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In bester alpiner Gesellschaft

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Rechts im Bild die Delagokante, einer der drei Vajolettürme. Links davon der Ost- und Nordturm.

In bester alpiner Gesellschaft Die Bergler und die Tschamintaler haben sich dem Bergsteigen und Klettern verschrieben und kennen im Rosengartengebiet jeden Stein. Für beide Klettergilden ist Tiers das Tor zu den Dolomiten und Ausganspunkt zahlreicher ihrer Klettertouren.

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ls ein älterer Herr mit braunem Teint und sportlicher Windjacke die Gaststube in Bozen betritt, in der wir verabredet sind, wird auf den ersten Blick klar, dass das mein Gesprächspartner, Rochus Oehler, ist. Bergsteiger sind einfach zu erkennen. Es ist nicht nur die viele frische Luft, die man ihnen ansieht. Rochus Oehler ist Präsident der „Bergler“, einem Bozner alpinen Verein, auf deren Mitglieder allein im Gebiet Schlern-Rosengarten über 100 Erstbegehungen zurückgehen. Er ist der Nachfol-

ger des 2004 verstorbenen, bekannten Südtiroler Bergsteigers Otto Eisenstecken, der den „Berglern“ von 1967 bis 2000 vorstand.

Die Geschichte des Alpinismus. Zu Beginn waren es hauptsächlich Gelehrte und Wissenschaftler, die gegen Ende des Mittelalters begannen, aus Spaß und Interesse niedrige Gipfel zu erklimmen. Einst ging man nur zur Jagd oder zur Überquerung von Pässen ins Gebirge und nicht aus Interesse an Fauna und Flora, an der Geologie oder dem Berg- »

Text: Katja Sanin Fotos: Helmuth Rier

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steigen selbst. Auch bei der Erstbesteigung des höchsten Berges der Alpen, des Mont Blanc, im Jahr 1786 standen noch naturwissenschaftliche Fragestellungen und weniger sportliche Ziele im Mittelpunkt des Interesses, aber der Grundstein für den Kampf mit den Bergen war gelegt.

Die Berglerhütte dient den „Berglern“ seit 1923 als Ausgangspunkt für ihre Klettertouren.

Als das Goldene Zeitalter des Alpinismus wird die Zeit um die Mitte des 19. Jahrhunderts bezeichnet, in der die meisten bedeutenden Berge der Westalpen zuerst bestiegen wurden. In diese Zeit fällt auch die Gründung der ersten Alpenvereine. Zentrum der alpinistischen Erschließung war damals die Schweiz. Das kleine Land inmitten der Alpen entwickelte sich zum beliebtesten Reiseziel in Europa. Es war der Wunsch der aus dem Ausland kommenden gehobenen Gesellschaft das Gebirge zu erleben. Die Gipfel der Dolomiten hingegen waren zu niedrig und somit uninteressant. Die Erschließung der Ostalpen und der Alpinismus in den Dolomiten begannen erst Ende des 19. Jahrhunderts mit der Erstbe-

steigung des 3.168 Meter hohen Monte Pelmo in den Ampezzaner Dolomiten. Die Idee, den Alpinisten die Bergwelt der Dolomiten mittels einer durchgängig befahrbaren Straße leichter zugänglich zu machen, geht auf den Deutschen und Österreichischen Alpenverein zurück. Damals gab es zwar schon die Eggentaler Straße seit 1860 und die Karerpassstraße seit 1896, aber an höheren Übergängen gab es nur Schotterstraßen und Saumpfade. Initiator des Baus der Dolomitenstraße war der leidenschaftliche Bergsteiger und Pionier Theodor Christo­mannos, womit die touristische Erschließung der Dolomitentäler begann.

