Skip to main content

Bezirk • Ausgabe #3 • März 2026

Page 1


Adliswil Baukommission bleibt

Kilchberg Gericht stoppt Park

Rüschlikon Gemeinderat verwarnt

Thalwil Naturnahe Bestattungen

Deine Region. Deine Geschichten. Dein Bezirk.

Ausgabe #3 bezirk.ch

PUBLISHER’S NOTE

bezirk.ch is the free news portal for Adliswil, Kilchberg, Rüschlikon and Thalwil.

bezirk.ch/en

@bezirk.ch_english

Mit der dritten Ausgabe wird aus einer Idee spürbar mehr: eine Gewohnheit. Wer dieses Magazin zum dritten Mal in den Händen hält, hat vermutlich schon gemerkt, worum es uns geht – nicht um die grössten Schlagzeilen, sondern um das, was vor der eigenen Haustür passiert. Dort, wo man sich begegnet, diskutiert, sich ärgert, sich freut – und manchmal überrascht wird, wie viel Leben im Alltag steckt.

Neu ist Benjamin Geiger als Redaktionsleiter für den journalistischen Inhalt von Bezirk Medien verantwortlich und Sibille Moor konnten wir als fixe Journalistin für Thalwil gewinnen. Zusammen mit freien Schreibenden bilden sie unser erfahrenes Team und erwecken mit jedem Beitrag den Lokaljournalismus wieder zum Leben – zumindest in unserer Region.

Herzlichen Dank an alle, die dieses Magazin und bezirk.ch so sehr schätzen, dass sie uns mit einem freiwilligen Abo unterstützen. Diese Menschen machen Bezirk möglich. Wer sich der Unterstützung anschliessen möchte, findet die Möglichkeiten auf der Rückseite des Magazins.

Für Kritik, Wünsche und Hinweise wie immer: info@bezirk.ch O

Kunst von hier

Über die Kunst

IMPRESSUM

Ausgabe #3 • März 2026

gedruckt im bezirk

Redaktionsschluss war der 5. Feb. 2026

Auflage

Verlag

Redaktion

Layout

Inserate

Verteilung

29'000 Stk.

Bezirk Medien AG Soodring 33 8134 Adliswil

Benjamin Geiger (RL) Sibille Moor

Kimberley Morata Leo Niessner redaktion@bezirk.ch 079 200 35 49

Patrick Campolongo layout@bezirk.ch

Samuel Rudolf von Rohr werben@bezirk.ch

Schnelldruck Thalwil Bild:

Die Schweizerische Post

Druck

Malen, kleben, wischen, spachteln, kratzen und lasieren verdichten sich zu spannenden Kompositionen mit Tiefe, Raum und Dichte. Die Werke leben von Strukturen, die durch das Einarbeiten von Naturmaterialien wie Sand, Asche, Eisenspänen, Kohle oder Graphit entstehen, ergänzt durch selbst gestaltete Collage-Papiere.

Über die Künstlerin

Der Weg von Angelina Aschmann führte sie vom Hochbau über die Innenarchitektur hin zur freien Kunst. Formen, Farben, Design und Materialien begleiten sie seit jeher. Heute widmet sie sich mit voller Leidenschaft der Kunst, die für sie Antrieb, Herausforderung und stetige persönliche Weiterentwicklung zugleich ist. O

Jeden Monat stellen wir unsere erste Seite einer lokalen Künstlerin oder einem lokalen Künstler zur Verfügung. Einsendungen an info@bezirk.ch

Offizielles Magazin von

Adliswil

Kilchberg

Finanzpartner

Medizinpartner

THALWIL • GESELLSCHAFT

Ehemaliger Elitepolizist leitet Thalwiler Polizei

Vor Kurzem hat Yves Uebersax die Leitung der Gemeindepolizei in Thalwil übernommen. Früher leistete er gefährliche Einsätze als Teil einer Eliteeinheit der Kantonspolizei. Seit der Geburt seines Sohnes will er dieses Risiko nicht mehr eingehen. Und ist als Polizist lieber Freund und Helfer. von

Sie sind die Crème de la Crème: die Polizisten der Einsatzgruppe Diamant der Kantonspolizei Zürich. Sie kommen dann zum Einsatz, wenn es brenzlig wird. Wenn Waffen im Spiel sind, zum Beispiel. Bei Geiselnahmen, Entführungen oder Festnahmen von Schwerkriminellen. Dafür durchlaufen die Polizeigrenadiere eine anspruchsvolle Spezialausbildung und diverse Eignungstests, immer wieder.

Neun Jahre lang war auch Yves Uebersax Teil der Eliteeinheit. Damals arbeitete er bei der Verkehrspolizei der Kantonspolizei Zürich auf den Stützpunkten in Wädenswil und Hinwil. Die Einsatzgruppe Diamant war ein Nebenamt, für das er auf Pikett war. Heute ist der 46-Jährige Chef der Gemeindepolizei Thalwil. Mitte Dezember hat er das Kommando von Bruno Zwahlen übernommen, der nach 24 Jahren im Dienst in den Ruhestand trat. Zuvor war Uebersax fünf Jahre lang Dienstchef der Gemeindepolizei Rüschlikon

und davor sechs Jahre lang Stadtpolizist in Adliswil.

Am liebsten auf Patrouille Von der Spezialeinheit der Kantonspolizei zur Gemeindepolizei. Und dann erst noch an das sicherheitstechnisch beschauliche linke Zürichseeufer – ist das nicht langweilig? Nicht für Yves Uebersax. «Bei der Gemeindepolizei sind wir Generalisten», erklärt er, «wir werden zu den verschiedensten Einsätzen gerufen, von häuslicher Gewalt, über Schlägereien bis hin zu schweren Verkehrsunfällen». Bei der Kantonspolizei arbeiteten die Spezialisten, die meistens für einen Bereich zuständig seien. Je nach Situation übernehmen sie die Fälle von der Gemeindepolizei. Yves Uebersax ist gerne Generalist. Am liebsten ist er draussen auf Patrouille, am Puls der Bevölkerung. «Wenn wir draussen sind, sprechen uns die Leute an und erzählen, was sie belastet. Auf den Polizeiposten kommen sie dafür nicht.» Er mag die kleinen

Probleme, bei denen er den Menschen direkt helfen kann. Menschen, die nach möglichen Parkplätzen fragen. Oder was sie mit Waffen machen sollen, die noch bei ihnen zu Hause lagern.

KV-Lehre bei der Gemeinde gemacht Sein Wechsel zur Gemeindepolizei hat aber noch zwei weitere Gründe. Zum einen hat der Zürcher Oberländer bereits die KV-Lehre auf einer Gemeindeverwaltung gemacht: «Das Arbeiten bei der Gemeinde hat mir immer gefallen». Zum andern ist 2013 sein Sohn zur Welt gekommen. Das war der Grund, weshalb er die Einsatzgruppe Diamant verlassen hat. «Die Einsätze bargen ein grosses Risiko, das ich nicht mehr eingehen wollte», sagt Yves Uebersax, der mit seiner Familie in Bäretswil lebt.

Zudem sei die Arbeit bei der Einsatzgruppe Diamant körperlich anstrengend gewesen und er habe Jüngeren Platz machen wollen. «Manche

Yves

Uebersax, der neue Chef der sechsköpfigen Gemeindepolizei Thalwil

Einsätze waren auch belastend», erinnert sich Uebersax. Zum Beispiel dann, als sie ein Gebäude stürmten, nachdem drinnen Schüsse gefallen waren. «Als wir auf eine tote Person trafen, mussten wir sie liegen lassen und das Gebäude weiter durchsuchen.» Dankbar ist er, dass weder er noch ein Kollege je bei einem Einsatz verletzt worden seien.

Doch auch heute bei der Gemeindepolizei erlebt er Situationen, die ihm nahegehen. Als in Oberrieden vor eineinhalb Jahren ein Mädchen auf einem Fussgängerstreifen ums Leben kam, war er einer der Ersten vor Ort. «Wenn Kinder betroffen sind, ist das besonders traurig», sagt Yves Uebersax. Deswegen liege ihm auch die Schulwegsicherheit am Herzen.

Auch kleine Delikte anzeigen

In Thalwil führt er nun sechs Polizisten, die alle Vollzeit arbeiten. Ein grösseres

Korps zu übernehmen, war das, was ihn an dieser Stelle gereizt hat. «Ich freue mich, grössere Anlässe wie die Chilbi zu begleiten», sagt Yves Uebersax. Brennpunkte gebe es in Thalwil derzeit keine. Das Problem: Kleinere Delikte wie Sprayereien, Sachbeschädigungen oder Diebstähle würden oft nicht gemeldet. «Wir können nur handeln, wenn wir von den Vorfällen erfahren», erklärt er und ruft die Bevölkerung dazu auf, auch kleinere Vergehen zur Anzeige zu bringen. Doch nicht nur dann sollen die Thalwilerinnen und Thalwiler die Nummer 117 wählen. Sondern auch, wenn sie etwas Verdächtiges sähen. Zum Beispiel Unbekannte, die durchs Quartier streichen, vielleicht mit dem Handy fotografieren. So könnten sie rasch ausrücken und hätten auch schon erfolgreich Einbrecher verhaftet. Um Velodiebstähle zu verhindern, empfiehlt Yves Uebersax, in ein

robustes Kettenschloss zu investieren und das Fahrrad am Veloständer selbst anzuketten. Zudem sollte man die Rahmennummer des Velos registrieren. So könnten sie es wieder der Besitzerin übergeben, wenn es gefunden wurde.

Gefahren lauern im Internet Trotz Einbrüchen, Velodiebstählen oder Vandalismus – Yves Uebersax schätzt Thalwil als sicher ein. Immer mehr Gefahren lauerten hingegen im Internet. Betrügerische E-Mails seien mittlerweile so professionell gestaltet, dass sie auf den ersten Blick nicht gleich als solche erkennbar seien. «Ich habe selbst schon mal in der Eile auf eine Fake-E-Mail geantwortet, die vermeintlich von unserem Gemeindepräsidenten Hansruedi Kölliker kam», gesteht der Polizeichef und rät daher, im Netz stets wachsam und vorsichtig zu sein. O

Bild: Maksym Chechin für Bezirk Medien

KILCHBERG • GESELLSCHAFT

Gemeinderat will Park überdenken

In der Hochweid Kilchberg wird es in absehbarer Zeit keinen Freizeitpark für Jung und Alt geben. Das hat der Gemeinderat beschlossen. Er zieht ein negatives Urteil des Verwaltungsgerichts nicht ans Bundesgericht weiter. Stattdessen will er eine grundsätzliche Auslegeordnung vornehmen.

So wird es in der Hochweid Kilchberg vielleicht nie aussehen. Der geplante Mehrgenerationenpark wird grundsätzlich überprüft.

Es war eine Klatsche für Kilchberg, als nach dem Baurekursgericht auch das kantonale Verwaltungsgericht die Baubewilligung für den sogenannten Mehrgenerationenpark aufhob, der neben Hallenbad und Fussballplatz hätte entstehen sollen. In seinem Urteil kritisierte das Gericht nicht das Projekt selbst, das eine Skateranlage, eine Boccia-Anlage und einen Spielplatz vorsieht. Vielmehr hielt es die Bewilligungsabläufe für gesetzeswidrig. Die Baukommission Kilchberg habe das Projekt nicht bewilligen dürfen, ohne vorher die Zustimmung des kantonalen Amts für Raumentwicklung einzuholen.

Kein Weiterzug ans Bundesgericht

Der Gemeinderat bedauert den Gerichtsentscheid, wie er mitteilt. Er kritisiert, dass sich das Verwaltungsgericht zwei Jahre Zeit gelassen habe, ehe es zu seinem Urteil gekommen sei. Ausserdem habe sich das Gericht nicht dazu geäussert, ob das Projekt zonenkonform sei. Trotzdem verzichtet der Gemeinderat darauf, das Urteil ans Bundes-

gericht weiterzuziehen. Ein solches Rechtsverfahren sei teuer und es sei ungewiss, ob mit einem Urteil in letzter Instanz wirklich alle Rechtsfragen endgültig geklärt wären.

Skateranlage an einem anderen Ort bauen?

Wie geht es nun weiter mit dem Vorhaben, das die Gemeindeversammlung im Jahr 2020 gutgeheissen hat? Der Gemeinderat beschloss einen Marschhalt. Das Projekt wird nicht aufgegeben, aber sistiert. Ehe weitere Schritte beschlossen werden, soll eine Auslegeordnung vorgenommen werden. «Das Bedürfnis nach Freizeit- und Bewegungsangeboten für Kinder, Jugendliche und ältere Generationen besteht weiterhin», hält der Gemeinderat fest. Für ihn ist es aber nicht mehr zwingend, dass die Freizeitbedürfnisse aller Generationen an einem Ort erfüllt werden müssen, und auch nicht, dass ein überarbeitetes Projekt in der Hochweid verwirklicht werden muss. So ist es für den Gemeinderat beispielsweise denkbar, dass eine Skateranlage «zeitnah andernorts» realisiert werden könnte. O

SRG-Rechnung für Private

SRG-Rechnung für KMU

WERBUNG

ADLISWIL • GESELLSCHAFT

Solarstrom mobilisiert Adliswil

Parteiübergreifend und praxisnah war der Informationsanlass zum Solarstrom im Adliswiler Aglaia-Gebäude.

