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Im (Wasser-)Lauf der Zeit

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Der 500 Jahre alte Brunnenbrief besticht durch Präzision: die schÜne gotische Kursive und eine feingliedrige Skizze.

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Im (Wasser-)Lauf der Zeit Das Wasser war für Völs am Schlern schon immer ein wichtiges Thema. 2017 feiert man das Jubiläum „500 Jahre Wasserbrief“. Dies zeugt von einer lange verbrieften Geschichte rund um das kostbare Nass, vor allem aber auch von der Innovationsfreude des legendären Leonhard von Völs.

2017 ist für die Gemeinde Völs am Schlern ein bedeutendes Gedenkjahr, das eng mit Leonhard von Völs verknüpft ist. Leonhard d. Ä. (1458-1530), unvergessener Landeshauptmann an der Etsch und Burggraf zu Tirol, war eine ungemein energische, entschlussfreudige und erfolgreiche Persönlichkeit, die nicht nur der Geschichte von Völs, sondern gleichermaßen auch der des ganzen Landes an der Etsch und im Gebirge den Stempel aufgedrückt hat. Während man in Völs am Schlern im Jahr 2006 der mehr als unrühmlichen „Völser Hexenprozesse“ von 1506 und 1510 gedachte, will man in diesem Jahr an den von Leonhard in die Wege geleiteten und 1517 erfolgreich abgeschlossen Umbau von Schloss Prösels zu einem respektablen und prächtig ausgestalteten Renaissance-Schloss erinnern. Zudem ist um jene Zeit (ca. 1520) mit dem gotischen Umbau der Pfarrkirche begonnen worden. Überhaupt gab es zu Leonhards Zeit eine ausgedehnte kirchliche Bautätigkeit im Raum von Völs. Weiter geht man davon aus, dass im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts zusammen mit anderen Wasserspeichern auch der Völser Weiher angelegt wurde. Den vornehmlichen Anlass zum Feiern gibt in diesem Jahr jedoch der historische „Wasserbrief“: Große Weitsicht hat Leonhard von Völs, Landeshauptmann von Tirol, im fernen Jahr 1517 allemal bewiesen, als er ein für die damalige Zeit einmaliges Dokument ausstellte, mit dem die gesamte Trinkwasserversorgung im Gemeindegebiet von Völs geregelt wurde. Der Brunnenbrief samt Skizze des Verteilernetzes und der Brunnen liegt noch heute – einschließlich Wachssiegel – im Völser Pfarrarchiv auf. Es ist kein vergleichbares, so weit zurückreichendes Dokument bekannt. In schöner gotischer Kursive beschreibt Leonhard sein Vorhaben, den alten, bestehenden Brunnen auf dem Dorfplatz von Völs mit einem neuen zu erweitern. Holzrohre

sollten Quellwasser von Tuff (zu Füßen des Schlern) mit einigen Verzweigungen auf den Dorfplatz führen, wobei periphere Brunnen die anliegenden Höfe versorgen sollten.

Der Brunnenbrief. Ein halbes Jahrtausend ist es her, dass Leonhard die Wasserleitung von Tuff bergabwärts in den Dorfkern von Völs herunter projektiert hat. Das bedeutet, dass das Dorf Völs seit 1517 auf geregelte Weise mit bestem Schlernwasser versorgt wird, während sich die Bevölkerung in den Jahrhunderten zuvor das Wasser aus „Ziggeln“ (Tiefbrunnen) holte. Nur wenige Bauernhäuser konnten sich glücklich schätzen, über eine eigene Quelle und einen Brunnen zu verfügen. Das bedeutete, dass in Trockenperioden Wasser in Völs oft Mangelware war, während andererseits am Fuße des Schlernstockes aus einer ganzen Anzahl von Quellen Wasser im Überfluss sprudelte. Der frühneuzeitliche Gerichtsherr Leonhard, aus niederem Adel entstammend und dann immerhin zum Freiherren erhoben, verstand etwas von Wasserleitungen. Er war von 1491 bis 1501 als Salzmair in Hall in Tirol beschäftigt gewesen, wo die Salzpfannen im Pfannhaus über kilometerlange Soleleitungen aus Holzrohren bedient wurden. Das Haller Salz war vor allem für König Maximilian, aber auch für Leonhard und die Stadt Hall ein lukratives Geschäft. Mangel an gutem Wasser für Mensch und Tier in Unter- und Obervöls, vor allem aber wohl auch die Sicherstellung eines Großteils des zugeführten Wassers für seine Verwandtschaft im heutigen Hotel Turm und für das geplante Anwesen der Völser Herrschaft im Ortskern, müssen Leonhard dazu bewogen haben, sein in Hall in Tirol erworbenes Know-how zu nutzen und eine neuzeitliche Wasserversorgung für Völs anzustoßen. So steht im Brunnenbrief von 1517 zu lesen: „... und habe mich in ei- »

