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Der Tuff-Sepp

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Einzigartig in Südtirol: Auf der Tuffalm weiden im Sommer auch Kamele. Sie sind des Tuff-Sepp großer Stolz.

Der Tuff-Sepp Josef Haselrieder, Wirt auf der Tuffalm hoch über Völs am Schlern, bewirtschaftet seine Gäste mit Leib und Seele. Er ist ein Macher und verfolgt mit klaren Ideen und großer Genauigkeit seine Ziele.

W Wenn in „Paul‘s Café“ die Tür schwungvoll aufgeht und der Tuff-Sepp – ein kräftiges „Guten Morgen“ vorauswerfend – den Raum betritt, kommt schnell Leben in den beliebten Treffpunkt in Völs. Man kann ihn weder übersehen noch überhören, den Tuff-Sepp, und meistens bringt er neben seinem feurigen Temperament auch gute Laune und die wichtigsten Neuigkeiten mit. Josef Haselrieder, so sein amtlicher Name, ist die lebende Antithese zum eher zurückhaltenden Völser Menschenschlag. Seine Geschichte ist die Geschichte eines Mannes, der sich ihm bietende Chancen zu nutzen wusste, und sich so im Laufe seines Lebens – manchem Widerstand zum Trotz – mit viel Fleiß und Optimismus ein kleines Reich aufbaute. „Erfolg kommt nicht von allein“, sagt er. „Ich hatte auch Glück und eine Familie, die stets hinter mir stand.“ Und so wurde aus dem einstigen Baggerfahrer ein Gastwirt und Bauer: der „Tuff-Sepp“.

Josef Haselrieder, 1967 in Pfitsch im Südtiroler Wipptal geboren, zog als Vierjähriger mit seiner Mutter Vroni nach Völs am Schlern. Bereits in der Volksschule waren Josef und sein Cousin Peter die „Exoten“, weil ihr Dialekt etwas anders klang als jener der Mitschüler. Auf seine Pfitscher Herkunft ist Sepp stolz, und wenn ihm mal etwas gegen den Strich geht, so lässt sich der Grund leicht im mangelnden Verständnis der Völser ausmachen. Text: Elisabeth Augustin Fotos: Helmuth Rier

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In den 1970er-Jahren arbeitete Sepp schon im „Schlernhaus“ mit. Die weit über die Grenzen hin­

aus bekannte und auf 2.457 Metern Meereshöhe am Hochplateau des Schlern gelegene Schutzhütte wurde für viele Jahre von Sepps Tante Hilde und ihrem Mann Rudl geführt. Der Bub genoss die Zeit am Berg und half in der Küche und im Speisesaal schon kräftig mit. Es folgten viele schöne Sommer auf der niederer gelegenen Tuffalm, die von Sepps Eltern in Pacht genommen wurde. Sommers lebte dort auch ein Hirte, der die Kühe und Kälber der Völser Bauern hütete und versorgte. Von Juli bis Mitte August verlebten Sepp und seine Geschwister Oswald, Heidi und Manfred zwischen den Weidetieren und den ersten Gästen, die den Weg auf die Tuffalm fanden, unbeschwerte Sommerferien. „Meine Mutter tischte den hungrigen Wanderern Kaiserschmarrn oder Speck und Käse auf“, erinnert sich Sepp. „Und sonntags gab es immer Gulasch“, fügt er mit strahlenden Augen hinzu. „Meine Aufgabe als Bub war es, im Dorf das frische Brot zu holen und auf die Alm zu bringen. Das hat manchmal etwas länger gedauert und die Gäste waren schon beim Essen“, sagt er. Aber wer hätte dem schelmischen Jungen schon wirklich böse sein können? Mit 14 ging Josef Haselrieder in die Lehre und erlernte in einem Völser Betrieb das Handwerk des Installateurs. Weil die Auftragslage Mitte der 1980er-Jahre nicht so rosig war, wechselte Sepp nach seinem Militärdienst zu einer Baggerfirma nach Seis. „Die Arbeit mit den großen Maschinen hat mir besser gefallen als Rohre zu verlegen“, er- »


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Herzliche Gastgeber: Josef und Rosalinde Haselrieder auf ihrer geliebten Tuffalm.

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innert er sich. Zehn Jahre lang war das Baggern seine große Leidenschaft. In jener Zeit heiratete Sepp seine Rosalinde, eine fesche Völser Gemeindebeamtin. „Ich hatte schon in der Volksschule in Völs, die wir gemeinsam besuchten, ein Auge auf sie geworfen“, schwärmt Sepp. 1993 läuteten die Hochzeitsglocken für das Paar. Nur ein Jahr später kam Sohn Hannes zur Welt, 1997 Tochter Elisa. Zehn Jahre später folgte Nachzügler Peter.

