Der Imker Markus Pfeifer zeigt stolz sein Bienenhaus in Tiers.
Ohne Bienen kein Leben Früher, als die Menschen noch Selbstversorger waren, gab es auf nahezu jedem Hof Bienenstöcke, denn bevor Zucker industriell gewonnen wurde, war Honig ein wichtiges, oft auch einziges Süßungsmittel.
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Text: Katja Sanin Fotos: Helmuth Rier
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In Südtirol gibt es aktuell rund dreitausend im Verband gemeldete Imker, 15 davon in Tiers, wo es noch traditionelle Bienenhäuser gibt, in denen vor allem mit Hinterbehandlungsbeuten gearbeitet wird. Als Beute bezeichnet man die Behausung eines einzelnen Bienenvolkes. Es gibt unterschiedlichste Beutearten, die sich in Aufbau, Materialen und Betriebsweise unterscheiden. Eine Hinterbehandlungsbeute besteht aus zwei Ebenen, dem Brutraum und dem Honigraum, der sich oben befindet, aus Holzrahmen und Waben aus Wachs, deren einzelne Zellen von den Bienen mit Brut, Pollen oder Honig befüllt werden. Dazwischen kommt ein Trenngitter, um die Königin vom Honigraum fern zu halten. Diese Beuten werden vom Imker, wie der Name schon sagt, von hinten bearbeitet. Bie-
nenhäuser waren vor allem im deutschsprachigen Raum weit verbreitet, während die meisten Imker in der restlichen Welt und auch bei uns mit Oberbehandlungsbeuten, den modernen Magazin-Beuten, wie man sie häufig im Freien aufgestellt sieht, arbeiten. „Ich bin die traditionelle Hinterbehandlungs-Arbeitsweise gewohnt. Ich habe das Bienenhaus von meinem Vater übernommen, der 2016 mit 101 Jahren verstorben ist. Ich finde das Bienenhaus praktisch, denn man hat dort seine Gerätschaft bei der Hand und muss nicht immer alles einpacken und mitnehmen. Außerdem finde ich es schön, eine alte Tradition aufrecht zu erhalten, und ich freue mich, wenn sich Wanderer für das Bienenhaus interessieren“, erklärt Markus Pfeifer, Obmann der Tierser Imker. »
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Der Tierser Imkerverein will für die große Bedeutung der Bienen sensibilisieren, um die Zukunft der Bienen zu sichern.
Wirtschaftsfaktor Biene. Der Tierser Imkerverein wurde 1897 erstmals urkundlich erwähnt. Markus Pfeifer ist seit zehn Jahren Obmann des Vereins und erzählt, dass es weltweit schätzungsweise mehr als 20.000 verschiedene Bienenarten gibt, von denen aber nur zirka zehn Arten Honig produzieren. So spielen die Bienen bei der Lebensmittelproduktion eine bedeutende Rolle, denn laut UNO-Bericht werden von den hundert wichtigsten Getreide-, Obst und Gemüsearten, die 90 Prozent der Ernährung gewährleisten, 71 von Bienen bestäubt. Dieses kleine Tier ist somit ein enormer Wirtschaftsfaktor und extrem wichtig für die Landwirtschaft. Bienen sind ausgesprochene Arbeitstiere und haben eine kurze Lebensdauer: Lediglich sechs Wochen leben die Bienen im Sommer, wenn sie Nektar sammeln. Sie schwirren fleißig von Blüte zu Blüte: Die Blütenpollen tragen sie dabei in den Borstenkörbchen an ihren Hinterbeinen und bestäuben so die Blüten in ihrer Umgebung. Ein Bienenvolk benötigt pro Jahr zum Leben ungefähr 20 bis 40 Kilogramm Pollen sowie 60 bis 70 Kilogramm Honig und speziell im Frühjahr bis in den Sommer hinein täglich etwa 200 Gramm Wasser. Für einen Kilogramm Honig muss eine Biene 150.000 Mal vom Stock ausfliegen und bis zu sechs Millionen Blüten anfliegen; sie legt dabei eine Strecke von 40.000 bis 120.000 Kilometer zurück: Das entspricht zirka dem ein- bis dreifachen Erdumfang. Das ist beeindruckend, wenn man bedenkt, dass die Honigbiene nur in den letzten beiden Wochen ihres sechswöchigen Lebens ausfliegt, um Nektar zu sammeln. Im Schlern-Rosengarten-Gebiet ist in der Regel Ende Juli Schluss mit der Blüte und dann schleudern die Imker den Honig. Ist der Honig einmal gewonnen, beginnt im August für die Imker das Bienenjahr: Die Bienenvölker werden mit Flüssigfutter für den ganzen Winter aufgefüttert. Zu diesem Zeitpunkt entstehen die Winterbienen, die dann bis ins Frühjahr hinein leben. Ein einziges Bienenvolk besteht im Winter aus einigen Tausend und im Sommer aus einigen Zehntausend Bienen. Die Winterbienen verkitten im Herbst jede Ritze mit Propolis, dann herrscht Winterruhe. Das Bienenharz, wie Propolis auch genannt wird, dient den Bienen zur Gesundheitsvorsorge. Sie stellen es aus dem Harz von Pappeln, Birken, Weiden oder Buchen her und schützen damit ihren Stock vor Krankheitserregern, denn es wirkt wie ein natürliches Antibiotikum gegen Bakterien, Viren und Pilze. Auch tote
Bienen, die im Stock gefunden werden, überziehen sie mit dem desinfizierenden Harz. Ein Bienenvolk produziert zwischen 100 und 300 Gramm Propolis im Jahr. Die konservierende Wirkung des Propolis kannten schon die alten Ägypter, sie balsamierten damit ihre Mumien ein.
