieten Kurse in allen alpinen Disziplinen für Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren an. Für mich war es sehr bereichernd, mitzuerleben, wie die YOUNGSTERS zum ersten Mal im

alpinen Gelände über sich hinauswachsen, vor allem, weil ich mich so gut in die Situation hineinversetzen kann. Nun bin ich in der umgekehrten Position: darf das Wissen, das ich mir in den letzten Jahren angeeignet habe, an die neue Generation weitergeben. Ich weiß, wie wertvoll und richtungsweisend diese im Moment so einfach erscheinenden Erfahrungen und Impulse sein können. Es ist einerseits schon alleine die unbeschwerte Zeit mit Gleichaltrigen, die für Jugendliche besonders wichtig ist. Gepaart mit der sportlichen Herausforderung und dem Umgang mit Risiko stellte dies für mich eine Mischung dar, die den Bergsport von anderen Freizeitinteressen abhebt. Und dann ist da noch diese besondere Verbindung, die zwischen Mensch und Natur bei alpinistischen Unternehmen entsteht – diese einzigartige Schönheit, in die man sich aufgenommen fühlt, die einem so viele Freiheiten bietet, aber doch so wenig Fehler erlaubt.

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YOUNGSTERS Kurse

Es erfüllt mich mit einer Mischung aus Stolz und Dankbarkeit, dass ich nun meinen kleinen Teil dazu beitragen darf, in dem einen oder anderen eine Leidenschaft fürs Leben zu wecken – ganz so, wie es vor einigen Jahren bei mir passiert ist. In meinen Augen ist dies eines der wichtigsten Dinge für Heranwachsende: eine Passion zu haben, wodurch jeder neue Tag mit sprühender Lebensfreude erwartet wird. Eine Begeisterung, die man am liebsten teilen möchte, die mit Gleichgesinnten verbindet. Es ist ein schöner Gedanke, wenn ich mir vorstelle, dass ich die gleichen Jugendlichen, denen ich eben noch erklärt habe, wie man ein Topo liest und einen Standplatz aufbaut, in einigen Jahren eigenständig auf einer Tour treffe oder aber sogar meine*n Bergführerkolleg*in nennen darf. Das Leben besteht aus Geben und Nehmen. Jeder Tag, den ich letztes Jahr mit Führen oder dem Begleiten von jungen Menschen verbracht habe, hat mir so viel zurückgegeben. Die Neugierde und unbeschwerte Herangehensweise sind die Eigenschaften, die ich mir vor allem von den Jugendlichen mitnehme, die mich daran erinnern, worum es eigentlich geht: mit Spaß bei der Sache zu sein. —

Die Alpenvereinsjugend bietet ein Potpourri an Basiskursen für junge Menschen ab 14, die höher hinauswollen. Eisklettern, Skitouren, Hoch­touren und Alpinklettern bilden die Schwerpunkte. Weitere Infos bei der Alpenverein-Akademie unter t1p.de/youngsters

Die Jungen Alpinisten YOUNGSTERS werden unterstützt von AustriAlpin.

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thema

Frischer Wind im Verein Präsidium —

Markus Welzl

Fotos: privat, falls nicht anders vermerkt

Alpenverein Imst-Oberland

Als ich geboren wurde, bestieg man den Pumori in Nepal zum ersten Mal, die Begriffe „Sportklettern“ und „Mountainbiken“ kannte man noch nicht. Aufgewachsen in Imst in Tirol, öffnete mir mein Vater schon in früher Jugend die Augen für die Natur und das Bergsteigen. Wir waren fast jedes Wochenende in den Bergen unterwegs und so ist es bis heute geblieben. Jetzt teile ich meine Leidenschaft zum Skitourengehen, Klettern, Bergsteigen, Mountainbiken und Reisen mit meiner Frau. Nachdem die drei erwachsenen Kinder ihre eigenen Wege gehen, bleibt uns noch mehr Zeit dafür. Seit über 40 Jahren bin ich aktives Bergrettungs­ mitglied und viele Jahre Mitglied der Lawinenkommission meiner Heimatgemeinde Imst. Wenn ich nicht in der Natur unterwegs bin, verbringe ich meine Zeit gerne mit Lesen, dem Besuch von kulturellen Veranstaltungen und Einrichtungen und mit meiner Familie. Seit über drei Jahrzehnten bin ich beim Land Tirol beschäftigt und befasse mich vorwiegend mit der energieeffizienten Gebäudesanierung. Seit 1998 arbeite ich im Ausschuss der Sektion Imst-Oberland mit, drei Jahre später wurde ich zum Obmann gewählt. Seit 2017 bin ich für unsere Muttekopfhütte verantwortlich. Ergänzend zu diesen Aufgaben im Ausschuss beteilige ich mich als Führer und Ausbildner am Tourenprogramm. Neben der Funktio­ närstätigkeit in der Sektion bin ich seit 20

Die Jahreshaupt­ versammlung des Österreichischen Alpenvereins am 21. Oktober 2023 in Rankweil hat neben dem neuen Präsidenten ein paar weitere neue Gesichter in die obersten Vereinsgremien gewählt – konkret in den Bundesausschuss und das Präsidium des Vereins. Auf diesen Seiten wollen wir diese vorstellen. vielen Jahren im Landesverbandsausschuss und seit zwei Perioden im Bundesausschuss.

André Blaser Alpenverein Innsbruck

André wurde 1971 in Hohenems geboren und wohnt in Innsbruck. Er hat Betriebswirtschaft studiert und ist seit 2021 Steuerberater in Innsbruck. Auf Empfehlung des ehemaligen Vizepräsidenten Walter Wegscheider hat er den Weg ins Präsidium des Österreichischen Alpenvereins gefunden. Gesellschaftlich ist es wichtig für André, sich ehrenamtlich zu betätigen. Er kann sich außerdem sehr gut mit dem Alpen-

verein und seinen Zielen identifizieren, ist er doch selbst sehr bergaffin. Sein größtes Ziel als Teil des Präsidiums: den Bergsport zu fördern und die Nutzung der alpinen Welt nachhaltig zu gestalten.

Elke Bernhard Alpenverein Graz

Meine Heimat im Alpenverein ist die Sektion Graz. Dort bin ich 2015 im Jugendteam mit Kinderkletterkursen gestartet und habe 2016 die Jugendteamleitung übernommen. Dadurch konnte ich mich im Vorstand und in der Digitalisierung der Geschäftsstelle engagieren. Besonders viel Spaß haben mir die Organisation der zwei großen „Familien-Boulderfestl“ und die große Lichteraktion zur 100-JahreAlpenvereinsjugend-Feier auf der Riegersburg gemacht. Im Jahr 2017 habe ich das erste „Inklettern“ organisiert und damit einen Stein ins Rollen gebracht. Zusätzlich engagierte ich mich im Landesjugendteam Steiermark als stellvertretende Leiterin im Bereich Finanzen und Förderungen. Somit lernte ich den Bundesjugendausschuss kennen und habe mich im Netzwerk Inklusion engagiert. In Zusammenarbeit mit Jürgen Einwanger ergab sich ein Förderprojekt, mit dem ich eine österreichweite Inklettern-Tour durchführen konnte. Im Zuge dessen habe ich das Inklettern-Team aufgebaut, auf dessen Engagement und Motivation ich sehr stolz bin. Durch dessen Erfolge war ich inspiriert und konnte mitwirken, um die große „Licht ins Dunkel“-Inklusionsförderung zu erhalten. Mit meiner Gruppe „Baumkinder“ sind wir 2022 dann als ersBergauf


te Sektion im Alpenverein mit dem SustainLabel ausgezeichnet worden. Als ich gefragt wurde, in das Bundesjugendteam zu kommen, konnte ich nicht nein sagen. In dieser Funktion wurde ich bisher in den Hütten- und Wegeausschuss und den IKT-Beirat berufen und durfte an der Erstellung der „AV Digital 2028 Strategie“ mitwirken. Beruflich bin ich seit 2017 selbstständig als Software Consultant im Bereich ERP tätig. Wenn ich nicht gerade bei Sitzungen für den AV bin, gehe ich gerne Klettern, Radfahren, Wandern oder gestalte Jugendaktivitäten mit meinen Freunden aus dem Alpenverein und habe dabei viel Spaß.

Bundesausschuss

Foto: Meister Maria

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Romed Giner Alpenverein Hall in Tirol

Ich wurde auf Vorschlag des Landesverbandes Tirol nochmals in den Bundesauschuss gewählt. Im Zivilberuf bin ich Leiter des Bereichs Informations- und Kommunikationstechnik der Tirol Kliniken GmbH. Seit vielen Jahren bin ich glücklich verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Als aktiver Tourenführer mit diversen Übungsleiterausbildungen und Skitour-Instruktor bin ich regelmäßig im Sommer wie auch im Winter mit Gruppen unterwegs. Als langjähriger Funktionär und begeisterter Bergsteiger im In- und Ausland möchte ich meine fachliche Expertise und meine Erfahrung im Gesamtverein (Hauptverband, Landesverband und Sektionen) einbringen und im Bundesausschuss unsere Interessen stark vertreten. Seit 1999 bin ich aktives Mitglied beim Alpenverein Hall in Tirol, wo ich 15 Jahre lang als Finanzreferent tätig war und seit 2019 erster Vorsitzender bin. Von 2006 bis 2018 habe ich

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bereits ein Mandat im Bundesausschuss für den Landesverband Tirol, wo ich seit 2010 als Finanzreferent agiere, besetzt.

Ulrike Poltura Alpenverein Linz

Ulrike ist seit mehr als 50 Jahren Mitglied im Alpenverein Linz und wurde in der Jungmannschaft erstmals aktiv im Verein tätig. Sie ist Mitglied im Präsidium des Alpenverein Linz, Leiterin der Hochtouristengruppe und Sportkletterreferentin. Sie ist außerdem Mitglied im Landesteam Alpenvereinsjugend. Neben ihrem Ehrenamt ist Ulrike auch hauptamtlich für den Alpenverein tätig: Von 2003 bis 2009 Büromitarbeiterin in der Geschäftsstelle des Alpenverein Linz, seit 2009 ist sie Geschäftsführerin der Alpenverein Linz GmbH (Leitung Kletterzentrum AM TURM in Linz-Urfahr).

meiner selbstständigen Tätigkeit als Unternehmensberater und Umweltberater sowie als Natur- und Umweltpädagoge, wo ich sowohl mit Kindern als auch mit Erwachsenen arbeite, fand ich auch meinen Weg in den Naturschutz. Ich wurde zusätzlich in der Sektion als Jugend- und Naturschutzreferent aktiv und kümmere mich seit knapp acht Jahren im Tiroler Landesverband um den Naturschutz im Alpenverein auf Tiroler Ebene. Meine Studienabschlüsse in Internationaler Wirtschaft, Umwelttechnik und Umweltmanagement sowie mein Doktorat in Nachhaltiger Energiewirtschaft bilden die Basis für meine Tätigkeit als Generalsekretär beim Europäischen Dachverband der Alpinen Vereine (EUMA), wo wir die Interessen von 33 Bergsportvereinen vertreten. Meiner Berufung folgend verbinde ich meine Bergleidenschaft mit dem Beruf und bin mit unserer alpinen Infrastruktur wie Hütten, Wege, Klettergärten oder mit Themen wie Naturschutz, Jugendarbeit und Inklusion und Bergsport in all seinen Facetten auf europäischer Ebene betraut.

Philipp Graf

Alpenverein Gebirgsverein

Andreas Aschaber Alpenverein Kirchberg in Tirol

Meine Leidenschaft sind die Berge. Ich habe meine beruflichen wie auch privaten Ambitionen auf die Berge, den Bergsport und den Natur- und Umweltschutz ausgerichtet. Als begeisterter Bergsportler bin ich seit über 18 Jahren Tourenführer beim Alpenverein und habe später als Alpinreferent der Sektion Kirchberg in Tirol den Instruktor Skitouren, Hochtouren und Alpinklettern abgeschlossen. Aufgrund

Philipp ist hauptberuflich seit 2020 Bundesspartengeschäftsführer der Bundessparte Information und Consulting in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), von 2010 bis 2020 war er als Fachverbandsgeschäftsführer in der WKÖ tätig. Im Österreichischen Gebirgsverein (Sektion Österreichischer Alpenverein) ist der Jurist seit 2016 Vorstandsmitglied und seit 2020 Erster Vorsitzender seiner Sektion. Er ist außerdem Mitglied der Bergsteigergruppe des Gebirgsvereins. Philipps persönliche Interessen reichen vom Bergsteigen, Klettern und Skitourengehen über asiatische Kampfkünste bis hin zur Imkerei. — 21


vereinsintern

Fotos: Mike Roberts, Alpenverein/S. Schöpf

Wir trauern um … … Heini Rettenbacher, der im Oktober 2023 verstorben ist. 1941 als Sattlerkind in Abtenau geboren, war er schon früh in den örtlichen Vereinen engagiert. Die Sektion Lammertal des Alpenvereins wurde 1960 gegründet und Heini war ein Mann der ersten Stunde. Im Alpenverein Lammertal machte er sich bei der Nachwuchsbetreuung verdient, half tatkräftig beim Bau der Gsengalmhütte und bei der Organisation der Jahreshauptversammlung des Gesamtvereins 1972 in Abtenau mit. Bei einer Tour mit der Jugend auf den Donnerkogel kreuzte sich übrigens auch erstmals sein Weg mit jenem seiner späteren Gattin Helga. 1975 übernahm Heini als 34-Jähriger die Aufgabe des 1. Vorsitzenden und sollte dieses Amt 40 Jahre nicht loswerden. Für diese Verdienste erhielt er u. a. die Wappenmedaille in Gold der Marktgemeinde Abtenau. Er war 1976 Geburtshelfer der Ortsgruppe Henndorf (seit 1989 selbstständige Sektion Wallersee) und trieb die Wiedererrichtung des Firststeigs (1982) voran. Unter seinem Vorsitz wurde 1985 das Jugendheim im (damaligen) Bezirksgericht bezogen. 2007 wurde der Gsengalm-Pachtvertrag mit dem Stift St. Peter einvernehmlich gelöst. 2015 übergab er den Vorsitz der Sektion Lammertal an Toni Eßl jun. Er half aber weiter bei der Vereinsführung als 2. Vorsitzender bis zu seinem Ableben am 20. Oktober mit – praktisch ein Leben für den Alpenverein. Man kann also sagen: Wer Heini nicht kennt, ist wohl nicht beim Alpenverein und hat jedenfalls etwas versäumt. — 22

aufruf

Traumland Neuschwabenland Christoph Höbenreich wagte sich 2023 zum siebten Mal ins eisige Herz der Antarktis. Das Wohlthatgebirge war das Ziel zweier Polarexpeditionen nach Neuschwabenland, besser bekannt unter der Bezeichnung Queen Maud Land. Gemeinsam mit Ruppert Heim aus Schwabmünchen durchstreifte der polarerfahrene Tiroler Bergführer drei Wochen lang die Humboldt- und Petermannberge mit Ski, Schlitten und Zelt. Der alpinistische Höhepunkt der Erkundungsexpedition war die Besteigung des 2.791 Meter hohen Ritschergipfels, des höchsten Berges im Otto-von-Gruber-Gebirge, gemeinsam mit dem Neuseeländer Mike Roberts. Die beiden erkundeten bei klirrenden Verhältnissen eine neue Route über die Ostflanke des Berges und erreichten den Gipfel am 6. November 2023. Der weithin sichtbare Berg wurde von der Deutschen Antarktischen Expedition 1939 entdeckt und nach ihrem Leiter, Kapitän Alfred Ritscher, benannt. Die Erstbesteigung gelang 1991 den beiden deutschen Wissenschaftlern Georg Forster und Gerold Noack. Im Zuge der Geomaud-Expedition 1996 landeten dann der deutsche Geologe Joachim Jacobs und der steirische Bergführer Joe Rainer mit einem Hubschrauber in der Nähe des Gipfels und stiegen in wenigen Minuten zum höchsten Punkt. Der Ausblick vom Ritschergipfel in der glasklaren, extrem trockenen Polarluft über die Hochgebirge Neuschwabenlands hinaus bis zum Südpolarplateau ist ein sehr exklusives Erlebnis, denn bisher standen erst sechs Menschen auf diesem abgelegenen Berg. Die Einsamkeit und Stille dieser abgeschiedenen Region bezeichnet er als einige der wertvollsten Momente und Erlebnisse seines Lebens. Mit der Erfahrung von sieben erfolgreichen Expeditionen nach Neuschwabenland plant Christoph für November 2024 eine neue Expedition in das extrem abgelegene polare Traumland. Man darf gespannt sein – und sich bei Interesse an einer Teilnahme gerne bei ihm melden: christoph.hoebenreich@aon.at —

Wir freuen uns über … … den Staatspreis für freiwilliges und ehrenamtliches Engagement. Die Freude in der Alpenvereinsfamilie ist groß: Am 4. Dezember 2023 wurde in Wien erstmalig der „Staatspreis für freiwilliges und ehrenamtliches Engagement in Österreich“ vom Sozial­ministerium und dem Bundes­kanzleramt vergeben. Die Sieger*innen in fünf Kategorien und einem Sonderpreis wurden im Vorfeld von einer Fachjury aus über 200 Einreichungen ausgewählt. Das Projekt „Alpenverein inklusiv“ der Alpenvereinsjugend und des Österreichischen Alpen­vereins wurde mit dem 2. Preis in der Kategorie „Inklu­ sion“ und einem Preisgeld von 3.000 Euro ausgezeichnet.

Das Präsidium des Alpenvereins Dr. Andreas Ermacora, Dr. Nicole Slupetzky, Mag. Gerald DunkelSchwarzenberger, Generalsekretär Clemens Matt, Akademie-Leiter Jürgen Einwanger und das Team Inklusion der Alpenvereinsjugend freuen sich über die Auszeichnung.

Diese Anerkennung und unser Dank gebühren den vielen ehrenamtlichen und freiwilligen Mitarbeiter*innen, die sich im Alpenverein in den Sektionen seit Jahren für eine inklusive, offene Haltung einsetzen und Diversität in ihren Angeboten leben. Mehr Informationen zum Projekt: t1p.de/ProjektAlpenvereininklusiv. — Bergauf


EINSICHTEN

Elisabeth „Lisi“ Steurer

Staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin, Mentorin im Team der Junge Alpinisten seit 2014, Vorstandsmitglied im Alpenverein Lienz, Osttirol

Alpinismusförderung im Alpenverein Der Österreichische Alpenverein organisiert seit 2014 das Nachwuchsförderprogramm „Junge Alpinisten“. Das Besondere im Vergleich zu den meisten anderen Ländern: Es gibt keine Trennung der Geschlechter.

Foto: Martin Lugger

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ie Idee einer Nachwuchsförderung im Alpinismus gibt es schon länger. Frankreich, Schweiz, Deutschland, Italien, Slowenien, USA und einige andere Länder weltweit organisieren derartige Programme schon seit vielen Jahren. Das Ziel ist immer dasselbe: Junge Talente sollen mithilfe von erfahrenen Mentor*innen in die Welt des Alpinismus eintauchen. In den meisten Ländern werden dabei Frauen- und Männerexpeditionskader getrennt organisiert. Wir in Österreich stellen uns das etwas „genderfreundlicher“ vor. Soll heißen: Wir trennen die jungen Frauen und Männer nicht, sondern versuchen sie gemeinsam auf den Weg in die Berge zu bringen. Männlein und Weiblein zusammen in einem Team. Die Auswahl dazu erfolgt durch einen Tourenbericht und ein Kennenlernwochenende, in dem das finale Team dann zusammengestellt wird. Beim ersten Anlauf 2014 waren es 16 junge Alpinist*innen, die wir zwei Jahre lang begleitet haben. Im Laufe der Jahre wurde die ausgewählte Gruppe immer kleiner und im heurigen vierten Durchlauf des Programms starten wir nun mit sechs Männern und drei Frauen in den neuen Durchgang. Neben einer relativ ausgeglichenen Verteilung der Geschlechter ist aber auch die soziale Kompetenz entscheidend: Das Team der Jungen Alpinisten soll ein Ort für neue Freund- und Seilschaften werden, der sich im Laufe der Zeit entwickelt. Die Schwierigkeit der Routen ist dabei vor

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allem zu Beginn nicht immer an oberster Stelle und auch der Egoismus der einzelnen Akteure ist nicht immer passend für ein neues Teammitglied. Alpinismus und Egoismus müssen also nicht zwangsläufig einhergehen. Vielleicht ist es eben auch ein überholtes Bild, dass nur die größten Egoisten wie in der Zeit von Reinhold Messer die erfolgreichen Akteure am Berg waren. Und vor allem fast nur Männer. Vielleicht

»Das Team der Jungen Alpinisten soll ein Ort für neue Freund- und Seilschaften werden, der sich im Laufe der Zeit entwickelt.« ist es an der Zeit, dass Frauen und Männer zusammen am Berg agieren und auch Großes vollbringen können. Und nachher gesund und als Freunde nach Hause kommen. Ein Wunschdenken? Vielleicht? Aber es ist sicher einen Versuch wert, die Welt auch oder vor allem im Alpinismus ein Stück besser zu machen. — 23


im Bild

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Bergauf


Im Winter versinken die Hütten der Alpe Laguz im stillen Weiß. Wo es im Sommer rund um die Rote Wand im Bergsteigerdorf Großes Walsertal (Vorarlberg) von Almbetrieb und Wandergästen wuselt und wimmelt, kehrt in der kalten Jahreszeit Ruhe ein. Dieses Foto ist im Buch Schnee von Peter Mathis erschienen (mehr dazu auf Seite 70). Foto: Peter Mathis , Laguz #1

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unterwegs

H

aben wir uns im ersten Teil intensiv mit der Ausrüstung auseinandergesetzt, wollen wir uns in dieser Ausgabe auf die Vorbereitung – sprich Tourenplanung – sowie das anschließende Klettern im Eis konzentrieren. Tourenplanung ist bei jeder Bergsportaktivität wichtig, aber nirgends so zentral und komplex gleichermaßen wie beim Eisklettern, denn es müssen viele Faktoren zusammenspielen, um im Eisfall erfolgreich zu sein: Neben Länge und Schwierigkeit der Tour, Schwierigkeit des Zu- und Abstieges sowie der Lawinengefahr spielen die aktuellen Eisverhältnisse, die von der herrschenden Temperatur, der Sonneneinstrahlung sowie der Luftfeuchtigkeit abhängig sind, eine entscheidende Rolle. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Logistik, das Material, das mitgenommen wird und etwaiges Zusatzmaterial: Bewältigen wir den Zustieg mit Bergschuhen, mit Schneeschuhen oder Skiern? Oder gar mit E-Bike oder Rodel? Wie viele Eisschrauben und Expressen braucht es und wird noch zusätzliches

Heiß auf Eis

Die Vorfreude ist groß, Steigeisen und Eisgeräte sind geschliffen, die Schrauben bissig und die Temperaturen endlich im Keller: Jetzt geht’s ins Eis! — Teil 2: Die Tour! Gerhard Mössmer Material wie Klemmkeile und Friends für kombinierte Passagen benötigt? Sind Erste-Hilfe-Paket, Biwaksack und Mobiltelefon mit dabei und muss die LawinenNotfallausrüstung mit?

