BLATT
HAUSZEITUNG DES LINDENFELDS – SPEZIALISIERTE PFLEGE
AUSGABE 2 | 2023

Das Wort «Biographie» setzt sich aus den griechischen Worten «bios» (Leben) und «graphein» (Schreiben) zusammen und beschreibt das Leben eines Menschen. So individuell wie unsere Bewohnenden, Klienten, Gäste, Besuchenden, Angehörigen und Mitarbeitenden, so verschieden sind auch deren jeweiligen Biographien.
Jeder Mensch ist wichtig, wertvoll und einzigartig!
Die Zeit und der Ort der Geburt, die (Lebens-) Umstände, die Erziehung in der Kindheit, das Heranwachsen und später die Berufswahl, die erste Liebe und vielleicht die spätere Heirat – all das hat Einfluss auf unser weiteres Leben und unser Verhalten.
Jeder trägt sie in seinem gut bestückten Rucksack: Die Erfahrungen, prägenden Erlebnisse, Wünsche, Erwartungen und was daraus entstanden ist – unsere ganz eigene Biografie, welche im Verlauf unseres Lebens immer weiter wächst und uns zu einem einzigartigen Individuum macht!
Das Ziel der Biografiearbeit ist es, sich selbst, das eigene Leben sowie dasjenige des Gegenübers besser verstehen und seine Verhaltensweisen einordnen zu können. Es wird jedoch nicht nur eine Person als einzelner Mensch betrachtet, sondern auch dessen soziales Umfeld mit den gesellschaftlichen Beziehungen.

Das Team der Aufnahme- und Sozialberatung im Lindenfeld erfährt schon beim Erstkontakt mit den Angehörigen so einiges über unseren zukünftigen Bewohnenden – sei es telefonisch oder bei einer Hausbesichtigung. Diese Informationen werden jedoch stets aus der Perspektive der Angehörigen an uns herangetragen; es kann durchaus sein, dass wir anders gelagerte oder zusätzliche Auskünfte vom Bewohnenden zu einem späteren Zeitpunkt erhalten.
In dieser Ausgabe möchten wir Sie auf eine sehr persönliche Reise mitnehmen. Unsere Beiträge laden Sie ein, sich vertiefter mit dem Thema Biografie auseinanderzusetzen, die wunderbare Lebensgeschichte unseres Bewohners Hansueli Suter und dessen Familie kennenzulernen. Wir zeigen Ihnen, weshalb es wichtig ist, dass wir biografische Kenntnisse zu unseren Bewohnenden erhalten, um in der Pflege, aber auch in anderen Wirkungsbereichen, gute und menschenzentrierte Arbeit leisten zu können.
Nehmen Sie sich die Zeit und tauchen Sie in unsere aktuelle Ausgabe des Lindenblattes ein. Viel Freude damit!
Ruth Suter
Sachbearbeiterin Aufnahmeund Sozialberatung
Sich selbst zu kennen, ist der Anfang aller Weisheit.


Einordnung des Biografiebegriffs in den Pflegealltag
Unter Biografiearbeit versteht man eine strukturierte Form zur Selbstreflexion der Lebensgeschichte in einem professionellen Setting. Die Reflexion einer biografischen Vergangenheit dient deren Verständnis in der Gegenwart und einer möglichen Gestaltung der Zukunft.
Das ist eine der Definitionen, die man erhält, wenn man im Internet nach dem Begriff «Biografiearbeit» sucht. Aber was heisst das jetzt ganz genau?
Wenn wir in der Pflege von der Biografie unserer Bewohnenden sprechen, meinen wir damit die individuelle Lebensgeschichte eines ganz bestimmten Menschen. Diese beginnt mit der Geburt und zieht sich ins Hier und Jetzt. Es handelt sich dabei um Erlebnisse, wie beispielsweise die Schulzeit, Ausbildung, Karriere, Familie, das Heiraten oder das Gründen einer Familie. Unsere Biografie zeigt aber auch unsere erlebten Höhen und Tiefen auf. Prägende Momente, die gute, aber auch schlechte Eindrücke hinterlassen haben können.