Eingesandt – GLP Adliswil

Der Informationsanlass zu lokalem Solarstrom im Aglaia im Soodring stiess auf grosses Interesse. Zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner, Hauseigentümer, Vertreter des Gewerbes sowie politisch Engagierte kamen zusammen, um sich über neue Möglichkeiten der lokalen Stromnutzung auszutauschen. Im Zentrum stand die Frage: Wie kann Solarstrom in Adliswil künftig besser gemeinsam genutzt werden?

Der Anlass wurde gemeinsam von der Grünliberalen

Partei, der SVP, der Grünen

Partei, dem HGV Adliswil sowie Casafair organisiert. Diese partei- und verbandsübergreifende Trägerschaft unterstrich von Beginn weg, dass es um ein gemeinsames Anliegen für die Gemeinde geht. Durch den Abend führten Kantonsund Gemeinderat Gabriel Mäder und Gemeinderat Sebastian Huber, die den Fokus bewusst auf den Dialog mit dem Publikum legten.

Adliswil nutzt erst einen Bruchteil seines Solarpotenzials Ein zentrales Thema des Abends war der aktuelle Stand des Solarausbaus in Adliswil. Obwohl zahlreiche Dächer und Fassaden geeignet wären, wird bislang nur rund 7,6 Prozent des vorhandenen Solarpotenzials genutzt. Über 90 Prozent liegen noch brach – nicht aus mangelndem Willen, sondern oft aus Unsicherheit, fehlender Vernetzung oder ungeklärten Fragen. Genau hier setzte der Anlass an: Er wollte aufzeigen, dass sich mit neuen Modellen ab 2026 zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, lokal produzierten Solarstrom einfacher zu nutzen.

Lokale Elektrizitätsgemeinschaften: gemeinsam statt allein Künftig sollen sogenannte Lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) es ermöglichen, Solarstrom innerhalb der Gemeinde zu teilen – etwa zwischen Nachbarhäusern, inner-

halb von Quartieren oder zwischen Wohn- und Gewerbebauten. Damit können auch Menschen ohne eigenes Dach von lokal produziertem Strom profitieren.

Am Anlass wurde deutlich: LEG sind weniger ein technisches Projekt als ein Gemeinschaftsvorhaben. Sie funktionieren nur dort gut, wo sich Menschen kennen, austauschen und zusammenschliessen. Vernetzung ist deshalb der entscheidende Erfolgsfaktor.

Austausch statt

Frontalinformation

Der Abend war bewusst nicht als Fachseminar angelegt. Statt langer Präsentationen standen der Dialog, persönliche Erfahrungen und konkrete Fragen im Zentrum. Fachliche Inputs kamen von ausgewiesenen Referentinnen und Referenten der EKZ, einer Fachanwältin von Keller Rechtsanwälte sowie einem Energiefachmann der Merbag. Sie ordneten die neuen Möglichkeiten rund um Lokale Elektrizitätsgemeinschaften ein und diskutierten die Möglichkeiten in einer Podiumsrunde mit den Adliswiler Gemeinderäten Renato Jacomet und Daniel Schneider. Viele Teilnehmende nutzten anschliessend die Gelegenheit, um erste Kontakte zu knüpfen, mögliche Konstellationen für gemeinsame Projekte auszuloten oder sich ein besseres Bild der neuen Modelle zu machen. Gerade dieser niederschwellige Zugang wurde von den

Anwesenden besonders geschätzt. Der Anlass verstand sich bewusst als Auftakt für weiteren Austausch und künftige Vernetzung – nicht als abschliessende Informationsveranstaltung.

Ein Thema mit Zukunft für Adliswil

Der Informationsanlass hat gezeigt: Das Interesse an lokalem Solarstrom ist in Adliswil vorhanden – ebenso das Potenzial. Entscheidend wird sein, dass aus einzelnen Ideen tragfähige Netzwerke entstehen. Lokale Elektrizitätsgemeinschaften können dazu einen wichtigen Beitrag leisten – vorausgesetzt, die Menschen vor Ort kommen miteinander ins Gespräch. Denn die Energiewende beginnt nicht abstrakt, sondern ganz konkret: in der Gemeinde, im Quartier und zwischen Nachbarn. O

Weitere Informationen zum Thema LEG

www.ekz.ch

www.solar-pool.ch

RÜSCHLIKON • POLITIK

Rüeschliker Wahlpodium offenbart Streit im Gemeinderat

Die Podiumsdiskussion zu den Gemeinderatswahlen in Rüschlikon zeigte, dass es nicht die politischen Themen sind, welche die Wählenden bewegen, sondern ein Konflikt im Gemeinderat. Worum es dabei genau geht, wurde am 26. Januar allerdings nur teilweise geklärt.

Im Hotel Belvoir verfolgte am Montagabend, 26. Januar, ein voller Saal mit rund 170 Zuhörenden die Diskussion mit neun Kandidierenden für einen der sieben Sitze im Gemeinderat Rüschlikon. Während rund einer Stunde wurde auf dem Podium unter der Leitung von Benjamin Geiger, dem Redaktionsleiter der Bezirk Medien über Ideen für Rüschlikon gesprochen. Kaum war die in grosser Harmonie verlaufende Debatte zu Ende, kam es überraschend zu einem Eklat. Aus dem Publikum wurden nämlich Fragen gestellt, die sich auf ein angebliches Fehlverhalten von Finanzvorstand David Makay (parteilos) bezogen. Die Fragenden wollten wissen, was in einem Untersuchungsbericht stehe, den der Gemeinderat angeblich in Auftrag gegeben habe.

Harmonie endet mit kritischen Fragen Makay wollte sich zu diesen Vorwürfen nicht äussern. Er verstehe zwar die Neugierde der Bevölkerung, müsse sich aber an rechtliche Vorgaben halten. Seine Haltung sei es, transparent zu handeln, wo dies möglich sei, gleichzeitig jedoch konsequent die

David Makay (parteilos, bisher) «Ich will an meiner Arbeit gemessen werden.»

geltenden Regeln einzuhalten. Dabei bezog er sich auf das Amtsgeheimnis, dem die Behördenmitglieder unterstehen. Makay entgegnete den Fragestellenden: «Wenn Sie mich an Gerüchten messen, ist das Ihr Stil». Entscheidend seien für ihn aber die Ergebnisse seiner politischen Arbeit. Nur an denen wolle er gemessen werden.

Persönlichkeitsschutz geht vor Gemeindepräsident Fabian Müller (FDP) nahm Stellung zur Frage, wes-

halb die Bevölkerung nicht über den Inhalt der Untersuchungen gegen David Makay informiert werde. Es handle sich um Vorwürfe, zu denen er sich weder bestätigend noch dementierend äussern könne. Es müsse das Bedürfnis nach Information gegen den Schutz von Persönlichkeitsrechten abgewogen werden. Letztere seien in diesem Fall schützenswerter, weshalb der Gemeindepräsident weder sagte, gegen wen sich die Untersuchung gerichtet hat, noch in irgendeiner Art andeutete, worin das Fehlverhalten des Gemeinderatsmitglieds bestanden hat.

Grundsätzlich werde in Rüschlikon unpassendes Verhalten sehr ernst genommen und sorgfältig geprüft, versicherte der Gemeindepräsident. Dabei würden bei Bedarf externe Stellen beigezogen. Müller räumte ein, dass es im Gemeinderat zu «punktueller Unruhe» gekommen sei. Auf Nach-

Vor einem vollen Saal diskutierten die neun Kandidierenden, die sich am 8. März zur Wahl in den Gemeinderat stellen.

Gemeindepräsident

Fabian Müller (FDP, bisher)

«Es kam zu punktueller Unruhe im Gemeinderat.»

frage des Moderators versicherte er aber, inzwischen sei die Angelegenheit erledigt.

Das Thema ist nicht für alle Gemeinderatsmitglieder abgeschlossen

Gemeinderätin Nadja Fossati (parteilos) widersprach dieser Einschätzung. Aus ihrer Sicht ist das Thema noch nicht abgeschlossen. Solange offen bleibe, wie mit den im Raum stehenden Fragen umzugehen sei,

wirke sich dies auf die Zusammenarbeit im Gremium aus. Die Stimmung im Gemeinderat beschrieb sie als angespannt.

Auch Elena Michel (Grüne) sagte, dass es derzeit selbst bei informellen Begegnungen unter den Gemeinderatsmitgliedern schwierig sei, unbeschwert zusammen zu sein. Gleichzeitig gab sie ihrer Hoffnung Ausdruck, dass das Thema in der kommenden Legislatur aufgearbeitet und abgeschlossen werden könne.

Makay wurde verwarnt Erst einige Tage nach dem Wahlpodium kommunizierte der Rüeschliker Gemeinderat weitere Details. Die Vorfälle seien 2023 gemeldet und anschliessend von einer externen Fachstelle untersucht worden. Die Resultate sind zwar geheim, doch der Gemeinderat machte publik, dass er

aufgrund des Untersuchungsberichts Finanzvorstand David Makay verwarnt habe. David Makay erklärte zehn Tage nach dem Wahlpodium, dass er nie «vorsätzlich jemandem geschadet habe». Er habe sich bei einzelnen Personen entschuldigt. Es habe weder eine formelle Verwarnung noch eine andere disziplinarische Massnahme gegen ihn gegeben, und für ihn sei «die Sache geklärt». Auch aus Sicht des Bezirksrats ist die Angelegenheit juristisch erledigt; dieser bescheinigte dem Gemeinderat, korrekt vorgegangen zu sein.

Ebenfalls im Nachhinein erklärte Makays ehemalige Partei, die Mitte, weshalb der Finanzvorstand aus der Partei ausgetreten sei: Ihm habe wegen der Vorfälle ein Parteiausschlussverfahren gedroht, dem Makay mit seinem Austritt zuvorgekommen sei. Zu den Wahlen tritt er nun als Parteiloser an.

Expats sind Teil der Gemeinde Im ersten Teil des Wahlpodiums hatte nichts auf diese Konflikte und Emotionen hingewiesen. Die amtierenden Gemeinderäte Simon Egli (FDP), Nadja Fossati (parteilos), David Makay

weiter auf der nächsten Seite

Elena Michel (Grüne, bisher)

«Als Studentin hätte ich in Rüschlikon kaum eine Wohnung gefunden.»

(parteilos), Elena Michel (Grüne), Gemeindepräsident Fabian Müller (FDP) und Matteo Pintonello (FDP) zeigten politisch keine allzu grossen Differenzen zu den Neuen Doros Michaelides (SVP), Seraina Rüegger (Mitte) und Christina Spoerry (FDP).

Beim Thema räumliche Entwicklung und Verdichtung der Gemeinde waren sich alle einig, dass Wachstum sorgfältig gestaltet werden müsse. Auf die Frage, ob in Rüschlikon auch Gebäude mit acht bis zehn Stockwerken denkbar seien, sagte Nadja Fossati, dies sei nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Entsprechende Vorhaben setzten jedoch ein mehrstufiges politisches Verfahren mit Einbezug der Bevölkerung voraus. Zentral seien zudem ein ins Ortsbild passendes Konzept sowie Wohnraum auch für Menschen mit normalen Einkommen. Matteo Pintonello verwies auf die begrenzten räumlichen Möglichkeiten, in Rüschlikon im grossen Stil Neubauten zu errichten. David Makay und Christina Spoerry hoben die Bedeutung von Grünflächen, Ortsbild und Dorfcharakter hervor. Verdichtung müsse qualitativ erfolgen und sozial ausgewogen sein.

Beim Thema Wachstum und Internationalisierung stellte Fabian Müller klar, dass Expats ein selbstverständ-

Matteo Pintonello (FDP, bisher)

«Rüschlikon hat begrenzte Möglichkeiten für Neubauten.»

licher Teil der Gemeinde seien. Gleichzeitig räumte er ein, dass es Verdrängungsmechanismen durch Neuzuzüger gebe, von denen insbesondere jüngere Einheimische betroffen seien. Elena Michel plädierte für Integration ohne Zwang und für niederschwellige Angebote wie Vereine oder Begegnungsformate. Auch Seraina Rüegger hob hervor, dass Integration vor allem im Alltag und durch direkte Begegnungen stattfinde. Simon Egli zeigte sich gegenüber Wachstum gelassen, betonte jedoch die Notwendigkeit einer ausgewogenen Entwicklung und verwies auf das Engagement der Bevölkerung als entscheidenden Faktor. Doros Michaelides hielt fest, dass in Rüschlikon bereits viel in Richtung

Nadja Fossati (parteilos, bisher)

«Neubauten müssen ins Ortsbild passen.»

Integration getan werde. Als persönliches Beispiel erwähnte er, dass er seinen Vater bereits in ein internationales Café mitgenommen habe. Solche Orte seien wichtig und ein geeigneter Weg, um Begegnungen über kulturelle Grenzen hinweg zu fördern.

Günstiger Wohnraum bleibt eine Herausforderung

Eines der zentralen Themen des Abends waren für Normalverdienende erschwingliche Wohnungen. Die hohen Mietpreise sind in Rüschlikon längst Realität.