Wie ihr eure Eisklettertour richtig plant und wo ihr die entsprechenden Informationen dazu herbekommt, erfahrt ihr im Beitrag von alpenvereinaktiv.com auf den kommenden Seiten. In Summe gilt es, ei-

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Illustrationen: Georg Soyer, Fotos: Gerhard Mössmer

> Klettertechnik

Neben der ganzen Seil- und Sicherungs­ technik ist eine gute, kraftsparende Klettertechnik der größte Sicherheitsfaktor. Es gilt folgende Regeln zu beachten: • Das Um und Auf ist eine stabile Position. Diese erreichen wir, indem beide Beine und ein Arm ein Dreieck bilden, wobei sich der obere Arm über dem Körperschwerpunkt zwischen den Beinen befindet. Wir stehen hüftbreit und leicht V-förmig im rechten Winkel zum Eis, das Becken ist durchgedrückt und die Ferse hängt leicht nach unten. So haben die

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> Zustieg

Frontalzacken den besten Halt und man hebelt sich nicht selbst aus. • Der Schlag mit den Eisgeräten erfolgt mit Gefühl, um Eisschlag zu vermeiden und Kraft zu sparen zuerst aus der Schulter und dann aus dem Handgelenk. • Grundsätzlich achten wir darauf, dass die Arme immer möglichst gestreckt sind, um Kraft zu sparen. Nur beim Ansteigen ziehen wir die Arme an, um Höhe zu gewinnen. Anschließend erfolgen die nächsten beiden Schläge und wir sind mit den Armen wieder in gestreckter Position.

Beim Zustieg können wir uns einerseits bereits ein gutes Bild vom Fall und dessen Eisqualität machen und andererseits die Lawinengefahr – Achtung auf das Einzugsgebiet! – beurteilen.

Bergauf


nen Eisfall zu finden, der 1. zur herrschenden Lawinensituation passt, 2. risikotechnisch vertretbare Eisverhältnisse aufweist und dem wir 3. technisch und mental gewachsen sind. Und letztendlich sind wir gut beraten, wenn unsere Wahl nicht auf jenen Eisfall trifft, wo Hinz und Kunz am Wochenende hinströmen, weil er im Eiskletterstammtisch auf Facebook gepriesen wurde. Deshalb ist es immer gut, einen Plan B parat zu haben. Am Einstieg Da viele Eisfälle bereits vom Parkplatz aus einsehbar sind, erfolgt hier der erste Check und wir machen uns bereits ein konkretes Bild davon, ob unsere Planung mit der realen Situation übereinstimmt: Wie ist die Lufttemperatur? Wie schaut es mit der Lawinensituation aus? Wie präsentiert sich der Fall? Gibt es Löcher im Eis und/oder ist der Fall stark hintersühlt? Wie dick ist die Eisauflage? Schimmert dunkler Fels durch und welche Farbe hat das Eis? Ist es schön blau oder bereits weiß

und „faul“ (dies ist besonders im Frühjahr zu beachten!)? Gibt es viele freihängende Zapfen und Säulen? Wie präsentiert sich unsere Linie? Ist sie eisschlaggefährdet und – ganz wichtig: Sind bereits andere Seilschaften im Fall? Tipp: Um all diese Fragen bestmöglich zu beantworten, empfiehlt es sich, beim Eisklettern ein kleines Fernglas mitzunehmen. Achtung: Von unten schaut ein Eisfall meistens leichter aus, als er ist … Je mehr wir uns dem Objekt unserer Begierde nähern, desto klarer wird unser Bild. Haben wir die oben angesprochenen Punkte „abgearbeitet“ und sind zur Entscheidung gekommen, dass der Fall für uns passt, suchen wir uns einen eisschlagsicheren Ort, um uns kletterbereit zu machen. In der Tour Eisschlag ist auch in weiterer Folge ein zentrales Thema. Deshalb versuchen wir, die Linie im Fall so zu wählen, dass wir

uns nicht im sogenannten Eisschlagdelta aufhalten. Das heißt, die Stände sind – wenn möglich – immer (leicht) versetzt zur Kletterlinie und der Vorsteiger bewegt sich schräg vom Boden bzw. in weiterer Folge dann vom „Stand“ weg. Die erste Schraube nach dem Stand wird nach wenigen Metern ins Eis gedreht, die weiteren Schrauben sollte man regelmäßig – ca. alle 5 Meter – bzw. taktisch vor und nicht in einer schweren Stelle bzw. Steilstufe aus einer stabilen und kraftsparenden Position setzen. Dabei wird die Schraube im soliden Eis kraftsparend zwischen Schulter- und Hüfthöhe horizontal angesetzt und mit einer Hand bis zum Anschlag ins Eis gedreht, der andere Arm ist dabei möglichst gestreckt, um ebenfalls Kraft zu sparen. Während dem Setzen kann man als Backup eine Expressschlinge mit einem Halbseilstrang im freien Eisgerät einhängen. Ist der Bohrkern, der aus der Schraube kommt, schön gleichmäßig, wissen wir, dass es keine Hohlräume gibt. Achtung: Eissanduhren, die für Abseilzwecke mit >

> Setzen der Schraube

> Halbseiltechnik

Das Setzen der Schraube erfolgt kraftsparend in Hüfthöhe aus stabiler Position. Während des Setzens kann man sich über das freie Eisgerät und eine Expressschlinge selbst sichern. Die Schraube wird im rechten Winkel zur Eisoberfläche angesetzt und ins Eis gedreht.

Grundsätzlich klettern wir in Halbseiltechnik, d. h. es wird immer nur ein Seilstrang in die Zwischensicherung eingehängt, um diese weniger zu belasten. Die Abstände der Zwischensicherungen wählen wir so, dass wir fatale Stürze ausschließen können, die erste Schraube setzen wir möglichst gleich nach dem Stand.

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unterwegs > herkömmlichen Reepschnüren gefädelt wurden, reichen als Zwischensicherung nicht aus. Eine Reepschnur aus Polyamid mit 5 mm Durchmesser muss lt. EN 564 nur eine Bruchlast von 5 kN aufweisen, was bei einem Vorstiegssturz mit großer Wahrscheinlichkeit zum Bruch der Schnur führen würde. Im Gegensatz zum Alpinklettern, wo die Stände in der Regel eingerichtet sind, gilt es beim Eisklettern diese selbst herzustellen. Es ist nicht immer sinnvoll, die gesamte Seillänge auszugehen, vielmehr gilt es, Nischen und/oder Podeste zu nutzen, wo man halbwegs bequem stehen kann. Übersicht und vorausschauendes Handeln sind gefragt, denn der Stand sollte nicht in der Eisschlagbahn der nächsten Seillänge sein. Nachdem der Stand eine Insel der Sicher­heit darstellt, muss dieser redundant – also mit zwei Eisschrauben in solidem Eis – hergestellt werden. Beim Setzen der ersten Schraube können wir wieder das zweite Eisgerät mit Expressschlinge als Backup verwenden. Ist die erste Schrau-

Die oberste Regel beim Eisklettern:

„ Das Können ist des Dürfens Maß“ (P. Preuß)

> Stand im Eis

> Eissanduhr

Der Stand im Eis wird analog zum Felsklettern in Bohrhakenumgebung mittels Reihenverankerung hergestellt: Die zweite Schraube wird ca. 50 cm oberhalb der belasteten Schraube gesetzt. Die Selbst- (hier mittels abgeknoteter Plate, ansonsten mit Mastwurf) und Partnersicherung wird in das „Weiche Auge“ eingehängt. Die Sicherung des Vorsteigers erfolgt vom Fixpunkt mittels Tuber und zusätzlichem Karabiner zur Umlenkung (bis die erste Schraube gesetzt ist).

Werden Eissanduhren mit Halbseilschwänzen hergestellt, können diese nicht nur zum Abseilen, sondern auch als Standplatz (so wie hier mit einer Eisschraube in Reihenschaltung) oder als Zwischensicherung verwendet werden. Dieser Stand kann auch ideal zum Abseilen für die erste Person benutzt werden: Die Eissanduhr ist belastet, eine Schraube dient als unbelastete Hintersicherung, falls die Eissanduhr versagt.

Illustrationen: Georg Soyer, Fotos: Gerhard Mössmer

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Bergauf


alpenverein.shop SicherAmBerg be gesetzt, sichern wir uns sofort mittels Mastwurf im weichen Auge und können das Kommando „Stand“ geben. Anschließend stellen wir mittels zweiter Schraube eine Reihenverankerung und somit die erforderliche Redundanz her. Beim Nachsichern mittels Plate achten wir darauf, dass wir die Seilschlingen sauber aufnehmen, da sich dieses sonst an Eiszapfen leicht verhängen kann. Der Abstieg Bei den meisten Eisfällen gibt es für den Abstieg nur die Möglichkeit abzuseilen. Dabei ist grundsätzlich darauf zu achten, keinen Eisschlag auszulösen, um weder andere Seilschaften noch seinen eigenen Seilpartner zu gefährden. Vorsicht ist vor allem beim Anstoßen von Eiszapfen und beim Aufkommen auf eingefrorenen Schneeblasen in flachen Bereichen zu achten, wo sich mitunter große Eisschollen lösen können. An vielbegangenen Fällen sind die Abseilstände häufig an Bäumen mittels in-

> Abseilen

Beim Abseilen achten wir darauf, dass wir keine freihängenden Zapfen abschlagen, um den Partner oder andere Seilschaften unterhalb nicht durch Eisschlag zu gefährden.

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stallierten Seil- und/oder Reepschnurschlingen und einem Rapidglied bereits eingerichtet. Diese gilt es trotzdem optisch zu prüfen. Gibt es keine vorbereiteten Stände, müssen wir uns selbst Abseilstände bauen. Dies geschieht mittels Eissanduhren, die wir für die erste Person, die abseilt, durch eine unbelastete Eisschraube hintersichern, um deren Zuverlässigkeit zu überprüfen. Achtung: Keinesfalls darf man auf die Idee kommen, an einer Eissanduhr nochmals Toprope hinaufzuklettern, da hier Seil auf Seil läuft und es beim abschließenden Ablassvorgang zu einer Schmelzverbrennung kommen würde. Apropos Toprope: Um sicher und schnell viele Eismeter zu machen und Vertrauen in die Materie Eis zu bekommen, bietet sich Toprope-Klettern natürlich an. Dazu gibt es inzwischen Eiskletterparks wie jene in der Taschachschlucht (T), oder man sucht sich selbst einen geeigneten Eisfall, um eine Toprope-Station einzurichten. Auch hier gilt Redundanz: Der belastete Umlenker wird durch eine Eissanduhr und 2 Schraubkarabinern hergestellt, die Redundanz bildet ein Stand an 2 Eisschrauben, der unbelastet mit der Eissanduhr verbunden ist. Fazit Trotz kalter Finger und kalter Zehen, trotz nasser Klamotten und Schattendasein in düsteren Gräben übt Eisklettern eine besondere Faszination aus. Um den Einstieg in die Materie angst- und vor allem unfallfrei zu schaffen, ist es wichtig, seine Grenzen zu kennen und diese auch zu respektieren. Paul Preuß’ Leitspruch „Das Können ist des Dürfens Maß“ trifft auch für das Eisklettern den Nagel auf den Kopf, denn ist man im Wasserfall überfordert, wird es sehr schnell sehr gefährlich. Deshalb gilt: Lasst es gemächlich angehen und eignet euch das nötige Know-how am besten in Kursen an, sammelt im Eisklettergarten und in leichten Eisfällen viele Eisklettermeter und steigert die Schwierigkeit entsprechend eurem Können so, dass ihr nie überfordert seid! — Gerhard Mössmer ist Mitarbeiter der Abteilung Bergsport im Österreichischen Alpenverein, Bergführer und gerichtlich beeidigter Sachverständiger.

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Unterwegs

Foto: Wolfgang Warmuth

aktiv.com kann dabei durchaus hilfreich sein. Mittlerweile findet sich hier nämlich eine Vielzahl qualitativ hochwertiger Tourenbeschreibungen, die unter anderem von Eiskletter-Urgesteinen wie Christian Piccolruaz veröffentlicht werden. Darüber hinaus gibt es Wetterberichte, Lawinenprognosen, Webcams und Infos zu den aktuellen Tourenverhältnissen.

Ab ins Eis! Das Eisklettern ist eine der anspruchsvollsten Alpinsportdisziplinen, was die Tourenplanung und die Beachtung aller Einflussfaktoren betrifft. Wolfgang Warmuth

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o wie bei Skitouren muss auch eine Wintersportart wie das Eisklettern im Voraus gut geplant und auf der Tour ständig beurteilt werden. Dazu gehören Faktoren wie Länge und Schwierigkeit der Tour. Aber Achtung: Beim Eisklettern ist die klettertechnische Schwierigkeit und vor allem auch der psychische Anspruch stark abhängig von den Verhältnissen. Diese betreffen: • Zu- und Abstieg, also Länge, Schwierigkeit, Lawinengefahr 30

• Wetterbericht mit besonderem Augenmerk auf Temperaturverlauf, Luftfeuchte und eventueller Föhnwetterlage • Lawinenprognose: Besteht für Eisfall/Zuund Abstieg eine relevante Lawinengefahr? • Eisqualität: Gibt es genügend Eis? Wie sind der Eisaufbau und die Eisqualität? Besondere Vorsicht bei Hinterspülung und freihängenden Zapfen. • Alpine Gefahren wie Eis- und Steinschlag,

Einbruch in Bachläufe am Zustieg • Toureninformationen: Wo finde ich am besten Infos zu den Eisfällen? • Infos zu den aktuellen Tourenverhältnissen: Wo gibt es überall gute Infoquellen? • Andrang anderer Eiskletterer: Können wir in den Fall einsteigen oder ist zu viel los und wir brauchen einen Plan B? Viele Fragen sind also zu klären, das Tourenportal alpenverein-

Guter Zeitplan, alternatives Tourenziel Aber: Die Welt des Eiskletterns spielt sich nicht nur auf alpenvereinaktiv ab, vielmehr ist man meist gezwungen, von verschiedenen Quellen die nötigen Infos zu beziehen. Eiskletterführer in Buchform, wie z. B. vom Alpinverlag, sind weiterhin sehr praktisch für die Tourenplanung und für Infos zu den aktuellen Tourenverhältnissen gibt es viele regionale Quellen, die es erst zu entdecken gilt. Dazu gehören Eisklettergruppen auf Facebook, Portale wie gipfelbuch.ch oder lokale Seiten, wie die „Ice News“ für das Pitztal von Alfred Dworak. Eine immer wichtiger werdende Komponente des Eiskletterns lässt sich allerdings wenig beeinflussen und im Vorfeld planen: der Andrang weiterer Seilschaften am selben Eisfall. Hier muss jeder selbst entscheiden, welche Risiken er eingehen mag und ob das Ganze noch Spaß und Sinn macht. Ein guter Zeitplan und ein alternatives Tourenziel in der Tasche helfen aber meist weiter. — Wolfgang Warmuth ist Berg- und Skiführer und im Österreichischen Alpenverein für alpenvereinaktiv.com zuständig.

Bergauf


Touren¡nfos

Ab ins Freie! Passend zum Themenschwerpunkt Eisklettern hat euch die alpenvereinaktiv-Redaktion Touren in gefrorenem Wasser herausgesucht. Die Touren sind von unterschiedlichem technischem und konditionellem Anspruch. Eine gute Selbsteinschätzung und gründliche Tourenplanung sind unerlässlich. Unter jeder Tour findet ihr den Link zur kompletten Tourenbeschreibung auf alpenvereinaktiv.com. — Viel Spaß im Freien!

Taxenbach-Eisfall in Osttirol Ausgangspunkt: Weiler Raneburg (1.270 m) Tourendetails: Schwierigkeit WI 3 – Kletterlänge 200 m

über mehrere Seillängen. Achtung, der Eisfall liegt in einem ausgesprochenen Lawineneinzugsgebiet! www.alpenvereinaktiv.com/s/FeKSO

Foto: Georg Winkler

Autor: Christian Piccolruaz, Alpenverein Innsbruck Charakter und Schwierigkeit: Imposanter Eisfall gegenüber der Osttiroler Tauernstraße. Schöner Anstieg in überwiegend mittlerem Schwierigkeitsgrad (WI 3)

Rechter Doppellutscher im Gasteinertal Tourendetails: Schwierigkeit WI 4 – Kletterlänge 80 m Autor: Christian Piccolruaz, Alpenverein Innsbruck

kompakten Eispanzer im Schwierigkeitsgrad WI 3 und WI 4. Der Rechte Doppellutscher ist ein Klassiker und deshalb recht bekannt. www.alpenvereinaktiv.com/s/Fazkk Foto: Wolfgang Wimmer

Ausgangspunkt: Nähe Mautstation der Gasteiner Alpenstraße (1.228 m)

Charakter und Schwierigkeit: Lohnender, schöner Wasserfall, der fast den ganzen Winter über gute Verhältnisse aufweist. Er bietet steile Eiskletterei an einem

Bese Hexe im Grawa-Eisgarten Ausgangspunkt: Öffentlicher Parkplatz an der Stubaitalstraße (1.484 m)

Seillänge, keinesfalls unterschätzen. Nur selten gute Verhältnisse!

Tourendetails: Schwierigkeit WI 7-, M9+

www.alpenvereinaktiv.com/s/LLOAM

Autor: Christian Piccolruaz, Alpenverein Innsbruck Foto: Karl Linecker

Charakter und Schwierigkeit: Die schwierigste Mixedkletterei im Grawa-Eisgarten! Anspruchsvolle, abwechslungsreiche Mixedroute. Trotz zahlreicher Bohrhaken darf man die Route, speziell die dritte

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unterwegs

Spitzkehren-Ballett Auf anspruchsvolleren Skitouren ist das Beherrschen einer sauberen Spitzkehrentechnik ein wesentlicher Sicherheitsfaktor und somit unerlässlich. Tipps vom Bergsport, Teil 6 Gerhard Mössmer Der häufigste Fehler, den viele Anfänger*innen zu Beginn ihrer Skitourenkarriere machen, ist die falsche Ausgangsposition zu Beginn der Spitzkehre. Dabei können die wenigsten etwas dafür, denn meist ist eine schlecht angelegte Spur dafür verantwortlich. Die „Garage“

Das Um und Auf am Beginn der Spitzkehre ist ein sicherer, horizontaler Stand in der sogenannten Garage. Illustrationen: G. Sojer

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b einer Hangsteilheit von ca. 30 Grad sind Spitzkehren notwendig. Diese Faustformel hilft uns, die Steilheit eines Hanges richtig einzuschätzen. Besonders auf hartem Untergrund, wie Windharsch, hartem Schmelzharschdeckel oder vereisten Kunstschneepisten, ist es absolut wichtig, Spitzkehren sicher durchzuführen, denn ein Ausrutscher könnte durchaus fatal enden. Tipp: Unbedingt rechtzeitig – also noch im flachen Gelände – Harscheisen anlegen! Was es bei der Durchführung einer richtigen Spitz­kehre zu beachten gilt, zeigen wir euch hier. 32

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Das Um und Auf ist ein sicherer, horizontaler Stand mit beiden Skiern in der sogenannten „Garage“. Machen wir am Ende der ansteigenden Spur – zu Beginn der Kehre – keine Garage, wird die Spitzkehre unweigerlich schwierig und gefährlich. Nur so können wir den Talski entsprechend belasten, um den Bergski in Folge zu drehen, ohne dabei zurückzurutschen. Stichwort sicherer Stand: In der Garage angekommen, helfen wir uns mit unseren Stöcken, noch sicherer zu stehen.