Text: Elisabeth Augustin Fotos: Helmuth Rier

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WER WAR LEONHARD VON VÖLS? Die Herren von Völs erscheinen erst im frühen 12. Jahrhundert in den Urkunden. Als ältester Burgsitz der Hauptlinie der Herren von Völs gilt der Turm nördlich der Pfarrkirche im Dorfzentrum von Völs, als jüngster das allerdings erst 1279 urkundlich nachzuweisende CASTRUM PRESIL (Schloss Prösels). Die Herren von Völs waren am Berge Völs die fast ausschließliche Grundherrschaft und damit wohl auch das tragende Element des Siedlungsausbaus im hohen Mittelalter.

Leonhard der Ältere von Völs, vor 500 Jahren Landeshauptmann an der Etsch und Burggraf zu Tirol

Mit Leonhard d. Ä. von Völs hatten die Herren von Völs einen Höhepunkt ihrer Macht und Geltung erreicht. Leonhard war ein Mann rastloser und vielseitiger Tätigkeit, eine historische Persönlichkeit, die aus der Geschichte von Völs nicht wegzudenken ist. Er war freilich auch getrieben von Ehrgeiz und seinen Untertanen gegenüber mitunter äußerst hart und rücksichtslos, so dass er im Aufstand von 1525 zum Hauptgegner der Bauern seines Gerichtsbezirks wurde. Leonhard war auch als Diplomat und Soldat tätig. Schon 1487 kämpfte er bei Calliano gegen Venedig. Für den König und Kaiser des Deutschen Reiches Maximilian I. war „der Felser“ eine feste Größe. Der Habsburger griff immer wieder auf die Dienste des Südtiroler Adeligen zurück und betraute ihn mit militärischen und diplomatischen Aufgaben in Oberitalien, im Konflikt mit der Republik Venedig, in Bayern, in Tirol. 1498 wurde Leonhard Landes-

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hauptmann und Burggraf auf Tirol und damit ranghöchster Vertreter der Stände des Landes. 1499 zeitweilig Feldhauptmann gegen die Eidgenossen im Münstertal und Vinschgau, kämpfte er 1504 im bayerischen Erbfolgekrieg und 1508 im Krieg gegen Venedig sowie 1516 vor Mailand. Der Wappenstein über dem ersten Torturm mit der Jahreszahl 1517 lässt darauf schließen, dass Leonhard von Völs in jenem Jahr sein von zwei Türmen zur Burg umgebautes Schloss Prösels einweihte, es aber jedenfalls in wesentlichen Teilen in Betrieb nahm. 1518 war er Chef der Kommission zur Wiederlosung der Tiroler Bergwerke. Über all dem vergaß er nicht den Ausbau der eigenen Stellung im Lande, indem er durch alle möglichen Unternehmungen seinen Besitzstand stetig erweiterte und vermehrte. Als recht dienlich dürften sich dabei auch die drei Ehen Leonhards erwiesen haben, zumal die Auserwählten sehr begüterte Damen waren: Regina von Thun, Katharina von Firmian sowie Ursula von Montfort. Ein nicht unerheblicher Teil des Grundbesitzes und vor allem der Schlosshof in Prösels sind den Herren von Völs bis zum Erlöschen des Geschlechts (1804) verblieben, wenn auch durch Abverkäufe, Ausstattung weiblicher Familienmitglieder bei Heirat oder Eintritt in geistliche Orden und nicht zuletzt durch geistliche Stiftungen bedeutende Minderungen eingetreten sind. Das gut erhaltene Schloss Prösels wird heute von einem Kuratorium ver-