Die alte Straße nach Tiers wurde bereits 1811 erbaut und das Dorf Tiers spielte eine bedeutende Rolle in der alpinistischen Erschließung der Südtiroler Berge – es war das Tor zu den Dolomiten. Ende des 19. Jahrhunderts wurden mit der Grasleiten Hütte, der Vajolet Hütte und der Kölner Hütte die ersten Schutzhütten erbaut, die sich schon bald als zu

König Laurins Reich Um den Rosengarten ranken sich viele Geschichten, Mythen und Sagen. So herrschte der Zwergenkönig Laurin dort über sein Volk und belegte sein Reich mit einem Fluch. Hoch oben in den grauen Felsen des Rosengartens, dort, wo sich heute nur mehr eine öde Geröllhalde, das „Gartl“, ausbreitet, lag einst König Laurins

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Rosengarten. Als der Zwergenkönig Laurin die Königstochter Similde in sein Reich entführte, wurde er von den treuen Gefährten des Königs gefangen genommen und schrie: „Diese Rosen haben mich verraten. Sie sollen nie wieder blühen, weder bei Tag noch bei Nacht!“ Doch er hatte bei seinem Fluch die Dämmerung vergessen!

Und so kommt es, dass der Berg in der Dämmerung seine Rosenpracht zeigt und rot erglüht. Entstanden ist der Rosengarten aus einem Korallenriff, als noch Wasser die Erdoberfläche bedeckte. Heute ist er ein Juwel der Naturschönheiten und seit 2009 mit einem guten Teil der restlichen Dolomiten UNESCO Welterbe.


Das Bergler-Hüttenbuch.

klein erwiesen und noch vor dem Ersten Weltkrieg auf die heutige Größe ausgebaut wurden. Die erste Schutzhütte, die im Rosengartengebiet 1887 auf Anregung von Johann Santner von der Sektion Leipzig des Deutschen Alpenvereins gebaut wurde, war die Grasleitenhütte. Von dort aus konnte man den höchsten Gipfel, den 3.004 Meter hohen Kesselkogel, in zwei Stunden erreichen. 1888/1889 gründete Johann Santner gemeinsam mit einigen Bergsteigern aus Bozen und dem Ausland den Verein „Die Tschamintaler“. Einige erfahrene Tierser Kletterer rund um die beiden Brüder Johann und Alois Villgrattner nutzten um die Jahrhundertwende die Gunst der Stunde und gründeten eine Bergführervereinigung. Alois Villgrattner war es, der zusammen mit Johann Santner am 19. Juni 1878 den später nach ihm benannten Santnerpass eröffnete und somit den Rosengarten von der Tierser Seite aus zugänglich machte. Da es vor allem Wohlhabende aus der Bürgerschicht der Städte waren, die es damals in die Berge zog, verdienten sich die Bergführer und Träger eine goldene Nase. So kostete zum Beispiel eine Tour von Tiers auf die Rosengartenspitze 14 bis 16 Gulden - zum Vergleich, ein Handwerker verdiente damals am Tag knapp einen halben Gulden. Doch vom Bergführen alleine leben konnten nur die Besten wie zum Beispiel Franz Schroffenegger und Franz Wenter. Letzterer war auch Mitglied der 1914 gegründeten alpinen Vereinigung „Bergler“ wie der legendäre Otto Eisenstecken, dessen Namen auf keinen Fall fehlen darf, wenn man sich, wie Rochus

Oehler und ich, über das Klettern in den Dolomiten unterhält. Schroffenegger und Wenter kletterten vor dem Ersten Weltkrieg zahlreiche schwere Touren im Rosengartengebiet: Erstbegehungen an der Nordwestwand des Delagoturms, der Nordwestwand und der Ostflanke der Sattelspitze, der Ostwand der Rotwand und die schwierige Nordroute der Laurinswand gehen auf ihr Konto.

Kletterparadies Rosengarten. „Nach dem Zweiten Weltkrieg war es Otto Eisenstecken, der mit seinen Erstbegehungen Ende der vierziger Jahre an Rotwand, Laurins-Westwand, Vajolet-Hauptturm und vielen Wänden mehr eine neue Epoche des Bergsteigens einläutete“, erklärt mein Gesprächspartner Rochus Oehler und erzählt, dass Eisenstecken es war, der nach dem Vereinsverbot durch die Faschisten in den zwanziger Jahren und den Kriegswirren die „Bergler“ nach Kriegsende wieder ins öffentliche Vereinsleben zurückführte. „Noch heute treffen wir uns jeden Donnerstag an unserem Stammtisch im Hotel Hanny“, berichtet Rochus Oehler und in seiner Stimme sind Freude und Stolz zu hören über so viel Tradition, die schon seit hundert Jahren Bestand hat. Der Donnerstag war nicht von ungefähr gewählt. Damals gab es noch keine Smartphones, um sich via sms oder WhatsApp zu verabreden. Die Bergler trafen sich jeden Donnerstag, um die Touren für das bevorstehende Wochenende zu planen. Der Erste Weltkrieg jedoch bremste den Tatendrang aller Bergsteiger »