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»Nicht ausschlagen wie ein Pferd, sondern drehen wie eine Prima­ ballerina.« Besonders talseitig achten wir darauf, dass die Spitze des Stockes gut im Schnee sitzt, um einen Teil unseres Körpergewichtes darauf abstützen zu können. Die erste Drehung Jetzt kommt der schwierigste Teil der Spitzkehre, denn dazu benötigen wir ein gewisses Maß an Beweglichkeit in Hüfte und Knie. Wir übertragen unser gesamtes Körpergewicht auf den sicher sitzenden Talski und unsere Stöcke. Jetzt heben wir den unbelasteten Bergski leicht an und drehen ihn mit etwas Schwung um 180° in die entgegengesetzte Richtung. Wir positionieren ihn wieder möglichst horizontal, mit sicherem Stand, im Schnee. Ebenso drehen wir unseren Oberkörper mit und platzieren die Stöcke neu, oberhalb von uns im Hang. Dabei achten wir wieder auf einen sicheren Halt der Stockspitzen im Schnee.

1.) Sicherer, horizontaler Stand in der Garage. 2.) Drehung des Bergskis um 180° bei belastetem Talski mit sicherem Halt über die Stöcke. 3.) Möglichst geschlossener, paralleler Stand auf beiden Beinen. 4.) Belastung des Bergskis und Drehung des Talskis durch leichtes Anheben des Knies. 5.) Voilà, geschafft!

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Am Ende dieser Bewegungsabfolge sollten beide Beine bzw. Füße möglichst nahe beieinanderstehen, denn nur so können wir anschließend das gesamte Körpergewicht gut auf den Bergski übertragen, um den Talski zu drehen. Die Vollendung Der letzte Akt – und die Vollendung der Spitzkehre – bereitet vielen Probleme, obwohl dieser Schritt mit der richtigen Technik relativ einfach durchzuführen ist. Dabei ist der Schlüssel zum Erfolg der richtige Drehpunkt. Wir heben den Talski über unser Kniegelenk – nicht über die Hüfte – leicht an und führen die Drehung um das Sprunggelenk bzw. Schienbein des Bergskis durch. In der Regel kommt dabei die Skispitze von selbst nach oben, sodass wir den Ski einfach um 180° drehen können. Sollte die Spitze wider Erwarten (je nach Art der Bindung oder Schneeauflage auf der Skispitze könnte dies passieren) nicht nach oben zeigen, können wir mit einem leichten Kick an der Ferse nachhelfen, um die Skispitze wieder in die richtige Position zu bringen. Der häufigste Fehler, der bei diesem letzten Akt gemacht wird und unweigerlich das Absinken der Skispitze nach unten bedeutet, ist ein zu weit nach vorne gebeugter Oberkörper und das gleichzeitige Anheben des gesamten Beins über die Hüfte nach hinten. Also: Nicht ausschlagen wie ein Pferd, sondern drehen wie eine Primaballerina! —

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im Gespräch Bergauf: Kurz und bündig – was ist der Skitourenguru? Günter Schmudlach: Skitourenguru

ist ein Online-Tool, das dich bei der Auswahl und Planung einer geeigneten Skitour mit tiefem Lawinenrisiko unterstützt. Zu diesem Zweck weist Skitourenguru tausenden Skitouren im Alpenraum täglich ein Lawinenrisiko zu. Vereinfacht ausgedrückt, wird in einer „Quantitativen Reduktions­ methode (QRM)“ das Gelände mit dem Lawinenlagebericht verschnitten. Die auf der Route durchquerten Risiken ergeben zusammengeführt das Lawinenrisiko für die gesamte Route. Dieses wird ähnlich einer Ampel mit drei Farben angezeigt: Grün steht für „tiefes Lawinenrisiko“, orange für „erhöhtes Lawinenrisiko“ und rot für „hohes Lawinenrisiko“. Wichtig dabei: „Grün“ bedeutet nicht kein Lawinenrisiko, sondern lediglich tiefes Risiko.

» Die Verantwortung liegt bei uns.« Beginnt mit digitalen Tools wie dem Skitouren­­guru eine neue Ära der Tourenplanung im Wintersport? Wo liegen die Potenziale und Risiken von algorithmischen Tourenvorschlägen? Und wo setzt die Verantwortung der alpinen Vereine an? Ein Gespräch mit Günter Schmudlach, dem Guru hinter dem Planungstool Skitourenguru.

Wo versteckt sich die Magie? Was kann Skitourenguru besser, als es bisherige Tools oder gar menschliche Einschätzungen können?

Simon Schöpf

Birgt der derzeitige Hype um Künstliche Intelligenz (KI) für den Skitourenguru tatsächliche Potentiale?

Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ weckt große Erwartungen. Technisch gesehen fallen die von Skitourenguru 34

Foto: Martin Scheel

Bisherige Tools haben drei Probleme: Erstens werden sie stiefmütterlich oder gar nicht genutzt. Entsprechende Umfragen zeigen ein klares Bild. Zweitens haben sie ein Konsistenzproblem. Das heißt, mehrere Wintersportler*innen, die dasselbe Tool für dieselbe Situation anwenden, kommen zu unterschiedlichen Resultaten. Drittens ist es nicht möglich, hunderte von Routen mit einer Reduktionsmethode zu vergleichen. Das ist einfach viel zu aufwendig. Niemand macht das. Eine Maschine hat keine Bedürfnisse, keine Träume, keine Gefühle. Sie hat auch nicht das Bedürfnis, Eindruck zu schinden. Deshalb kann sie sich bei der Planung auf das Wesentliche konzentrieren: Gelände und Lawinenlagebericht. Das Ergebnis sind objektive und vergleichbare Beurteilungen.

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verwendeten Methoden (Kernel Density Estimation & Generalized Additive Model) durchaus in den Bereich der KI. Ein Algorithmus lernt aus Unfall- und Nichtunfalldaten (GPS-Tracks). Insofern ja, KI hat ein enormes Potential für die Lawinenunfallprävention. Man muss aber auch immer hinter den Hype schauen: Die KI-Bewegung gibt es schon seit zehn bis 20 Jahren. – Der Begriff „KI“ an sich ist schon problematisch: Er weckt die Erwartung, dass es sich um eine Intelligenz handelt, wie wir Menschen sie für uns in Anspruch nehmen. Bei vielen Anwendungen handelt es sich immer noch eher um eine „künstliche Dummheit“. Ich habe ChatGPT testweise nach einer Tourenbeschreibung für den Piz Giuv gefragt. Da die KI nicht wirklich weiß, was eine Tourenbeschreibung ist, mischt sie die Tourenbeschreibungen des Internets zu einer Antwort. Die Blödsinnigkeit des Ergebnisses ist fast schon wieder lustig. Aber man muss unvoreingenommen an die Sache herangehen. Vielleicht entwickelt in Zukunft jemand eine spezialisierte KI für Tourenbeschreibungen.

Was passiert, wenn jede*r mit dem Handy in der Hand in den Bergen unterwegs ist und sich abgekoppelt von den ganzen anderen Informationen und Zeichen nur mehr auf das Display verlässt? Siehst du eine Gefahr der Blendung durch Technologie?

Es gibt keinen vernünftigen Grund, anzunehmen, dass die Menschen ihr Gehirn zu Hause lassen, nur weil neue Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Ganz im Gegenteil: Wenn ein*e Wintersportler*in mit Hilfe von Skitourenguru eine Route ausgewählt hat, stehen ihr bzw. ihm auf einer einzigen Seite sehr viele Informationen zur Verfügung, die Fragen aufwerfen. Fast alle Informationselemente auf Skitourenguru sind mit Links hinterlegt. Dieses Angebot wird rege genutzt. – Skitourenguru bleibt aber immer ein Auswahlund Planungstool. Das kann nicht oft genug betont werden. Draußen im alpinen Wintergelände werden Informationen zugänglich, die Skitourenguru nicht zur Verfügung stehen. Wer in Theorie und Praxis lernt, diese Informationen zu lesen, kann die Lawinenrisikoeinschätzung von Skitourenguru nach oben (stop) oder unten (go) anpassen. Aber Vorsicht: Manchmal ist die Natur geizig und gibt uns nur wenige oder widersprüchliche Informationen. Dann sind wir auf das angewiesen, was uns die Reduktionsmethoden (StopOrGo, DAV-Snowcard, GRM, PRM) oder eben Skitourenguru sagen.

Welches Maß an angemessener Risikoeinschätzung vermag die Skitourengemeinschaft aufzubringen? Das weiß niemand so genau. Wahrscheinlich ist die Bandbreite groß. Die Vorstellung, dass in der Vergangenheit alles gut war und die erlernten Fähigkeiten mit dem Aufkommen neuer Tools plötzlich verschwinden, halte ich für realitätsfern. Im Gegenteil: Skitourenguru wirft Fragen auf. Ein großer Teil der Wintersportler*innen (nicht alle) wird diesen Fragen nachgehen. Da habe ich Vertrauen in den Menschen. – So oder so: Wenn die Skitourengemeinschaft „grüne“ Routen auswählt, werden die Unfallzahlen zwangsläufig zurückgehen, und zwar unabhängig von der Wirkung von Skitourenguru auf die eigene Risikoeinschätzung.

Wohin führt es, wenn wir vom Internet einen GPS-Track herunterladen und diesem dann blind folgen?

Macht der Skitourenguru Tourenplanung zu einfach? Geben wir einfach Verantwortung auf ein Planungstool ab?

Das Internet bietet eine Fülle von qualitativ sehr unterschiedlichen GPSTracks. In Zukunft werden Algorithmen GPS-Tracks berechnen können. Diese GPS-Tracks werden in ihrer Mas-

Zur Person

Günter Schmudlach ist Informatiker, begeisterter Skitourengeher und der Entwickler des „Skitourenguru“. Damit hat er in den letzten Jahren entscheidend zur Digitalisierung des Bergsports beigetragen. skitourenguru.ch

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se eine „relativ hohe Qualität“ aufweisen. Es werden aber auch immer wieder Nieten darunter sein. Klar, ich kann mir irgendeinen GPS-Track herunter­ laden und diesem blind folgen. Letztendlich ist die Problematik aber nicht neu. Wie oft folgen wir einer Spur oder einer Gruppe, ohne uns groß Gedanken zu machen? Der gesunde Menschenverstand ist immer noch gefragt. Wenn wir wollen, dann können wir kritische und mündige Bürger*innen werden. Geschenkt ist das nicht. Wird die eigene Risikoeinschätzung durch den Skitourenguru potenziell negativ beeinflusst?

Die traditionelle Lawinenkunde hat zumindest ein Problem: Sie ist komplex. Das gilt schon für die „probabilistische Lawinenkunde“, aber ganz besonders für die „analytische Lawinenkunde“. Jede Vereinfachung macht die Lawinenkunde zugänglicher und führt damit zu einer vermehrten Anwendung. Das reduziert die Unfälle. Das ist der springende Punkt. Deshalb gibt es „zu einfach“ nicht. Skitourenguru ist ein Planungstool, das seine Stärke zu Hause entfaltet. Vor Ort und im Einzelhang werden in der Regel neue Informationen zugänglich, > 35


im Gespräch hoch sind und die Auswirkungen auf die Natur erheblich sind. Dem muss mit Lenkungsmaßnahmen, auch mit Verboten, begegnet werden. In der Schweiz ist dieser Prozess bereits weit fortgeschritten. Aus Sicht des Umweltschutzes ist und bleibt das Auto das größte ­Problem. Das Potential der öffentlichen Verkehrsmittel bzw. des Bikes ist noch lange nicht ausgeschöpft. Kann Skitourenguru auch ein falsches Gefühl der Sicherheit suggerieren?

die eine Aktualisierung der Risikoeinschätzung erlauben. Aus diesem Grund liegt die Verantwortung vor Ort und im Einzelhang bei jedem einzelnen Gruppenmitglied sowie bei der Gruppenleitung, sofern eine solche vorhanden ist. Letztendlich ist diese Sportart völlig freiwillig. Wir begeben uns freiwillig, wissentlich und willentlich in unsicheres Gelände. Die Verantwortung liegt also bei uns. Was bedeutet das für die Frequenz in den Bergen? Lenkungsmaßnahmen als ein gewünschtes Ziel?

In einer Leistungsgesellschaft ist es nicht verwunderlich, dass „Skitouren-

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Der Lohn der guten Tourenplanung: perfekter Pulver vor der Traum­ kulisse des Hohen Sonnblicks, Kolm Saigurn, Salzburg. Foto: Simon Schöpf, 05.4.2021

gehen“ zum Trendsport wird. Dass der Mensch in einer so krass entfremdeten Welt die Bewegung in der Natur sucht, wundert mich nicht. Dass diese Entwicklung besonders stark durch die Verfügbarkeit neuer Tools getrieben wird, kann ich nicht glauben. Nach acht Stunden am Computer merke ich, dass ich vielleicht doch ein Kind der Natur bin. Dann muss ich raus. Es gibt heute schon einzelne Hotspots, wo die Frequenzen unverträglich

Wir sollten die Bewertungen von Skitourenguru immer hinterfragen. Ich schaue mir seit Jahren fast täglich die Ergebnisse von Guru an. Vieles gefällt mir. Aber nichts ist perfekt. Es gibt immer auch suboptimale Bewertungen. Eine solche kritische Auseinandersetzung mit Skitourenguru geht aber nicht ohne eine entsprechende theoretische und praktische Ausbildung. Da können die Alpenvereine ansetzen. Das braucht Zeit und Raum. Sind wir bereit, uns diese Zeit und diesen Raum zu geben? — Dieses Interview ist erstmals im Drei D – Magazin der Alpenvereins­ jugend N°3/2023 erschienen. Simon Schöpf ist Mitarbeiter der Zentral­ stelle Öffentlichkeitsarbeit und der Abteilung Bergsport im Österreichischen Alpenverein.

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ie lebt man mit der Tatsache, der Sohn einer traditionsreichen Hüttenwirtsfamilie zu sein? Das ist die Frage, die wir dem 25-jährigen Stefano Confortola gestellt haben, der gerade in die Fußstapfen seiner Vorfahren tritt. Die Hüttenszene wurde Stefano quasi in die Wiege gelegt, dennoch kam die Leidenschaft nach seinem Studium von selbst und so betont der junge Hüttenwirt, dass er ganz freiwillig und ohne familiären Druck hier oben auf 2.493 m arbeitet. Stefano lebt in Santa Catarina di Val Furva oder eben oben auf der BrancaHütte, wo das Panorama von der Hüttenterrasse aus gesehen auf die umliegenden 3.000er gewaltig ist. Eine Aussicht, die schier nach Abenteuer ruft. Offen und entspannt erzählt uns Stefano von einigen Etappen in seinem noch jungen Hüttenwirtleben und von seiner Familie, die die Branca-Hütte seit ihrer Errichtung betreibt. Bereits seine Urgroßväter Emilio Confortola und Felice Alberti, beide Bergführer aus dem Val Furva, hatten am Bau der Hütte mitgewirkt und diese dann bewirtschaftet, genau wie Stefanos Großvater und Vater. Letzterer ist quasi auf der Hütte aufgewachsen und gibt als Koch heute am Herd den Ton an. Monte Pasquale Stolz zeigt uns Stefano ein Bild seines damals dreijährigen Vaters vor der Hütte spielend. Zur Familie gehören heute außerdem noch drei Brüder und Tante Erika, die unermüdlich hinter dem Bartresen steht und die Reservierungen managt. Rund hundert Schlafplätze bietet die Branca-Hütte, die in ihrem 90-jährigen Bestehen drei Renovierungen bzw. Erweiterungen in den Jahren 1986, 1994 und 2020 erfuhr, erzählt Stefano. Im Frühjahr, zur boomenden Skitourensaison, kann es da schon mal eng werden, da sich viele Menschen ein Zweibettzimmer wünschen. Im Sommer hingegen punktet die Branca-Hütte auch als Tagesausflugsziel und Restaurant, ist sie doch vom Parkplatz in gut einer Stunde über einen gemütlichen Wanderweg erreichbar und berühmt ob ihrer ausgezeichneten lombardischen Küche. Auch wir sind hier zum Skitourengehen, wobei das eigentlich eine leichte Unter38

Die Branca-Hütte in den Genen Das „Rifugio Cesare Branca“ liegt im Herzen des Nationalparks Stilfserjoch und ist eine alpine Schutzhütte des Club Alpino Italiano. Die Gegend um die Hütte ist ein Paradies für Tourengeher – Sommer wie Winter. Dagmar Nedbal

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Touren¡nfos

Anfahrt

Die Branca-Hütte – seit 90 Jahren in der Hand der Familie Confortola. Foto: Angelo Razeto

treibung ist, handelt es sich doch durchwegs um ordentliche Skihochtouren, die Gletscherausrüstung und alpine Erfahrung erfordern. Unser Ziel ist der Monte Pasquale (3.553 m), der unter den alpinen Skifahrerinnen und -fahrern sehr beliebt ist, bietet er aus dem Süden ansteigend doch meist eine gut verfestigte Schneedecke. Die fantastische Aussicht auf das ganze Forni-Gebiet und insbesondere auf die Gletscher, die vom Monte Cevadale herunterziehen, gibt es obendrauf. Wir wählen die klassische Aufstiegsroute durch das Val Rosole. Von der Hütte tragen wir erst einmal ein paar >

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Öffentlich: Die nächste Bahnstation ist Tirano (etwa 44 km von Santa Catarina). Tirano ist bequem mit dem Zug zu erreichen. Die Fahrt geht dann weiter mit Bussen Richtung Bormio, Santa Caterina. Alternativ gibt es eine Buslinie „Perego Bormio“. Oder ab Bergamo mit der Buslinie „Orio al Serio“ nach Bormio. Für den Abschnitt Bormio – Santa Caterina existiert das ganze Jahr über eine Busverbindung. Ab Santa Caterina (ca. 1.750 m) mit dem Taxi zum Hüttenparkplatz oder zu Fuß (ca. 6 km). Pkw: Von Norden: über Imst Richtung Landeck bis zur Autobahnausfahrt „Reschenpass/St. Moritz“, durch den Tunnel ins Engadin nach Martina und weiter bis Zernez. Hier links zum Ofenpass abbiegen. Noch

Über 20 fantastische Skitouren gibt es rund um die Branca-Hütte. Foto: Angelo Razeto

vor der Passhöhe dann rechts und durch den Tunnel (Maut 21 Euro) nach Livigno (zollfreies Gebiet). Über den Passo Foscagno nach Bormio. Hierher auch über den Berninapass (weiter, aber weniger kurvig). Dazu fährt man von Zernez weiter Richtung St. Moritz. Noch vor St. Moritz, bei Pontresina, abzweigen zum Berninapass. Über ihn nach Poschiavo und weiter bis Tirano. Hier über Schnellstraßen nach Bormio. Von Bormio ins Val Furva nach S. Catarina und hier Richtung Fornihütte und BrancaHütte (ist ausgeschildert) auf einer kleinen, engen Bergstraße bis zum gebührenpflichtigen Parkplatz am Ende der Straße, nahe einer kleinen Staumauer. Der direkte Weg über das Stilfserjoch ist wegen Wintersperre nicht möglich.