Wenn die Bewohnenden merken, dass wir uns mit der Biografie beschäftigt haben und wir auch Interesse zeigen, vermittelt ihnen das ein Gefühl von Sicherheit, und wir können eine gemeinsame Vertrauensbasis aufbauen.
Man erlebt es im Pflegealltag immer wieder, was für ein wichtiger Bestandteil das Wissen um die Biografie ist. Sie gibt uns sehr wichtige Anhaltspunkte, die wir dann besser im Alltag berücksichtigen können:
Man hat die Möglichkeit, die Pflege und die Kommunikation mit den Bewohnenden individuell zu gestalten. Zudem hat man bessere Anknüpfungspunkte, um ein Gespräch zu gestalten und gewissermassen zu steuern.
Man kennt die Grenzen des Bewohnenden und weiss schon im Vorfeld, welche Themen man eher nicht ansprechen sollte, da diese mit einer schlechten Erinnerung verbunden sein könnten. Derart können Konfliktsituationen verhindert werden.

Es ist auch ein sehr gutes Gedächtnistraining, wenn wir mit den Bewohnenden über ihre Vergangenheit sprechen. Wir aktivieren damit das Langzeitgedächtnis.
Die Kenntnis um wichtige biografische Eckpunkte ist auch in Zusammenarbeit mit an Demenz erkrankten Bewohnenden sehr förderlich: Können aufgrund der fortgeschrittenen Erkrankung keine prägenden Informationen mehr in Erfahrung gebracht werden, spielen die Angehörigen eine sehr wichtige Rolle für uns. Sie können teilweise die Lücken füllen, die die Bewohnenden nicht mehr selber abrufen können. Wichtig zu wissen ist, dass die Erzählungen von Angehörigen stets mit ihrem Blickwinkel auf die Biografie unseres Bewohnenden gerichtet sind – unter Umständen divergieren die Schwerpunkte oder Einstellungen bzw. Meinungen zu Erlebtem. Man kann aber auch mit Freunden und anderen Bezugspersonen des Bewohnenden sprechen, falls die Beziehung zu diesem Personenkreis besser ist, als zu den Angehörigen. Beim Eintritt ins Lindenfeld werden direkt die wichtigsten Fragen und Unklarheiten gemeinsam besprochen.
Die wichtigen Informationen zum Leben unseres Bewohnenden erhalten wir Pflegenden und Nicht-Pflegenden aber erst, wenn wir die Person besser kennengelernt und ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden konnte.
Dem Guten verpflichtet –ein Leben lang
Hansueli Suter tritt an Weihnachten 2021 ins Lindenfeld ein. Ein hochbetagter Mann, 87 jährig, an Demenz erkrankt und mit einem unheilbaren Krebsleiden. Er wird begleitet von seinem Sohn Roland und dessen Tochter Samira. Ein sehr emotionaler Moment, denn erst zwei Tage zuvor wurde der schwere Entschluss der Familie gefasst, den Vater, Schwiegervater, Grossvater und Urgrossvater ins Lindenfeld zu bringen. Im Gespräch mit Simone Mayer-Jacober (Leiterin Kommunikation & Marketing), Sindi Taner und Erich Weidmann (Co-Leitung beziehungsweise Wohnbereichsleitung Aabach) erzählt Roland Suter von seinem Vater – feinfühlig und wunderbar offen.
Das ist die berührende Geschichte von Hansueli Suter, die auch aufzeigen soll, weshalb biografische Kenntnisse im Pflegealltag unabdingbar sind.
Schwere Kindheit mit vielen Entbehrungen, aber auch Lichtblicken
Die Kindheit und Jugend von Hansueli war geprägt von vielen Entbehrungen: Sein Vater wurde während des zweiten Weltkriegs an die Front beordert. Sein Sold reichte jedoch nicht für die Ernährung der sechsköpfigen Familie. Darum wurde er im Alter von ca. neun Jahren verdingt, um seine vier Geschwister und Mutter finanziell zu unterstützen. Zuerst war er bei einem älteren Ehepaar untergebracht, das nur Viehwirtschaft betrieb. Jeden Tag musste er vor der Schule die Arbeit im Stall erledigen – die Hausaufgaben wurden jeweils noch schnell vor der Schule gemacht. Es wurden Pflichtbewusstsein und Gehorsam von dem jungen Burschen abverlangt. Nach zwei Jahren kam er zu einem Bauern im gleichen Dorf, der einen grösseren Hof bewirtschaftete. Dort blieb er ca. drei bis vier Jahre. Auch dort musste er sehr viel arbeiten. Sein Zimmer war nicht geheizt. Im Winter war die Bettdecke am Rand von seinem Atem gefroren. Das hart verdiente Geld ging direkt an seine Mutter oder ins Lädeli Zobrist, um die angeschrieben Schulden zu tilgen.
Zurück bei seiner Mutter und bereits im Teenageralter, war es Hansueli vergönnt eine Berufslehre zu absolvieren, es blieb wegen des vielen Arbeitens einfach zu wenig Zeit fürs Lernen. Schon damals erwies er sich als handwerklich sehr geschickt, versuchte alles zu reparieren, was kaputt war. Nach der Schule arbeitete er in einer Zimmerei für einen Stundenlohn von CHF 1.10. Später dann in einer Kistenfabrik. Dort war es seine Aufgabe Holzstämme zu