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tengebiet verbunden und führen eine rege Vereins­ tätigkeit, die sie heute weit über den Rosengarten und die Südtiroler Landesgrenzen hinausführt. Für die „Bergler“ aus Bozen lag der Rosengarten praktisch vor der Tür und für „Die Tschamintaler“ ist er der Hausberg. Die „Bergler“ fuhren früher mit dem Zug nach Blumau, und dann mit den Fahrrädern nach Tiers, wo sie in Heulagern übernachteten, um dann früh morgens ihre Touren in Angriff zu nehmen. Erzählungen zu Folge sollen sie einmal von

rol verboten war, zum geheimen Vereinssitz. Dort entging man den Schikanen des Faschismus, es wurden deutsche Lieder gesungen und man blieb während des gesamten bis 1943 andauernden Vereinsverbots unentdeckt. „Die Tschamintaler“ treffen sich nicht jeden Donnerstag wie die „Bergler“, sondern, abgesehen von ihrer Vereinstätigkeit, einmal im Jahr zur Jahreshauptversammlung – wie die „Bergler“ auch. Als Frau eines der 17 Mitglieder der „Tschamintaler“ hatte ich die Ehre, bei der diesjährigen Hauptversammlung, zu der auch die Frauen eingeladen waren, dabei zu sein. Getroffen haben wir uns unweit von der „Bergler Hütte“. Einige kamen direkt vom Eisklettern zurück und die anderen wanderten von unten hinauf zur Haniger Schwaige. Als wir alle bei Tisch saßen, und ich allen Anwesenden ein Blatt Papier und einen Stift reichte, um ihre Lieblingsklettertour im Rosengartengebiet aufzuschreiben, wurde mir als absoluter Nichtfachfrau bewusst, dass es rund um den Rosengarten, neben den bekannten, und für jeden geübten Berggeher begehbaren Klettersteigen Kesselkogel, Laurenzi, Masaré und Santnerpass, für erfahrene Bergsteiger Klettertouren wie Sand am Meer gibt. So gut wie jeder nannte eine andere Tour. Die einzige Tour, die doppelt erwähnt wurde, war genau

einem Bauer ziemlich unsanft vertrieben worden sein, sodass sie beim Abstieg durch die Wenterkamine beschlossen, am Fuße der Laurinswand eine Hütte zu erbauen. Der Bau der „Bergler Hütte“ dauerte von 1921 bis 1923 und sie wurde während des Faschismus, als die deutsche Kultur in Südti-

jene Tour, die auch mein Gesprächspartner Rochus Oehler nennt, als ich auch ihn am Ende unseres Gesprächs nach seiner Lieblingstour im Rosengartengebiet frage – die von Otto Eisenstecken am 2. September 1946 im IV Grad direkte Westwand zum Gartl eröffnete Eisensteckenführe. n

und überschattete in jenen Jahren die Geschichte und Entwicklung Europas. Die alpine Vereinigung der „Tschamintaler“ hingegen zerbrach in jener Zeit und wurde 1959 von den fünf Tierser Bergsteigern Markus Villgrattner, Toni Trompedeller, Sepp Robatscher, Albert Robatscher und Günther Pattis neu gegründet. Heute zählt diese Klettergilde 17 Mitglieder und hat einen jungen Anwärter, der nach Vollendung des 18. Lebensjahrs das jüngste Mitglied sein wird.

Beide Klettergilden sind eng mit dem Rosengar-

Die private Hütte der Bergler mit Blick auf den Bozner Talkessel.

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