Ein Blick auf gängige Immobilienplattformen zeigt, dass beispielsweise 4-Zimmer-Wohnungen ab 5’500 Franken angeboten werden, was sich nur sehr gut Verdienende leisten können. Nadja Fossati verwies auf jene rund 100 neu realisierten Wohnungen in Rüschlikon, die jeweils 10 bis 15 Prozent unter dem Marktpreis lägen. Gleichzeitig räumte sie ein, dass ihr bewusst sei, dass auch diese Wohnungen für viele noch immer nicht bezahlbar seien. Ob weitergehende Massnahmen wie Subventionen sinnvoll seien, müsse politisch entschieden werden und damit durch das Volk. Zurückhaltend äusserte sich David Makay zu Modellen wie in der Stadt Zürich, wo die öffentli-

che Hand in grossem Stil Liegenschaften erwirbt. Die Ausgangslage in Rüschlikon sei eine andere, zudem sei die Gemeinde baulich weitgehend ausgeschöpft. Dennoch machte er deutlich, dass ihn die Wohnsituation stark beschäftige.

Elena Michel brachte eine persönliche Perspektive ein. Als junge Gemeinderätin bezeichnete sie Rüschlikon als ein teures Pflaster. Während ihres Studiums wäre es für sie kaum möglich gewesen, in der Gemeinde eine bezahlbare Wohnung zu finden. Seraina Rüegger mahnte, den Blick zu weiten. In der Diskussion dürften nicht nur junge Menschen im Fokus stehen, sondern ebenso ältere Personen, etwa wenn Sanierungen einen Verbleib in der Wohnung verunmöglichten.

Seraina Rüegger (Die Mitte, neu)

«Günstiger Wohnraum ist nicht nur für Junge, sondern auch für Ältere wichtig.»

Doros Michaelides (SVP, neu) «Ich wünschte mir einen Kunstrasenplatz.»

Wie drängend für viele Wohnungssuchende das Problem ist, veranschaulichte Liegenschaftenvorstand Simon Egli: Auf der Interessentenliste für eine vergünstige Wohnung der Stiftung Wohnungsbau haben sich 800 Personen eingeschrieben.

Simon Egli (FDP, bisher)

«Die Interessentenliste für preisgünstige Wohnungen umfasst 800 Namen.»

Auf dem Wunschzettel stehen Kunstrasen, Rutschbahn und ein Café Gefragt nach ihrem Wunschzettel für Rüschlikon zeigten die Podiumsteilnehmenden eine bemerkenswerte Bandbreite an Bedürfnissen. Doros Michaelides und Simon Egli machten sich für den Ausbau der Sportinfrastruktur stark und nannten einen Kunstrasenplatz sowie eine Dreifachturnhalle als Wunschprojekte.

Elena Michel wünschte sich einen Cafébetrieb als niederschwelligen Begegnungsort. Nadja Fossati erinnerte daran, dass die oft zitierte «Lebensfreude am Zürichsee» nicht für alle gelte und soziale Realitäten stärker berücksichtigt werden müssten. Mit Blick auf den kommenden Sommer wurde es bei Matteo Pintonello deutlich konkreter: Er sprach sich für eine neue Rutschbahn in der Seebadi aus. David Makay wiederum mahnte, laufende Grossprojekte zuerst zu Ende zu führen und politische Entscheide stets im

grösseren geopolitischen Kontext zu betrachten.

Christina Spoerry wünschte sich bei öffentlichen Veranstaltungen eine Kinderbetreuung, um insbesondere Familien die Teilnahme zu erleichtern. Moderator Benjamin Geiger brachte die Idee einer Eishalle in Thalwil ins Spiel. Alle Kandidierenden scheinen begeistert zu sein und wären grundsätzlich bereit, über eine finanzielle Beteiligung Rüschlikons an einer Anlage im Brand Thalwil zu diskutieren. Wer Einsitz in die neue Regierung Rüschlikons nimmt, entscheiden die Wahlberechtigten am 8. März. O

Christina Spoerry (FDP, neu)

«Eine Kinderbetreuung an öffentlichen Abendveranstaltungen würde die Teilnahme familienverträglich machen.»

KILCHBERG • GESELLSCHAFT

Sanatorium Kilchberg ist auf der Suche nach Käufern fürs ehemalige Spital

Letzten Frühling hat das Sanatorium die Pläne für einen Neubau wegen zu vieler rechtlicher Unsicherheiten aufgegeben. Seither arbeitet es an einer neuen Strategie und sucht einen Käufer für die Spital-Liegenschaft. von Kimberley Morata

Die längerfristige Zukunft des ehemaligen Spitals in Kilchberg ist ungewiss. Vorerst wird es weiterhin als Durchgangszentrum für Asylsuchende genutzt.

Es ist eine paradoxe Situation: Am 1. Januar 2026 ist das Sanatorium Kilchberg Besitzerin des ehemaligen See-Spitals in Kilchberg geworden, will aber die Liegenschaft möglichst rasch wieder loswerden. Denn die ursprünglichen Pläne, anstelle des Spitals eine moderne psychiatrische Klinik zu bauen, haben sich im Frühjahr 2025 zerschlagen. Ausschlaggebend dafür waren Abklärungen zur potenziellen Schutzwürdigkeit der bestehenden Spitalgebäude sowie finanzielle Unsicherheiten, nachdem sich ein wichtiger Investor aus dem Projekt zurückgezogen hat-

te. Ein Neubau an dieser Lage sei unter den gegebenen Voraussetzungen nicht mehr tragbar gewesen, sagte das Sanatorium damals. Stattdessen setzt die Klinik seither auf eine Weiterentwicklung an ihrem heutigen Standort an der Alten Landstrasse.

Zuerst braucht es eine neue Strategie

Das Sanatorium arbeitet an einer angepassten Strategie für die kommenden Jahre. Ziel ist es, den kantonalen Versorgungsauftrag weiterhin zu erfüllen und gleichzeitig eine zeitgemässe Infrastruktur sicherzustellen. Wie die

Medienstelle auf Anfrage mitteilt, ist dieser Strategieentwicklungsprozess derzeit noch nicht abgeschlossen. Deshalb gebe es aktuell weder einen groben Zeitrahmen noch konkrete Aussagen zu möglichen baulichen oder infrastrukturellen Veränderungen am bestehenden Standort.

Asyl-Durchgangszentrum auch 2026

Das ehemalige Spitalgebäude steht nicht leer, sondern ist seit März 2025 an den Kanton vermietet. Er betreibt dort ein Durchgangszentrum für Asylsuchende. Gemäss Angaben des kantonalen Sozialamts liegt die Belegung im ursprünglich kommunizierten Rahmen von maximal 160 Personen. Im Dezember 2025 bestätigte der Kanton die Verlängerung des Betriebs des Durchgangszentrums um ein weiteres Jahr.

Verkaufstermin noch offen Unabhängig von dieser Zwischennutzung sucht das Sanatorium einen Käufer für das ehemalige Spital. Laut Medienstelle führt die Klinik derzeit Gespräche mit verschiedenen Interessenten. Ob und wann es zu einem Eigentümerwechsel kommt, ist auch neun Monate nach dem Entscheid, auf einen Neubau zu verzichten, noch offen. O

Bild: Bezirk Medien

ADLISWIL • FREIZEIT

Mehr als 300'000 Personen fuhren mit der Felseneggbahn

2025 war ein ausgezeichnetes Jahr für die Seilbahn von Adliswil hinauf auf die Felsenegg. Zum zweiten Mal wurde sie von mehr als 300'000 Passagieren benützt.

In fünf Minuten aus dem Nebel in Adliswil in die Sonne entfliehen, das kann man mit den Gondeln der Felseneggbahn. Diese Möglichkeit wurde 2025 von 303'207 Personen genutzt, wie die Betreibergesellschaft SZU schreibt. Das sind nur unwesentlich weniger als im Rekordjahr 2024.

WERBUNG

Monatsrekord im August

Am beliebtesten ist die Bahn im Hochsommer. Im August 2025 transportierte sie 40 000 Passagiere, also durchschnittlich 1291 Personen pro Tag. Das war das höchste monatliche Passagieraufkommen in der 70-jährigen Geschichte der Seilbahn.

PLEASE DISTURB

Mehr dazu

Am Tag der offenen Hoteltüren können Sie bei uns im Hotel Sedartis hinter die Kulissen schauen und spannende Berufe kennenlernen. Ohne Voranmeldung. Sonntag, 22. März 2026 von 11.00 bis 15.00 Uhr

Wir Bankwerker engagieren uns täglich für Sie. Seit 1841, mit Leidenschaft, Tatkraft, Gemeinschaft und Verlässlichkeit.

In Thalwil, KilchbergAdliswil,und Langnau

Bankwerk seit 1841.

Damit die Anlage für den Ansturm im Frühling und Sommer gerüstet ist, wird sie – wie jedes Jahr – einer gründlichen Revision unterzogen. Deshalb wird der Betrieb zwischen dem 2. März und dem 10. April 2026 eingestellt. O

Revision Felseneggbahn

Um Ihnen weiterhin einen sicheren und zuverlässigen Betrieb anbieten zu können, bleibt die Felseneggbahn wegen Revisionsarbeiten von Montag, 2. März bis Freitag, 10. April 2026 geschlossen.

Ausnahme Betrieb an Ostern (3.–6.April 2016)

Wir freuen uns, Sie ab Samstag, 11. April 2026 wieder begrüssen zu dürfen.

Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU AG www.szu.ch

RÜSCHLIKON • GESELLSCHAFT

Warum sich das Abegg Huus heute eher wie ein Hotel anfühlt als ein Heim

Früher gab es ein Menü mit einem Stück Fleisch und Teigwaren, heute bestellen die Heimbewohnenden im Abegg Huus «à la carte»-Menüs. Wie ein Landwirt aus Rüschlikon ein Vermächtnis schuf, das bis heute nachwirkt.

Barrierefreies Wohnen ist seit der Eröffnung des Neubaus im Jahr 2018 möglich geworden.

Diese Geschichte beginnt im Jahr 1975 mit dem Tod von Landwirt Jakob Abegg in Rüschlikon. In seinem Vermächtnis hatte er festgehalten, dass er der Gemeinde Land vermacht – unter einer Bedingung: dass sie dort ein Heim für betagte Menschen errichtet. In einem Buch zeichnet der Historiker und Publizist Bernhard Schneider den Weg von damals bis heute nach und beschreibt, wie die Behörden die Möglichkeit genau abwogen und dann zur Tat schritten.

Doch wie war es damals, vor 50 Jahren, in dem neu errichteten Heim zu leben? «Jeder hatte sein eigenes Zimmer und bestimmte seinen Tagesablauf mit

Ausnahme der drei gemeinsamen Mahlzeiten selber», weiss Schneider. «Unterstützung gab es nicht, ausser man bezahlte dafür.»

Ins Abegg Huus zog man unter anderem, wenn der Platz zu Hause zu knapp wurde – etwa weil die Kinder und Kindeskinder älter wurden, Familien gründeten und mehr Raum für sich beanspruchten. Frauen lebten und arbeiteten auch im Abegg Huus. Sie kümmerten sich vor allem um die Wäsche und putzten, daran hatte sich vier Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz noch nicht viel geändert. Deshalb war auch beim Heimleiterehepaar die Frau für alles, was mit Haushalt zu tun hatte, zustän-

dig, während der Mann Reparaturen und Transporte besorgte.

Die neuen Aufgaben des Hauses

Schneider hat die Entwicklungen im Abegg Huus aufmerksam verfolgt und recherchiert. Heute findet man Frauen in allen Kaderstufen, erzählt er. Verändert hat sich in all den Jahren zudem die Aufgabe des Hauses. Längst ist es nicht mehr einfach ein Altersheim, in dem sich jeder weitgehend selbst überlassen ist. Schneider erzählt von einem Klima des sozialen Austauschs, von umfassenden Betreuungsangeboten und von barrierefreiem Wohnen, das seit einigen Jahren eine wichtige Rolle spielt und dank dem Neubau möglich geworden ist.

Bild: Erika Schmid

Und er berichtet von der Küche, die längst «à la carte»-Menüs anbietet, statt wie früher nur ein Menü mit einem Stück Fleisch, Teigwaren, Salat und einer Suppe. «Dank des Baus einer eigentlichen Hotellerie-Küche können heute auch Spezialwünsche erfüllt werden», weiss Schneider.

Was das Abegg Huus aber heute besonders macht und von anderen Häusern dieser Art unterscheidet, ist seine Offenheit. Jeder kann vorbeikommen und im Speisesaal ein erschwingliches Mittagessen geniessen oder auch einfach nur einen Kaffee trinken. Es gibt regelmässige

Die Aufrichtefeier der Scheune, an deren Stelle 1978 das erste Abegg Huus eröffnet wurde.

Kunstausstellungen im Bistro und in den Gängen, die der Öffentlichkeit ebenfalls zugänglich sind. «Das ist gewollt», ergänzt Schneider. Denn es gehe auch um den Austausch zwischen den Bewohnenden und anderen Menschen, darum, Vereinsamung entgegenzuwirken. O

Am 16. Juli 1925 heiratete Jakob Abegg seine Anna Lina Wunderli.