Ein Ort glücklicher Kindertage. 1996 suchte die Gemeinde Völs am Schlern für die Tuffalm einen neuen Pächter. Anton Mahlknecht, der Sieberer Toni, sah in Josef Haselrieder den idealen Nachfolger, die Tuffalm zu bewirtschaften, und ermutigte ihn, sich an der Ausschreibung zu beteiligen. „Die Entscheidung fiel mir nicht leicht“, sagt Sepp. „Tante Hilde und mein Vater meinten, ich sollte es unbedingt versuchen, meine Mutter und meine Frau waren eher dagegen.“ Doch zu groß war der Reiz, an diesen besonderen Ort, an dem Sepp seit glücklichen Kindertagen hing, zurückzukehren. Und es sollte die richtige Entscheidung sein. So ging es in der damals noch spärlich eingerichteten Almhütte los, mit wertvoller Mithilfe der Eltern in Küche und Service. Schnell wurden die Gäste mehr und mehr, weil sie die Gastfreundschaft des engagierten Hüttenwirtes schätzten. Mit einem herzlichen „Griaß di“ und einem Schnapsl dazu, fühlte sich jeder Gast schnell willkommen. Schließlich stieg auch Sepps Gattin Rosalinde in den Betrieb ein und die einst bescheidene Almhütte entwickelte sich zu einem bei Einheimischen wie Feriengästen gleichermaßen beliebten Ausflugsziel. Die Haselrieders können heute auf viele treue Gäste zählen, darunter an den Wochenenden viele Südtiroler und Wanderer aus dem benachbarten Trentino. Der breite Forstweg, der vom Völser Weiher Richtung Schlern führt, ist bis zur Tuffalm auf 1.270 Metern in rund 30 Minuten zu Fuß relativ leicht zu bewältigen. Im Winter macht die Abfahrt mit der Rodel besonderen Spaß. Neben dem Forstweg lässt sich noch die einstige Rennrodelbahn, die bereits vor Jahren aus Sicherheitsgründen eingestellt werden musste, erkennen. Völs am Schlern ist eine Rodelhochburg und hat in den vergangenen Jahrzehnten bekannte Rennrodler hervorgebracht, darunter auch Sepps Bruder Oswald, der bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin gemeinsam mit seinem Partner Gerhard Plankensteiner

die Bronzemedaille im Doppelsitzer gewann. Die Anforderungen einer professionellen Rennrodelbahn standen irgendwie auch im Widerspruch zu den Grundsätzen des Naturparks Schlern-Rosengarten, in dem Schlern, Tuffalm und Völser Weiher liegen. Im Schutzgebiet gelten besondere Auflagen, die auch mit den Vorhaben von Josef Haselrieder nicht immer ganz kompatibel sind. Sepp musste im Laufe seiner Tätigkeit immer wieder erkennen, dass das Gleichgewicht zwischen Ökonomie und Ökologie ein hoch sensibles ist und hat die Diskussion mit den Naturpark-Verantwortlichen nie gescheut. „Irgendwie ist es aber letztendlich stets gelungen, einen Kompromiss zu finden“, räumt er ein. Die Gäste würden donnerstags für Musik und Tanz oder jährlich im September zum Tuffalmfest von weit herkommen. „Dann versuchen wir halt, nicht zu laut zu sein“, sagt der tüchtige Wirt. Eigentümer der Almhütte ist die Gemeinde, Sepp hat einen Pachtvertrag und ist schon seit bald 25 Jahren Wirt auf Tuff. Nun würden größere Investitionen anstehen, sagt er. Das Dach sei zu reparieren, und es bräuchte eine Garage für die Maschinen. Veränderungen seien jedoch nicht unbedingt im Interesse des Amtes für Naturparke. In der Küche der Tuffalm hat nun Sohn Hannes, ein begnadeter Jungkoch, das Kommando übernommen und gibt dem traditionellen Angebot, das von Speckknödeln und Schlutzkrapfen über krosse Schweinsrippchen mit Grillgemüse bis hin zur hausgemachten Buchweizentorte oder dem besonders beliebten Apfelstrudel reicht, eine innovative Note. Der Tuff-Wirt legt besonderen Wert auf Qualität. In der Küche werden vorwiegend lokale Produkte verarbeitet. „Das Essen soll einen angemessenen Preis haben“, sagt Sepp. „Und es muss schnell gehen. Die Leute haben nicht mehr die Geduld zu warten.“

Leutseligkeit als Stärke. Von seinen Mitarbeitern verlangt Josef Haselrieder großen Einsatz und gute Umgangsformen, und auch das Äußere muss passen. Donnerstags und sonntags wird in Dirndl oder Lederhosen serviert, und ein freundliches Lächeln ist selbstverständlich. „Ich bin auch sonst sehr genau“, sagt Sepp. Er sehe, wenn ein Glas nicht richtig steht oder der Blumenschmuck nicht perfekt ist. Dennoch ist er für die Mitarbeiter „der Sepp“ und nicht „der Chef“. Seine Autorität ist eine natürliche, die sich zum einen aus seinen »