waschen. Er interessierte sich für Technik und Motoren. Obwohl finanziell lange nicht auf Rosen gebettet, war es für ihn ein unglaubliches Freiheitsgefühl, wenn er mit seiner zukünftigen Frau Marie-Louise auf seinem eigenen Motorrad durch die Gegend kurven konnte. Eine glückliche Ehe, aus der drei gesunde Kinder stammen: Sylvia (1957), Prisca (1959) und Roland (1960). Die Schwiegermutter war der Ehefrau aufgrund ihrer unterschiedlichen Konfessionen nicht sehr wohl gesinnt; trotzdem wurde die Familie Suter in unmittelbarer Nachbarschaft in einem eigens gebauten Häuschen in Boniswil über 50 Jahre wohnhaft. Besonders in Erinnerung sind die legendären Feste der Suters, welche sie mit den Nachbarn in der Garage feierten aber auch das gute Miteinander in der Nachbarschaft – eine glückliche Zeit, erinnert sich Roland Suter.
Marie-Louise erkrankte an Parkinson und AlzheimerDemenz. Hansueli pflege sie selbstlos zu Hause, verdrängte viel, kompensierte mit Segeln auf dem Hallwilersee, sodass seine Familie nichts von seinen Gefühlen mitbekam; bis sie im Jahre 2009 unerwartet an einer Hirnblutung verstarb. Ein grosser Schicksalsschlag für die Familie, der Vater zog sich über Jahre zurück.
«Es ist der späteren Lebenspartnerin Lotti zu verdanken, dass mein Vater wieder Lebensmut fasste», erzählt Roland Suter. «Einige Jahre nach dem Tod meiner Mutter trat sie mit viel Lebensfreude in sein Leben und Vater liess sich von ihrer fröhlich einnehmenden Art mitreissen. Das war für uns Kinder schön zu sehen, wie Hansueli wieder offener und positiver wurde. Wie Lotti als leidenschaftliche Organisatorin unseren Vater mit gemeinsamen Reisen und anderen Aktivitäten, wie zum Beispiel Musikkonzerte, begeistern konnte. Das tat beiden wirklich spürbar gut.» Versonnen schmunzelt Herr Suter einen kurzen Moment vor sich hin. «Dann, im Jahr 2018 erhielt mein Vater die Diagnose Prostatakrebs mit Metastasen im Lendenwirbelbereich. Wir konnten den Krebs mit einer Hormontherapie eindämmen. Die Situation entspannte sich dadurch ein wenig. Doch irgendwann traten in den Folgejahren erste Anzeichen einer Demenz auf.» Roland Suter hält einen Moment inne. «An was hast du das festgemacht,» erfragt Erich Weidmann. «Um ehrlich zu sein,
es war meine Frau Marlise, die Auffälligkeiten feststellte. Ich muss erwähnen, dass in unserer Familie nicht sehr offen über Probleme oder unangenehme Themen gesprochen wurde. Sowohl mein Vater, auch wegen seiner schweren Kindheit, wie auch meine Mutter haben Probleme nicht offen angesprochen, haben diese verdrängt und uns Kindern gegenüber nicht erwähnt. Das prägt wohl. Mit auch ein Grund, dass ich gegenüber den Hinweisen meiner Frau eher abwiegelnd reagierte. Vater vergass immer mehr, und er stellte zunehmend Fragen, deren Antworten eigentlich auf der Hand lagen, denn das Erfragte lag noch nicht allzu lange in der Vergangenheit. Am Anfang habe ich die Auffälligkeiten auch gegenüber meinen beiden Schwestern kaum erwähnt, die Gewohnheit des Nichtsagens angewendet; es erschien mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht spruchreif. Und Lotti, sie lebte übrigens nicht bei meinem Vater, merkte zu Beginn nichts oder wollte die Anzeichen vermutlich auch, wie wir, eher nicht wahrhaben. Das ging so bis in den Sommer 2021.»
Eine aufwühlende Zeit beginnt für alle Familienmitglieder. Das Thema Demenz offen an- und auszusprechen war wegen der Vermeidungs- und Verdrängungsstrategie des Vaters nicht sofort möglich. Man behielt aus der Ferne ein waches Auge auf ihn. Lebenspartnerin Lotti rieb sich dabei emotional fast auf und stellte aber nach aussen das Positive in den Vordergrund.
«Ich funktionierte nur noch»