Das Buch: «Zu Hause in Rüschlikon – 50 Jahre Stiftung Abegg Huus» (Bernhard Schneider)

www.buchamplatz.ch

Bild: Ortsmuseum Rüschlikon
Bild: Archiv Abegg Huus

THALWIL • SPORT

Nati-Goalie Genoni trainierte in Thalwil

Kurz vor den Olympischen Spielen absolvierte der Goalie der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft ein letztes Training vor seiner Abreise zu den Olympischen Spielen. Auf eine ganz besondere Art: Er trainierte die U14-Junioren des EHC Thalwil. Eingesandt – EHC Thalwil

Die jungen Spieler und eine Spielerin haben sich mächtig angestrengt, um dem grossen Meister Leonardo Genoni ein Tor abzuringen. Die meisten vergeblich. Aber gefreut hat es das ganze Team, dass der Nati-

Goalie in seiner neuen Olympia-Ausrüstung mit auf dem Eisfeld Brand stand.

Head-Coach des U14-Teams Genoni ist in der schon bald zu Ende gehenden Saison ehrenamt-

Der Thalwiler Nachwuchs mit Nati-Goalie

licher Head-Coach des U14-Teams. Neben seinem Engagement als Spitzensportler beim EV Zug liegt dem in Kilchberg wohnenden Genoni auch die Förderung des Jugendsports sehr am Herzen. Der ganze EHC Thalwil dankt ihm dafür. O

Leonardo Genoni in der Garderobe.
Bild: zvg

ADLISWIL • SPORT

Vier Medaillen, aber kein Titel für Badminton Club Adliswil

Eingesandt – Badminton Club Adliswil

An den Eliteschweizermeisterschaften, welche am letzten Januarwochenende in Winterthur stattfanden, konnten die Adliswiler Badmintonspieler vier Medaillen holen. Es war somit ein erfolgreiches Wochenende für den Badminton Club, auch wenn der angestrebte Meistertitel nicht errungen werden konnte.

Julien Scheiwiller trat als Meister der letzten beiden Jahre an und wollte seinen Titel ein weiteres Mal verteidigen. Bis in den Halbfinal lief alles nach Plan. Dort stand am Sonntagmorgen einem erschöpft wirkenden Scheiwiller ein herausragend und beinahe fehlerlos spielender Nicolas A. Müller gegenüber. Zu Beginn konnte der Adliswiler das Spiel noch diktieren und eine Führung herausspielen, doch danach übernahm Müller das Zepter und holte sich seinen zweiten Titel nach 2022.

Finaleinzug knapp verpasst Viel umstrittener war die Halbfinalpartie von Patrick Zbinden, der am Samstag Titelanwärter Künzi eliminierte. Der Start in seinen Halbfinal gelang nicht nach Wunsch. Nach einem medizinischen Timeout fand er nie mehr in den ersten Satz. Ganz anders im zweiten Satz: Zbinden dominierte seinen Gegner und zwang ihn in einen Entscheidungssatz. Der Durchgang war dann

sehr ausgeglichen und hätte auf beide Seiten kippen können. Doch am Ende durfte sich der Lausanner Maxime Pierrhumbert über den Einzug in den Final freuen. Trotzdem liess Zbinden seine Klasse in diesem Turnier aufblitzen und konnte seine erste Medaille im Herren-Einzel erspielen.

Bronze und Silber für Sharma und Schnider

Auf eine Medaille der erst 18 Jahre alten Nishka Sharma hätten wohl die wenigsten Experten getippt. Doch die junge Athletin überzeugte mit ihrem schnellen Spiel und ihrem frischen Auftritt und konnte sowohl Cloé Brand als auch Adina Panza eliminieren. Erst die spätere Meisterin Pelupessy konnte sie stoppen. Auch da konnte Sharma zeitweise ihr Talent aufblitzen lassen, doch die Lausannerin liess nichts anbrennen. Ähnlich erging es auch Milena Schnider. Drei Spiele inkl. Halbfinal gegen die letztjährige Meisterin Franconville überzeugte Schnider und gewann

in beeindruckender Art und Weise. Im Finalspiel fand die Sihltalerin jedoch nie zu ihrem Spiel und musste der überzeugend auftretenden Westschweizerin den Meistertitel überlassen.

So blieben die BC Adliswil ohne Meisterehren, durften sich aber über die vier Medaillen freuen.

Auch Cunningham/Zbinden überzeugten

Mit einem überzeugenden Sieg gegen Berra/Joliat standen Ezra Cunningham und Andreas Zbinden im Viertelfinal. Dort konnten sie gegen Altmeister Dumartheray und Robin Gerber auch den ersten Satz gewinnen. Doch danach war die Kraft und die Power des Adliswiler Duos weg und die Hoffnung auf eine Medaille zu Ende. Trotzdem konnte das neu formierte Doppel ihre Klasse aufblitzen lassen. Chancenlos blieb das Adliswiler Damendoppel Schmid/ Hofstetter gegen die späteren Finalistinnen Müller/Stern. O

THALWIL • GESELLSCHAFT

Der Hof Sihlhalde hat eine neue Pächterfamilie

Nach 30 Jahren hat Markus Hunn die Pacht des Bauernhofs Sihlhalde in Gattikon in neue Hände übergeben. Das junge Berner Ehepaar Stefan und Marina Gäumann haben den Mutterkuhbetrieb übernommen. Der Kranzschwinger und die Winzerin haben viele Ideen, den Hof weiterzuentwickeln.

Da und dort klafft eine Lücke im Gestell. Daneben liegen Äpfel, Salsiz, Käse oder Eier. «Gestern wurden wir komplett überrascht, wie viele Leute kamen», sagt Stefan Gäumann, der an einem nebligen Montagmorgen im Hofladen auf dem Bauernhof Sihlhalde in Gattikon steht. Entschuldigend fügt er an: «Deshalb sind die Regale heute etwas leer». Stefan Gäumann und seine Frau Marina pachten seit 1. Januar 2026 den Hof Sihlhalde. «Wir müssen nun zuerst herausfinden, was bei den Kundinnen und Kunden gefragt ist», sagt Marina Gäumann. Die Produkte beziehen sie von befreundeten Landwirten, Metzgern oder wie ihr Vorgänger von der Familie Gachnang im Horgenberg. Das junge Ehepaar hat die Pacht von Markus Hunn übernommen, der den Hof 30 Jahre lang betrieben hatte. Ursprünglich wollte er Ende 2024 in Pension gehen. Doch die Gemeinde Thalwil, welcher der Landwirtschaftsbetrieb gehört, fand nach der ersten Ausschreibung im November 2023 niemanden für die Nachfolge. Im Juni 2024 schrieb

die Gemeinde die Pacht daher erneut aus, unter anderem in der Zeitschrift «Schweizer Bauer». Und genau dort sahen die Gäumanns das Inserat.

Schwingen wegen Knieproblemen aufgegeben

Die beiden kommen nämlich nicht aus der Nähe, sondern aus dem Bernbiet und betreiben erstmals einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb. «Wir sehen es als riesige Chance, diesen Hof pachten zu können», sagt Marina Gäumann. Sie ist auf einem Hof in Schönbühl, in der Agglomeration von Bern, aufgewachsen. Die 31-Jährige ist gelernte Winzerin sowie Landwirtin und arbeitet Teilzeit bei IP-Suisse im Bereich Pflanzenbau. IP-Suisse ist ein Label, das für umweltschonende und tiergerechte Landwirtschaft steht.

Ihr Mann Stefan ist gelernter Landwirt und Baumaschinenmechaniker. Der 29-Jährige kommt aus Häutligen, das zwischen Bern und Thun liegt. Schwingfans dürfte sein Name ein Begriff sein: Bis vor Kurzem stand er erfolgreich im Sägemehl, holte 20 Kränze – ei-

nen davon 2022 am Eidgenössischen Schwingfest in Pratteln. Zum Aufhören haben ihn vor allem gesundheitliche Probleme bewogen. Dreimal musste er bereits das Knie wegen Kreuz- und Innenbandrissen operieren lassen, in der Schulter plagten ihn Schmerzen. «Mit einem eigenen Betrieb kann ich es mir nicht leisten, verletzt auszufallen», nennt er als weiteren Grund dafür, weshalb er die Schwinghosen an den Nagel gehängt hat.

Direktverkauf von Fleisch geplant

Der Bauernhof Sihlhalde ist ein Mutterkuhbetrieb mit 30 Kühen, 23 Kälbern und einem Stier. Die Gäumanns verkaufen also keine Milch, sondern Natura Beef-Rindfleisch. Dieses Label gilt als naturnah und tierwohlfreundlich, weil die Kälber rund zehn Monate bei der Mutter bleiben und von ihr gesäugt werden. Die Tiere leben in einem Laufstall, weiden in der warmen Jahreszeit draussen und ernähren sich mehrheitlich von Gras oder Heu.

«Es trifft einen schon, wenn ein Rind geschlachtet wird», sagt Marina

Sie sind neu auf dem Bauernhof Sihlhalde anzutreffen: Marina und Stefan Gäumann mit Tochter Naomi.

Gäumann, die auf einem Mutterkuhbetrieb aufgewachsen ist, «aber wir halten sie sehr artgerecht und versuchen, ihnen ein schönes Leben zu ermöglichen.» Aus diesem Grund sei auch das Fleisch teurer als dasjenige aus konventioneller Produktion. «Das müssen sich die Konsumentinnen und Konsumenten bewusst sein.» Spätestens ab März möchten die Gäumanns Bestellungen entgegennehmen und Pakete zwischen fünf und zehn Kilo Rindfleisch direkt ab Hof verkaufen.

Tochter ist drei Monate alt Die Gäumanns sehen es als Vorteil, dass ihr Hof in einem Naherholungs -

gebiet liegt und viele Spaziergänger und Velofahrende daran vorbeikommen. «So sind wir nahe an den Konsumentinnen und erfahren, was sie wünschen», sagt Marina Gäumann. Dennoch haben sie auch bereits die Schattenseite davon kennengelernt. «Wir haben Aludosen im Futter gefunden», erzählt Stefan Gäumann, «und kürzlich hat jemand um 5.30 Uhr morgens geklingelt, weil es im Hofladen keine Eier mehr hatte.» Die Kundschaft dafür zu sensibilisieren, ihre Privatsphäre zu respektieren, sei eine Herausforderung. Am besten werde das im direkten Gespräch geklärt.

Ideen, um den Hof Sihlhalde wei-

terzuentwickeln, haben die Gäumanns viele. «Wir müssen jedoch zuerst alles kennenlernen und dann entscheiden, was möglich ist», sagt Marina Gäumann. An Aufgaben dürfte es den beiden nicht mangeln. Denn sie sind nicht nur frischgebackene Landwirte, sondern auch frischgebackene Eltern. Im Oktober 2025 ist ihre Tochter Naomi zur Welt gekommen.

Klar ist, dass sie neben den Kühen und den beiden Alpakas Amigo und Orlando, zwei Ziegen halten möchten. Marina Gäumann: «Wir haben einen Gutschein für zwei Ziegen zu unserer Hochzeit im vergangenen Jahr geschenkt bekommen.» O

Bild: Bezirk Medien

ADLISWIL • GESELLSCHAFT

Feuer verursacht Millionenschaden in Adliswiler Garage

Drei Personen mussten am Nachmittag des 19. Januars mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Spital eingeliefert werden, nachdem in der Binelli-Garage an der Zürichstrasse ein Feuer ausgebrochen war. Es entstand hoher Sachschaden.

In der Garage Binelli an der Zürichstrasse, unmittelbar an der Stadtgrenze, brach am Nachmittag des 19. Januars ein Feuer aus. Die sofort alarmierten Feuerwehren Adliswil und Thalwil/Oberrieden waren mit einem Grossaufgebot vor Ort. Sie bekämpften das Feuer, das in einer Spritzkabine entstanden war, in der Autos lackiert werden. Vom Rauch stark betroffen wurde auch die Lüftungsanlage, die mit der Spritzkabine verbunden ist. Sieben Mitarbeitende mussten wegen Verdachts auf eine Rauchgasvergiftung ins Spital gebracht werden, vier weitere wurden vor Ort medizinisch betreut

Der Sachschaden beläuft sich gemäss Medienmitteilung der Kantonspolizei auf mehrere hunderttausend Franken bis hin zu einer Million Franken. Die Abklärungen zur Brandursache laufen noch. Die Kantonspolizei Zürich sicherte vor Ort Spuren und führte erste Befragungen durch.

Die Moosstrasse, welche bei der Garage in die Zürichstrasse mündet, musste für den Verkehr gesperrt werden, betroffen waren auch die Busse der Linie 185. O

Grosseinsatz der Feuerwehr: Von der Moosstrasse aus gelangten die Einsatzkräfte aufs Dach des Garagengebäudes.

Bild: Kantonspolizei Zürich

Dicke Schinken und volle Bibliotheken

Als es in meiner Tätigkeit als Kantonsschullehrerin jeweils darum ging, eine neue Klassenlektüre auszuwählen, und ich meinen Schüler:innen einige Vorschläge zur Abstimmung unterbreitete, kam fast immer aus irgendeiner – mehrheitlich männlichen – Ecke (entschuldigt, Jungs!) die Frage: „Wie viele Seiten hat der Roman? Wie dick ist der Schinken?“ Oder nicht weniger pragmatisch: „Wie viele Seiten müssen wir bei diesem Buch pro Woche lesen?“

Zugegeben: Mit Literatur in der Muttersprache sowie in der ersten und zweiten Fremdsprache haben auch jene Kantonsschüler:innen ein beträchtliches Lesepensum zu bewältigen, die naturwissenschaftliche, mathematische oder wirtschaftliche Schwerpunktfächer wählen.

