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Der Saltner „Much“

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Der Saltner „Much“ Die Ferienregion Seiser Alm hat drei Saltner, einen im Gebiet Tschapit und einen auf dem Schlern. Der dritte und zugleich Jüngste von ihnen ist Michael Tirler, der Saltner von Saltria. Die Einheimischen kennen ihn jedoch alle nur unter seinem Spitznamen „Much“.

W

enn Much sein Saltner-Gewand angelegt hat, den Hut aufge­ setzt, wartet seine Haflinger­ stute Daisy schon ungeduldig, um mit ihm in den Ochsenwald zu reiten. Much stammt vom Untermulserhof in Kastelruth, arbei­ tet als Viehhirte auf der Seiser Alm und ist von der Saltner Schwaige aus für die östlichen Wei­ degebiete der Alm verantwortlich. Vom rechtli­ chen Standpunkt her gesehen, ist der Haupt-Salt­

ner Alexander Ciabattoni, der Pächter der Saltner Schwaige, doch das eigentliche Hüten des Viehs übernimmt der Much.

Der Begriff „Saltner“ kommt vom lateinischen Wort „saltus“, das mit Weideplatz übersetzt wer­ den kann. Der älteste legendär überlieferte Saltner auf der Seiser Alm ist der „Partschott“. Er war der Jagdaufseher und Viehhirte des berühmten Zwer­ genkönigs Laurin. Als dieser in die Gefangenschaft »

Text: André Bechtold Fotos: Helmuth Rier

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des Dietrich von Bern geriet, verfluchte er seinen Rosengarten, dass dieser weder bei Tag noch bei Nacht erblühen solle. Er vergaß jedoch die Däm­ merung und so wird die Enrosadira, das rote Glü­ hen der Dolomiten bei Sonnenuntergang erklärt. König Laurin vergaß bei seinem Fluch aber auch seinen Saltner auf der Seiser Alm und so streift Partschott noch heute durch die Wälder und ist vor allem bei den Sonnenwenden anzutreffen. Much ist ihm schon öfters begegnet.

Einzige bewaffnet in die Kirche und selbst unter Napoleon wurde dieses Recht nicht gebrochen. Den Saltnern wurde einst aber verboten zu heira­ ten. Auch die Mägde oder Bauerstöchter sollten sie in Ruhe lassen. Aber dabei waren die Saltner attraktiv: Man sagte ihnen nach, mit den Tieren re­ den zu können, sie waren starke Männer, die in der Natur lebten und deren Kräfte in sich aufnahmen. Wenn man Much darauf anspricht, ob dem heute noch immer so ist, dann lächelt er verschmitzt.

In den Jahren zwischen 1473 und 1477 wurde der sogenannte „Castlrutterische Seiser Albm Zetl“ aufgezeichnet. Es handelt sich hierbei um eine 45 Artikel umfassende Gerichtsordnung, in der auch die Saltner bestellt und vereidigt wurden. 1582 und 1583 wurden dem „Albm Zetl“ noch Ergänzungen angefügt. Im Artikel 22 wird festgelegt, wie der Saltner auf das Vieh aufzupassen hat, zum Beispiel musste er innerhalb von drei Tagen den Verlust eines Tieres melden. Das muss Much auch heute noch tun, doch die Gefahren sind heute geringer als die seiner Vorgänger, denn Bären und Wölfe auf der Seiser Alm gibt es heute nicht mehr. Die letzten Wölfe wurden 1966 bei den Dreharbeiten zum Kultfilm von Roman Polanski „Tanz der Vam­ pire“ eingesetzt. Much hat aber immer noch viel zu tun. Wenn im Juni das Vieh beim Almauftrieb zu ihm kommt, merkt er sich jedes einzelne der 400 Rinder und kennt auch dessen Besitzer. Hinzu kommen noch die Haflinger und Ziegen.

Sein Vorgänger, der Saltner Peter Sattler erzählte

Much teilt die Weiden ein und regelt eine even­ tuelle Zugabe von Salzsteinen. Von nun an muss er die Rinder überwachen, danach schauen, dass keines verloren geht. Sollte ein Tier sich verletzen oder Zeichen einer Krankheit haben, muss Much den Tierarzt und, wie schon 1473/77 festgelegt, den Besitzer verständigen. Täglich ist er auf seinem Rundgang bzw. Rundritt durch die Weidegebiete, bis Anfang Oktober der bekannte und heute von vielen Zuschauern begleitete Alm­abtrieb erfolgt. In den Weingegenden Südtirols wurde der Saltner in der Zeit der Kaiserin Sissi zu einer Touristen­ attraktion, die federgeschmückt eher einem Karl May-Roman entsprungen scheint. Doch dieser Wein-Saltner hat wenig mit dem Saltner auf der Alm zu tun. Dennoch rankt sich so manches My­ steriöse und Erotische um diese Figur, sei es auf der Alm oder im Weinberg. Die Saltner durften als

einmal, dass er auf folgendes alte Recht großen Wert legte: Pro abgetriebenes Horn bekommt der Saltner ein Schüttelbrot. Viele Jungbauern wollten das anfangs aber nicht. Peter regelte das recht ein­ fach. Wenn die Bauern kamen, um ihr Vieh abzu­ treiben, dann „wusste“ er nicht, wo es an diesem Morgen war und so mussten sie wiederkommen: mit Schüttelbrot. Sagenumwoben ist dieser „Be­ ruf“, dessen Realität aber wesentlich anstren­ gender und härter ist, vergleichbar mit dem ro­ mantischen Bild des amerikanischen Cowboys in den Western und dem tatsächlichen Alltag. Der Saltner Much hat zwar in keinem Western mitgespielt, doch mittlerweile ist er auch über die Grenzen Südtirols bekannt. Innerhalb der ZDFHerbstshow (3. November 2013) war der Reporter Eric Mayer mit ihm unterwegs und in der Sendung wurden auch die einzelnen Gegenstände, die der Saltner mit sich trägt, gezeigt und erklärt, so das Saltner-Horn, die Peitsche und die Tracht. Eben­ falls im ZDF wurde am 2. Januar 2014 die dritte Folge der Sendung „Auf dem Dach Europas“ aus­ gestrahlt. Dort ist Much beim Almabtrieb zu er­ leben. Wenn man Michael Tirler in Kastelruth begegnet, dann scheint er ein normaler junger Mann zu sein. Wenn man ihn in seinem Revier begegnet, dann ist er der Saltner Much und man glaubt gerne die al­ ten Geschichten, die Sehnsucht nach der verhei­ ßenen Zeit und der Rückkehr des Königs Laurin. Wenn man Much aus der Ferne auf seiner Daisy auf den Weiden unter dem rotglühenden Plattko­ fel reiten sieht, dann bleibt die Zeit irgendwie ste­ hen. Wenn Much dann noch mit einem alten Mann redet, der dann schnell aber wieder in den legen­ dären Tiefen der Seiser Alm verschwindet, dann ist das Erbe des Partschott lebendig. «

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