«Im Frühjahr 2021 zog sich unser Vater nach einem kraftvollen Einsatz im Garten arge Rückenschmerzen zu, die Krebsableger im Rücken meldeten sich zurück. Es folgten intensive Abklärungen, dann Bestrahlungen im Kantonsspital Aarau. Ich kümmerte mich um die medizinischen Belange, da ich beruflich einen Bezug dazu habe. Und so fuhren mein Vater und ich die Strecke von Boniswil ins KSA und retour einige Male. Auch die Arztbesuche hatten zugenommen. Ich funktionierte irgendwie nur noch; Platz für Emotionen blieb damals nicht viel. Das Wohl und die Gesundheit meines Vaters waren mir wichtig. Ich stellte in dieser Zeit einen raschen Fortschritt der demenziellen Krankheit fest. Er hätte nicht mehr alleine zur Therapie gehen können, hätte den Weg dahin oder zurück nicht mehr gefunden und war so auf Begleitung angewiesen.» Wie es ihm als Sohn dabei ergangen sei, möchte Simone Mayer wissen. «Es war nicht einfach. Denn mein Vater regte sich schon vor dieser Zeit jedes Mal auf, wenn er etwas vergass. Wir alle versuchten immer wieder zu beschwichtigen und ihn mit einer positiven Geschichte aus der negativen Haltung herauszuholen. Wir haben ihn damals in medizinische Erklärungen und Entscheidungen möglichst einbezogen, das wurde aber zunehmend schwieriger. Unser Vater konnte das nicht mehr nachvollziehen und es schien uns deshalb als Familie eher zielführend, wenn wir ihm jeweils den nächsten Schritt auf dem medizinischen Behandlungsweg mitgaben. Ab Therapiebeginn und der daraus resultierenden Ausnahmezeit, befand ich mich nur noch im Funktionsmodus. Ich war dankbar, dass mich mein persönliches und berufliches Umfeld unterstütze. Zeitgleich
half mir jedoch auch die Situation, dass ich das Schicksal meines Vaters verarbeiten konnte. Ich wollte für ihn da sein und in seinem Sinne handeln.»
Die Stimme von Roland Suter versagt, denn es ist ein schmerzlich-berührender Moment in der Biografie seines Vaters: belastend, aufopfernd, an den eigenen Kräften zehrend und die Endlichkeit des Lebens vor Augen habend.
Schützender Deckmantel mit Folgen
Lebenspartnerin Lotti legte den schützenden Deckmantel des Kompensierens über Hansuelis Situation: Sie kümmerte sich aufopfernd, nahm ihrem Partner viele bis später sämtliche Aufgaben ab, versuchte schwelende Gefahren im häuslichen Umfeld zu antizipieren und aus dem Weg zu räumen. Sie wollte ihn mit ihrer fröhlichen Lebenseinstellung mitreissen und nahm so indirekt auch etwas Gewicht von den Schultern der übrigen Familienmitglieder. So erfuhren diese zeitweise nicht mehr alle Vorkommnisse und die eigentliche Situation. Bis zu einem Punkt, an welchem auch Lotti ausbrannte und die Familie für ihren Vater eine dreiwöchige Entlastung in einer Institution organisierte. «Im Spätherbst entschieden wir uns dann für eine 24-Stunden-Betreuung, denn uns war klar, dass wir so nicht weiterfahren konnten. Die Risiken für unseren Vater alleine zu Hause zu wohnen, wurden zu gross.»
Sein Vater schien für die angedachte Idee zugänglich zu sein. Roland Suter kann ein Lachen an die Erinnerung des Kennenlerntermins mit Kati, der neuen 24-Stunden Betreuerin, nicht unterdrücken. «Es war manchmal richtig lustig. Vater hatte es gut angenommen und es entstand ein guter Draht zwischen den beiden. Im Wissen, dass mein Vater gut betreut wird, mussten wir uns dann aber zunehmend mehr um die Betreuerin kümmern, als um ihn. Die Nächte waren äusserst unruhig und der Begriff 24-Stunden-Betreuung wurde für Kati immer mehr zur Realität.» Eine Überforderung für die Betreuerin zeichnete sich ab. Roland Suter senkt den Kopf. «Dann kamen die mitunter auch gefährlichen und kritischen Situationen hinzu, und wir konnten dieses Setting auch der Betreuungsperson nicht mehr zumuten. Nach nur drei Wochen mit externer Unterstützung, am 22. Dezember 2021, haben wir uns entschieden, dass wir einen Pflegeplatz für unseren Vater suchen. Wir wussten, es gibt kein Zurück. Meine Frau und