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Blick Richtung Südwesten auf den Noten. Foto: theo kust/www.imagefoto.at

> Minuten die Ski hinauf in nordöstlicher Richtung und klicken nach wenigen Minuten und ein paar Höhenmeter oberhalb der Hütte in unsere Skibindungen. Es geht entlang der offensichtlichen Mittelmoräne, der wir bis zu ihrem Ende folgen, und dann weiter mehr oder weniger in gleicher Richtung zum Talschluss. Hier biegen wir scharf nach links in die Rinne ein, die vom Sattel des Pasquale herunterzieht. Es geht steil bergauf und wir legen die Harscheisen an. Sicher ist sicher. Cima Branca Etliche Kickkehren später erreichen wir dann den flachen Kamm, dem wir nach Osten bis zu seinem höchsten Punkt auf 40

Atemberaubender Gipfelblick vom Palon de la Mare auf die umliegende Bergkette. Foto: Angelo Razeto

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Branca-Hütte Das Branca-Hütte (2.493 m) ist von März bis September bewirtschaftet und mit einem Winterraum ausgestattet. Website: rifugiobranca.it/ berghutte

Auf alpenvereinaktiv.com gibt es die Tour auf den Monte Pasquale hier zu finden:

3.553 m folgen. Drei Stunden benötigen wir für die 1.000 Höhenmeter. Die Sicht ist miserabel. Die Abfahrt erfolgt daher entlang der Aufstiegsspur und aufgrund der ordentlichen Hangneigung von teils 30–35 Grad ist skifahrerisches Können angesagt. Unten im Rosole-Talboden angelangt, wollen wir eigentlich entspannt der Hütte entgegenschwingen, wären da nicht die Wolkenlücken und die verlockenden Hänge der Cima Branca, rechts von uns gelegen, und ein gewisses Leuchten in unseren Augen. Ein vielsagender Blick genügt und wir fellen noch einmal an, um die rund 250 Höhenmeter auf den Hüttenhausberg zu meistern. Die Cima Branca (3.005 m), eigentlich kein richtiger Gipfel, Bergauf


sondern eher eine Erhebung im Kamm, bietet einen schönen Rundblick ins Val Furva und anschließend ideales Skigelände bis zur Hütte, in der uns Stefano mit hausgemachten Kuchen und kühlen Getränken erwartet. Ein preisgünstiges Vergnügen ist die Branca-Hütte freilich nicht, doch die Ansprüche der Gäste, so Stefano, seien heutzutage eben sehr hoch, was Komfort, Essen und Hüttenqualität anbelangt. Zählten vormals eher größere Männergruppen zu den Gästen, so sind es heute viel mehr Frauen, Paare und allgemein jüngere Leute. Das internationale Flair ist im Preis inbegriffen. Im Sommer fänden auch viele Familien mit Kindern herauf, so Stefano. Da brauche es schon fließend warmes Wasser, Duschen und kleinere Zimmer. Wie gut, dass die Hütte, die der Sektion Mailand des italienischen Alpenvereins gehört, über eine eigene Wasserquelle sowie über ein kleines Wasserkraftwerk verfügt. Palon de la Mare Der höchste Berg im Rund der BrancaHütte ist wahrscheinlich auch ihr skifahrerisch schönster, meint Stefano, der natürlich ein ausgezeichneter Gebietskenner ist. Im Corona-Frühjahr 2020, als die Hütte mehr oder weniger geschlossen war, hatten er und sein Bruder viel Zeit zum Bergsteigen. Ganz anders als heute, wo die Gäste schon morgens drängeln. Uns hingegen erwarten eine fantastische Ski-

»Der höchste Berg im Rund der BrancaHütte ist wahrscheinlich auch ihr skifahrerisch schönster. «

tour und ein ideal geneigter Gletscherhang – also los! Die Tour beginnt mit der ausgeprägten Ufermoräne zirka 50 Höhenmeter unter der Hütte in südöstlicher Richtung. Nach deren Überwindung öffnet sich links eine riesige Steilmulde, die nach einem kurzen Flachstück in einen weiten Gletscherhang übergeht. Die Mulde gibt dabei den weiteren Anstiegsweg in nordöstlicher Grundrichtung vor. Zwei Couloirs tun sich vor uns auf, wobei wir uns an das links gele-

gene halten und so die plateauartige, flache Gletscherrampe an ihrem linken (also westlichen) Rand erreichen. Die vielen Spalten lassen wir einfach rechts liegen und drehen nach Osten auf den Gipfel zu. Etwas rechts unterhalb des Palon-Gipfels (3.703 m) steigen wir abschließend hinauf zum breiten Gratrücken, an dem wir das Skidepot errichten und zu Fuß ohne Schwierigkeiten zum höchsten Punkt stapfen. Großartige Ausblicke auf das ForniBecken eröffnen sich uns vom höchsten Punkt: Entschädigung genug für die 1.200 Höhenmeter und gut dreieinhalb Stunden Aufstieg. Doch damit nicht genug: Die steile, südwestlich gerichtete Abfahrt ist ein wahrer Hochgenuss. Zurück auf der Hütte schwärmt Stefano von den unzähligen weiteren Skitourenmöglichkeiten wie etwa Monte Cevedale, Cima Solda, Monte Vioz, Punta Taviela, Punta Cadini, Punta San Matteo oder Pizzo Tresero, um nur einige zu nennen. Ein Wiedersehen ist somit vorprogrammiert. Vielleicht hat Stefano dann bereits Zweibettzimmer mit Duschen und weitere Komfortdetails eingebaut. Stefano wünscht sich jedenfalls, sagt er beim Abschied, dass die Hütte auch in 90 Jahren noch in der Hand seiner Familie ist, was für uns wahrscheinlich schwer zu überprüfen sein wird. — Dagmar Nedbal ist bergbegeisterte Journalistin aus München.

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UNTERWEGS

Hütten: alles geregelt?! Die Hütten- und Tarifordnung (HüOTO) ist eines der wichtigsten Regelwerke für Alpenvereinshütten. Ein Blick hinein. Carolin Scharfenstein

H Hüttenruhe ab 22:00 Uhr

üttenruhe, Nächtigungstarife, Bergsteigeressen – nur drei Schlagworte, die in der Hüttenund Tarifordnung neben vielen anderen Themen geregelt werden. Der Ursprung der HüOTO liegt in den Tölzer Richtlinien aus 1923 und späteren Fassungen. Viele Regeln wurden angepasst, manche bestehen aber bis heute – wie die Hüttenruhe zum Beispiel. Was nach Klassenfahrt klingt, hat auf der Hütte einen nachvollziehbaren Grund – um für die am darauffolgenden Tag geplante Bergtour gerüstet zu sein, wurde die Hüttenruhe ab 22 Uhr festgelegt.

Illustrationen: Valentina Recheis/himmel

Eine geruhsame Nacht

Kein Vorrecht mehr für Alpenvereinsmitglieder gegenüber Nichtmit­ gliedern bei der Vergabe der Schlafplätze

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Das Schlafen auf der Hütte war und ist einer der Hauptgründe für den Erbau von Alpenvereinshütten. Daher lag der Schwerpunkt der Hüttenordnungen viele Jahre auf der Zuteilung der Schlafplätze, seit einigen Jahren gibt es jedoch kein Vorrecht mehr für Mitglieder der Alpenvereine gegenüber Nichtmitgliedern. Bevorzugten Anspruch auf einen Schlafplatz haben lediglich Erkrankte oder Verletzte und Rettungsmannschaften im Dienst. Zu schwer ist diese Umsetzung von Mitgliedervorrechten auf Hütten. So müssten Nichtmitglieder immer bis spätabends warten, bis ihnen ein SchlafBergauf


platz zugewiesen werden könnte, da es ja immer passieren kann, dass Mitglieder zu späterer Stunde bei der Hütte ankommen und sodann ein Vorrecht auf den jeweiligen Schlafplatz hätten. Grundsätzlich dürfen Hüttenwirtsleute Reservierungen für 90 Prozent der Schlafplätze im Voraus annehmen, die restlichen Plätze werden an spontan eintreffende Gäste vergeben. Ist die Hütte voll belegt, aber ankommenden Gästen kann aufgrund der Verfassung, Tageszeit oder Wetter ein Abstieg ins Tal oder zur nächsten Hütte nicht zugemutet werden, werden Notlagerplätze geschaffen. Wie der Name aber schon sagt, sind diese Plätze lediglich für Notsituationen gedacht, der Ursprungsgedanke von Schutzhütten. Eine Herausforderung in Zeiten, in denen ein Besuch auf einer Hütte ohne Reservierung kaum mehr möglich ist. Bereits die Tölzer Richtlinien bildeten die Grundlage für die Besucherlenkung auf Hütten. Zur Besucherlenkung dient auch das Online-Hütten-Reservierungssystem – in der heutigen Zeit, wo die Anzahl der Bergbegeisterten immer weiter zunimmt, aber die Tragfähigkeit von Infrastruktur und Natur begrenzt ist. Mitglieder werden zwar bei der Vergabe von Schlafplätzen nicht mehr bevorzugt, jedoch gibt es immer noch andere erhebliche Mitgliedervorteile, wie zum Beispiel die Nächtigungstarife, die Selbstversorgung oder das Bergsteigeressen und -getränk. Wie schon im Namen der HüOTO vermerkt, sind die Obergrenzen der Nächtigungstarife in dieser festgelegt. Nichtmitglieder zahlen mindestens 12 Euro mehr. Eine Nacht auf einer Alpenvereinshütte soll damit für jeden bezahlbar sein, maximal 15 Euro kostet eine Nacht im Matratzenlager für Erwachsene. Familien und Jugendgruppen werden Mehrtagestouren in den Alpen durch günstigere Tarife für Junioren, Jugendliche und Kinder ermöglicht. Gut gestärkt für die anstehende Bergtour Ein weiterer Mitgliedervorteil ist die vergünstigte Verpflegung, wie das Bergsteigeressen. Auch dieses Angebot lässt sich auf die Tölzer Richtlinien zurückführen und ist seither womöglich das meistdiskutierte Thema der HüOTO. >

#1.2024 — Jänner/februar/März

Bevorzugten Anspruch auf einen Schlafplatz bei einer voll ausgelasteten Hütte haben lediglich Erkrankte oder Verletzte und Rettungsmannschaften im Dienst.

90% 90 % der Schlafplätze dürfen im Voraus reserviert werden. Der Rest wird an spontan eintreffende Gäste vergeben.

Bei akuter Notsituation werden Not­lagerplätze geschaffen.

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Die Obergrenzen der Nächtigungstarife für Mitglieder sind festgelegt. Nichtmitglieder zahlen mindestens 12 € mehr. Eine Nacht auf einer Alpenvereinshütte soll damit für jeden bezahlbar sein. Maximal 15 € kostet eine Nacht für Erwachsene im Matratzenlager.

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UNTERWEGS Für ein vegetarisches „Bergsteiger­essen“ zahlen Mitglieder einen um mindestens 10 % ermäßigten Preis, der jedoch nicht höher sein darf als 11 Euro.

1l

Mitglieder erhalten Teewasser für 3 Euro pro Liter, Teebeutel müssen selbst mit­ gebracht werden.

War früher die Bergsteigerverpflegung anhand des Gewichtes pro Portion definiert, grenzt sich das Bergsteigeressen heute aufgrund des Preises ab. Mindestens 10 % günstiger als andere Mahlzeiten muss es sein und es durfte bislang maximal 9 Euro kosten. Für die Hüttenwirtsleute in Zeiten von Inflation und den damit verbundenen Preissteigerungen eine Herausforderung. Daher wird der Preis mit Jahresbeginn 2024 angepasst, sodass die Obergrenze für das Bergsteigeressen von den jeweiligen Gremien der drei Vereine auf 11 Euro angehoben wurde. Weiterhin soll durch die geringe Preisanpassung der Hüttenaufenthalt insbesondere für Familien und Jugendgruppen bezahlbar bleiben. Auch festgelegt ist, dass das Bergsteigeressen mindestens ein vegetarisches Gericht sein muss, Fleisch kann optional zusätzlich angeboten werden. Dennoch soll das Bergsteigeressen ein vollwertig sättigendes und einfaches Gericht sein. Neben dem Bergsteigeressen und Bergsteigergetränk erhalten Mitglieder auch einen Liter Teewasser für drei Euro, die Teebeutel müssen selbst mitgebracht werden. Mitglieder, die sich auf der Hütte selbstversorgen möchten, können dies in den vorgesehenen Bereichen machen. Für die Nutzung der Infrastruktur entrichten selbstversorgende Tagesgäste 2,50 Euro und Nächtigungsgäste 5 Euro pro Übernachtung. Bei einem Tourenstart vor dem Frühstück kann Selbstversorgung eine Option sein, doch das frischgekochte Hüttenessen schmeckt wohl um Längen besser als eine Tütensuppe. Außerdem unterstützt die Konsumation die Hüttenwirtsleute in der doch recht schweren Bewirtschaftung der Hütten. Wo sonst als in den Alpen bekommt man auf der Welt eine warme Mahlzeit mitten in den Bergen, ohne alles selbst aufwändig hochzutragen? Richtiges Verhalten in den Schlaflagern

Mitglieder, die sich auf der Hütte selbstversorgen möchten, können dies in den vorgesehenen Bereichen machen. Ein Infrastrukturbeitrag von 2,50 Euro für Tagesgäste und 5 Euro für Nächtigungsgäste muss entrichtet werden.

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Um die Schlaflager sauber zu halten, dürfen diese nicht mit Berg- und Skischuhen betreten werden, dafür steht euch der Trockenraum zur Verfügung. Auch das Kochen und Essen ist nicht erlaubt. Da es aufgrund der limitierten Wasser- und Energieressourcen nicht möglich ist, die Bergauf


Decken und Bettwäsche nach jedem Gast zu waschen, ist aus hygienischen Gründen die Verwendung eines Hüttenschlafsacks notwendig. Ein Thema, das besonders Herrchen und Frauchen bewegt, ist die Übernachtung auf der Hütte mit dem geliebten Vierbeiner. Grundsätzlich sind Vierbeiner in allen Schlafräumen verboten, es kann allerdings ein Raum deklariert werden, in dem Tiere (teilweise ohne Besitzer) nächtigen können. Dabei darf eine Reinigungspauschale erhoben werden und das Tier darf nicht im Bett und auf den Decken liegen. Allgemein sollte die Unterbringung, im Interesse aller, immer vorab mit den Hüttenwirtsleuten abgeklärt werden.

Auch wenn nun jedem Leser und jeder Leserin der Kopf schwirrt, ist dies nur ein Auszug aus der Hütten- und Tarifordnung. Aber die gute Nachricht: Diese Regelungen gelten für alle der etwa 550 Hütten der Kategorie I und II des Alpenverein Südtirol sowie des Deutschen und des Österreichischen Alpenvereins und bei eurer nächsten Tour sind euch die wichtigsten Regelungen nun bekannt. —

„Dein kleines Feinschmecker Hotel“

Carolin Scharfenstein ist Mitarbeiterin der Abteilung Hütten und Wege im Österreichischen Alpenverein.

Um die Schlaflager sauber zu halten, dürfen diese nicht mit Berg- und Skischuhen betreten werden, dafür steht der Trockenraum zur Verfügung.

Skitouren Weekends in den Nockbergen für Einsteiger „Vom Pistengehen ins Gelände – Wir zeigen Dir wie es geht!“ Termine (max. 9 Teilnehmer:) Do 25.01.2024 – So 28.01.2024 Do 01.02.2024 – So 04.02.2024 3 Nächte mit Frühstücksbuffet, 5 Gänge Abendmenü (auch vegan), Touren-Lunchpaket 3 Workshops: LVS Gerätekunde, Lawinenkunde, Landkarten, Tourenplanung… 3 Learning on Skitour – je ca. 500 hm – geführt vom erfahrenen Skitouren-Instruktor 3 Transfers zum Skitourenstartpunkt und Retour Wellness nach der Tour mit Quellenpool, Sauna, Dampfbad, Infrarot … Mindestteilnehmeranzahl 6 Personen – max. 9 Personen Paketpreis im Doppelzimmer € 385,00 pro Person EZZ € 45,00 / LVS Leihgeräte / Leihgebühr € 20,00

Da es aufgrund der limitierten Wasser- und Energie­ressourcen nicht möglich ist, die Decken und Bettwäsche nach jedem Gast zu waschen, ist aus hygienischen Gründen die Verwendung eines Hüttenschlafsacks notwendig.

#1.2024 — Jänner/februar/März

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Regional

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egen den heftigen Protest des Alpenvereins und der wissenschaftlichen Vereine wurde der Bau des Gamsgrubenweges durchgesetzt, die Hälfte davon auf Alpenvereinsgrund, der dazu enteignet wurde. Die ursprüngliche Absicht des Planers der Großglockner-Hochalpenstraße und Vorstandes der GROHAG, Franz Wallack, eine Seilbahn aus der Gamsgrube auf den Fuscherkarkopf zu führen, schien 1938 endgültig und offiziell beendet. Paul Dinkelacker, Sonderbeauftragter für Naturschutz im Alpenverein, warnte damals aber: „Solange die Grohag Grundstückseigentümerin in der Gamsgrube bleibt, bleibt auch die Möglichkeit und die Gefahr, dass sie in der Gamsgrube etwas unternehmen wird.“ Er sollte Recht behalten. Verirrungen in der NS-Zeit

Die Gamsgrube im Widerstreit 1936 wurde der Alpenverein für den Bau des Gamsgrubenweges enteignet. Doch Franz Wallack, der Erbauer der Großglockner-Hochalpenstraße, drängte nach mehr. Weitere Hintergründe zur Geschichte eines Rechtsstreites. Teil 2: Der Fuscherkarkopf und die neue Parzelle Martin Achrainer Historisches Archiv des Alpenvereins

Bald entstanden neue, große Planungen, die einerseits mit dem Verkehrsstrom auf der Glocknerstraße, andererseits mit typisch nationalsozialistischem Größenwahn zu tun hatten. Unter anderem dachte man daran, das Glockner-Haus der Sektion Klagenfurt abzureißen und von dort bis zum Freiwandeck großzügige Parkplätze und riesige Hotels zu errichten. Für den Alpenverein hätte das bedeutet, einen Standort für einen Ersatzbau als bergsteigerischen Stützpunkt finden zu müssen. Und bei den Planern der obersten Naturschutzbehörden dachte man an ausgedehnte Spazierwege mit Alpenparks und Erfrischungsmöglichkeiten. Unmissverständlich setzte Arthur Seyss-Inquart, der „Vereinsführer“ des Alpenvereins, allen Ideen für die Gamsgrube ein Ende: In einem Schreiben an den GROHAG-Aufsichtsratspräsidenten Fritz Todt erklärte er, sein Entschluss bedeute auch die Aufgabe des Plans, „dass im Verlauf des Gamsgrubenweges eine Jausenstation oder ähnliches gebaut wird“. Der Weg sei nun einmal da. Er wolle aber „an der Tatsache nichts ändern lassen, dass er ein Hochgebirgsweg ist mit allen Gefahren, die dies einschließt“. Der Fuscherkarkopf mit Gamsgrube stand im Mittelpunkt des Interesses. Foto: K. Treven/ÖAV-Archiv.

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Bergauf


Im Jahr 1947 griff Franz Wallack, nun dor Heinrich Mayer sprach sich darin für neuerlich alleiniger Leiter der GROHAG, Seilbahn und Zufahrtsstraße aus, erging die Seilbahnpläne auf den Fuscherkarkopf sich in Ausfälligkeiten gegen einen „engwieder auf. Mit dem Alpenverein, der ja stirnigen und engherzigen Klüngel von nach wie vor Grundeigentümer der vor- Bergsteigern, die den vielen Menschen gesehenen „Talstation“ in der Gamsgru- den Weg zu den Bergen verwehren möchbe und der Bergstation auf dem Fuscher- ten“, und bezeichnete die Gamsgrube als karkopf war, hatte die GROHAG nicht „völlig uninteressantes Kar“. Mayer hatte gesprochen. Jedenfalls hielt der Alpen- damit auf einen Beitrag in der „Furche“ verein in seiner Hauptversammlung am geantwortet, die sich wie einige andere 12. September 1948 neuerlich fest, dass er Blätter sehr sachlich gegen die Seilbahn an seinem 1936 eingenommenen Stand- ausgesprochen hatte. Nun aber reagierten punkt nichts ändere. Botaniker, der Alpenverein und andere Organisationen heftig auf Mayers Angriff auf den Naturschutz: Die GamsgruScharfe Kontroversen be wurde wieder Thema in der breiten Zu einer scharfen Kontroverse kam es – Öffentlichkeit. Im Sommer 1950 kam es erstmals zu zunächst außerhalb des Alpenvereins – im Jahr 1949, als in der Mitgliederzeitschrift einer erkennbaren Bemühung der GROdes ÖAMTC, „Auto Touring“, ein Beitrag HAG, den Alpenverein und andere Naunter dem Titel „Naturschutz – für wen?“ turschutzkreise in ihre Pläne einzubinerschien. Der Wiener Schriftsteller Theo- den und zu einem Umdenken zu bewegen.