Umso mehr hat mich kürzlich ein ganz anderer Eindruck überrascht. An einem gewöhnlichen Dienstagnachmittag traf ich in mehreren Gemeindebibliotheken auf erstaunlich viele Menschen. Zunächst hätte ich auch nicht erwartet, dass es in jeder – selbst noch so kleinen – Gemeinde überhaupt eine Bibliothek gibt. Noch bemerkenswerter aber sind die Bestände: eine grosse Zahl von Literatur und Sachbüchern, Comics, Zeitschriften, DVDs und digitale Medien, eine vielfältige, sorgfältig zusammengestellte und kuratierte Auswahl.

In den gemütlich eingerichteten Bibliotheken waren Menschen jeden Alters. Eltern mit Kindern, Schulkinder, ältere Leser:innen, etc. Es wird gelesen, ausgeliehen, diskutiert – und sogar gespielt. Bibliotheken sind längst nicht mehr nur stille Aufbewahrungsorte für Bücher, sondern

lebendige Treffpunkte. Es gibt Lesezirkel, Büchertreff, Gschichtezyt, English Story Time, und andere Veranstaltungen, Lesungen, und Angebote in verschiedenen Sprachen gehören selbstverständlich dazu.

Woran liegt diese anhaltende Attraktivität? An den Bibliothekarinnen, die geduldig erklären, beraten und offen für Anschaffungsvorschläge sind? Oder erleben wir gerade in Zeiten von permanenter Reizüberflutung - durch soziale Medien, Fake News, Mis- und Desinformation eine leise, aber spürbare Gegenbewegung? –hin zum Buch aus Papier, zum Blättern, zum Geruch von Buchseiten, zur konzentrierten Lektüre – zum Verweilen? Vielleicht ist es von allem etwas. Sicher ist: Lesen ist nicht verschwunden. Es hat seinen Ort gefunden.

Lest weiter, liebe Leute! O

Bild: Symbolbild / Envato

ADLISWIL • SCHULE

Adliswil setzt bei Lehrstellensuche auf Vernetzung

von Fabian von Dungen und David H. Bon – Co-Schulleitung Sekundarschule Adliswil

Praxisnahe Einblicke in den Lehrstellenmarkt zeigten in der voll besetzten Aula Hofern, warum Berufswahl dann gelingt, wenn Jugendliche, Eltern, Schule und Berufsbildende konsequent zusammenspannen.

Am Informationsabend «So gelingt der Einstieg in die Berufswelt – Einblick und Podiumsgespräch» der Sekundarschule Adliswil stand der Berufswahlprozess der Jugendlichen im Zentrum – und damit ein Thema, das viele Familien in der Sekundarstufe unmittelbar betrifft. Dass die Aula sehr gut besetzt war, zeigte: Der Bedarf nach Orientierung ist gross – ebenso der Wunsch nach einem direkten, unverstellten Blick aus der Praxis.

250 Berufe und zehntausende Unternehmen

Michele Marchesi, Leiter Berufsbildung bei Siemens Schweiz, betonte in seinem Referat, dass der Lehrstellenmarkt für Jugendliche eine einmalige Situation ist: Zum ersten Mal treten sie in eine echte Auswahl- und Entscheidungssituation der Arbeitswelt ein. Und diese ist deutlich komplexer, als es von aussen wirkt. Er ordnet ein, dass Jugendliche in einer Landschaft von rund 250 Berufen und zehntausenden Unternehmen Orientierung suchen – begleitet und beeinflusst von Eltern, Lehrpersonen, Kolleginnen und Kollegen sowie Berufs-

beratung. Diese Vielzahl an Stimmen kann hilfreich sein, führt aber schnell auch zu widersprüchlichen Erwartun gen und Druck.

Zeitachsen, die Druck erzeugen –und wie man ihnen klug begegnet Besonders aufmerksam wurde das Publikum, als Marchesi die zeitlichen Eckpunkte der Lehrstellensuche the matisierte. Seine Kernbotschaft zur Un terschrift des Lehrvertrags ist klar und differenziert: Viele Unternehmen las sen Lehrverträge bereits in den Som merferien vor dem 3. Sekundarschul jahr unterzeichnen – also ein Jahr vor dem formellen Startpunkt des 1. Lehr jahres. Manche gehen noch weiter und lassen Jugendliche Wochen oder so gar Monate früher unterschreiben, also lange bevor die Lehre effektiv beginnt. Marchesi emp fiehlt, wo immer mög lich, den Zeitpunkt der Unterschrift eher um Weih nachten/Neu jahr herum anzusetzen: Jugendliche

müssen sich ohnehin sehr früh mit der Berufswahl auseinandersetzen; ihnen dann zusätzlich Reifungs- und Abklärungszeit zu nehmen, erhöht das Risiko vorschneller Festlegungen. Die Empfehlung wirkt für viele Eltern entlastend, weil sie den Druck nicht negiert, aber eine Leitplanke anbietet: Tempo ja – jedoch nicht um den Preis von Substanz.

Drei Aufgaben, die nicht verwechselt werden dürfen

Die Berufswahl ordnet Marchesi entlang eines Fahrplans über die 7., 8. und 9. Klasse. Er strukturiert den Prozess in drei Kernaufträge, die in ihrer Reihenfolge entscheidend sind: sich selbst besser kennenlernen, die Berufswelt kennenlernen und den Ausbildungsplatz finden. Dazu passen die bekannten Etappen: Berufsmessen, Schnupperlehren, Bewerbungsphase, Vorstellungsgespräche – bis hin zur Zusage. Ein wiederkehrender Punkt ist dabei: Wer zu früh nur «findet», ohne sich selbst und die Berufswelt wirklich zu «verstehen», produziert zwar Aktivität, aber nicht zwingend Passung. Hier knüpft die Sekundarschule Adliswil mit einem eigenen, jährlich etablierten Angebot an: dem Bewerbungscoaching-Event «Vorstellungsgespräch – so geht’s». Jugendliche der 3. Klassen erhalten dabei die Möglichkeit, sich in einem geschützten Rahmen auf reale Bewerbungssituationen vorzubereiten: Unterlagen werden geprüft, Gespräche geübt, Auftreten und Wirkung reflektiert – mit individuellem Feedback durch Fachpersonen aus HR und Berufsbildung. Das Format stärkt genau jene Kompetenzen, die Marchesi als er-

folgskritisch beschreibt: Vorbereitung, Authentizität, Selbstwirksamkeit und die Fähigkeit, Rückmeldungen produktiv zu nutzen.

«Eltern dürfen alles, solange das Kind authentisch bleibt»

Einen der stärksten und zugleich entlastendsten Sätze des Abends platziert Marchesi in seinem Teil zu den Elternrollen. Sinngemäss: Eltern dürfen sehr viel tun – fast alles –, solange die Authentizität des Kindes gewahrt bleibt.

In diesem Zusammenhang spricht Marchesi von «Superkräften», die Eltern im Berufswahlprozess brauchen: die Balance zwischen Loslassen und Dranbleiben, ehrliches Interesse, Informiertheit, nicht vorschnell zu werten, unterstützend zu beraten, präsent zu sein – und trotz Rückschlägen eine zuversichtliche Grundhaltung zu behalten.

Er ergänzt diese Perspektive mit einer feinen Unterscheidung der Erwartungshaltungen: Jugendliche orientieren sich oft an Vorbildern und suchen «Sicherheit», weil ihnen Erfahrung fehlt. Eltern schauen verständlicherweise häufig auf Chancen, Stabilität und «Türen, die offen bleiben» – geprägt vom eigenen Bildungs- und Berufsweg. Grosseltern betonen nicht selten Sinnhaftigkeit. Alle Perspektiven sind legitim – aber sie müssen transparent gemacht werden, damit sie Jugendliche nicht unbewusst in eine Richtung drängen.

Fragen und Dialog

Fragen aus dem Publikum waren während des ganzen Anlasses möglich und wurden auch genutzt. Damit entstand ein fortlaufender Dialog: Eltern fragten nach konkreten Entscheidungssituationen, nach dem Umgang mit Absagen,

Michele Marchesi, Leiter Berufsbildung bei Siemens, warnte vor zu frühem Abschluss des Lehrvertrags.

nach der sinnvollen Anzahl Schnupperlehren, nach der Rolle der Eltern bei Unterlagen und Vorbereitung sowie nach Strategien, wenn Betriebe sehr frühe Unterschriften wünschen. Die Antworten der Runde zielten weniger auf Patentrezepte als auf Orientierung: Druck ernst nehmen, aber nicht verstärken; Jugendliche aktivieren, aber nicht überfordern; und den Prozess so gestalten, dass er Lerngelegenheiten schafft –auch bei Rückschlägen.

Vernetzung als Leitidee und als Haltung

Für die Sekundarschule Adliswil ist diese Zusammenarbeit kein Schlagwort, sondern ein strategisches Anliegen. Schulleitung und Team – gemeinsam mit der Schulpflege und Schulpräsident Dr. Markus Bürgi – betonen, dass die Schule Jugendliche, Eltern, Berufsbildende und Betriebe bewusst miteinander verknüpft: weil berufliche Orientierung dort am wirksamsten ist, wo Einblicke aus der Praxis, schulische Begleitung und familiäre Unterstützung ineinandergreifen. In dieses Bild passt auch der Hinweis von Christine Preisig, Vize-Schulpflegepräsidentin, die die Bedeutung dieser Vernetzung unterstreicht: Wenn Jugendliche früh echte Begegnungen mit Berufs- und Arbeitswelten erleben, entstehen nicht nur Informationen über Berufe – es entstehen Vorbilder, realistische Erwartungen und ein Selbstbild, das trägt.

Am Ende bleibt ein Eindruck, den man in der vollen Aula mehrfach hört: Der Lehrstellenmarkt ist anspruchsvoll – aber er ist gestaltbar. Vorausgesetzt, alle Beteiligten ziehen am gleichen Strang und lassen Jugendlichen Raum, ihre Entscheidung nicht nur früh, sondern vor allem gut zu treffen. O

THALWIL • GESELLSCHAFT

Auf dem Friedhof Thalwil sind naturnahe Beisetzungen möglich

Thalwil verfügt als erste Gemeinde im Kanton Zürich über ein Alpinum auf dem Friedhof. In diesem Alpengarten sowie auf zwei weiteren Themengrabfeldern sind seit Anfang des Jahres naturnahe Bestattungen möglich. Damit reagiert die Gemeinde auf das zunehmende Bedürfnis, die Asche Verstorbener in der Natur zu verstreuen.

Am Lieblingsplatz, im Wald, auf einem Berg oder im Zürichsee. Dort soll die Asche nach dem Tod verstreut werden. Das wünschen sich immer mehr Menschen. Und diesem Bedürfnis will das Bestattungsamt auf dem Friedhof Thalwil Rechnung tragen. «Deswegen haben wir im Zuge der aktuellen Sanierung drei neue Themengräber erstellt, die eine naturnahe Beisetzung ermöglichen», sagt Marcel Frei, Leiter des Bestattungsamts und des Friedhofs Thalwil. Daher seien nun Beisetzungen ohne Urne möglich.

Eines der drei Themengräber, die seit dem 1. Januar für Bestattungen zur Verfügung stehen, ist das Alpinum. Thalwil ist die erste Gemeinde im Kanton Zürich, die über einen solchen Alpengarten verfügt. Noch wirkt dieser trist und grau, Kies und Findlinge dominieren. «Mit der Zeit werden

Blumen, Stauden und Gehölze diese überwachsen und für Farbe sorgen», erklärt Marcel Frei und hebt einen flachen, tellergrossen Stein an. Darunter kommt ein Betondeckel zum Vorschein. Dieser verschliesst ein Rohr, in das die Urne beigesetzt wird. Auf den Stein können Name, Geburtsjahr und

Auf dem Friedhof Thalwil können Urnen neu in einem so genannten Alpinum bestattet werden.

Sterbejahr der verstorbenen Person eingraviert werden.

Blumen- und Baumbestattungen möglich

Im Alpinum können nur Urnen beigesetzt werden. Wer seine Asche ohne Behältnis dem Erdreich übergeben

Bild: Bezirk Medien

möchte, dem stehen die neu erstellten Blumen- oder Baumbestattungen offen. Dort, wie auch beim Gemeinschaftsgrab sowie den Reihen- und Familiengräbern, können sowohl Urnen als auch Asche beigesetzt werden. Das Blumen-Grabfeld besteht aus drei Beeten mit unterschiedlicher Bepflanzung. Für eine Baumbestattung stehen zehn Bäume zur Verfügung. Die Namen der Verstorbenen können auf einem Plättchen an einem Findling oder einem Monolithen angebracht werden.