ich haben auf Anraten des Hausarztes das Lindenfeld angeschaut, denn dort gäbe es einen Arztdienst, was für seine Diagnose und Krankheit wichtig sei. Das war für uns ein wichtiges Argument.»
Wie sagen wir es dem Vater?
Nach der Hausbesichtigung war für die Eheleute Suter klar, dass Hansueli am besten im Lindenfeld aufgehoben sei. «Wir haben mit Ruth Suter von der Aufnahme- und Sozialberatung sehr zügig alles aufgegleist, und so terminierten wir Vaters Umzug sehr kurzfristig auf den 24. Dezember», erinnert sich der Sohn. Nun stellte sich für die Familienmitglieder die Frage, wie man es dem Vater beibringen solle. Am Familientisch fand dann Roland Suter irgendwie die richtigen Worte – der Vater nahm diesen Weg an. So konnte der Eintritt zwei Tage nach Besichtigung im Beisein des Sohnes und dessen 28-jähriger Tochter Samira vollzogen werden.
«Vielleicht hat mir auch der gute Draht zu meinem Vater, den ich immer hatte, geholfen, dass alles so unkompliziert ging. Ich war ehrlich zu meinem Paps. Wir alle wussten, dass es sich hier am Familientisch um eine Krisensituation handelte, der wir uns stellen mussten,» erinnert sich Roland Suter. «Ich habe einfach auf mein Bauchgefühl gehört. Ich kann mir auch vorstellen, dass es innerlich eine grosse Entlastung für meinen Vater war. Meinen Gefühlen habe ich erst im Nachgang freien Lauf gelassen,» schliesst er seine Erinnerung an diesen Schlüsselmoment.
Das Ende einer Leidenszeit
Das Gefühl der Erleichterung, seinen Vater im richtigen Umfeld zu wissen, stellte sich ein. «Wir konnten loslassen», bringt es Roland Suter auf den Punkt. Es sei auch gar nicht ungewohnt seinen Vater in der Gemeinschaft mit anderen dementen Bewohnenden zu sehen. Auch, dass es sich beim Wohnbereich Aabach um eine geschlossene Demenzabteilung handle, sei gut einzuordnen. «Ein anderes Setting hatten wir damals in der erwähnten Institution im Herbst 2021 erlebt, als wir Lotti entlasten wollten und für unseren Vater ein Ferienzimmer organisierten. Da es keinen Platz mehr auf der Demenzabteilung gab, wurde er in der Geriatrie untergebracht. Das war der Horror! Er ist immer wieder weggelaufen und stand plötzlich bei fremden Leuten im Garten», resümiert Roland Suter. «Es ging dann nicht mehr, ein Kapitel mehr, wie belastend es ist, wenn das Format und das Umfeld nicht der Krankheit angepasst ist.»
Ein Machertyp