Der Wiener Schriftsteller Theodor Heinrich Mayer sprach sich darin für Seilbahn und Zufahrtsstraße aus, erging sich in Ausfälligkeiten gegen einen „engstirnigen und engherzigen Klüngel von Bergsteigern, die den vielen Menschen den Weg zu den Bergen verwehren möchten“, und bezeichnete die Gamsgrube als „völlig uninteressantes Kar“. #1.2024 — Jänner/februar/März

Ein freundliches Schreiben informierte den Alpenverein davon, dass die Errichtung einer Materialseilbahn „zu Studienzwecken“ schon im Jahr 1951 geplant sei, nach etwa dreijährigem Probebetrieb wäre an die Errichtung der Personenseilbahn zu denken. Mit Josef Klaus war als Salzburger Landeshauptmann und GROHAG-Aufsichtsratsvorsitzender ein Mann am Werk, dem von Alpenvereins-Seite zugetraut wurde, dem Naturschutz mehr Verständnis entgegenzubringen als seinen Vorgängern. Die Kärntner Alpenvereins-Vertreter und jene des Gesamtvereins protestierten bei einer am 15. Juli 1950 angesetzten Begehung geschlossen gegen die Pläne und angeblich erteilte der Kärntner Landeshauptmann Ferdinand Wedenig im Anschluss an diese Begehung den Absichten der GROHAG eine unmissverständliche Abfuhr. Naturschutz mit vereinten Kräften Angeregt durch die neuerliche Debatte von 1949/50, arbeiteten Naturschützer unterschiedlicher Fachrichtungen zum Schutz der Gamsgrube. Ein Sonderheft der Zeitschrift „Natur und Land“ des Instituts für Naturschutz vom Mai/Juni 1951 bekräftigte erneut den wissenschaftlichen Wert der Gamsgrube und die ablehnende Haltung wesentlicher Vereine und Gesellschaften gegenüber dem Seilbahnprojekt der GROHAG. Es war in dieser Zeit wieder viel von der Verwirklichung des Nationalparkes die Rede, auch wenn sie noch Jahrzehnte dauern sollte. Österreich war damals das einzige Land Mitteleuropas, das noch kein Gebiet unter so hohen Schutz gestellt hatte. Ebenso wie die Gamsgrube waren damals auch die Krimmler Wasserfälle in Gefahr. Von Landeshauptmann Klaus kamen deutliche Signale zur Erhaltung der Natur in der „Krise“, die „durch den Einbruch des technischen, des Atomzeitalters“ drohe. Es scheint so, als sei Franz Wallack mit dem Seilbahnprojekt irgendwann mehr oder weniger allein dagestanden. Für ihn sowie für den früheren Salzburger Landeshauptmann Franz Rehrl galt die Seilbahn schon 1934 als „Krönung“ des Werkes der Glocknerstraße. Für die GROHAG waren jetzt aber andere Bauvorhaben wichtiger, > 49


Regional ‹ Parkplatz III am Freiwandeck vor der Erweiterung, ca. 1938. Blick auf Pasterze, Johannisberg und Burgstall. Foto: Schildknecht/ÖAV-Archiv

› Der Grundbesitz des Alpenvereins wurde von der Kärntner Landesregierung unter Naturschutz gestellt, für die Gamsgrube galt und gilt der höchste Schutzstatus mit Betretungsverbot. Hinweisschild auf dem Gamsgrubenweg, um 1938. Foto: F. Thurner/ÖAV-Archiv

> auch Landeshauptmann Klaus als Aufsichtsratsvorsitzender und die Kärntner Landesregierung als zuständige Behörde hielten sich zurück. Die Schuld an diesem Stillstand aber sah Wallack offenbar allein beim Alpenverein. Die umstrittene Parzelle Als Siegmund Zechner, Mitinitiator der Hochalpenstraße, eine Versöhnung zwischen Wallack und Alpenverein herbeiführen wollte, antwortete Wallacks Frau Josefine, ihr Mann sei „unversöhnlich, wenn er sich gekränkt, verletzt oder bekämpft fühlt, auch im Privatleben. (…) Wenn also i c h sage, der Fall ist besser ruhen zu lassen, so bitte glauben Sie mir! Auch tritt mit den Jahren eher eine Verschärfung ein, als eine Milderung, was letzteres ich insgeheim immer gehofft habe.“ Das war im Jahr 1957, anlässlich der Vorbereitung zu Wallacks 70. Geburtstag. Bei einer der zahlreichen Feiern dazu gab dieser „der Hoffnung Ausdruck, dass es ihm gelingen möge, bis zu seinem 80. Geburtstag eine Seilbahn auf den Fuscherkarkopf fertiggestellt zu haben“. 50

Vor diesem Hintergrund ist nun das Rätsel um die Ausmaße der umstrittenen Parzelle zu betrachten. Im Jahr 1936 wurde eine nicht genau definierte Fläche enteignet und nach Fertigstellung des Weges im Jahr 1938 vermessen. Der zuständige Richter des Bezirksgerichts Winklern fällte einen Beschluss zur Eintragung des Ergebnisses dieser Vermessung ins Grundbuch, womit eine neue Parzelle im Eigentum der GROHAG im Ausmaß von 11.535 m² gebildet wurde, die gleiche Fläche wurde aus dem Besitzstand des Alpenvereins abgeschrieben. Um 1950 wurde der Klagenfurter Rechtsanwalt Max Abuja, der für die Sektion Klagenfurt und für den Gesamtverein unermüdlich und außerordentlich verdienstvoll tätig war, anlässlich der Feststellung eines Jagdgebietes von der Behörde darauf hingewiesen, dass die Eintragung der Parzelle im Grundbuchkataster unterblieben war. Letztlich verlor man aber die Angelegenheit aus dem Auge, weil die Jagdsache inzwischen erledigt wurde und der Besitzstand in der Gamsgrube durch die Grundbucheintragung ja gesichert erschien.

Das Weitere ist nun jene Sache, die das Landesgericht Klagenfurt juristisch zu beurteilen hat. Nach unseren Recherchen stellt sich die Entwicklung historisch mit großer Wahrscheinlichkeit so dar: Die GROHAG bzw. Wallack dürften um 1953 die Vermessung einer Grenzlinie weit oberhalb des Weges in Auftrag gegeben haben. Es gibt dort Grenzsteine, während 1936 einvernehmlich festgehalten wurde, dass die Grenze nicht versteint wird. 1955 vermaß das Katasteramt Spittal diese Grenze, erstellte einen Plan und trug diesen in den Kataster ein. Aus dieser Vermessung entstand die Flächenänderung von 11.535 m² auf 36.207 m², also eine Verdreifachung der enteigneten Fläche. Es gibt dazu keinen Beschluss des zuständigen Bezirksgerichts und keine Eintragung im Hauptbuch des Grundbuchs, daher auch keine Zu- und Abschreibungen. Wir können weder eine Verständigung des Alpenvereins von einer Vermessung der Grenze auf seinem Grund und Boden vorfinden noch eine Mitteilung über eine Änderung der Ausmaße seiner Grundstücksparzellen, die sich dadurch ja verringert haben müssten. Bergauf


^ Zwei Welten prallten auch öffentlich aufeinander: Titel­ blätter von „Auto-Touring“ und „Natur und Land“, 1949 bzw. 1951.

Keine Kenntnis seitens der Alpenvereins Unser gut begründeter Rechtsstandpunkt im Verfahren ist, dass der Österreichische Alpenverein keine Kenntnis von diesen Vorgängen hatte. Wir können nachweisen, dass nur wenige Jahre danach bei mehreren Anlässen wichtigen Funktionären die neue Grenzziehung nicht bekannt war. Die GROHAG hat aus ihrem Archiv („Franz-Wallack-Archiv“) nichts vorgelegt, was zur Aufklärung dienen könnte. Unabhängig und unvorgreiflich der Beweiswürdigung können wir aus historischer Sichtweise aber auch eindeu-

Foto: ÖAV-Archiv

› Wegen der Felssturzgefahr von der Freiwand ist der Gams­ grubenweg seit Jahren gesperrt. Foto: Simon Bergmann, 2021

tig ausschließen, dass der Alpenverein – hätte er Kenntnis davon gehabt – diese Veränderung stillschweigend hingenommen hätte. Er hat die erste Enteignung öffentlich, publizistisch und rechtlich bis zum Höchstgericht bekämpft. Er hat die neuerlichen Seilbahnpläne und Dis-

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kussionen nach 1945 beobachtet und zurückgewiesen, öffentlich und in seinen Gremien. Der Schutz der Gamsgrube war nur wenige Jahre vor dieser zweiten Vermessung ein großes öffentliches Thema. Beim Österreichischen Alpenverein wie auch bei der GROHAG waren zum wesentlichen Teil die gleichen Personen tätig wie schon in den 1930er-Jahren, die also mit den Verhältnissen bestens vertraut waren und von denen eine Gesinnungsänderung nicht zu erwarten und nirgendwo festzustellen ist. Bergauf wird weiter über den Prozess berichten. —

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regional

„ Die Geberden der Botaniker bei der Entdeckung einer neuen Pflanze“ Am 9. Juli 1813 betrat David Hoppe erstmals die Gamsgrube und war von der „pflanzenreichen Alpe“ angetan. MARTIN ACHRAINER

D

er deutsche Botaniker David Heinrich Hoppe (1760–1846) wurde bereits im Juli 1800 von Fürstbischof Franz Xaver von Salm-Reifferscheidt zur Erstbesteigung des Großglockners eingeladen. Hoppe schwärmte vom Glück, „in einer der pflanzenreichsten Gegend des Erdbodens“ botanisieren zu können: „Freunde, kann sich ein Botaniker was bessers wünschen, als solches unvermuthete Ereigniß?“ Am 9. Juli 1813 betrat Hoppe, der immer wieder nach Heiligenblut kam, dann erstmals die Gamsgrube und entdeckte damit dieses Refugium der seltensten Pflanzen für die Wissenschaft. Er hat diesen Tag mehrfach beschrieben. Hier Auszüge aus seinem ausführlichen Bericht in der Allgemei­ nen botanischen Zeitung „Flora“ vom September 1833: „Hr. Pichler, Wirth zu Heiligenblut, Besitzer einer Alpe die Gamsgrube genannt, wünschte zu wissen, ob in derselben schon hinlängliche Vegetation vorhanden sey, um Vieh dahin zur Weide treiben zu können. Da er nun hievon selbst Einsicht nehmen wollte, so forder52

te er mich einige Tage nachher auf, ihn zu begleiten, was ich um so mehr mit Freuden annahm, als ich erfuhr, daß diese Alpe hinter dem obersten Pasterzengletscher, also auch noch hinter dem Gebirg gelegen sey, welches ich auf meiner letzten Excursion bereits erspähet hatte. (…) Der oberste Pasterzengletscher hatte sich in ein mehrere Stunden langes und nicht viel schmäleres Eisfeld ausgedehnt, aus welchem das ewig beschneiete Glocknergebirg wie ein mächtiges Amphitheater sich hervorhob, während im Hintergrunde ein kleiner, aber nicht weniger in eisiger Erhabenheit prangender, fast isolirter abgerundeter Berg das Ganze zu schließen schien. Doch erst dann steigerte sich diese Gruppe zu ihrer größten Pracht und Herrlichkeit, als wir nach einer beträchtlichen Wanderung über den kluftreichen Gletscher selbst nun endlich die Gamsgrube betreten hatten, wo der Großglockner uns in gerader Linie gegenüber stand, der ausgedehnte Gletscher zu unsern Füßen lag, und der schöne Schneeberg uns näher gerückt war. Der heitere Bergauf


wolkenlose Himmel verherrlichte diese glanzvolle eisige Scene noch mehr, und kaum dürfte in dem ausgedehnten Gletschergebirge des Montblanc etwas Aehnliches anzutreffen seyn! (…) Und dennoch wurde ich noch freudiger überrascht, als ich an der ersehnten sogenannten Gamsgrube zugleich eine pflanzenreiche Alpe antraf, deren vegetabilische Bewohner wohl größtentheils zu den Seltenheiten gehören müßten, da sich hier die Seehöhe mindestens an 8000‘ schätzen ließ*, und der Boden, aus verwittertem Glimmerschiefer entstanden, ein lockeres fruchtbares Erdreich darstellte. (…) Grund und Boden war als Zeuge

ewiger Einwirkung von Wind und Wetter durchaus wellenartig geformt, wie sich dergleichen bei verjährten Schneefeldern darstellt, und während die Erhabenheiten der Wellen mit mancherlei Vegetation geschmückt erschienen, waren die zwischenliegenden schimmernden Sandflächen entweder ganz kahl, oder beherbergten nur ein Paar seltene Pflänzchen, die mir als ganz neu erschienen und erst * Gut geschätzt: 8.000 Pariser Fuß, das damals unter Wissenschaftlern übliche Maß, entspricht knapp 2.600 m. Die Hofmanns-Hütte am unteren Rand der Gamsgrube lag auf 2.444 m.

späterhin als Lepidium brevicaule und Bra­ ya alpina bestimmt wurden. Doch für heute mußte ich mich nicht nur begnügen, den Weg zum gelobten Lande gefunden und dasselbe als Fremder überhaupt und als Botaniker insbesondere zu allererst betreten zu haben (…).“ Ein Porträt im Gastzimmer Die Entdeckung der Braya alpina, des Alpen-Breitschötchens, hatte Hoppe einige Jahre zuvor, 1827, in derselben Zeitschrift im Detail beschrieben: „Hier hatte ich an dem schmalen Fußsteig, der quer durch die Alpe führt, kaum den Blick erhoben, als ich ein kleines weißblühendes Pflänzchen ersah, welches ich wohl für einen Tetradynamisten, aber weiter nicht, erkannte. Zur genauern Besichtigung desselben mochte ich mich unwillkührlich mit den Worten: was bist denn du für ein Geschöpf, auf ein Knie niedergelassen, und durch Pantomimen den Wirth zu verstehen gegeben haben, nicht zu nahe heranzutreten, denn dieser weiß zur Stunde noch sehr genau die Geberden der Botaniker bei der Entdeckung einer neuen Pflanze, darzustellen.“ Hoppe sollte noch oft nach Heiligenblut zurückkehren. Im Jahr 1830 – die „Johannis-Hütte“, also die spätere Hofmanns-Hütte, wurde erst drei Jahre später errichtet – übernachtete er in einer Felshöhle, um „die Grube nach allen Richtungen der stundenlangen Breite und der kaum ersteigbaren sehr ausgedehnten Höhe zu untersuchen und sich der Glückseligkeit hinzugeben, in diesem Uebermaße von Gletschervegetation nach Herzenslust zu schwelgen.“ Zahlreiche Botaniker und Naturliebhaber folgten David Heinrich Hoppes Spuren und der dankbare Wirt Pichler von Heiligenblut würdigte ihn mit einem Porträt in seinem Gastzimmer. —

„Braya alpina Sternb. et Hopp.“ Erstveröffentlichung in den Denkschriften der KöniglichBaierischen Botanischen Gesellschaft zu Regensburg, 1815 (HathiTrust Digital Library)

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Respektvoll

Im Schatten symbolträchtiger Berge Die neuen Bergsteigerdörfer Dovje-Mojstrana in Slowenien und Crissolo im Piemont Miro Eržen, Massimo Ombrello, Davide Rossi 54

DovjeMojstrana Im oberen Sava-Tal, zwischen der Stadt Jesenice und dem Zentrum der Gemeinde Kranjska Gora, liegt auf 660 m Seehöhe die Ortschaft Mojstrana, die Heimat für 1.100 Einwohner*innen ist. Ihr gegenüber, nur durch den Fluss Sava Dolinka und die Straße Jesenice-Kranjska Gora getrennt, liegt die Ortschaft Dovje auf einer Höhe von 711 m am sonnigen Hang der Karawanken. Mit ihren 627 Einwohner*innen bildet sie zusammen mit Mojstrana und dem Weiler Zgornja Radovna mit 77 Einwohnern das Dorf Dovje-Mojstrana. Es ist der Ausgangspunkt für Bergtouren in die Karawanken, z. B. zu Kepa und Dovška baba, und liegt am Eingang zu den Triglav-Tälern Vrata, Kot und Krma, durch die die Zugangswege zum Triglav (2.864 m) führen. Zugleich ist es der EinBergauf


¡nfo Der Aljažturm auf dem Gipfel des Triglav. Foto: Arhiv Turizem Kranjska Gora

gang zum Nationalpark Triglav mit seinen vielen natürlichen Sehenswürdigkeiten, wie der Triglav-Nordwand und dem Pericnik-Wasserfall. Der gesamte Bogen des Vrata- und Kot-Tals und die Nordwand des Triglav sind ein integraler Bestandteil der lokalen Gemeinschaft von Dovje-Mojstrana, besonders in Zgornja Radovna, wo die Menschen in der Vergangenheit mit Pferden an der Versorgung der Berghütten beteiligt waren. In der Sommersaison ist der Triglav ein beliebtes Ziel von Bergsteiger*innen, aber auch die benachbarten Gipfel Škrlatica (2.740 m) und Stenar (2.501 m) bieten lohnende Touren. Am gegenüberliegenden Bergkamm der Karawanken ist das Panorama des Triglav-Massivs ein Blickfang, der die Wanderungen auf den Kepa-Gipfel (2.501), die Vrtaška-Alm (1.462 m) und weiter nach Sleme (2.077 m) oder zur Alm Dovška Rožca begleitet. Im Winter ist das Tourenskifahren vom Berg Dovška Rožca und (wenn die Bedingungen es erlauben) von Kredarica ins Krma-Tal beliebt. Der Triglav ist das Herz der Julischen Alpen, der höchsten Gebirgsgruppe in Slowenien, deren Fläche großteils zum Triglav-Nationalpark gehört. Der Park wurde nach dem Triglav benannt, der als Symbol Sloweniens gilt und sowohl im slowenischen Wappen als auch in der slowenischen Flagge enthalten ist. Der Zweck des

Parks besteht darin, Naturwerte zu schützen, die Kulturlandschaft zu pflegen und das kulturelle Erbe zu bewahren, Möglichkeiten für das Leben der ständig im Park ansässigen Bevölkerung sicherzustellen, eine naturnahe Entwicklung zu fördern und den Besucher*innen das Erleben der Natur näherzubringen. Dovje-Mojstrana war schon seit jeher mit den Bergen verbunden. Zur Zeit der DuOeAV-Sektion wurde der erste Kurs für Bergführer in Mojstrana organisiert und auch sonst wurde hier die Geschichte des slowenischen Bergsteigens geschrieben. Viele Spitzenbergsteiger kamen aus dem Ort, wie die Teilnehmer der slowenischen Himalaya-Expeditionen zu Annapurna und Makalu oder die ersten slowenischen Bergsteiger im Yosemite. Außerdem ist das Gebiet Heimat von 18 slowenischen Teilnehmer*innen der Olympischen Spiele. Seit 2010 ist in Mojstrana das Slowenische Bergsteigermuseum beheimatet. Das markante Gebäude auf der linken Straßenseite in Richtung Vrata ähnelt einer Berghütte. Vergangenheit und Gegenwart gehen hier Hand in Hand. Eine umfangreiche Objektsammlung mit vielen historischen Erzählungen, ein Foto- und Archivmaterial sowie eine Fachbibliothek Links: Die Triglav-Nordwand zieht Alpinist*innen von weither an. Rechts: Die Orte Dovje (re.) und Mojstrana (li.) am Eingang der Triglav-Täler.

Bergsteigerdörfer Mehr Infos zu den Bergsteigerdörfern gibt es unter bergsteigerdoerfer.org

Hier geht‘s zur Website.

bieten Besucher*innen Einblick in die Vielzahl und Bedeutung der Bergaktivitäten im slowenischen Raum. Das Museum ist zudem Informationsstelle für den Nationalpark und der Alpenkonvention sowie Anlaufstelle für alpine Auskunft. Die Einheimischen sehen ihre Zukunft in der Entwicklung eines Tourismus, wie er von der Philosophie der Bergsteigerdörfer definiert wird, und wollen den Ort vor den massentouristischen Strömungen schützen, die nur wenige Kilometer weiter im benachbarten Kranjska Gora spürbar sind.

Crissolo Es ist ein kleiner Ort im oberen Potal, der auf eine Geschichte zurückblickt, die „doppelseilig“ mit dem Bergsteigen und dem Wandern verknüpft ist. Nach der ersten italienischen Besteigung des Monviso >

Fotos: bergsteigerdoerfer.org (li.)/Miro Eržen (re.)

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Respektvoll > (3.841 m), der mit seinem herausragenden Gipfel die Umgebung um ihn herum dominiert, wurde im Jahr 1863 der Italienische Alpenverein (CAI) gegründet. Das Bergsteigen brachte einen Wandel in der lokalen Wirtschaft mit sich: Es entstanden Schutzhütten in den höheren Berg­ lagen und aus der Tätigkeit von Trägern und Bergführern ergaben sich neue Einnahmequellen. Das Gebiet ist ein Naturschatz der Alpen: Hier entspringt auf der Hochebene Pian del Re (2.020 m) der Po, der längste Fluss Italiens, und zahlreiche Alpenseen und eine vielfältige Landschaft tragen zu einem hohen ökologischen und biologischen Reichtum bei. Der Monviso und die Berge rundherum ziehen bergbegeistere Besucher*innen an, die im mittleren und hohen Potal ein ausgedehntes Netz an gut markierten Wanderwegen vorfinden, z. B. zu den Hütten Quintino Sella und Giacoletti, die Wege zum Colle delle Traversette, zum Tunnel Buco di Viso, der Rundwanderweg Giro di Viso und die Grande Traversata delle Alpi (GTA – die große Überquerung der Alpen). Im Winter lädt die Gegend zum Skibergsteigen und Schneeschuhwandern ein. Natur- und Bergführer*innen ermöglichen einem breit gefächerten Publikum Wanderungen und Aufstiege in sicherer Begleitung und widmen sich auch der Umsetzung integrativer Projekte, um auch Menschen mit Beeinträchtigungen die Erkundung der Bergwelt zu ermöglichen. Daneben spielt die Kultur in Crissolo eine wichtige Rolle: Klassikkonzerte,

Das Gebiet ist ein Naturschatz der Alpen: Hier entspringt auf der Hochebene Pian del Re (2.020 m) der Po, der längste Fluss Italiens, und zahlreiche Alpenseen und eine vielfältige Landschaft tragen zu einem hohen ökologischen und biologischen Reichtum bei. Buchpräsentationen und Ausstellungen zeitgenössischer Kunst prägen das kulturelle Angebot während der Sommersaison und bieten Abwechslung nach einem Wandertag. Kleine Beherbergungsbetriebe, Hotels, Bed & Breakfasts, Gaststätten, Restaurants und Bars, Lebensmittelgeschäfte, Souvenirläden und Sportartikelgeschäfte, die Ausrüstung verleihen, heißen die Tourist*innen willkommen. Alle diese familiengeführten Betriebe leben und arbeiten in Einklang mit Besucher*innen und Bewohner*innen. Auch der Umweltschutz wird hier großgeschrieben: Etwa die Hälfte des Gemeindegebietes steht als Parco del Monviso unter Naturschutz, welcher als treibenDie Borgata Serre im Winter // Weithin sichtbar thront der Gipfel des Monviso über Crissolo.

de Kraft hinter der Förderung eines nachhaltigen Tourismus steht. Seit 2013 ist die Region auch Biosphärenreservat und damit Teil des UNESCO-Programms „Men and Biosphere”. Crissolo vergisst auch seine Geschichte nicht: Die Wallfahrtskirche, die dem heiligen Märtyrer San Chiaffredo gewidmet ist (der Legende nach ein Soldat der thebanischen Legion), erinnert an die Entdeckung seines Grabes im Jahr 522 n. Chr. Heute gilt die Kirche als Ort der Andacht mit einer bemerkenswerten Sammlung von Votivbildern. Im Mittelalter lag Crissolo im Gebiet der Markgrafschaft von Saluzzo. 1480 ließ der Markgraf aus kommerziellen Gründen den ersten Alpentunnel bauen, den Buco di Viso, der noch heute begehbar ist und einen kuriosen Streckenabschnitt des Giro di Viso, einer äußerst interessanten Höhenwanderung, darstellt. Und die Beziehungen zwischen diesem Ort und der Geschichte sind sogar noch älter: Eine anerkannte Theorie besagt, dass Hannibal während des Zweiten Punischen Krieges gegen Rom genau hier die Alpen überquert hat. —­ Miro Eržen ist Projektleiter der Bergsteigerdörfer in Slowenien und war als langjähriges Präsidiumsmitglied im PZS maßgeblich an der Einführung und Umsetzung der slowenischen Bergsteigerdörfer beteiligt. Massimo Ombrello ist Gemeinderat in Crissolo und als solcher Wegbereiter für das neue Bergsteigerdorf. Davide Rossi ist in der Verwaltung des Schutzgebiets und des Biosphärenreservats Parco del Monviso für die Öffentlichkeitarbeit zuständig.