waltet und strahlt als Kulturzentrum weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Ab 1520 führte Leonhard d. Ä. den Freiherrentitel. Um dieselbe Zeit dürfte er durch einen freilich auf dürftiger Beweislage beruhenden Filiationsbrief vom römischen Admiral Marcantonio Colonna, die Nachfolge dieses aussterbenden Geschlechts antretend, dessen Titel angenommen und die Colonna-Säule in sein Wappen aufgenommen haben. Den außerordentlichen Verdiensten, die Leonhard sich um die Gerichtsgemeinde erwarb, stehen freilich auch Schattenseiten gegenüber. Als düsteres Kapitel gingen die Völser Hexenprozesse von 1506 und 1510 in die lokale Geschichte ein. Leonhards rücksichtslose Handlungsweise fand vor allem in „Beschwerdeartikeln“ Ausdruck, die von den Völser Bauern auf dem Landtag von Meran im Mai 1525 erhoben wurden. Er habe, so hieß es, Bauleuten (Bauern) Grundstücke entzogen, ohne den Grundzins zu ermäßigen, während er ihn in anderen Fällen sogar ungerechterweise erhöhte. Die Bauern fühlten sich in mehrerlei Hinsicht übervorteilt und forderten gar die Abschaffung der Stelle des Landeshauptmanns. Die Völser können heute von Glück reden, dass die Bauern 1525 bei der mehrwöchigen Besetzung von Schloss Prösels den Brunnenbrief nicht wie andere Dokumente mit zerfetzten, wodurch ein bedeutendes Zeugnis in der Entwicklung der Gemeinde erhalten geblieben ist.


Leonhard von Völs drückte auch Schloss Prösels seinen Stempel auf.

Der historische Brunnenbrief mit dem 500 Jahre alten Wachssiegel

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QUELLEN Franz Huter, „Völs am Schlern 888-1988“, Ein Gemeindebuch, 1988 Elmar Perkmann, „Völser Zeitung“, 1/2017 Trinkwassergenossenschaft Völs am Schlern, „Der Völser Wasserbrief von 1517“ Helmut Stampfer, Vortrag „Die Herren von Völs und ihre Wappen“, 2017. «

Der Dorfplatz von Völs am Schlern mit seinem Brunnen, der in diesem Jahr gefeiert wird. Hier fließt seit 500 Jahren frisches Wasser.

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Der Brunnenbrief ist in einigen Passagen erstaunlich detailliert und auch die beiliegende Skizze eines Brunnens mit zwei penibel gezeichneten Säulen mit Wimpeln und je zwei Auslauföffnungen, aus denen Wasser sprudelt, zeigt das zeichnerische Talent eines unbekannten Schreibers in Leonhards Diensten. Quer über dem Brunnenkasten steht: „Gemain prunne auff dem platz unter Vels“.

Der „Wasserbrief“ sieht eine Quellfassung ober Tuff vor, die „im ursprunng in ainen gueten trog“, demnach wohl mit Steinplatten abgedeckt und für eine gewisse Bevorratung in einem ordentlichen Gehäuse zu fassen war, das es vor Regenwasser und Verunreinigungen schützte sowie dafür sorgte, dass sich Schwebeteilchen und Sand absetzen konnten und nicht ins Leitungssystem gerieten. Das Wasser wurde in „hülzen roren“ (Holzrohren) geführt, wobei die Leitung von Tuff bis zum Dorfplatz nach heutiger Berechnung stolze 3.200 Meter lang war. Entlang der Strecke waren einige Höfe an Leonhards Wassernetzwerk angeschlossen. Das anfallende Überwasser, so steht es im „Wasserbrief“, dürfe in gutem nachbarschaftlichem Geist von allen im Einzugsbereich lebenden Anrainern für die Bewässerung verwendet werden.

Der Brunnen selbst ist zweigeteilt: Der rechte Teil war Leonhards herrschaftlich beschlagnahmter Privatbrunnen („herschaffts prun“) , während der neue, linke Teil des Brunnens allen offen stehen sollte.

Nun, 500 Jahre später, freuen sich die Völser und ihre zahlreichen Feriengäste, dass das Völser Wasser nach wie vor die höchsten Anforderungen erfüllt, die an die Qualität von Trinkwasser zu stellen sind. «

gener Person dafür eingesetzt, dass mit Hilfe der gesamten Gerichtsgemeinde vom Berg in Tuffrain über dem oberen Weiher auf der Woff gelegen für Ober- und gegen Untervöls zu ein ordentlicher und reichlicher Brunnen von gutem Brunnenwasser in hölzernen Röhren und ‚drüchlen’ geführt werde...“ In der Folge werden in dem Dokument die Wasserführung und -verteilung genauestens geregelt.


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