Simone Mayer möchte von Sindi Taner und Erich Weidmann in Erfahrung bringen, wie sie Hansueli seinen ausgeprägten Bewegungsdrang ermöglichen. «Kommt ihr da nicht an eure Grenzen?» «Nein, denn es ist unser Bemühen dank des Wissens um die Biografie eine Erinnerungspflege einzubringen. Damit meine ich, dass wir Hansueli seinen Bewegungsdrang ausleben lassen, denn er ist, wie wir ja gehört haben, ein Machertyp. Er muss und soll hier Mensch sein – würdevoll und geborgen. Biografisches Wissen stellt für uns Pflegende eine wichtige Möglichkeit zur zwischenmenschlichen Kontaktaufnahme dar. Dann ist er auch eher einmal bereit einzulenken, wenn wir ihn zu etwas motivieren möchten.» Auch wegen der weglaufgesicherten Türen könne man eben die Menschen in ihrem Bedürfnis und Tun bestärken, ergänzt Erich Weidmann. Das gäbe nicht nur dem Bewohnenden Sicherheit, sondern auch den Pflegenden. «Ebenso fällt der moralische Druck weg. Etwas ‚Schräges‘, was ein Demenzkranker in den Augen anderer tut, fällt hier überhaupt nicht auf, und das ist für die betroffene Person enorm entlastend und lässt sie auch zur Ruhe kommen. Demenzbetroffene machen das, was für sie Sinn macht. Sie bewegen sich nicht mehr in den gängigen gesellschaftlichen Normen, sondern zeigen uns ungeschönt, was sie im Hier und Jetzt brauchen,» schliesst Erich Weidmann.
Persönliches Resümee
Die Zeit verfliegt. Alle Anwesenden spüren die Faszination und das berührende Element der biografischen Geschichte des Hansueli Suters. Roland Suter zieht auf die Frage von Simone Mayer sein persönliches Fazit. «Mein Vater wollte immer etwas Gutes in seinem Leben machen – trotz seiner schweren Ausgangslage aus der Kindheit. Er hat eine sehr ausgeprägte Helfermentalität und ihm ist Gerechtigkeit sehr wichtig. Unser Gefühl nach der Besichtigung des Lindenfelds hat uns gesagt, dass wir ihn hier am richtigen Ort wissen und ihn in eure Hände übergeben dürfen. Das sorgte im ersten Moment für Entspannung auf allen Ebenen. Eure Philosophie, dass mein Vater hier Mensch sein darf, in seinen Bedürfnissen wahrgenommen wird, er Autonomie hat und ihr gut informiert seid, hat uns Vertrauen gegeben. Darum war es auch für uns wichtig, dass wir euch sein Leben und seine Geschichte auszugsweise berichten, damit ihr sein Verhalten in eurem Alltag etwas besser einordnen könnt. Ich finde das wichtig und richtig. Dafür danke ich euch.»