Fotos: Archiv Massimo Ombrello

56

Bergauf


§

der paragraph

Freeriden Was versteht man unter „Freeriden“? Der Begriff „freeriden“ bezieht sich auf das Skifahren oder Snowboarden fernab oder zumindest abseits des gesicherten Geländes, den sog. „freien Skiraum“.

ge, als er andere dadurch nicht unmittelbar gefährdet. Das Recht auf Selbstbestimmung und Selbstgefährdung findet zudem dort seine Grenzen, wo Gesetze oder Regeln (Verkehrsnormen) verletzt werden.

Was ist der „freie Skiraum“? Das Gelände außerhalb des organisierten* und insbesondere vor Lawinen geschützten Skiraums. Der freie Skiraum beginnt etwa zwei Meter ab dem markierten Pistenrand bzw. fünf bis zehn Meter außerhalb der durch Tafeln gekennzeichneten Skirouten eines Skigebiets. Auch Varianten („wilde Abfahrten“), die etwa von einer Piste weg und tiefer gelegen wieder in den organisierten Skiraum zurückführen, gehören zum freien Gelände. Seilbahn- und Pistenbetreiber trifft im freien Skiraum grundsätzlich (ausg enommen etwa künstlich geschaffene atypische Gefahren) keine Schutzpflicht. Unterwegs im freien Skiraum kann und darf ich nicht mehr auf sichere Verhältnisse vertrauen.

Was bedeutet das konkret? Der freie Skiraum ist kein rechtsfreier Raum. Thema sind v. a. Varianten („wilde Abfahrten“), in deren Lawinenbahnen sich gesicherte Pisten befinden. Die für den Skilauf normierten (und als Verkehrsnormen anerkannten) Sorgfaltspflichten (sog. FIS-Regeln) gelangen grundsätzlich auch für den Variantenfahrer sinngemäß zur Anwendung. Das gilt jedenfalls für das allgemeine Gefährdungsverbot (FIS-Regel 1), wonach sich jeder Skifahrer stets so verhalten muss, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt, oder auch für das Gebot des kontrollierten und des auf Sicht Fahrens (FIS-Regel 2 und 3).

Foto: privat

Wie frei ist der Freerider? „Frei“ nach Immanuel Kant: „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“ Der Freerider darf sich – dem Prinzip der Eigenverantwortung folgend – in Gefahr begeben – solan-

* Zum organisierten Skiraum gehören sämtliche gewidmete und gekennzeichnete Pisten oder Schirouten, Übungsgelände, Fun-Parks u. dgl., die vor alpinen Gefahren geschützt oder bei Lawinengefahr gesperrt werden.

#1.2024 — Jänner/februar/März

Katharina Anderwald ist als Rechtsberaterin des Österreichischen Alpenvereins tätig und informiert auf dieser Seite über rechtliche Themen u. a. rund um den Bergsport.

Was bedeuten Lawinenwarnoder Absperrtafeln? Lawinenwarn- oder Absperrtafeln stellen rechtlich betrachtet „bloße“ Warnungen vor einer (potentiellen) Gefahr bzw. Hinweise auf eine fehlende Gefahrensicherung dar. Die Warnschilder dienen oft auch dazu, die Grenzen des gesicherten Skiraums aufzuzeigen. Lawinenwarnoder Absperrtafeln sind keine „Sperren“ im rechtlichen Sinne und dennoch gilt es, diese zu beachten (vgl. FIS-Regel 8). Deren Missachtung kann, etwa im Falle des Auslösens einer Lawine, eine Haftung des Wintersportlers bedeuten. —

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RESPEKTVOLL

Nicht alle sind erfreut Gekommen, um zu bleiben: Was die Rückkehr der großen Beutegreifer bedeutet. Kurt Kotrschal

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D

ie großen Beutegreifer – also Wolf, Bär und Luchs – erobern ihre alten Lebensräume in den Alpen zurück. Das freut zwar an die 70 Prozent der Österreicher und anderen Europäer, aber vor allem der Wolf erregt auch die Gemüter. Er erschwert die Weidewirtschaft, nicht nur im Alpenraum, und sorgt für eine Auferstehung irrationaler Ängste, die von Politikern und Standesvertretern auch trefflich instrumentalisiert werden. Luchse gelten dagegen allenfalls als Konkurrenten der Jäger um die Rehe. Sie kommen vor allem aufgrund illegaler Abschüsse viel langsamer zurück, als sie könnten. Und mit Bären ist das so eine Sache: Obwohl sie gelegentlich Menschen gefährlich werden und heuer sogar einen Jogger im Trentino töteten, hält sich die Aufregung um sie dennoch in Grenzen. In Bergauf


Ein kanadischer Grauwolf des Wolfsforschungszentrums in Ernstbrunn. Hier ist es einfach, den Wölfen nahezukommen. Foto: Vorbecke

Österreich entwickelte sich um das Jahr 2000 eine vielversprechende Population im Ötschergebiet, die aber – ebenfalls aufgrund illegaler Abschüsse – rasch wieder verschwand. Im Moment treiben sich ein paar Bären im Süden Österreichs herum, sie breiten sich aber kaum aus, weil nur die Männchen weit wandern, während die jungen Weibchen „zu Hause“ bleiben. Aufreger Wolf Der Aufreger ist aber der Wolf, weil er ungeschützte Weidetiere tötet und sich manche vor ihm fürchten. Wölfe würden sich bald auch an Menschen vergreifen, man könne die Kinder nicht mehr aus dem Haus lassen, nicht mehr wandern, Schwammerl suchen, heißt es – und dass der Wolf der „Totengräber der Almwirtschaft“ und damit auch des Tourismus in den Alpen sei. Ist das so? Sind Wölfe wirklich derart gefährlich, wie manche Leute meinen? Und warum wird vor allem der Wolf zum Schlachtfeld für einen offensichtlichen Kulturkampf? Schwierig, gegen etablierte Mythen und „alternative Fakten“ mit den nüchternen Tatsachen durchzudringen, die da sind: In Österreich leben zur Zeit laut Österreichzentrum Bär-Wolf-Luchs sieben Rudel (baer-wolf-luchs.at/verbreitungskarten/wolf-verbreitung), also etwa zwischen 30 und 60 Wölfe. Ihre Zahl schwankt jahreszeitlich beträchtlich, weil Anfang Mai die Jungwölfe geboren werden, die ein bis zwei Jahre später aus ihren Rudeln abwandern, während meist aus dem benachbarten Ausland Jungwölfe zuwandern. Viele Wölfe sterben im ersten Lebensjahr, vor allem durch Straßenverkehr und Abschuss, oder sie werden von anderen Wölfen getötet. Neben den Wölfen gibt es eine Handvoll Bären in Österreich, vor allem im Süden und Westen, und etwa 30 Luchse. Aber warum lassen wir diese „Raubtiere“ wieder aufkommen, nachdem sich unsere Vorfahren erfolgreich bemühten, sie auszurotten? Wie viele Einwände rund

#1.2024 — Jänner/februar/März

um den Wolf ist auch diese ebenso häufig wie vorwurfsvoll gestellte Frage eine Halbwahrheit. Denn man hätte um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Wölfe nicht ausrotten können, hätte man ihnen mit Entwaldung und der extremen Dezimierung der möglichen Beute nicht die Lebensgrundlage entzogen. Heute kommen Wölfe rasch zurück, vor allem, weil es noch nie zuvor in Österreich und generell in Mitteleuropa mehr „Schalenwild“, also Rehe, Hirsche und Wildschweine, gab. Das freut die Jagdwirtschaft und die Wölfe, nicht aber jene Waldbesitzer, welche mittels Naturverjüngung naturnahe und klimataugliche Nutz- und Schutzwälder aufbauen wollen. Denen fressen die zu vielen Bambis alle Baumkeimlinge weg, manche hoffen daher nicht ganz zu Unrecht auf die regulierende Funktion der großen Beutegreifer. Warum die Wölfe rasch zurückkommen

Richtlinie“ (FFH) der Europäischen Union einigten sich in den 1980er-Jahren die Mitgliedsstaaten darauf, für viele Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten einen jeweils „guten Erhaltungszustand“ zu erreichen. Im Rahmen von FFH genießt auch der Wolf strengen Schutz. Tiere dürfen nur entnommen werden, wenn sie Leben und Wirtschaften gefährden und um dies abzuwenden, keine „gelinderen Mittel“ zur Verfügung stehen. Dass Wölfe die Distanz zum Menschen verlieren und gefährlich werden können, passiert ganz selten, wenn sie angefüttert wurden. Im letzten Jahrzehnt schoss man deswegen in Europa eine Handvoll Wölfe ab. Heute leben etwa 750 Millionen Europäer mehr oder weniger eng mit 20.000 Wölfen zusammen, dennoch gab es in den letzten 40 Jahren keine kritischen Zwischenfälle. Vor den „gefährlichen Wölfen“ zu warnen, entbehrt daher der sachlichen Grundlage. Im Moment. Das bedeutet natürlich nicht, dass Wölfe Kuscheltiere wären. Dem Menschen gefährlich werden sie, wenn sie angefüttert werden, wenn die Tollwut grassiert, zu Kriegszeiten oder wenn die natürliche Beute fehlt. Solange wir diese Umstände vermeiden, brauchen wir Wölfe nicht zu fürchten. Häufig aber vergreifen sich Wölfe an ungeschützten Weidetieren. Sie dürfen dann „entnommen“ werden, wenn sie dies trotz State-of-the-Art-Herdenschutz tun, oder wenn dieser als „gelinderes Mittel“ nicht zumutbar ist. Diese Möglichkeit wird aber in den aus mehreren Gründen (EU-)rechtswidrigen Abschussverordnungen der Bundesländer (Kärnten, Tirol, Nieder- und Oberösterreich, Vorarlberg) sehr großzügig ausgelegt.

Wölfe kommen auch deswegen rasch zurück, weil die Vermehrungsrate bestehender Rudel satte 30 Prozent erreichen kann. Nach etwa einem Jahr in ihrem Herkunftsrudel wandern die Jungwölfe hunderte bis über tausend Kilometer ab, um in der Fremde einen Partner zur Bildung eines neuen Familienrudels zu finden. Im Gegensatz zu Hunden sind Wölfe übrigens lebenslang monogam. In ihrem ersten Jahr lernen die Jungwölfe in ihrer Familie, wie und was man jagt, sie helfen bei der Betreuung ihrer jüngeren Geschwister und beim Verteidigen der Grenzen des eigenen Territoriums gegen die Nachbarn. Aus diesen Gründen breiten sich Wölfe zwar sehr rasch aus, nach der Rudelbildung steigen die lokalen Wolfsdichten Muss man sich auf den Wolf einstellen? aber nicht weiter an – weil Rudel eine effiziente „dichteabhängige Regulation“ ausüben. Dies bedeutet, dass sie das Ter- Es ist generell bedenklich, dass man in ritorium des Rudels gegen die Nachbarn Konfliktfällen mit missliebigen Wildtieverteidigen und auch jene wandernden ren nicht nur in Österreich zuallererst auf Jungwölfe abhalten, welche sich allzu oft Gewalt, also auf die Flinte, setzt, anstatt an Weidevieh vergreifen. Grob kann man intelligentere Lösungen zu suchen. Die in Gebieten mit etablierten Rudeln von bestehenden Gesetze (FFH) sehen den einer konstanten Dichte von etwa sechs Abschuss bestimmter Tiere in AusnahTieren auf 400 km2 rechnen. mefällen vor. Das reicht aus, es braucht Schließlich kommen Wölfe auch des- den populistisch-problematischen Aktiwegen stark zurück, weil man sie lässt. onismus der Landesregierungen gar nicht Im Rahmen der „Fauna-Flora-Habitat- – zumal der den betroffenen Weidetier- > 59


RESPEKTVOLL tetiere und halten sie gesund, zudem unterstützen sie die Artenvielfalt. Wolf & Co. sind also nicht bloß Jux, Tollerei, Problem und Gefahr, sie haben wichtige Funktionen in den Ökosystemen und sind eigentlich unsere Partner in der weiteren Umstellung auf naturverträglich-nachhaltiges Wirtschaften. Wandern mit Wolf & Co?

> haltern nicht hilft, sondern vielmehr irreführt. Denn auch ein erleichterter Abschuss wird ihr Problem nicht lösen, selbst dann, wenn es irgendwann auf EU-Ebenen gelingen sollte, den Schutzstatus des Wolfes zu lockern. Denn aus den immer stärker werdenden Wolfspopulationen an unseren Grenzen (Italien etwa 3.000, hunderte in Slowenien, Kroatien und der Schweiz, 2.000 in Deutschland) wandern laufend Jungwölfe zu. Daher löst Abschuss ohne Herdenschutz und ohne Bildung von genügend in Österreich ansässigen Rudeln gar nichts. Denn die nächsten Wölfe kommen ganz bestimmt. Sie werden wieder Schafe töten, wenn diese nicht geschützt sind. Es ist aus ökologischen, ethischen und politischen Gründen völlig unrealistisch, zu glauben, die Wölfe würden in Europa wieder ausgerottet werden. Daher muss man sich wohl oder übel darauf einstellen, dass der Wolf gekommen ist, um zu bleiben. Man muss flächendeckend und konsequent Herdenschutz betreiben, auch weil die Halter gesetzlich verpflichtet sind, ihre Tiere vor den sogenannten Raubtieren zu schützen. Und parallel dazu muss man auf Rudelbildung setzen, damit junge „Schadwölfe“ nicht weiterhin ins österreichische Vakuum einwandern, wo ihr Tisch vor allem durch das überhegte Schalenwild reichlichst gedeckt ist. Warum wurden Wölfe unter strengen Schutz gestellt? Dies ist Teil des gesamt60

Wölfe sind sehr soziale Tiere. Ihre Rudel sind Familienklans, man arbeitet beim Jagen, dem Aufziehen der Welpen und beim Verteidigen gegen Fressfeinde und Konkurrenten zusammen. Das sorgt auch dafür, dass in Gebieten mit Rudeln die Wolfsdichten nicht weiter steigen. Foto: Heinz Dungler

europäischen Natur-und Artenschutzes, beschlossen angesichts des rapiden Niedergangs der auch für unser Überleben wichtigen Artenvielfalt. Wir benötigen genügend funktionierende Ökosysteme, auch um die Bestäubung zu sichern und ein Überschwemmen der landwirtschaftlichen Kulturen mit Parasiten zu hemmen. In Ökosystemen haben Top-Prädatoren wichtige Funktionen: Generell beeinflussen sie das Verhalten ihrer Beu-

Die Herrschaft über die Natur ist ein Irrweg, weil wir Teil von ihr sind. Wolf & Co. bringen uns zum Nachdenken, und das ist gut so.

Bereits vor der Ankunft der Wölfe ging vor allem die Zahl der kleinen Almbewirtschafter stetig zurück, aus zunehmendem Personalmangel und weil es sich schlicht nicht mehr lohnt. Das mag man bedauern, aber es ist ein Mythos, dass jede Almwirtschaft ökologisch wertvoll sei. So sorgen die Trends, zu viele Großvieheinheiten und ungeeignet schwere Rinder auf immer kleinere Flächen zu bestoßen, oder gar Gülle auf Almflächen auszubringen, für eine Schädigung der Böden und der Artenvielfalt. Da es künftig nicht mehr möglich sein wird, Schafe und Jungrinder ungeschützt weiden zu lassen, werden die großen Beutegreifer den Strukturwandel beschleunigen. Der Wolf mag letzter Anstoß für das Aufgeben sein, wird aber auch auf geeigneten Flächen eine gelenkte Weideführung, also Behirtung großer Herden mit Herdenschutzhunden und Nachtpferchen, begünstigen, wie ja auch in der Schweiz oder im Trentino bereits üblich. Das muss man wieder mühsam lernen, dafür gibt es auch entsprechende Förderungen und bereits mehrere erfolgreiche Pilotprojekte, drei davon ausgerechnet in Tirol (!). Dass diese Art der Weideführung ökologischer ist und die Tierverluste verringert, sei nur am Rande vermerkt. Aber Patentrezepte gibt es nicht. Es hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab, ob man auf die Wiedereinwanderung der großen Beutegreifer so reagieren kann, dass ein nachhaltiges und konfliktarmes Zusammenleben möglich wird. Perfekt wird es nie werden, denn Herdenschutz wirkt zwar, aber eben auch nie zu 100 Prozent. Eine direkte Gefahr geht für die Wanderer und Kletterer von Wolf & Co. nicht aus, auch nicht, wenn Kinder oder Hunde dabei sind. Im Gegenteil: Wie die Beispiele Rumänien und Sachsen zeigen, kommen viele Gäste, weil sie sich für diese Tiere Bergauf


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interessieren. Aber es wird er- scheinlich, wenn dann handelt höhte Rücksicht gefragt sein. es sich meist um einen neuAuch wenn die Schutzhunde gierigen Jungwolf), dann bitte der zukünftigen großen Her- nicht nett das Jausenbrot verden etwa in den Zentralalpen suchen zu teilen, sondern nach gut menschensozialisiert sein angemessener Beobachtungsmüssen, ist es geraten, ihnen zu zeit groß machen, anschreien, Fuß oder auch per Bergfahrrad drohen, gegebenenfalls einen sehr weiträumig auszuweichen Stock oder Stein werfen. Das – besonders wenn man einen funktioniert bei Wölfen sehr Hund dabeihat. Auch heute ist zuverlässig, aber bitte versuman als Freizeitnutzer ja nicht chen Sie das nie mit einem Bäanspruchsberechtigt, sondern ren. In Wolfsgebieten ist übnur Gast im Natur- und Kul- rigens auch Ihr Hund sicher, turraum Alpen. Dass die mit wenn er in unmittelbarer Nähe der Anwesenheit der großen bleibt. Klima- und BiodiversitätsBeutegreifer verbundenen Veränderungen dieses Bewusst- krise hinterlassen merkliche sein schärfen werden, muss Spuren, vor allem in den Alpen. nicht negativ sein. Wie auch die Arktis erwärmt Während Luchse sich kaum sich der Alpenraum doppelt je sehen lassen, wird die Chan- so rasch wie der Rest der Welt. ce steigen, einem Bären oder Die Gletscher schmelzen und auch Wolf zu begegnen. Darü- die Wölfe, Bären und Luchse kehren zurück. Wir sehen eiber sollte man sich prinzipiell freuen, denn ein solches Erleb- nen raschen, vielfältigen, dynis ist nicht vielen Menschen namischen Wandel, werden die vergönnt. In der Regel macht Gletscher nicht retten, die Beuman sich bemerkbar und das tegreifer nicht draußen halten Tier wird sich zurückziehen. können. Im Interesse der LeEinzig kritisch kann es bei Bä- bensqualität unserer Kinder ren werden, wenn man ihnen und Kindeskinder braucht es unvermutet zu nahe kommt. einen bescheideneren, zurückDann neigen sie nämlich zu ge- haltenderen Umgang mit der legentlichen Verteidigungsan- Natur, eine extensivere Landgriffen. Es empfiehlt sich also, und Forstwirtschaft und einen in Gebieten mit Bären nicht rücksichtsvolleren Tourismus, allzu leise unterwegs zu sein. der Landschaft und Berge nicht Und bei Begegnung sollte man „bespielt“, sondern allenfalls reauf langsamen, vorsichtigen spektvoll erschließt. Die HerrRückzug setzen. schaft über die Natur ist ein Ganz anders beim Wolf, Irrweg, weil wir Teil von ihr den man kaum überraschen sind. Wolf & Co. bringen uns kann. In der Regel wird man zum Nachdenken, und das ist in Rudelgebieten von den Wöl- gut so. — fen bemerkt und beobachtet, ohne dass sie sich sehen lassen. Kurt Kotrschal ist österreichischer Biologe, VerhaltensÜber Sichtungen auf Distanz forscher und Autor. Er ist kann man sich freuen, die WölProfessor im Ruhestand an der fe werden sich zurückziehen. Universität Wien, ehemaliger Leiter der Konrad Lorenz Gibt es aber doch mal eine näForschungsstelle für Ethologie here Begegnung (und es hanin Grünau im Almtal (OÖ) und delt sich tatsächlich um eiMitbegründer des Wolffornen Wolf und nicht um einen schungszentrums. Hund) und der Wolf weicht nicht zurück (sehr unwahr-

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Respektvoll

Das Engagement im Klimaschutz Klimaschutz ist in aller Munde und alle reden davon, was wir denn in Zukunft dazu beitragen könnten. Was jedoch viel zu selten erwähnt wird, sind Aktionen, die bereits jetzt schon innerhalb des Alpenvereins umgesetzt werden. Seit 2022 wird das Engagement der Sektionen zur Reduktion des ökologischen Fußabdruckes belohnt. Irene Welebil

A

uch heuer wurden wieder innovative Projekte eingereicht, die bei der Jahreshauptversammlung des Österreichischen Alpenvereins im Oktober 2023 in Rankweil durch Publikumsvoting gekürt wurden. Sowohl die umgesetzten Projekte als auch die Projektideen wollen nachgeahmt werden. Die Gewinnerprojekte werden hier vor den Vorhang geholt.

