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Der Gold-Sänger und seine Gold-Pferde

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Der Gold-Sänger und seine Gold-Pferde In Sachen „Heimat“ und „Heimatliebe“ macht Norbert Rier keine halben Sachen: Als erfolgreicher Sänger, aber auch als Züchter der berühmten Südtiroler Haflinger ist er einer der ganz Großen im Lande.

» Text: Silvia Rier Fotos: Helmuth Rier

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ein, man muss nicht zwingend selbst ein Pferdenarr sein, um dem Charme dieses Vierbeiners zu erliegen: Hatten Sie schon mal das Glück, an einem schönen Sommertag oben auf der Alm einem oder gar einer Herde dieser blonden, langbeinigen Zeitgenossen zu begegnen? Dann wissen Sie vermutlich, was gemeint ist: Der Haflinger ist nicht nur außerordentlich hübsch anzusehen, nein, er hat auch noch einen überaus guten, einen geradezu „goldenen“ Charakter. Er ist, kurzum, ein Pferd zum Verlieben.

Norbert Rier, charismatischer Leader der „Kastelruther Spatzen“ - erfolgreichste Volksmusikgruppe aller Zeiten (aber wer wüsste das nicht?) - hat diesbezüglich nicht den geringsten Zweifel, und man darf davon ausgehen, dass er weiß, wovon er spricht: Seine Stallungen zählen zu den größeren, er selbst zu den erfolgreicheren Züchtern im Lande. Zwar ist er mit seinen „Kastelruther Spatzen“ sehr viel unterwegs, was ihn aber mitnichten daran hindert, sich der dritten, großen Liebe seines Lebens zu widmen, mit viel Hingabe, wann immer er kann. Sogar während seiner Tourneen nutzt er gern jede


» Gelegenheit, um sich mit Züchtern im benachbarten Ausland auszutauschen. Zurzeit ist er für ein paar Tage zuhause, und gut gelaunt an diesem strahlenden Wintertag. „Ja“, bestätigt er, „Haflingerpferde haben durchaus sehr viel gemeinsam mit hübschen Mädchen. Aber“, schickt er mit einem schelmischen Lächeln hinterher, „sie sind treuer.“

Südtiroler Rassepferd. Nur wenige Meter von seiner Haustür entfernt tummeln sich etwa fünf Jungstuten vor ihrem Stall. „Schau mal“, sagt er und zeigt auf die hübschen, feingliedrigen Tiere mit der charakteristischen Farbe, „nicht umsonst werden sie auch ‚Goldfüchse’ genannt. Wie soll man sich da nicht verlieben?“ Tatsächlich, sie sind eine Augenweide, diese Vierbeiner, und so gar nicht, was man bis vor wenigen Jahrzehnten gemeinhin mit dem Namen „Haflinger“ verband, nämlich: klein, untersetzt, rund, schwerfällig. Arbeitstiere für die Berglandwirtschaft, kräftig, ausdauernd, anspruchslos, trittsicher. Das waren die Haflinger, bevor sich Anfang des 20. Jahrhunderts das Zuchtziel verlagerte: von „Saumtier, vierbeiniger Knecht, Soldat“ (in der k. k. Monarchie, aber auch in beiden Weltkriegen) hin zu „Südtiroler Nationalross“. Heute, nach etwa 150 Jahren sorgfältigster Auslese und Zuchtarbeit, ist der Haflinger eines der international belieb-

testen Sport- und Freizeitpferde. Das ist keine geringe Leistung, wenn man bedenkt, wie jung die Rasse ist, wie klein ihr Ursprungsland und wie arm dessen Bevölkerung einst war.

Anständig, bodenständig, eigenständig: Wie das Land, so der Mensch und seine Tiere.