Ruckblick
Schöne Erinnerungen an die vergangenen Anlässe...


Abschiedsvernissage

Traditionelles Frühlingsessen mit unseren Bewohnenden und Mitarbeitenden


Monika H. – 30 Jahre Lindenfeld. Blumige Überraschung mit guten Wünschen.

Zeitreise – das bunte, fröhliche
Liebe Leser:innen
Mein Name ist Melanie Schelbert. Ich bin 23 Jahre alt und seit fünf Jahren im Lindenfeld.
Ich stelle mich Ihnen als neues Redaktionsmitglied des Lindeblatts vor
Als ich ins Lindenfeld gekommen bin, habe ich zuerst eine Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit EFZ auf dem Wohnbereich Aare und anschliessend auf dem Wohnbereich Aabach abgeschlossen. Danach war ich für knapp zwei Jahre auf dem Übergangsbereich Bünz tätig. Als sich mir die Gelegenheit bot, habe ich während meiner Zeit auf dem Bereich Bünz die Funktion der Berufsbildnerin übernommen. Ich habe bereits dort gemerkt, dass mir die Begleitung von Lernenden sehr viel Spass bereitet. Folglich habe ich mich dann im Dezember 2022 für das neu aufgestellte Bildungsteam beworben und bin seit dem 1. Mai 2022 als Berufsbildnerin für drei Wohnbereiche zuständig.
Sabine Goetschi



Team-Mitglieder Arbeitsgruppe Rauchfrei – Infoveranstaltung am internationalen Weltnichtrauchertag im Lindenfeld


Ich bin dem Redaktionsteam des Lindenblatts beigetreten, weil ich eigentlich immer gerne geschrieben habe und sehr gerne lese.
Nachgefragt
Nachgefragt bei
Silvia Nussbaumer, Fachführung
Tagesbetreuung
«Uf Bsuech»

Tagesgäste kommen und gehen. Um sie optimal betreuen zu können, braucht es aber auch persönliche Informationen, oder?
Bei den Tagesgästen sind persönliche Informationen sehr wichtig, damit wir sie optimaler durch den Tag begleiten und ihren individuellen Bedürfnissen gerechter werden. Teilweise hilft es uns auch, Verhaltensauffälligkeiten besser zu verstehen und entsprechend darauf reagieren zu können. Anhand der Informationen werden die Schwerpunkte in der Begleitung festgelegt.
Nachgefragt
Nachgefragt bei Kevin Zaugg, Jim Albacino und Piero Filippone, Küche Lindenfeld
Ihr kocht tagtäglich für sehr viele Personen –Bewohnende, Mitarbeitende und externe Gäste. Wie schafft ihr es organisatorisch Spezialwünsche von Menschen mit diversen Beschwerden, Vorlieben bzw. Abneigungen zu berücksichtigen?
Wir sind interprofessionell darauf angewiesen, dass andere Bereiche mit uns Kontakt aufnehmen. Bis zu einem gewissen Grad können wir Wünsche erfüllen. Wir gehen auch selber auf die Wohnbereiche und holen die Wünsche nach den Lieblingsmenus unserer Bewohnenden direkt ab.
Ist das Thema Biografie von den Bewohnenden bei euch präsent? Wenn ja, wie?
Nur begrenzt. Aber bei einem Schwatz schnappen wir immer eine wichtige Information auf.
Welche Rolle spielen Angehörige?
Sie sind zentral, weil uns die von einer Demenz betroffenen Personen oftmals die Informationen nicht mehr geben können. Hier ist es ideal, wenn die Informationen von mehreren Angehörigen kommen, so erhalten wir ein umfassenderes Bild. Im Laufe der Zeit bekommen wir dann aber auch von unseren Gästen Informationen, wenn diese sich verbal äussern können.
Wie verarbeitet ihr als Team die vielen Informationen, die ihr von unseren Gästen erhaltet?
Die Informationen werden auf einem entsprechenden Biografiebogen erhoben. Wir in der Tagebetreuung nutzen eine «Personzentrierte» Variante, die uns Aufschluss über Gewohnheiten, Bedürfnisse und den Lebensstil geben. Die Bögen werden von allen Mitarbeiter:innen gelesen und dann in der entsprechenden Bewohnerakte abgelegt. So ist garantiert, dass z.B. auch neue Mitarbeitende die Informationen einsehen können.
Gibt es auch Grenzen?
Ja, die gibt es. Ich persönlich mache Angehörige immer darauf aufmerksam, dass sie nur das preisgeben, was sie wirklich wollen.