Gewinnerprojekte —

Platz 1:

Platz 2:

Prima-KlimaSammelpass Ein Sammelpass für Öffi-Touren soll Mitglieder der Sektion Linz motivieren, an öffentlichen Touren aus dem Sektionsprogramm teilzunehmen. Für jede Teilnahme an einer Öffi-Tour gibt’s ein „Mobil ohne Auto“-Pickerl. Alle vollgeklebten Sammelpässe (8 Pickerl) nehmen bei der Jahreshauptversammlung an der Verlosung von drei Klimatickets für Oberösterreich teil.

Wasserstoffanlage

Platz 3:

Der Alpenverein Austria hat sich zum Ziel gesetzt, die Stromversorgung der Sonnschien-Hütte (Hochschwabgruppe) in Bezug auf die erneuerbare Stromerzeugung zu optimieren. Dazu wurde eine bestehende PV-Anlage (Photovoltaikanlage) durch eine Wasserstoffanlage ergänzt. In Zeiten von Stromüberschuss aus der PV-Anlage wird grüner Wasserstoff erzeugt, der bei geringer Strahlung, z. B. in der Nacht, mittels Brennstoffzelle wieder in Strom umgewandelt wird. Durch diese Erweiterung soll nun noch mehr Strom aus erneuerbaren Quellen kommen. Das Notstromaggregat wird nur noch bei technischen Pannen benötigt.

Die Sektion Saalfelden will die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln mit übersichtlichen Infotafeln und -foldern erleichtern. Dafür wurden Übersichtskarten erstellt, auf denen der Öffi-Netzplan mit den Ausgangspunkten zu den Bergabenteuern verknüpft ist. Im Tourenportal alpenvereinaktiv.com wurden ausgewählte Touren in der Region gesammelt, teilweise neu angelegt und deren Öffi-Anreise detailliert beschrieben. Ein QR-Code verweist auf vier verschiedene Sammlungen mit Tourentipps in der Region.

62

Infotafeln Öffi-Touren

Gewinner-Projektideen —

Platz 1:

Wege und Touren ab der letzten Haltestelle Viele Wegweiser beginnen derzeit am Ausgangspunkt beim Wanderparkplatz. Die Sektion Austria will das ändern und mit der Beschilderung bereits an der letzten Öffi-Haltestelle starten. Nicht nur die Beschilderung soll an der letzten Haltestelle beginnen, sondern auch die Beschreibungen im Tourenportal alpenvereinaktiv. com. Die Sektion ist eifrig dabei, die Beschreibungen der öffentlichen Anreise der Touren in deren Arbeitsgebieten zu verbessern.

Platz 2:

Kürsinger-Express An einer Lösung für die letzte Meile zur beliebten Kürsinger-Hütte feilt die Sektion Salzburg. Um die Taxifahrten im Obersulzbachtal ab dem überlasteten Parkplatz Hopffeldboden zu reduzieren bzw. um erst gar nicht bis zum Parkplatz mit dem PKW anreisen zu müssen, soll künftig ein E-BikeVerleih für Nächtigungsgäste der KürsingerHütte direkt an der Bahnstation in NeukirBergauf


Die Gewinner-Projekte

BERGTOUREN MIT DE

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SELECTE

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Wasserstoffanlage Sonnschien-Hütte

Öffi-Sammelpass

Öffi-Netz & Tourentipps

Foto: Alpenverein Austria

Foto: Sektion Linz

Foto: Sektion Saalfelden

Beschilderung ab Haltestelle

Kürsinger-Express

Belohnung Öffi-Anreise Hütten

Foto: Alpenverein Austria

Foto: Sektion Salzburg

Foto: norbert-freudenthaler.com

Für Inhalt und Richtigkeit wird nicht gehaftet. Es sind lediglich ausgewählte Ziele und Wanderungen

Supplier shall not be liable for content or accuracy

Dieser topologische Netzplan ersetzt keine Wanderkarte. Für Wanderungen im Gebirge werden Eigenverantwortung, T

The map at hand is no valuable trail map. Plan your hike

Die Gewinner-Projektideen

chen eingerichtet werden, der von lokalen Sportartikelhändlern betrieben werden soll. Somit steht einer Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln nichts mehr im Weg.

Platz 3:

Belohnung für Öffi-Anreise zu Alpenvereinshütten Viele der bewirtschafteten Alpenvereinshütten sind gut öffentlich erreichbar. Trotzdem reist der überwiegende Teil der Hüttenbesucher*innen mit privaten Fahrzeugen an. Als Motivation zur öffentlichen Anreise will die Sektion Edelweiss Anreize schaffen, dies auszuprobieren, indem Öffi-Nutzer für ihr Engagement im Klimaschutz belohnt werden: Bei Vorweisen eines gültigen Öffi-Tickets gibt’s ein Gratisgetränk auf der Hütte.

#1.2024 — Jänner/februar/März

Das war noch nicht alles Abseits der Gewinnerprojekte wurden noch viele weitere kreative Ideen und Lösungen in Sachen Klimaschutz eingereicht. Neben unterschiedlichen Initiativen zur Umstellung des Sektionsprogramms auf die klimafreundliche Anreise wurden z. B. pro Neumitglied Bäume gepflanzt, Windturbinen auf Hütten errichtet, ein Alpen-

¡nfo

Die klima­freundlichsten Sektionen Weitere Infos: t1p.de/klima-sektion

vereinsgarten zum Erhalt der Biodiversität neu gestaltet oder Green-Events durchgeführt. In einer Familienwoche durften Energiedetektive aktiv werden und das Energiesparen anhand von Experimenten verstehen und es wurden Alpenvereinskarten upgecycelt, indem sie ein zweites Leben als Drachen bekamen und im Wind steigen durften. Danke an alle teilnehmenden Sektionen für das Engagement im Klimaschutz. Jedes einzelne Projekt liefert einen Beitrag, doch die Summe an Projekten lässt uns als Verein so richtig stark werden. Behaltet eure Motivation bei, wir sind schon gespannt, was alles nachgeahmt wird und welche kreativen Ideen euch nächstes Jahr einfallen. — Irene Welebil ist Mitarbeiterin der Abteilung Raumplanung und Naturschutz im Österreichischen Alpenverein.

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Respektvoll »Die positive Wirkung von dezenten Naturgeräuschen auf Körper und Seele ist mehrfach belegt und erklärt, weswegen ein Ausgleich zwischen Natur- und Techniktönen für viele so notwendig und heilsam ist. «

Lärm und Stille Teil 15 der Bergauf-Serie RespektAmBerg hört in die Stille hinein. Jasmin Maringgele

Foto: Achim Mandler Photography

D

ie deutsche Sprache kennt eine Vielzahl an lautmalerischen Begriffen für den Ausdruck Lärm: Dröhnen, Klappern, Scheppern, Schreien. Was Lärm effektiv ausmacht, ist in erster Linie abhängig vom subjektiven Empfinden und Wahrnehmen in einer konkreten Situation. Während eine stille Stadt ein Oxymoron – ein Widerspruch an sich – ist, ist eine abgeschiedene Skitour durch verschneite Berghänge in unserer Vorstellung zumeist eingebettet in eine Situation der Stille. Lärm wird von vielen als negative und belastende Begleiterscheinung der m ­ odernen 64

Industriegesellschaft wahrgenommen. Als Gegenreaktion wurde Ruhe im 19. Jahrhundert zur „obersten Bürgerpflicht“ der höheren Schichten erhoben. Im Umkehrschluss ist eine absolute Stille allerdings unnatürlich, nahezu unmöglich und nicht erstrebenswert. Die positive Wirkung von dezenten Naturgeräuschen auf Körper und Seele ist mehrfach belegt und erklärt, weswegen ein Ausgleich zwischen Natur- und Techniktönen für viele so notwendig und heilsam ist. Auf der Suche nach der inneren und äußeren Stille ziehen wir uns daher nicht zufällig in die Natur zurück,

sondern bewusst. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass verschneite Winterlandschaften und einsame Bergwälder der Lebensraum zahlreicher Wildtiere sind. Reh und Hirsch, Gams und Steinbock, Hase und Wildschwein schalten in der kälteren Jahreszeit in eine Art von „Energiesparmodus“ um. Kreuzen abrupt Zweibeiner ihren Weg oder verursachen plötzlich Lärm, führt die panische Flucht der Wildtiere oftmals zur völligen Erschöpfung. Innerhalb ihrer Ruhezonen empfiehlt es sich, auf markierten Routen oder Wegen zu bleiben und auf unnötigen Lärm zu verzichten. Das Wort Ru-

hezone kann wortwörtlich genommen werden, für Tier und Mensch. Die Vermischung zwischen Natur- und Technikgeräuschen – eine Infiltration der relativ unberührten Umgebung mit zivilisatorischen Geräuschkulissen – lässt sich gezielt vermeiden. Beispiel: Smartphone. Ein Knopfdruck und das Smartphone ist während einer Schneeschuhwanderung auf lautlos geschaltet. Beispiel Auto: Anstatt die Türe am Parkplatz unbedacht zuzuschlagen, diese bewusst sanft ins Schloss fallen lassen. Die eigene Stille zu finden und dem allgemeinen Lärm zu entfliehen, setzt auch voraus, Rücksicht und Respekt walten zu lassen. Oder frei nach Tucholsky: „Der eigene Hund macht keinen Lärm – er bellt nur.“ Jasmin Maringgele ist Mitarbeiterin der Abteilung Raumplanung und Naturschutz im Österreicischen Alpenverein.

Bergauf


kinderwelt

Wenn nichts passiert, passiert auch nichts … Skifahren für Kinder und Jugendliche nur im gesicherten Skiraum!? Sicherheit könnte so einfach sein. Was auf der Strecke bliebe? Das Abenteuer, der Spaß, das Leben.

Fotos:Illustration: Georg Soyer

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ugendliche sollen lernen können gute Entscheidungen zu treffen! Dafür braucht es Zeit und Begleitung, die Verantwortung zulässt. Wissensvermittlung zur Beurteilung der Lawinensituation, zur notwendigen Ausrüstung ist dabei genauso wichtig wie ein Gespür für sich und seine Freunde. Was kann ich, wie aufmerksam sind wir unterwegs, beurteile ich eher riskant oder vorsichtig, was än-

dert sich, wenn wir gemeinsam einen richtig guten Tag haben? Antworten darauf haben bekanntlich Einfluss auf die Entscheidung für oder gegen eine Line. Kindern und Jugendlichen dafür Lernfelder anbieten – dafür stehen die Kurse der Alpenvereinsjugend! Für uns gilt fürs Lernen: Wenn nichts passiert, passiert auch nichts. —

kurz & bündig

Wie Risikosituationen begleiten?

Wie fühlt sich Mut an? Wie fühlt sich Unsicherheit an?

Kurse der Alpenvereinsjugend

Fotos: Heli Düringer (2), Franz Walter (Mitte)

Wie viel Freiraum braucht Entwicklung?

Das Begleiten von Menschen ist schön und anspruchsvoll zugleich. Wenn dann noch das Thema „Risiko“ dazukommt, kann es herausfordernd werden. Was gilt es zu beachten, zu wissen, zu spüren, wenn man darin unterstützen will, sich im Risiko (bewusst) zu bewegen. Eva Schider ist mit der Alpenvereinsjugend groß geworden und gibt in diesem Blogbeitrag Einblick in ihre ganz persönliche Toolbox. —

#1.2024 — Jänner/februar/März

tagedraussen.at

Du bist zwischen 14 und 20 Jahre alt und hast bereits Erfahrung in den Bergen? – Dann bist du bei den YOUNGSTERS genau richtig. Für die Kursangebote der Junge Alpinisten YOUNGSTERS (Ski­ touren 10.02. bis 13.02.2024 bzw. Skihochtouren 25.03. bis 29.03.2024) gibt es noch ein paar freie Plätze – gleich anmelden! — jungealpinisten.at 65


respektvoll

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as neue Jahr beginnt mit Seminaren, die ein natur- und sozialverträgliches Miteinander in Natur und Wildnis fördern. Vielfältige Anregungen, praktische Methoden und Ideen für Tage draußen ergänzen das nachhaltige Winter-Erlebnisprogramm. Aktiv Skitouren gehen schließt sanfte Themen nicht aus. Umgekehrt könnten eher bedächtig Orientierte mal einen sportlichen Schritt wagen – es muss ja nicht gleich Eisklettern sein! Am Boden bleiben gilt auch. Zum Beispiel beim Schneeschuhwandern. Vor allem: Was mitnehmen für den ganzen Winter. Dazu sind die Alpenverein-Akademie-Veranstaltungen aus Naturwissen und RespektAmBerg ebenso wie aus Bergsport und Gesundheit passend. Und weil es für jede und jeden was Bereicherndes ist, sind diese Kurse offen für alle. Einfach mal was Neues ausprobieren. Einfach mal innehalten. Einfach mal erforschen, Spuren im Wald und auf freiem Feld folgen, den Blick nach unten statt über die Berggipfel, keine Höhenmeter, sondern Tatzenabdrücke zählen.

Jänner

Mitten im Winter Die Zwei- bis Viertageskurse der Alpenverein-Akademie geben Impulse, um draußen respektvoll unterwegs zu sein. Allein, zu zweit, in der Gruppe. Astrid Nehls

Mit sich und der Natur in Balance sein – wie hier beim Tiefschnee­ abenteuer aus ganzheitlicher Sicht. Foto: Heli Düringer

Das letzte Wochenende im Jänner wartet mit folgenden drei Veranstaltungen in der Winterlandschaft auf: Natur im Winter im Bergsteigerdorf Hüttschlag im Salzburger Land 26. bis 28. Jänner 2024 Bei Schneeschuhwanderungen tauchen Spuren auf – wem gehören sie? Warum sind sie hier? Genauere Betrachtung und Hintergrundwissen zeigen die Überwinterungsstrategien von Tieren und Pflanzen auf – bei harschen Lebensbedingungen im Winter-Wunder-Land. — Spuren- und Fährtenlesen im oberösterreichischen Bergsteigerdorf Grünau im Almtal 26. bis 28. Jänner 2024 Was für ein Abenteuer für Scouts und Detektive! Eine Welt voll spannender Rätsel. 66

Bergauf


Denn Wanderungen werden zu aufregenden Entdeckungsreisen, Zusammenhänge in der Natur gilt es zu erforschen, und wer mag, versucht den tieferen Sinn zu verstehen.

¡nfo

AlpenvereinAkademie Alle Kursangebote mit Infos zu Teilnahmebedingungen, Kosten etc. sind unter alpenverein-akademie.at zu finden.

Hier geht’s zu den Angeboten.

— Schneeschuhwandern und Yoga in St. Gallen in der Steiermark 26. bis 28. Jänner 2024 Fast lautlos mit Schneeschuhen durch die verschneite Landschaft streifen, bewusst pausieren und sich Zeit für Yoga nehmen – dieses Wechselspiel bringt die Balance zwischen aktivem Tun und Ruhephasen. Die Begegnung von äußerer und innerer Ruhe ermöglicht eine tiefe Verbindung mit sich und der Natur. So kann aus der Stille des Winters Kraft geschöpft werden.

Februar Auch im Februar 2024 hat die Alpenverein-Akademie drei spezielle Termine mit Bewegung im Schnee: Alles in Balance – Tiefschneefahren aus ganzheitlicher Sicht in Spital am Pyhrn 1. bis 4. Februar 2024 Bewusstes Unterwegssein lässt eigene Stärken und Schwächen erkennen und erlaubt Veränderungen als Chance wahrzunehmen. Die Trainingseinheiten zur ökonomischen Bewegung am Ski oder Snowboard fördern dies ebenso wie verschiedene Qigong-, Yoga-, Meditationsund Tai-Chi-Übungen. Und dann kommt das Balancegefühl! — Iglubau & Schneeschuhwandern im Maria Waldrast Natur Resort 15. bis 18. Februar 2024 Spielerischer Umgang mit dem Medium Schnee – damit das bei der Gestaltung von Gruppenabenteuern gelingt, braucht es ein methodisches Repertoire an Übungen. Die gibt es im Winterseminar, bei dem technische Aspekte ebenso einfließen wie praktische, sei es beim Schneeschuhwandern, bei Snow Art oder beim Bau eines Iglus – in dem dann eine Nacht verbracht wird. — Mit Kindern unterwegs im Winter in Obernberg am Brenner in Tirol 23. bis 25. Februar 2024 Ein verschneiter Wald bietet immer Platz für Entdeckungen und Naturerfahrung. Wie Kinder mit dem natürlichen Lebensraum umgehen und was daraus gestaltet werden kann, ist Thema des Seminars, können doch neben Erwachsenen auch ihre 3- bis 12-Jährigen teilnehmen. Auf einen wunderbaren Winter! — Astrid Nehls ist in der Alpenverein-Akademie für Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

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Auslese

Susanne Gurschler

Naturkunden Nr. 82, Matthes & Seitz 2022

Kulturjournalistin und Sachbuchautorin

Robin Wall Kimmerer Das Sammeln von Moos. Eine Geschichte von Natur und Kultur. Aus dem Amerikanischen von Dieter Fuchs

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ie bereiteten den Weg für alle Landlebewesen, indem sie sozusagen den grünen Teppich auslegten: die Moose. Trotz dieser pionierhaften Leistung erhalten sie selten Aufmerksamkeit. Wie wenig präsent Moose in unserem Denken sind, zeigt schon allein die Tatsache, dass selbst viele erklärte Naturliebhaberinnen und -liebhaber Schwierigkeiten haben, mehrere Moosarten zu benennen bzw. zu bestimmen. Die US-amerikanische Universitätsprofessorin für Biologie – und Angehörige des Stammes der Potawatomi – Robin Wall Kimmerer hat Moose zu ihrem zentralen Interessens- sowie Forschungsgebiet gemacht und grundlegende wissenschaftliche Arbeiten vorgelegt, die auch altes Wissen der indigenen Bevölkerung berücksichtigen. Mit dem nun ins Deutsche übertragenen Buch Das Sammeln von Moos. Eine Geschichte von Natur und Kultur gibt sie ihr umfangreiches Wissen auf ebenso eloquente wie fundierte Weise an die Leserinnen und Leser weiter. Moose überziehen nicht nur Waldböden und Steine, Betonmauern und Baumstämme und besiedeln die unwirtlichsten Regionen, sie überstehen auch Wirbelstürme, Fluten oder lange Trockenperioden. Sowohl für das Mikro- als auch für das Makroklima von existenzieller Bedeutung, sind sie Heimat unzähliger Klein- und Kleinstlebewesen. So finden sich in einem muffingroßen Stück Waldboden-Moos rund 150.000 Protozoea, 132.000 Bärtierchen, 3.000 Springschwänze, 800 Rädertierchen, 500 Fadenwürmer, 400 Milben und 200 Fliegenlarven. Nur eine

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der faszinierenden Erkenntnisse, die einem die Lektüre des Buches liefert. In 19 Essays geht Wall Kimmerer auf verschiedene Aspekte des Mooslebens ein. Sie lässt uns an ihren Forschungsstreifzügen im Moor, den Exkursionen mit Studierenden ebenso teilhaben wie an ihren wissenschaftlichen Beobachtungen des Sexualverhaltens von Moosen und deren Überlebensstrategien. Genauso packend beschreibt die Autorin, wie rücksichtslos Menschen mit diesen Pflanzen umgehen, ganze Landstriche skalpieren, um Moose für industriell gefertigte Gestecke – oder neuerdings als dekorative Wandbehänge – zu verarbeiten. Dabei sollten wir alles daransetzen, die Moose in ihrer natürlichen Umgebung zu halten und ihre Weiterverbreitung zu unterstützen. Denn Moose binden enorm viel Feuchtigkeit und geben sie an die Umgebung ab, sind wichtige Helferinnen im Kampf gegen die menschengemachte Klimaveränderung. Das Sammeln von Moos ist Naturbeschreibung und wissenschaftliche Abhandlung, Reflexion über unser Verhältnis zur Natur und Plädoyer für einen respektvollen Umgang mit dem, was uns umgibt, voller Bezüge zum Wissen indigener Völker und beeindruckender Details. Wall Kimmerer schafft es mühelos, ihre Faszination für die Moose an die Leserinnen und Leser weiterzugeben. Wer dieses Buch liest, wird dem moosigen Mikrokosmos eindeutig und nachhaltig mit anderen Augen, mit wachsameren Augen begegnen.