Viel Wasser ist die Südtiroler Berge hinunter geflossen, seit 1874 in Schluderns (Vinschgau) der Stammvater aller Haflinger geboren wurde: 249 Folie. Dieser Sohn eines orientalischen Halbbluts („El Bedavi XXII“) und einer veredelten Landstute stand am Anfang der klassischen Haflinger-Blutlinien, sieben an der Zahl. „Es ist sein guter Charakter“, sagt Norbert Rier, „der dieses Pferd vor allen anderen auszeichnet.“ Diesem schönen Charakter, aber auch seiner Vielseitigkeit verdankt der Haflinger letztlich seinen überwältigenden Erfolg: Es gibt, so Norbert, nichts, was ein Haflinger bei entsprechender Ausbildung nicht könnte. In der Hippotherapie und im therapeutischen Reiten tut er sich sogar ganz besonders hervor. Für Norbert gab es also nie einen Zweifel: Als Bauer würde er es exakt so halten wie sein Vater und dessen Vorväter. Er war es ja von Kindesbeinen an gewohnt, dass der Haflinger quasi zur Familie gehörte. An Zucht dachten damals allerdings nur die wenigsten, und auch Norbert kam eher zu- »

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Vollblut-Südtiroler: Norbert Rier und seine Haflinger

fällig dazu: Vor etwa 25 Jahren wollte er sich ein Stutenfohlen kaufen, bei seinem guten Freund Erhard Jaider aus Kastelruth. Doch konnte Norbert sich einfach nicht für eines der drei Pferdchen, die zum Verkauf standen, entscheiden und erstand kurzerhand alle drei: „Eins für jedes meiner damals drei Kinder“, sagt er mit einem spitzbübischen Lächeln (heute hat er vier Kinder und an die dreißig Pferde). Ein Foto dieser drei Stutenfohlen hängt übrigens noch heute in der Küche des „Fuschghofes“.

Kindheitstraum. Seither konnte so manches Pferd aus Norberts Gestüt wichtige Wettbewerbe für sich entscheiden; prämiert wurden sowohl Schönheit als auch sportliche Leistungen. Ein versonnenes, beinahe wehmütiges Lächeln huscht über Norberts Gesicht, wenn er im Zusammenhang mit „Leistung“ auf seinen besten und Lieblingshengst „Amsterdam“ zu sprechen kommt. Dieser vielfach ausgezeichnete Siegerhengst und Reserve-Weltmeister steht in der heurigen Decksaison nämlich nicht in seinem eigenen Stall, sondern in Bayern, und wird erst im Laufe des Sommers wieder auf den „Fuschg­hof“ zurückkommen. Stolz ist Norbert aber auch auf „Olivia“, eine Tochter Amsterdams und „Miss Italia“, stammen doch Gene und Schönheit dieser Stute zu 100 Prozent aus seinem eigenen Stall – die Krönung jeglicher züchterischen Leistung und Anstrengung. „Natürlich“, sagt er, „hängt man als Mensch sein Herz an diese wunderbaren Pferde, und es fällt bisweilen sehr schwer, sich von ihnen zu trennen, und sei es vorübergehend, zu züchterischen Zwecken. In solchen Fällen“, fährt er fort, „achte ich immer sehr sorgfältig darauf, in welche Hände meine Tiere gelangen. Es ist mir sehr wichtig, dass sie dort, wo sie hinkommen, nicht nur gut und ordentlich behandelt, sondern auch ins Herz geschlossen werden.“ „Wichtig“, sagt er und lacht dazu, „wichtig wäre aber auch, dass es endlich Sommer wird.“ Noch müssen sie aber Geduld haben, Norbert und seine Haflinger, noch ist es gerade mal Februar, und es wird noch viele Wochen dauern, bis die Stuten mit ihren Fohlen und die Jungpferde auf die Alm gebracht werden, wo sie die Sommermonate in Freiheit verbringen, wie es sich gehört. „Denn die Alm braucht die Tiere, und die Tiere brauchen die Alm“, so Norbert, und daran wird sich so schnell auch nichts ändern, zumindest nicht, wenn es nach ihm geht. «

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