Hattet ihr schon mal einen ganz ausgefallenen Essenswunsch von einem Bewohnenden? Wenn ja, konntet ihr dem nachkommen?
Der präsenteste und gleichzeitig sehr berührende Wunsch kam von einem Bewohner, der kurz vor seinem Ableben noch eine Bauernwurst mit Speckrösti und Zwiebelsauce von uns ans Bett serviert bekommen hat. Die Umstände haben es sehr speziell gemacht.
JULI
JULI BIS SEPTEMBER 2023
Programmänderungen vorbehalten
Jeden Freitag Gottesdienst I 10 Uhr, jeden letzten Freitag im Monat 14.30 Uhr
Fr 07 07 | 10 00 Uhr Maienzug in Aarau I Umzug anlässlich des Jugendfestes in Aarau
Di. 11.07. | ganztags Clowns Berta & Marcel I Unsere Clowns sind im ganzen Haus anzutreffen
Di. 11.07. | 18.00 Uhr Angehörigen-Höck
Die Geschäftsleitung informiert und nimmt Anregungen entgegen
Do. 13.07. | 14.00 Uhr Bewohner-Olympiade
Wir treffen uns zu Spiel und Spass im Park oder bei schlechtem Wetter im Saal
Fr. 14.07. | 14.00 Uhr Pasta herstellen mit Piero I Pasta herstellen mit unseren Bewohnenden
Mi. 19.07. | 12.00 Uhr Wir servieren das Wunschessen des Wohnbereichs Aabach
AUGUST
Di 01 08 | 11.30 Uhr 1. Augustfeier I Bewohnende und Mitarbeitende feiern bei Musik und Tanz
Di. 08.08. | ganztags Clowns Berta & Marcel I Unsere Clowns sind im ganzen Haus anzutreffen
Mi 16 08 | 12.00 Uhr Wir servieren das Wunschessen des Wohnbereichs Haus am Teich
Sa. 19.08. | 16.00 Uhr Sommerfest I Lassen Sie sich überraschen. Detaillierte Infos folgen
Di. 22.08. | 18.00 Uhr «Zämehöckle» I Heute wird am Lagerfeuer gegrillt, deshalb findet das Treffen auch schon um 18.00 Uhr statt
Fr. 25 08 | 14.00 Uhr Pasta herstellen mit Piero I Pasta herstellen mit unseren Bewohnenden SEPTEMBER
Di. 05.09. | ganztags Clowns Berta & Marcel I Unsere Clowns sind im ganzen Haus anzutreffen
So. 10.09. | 13 30 Uhr Ständli der Suhrer Musig I Die Suhrer Musikgesellschaft spielt uns ein Ständchen auf unserer Terrasse
Di. 12.09. | 16.30 Uhr Pensioniertenanlass I Die Geschäftsleitung lädt alle pensionierten Mitarbeitenden zu einem geselligen und informativen Abend ein.
Mi 13 09 | 12.00 Uhr Wir servieren das Wunschessen des Wohnbereichs Aare
Fr. 15 09 | 14.00 Uhr Pasta herstellen mit Piero I Pasta herstellen mit unseren Bewohnenden
Sa 16 09 | 10.00 Uhr Lezte Hilfe Kurs I Umsorgen von schwer erkrankten und sterbenden Menschen. Gemeinsam mit der Ref. Kirche Suhr-Hunzenschwil. Für alle Interessierten. Saal Lindenfeld, Anmeldung bis 4.8.2023 an info@lindenfeld.ch
Di. 19.09. | 18 30 Uhr «Zämehöckle» Überraschungskonzert I Alle sind herzlich zum Saxophonkonzert eines Bewohners eingeladen. Treffpunkt im Saal.
Do. 21.09. | 11.45 Uhr Herbstessen I Mittagessen für Bewohnende und Mitarbeitende


L Frischer Wind
Ab 2. August 2023 renovieren wir unsere Cafeteria.
Bitte beachten Sie dazu die aktuellen Informationen. Während der Renovationsarbeiten werden das CafeteriaAngebot und die Platzzahl beschränkt sein.
Wir danken für Ihr Verständnis und freuen uns, Sie ca. Mitte September 2023 in neuem Look begrüssen zu dürfen.

IMPRESSUM:
Herausgeber: LINDENFELD, Spezialisierte Pflege
Verantwortlich: Simone Mayer-Jacober
Lektorat: Simone Mayer-Jacober
Redaktionsteam Lindenfeld: Sabine Goetschi, Simone Mayer-Jacober, Melanie Schelbert, Ruth Suter
Gestaltung: grafikformat werbegmbh, 5620 Bremgarten
Druck: Druckerei AG Suhr, 5034 Suhr