Bergauf


Über Monate erfrischte Klaus Nüchtern die Newsletter-Empfängerinnen und -Empfänger der Wiener Wochenzeitung Der Falter mit dem „Vogel der Woche“. Gesichtet alle auf seinen Streifzügen und Wanderungen in und um Wien – also in einem überaus urbanen Umfeld und ohne sich stundenlang auf die Lauer zu legen. Am Ende schnappte der Falter-Vogel-Wart (FaVoWa), wie Nüchtern sich selbst bezeichnet, seine Kolumnen – et voilà: 90 amüsante wie pfiffige, charmante wie lustige Vogelporträts finden sich nun zwischen zwei Buchdeckeln. Bei Famose Vögel. 90 heimische Vögel, beobachtet und beschrieben vom Falter-Vo­ gel-Wart dürfen sich die Leserinnen und Leser kein klassisches Bestimmungsbuch erwarten (derer gibt es viele!), Ornithologinnen und Ornithologen keine neuen Fakten, vielmehr erzählt der Autor Bekanntes erfrischend unkonventionell und mit Bezügen unter anderem zu Literatur, Film und Musik. Schon die Titel teasern das eine um das andere Schmankerl an, verweisen darauf, wohin der Abstecher führt. So ist der Haubentaucher ein „Vogel mit Frisur“, wird der Kiebitz zum Kampfpiloten der Feuchtwiesen, leiht sich Nüchtern für die Nebelkrähe den Buchtitel „Fifty Shades of Grey“ aus und betrachtet er den Silberreiher als „Stilpapst“. Der Illustratorin Silvia Ungersböck gelingt es, den verbrecherischen Blick der Bartmeise ebenso einzufangen, wie die Eleganz der Rauchschwalbe oder den wuchtigen Schnabel des Kernbeißers in Szene zu setzen. Einzig die Verwendung von QR-Codes als

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Eugen E. Hüsler, Bernd Ritschel Magische Alpentäler. Sehnsuchtsorte abseits des Trubels Ins Schwärmen geraten dürfen Liebhaberinnen und Liebhaber schöner Bildbände beim neuesten Werk von Eugen E. Hüsler (Texte) und Bernd Ritschel (Fotos). Magi­ sche Alpentäler. Sehnsuchtsorte abseits des Trubels ist eine Augenweide, Bilder und Texte machen ordentlich Gusto auf jene 40 Alpentäler in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Slowenien, welche die beiden als „die magischsten“ ausmachen. Die Auserwählten reichen von Le Trièves bis Logarska Dolina, der Jachenau bis zum Valle Stura di Demonte – dabei auch einige Bergsteigerdörfer wie Vent, Steinberg am Rofan oder St. Antönien. Wer Einsamkeit und Abgeschiedenheit sucht, gerne wirklich in die Natur eintaucht, um sich mit allen Sinnen auf sie einzulassen, der ist bei diesem Buch richtig. Ob es sich tatsächlich um die 40 schönsten Alpentäler handelt, ist dabei völlig nebensächlich – die Lust auf diese Regionen steigt mit jedem Bild, mit jeder Zeile, ob „nur“ schmökernd auf der Couch oder schon Inspiration suchend für die nächste Reise. Möge die Einmaligkeit dieser Täler erhalten bleiben, sodass die Besucherinnen und Besucher auch in Zukunft das finden, was dieser Bildband verspricht: Orte der Kontemplation, des

Rückzugs, der Besinnung auf sich und das, was wesentlich ist, Harmonie zu finden zwischen Mensch und Natur.

Arbeitsgemeinschaft österreichischer Lawinen­warndienste 2023

National Geographic Deutschland 2023

Falter Verlag 2023

Klaus Nüchtern Famose Vögel. 90 heimische Vögel, beobachtet und beschrieben vom Falter-Vogel-Wart, illustriert von Silvia Ungersböck

Link zu Zusatzinfos (über einen damit ermöglichten akustischen Genuss der Vogelstimmen hinaus) ist etwas inflationär. Ansonsten ist Famose Vögel das, was der Klappentext augenzwinkernd verspricht: „Ein unerlässliches Kompendium für alle, die einen Buntspecht von einem Blumentopf unterscheiden können wollen.“ Ein Lesevergnügen der besonderen Art.

Arbeitsgemeinschaft österreichischer Lawinenwarndienste Saisonbericht 2022/23 Von Michael Larcher, Leiter der Abteilung Bergsport im Österreichischen Alpenverein, in seiner jährlichen Vortragsreihe „Lawinenupdate“ als Pflichtlektüre empfohlen, liefert der Saisonbericht der österreichischen Lawinenwarndienste ein spannendes und lehrreiches Gesamtwerk für alle, die verantwortungsvoll und sicher am Berg unterwegs sein wollen. Der Band enthält reich bebilderte Beschreibungen und Analysen von ausgewählten Unfällen aus ganz Österreich, zahlreiche Praxistipps und umfangreiche Statistiken zur letzten Wintersaison. Zudem liefert der Saisonbericht Beiträge der Lawinenwarndienste der einzelnen Bundesländer zum Winter in ihrer Region. Die Texte wie auch die Statistiken und Abbildungen sind aussagekräftig und verständlich gestaltet, was angesichts der schwierigen Materie ein wertvolles Plus darstellt. Es ist ein Zeugnis der wichtigen und vor allem professionellen Arbeit der Lawinenwarndienste in Österreich. — Erhältlich im Alpenvereinsshop: alpenverein.shop.

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Auslese

Traum der Berge Die Fotografien von Peter Mathis zeigen seine Faszination für das Oben. Evelin Stark

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Jahre, 92 Fotos: Der Vorarlberger Fotograf Peter Mathis ist am liebsten mit seiner Mittelformatkamera in den Hochgebirgen der Welt unterwegs und nimmt die Leserin und den Leser in seinem neuen Band Berge ein Stück weit mit auf seine Reisen. Nicht nur geografisch bietet der Künstler ein breites Spektrum – auch und vor allem thematisch bildet das Wechselspiel von Licht und Schatten in seinen konsequent schwarzweißen Fotografien eine Symphonie der faszinierenden Gipfel unserer Welt ab. Bilder, die mitunter alarmierend sind und dennoch wunderschön. Neben traumhafte Berglandschaften stellt Mathis elegisch

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anmutende Bilder von überfüllten Skipisten und weißen Tüchern auf schmelzenden Gletschern. Persönliche Texte, redaktionell bearbeitet von Malte Roeper, erzählen die Geschichte hinter dem ein oder anderen Foto. Tipp der Redaktion: Schnee von Peter Mathis (erschienen 2020) zeigt in einmaligen Perspektiven die faszinierende Schönheit von schneebedeckten Landschaften – jedoch keinesfalls auf kitschige Art und Weise. Der Fotograf scheint Dinge zu sehen, die andere nicht sehen – und zeigt sie uns in diesem Bildband. Tom Dauers Texte dazu ergänzen den einzigartigen Blick auf das Wunder Schnee. —

Bergauf


Foto: WEST.Fotostudio

Kleiner Hildebrand Ein Reisetheodolit aus dem Besitz von Hans Kinzl. Im Schaukasten, Teil 41 Martin Achrainer Historisches Archiv des Alpenvereins

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as Kunstwerk der Feinmechanik, welches sich in diesem hölzernen Kästchen von circa 17 cm Breite, 20 cm Höhe und 22 cm Tiefe verbirgt, war den Geographen, Vermessungstechnikern und Bauingenieuren vergangener Jahrzehnte als kompaktes Winkelmessinstrument bestens vertraut, denn es war über Generationen in Gebrauch. Als „kleinster Reise-Universal-Theodolit“ beworben, wurde die Entwicklung von Max Hildebrand (1839–1910) in Freiberg hergestellt. Unser Exemplar trägt die Produktionsnummer 3.729 und stammt aus dem Besitz von Univ.-Prof. Dr. Hans Kinzl (1898–1979), der Teilnehmer bzw. Leiter der drei Anden-Expeditionen war, die der Alpenverein zwischen 1932 und 1939 durchführte.

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Kinzls praktischer „Kleine Hildebrand“ – er wiegt nur 3.600 Gramm – war dabei gewiss im Einsatz und lieferte unter anderem Grundlagen für die Landkarte der Cordillera Blanca. Hans Kinzl war ein Schüler von Raimund Klebelsberg und folgte ihm in vielen Funktionen nach: sowohl als Universitätsprofessor in Innsbruck als auch als Erster Vorsitzender des Alpenvereins (1958–1967, 1971/72), zudem als Leiter des Gletschermessdienstes. Aus Kinzls Nachlass sind große Teile in mehreren Etappen an den Alpenverein gekommen. Zuletzt erhielten wir von der Universität Innsbruck ein umfangreiches Konvolut von Expeditionstagebüchern, Glasdias und kartographischen Unterlagen, das noch der Verzeichnung harrt. — 71


kultur

Anonym: Hofmanns-Hütte vor der Pasterze, wohl 1938 oder 1939. Foto: OeAV GB 15.62

Hakenkreuz vor Gletscher Ein irritierendes Bergfoto und seine Geschichte. Aus der Sammlung des Alpenverein-Museums, Teil 54 Anton Holzer

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ch stutze: Eine Hakenkreuzfahne vor einem gewaltigen Gletscherfeld? Wie ein Blickfang steht die Fahne da. Aufgepflanzt auf der kleinen Plattform neben der Hütte, die am unteren rechten Blickrand zu erkennen ist. Was hat es mit diesem irritierenden Bergbild auf sich? Wann und wo ist es entstanden? Ist das nicht die Pasterze? Und wie sieht die Landschaft heute an dieser Stelle aus? Unsere Geschichte, die ihren Ausgangspunkt von dieser NS-Fahne nimmt, führt uns weit zurück in die alpine Geschichte, ins 19. und 20. Jahrhundert – und schließlich in die Gegenwart. Unser Bild ist ein Glasdia, wie wir es aus längst vergangenen analogen Zeiten kennen. Das quadratische Bild ist von eiBergauf


nem schwarzen Rand eingefasst, unten ist ein schmaler Papierstreifen aufgeklebt, auf dem mit schwarzem, kräftigem Stift die Beschriftung angebracht ist: „Hofmannshütte – Pasterze“. Die Szene ist also tatsächlich im Glocknergebiet entstanden, vermutlich im Jahr 1938 oder 1939, also in den Monaten nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland. Die NS-Fahne dürfte, so ist zu vermuten, vom Hüttenpächter aufgezogen worden sein. Da mir das Bild in einer digitalen Version vorliegt, kann ich problemlos hineinzoomen. Auf einer Bank vor der Hütte, sitzen, so zeigt sich, zwei Männer. Und wenn man noch aufmerksamer hinsieht, entdeckt man eine dritte Person, die sich rechts von der Tür im Freien zu schaffen macht. Ob es eine Frau oder ein Mann ist, ist nicht zu erkennen. Und dann ist da die alte, baufällige Hofmanns-Hütte selbst, die eine lange traditionsreiche Geschichte aufweist. Ausgangspunkt für Glocknertouren Benannt ist die Schutzhütte nach dem Münchner Alpinisten Karl Hofmann (1847–1870), dem in den 1860er-Jahren zahlreiche Erstbesteigungen in den Ostalpen gelangen und der, häufig zusammen mit seinem Bergfreund Johann Stüdl (1839–1925), viel im Glocknermassiv unterwegs war. Hofmann war es, der einen direkten Weg über die Pasterze zur Adlersruhe auskundschaftete. Noch heute ist sein Name in der alpinen Landschaft am Glockner fest verankert, denken wir etwa an das Hofmannskees, den Hofmannsweg und den Hofmannsturm. 1869 ließen Hofmann und Stüdl die verfallene „Johannis-Hütte“, die 1833 am Rande des Gletscherfeldes auf Initiative Erzherzog Johanns erbaut worden war, wieder in brauchbaren Zustand versetzen. Die Hofmanns-Hütte, wie sie ab 1871 im Gedenken an Karl Hofmann und wegen der Verwechslungsmöglichkeit mit der Johannis-Hütte südlich des Großvenedigers hieß, wurde zunächst von der Sektion Prag, dann von der Akademischen Sektion Wien des Alpenvereins betrieben. Jahrzehntelang war die Hofmanns-Hütte ein idealer Ausgangspunkt für Glock-

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Die NS-Fahne dürfte, so ist zu vermuten, vom Hütten­pächter aufgezogen worden sein.

ner-Touren, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie mehrmals erweitert und umgebaut, jedoch um 2000 geschlossen. Seit 2016 gibt es die Hütte nicht mehr, sie wurde abgerissen und das Gelände renaturiert, weil sie in einem schlechten Zustand war und nicht mehr gebraucht wurde. Denn der Glocknertourismus hatte sich mit dem Bau der Hochalpenstraße grundlegend geändert. Und die mächtige Pasterze, die im Bild zu sehen ist, ist weit zusammengeschmolzen. Seit 2021 gibt es freilich Pläne, in der Nähe, direkt beim Gamsgrubenweg, einen Neubau zu errichten. Ausgerechnet im Sonderschutzgebiet der Gamsgrube will die Großglockner Hochalpenstraßen AG eine Gaststätte zur, wie es heißt, Besucherlenkung und für WCAnlagen erbauen. Diese Pläne lehnt der Alpenverein kategorisch ab. Landschaften, Bergsteiger, Gipfelkreuze Doch zurück zu unserem Foto. Interessant ist nicht nur das vorliegende Bild, sondern die gesamte Serie, aus der es stammt. Es handelt sich um eine Diasammlung mit dem Titel „Bergfahrten im Glocknergebiet“, die knapp 80 Motive umfasst. Zu sehen sind Landschafts- und Ortsaufnahmen, Hütten, Szenen mit Bergsteigern, Gipfelkreuze, aber auch Land und Leute sowie Einheimische bei der Arbeit. Zusammengestellt wurden diese Bilder, um bei Diaabenden in projizierter Form gezeigt zu werden. Aufbewahrt wurden die Dias im Format 8,4 mal 8,4 cm, einschließlich einer Liste mit den jeweiligen Bildtiteln, in einer Holzkiste mit einem aufgenagelten Titelschild. Wem die Aufnahmen seinerzeit gehörten, ist nicht mehr ganz eindeutig zu klären, es gibt aber Hinweise darauf, dass sie aus dem Besitz eines Lehrers stammen,

der in der Nähe von Leipzig lebte und in der Zwischenkriegszeit Diavorträge hielt. Im Jahr 2022 kam die Sammlung in das Archiv des Alpenvereins. Üppige Farben Noch etwas ist bemerkenswert an dieser Bilderserie rund um den Großglockner. Die Dias sind allesamt händisch koloriert, eine im späten 19. und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts durchaus gängige Praxis. Denn bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war die Farbfotografie noch sehr teuer und wenig verbreitet. Daher gab es Alternativen. Eine davon war eben, die Dias händisch einzufärben. Oft wurde dieser Service von spezialisierten Kunstanstalten angeboten, in denen vor allem Frauen für die Farbe zuständig waren. Der Himmel wurde himmelblau, die Wiesen kräftig grün, die Dächer braun, die Kleider bunt. Während die meisten anderen Dias der Serie in kräftigen Farben leuchten, blieb bei unserem Bild nicht viel Platz zum Kolorieren. Der Gletscher musste weiß bleiben, die Felsen grau. Das kleine Stück Himmel, ganz oben rechts, hätte azurblau abgedeckt werden können. Die nachträgliche Farbgebung beschränkt sich im Wesentlichen auf das untere rechte Eck. Vor der Hütte ist ein Stück Grasstreifen in grüner Farbe zu erkennen und die Türen und Fenster sind braun gehalten. Ich zoome noch einmal ganz nahe an das Bild heran. Und plötzlich erkenne ich, dass auch die Hakenkreuzfahne eingefärbt ist, mit einem Rotton, wie er uns in historischen Farbaufnahmen begegnet. Das NS-Symbol im weißen Kreis prangt in zeitgenössischen Farbbildern auf einer leuchtend roten Fahne. Doch auf unserem Bild deckt das Rot das vorhandene Schwarz der Vorlage nicht richtig ab. Nach ein paar Tupfern wurde das Vorhaben aufgegeben. Die Fahne ist bis auf den Kreis in der Mitte nach wie vor schwarz. — Dr. Anton Holzer ist Fotohistoriker, Ausstellungskurator und Herausgeber der Zeitschrift „Fotogeschichte“, er lebt in Wien. www.anton-holzer.at

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vorschau Heft #2.2024 APRIL/MAI

Welche Gletscher haben am meisten Meter gelassen, welche am wenigsten? Diesen Fragen gehen GERHARD LIEB und ANDREAS KELLERER-PIRKLBAUER in ihrem ausführlichen Gletscherbericht 2022/23 nach. Passend dazu beschäftigt sich Naturschutzexperte BENJAMIN STERN mit der Frage, ob Erweiterungen von Gletscher­ skigebieten noch zeitgemäß sind. Kletterspezialist MARKUS SCHWAIGER macht sich indessen mit SicherAmBerg-Fachmann CHRISTOPH PIRKMOSER ans Sturztraining und Bergsport-Abteilungschef MICHAEL LARCHER ans Abseilen. GERHARD STADLER berichtet von seiner Hubschrauberbergung während eines Unwetters, BIRGIT KANTNER schaut sich den unter dem Schnee ausapernden Müll an und DANI TOLLINGER stellt die risk’n’fun-Mountainbike-Angebote für Jugendliche vor. Bergauf #2.2024 erscheint Anfang April Rätselhaft Wo sind wir hier? Den Beginn welches Höhenweges sehen wir im Bild? Bergauf verlost fünf Karten unter den richtigen Antworten: Einfach bis 15.02.2024 E-Mail an gewinnspiel@alpenverein.at schicken! — Alle Infos zum Gewinnspiel unter t1p.de/bergauf-raetsel

impressum

Bergauf. Mitgliedermagazin des Österreichischen Alpenvereins #1.2024, Jg. 79 (149) Herausgeber und Medieninhaber: Österreichischer Alpenverein, Olympiastraße 37, 6020 Innsbruck Tel. +43/512/59547 www.alpenverein.at ZVR-Zahl: 989190235 Redaktion: Mag. Evelin Stark, redaktion@alpenverein.at Redaktionsbeirat: Präsident Gerald Dunkel-Schwarzenberger, Generalsekretär Clemens Matt Design und Gestaltung: himmel. Studio für Design und Kommunikation, www.himmel.co.at Korrektorat: Mag. Christoph Slezak Druck: Walstead Leykam Druck GmbH & Co KG Anzeigenannahme: Werbeagentur David Schäffler, office@agentur-ds.at Tarife: www.bergauf.biz Die grundlegende Richtung des ÖAV-Mitgliedermagazins wird durch die Satzung des Österreichischen Alpenvereins bestimmt. Abgedruckte Beiträge geben die Meinung der Verfasser*innen wieder. Für unverlangte Sendungen wird keine Haftung übernommen. Retournierung nur gegen beiliegendes Rückporto. Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Adressänderungen bitte bei Ihrer Sektion bekanntgeben bzw. direkt unter mein.alpenverein.at ändern. Beiträge in Bergauf sollen nach Möglichkeit geschlechterneutral formuliert oder die Schreibweise mit dem „Gender Star“ (Autor*in) verwendet werden. Bei Texten, deren Urheberschaft klar gekennzeichnet ist, liegt es in der Freiheit der Autor*innen, zu gendern oder nicht. Gefördert durch die

Produziert nach den Richtlinien des Österreichischen Umweltzeichens, Walstead Let’s Print Holding AG, UW

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bestens unterwegs

Die Alpenverein-Akademie bietet Seminare und Workshops, Aus- und Weiterbildungen bis hin zu zertifizierten Lehrgängen, persönlich und auch digital. Immer mit dabei: Der hohe Qualitätsanspruch und die nachhaltige Freude in, an und mit der Natur. 75


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