Neben den drei Grabfeldern gibt es neu ein Gemeinschaftsgrab für Erdbestattungen. «Das war mir wichtig», sagt Marcel Frei und erklärt eine weitere Entwicklung, die sich im Bestattungswesen in den letzten Jahren gezeigt hat. Ein Reihengrab, inklusive Grabstein und Unterhalt, koste über 20 Jahre schnell gegen 10‘000 Franken. «Wir haben jedoch immer mehr Verstorbene, die keine Angehörigen haben oder deren Hinterbliebene diese Kosten nicht tragen können oder wollen», sagt der Friedhofsleiter. Bislang blieb in einem solchen Fall nur eine Beisetzung im Urnen-Gemeinschaftsgrab. «Allerdings gibt es Menschen, die eine Erdbestattung wünschen – sei es aus religiösen oder anderen Gründen.»

Diesen steht nun das neue Gemeinschaftsgrab zur Verfügung, das aus einer Rasenfläche besteht.

Boden war zu lehmig

Die neuen Bestattungsmöglichkeiten sind Teil der zweiten Etappe der Friedhofssanierung. Für die beiden Etappen hatte das Stimmvolk im Mai 2022 an der Urne gut 3,3 Millionen Franken gesprochen. Auslöser für die Sanierung war der zu lehmige Boden. Dieser führte dazu, dass der Verwesungsprozess ungenügend war.

In der ersten Etappe im Jahr 2023 wurde das Erdreich bis auf eine Tiefe von 1,60 Meter ausgehoben und durch luftdurchlässigere Schichten ersetzt, die das Wasser versickern lassen. Dies wurde auf den Grabfeldern durchgeführt, auf denen die gesetzliche Grabesruhe von 20 Jahren bereits abgelaufen war. Dennoch wurden auch dort menschliche Überreste gefunden, die ein Ex-

Mit der Zeit werden Blumen und Stauden im Alpinum für Farbe sorgen.

humator auf einem anderen Grabfeld zur endgültigen Ruhe bettete. Ebenfalls in der ersten Etappe wurde ein neues Kindergrab erstellt sowie ein Sternenkindergrab geschaffen, auf dem Föten und Totgeburten bestattet werden können.

Nun stehen noch kleinere Arbeiten an. Unter anderem das Anbringen der Stelen, Findlinge und Monolithen, auf denen die Namen der Verstorbenen angebracht werden. Oder das Fertigstellen der Deckbeläge der Hauptwege. Die offizielle Einweihung findet am Tag des Friedhofs am 19. September 2026 statt. Ein Fest, an dem es nicht traurig zu und hergehen soll, wie Marcel Frei sagt: «Ohnehin soll der Friedhof kein trauriger Ort sein, sondern eine grüne Oase, in der sich die Leute wohlfühlen, zur Ruhe kommen und neue Energie tanken können.» O

Zehn Bäume stehen auf dem Friedhof für Baumbestattungen zur Verfügung.

Bild: Bezirk Medien

THALWIL • SCHULE

«Die Eltern müssen auch künftig mit Rochaden rechnen»

Der Neubau des Hortes Oeggisbüel in Thalwil ist noch immer vor dem Bundesgericht blockiert. Schulpräsident Thomas Hunziker (FDP) rechnet mit einem Entscheid im Herbst 2026. Im Interview sagt er, wie die Gemeinde künftig mehr Schul- und Hortraum schaffen will.

Schul- und Hortraum sind in Thalwil seit Jahren ein heisses Eisen. Es mangelt an beidem. Die Folge: Thalwiler Kinder werden mit Bussen nach Gattikon gefahren oder Kinder müssen die schulergänzende Betreuung beim Schulhaus Sonnenberg besuchen. Derzeit sind von Letzterem die Kinder aus der Schuleinheit Oeggisbüel-Oelwiese betroffen. Ein Grund dafür ist der Rekurs eines Anwohners gegen das Neubauprojekt Hort Oeggisbüel, das die Thalwiler Stimmberechtigten im Jahr 2021 an der Urne genehmigt hatten. Im März 2025 hat das Bundesgericht einen Zwischenentscheid gefällt und ist nicht auf die Beschwerde eingetreten. Dennoch darf noch nicht gebaut werden, weil die Richter in Lausanne verlangten, dass die Gemeinde Farb,- Material- und Parkplatzkonzepte nachreicht. Der Kanton Zürich hatte bei Erteilung der Baubewilligung angemerkt, dass diese Konzepte vor Baubeginn eingereicht werden müssen. Dagegen hätte der Rekurrent wieder rechtlich vorgehen

können. Bezirk.ch hat bei Schulpräsident Thomas Hunziker (FDP) nachgefragt, wie es um die Schul- und Hortraumplanung in Thalwil steht.

Herr Hunziker, es gibt einen kleinen Lichtblick für den Neubau des Hortes Oeggisbüel: Gegen die Konzepte, die das Bundesgericht für eine abschliessende Beurteilung forderte, ist kein Rekurs eingegangen. Thomas Hunziker • Ja, richtig. Der Fall liegt nun wieder beim Bundesgericht, das abschliessend darüber befinden wird.

Wann rechnen Sie mit der Eröffnung des Hortes?

Wir gehen davon aus, dass das Bundesgericht im Herbst 2026 entscheiden wird. Die Bauphase wird rund eineinhalb Jahre dauern. Wenn wir optimistisch rechnen, können die Kinder ab dem Schuljahr 2028/29 den Hort Oeggisbüel besuchen.

Hätte die Gemeinde die Konzepte von Anfang an eingereicht, hätte

das Bundesgericht im Frühling 2025 definitiv entschieden und es könnte bereits gebaut werden. Warum fehlten diese Konzepte?

Das war eine Auflage des Kantons. Sie besagte, dass wir diese vor dem Baubeginn einreichen müssen. Es ist üblich, dass bei der Eingabe der Baubewilligung nicht schon jedes Material und jede Farbe bestimmt wird. Das würde den Prozess unnötig in die Länge ziehen und verkomplizieren. Das Bundesgericht wollte allerdings nicht entscheiden, solange das Dossier nicht vollständig war.

In der Zwischenzeit besuchen die Kinder aus der Schuleinheit Oeggisbüel-Oelwiese den Hort Sonnenberg oder den Mittagstisch im reformierten Kirchgemeindehaus. Letzteres wird jedoch bald saniert. Wo gehen die Kinder dann essen?

Wir hoffen, dass wir den Mittagstisch noch bis im Sommer 2027 im Kirchgemeindehaus betreiben können. Danach müssen die Kinder im Hort Sonnenberg zu Mittag essen. Der An-

von Sibille Moor
Thomas Hunziker: «Es ist leider so, dass Eltern vermehrt Kindergarten-Anmeldungen nicht fristgerecht einreichen.»

nexbau wird dort derzeit aufgestockt, weshalb der Platz dafür vorhanden sein wird.

Im Frühling 2024 plante die Gemeinde ein Kindergarten-Provisorium auf dem Turnhallenplatz Platte. Dafür liegt eine Baubewilligung vor. Weshalb wird dort nicht ein Hort oder Mittagstisch eingerichtet?

Wir möchten den Bau von Provisorien vermeiden. Zum einen würde es rund 1,3 Millionen Franken kosten. Zum andern nimmt es auch Aussenraum weg, den Kinder nutzen. Wir haben die rechtskräftige Baubewilligung in der Hinterhand, hoffen jedoch, dass wir diese Karte nicht ziehen müssen.

Bis der Hort Oeggisbüel eröffnet wird, könnte er bereits wieder zu klein sein.

Der Platz könnte durchaus knapp werden. Daher möchten wir mit der aktuellen Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO) das Areal des Kindergartens Freihof zur Zone öffentlicher Bauten umzonen. Damit könnten wir das Gebäude austocken. Wichtig ist, dass wir flexibel bauen und die Räume für Schule oder Betreuung nutzen können.

Mit der Eröffnung weiterer Kindergärten im Freihof im Sommer 2024 hiess es, dass keine Thalwiler Kinder

mehr nach Gattikon gefahren werden müssen. Das stimmt jedoch nicht.

Diese Situation ist nicht erwünscht. Wir dachten lange, diese Fahrten liessen sich vermeiden. Es ist leider so, dass Eltern vermehrt KindergartenAnmeldungen nicht fristgerecht einreichen. Mit weiteren Zuzügen führte dies dazu, dass wieder Thalwiler Kinder nach Gattikon gefahren werden müssen.

Auch im Zentrum, in der Schuleinheit Ludretikon-Schwandel, fehlt es an Schul- und Hortraum. Gibt es dort überhaupt Möglichkeiten, Raum zu schaffen?

Die Schulhäuser Ludretikon und Schwandel sind beides historische, geschützte Bauten. Wir erfüllen dort die kantonalen Vorgaben teilweise nicht, dass pro zwei Klassen ein Gruppenraum verfügbar sein muss. Platz für neuen Schulraum haben wir im Zentrum nicht. Wir können nur das Einzugsgebiet für die anderen Schuleinheiten anpassen und die Kinder auf diese verteilen.

Dieses Jahr werden die Stimmberechtigten über die Erweiterung des Hortes Hortweg abstimmen. Was ist geplant?

Es handelt sich um einen Teilneubau. Wir prüfen derzeit verschiedene Va-

rianten. Die Vorlage soll im Sommer 2026 an die Urne kommen.

Lassen Sich mich raten: Die Kinder müssen während der Bauzeit in den Hort Sonnenberg.

Ja, richtig. Wir haben im Zentrum keinen Platz für ein Provisorium. Die Eltern in Thalwil müssen sich auch in Zukunft auf Rochaden gefasst machen.

Weil in den letzten Jahren die Schulund Hortraumplanung vernachlässigt wurde.

Diese Planung ist extrem komplex. In Sachen schulergänzende Betreuung wurden wir von der stark zunehmenden Nachfrage überrascht. Ausserdem ist es so, dass in Thalwil etwa jedes Jahr eine Schulklasse hinzukommt. Das entspricht einem Wachstum von rund 1 Prozent. Wir haben jährlich etwa 1000 Zu- und Wegzüge. Es ist ein Blick in die Kristallkugel, ob Familien mit Kindern kommen.

In der Stadt Zürich beispielsweise sinkt die Anzahl Schulkinder wieder. Gehen Sie in Thalwil ebenfalls davon aus?

Nein, wir rechnen weiterhin mit einem moderaten Wachstum. Auch wegen der Überbauung Hofwisen in Gattikon, die im Sommer bezugsbereit sein wird, und dem Ersatzneubau der Wohnungen «Breiteli Nord», welche die Stimmberechtigten im September 2025 an der Urne angenommen haben. Dort sind Flächen für einen Hort und Mittagstisch sowie einen Kindergarten eingeplant.

Stichwort Gattikon: Das Schulhaus Schweikrüti soll auch erweitert werden.

Ja, darüber entscheiden die Thalwiler:innen am 8. März an der Urne. Es soll Schulraum angebaut werden. Mit diesem Projekt sind wir in Gattikon gut aufgestellt. O

Bild: zvg

ADLISWIL • POLITIK

Adliswil behält seine Baukommission

Das Parlament von Adliswil hält nichts von der Idee des Stadtrats, die eigenständige Baukommission abzuschaffen. Am 4. Februar lehnte sie einen entsprechenden Antrag ab.

An der zweitletzten Sitzung des Grossen Gemeinderats Adliswil vor den Erneuerungswahlen drehte sich alles um die Themen Bauen und Wohnen. Zur Diskussion stand zuerst die Frage, wer in Adliswil künftig Neu- und Umbauten bewilligen soll: die heutige selbstständige Baukommission oder neu der Stadtrat. Für die zweite Lösung spricht, dass ausser Adliswil nur noch eine andere Zürcher Stadt (Illnau-Effretikon) eine Baukommission kennt. Ausserdem erhofft sich der Stadtrat von der Kommissionsabschaffung Einsparungen von 25’000 Franken pro Jahr.

Sparappelle nützten nichts

Doch im Parlament verfing das finanzielle Argument nur bei der FDP. Ihr Redner Thomas Iseli forderte, dass sofort mit dem Sparen begonnen werden müsse und sich Adliswil nicht länger eine so «teure und grosse Kommission» mehr leisten dürfe. Nicht einmal die SVP, sonst meist mit der FDP in Finanzfragen einig, war einverstanden. Renato Jacomet erklärte, dass sich die heutige Form der Kommission mit drei Stadtratsmitgliedern und vier vom Parlament gewählten Experten bewährt habe. Er bezweifelte, dass sich die prognos-

tizierten Einsparungen tatsächlich realisieren liessen. Ähnlich sahen es die Grünen, die SP, die Freien Wähler und Teile der GLP/Mitte/EVP-Fraktion. Das Parlament weigerte sich schliesslich mit 22 zu 11 Stimmen, auf die Vorlage einzutreten. Damit bleibt die Baukommission bestehen.

Ortsansässige können kaum bevorzugt werden

Im weiteren Verlauf der Ratssitzung gab es keine Entscheide mehr zu fällen. Verschiedene Interpellationen boten den Ratsmitgliedern aber Gelegenheit, ihre Ideen zur Linderung der Wohnungsnot zu skizzieren. So wollte Reto Buchmann (FDP) vom Stadtrat wissen, wie Adliswilerinnen und Adliswiler beim Bezug oder Kauf neu erstellter Wohnungen gegenüber Neuzuziehenden bevorzugt werden könnten. Die Antwort des Stadtrats war ernüchternd: Rechtlich ist ein solcher «Einheimischenbonus» kaum realisierbar. Der Stadtrat könne nur in Ausnahmefällen Einfluss auf die Vergabe der neuen Wohnungen nehmen. Zum Beispiel dann, wenn eine Bauherrschaft von planerischen Entscheiden der Stadt profitiere.