Bienenkönigin, Arbeitsbienen und Drohnen. Im Frühling, so gegen Ende Februar und Anfang März, wenn die Tage länger werden und die ersten Hasel- und Weidensträucher und Erika blühen, beginnt die Königin mit der Eiablage für die Nachkommenschaft. Die Winterbienen sterben allmählich ab und je mehr die Natur erwacht, umso intensiver wächst das Bienenvolk während des Frühjahrs zum Sommervolk heran. Sobald Löwenzahn und Wiesenblumen blühen und genügend Nektar vorhanden ist, beginnen die Jungbienen mit dem Waben-Bau. Mit der fortschreitenden Entwicklung der Bienenvölker werden die Beuten vor allem bei Hinterbehandlern zu klein und die Bienen kommen in Schwarmstimmung. Dabei verlässt die alte Königin mit einem Teil des Volkes die Beute und siedelt sich als Traube an einem Ast oder irgendwo im Freien an, wo sie vom Imker eingefangen werden: So entsteht auf natürliche Weise ein neues Bienenvolk. In einem Bienenstock lebt immer nur eine Königin und sie kann bis zu fünf Jahre alt werden. Die Königin ist das einzige fortpflanzungsfähige Weibchen im Volk und erfüllt auch nur diese Aufgabe. Man erkennt sie an ihrem langen, schlanken Hinterleib. Die Imker markieren ihren Rücken mit Farbe, um sie besser zu erkennen und ihr Alter definieren zu können, denn sie tauschen ihre Königinnen alle zwei bis drei Jahre aus, um die Produktivität der Bienenvölker zu erhalten. Die Königin stammt von demselben Ei wie eine Biene, wird aber mit Gelee Royal gefüttert, das die Arbeiterbienen in die Weiselzelle geben - so wird die Zelle der Königin genannt, die im Gegensatz zu den sehr viel kleineren, normalen Bienenwabenzellen, zwei bis drei Zentimeter lang ist. Nach 16 Tagen schlüpft die Königin und wird dann am sogenannten Hochzeitsflug von mehreren Drohnen befruchtet. Daraufhin kann sie bis zu 2.000 Eier am Tag legen. Aus den unbefruchteten Eiern entstehen die männlichen Drohnen, deren Aufgabe die Befruchtung ist. Aus den befruchteten Eiern schlüpfen nach 21 Tagen die Bienen. Sie beginnen sogleich mit der Stockarbeit, mit der sie in den ersten vier Wochen ihres Lebens beschäftigt sind: Sie füttern die Jungbienen, reinigen den Stock und erzeugen das Wachs »
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für den Aufbau der Waben; nur in den letzten beiden Wochen ihres Lebens sammeln sie Nektar.
Damit es den Bienen besser geht. Die UNO äu-
Imker aus Leidenschaft: Markus Pfeifer widmet seinen Bienen sehr viel Aufmerksamkeit und Zeit.
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ßerte sich in einem Bericht besorgt über das weltweite Bienensterben, das von Forschern seit Jahren mit Sorge beobachtet wird. 2015 stand die Weltausstellung in Mailand unter dem Motto „Ernähre die Welt“ und Großbritannien hat seinen Auftritt diesem Thema gewidmet. Der aus Metallteilen erbaute Pavillon stellte einen Bienenstock dar und war über eine Blumenwiese erreichbar. Als Ursache für das Bienensterben verantwortlich gemacht werden unter anderem die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe, der Einsatz von giftigen Spritzmitteln in der Landwirtschaft und in Gärten sowie die sinkende Anzahl von Blumenwiesen. Viele Imker setzen sich aktiv dafür ein, dem Bienensterben entgegenzuwirken. So hat auch der Tierser Imkerverein gemeinsam mit dem Bildungsausschuss 2016 zum Jahr der Bienen ausgerufen und eine Reihe von Initiativen gestartet, um für dieses Thema zu sensibilisieren: Es wurden Vorträge organisiert, Workshops abgehalten, Bienenhäuser besichtigt und naturkundliche Exkursionen gemacht, um Interessierten die Zusammenhänge in den ökologischen Kreisläufen zu erklären und aufzuzeigen, dass jeder Einzelne etwas tun kann, damit es den Bienen besser geht. Es gab Koch- und Bastelworkshops zum Thema Honig, einen Workshop zum Thema Honig als flüssiges Gold für Gesundheit und Kosmetik und einen weiteren Workshop für Grund- und Mittelschüler, in dem Insektenhotels gebaut wurden, die an der Gartenoder Balkonwand angebracht werden können. Dank waagrecht angebrachter Stängel von Schilf, Sonnenblume oder Brombeere dienen sie den Bienen als natürliche Nisthilfe. Als natürliche Nisthilfen werden auch die heute kaum noch bekannten ZeidlerBäume neu entdeckt. Als Zeidlerei bezeichnet man das im Mittelalter gewerbsmäßig betriebene Sammeln von Honig wilder oder halbwilder Bienenvölker, indem im Wald künstliche Höhlen als Nisthilfen in die Bäume gehackt wurden. Diese Tradition wurde im Uralgebirge in Russland bis heute bewahrt und so wird dieses alte Handwerk auch heute wieder von Imkern und Förstern erlernt. Die Zeidlerei verlor durch die Einfuhr von Rohrzucker nach und nach an Bedeutung, doch noch im 17. Jahrhundert war Zucker so teuer, dass ihn sich nicht jeder leisten konnte. Erst der Anbau von Zuckerrüben im 19. Jahrhundert machte Zucker erschwinglich und ersetzte den Honig als Süßungsmittel. «