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wohnungen. Frau Rosalinde hat den Betrieb übernommen und führt nun das zweite wichtige und wachsende Standbein der Familie. Zum Tuff-Reich gehört längst auch die von der Gemeinde gepachtete „Schwimmhütt‘“ am Völser Weiher. Unter der Regie von Tochter Elisa gibt es bei dem beliebten Treffpunkt an dem kleinen Badesee in Völs am Schlern allerlei Erfrischungen und kleine Köstlichkeiten. Die Familie bewirtschaftet seit mehreren Jahren auch den Parkplatz am Völser Weiher. „Vor allem meiner Mutter Vroni gefällt das. Sie ist gerne unter Leuten und auch ein wenig neugierig“, schmunzelt Sepp. Zur Mutter, die viele für seine Schwester halten (worauf sie natürlich sehr stolz ist), hat Sepp ein sehr inniges Verhältnis.

Sepp Haselrieder mag Menschen und er liebt seine Arbeit als Gastwirt. Wo der Tuff-Sepp ist, ist immer was los.

klaren Vorstellungen und zum anderen aus seiner geradlinigen Art ergibt. „Für manche bin auch oft wie ein Vater. Und nicht nur das macht uns letztendlich zu einer großen Familie.“ Der Tuff-Sepp sucht stets den Kontakt zu seinen Gästen und redet gerne. Seine Leutseligkeit ist seine Stärke. Sepp ist schlagfertig und hat immer eine Antwort parat. „Die Gäste sind anspruchsvoll“ sagt er. „Wenn du als Wirt nicht schlagfertig bist, gehst du unter.“ Auch weil er in seiner Freizeit viel und gerne in Südtirol unterwegs ist, ist er weitum bekannt. „Ich habe das große Glück, mir Gesichter gut merken zu können“, sagt er und fügt augenzwinkernd hinzu: „Aber Frauen merke ich mir viel leichter.“ Auf seine Schwächen angesprochen gibt er zu, dass er auch „etwas ekelhaft“ sein kann, wenn er mal ein Glas zu viel getrunken hat, und am nächsten Tag würde es ihm leidtun. Aber er sei nicht nachtragend und würde Missverständnisse dann lieber gleich ausräumen. Und weil von Chancen die Rede war, ließ sich Josef Haselrieder auch jene nicht entgehen, als die Kurie vor ein paar Jahren neben seinem Heimathaus in Völs ein vier Hektar großes Grundstück verkaufte. Dort entstand der Hof, der den Sepp zum Bauern machte. Beim „Pitschlmann“ errichtete Familie Haselrieder einen Buschenschank und Ferien-

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Zur großen Familie zählen etliche Tiere. Sepp liebt Tiere, „vor allem ausgefallene“, sagt er. Als er vor 20 Jahren seiner damals noch kleinen Tochter Elisa von einer Deutschland-Reise ein weißes Pony mitbrachte, sorgte er im Bergdorf Völs für Aufsehen. Nicht weniger erstaunt war man, und er selbst wohl auch, als dem Sepp vor zwei Jahren zum 50. Geburtstag von Mitarbeitern, Familie und Freunden zwei Kamele geschenkt wurden und damit für den Tierhalter ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung ging. Josef Haselrieder ist der bislang einzige Südtiroler, der Kamele hält, und hat damit auch schon für Medienrummel gesorgt und Engagements beim Weltcup-Rennen im nahen Gröden angenommen. Sepp schwärmt von den pflegeleichten und feinen Tieren, die im Sommer auf der Tuffalm grasen. Dort gibt es einen Streichelzoo mit drei Eseln, Hasen, Pony, Schafen und Hennen. Auch vier Alpakas, drei Noriker- und zwei Haflingerpferde, einen Hund und zwei Katzen nennt Sepp sein Eigen. Sein kleiner Zoo bereitet dem Gastwirt und Bauern viel Freude und ginge es nach ihm, dann könnte der Zoo auch noch wachsen. Auf jeden Fall sind die vielen Tiere auf der Tuffalm die Stars und äußerst beliebte Fotomotive, nicht nur für Stadtmenschen. Der Tuff-Sepp macht nie den Anschein, als würde ihm etwas zu viel werden. Er strotzt vor Kraft und Ideenreichtum. Auch Neider können dem Sepp nichts anhaben. „Die Leute sehen oft nicht, was dahinter steckt“, sagt Sepp. Der Erfolg beruhe aber nicht nur auf Leistung und Durchsetzungskraft. „Es war auch viel Glück dabei“, sagt er. Viele würden sagen: „Wer Erfolg hat, ist nicht überall beliebt, aber damit kann ich leben“, lacht er. «


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