Esen Yilmaz (SP) wandte ein, dass die Idee eines Einheimischenbonus

grundsätzlich der falsche Weg sei, weil dadurch keine einzige Wohnung zusätzlich gebaut werde. Er plädierte stattdessen für eine «aktive Wohnpolitik». Die Stadt solle selber Grundeigentum erwerben und es im Baurecht abgeben. Dadurch könne sie konkret Einfluss darauf nehmen, was, wie teuer und für wen dort gebaut werde.

Grüne fordern Naturschutzbeauftragten Wo viel gebaut wird, dort droht die Natur zubetoniert zu werden. Das Instrument dagegen ist das sogenannte Landschaftsentwicklungskonzept (LEK). Jacqueline Schoch

WERBUNG

Über den Bau neuer Häuser entscheidet in Adliswil weiterhin eine eigene Kommission.

(Grüne) wollte wissen, inwieweit dieses Konzept von 2015 umgesetzt worden ist. Von der schriftlichen Antwort des Stadtrats zeigte sie sich enttäuscht. Die Behörden setzten die eigentlich verbindlichen Vorgaben des LEK nicht konsequent um. So verschwänden etwa städtische Bäume. Damit sich die Situation verbessert, forderte sie die Schaffung der Stelle eines Naturschutzbeauftragten. Die zuständige Stadträtin Carmen Marty Fässler (SP) entgegnete, das LEK werde von der Verwaltung

durchaus ernst genommen. Die Idee, eine spezielle Naturschutzbeauftragten-Stelle zu schaffen, beurteilte sie angesichts der angespannten Finanzlage skeptisch.

Massive Kostenüberschreitung beim Stadthausbau

Wie Finanzlage und Bauen zusammenhängen, zeigte sich an der Frage von Heinz Geissler (FDP). Er fragte am Mittwochabend schon zum dritten Mal, wann endlich die Schlussabrechnung für das vor fünf Jahren

fertiggestellte Stadthaus vorliege. Finanzvorsteherin Karin Fein (Freie Wähler) begründete die lange Dauer für die Erstellung der Abrechnung mit der Komplexität des Bauprojekts. Sie räumte ein, dass sich die effektiven Baukosten «weit vom Kostenrahmen entfernt haben», den das Stimmvolk 2016 genehmigt hat. Um wie viel der ursprüngliche Kredit von rund 22 Millionen Franken überschritten wurde, sagte sie nicht, versprach aber, die Zahlen noch vor Ende der Legislaturperiode vorzulegen. O

Bild: Maksym Chechin für Bezirk Medien

Wichtige Unterführung für Thalwiler Kinder bleibt offen

Die Gemeinde Thalwil übernimmt die Fussgänger-Unterführung bei der Schützenhalle, die Kinder auf ihrem Schulweg nutzen. Der Kanton wollte diese schliessen, weil sie nicht behindertengerecht ausgebaut werden kann. Weiteren Unterführungen droht dasselbe Schicksal.

von Sibille Moor
Bild: Bezirk Medien

Über 700 Menschen setzten sich mit ihrer Unterschrift für den Erhalt der Unterführung bei der Thalwiler Schützenhalle ein. Nun hat die Gemeinde Thalwil ihnen Gehör geschenkt: Um die Schulwegsicherheit zu gewährleisten, übernimmt sie den Fussgängertunnel beim Kreisel Zürcherstrasse/Dorfstrasse vom Kanton Zürich. Als Besitzer der Zürcherstrasse wollte der Kanton die Unterführung schliessen, weil sie nur mit unverhältnismässigen Kosten behindertengerecht ausgebaut werden könnte.

Gegen das Stilllegen der Unterführung setzte sich Martin Gerber ein, der mit seiner Familie im Berghalden-

Quartier wohnt. Die Kinder aus diesem Quartier nutzen den unterirdischen Durchgang auf ihrem Schulweg, um die stark befahrene Zürcherstrasse zu unterqueren. Martin Gerber, der auch Kommandant der Feuerwehr Thalwil/ Oberrieden ist, lancierte eine OnlinePetition, die 724 Personen unterzeichneten. Mitte Januar überreichte er diese Gemeindepräsident Hansruedi Kölliker (FDP).

«Wir sind sehr zufrieden, dass die Gemeinde die Unterführung übernimmt», sagt Martin Gerber und will der Gemeinde ein Kränzchen winden: «Ich bin überrascht, wie schnell die Entscheidung gefallen ist. Das zeigt, dass dem Gemeinderat die Schulwegsicherheit am Herzen liegt.»

Fussgängerstreifen kommt trotzdem Um die Querung der Zürcherstrasse für Menschen im Rollstuhl dennoch zu ermöglichen, plant der Kanton, das Anbringen eines Fussgängerstreifens mit Mittelinsel. Dies verlangt das Behindertengleichstellungsgesetz. Doch: Wird die Unterquerung überhaupt noch genutzt, wenn ein Fussgängerstreifen besteht? Thalwils Gemeindeingenieur Andy Fellmann sagt: «Die Unterführung ist speziell für Schulkinder gedacht». Und Martin Gerber meint: «Es ist Sache der Erziehungsberechtigten, ihren Kindern klarzumachen, dass sie die Unterführung benutzen müssen».

Den Fussgängerstreifen will das kantonale Tiefbauamt im Zuge der Belagssanierung der Zürcherstrasse noch in diesem Jahr anbringen. Thomas Maag, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion, glaubt nicht,

dass der Streifen für stockenden Verkehr auf dem Autobahnzubringer sorgen wird: «Aufgrund der nicht allzu grossen Personenfrequenz wird der Verkehrsfluss nur geringfügig eingeschränkt.»

Gemeinde bekommt Geld

Die Unterführung muss die Gemeinde Thalwil dem Kanton aber nicht etwa abkaufen. Nein, sie erhält sogar Geld dafür, und zwar fast 100'000 Franken. Andy Fellmann erklärt: «Es handelt sich dabei um die Kosten, die beim Kanton für einen Rückbau angefallen wären.» Dieses Geld will Gemeinde in den nächsten Jahren für den Unterhalt einsetzen. Vorderhand seien jedoch nur kleinere Arbeiten nötig, beispielsweise eine neue Beleuchtung. Ebenso werden die versprayten Wände einen frischen Anstrich erhalten. In rund 20 Jahren rechnet die Gemeinde mit grösseren Investitionen.

Klar ist bereits jetzt, dass die Unterführung an der Dorfstrasse nur den Anfang macht: An der Zürcherstrasse befinden sich weitere Fussgänger-Unterführungen, die teilweise steile Rampen aufweisen. Sobald der Kanton Sanierungen an der Strasse ins Auge fasst, muss er gemäss Behindertengleichstellungsgesetz diese Durchgänge behindertengerecht ausgestalten. Ist dies nicht möglich, ein Fussgängerstreifen jedoch schon, wird er den Fussgängertunnel schliessen. Übernimmt die Gemeinde Thalwil also künftig weitere Unterführungen? Dazu sagt Andy Fellmann bloss: «Das hängt vom Sanierungsprojekt ab und wird zu gegebener Zeit verhandelt.» O

Die versprayte Unterführung soll einen neuen Anstrich erhalten.

153 Personen wollen einen der 36 Parlamentssitze in Adliswil

In Adliswil kämpfen acht Parteien um einen der 36 Sitze im Stadtparlament. 34 Bisherige treten wieder an. Sie werden von 119 Neuen herausgefordert.

Plakatwände kündigen in Adliswil die Wahlen vom 8. März an.

Bild: Maksym Chechin für Bezirk Medien

Am 8. März stehen in Adliswil die Wahl des neuen Stadtpräsidenten und des Stadtrats im Mittelpunkt des politischen Interesses. Weniger öffentliche Beachtung findet die gleichzeitig stattfindende Erneuerungswahl des Grossen Gemeinderats, wie Adliswils Stadtparlament heisst. Zu Unrecht: Denn die 36 Parlamentarierinnen und Parlamentarier fällen jene wichtigen Entscheide, die in anderen Gemeinden der Gemeindeversammlung zukommen, beispielsweise die Festlegung des Steuerfusses. Da in Adliswil acht Parteien im Parlament politisieren und keine Partei und auch kein Parteienbündnis über eine Mehrheit verfügt, können geringe Veränderungen erhebliche Auswirkungen haben.

Können Ökoparteien ihre Gewinne verteidigen?

Bei den Wahlen von 2022 haben – wie schon 2018 – die beiden Ökoparteien Grüne und Grünliberale (GLP) trium-

phiert. Vor vier Jahren steigerten sich die Grünen von 3 auf 4, die GLP von 2 auf 3 Sitze. Für beide wird es eine Herausforderung, ihre Sitze dieses Mal zu verteidigen. Denn die politische Grosswetterlage hat dazu geführt, dass ökologische Themen für viele Wählende nicht mehr so wichtig sind, wie vor vier Jahren. Das haben auch die Resultate verschiedener kantonaler Wahlen in den letzten Monaten gezeigt.

SVP und SP haben 2022 verloren Wahlverliererinnen waren 2022 die beiden grössten Parteien, die SVP (7 Sitze) und die SP (6 Sitze), die je ein Parlamentsmandat haben abgeben müssen. Ihr Ziel wird es sein, diese Verluste wettzumachen. Die anderen Parteien im Parlament haben bei den letzten Wahlen ihre Sitzzahl verteidigen können. Die FDP verfügt über 6 Sitze, die Mitte und die Freien Wähler über je 4 und die EVP über 2.

Fast alle treten wieder an Alle Parteien setzen für den 8. März

auf personelle Konstanz. Von den 36 aktuellen Parlamentsmitgliedern treten 34 zur Wiederwahl an. Nur Silvia Helbling (FDP) und Renata Vasella Billeter (SP) verzichten auf eine erneute Kandidatur.

Keine Partei hat ihre Liste mit Namen von 36 verschiedenen Personen gefüllt. Das ist auch nicht nötig, weil leere Linien ebenfalls als Stimmen für die Partei zählen. Daher begnügen sich beispielsweise die Grünliberalen mit acht verschiedenen Personen, die sie je zweimal auflisten. Die SVP und die Grünen haben je 18 Personen aufgestellt und ihre Namen zweimal auf die Liste drucken lassen. Am meisten unterschiedliche Personen finden sich auf der Liste der Freien Wähler, nämlich 29. Die grösste Altersdurchmischung weist die Liste der Grünen auf. Ihre jüngste Kandidatin hat Jahrgang 2007, die älteste wurde 1938 geboren. Insgesamt bewerben sich 153 Personen für einen Sitz im Grossen Gemeinderat. O

THALWIL • GESELLSCHAFT

Drei Investoren wollen

Eishalle

in Thalwil bauen

Für den Eishockeyclub und den Eislauf-Club Thalwil reicht die Kapazität der Eisbahn Brand nicht aus. Sie möchten daher, dass die bestehende Anlage zu einer Halle ausgebaut und ein zusätzliches offenes Eisfeld erstellt wird. Nun hätten sie Investoren gefunden. Doch die Sache hat einen Haken.

Die Thalwiler Eisbahn Brand ist ein Publikumsmagnet. An manchen Tagen ist vor lauter Schlittschuhlaufenden kaum Weiss zu sehen. «Was im Sommer die Badi ist, ist im Winter die Eisbahn», sagt Urs Sigrist, Sportchef des Eishockeyclubs Thalwil (EHCT). Was ihn grundsätzlich freut, stellt ihn und seinen Verein allerdings seit Jahren vor Probleme. Die Kapazität im Brand reicht nicht aus, um eine EishockeySaison zu bestreiten.

Ein Beispiel: Die Meisterschaftssaison dauert sieben Monate, die Eisbahn Brand ist nur deren vier in Betrieb. «Wir müssen pro Saison 180‘000 Franken investieren, um die Anlagen andernorts für Trainings oder Spiele zu benutzen», sagt er. Und diese befinden sich nicht eben in der Nähe, sondern in Bäretswil, Huttwil, Küssnacht am Rigi, Zürich oder Zug. «Das ist eine grosse Belastung für die Spielerinnen und Spieler und deren Familien», sagt Urs Sigrist. Das Geld stammt von Sponsor:innen und Mitgliedern.

Dasselbe Problem hat der EislaufClub Thalwil (ECT), der wie der EHCT knapp 300 Mitglieder hat. Aus diesem Grund haben sich Vertreter:innen der beiden Vereine zur Interessengemeinschaft (IG) Eishalle zusammengeschlossen. Der ECT muss ebenfalls auf andere Anlagen ausweichen, um

die Trainings durchführen zu können –zum Beispiel in die neue Halle in Wollerau. «Jährlich kostet uns das 80‘000 bis 100‘000 Franken», sagt Präsidentin Claudia Hiestand. Diese Kosten tragen die Mitglieder, das heisst, meistens die Eltern der Kinder und Jugendlichen. Doch nicht nur das Eis ist zu knapp. «Es fehlt auch an Garderoben und Trainingsräumen», sagt Claudia Hiestand.

Erster Anlauf scheiterte 2011 Was es bräuchte, um das Problem der Vereine zu lösen, wissen diese schon lange: eine Eishalle und ein offenes Eisfeld. «Uns wird manchmal Salamitaktik vorgeworfen», sagt Urs Sigrist, «aber wir haben bereits vor dem Bau im Brand gesagt, dass eine Halle und eine zusätzliche Aussenbahn das Ziel sein müssen, um den Bedarf beider Vereine und der Öffentlichkeit abzudecken.» Für die bestehende Anlage kämpfte der EHCT über 50 Jahre, seit 2006 ist sie in Betrieb (siehe Box unten).

Im Jahr 2011 scheiterte ein erster Anlauf für die Überdachung der Eisbahn, weil der Thalwiler Gemeinderat die dafür benötigten 12,5 Millionen Franken als zu teuer einschätzte. 2023 lancierte der Rüeschliker Kenneth Kessels, dessen Kinder damals Eishockey spielten, eine Online-Petition

zur Überdachung. Nachdem er diese eingereicht hatte, traf die Gemeinde weitere Abklärungen zum vor zwölf Jahren erarbeiteten Projekt.

Gemeinde ist gesprächsbereit Dieses sieht eine «Überdachung des bestehenden Eisfeldes sowie den Bau einer Tribüne in Holzbauweise vor», wie aus der Antwort des Gemeinderates vom September 2025 hervorgeht. Für dieses Projekt, bei dem die bestehende Anlage in eine Halle verwandelt würde, liegt eine Ausnahmebewilligung des Eidgenössischen Starkstrominspektorats (ESTI) vor. Denn: über die Eisbahn verläuft eine Hochspannungsleitung, die den Bau einer Halle verkompliziert. Der Gemeinderat will diesen Bau jedoch nicht auf alleinige Kosten Thalwils finanzieren, weil an der Kunsteisbahn «ein überregionales Interesse besteht». Liegenschaftenvorsteher Adrian Schmidlin (Die Mitte) betont: «Wir sind gesprächsbereit, falls sich ein externer Geldgeber – sei es ein Sponsor oder weitere Gemeinden – für die Umsetzung finden lässt.»

Gemeinde müsste Eisbahn verkaufen

Die IG Eishalle hätte nun eine Lösung. «Wir haben drei Investoren gefunden, welche die bestehende Eisbahn in eine Eishalle umbauen und ein zusätzliches

Eisfeld erstellen würden», sagt Claudia Hiestand. «Sie möchten diese Anlagen dann jedoch auch betreiben», ergänzt Urs Sigrist. Um wen es sich handelt, will die IG noch nicht verraten. Nur so viel: «Es sind Personen, die bereits im Schweizer Eishockey investiert haben.» Die Kosten schätzen sie auf rund 14 Millionen Franken.

Der Haken an der Sache: Die Ge-

meinde Thalwil müsste dafür die Eisbahn Brand verkaufen und daher deren Betrieb aus der Hand geben. Ist das eine Option? «Das ist nicht unser Ziel», sagt Gemeinderat Adrian Schmidlin und fügt an: «Wir wissen allerdings noch nichts von dieser Investorengruppe und hören uns die Pläne der IG gerne an.» Zu bedenken sei, dass die Ausnahmebewilligung nur für das von

Namentlich nicht bekannte Investoren wollen die Eisbahn Brand kaufen und für 14 Millionen Franken eine Eishalle mit Aussenfeld realisieren.

der Gemeinde ausgearbeitete Projekt gelte. Jedes neue Projekt müsste vom ESTI erneut genehmigt werden. Die IG Eishalle will demnächst das Gespräch mit der Gemeinde suchen.

Das letzte Wort hätten in jedem Fall die Thalwiler Stimmberechtigten. Sowohl über eine Überdachung als auch über den Verkauf der Eisbahn würden sie an der Urne entscheiden. O

Der lange Weg zur Eisbahn

Der Eishockey-Club wurde 1936 gegründet, wie aus dessen Jubiläumsschrift aus dem Jahr 1986 hervorgeht. Gespielt wurde damals auf dem Thalwiler Waldweiher, später auf dem Gattiker Weiher und ab 1950 auf dem Chilbiplatz. In den 1950er-Jahren wollte der EHCT den Gemeinderat von dem Bau einer Kunsteisbahn im Böni oder auf dem Pfistergut über-

zeugen, scheiterte aber beide Male. Als die Winter nicht mehr kalt genug waren, um auf dem Chilbiplatz ein Eisfeld zu präparieren, mussten die Thalwiler auf Eisfelder in Küsnacht oder Seewen ausweichen. Immer wieder versuchten Vertreter des Vorstandes, den Bau einer Eisbahn zu lancieren –erfolglos. Auch in anderen Gemeinden am linken Zürichseeufer gab es ähnliche Bestrebungen, die allesamt scheiterten. Im Oktober 2003 nahmen die Thalwiler Stimmberechtigten schliesslich eine Einzelinitiative zum Bau einer Eisbahn im Brand knapp an. Widerstand kam vom Verein Ökopolis, welcher die Anlage als nicht nachhaltig kritisierte. Im Jahr 2006 wurde das Eisfeld schliesslich eröffnet und der Eislauf-Club Thalwil gegründet.

Bild: Bezirk Medien

RÜSCHLIKON • GESELLSCHAFT

Im Nidelbad Rüschlikon entstehen 90 Wohnungen

Die Zukunft des Nidelbads wird konkreter: Ein Architekturwettbewerb zeigt auf, wie das Areal neu bebaut und neu genutzt werden soll.

Das rund 17'000 Quadratmeter grosse Gelände oberhalb des Restaurants Belvoir ist eines der wenigen grossen Areale Rüschlikons, das im grossen Stil umgenutzt werden kann. Bis 2023 betrieb die Stiftung St. Stephanus hier ein Pflegeheim. Seither wurde die bauliche Zukunft geplant. Wie die Stiftung mitteilt, wurde inzwischen ein Architekturwettbewerb abgeschlossen, aus dem das Projekt von Vécsey Schmidt Architektinnen, noAarchitets und Westpol Landschaftsarchitektur als Sieger hervorging.

«Mittleres Preissegment» Besonders interessieren dürfte die Absicht der Stiftung, entlang des Eggrainwegs und des Quellenwegs fünf Häuser mit insgesamt 90 Wohnungen zu bauen. Die Preise sollen sich laut Medienmitteilung im «mittleren Preissegment» befinden. Flexible Grundrisse

und unterschiedliche Wohnungsgrössen sollen «eine breite Durchmischung der Bewohnerschaft» ermöglichen.

Die denkmalgeschützten Gebäude auf dem Areal werden sanft saniert und stehen dann «für eine vielseitige Nutzung durch die Öffentlichkeit zur Verfügung».

Aus dem Siegerprojekt wird nun ein konkretes Bauprojekt entstehen, das dann den Baubewilligungsprozess durchlaufen muss. Deshalb lässt sich nicht genau sagen, wann im Nidelbad die Bagger auffahren werden. Die Stiftung rechnet mit einem Baustart zwischen 2027 und 2029.

Sozial engagiert

Die Stiftung St. Stephanus, die Besitzerin des Areals, ist auch nach der Schliessung ihres Pflegeheims sozial tätig. Sie unterstützt Personen in schwierigen Situationen mit Beratung, Gemeinschaft und lebenspraktischer

Das einstige Pflegeheimareal im Nidelbad soll in den nächsten Jahren neugestaltet werden. Unter anderem mit Dutzenden neuer Wohnungen.

Hilfe. Ausserdem führt sie Nachhaltigkeits- und Integrationsprojekte durch und organisiert Events. Ein besonderer Fokus gilt Angeboten für Kinder, Jugendliche und Familien. Dazu zählt etwa das neu eröffnete Familiäkafi Nidelbad. Die Stiftung finanziert sich durch die Bewirtschaftung ihrer Immobilien. O

Bild: Stiftung St. Stephanus
WERBUNG

ADLISWIL • THALWIL • GESELLSCHAFT

Orell Füssli kauft Papeterien in Adliswil und Thalwil

Weil Thomas Köhler bald das Pensionsalter erreicht, hat er sich entschlossen, alle seine Papeterien im Raum Zürich an Orell Füssli zu verkaufen. Die Läden sollen unverändert und unter dem bisherigen Namen weiterbetrieben werden.

Die Adliswiler Papeterie Köhler wird vom neuen Besitzer unverändert weitergeführt.

Die beiden Köhler-Papeterien in Adliswil (an der Albisstrasse 17) und in Thalwil (Gotthardstrasse 30) haben einen neuen Besitzer erhalten. Wie der grösste Schweizer Buchhändler Orell Füssli Thalia am 3. Februar mitteilte, habe er die zwei Läden, zusammen mit den elf anderen Filialen der A. Köhler AG übernommen. Papeteriebesitzer Thomas Köhler sieht den Verkauf als «tragfä-

hige Nachfolgelösung». Er erreiche demnächst das Pensionsalter und habe rechtzeitig die Zukunft seines Unternehmens regeln wollen.

Eigenständig und unverändert Aus den Papeterien sollen keine Buchläden werden. Vielmehr erklärt Orell Füssli, die Läden würden unter ihren angestammten Namen und eigenständig weitergeführt. Es werde insbesondere weder zu Schliessungen noch zu

personellen Veränderungen kommen. Dafür will Thomas Köhler garantieren, indem er Verwaltungsrat der Papeterien bleibt.

Orell Füssli verweist darauf, dass die Firma bereits in ihren Buchläden Papeterie-Abteilungen betreibe und damit über «ausgewiesene Kompetenz in diesem Bereich» verfüge. Dies sei die Grundlage für eine «Weiterentwicklung der Köhler-Papeterien als regional verankerte Fachgeschäfte». O

Bild: Bezirk Medien

Lösungswort an info@bezirk.ch Teilnahmeschluss ist der 1. März 2026.

Erkannt? ... beim Podium Gemeinderat Rüschlikon

gesponsert von

• Gutschein Cafeteria (CHF 50.-)

• Gutschein Brunch Restaurant (CHF 49.-)

• Olivenöl (CHF 20.-)

• Trinkflasche (CHF 14.-)

• Buch «Nachtschicht» (CHF 23.-)

1. Aufruf an die Wahlberechtigten (2 Wörter)

2. Sollen im Nidelbad entstehen

3. Sie macht florale Kunst (Cover)

4. bezirk.ch gibt es jetzt auch auf ...

5. Gehört jetzt zu Orell Füssli

6. Auf dem Wappen von Thalwil

7. Hof mit Hofladen in Kilchberg

8. Alpengarten auf dem Friedhof

9. Dieser Hof hat eine neue Familie in Gattikon

10. Blockierter Hort in Thalwil

11. Wollen Eishalle in Thalwil bauen

Buchstabensalat

Haben Sie sich erkannt?

Kommen Sie nach Voranmeldung bei uns auf der Redaktion vorbei und neh men CHF 50.- in Bar entgegen.

info@bezirk.ch, Soodring 33, Adliswil

Haben wir Sie eingekreist?

Kommen Sie nach Voranmeldung bei uns auf der Redaktion vorbei und nehmen CHF 50.- in Bar entgegen: info@bezirk.ch, Soodring 33, Adliswil

In diesem Rätsel sind alle unten stehenden Wörter versteckt. Sie können sich waagrecht, senkrecht, diagonal oder ineinander übergehend verbergen. ABEGG, BIBLIOTHEKEN, BIODIVERSITAET, EISHALLE, FELSENEGGBAHN, FRIEDHOF, GEMEINDERAT, NIDELBAD, PAPETERIEN, PARLAMENTSSITZE, ROCHADEN, SANATORIUM, SIHLHALDE, UNTERFUEHRUNG, VERNETZUNG, VERWALTUNGSGERICHT, WAHLPODIUM

P E T L A G U D X I K R Z P H R Z A A E

H Z B K B X Y Z J U N W X U F I L W T D R U A R A J Q G N X L J P F X D C U J I U

Verwaltungsgericht Parlamentssitze Felseneggbahn

Biodiversitaet Unterfuehrung

Bibliotheken

Sanatorium Gemeinderat Vernetzung

Eishalle Abegg

Papeterien

fierz.swiss 044 718 17 50

Ihre Partneragentur im Herzen von Zürich

Löwenstrasse 25, 8001 Zürich

Wir freuen uns auf Ihre

freiwilliges Abo

Mit diesem Magazin und auf bezirk.ch versorgen wir Sie mit relevanten Geschichten aus Ihrer Gemeinde, über die sonst niemand mehr berichtet.

Damit wir dies auch in Zukunft tun können, braucht es Ihre Unterstützung.

Jeder Betrag hilft, unsere Berichterstattung fortzuführen. Hier unsere Vorschläge:

8.-/Magazin kleines Budget CHF 96.-

Herzlichen Dank!

Empfangsschein

Konto / Zahlbar an

CH83 8080 8001 6091 7341 7

Bezirk Medien AG 8134 Adliswil

Zahlbar durch (Name/Adresse)

20.-/Magazin mittleres Budget CHF 240.-

50.-/Magazin grosses Budget CHF 600.-

Sie möchten uns lieber online unterstützen? Besuchen Sie bezirk.ch/wir

Währung Betrag CHF

Zahlteil Währung Betrag

Konto / Zahlbar an CH83 8080 8001 6091 7341 7

Bezirk Medien AG 8134 Adliswil

Zahlbar durch (Name/Adresse)

Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook