AFS-Vereinszeitschrift · Sommer 2013
AFS ist eine gemeinnützige, politisch und religiös unabhängige Ehrenamtlichenorganisation, die weltweit Jugendaustausch und interkulturelles Lernen ermöglicht.
www.afs.de
HORIZONTE ¡ Sommer 2013
„Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.“ Gustav Mahler (1860–1911)
Text %lUEHO +HOPHUV (KUHQYRUVLW]HQGH YRQ $)6 | Foto SULYDW
Im kommenden Jahr werden wir uns an die Grßndung von AFS erinnern. 1914 transportierten die ersten AFS-Ambulanzwagen Kriegsverwundete von der Front in Krankenhäuser. Nach 100 Jahren ist der Gedanke des Dienstes am Nächsten bei AFS weiterhin lebendig, auch wenn nicht mehr die unmittelbare Hilfe fßr Leidende im Vordergrund steht. Dank des vorausschauenden Engagements von Stephen Galatti blieb AFS nach dem Zweiten Weltkrieg auch eine Rolle als Veteranenverein erspart.
1946 mit der Ankunft der ersten franzĂśsischen Jugendlichen fĂźr ein Schuljahr in den USA auf zeitgemäĂ&#x;e Weise fortgefĂźhrt. Das Feuer der Begeisterung fĂźr die Sache des Friedens, fĂźr die Verständigung unter den VĂślkern inspirierte zahllose Ehrenamtliche in den USA und bald auch in anderen Ländern, Jugendlichen einen Auslandsaufenthalt zu ermĂśglichen. NatĂźrlich wollten viele RĂźckkehrer ihre interkulturellen Erfahrungen nach dem Auslandsjahr weitergeben. Aber die AFS-Idee setzte sich nicht nur im ehrenamtlichen Engagement fort; im Auslandsjahr gewonnene Ăœberzeugungen oder Fertigkeiten waren bei vielen auch fĂźr die spätere Berufswahl entscheidend. In einigen der spannenden Lebensgeschichten, die in dieser HORIZONTE-Ausgabe zu lesen sind, ist das gut zu erkennen.
Die Tradition des selbstlosen Einsatzes fĂźr andere, die die AFS-Ambulanzwagenfahrer im Ersten Weltkrieg begrĂźndet hatten und im Zweiten Weltkrieg wieder aufleben lieĂ&#x;en, wurde
Florian Aue
Nicole Brechmann
Julia Kayser
Verena Renneberg
Robert Strauss
Anne-Kathrin Topp
Benedict Weskott
Annika Wolfgram
HORIZONTE · Sommer 2013
Verein Die neue Delegiertenwahl .............................................................................................................................................................. 04 Delegiertenversammlung 2013 in Weimar .............................................................................................................................. 05 In Erinnerung an Hans-Gernot von Albert ..............................................................................................................................0 6
Geschichten, die das Leben schreibt … ........................................................................................................08 .......................08 Schreiben über die Welt ..................................................................................................................................... 10 „Ohne meine Erfahrung mit AFS wäre ich jetzt sicher nicht hier in Korea“ .................................. 1 1 Das Austauschjahr als erste Stufe .................................................................................................................. 12 Psychology for Living .......................................................................................................................................... 14 Nach zweieinhalb Jahren Fernweh zurück in Mittelamerika ............................................................... 15 Ein bisschen verrückt muss man sein ........................................................................................................... 16 Die Reise seines Lebens ...................................................................................................................................... 18 Auch am anderen Ende der Welt fliegen Flugzeuge .............................................................................. 19 Engagement als Lebensaufgabe.....................................................................................................................20 Netzpolitikerin im Bundestag ...........................................................................................................................2 1
Forum 10 Jahre AFS in Bosnien und Herzegowina .............................................................................................................................2 1 „Mal wieder beim Friseur gewesen?“ ......................................................................................................................................... 22 HORIZONTE analog und digital ................................................................................................................................................... 23 Impressum ............................................................................................................................................................................................. 23
Verein
Fßr die Delegiertenversammlung 2014 werden in diesem Jahr die Delegierten erstmals nach dem neuen Wahlverfahren gewählt, das die DV 2012 in Saarbrßcken beschlossen hat.
Text $OH[DQGHU .HUNKRII $QQD 6FKQHSSHU XQG %LED 3HW]HO | Foto )ORULDQ $XH
AFS ist ein lebendiger Verein, der wächst und sich verändert. Besonders aus diesem Grund muss gewährleistet sein, dass die Delegiertenversammlung als beschlussfassendes Gremium das breite Spektrum der Mitglieder mit seinen Kompetenzen nutzen kann und gleichzeitig eine arbeitsfähige GrĂśĂ&#x;e behält. Um das sicherzustellen, wurde das Verfahren zur Delegiertenwahl in den letzten Jahren angepasst. Die Neuerung besteht darin, dass die Wahlkreise den Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland und nicht mehr den Komiteegrenzen entsprechen. Auf diese Weise sollen u. a. auch nicht komiteegebundene Mitglieder ermutigt werden, sich einzubringen. Die Anzahl der Delegierten und Ersatzdelegierten in jedem Wahlkreis (Bundesland) wird durch das Verhältnis der Anzahl der dem Wahlkreis zugehĂśrigen Vereinsmitglieder zur Anzahl aller Vereinsmitglieder bestimmt. Insgesamt sollen etwa 60 Delegierte entsandt werden. Die genaue Delegiertenzahl pro Bundesland fĂźr die Wahl 2013 kannst du dem Infokasten entnehmen. Damit Ăźberhaupt gewählt werden kann, mĂźssen sich Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl stellen. Wenn du Lust hast, im kommenden Jahr die Mitglieder in deinem Wahlkreis zu vertreten und Ăźber strategische Entscheidungen von AFS Interkulturelle Begegnungen e. V. mitzubestimmen sowie neue Vorstandsmitglieder zu wählen, kandidiere als Delegierte(r). Dazu fĂźll bitte den beigefĂźgten Steckbrief aus (auch unter www.afs.de/steckbrief erhältlich) und schick ihn bis zum 23. September 2013 an wahlausschuss@afs.de oder per Post an das AFS-BĂźro in Hamburg. Dieser Tag ist auch der Stichtag fĂźr die Festlegung der WahlkreiszugehĂśrigkeit. Das heiĂ&#x;t, dass du in dem Bundesland wählen bzw. gewählt werden kannst, in dem der Wohnort liegt, den du AFS bis 04 | HORIZONTE
wurden bereits Anfang Juni an alle Vereinsmitglieder verschickt.
dahin bekannt gegeben hast. Falls du noch kein Vereinsmitglied bist, kannst du auch die Mitgliedschaft beantragen – um zu kandidieren und auch um zu wählen.
Bei Fragen kannst du dich gerne an uns wenden: wahlausschuss@afs.de. Wir sind dieses Jahr auf der DV von den Delegierten als Wahlausschuss zur Delegiertenwahl 2013 gewählt worden und laut Vereinssatzung fĂźr das Wahlverfahren und den ordnungsgemäĂ&#x;en Ablauf der Wahl zuständig.
Die Delegiertenwahl fßr die Delegiertenversammlung im März 2014 findet vom 7. bis 24. Oktober 2013 statt. Wie auch in den letzten Jahren erfolgt die Abstimmung online oder per Briefwahl, die ersten Informationen zur Wahl
Vereinsmitglieder
Anzahl der Delegierten und Ersatzdelegierten (jeweils)
Baden-WĂźrttemberg
524
9
Bayern
503
8
Berlin
318
6
Brandenburg
51
2
Bremen
59
2
Hamburg
263
5
Hessen
431
7
Mecklenburg-Vorpommern
29
2
Niedersachsen
414
7
Nordrhein-Westfalen
743
12
Rheinland-Pfalz
112
2
Saarland
24
2
Sachsen
86
2
Sachsen-Anhalt
40
2
Schleswig-Holstein
160
3
Wahlkreis
ThĂźringen
19
2
Insgesamt
3.776
73
Verein
Vom 15. bis zum 17. März 2013 fand in Weimar die Delegiertenversammlung (DV) von AFS statt. 52 Delegierte aus dem ganzen Bundesgebiet kamen zusammen, um zu diskutieren und Entscheidungen zu treffen.
Text )ORULDQ $XH | Fotos )ORULDQ $XH
Neben der Wahl des Vorstands standen verschiedene Themen zur Debatte. Ein wichtiger Gesprächspunkt war der Leitantrag. Der Vorstand erhielt den Auftrag der Mitgliedervertreter, sich auf bestimmte Punkte der „Strategie 2015“ zu konzentrieren wie „Stärkung des Ehrenamts“ und eine Qualitätsverbesserung der Prozesse. Des Weiteren nahm die Diskussion über die im letzten Jahr eingeleitete Organisationsänderung des Büros einen großen Raum ein. Die Geschäftsführung hatte Ende 2012 beschlossen, Arbeitsplätze im Hosting und
der in der PR aus den regionalen Büros in die Geschäftsstelle nach Hamburg zu verlagern. Die Gründe lagen laut Geschäftsführung u. a. in zu aufwendigen Arbeitsprozessen einer Matrixorganisation, der schwierigeren Situation des Sending in englischsprachige Länder, abnehmenden Gastfamilienzahlen und Währungsverlusten. Durch die Zentralisierung sollen Aufwand und Kosten verringert werden. Die Veränderungen wurde auf vielen operativen Veranstaltungen im Vorfeld der DV kontrovers diskutiert. Auf der DV billigten die Delegierten den
eingeschlagenen Weg, wünschten sich aber eine begleitende Befragung der Komitees zu den Auswirkungen der Strukturreform. Darüber hinaus beschloss die DV einen schnelleren Versand der Vorstandsprotokolle, die Änderungsmöglichkeit in den Leitlinien für eine Aufwandsentschädigung von Gastfamilien lehnte sie dagegen ab. Das European Citizenship Trimester Program (ECTP), ein dreimonatiger Kurzzeitaustausch in europäischen Gastfamilien, wurde von den Delegierten vom Pilotzum Regelprogramm erhoben.
Fazit zur Delegiertenversammlung 2013 in Weimar, nachgefragt bei …
HORIZONTE | 05
Verein
Auf einem Alumni-Treffen in MĂźnster 2009 gemeinsam mit dem ehemaligen AFS-Präsidenten Francisco „Tachi“ Cazal
Zusammen mit Stephen Galatti bei seinem Besuch in Berlin 1957
Als Hans-Gernot von Albert im April starb, verlor AFS einen seiner wichtigsten Berater. Seit seinem Austauschjahr 1954/55 in den USA setzte sich Hans-Gernot auf den verschiedensten Wegen fĂźr AFS in Deutschland ein. Stellvertretend erinnern sich zwei Generationen von Wegbegleitern.
8OULFK :HLVV USA 1952/53, ehemaliger Vorsitzender des AFS-Kuratoriums | Fotos $)6 SULYDW
„AFS inspiriert – ein Leben lang“ gilt in ganz besonderer Weise fĂźr unseren Freund Hans-Gernot von Albert. Auch seine Frau und seine drei TĂśchter sind AFSerinnen. Vielleicht einmalig in der AFS-Welt. Ich kenne Hans-Gernot vor allem aus der 30-jährigen Zusammenarbeit im Kuratorium von AFS Deutschland. Ich sehe ihn in Gedanken vor mir, den Kopf manchmal leicht schräg geneigt, zuweilen ein Lächeln in seinem freundlichen Gesicht und stets den anderen zugewandt. Hans-Gernot war nachdenklich. Er war eher zurĂźckhaltend, bescheiden, kein Vielredner. Wenn er aber sprach, dann trafen seine Worte und Argumente den Punkt, auf den es ankam, und fĂźhrten uns weiter. Dabei fehlte zuweilen nicht ein Schuss Humor, oder sagen wir „a twinkle in his eye“. Hans-Gernot fĂźhlte sich der jĂźngeren AFS-Generation besonders verbunden. Wenn er es irgendwie einrichten konnte, nahm er an den Delegiertenversammlungen teil. Ich erinnere mich an seine 06 | HORIZONTE
Berichte darĂźber im Kuratorium. Er war immer wieder davon beeindruckt, wie Anträge an die DV in einem demokratischen Prozess in Workshops und Gesprächsrunden diskutiert und vorbereitet, manchmal auch modifiziert wurden und schlieĂ&#x;lich zu einem Konsens fĂźhrten, der Ăźber die vielen Jahre immer wieder erzielt wurde und AFS Deutschland erneuerte und voranbrachte.
werten und hilfsbereiten Freund in Erinnerung behalten. Unsere Anteilnahme gilt besonders seiner Frau Helmi und seinen TĂśchtern Bettina, Dorothee und Stefanie.
Hans-Gernot war, auch dank seiner Profession als Anwalt und Notar, das juristische und institutionelle Gewissen von AFS Deutschland. Er half und beriet in Rechtsfragen der Struktur und Satzung sowie in Einzelfällen. Er half mit einer unaufdringlichen Selbstverständlichkeit. Ein Anruf bei Hans-Gernot traf stets auf seine Hilfsbereitschaft, und ßberdies ergab sich meistens ein anregendes, bereicherndes Gespräch. Hans-Gernot ist am 30. April 2013 im Alter von 76 Jahren verstorben. Wir werden ihn vermissen und ihn als liebens-
Bei der Laudatio fĂźr Ulrich Weiss auf der Kuratoriumssitzung 2012
Verein
Hans-Gernot mit seinen Gasteltern in seinem Austauschjahr 1955 und zusammen mit Tochter Bettina 1994
3DWULFN 8OPHU Australien 1997/98, Vereinsvorsitzender | Fotos $)6 SULYDW
Meine erste bewusste Begegnung mit Hans-Gernot von Albert war auf einer Delegiertenversammlung. Zu einem teilweise recht hitzig diskutierten Thema gab es eine Gesprächsrunde mit ihm. Dieses Gespräch ist mir aus zwei GrĂźnden besonders in Erinnerung geblieben. Zum einen strahlte Hans-Gernot eine Ruhe und Sachlichkeit aus, die sich auf seine Gesprächspartner zu Ăźbertragen schien. Zum anderen nahm er, der uns sowohl fachlich als auch an Erfahrung weit Ăźberlegen war, jeden als gleichwertigen Gesprächspartner ernst und ging sorgfältig auf die verschiedenen Ansichten ein – ganz gleich, wie sie vorgetragen wurden. RĂźckblickend war dieser erste Eindruck charakteristisch fĂźr die Art und Weise, wie Hans-Gernot AFS viele Jahre lang unterstĂźtzt und begleitet hat. In den letzten Jahren habe ich als Vorstandsmitglied häufig mit Hans-Gernot Kontakt gehabt und unsere Gespräche immer sehr geschätzt. Er war fĂźr mich immer ein äuĂ&#x;erst wertvoller Ratgeber, und egal mit welcher Frage oder Bitte wir an ihn herangetreten sind, schien es fĂźr ihn immer vollkommen selbstverständlich, zu helfen und sich fĂźr AFS einzusetzen. Gleichzeitig hat sich HansGernot nie auf- oder in den Vordergrund gedrängt. Lieber wirkte er im Stillen und hat uns nachfolgende AFSGenerationen dazu ermutigt, das Heft in die Hand zu nehmen. Die Anerkennung, die Hans-Gernot AFS und unserem Engagement entgegengebracht hat,
habe ich immer als groĂ&#x;e Ehre empfunden. Erst später habe ich erfahren, wie viel es umgekehrt auch ihm bedeutet hat, dass wir JĂźngeren seinen Rat und seine UnterstĂźtzung weiterhin gesucht haben. Dass wir Hans-Gernot trotz des anstehenden Generationswechsels im vergangenen Jahr gebeten haben, noch einmal fĂźr eine weitere Amtszeit im Kuratorium zur VerfĂźgung zu stehen, hat ihn unheimlich gefreut, und er hat sich bis zuletzt sehr fĂźr die aktuellen Entwicklungen und Diskussionen interessiert.
Mit dem Tod von Hans-Gernot verlieren wir einen wunderbaren und engagierten Unterstßtzer, Berater und Freund. Wir werden seinen Rat, seinen ermutigenden Zuspruch und sein zuversichtliches Lächeln vermissen. Die Dankbarkeit fßr sein Wirken im Stillen wird bleiben.
Hans-Gernot von Albert 12. Februar 1937–30. April 2013 1954/55
AFS-Jahr in Fairport, New York, USA
Ab 1955
Mitarbeit in der Berlin Student Returnee Group, u. a. als Auswähler und Chaperone Beim Abholen der Returnees vom Schiff in Rotterdam lernt er seine Frau Helmi kennen (Wilhelma Hoedtke, USA 1957/58)
1958 1965 1967
Organisation der Internationalen Studententagung in Berlin gemeinsam mit anderen AFS-Returnees Repräsentant der German National Returnee Association auf der European AFS Conference in Brßssel
1968 Als erster Deutscher ins Board of Trustees berufen 70er-Jahre Mitglied im „Verein der Freunde und FĂśrderer des American Field Service e. V.“ (Vorgänger des heutigen Vereins) 1977 Bestellung als Notar 1979 Seit 1982 1989 1992
GrĂźndung von AFS Interkulturelle Begegnungen e. V. Mitglied im AFS-Kuratorium Verleihung des Bundesverdienstkreuzes Begleitung von AFS Deutschland beim Verfahren zum
2012
eigenständigen Netzwerkpartner Begleitung der Grßndung der InterCultur gemeinnßtzige GmbH
HORIZONTE | 07
Schwerpunkt
In meiner Zeit bei AFS habe ich eine unglaubliche Vielfalt an Menschen kennengelernt. Regelmäßig klingelt bei mir das Telefon und Alumni rufen an, eigentlich nur, um kurz etwas zu fragen oder mitzuteilen. Oft kommen wir dann doch ins Plaudern und ich höre (Lebens-)Geschichten, die mich beeindrucken oder auch zum Schmunzeln bringen. Ähnliches passiert auf Alumni-Treffen. Alle diese Geschichten haben eines gemeinsam: AFS spielt immer eine Rolle – mal ganz klein, fast nebenbei und dann wieder ganz groß im Vordergrund. Einige der Geschichten hat die HORIZONTE in den letzten Jahren unter der Überschrift „AFS inspiriert – ein Leben lang! “ erzählt – eine viel und gern gelesene Rubrik. Darum gibt es nun in dieser Ausgabe eine ganze Sammlung Alumni-Geschichten, stellvertretend für über 20.000 Lebensläufe aus 65 Jahren AFS. Lebenswege von AFSern sind bunt – viel Spaß beim Entdecken!
Text $QQLND :ROIJUDP | Fotos SULYDW
Til Huster Name: Till
in Illinois/USA AFS- Land und -Jahr: Ich war 1975/ 76
r. Nun bin ich danach noch zwei Jahre bis zum Abitu Das wollte ich früher werden: Ich hatte e Bedenken , mein r imme aber hatte angeht, er Eltern vorbelastet, was das Theater m seitens mein Ausnahmen) e wenig auf (bis ler uspie Scha fsfeld wir chaftlichen Aussichten in dem Beru da die wirts wissenschaftliche Karriere denkbar. mag r sind. Demzufolge war auch eine eher mage te ich, dass mich stern Mathematik und Informatik merk Das mache ich heute: Nach zwei Seme rb mich also beim bewa Ich e. würd en mach lich nicht glück der eher trockene Stoff auf die Dauer e angenomrenommierten Schauspielschule, und wurd Max- Reinhardt-Seminar in Wien , einer – Schauspieler auf deutschen Bühnen iläum enjub ich mein dreißigjähriges Bühn men. Seitdem bin ich – dieses Jahr habe t (ein alter Schauspielerwitz!). bin bekannt von Film, Funk und Arbeitsam (seit 1999 beim Ohnsorg-Theater) und rand r schon die Möglichkeit, über den Teller n: AFS bietet den Teilnehmern ja imme trage beige dazu Teil einen ich AFS dass hat So itert. Fast wichtiger ist aber, in Amerika meinen Horizont enorm erwe hinauszuschauen. Ich habe in dem Jahr habe. In der Kombination bedeutet das, lernt enge kenn r besse t en Umgebung selbs r mich in diesem Jahr in der völlig fremd Sicherheitsvorstellungen meiner Mutte egang entschieden habe, der nicht den habe. den dass ich mich beruflich für einen Werd gefun lung Erfül e mein ils tente werden lassen, in dem ich aber größ entsprochen hat, mich auch nicht hat reich ist, verdanke ich auch AFS. gen gelun ßen Dass mir das bis heute einigerma
Name: Miriam Vieth
AFS-Land und -Jahr: Finnland, 1990/91
Das wollte ich früher werden: Ohne Vorstellung, aber ganz bestimmt nicht das, was mein Gastvater machte, und der war Polizist (wie uncoo l!). Das mache ich heute: Polizeihauptkommissarin der Bundespolizei, oft außerhalb der Bundesrepub lik tätig. Ab Sommer geht es für mich ein Jahr an den Flughafen in Paris. So hat AFS einen Teil dazu beigetragen: AFS, das ist schon so lange her. Kann es überhaupt noch e einen Einfluss haben? Ja, es kann. Weil ich die gewor den bin, die ich heute bin. Wer z. B. hört, dass ich als Kind äußerst schüchtern war, fängt meistens an zu lachen. Und die Lehrer, die mir in der Mittels tufe noch gesagt hatten, ich wäre sprachunbegabt, waren bereits still, nachdem ich aus Finnland wiede rkam. Inzwischen spreche ich drei Fremdsprachen fließend. Nicht, weil sie mir während des AFS-Jahres zugeflogen wären , sondern weil ich einfach Lust auf internationalen Austausch bekommen habe – kulturell, professionell und ganz privat. AFS hat mir eher beigebracht, dass das eigentlich auch ganz ohne Worte geht. Mein Mann ist gebür tiger Lateinamerikaner, lebt aber seit gut 20 Jahren in den USA. Vielleicht verstehen wir uns auch deshalb so gut, weil wir beide wissen , wie es ist, einen Schritt in eine fremde Umgebung zu mache n. Weil wir weiterhin neugierig auf andere Länder und Verhaltensw eisen sind, auf Menschen in den verschiedene n Kultur en. Er wird mir nachreisen und gucken, ob ihm das Leben in Frankreich gefällt .
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Schwerpunkt
Name: Marjorie Hoffmann
AFS- Land und -Jahr: Italien 1998/99
wester Das wollte ich früher werden: Krankensch in der Verwaltung er Ausbildung im Jahr 2004 arbeite ich Das mache ich heute: Seit dem Ende mein die pünktliche um mich ich ere kümm der Firma Ferrero. Hier des deutschen Produktionsstandortes n. uktio Prod die für nen oboh Kaka und Haselnüssen Bereitstellung von Rohstoffen wie z. B. n gegangen und n: Ohne AFS wäre ich nicht nach Italie So hat AFS einen Teil dazu beigetrage n, in einem sehr mme beko ce Chan hkenntnisse niemals die hätte anschließend durch meine Sprac ten. arbei zu hmen terne n Familienun erfolgreichen und bekannten italienische
Name: Dr. Ute Künkele
AFS-Land und -Jahr: USA 1972/73 in Tennessee
Das wollte ich früher werden: Tierärztin, Biologin Das mache ich heute: Ich unterrichte Biologie am Gymnasium als Quereinsteigerin, bin Naturund Landschaftsführerin, Pilzsachverständige und Autorin von einem Heilkräuter-Heilpflanzenbuch und Koautorin von einem Pilzbuch. Außerdem unterrichte ich türkische Mitbürgerinnen in der deutschen Sprache und Kultur. So hat AFS einen Teil dazu beigetragen: Mein Interesse für die Natur, fremde Landschaften und Völker sowie ökologische Zusammenhänge unterstützten meine Gasteltern durch Ausflüge und Reisen. Die Mitarbeit im Hausgarten und das gemeinsame Verarbeiten der Ernte hat viel Spaß gemacht. Das Empfinden für Barrieren, die eine fremde Sprache und eine andere Lebensart mit sich bringen können, wurde sicherlich auch durch den AFS-Aufenthalt geschult.
Name: Karl-Heinz Freund
AFS-Land und -Jahr: Cincinnatti, Ohio, USA 1967/68 (puh, ist das schon lange her!!)
Das wollte ich früher werden: Früher wollte ich Gefängnispsychologe werden. Das mache ich heute: Heute bin ich Geschäftsführer in einer Verpackungen (Kartonschachteln) produzierenden Firma. So hat AFS einen Teil dazu beigetragen: Die vielen internationalen Kontakte aus der AFS-Erfahrung, die sich im Nachgang auch auf andere Länder übertragen haben, führten zu dieser alternativen Richtung.
Name: Oliver Bellendir Das wollte ich früher werden: Scho
1996/97, Gosford Chapter AFS -Land und -Jahr: Australien rnsteinfeger, Umweltminister oder
als Fotograf (www.oli Das mache ich heute: selbstständig
Rockstar
-photography.de)
familie ging alles los – gen: Mit der Auswahl meiner Gast So hat AFS einen Teil dazu beigetra mich am ersten meine Gastschwester Rachael, die da passte einfach alles . Es war dann mir bei der Fächerund llen den wichtigen Lehrern vorzuste Schultag begleitet hat, um mich lieber mal Mr. Lavis, jetzt en such Wir unde ist voll langweilig. wahl zu helfen: „Quatsch Oli, Erdk ht dir bestimmt Spaß!“ der unterrichtet Fotografie, das mac , sondern auch davon zu überzeugen, nicht nur mich doch schaffte sie es irgendwie, ihn lmagazin – ich Schu im mir von r Der Kurs war natürlich längst voll, Bilde men. Bald darauf erschienen erste uneh aufz mit h kreic Fran aus er noch einen weiteren AFS war begeister t. kehr t. Natürlich Arbeiten nach Australien zurückge grafen bin ich dann 2004 u. a. zum Nach meiner Ausbildung zum Foto was passiert war. . Wir waren beide sehr stolz auf das, habe ich auch Mr. Lavis getroffen
HORIZONTE | 09
Schwerpunkt
Wenn er auf seinen Lehrer gehört hätte, wäre Niklas Schenck jetzt Anwalt. Journalismus und Entwicklungszusammenarbeit seien ein zu unsicheres Pflaster. Doch Niklas hat seinen Weg nicht aus den Augen gelassen. Heute reist der 30-Jährige aus Heidelberg als erfolgreicher Journalist für seine Artikel auch mal um die Welt. Seine ersten Auslandserfahrungen hat er mit AFS gemacht.
Text 6DVNLD 6FKPLGW | Fotos SULYDW
Als Schüler lebte Niklas von 1999 bis 2000 ein Jahr lang bei einer herzlichen Gastfamilie in Neuseeland, zu der er bis heute regen Kontakt hält. Aus dem AFSAustausch hat der Wahlhamburger ein ganz wichtiges Gefühl mitgenommen. „Das Jetzt genießen“, sagt er lächelnd. „Die Neuseeländer leben und arbeiten für den Moment, nicht nur für die Zukunft.“ Ebenso prägend war sein Zivildienst im Ausland. 2003 arbeitete Niklas für ein Jahr bei einem Kinderprojekt in Guatemala, indem er Sport- und Theaterprojekte ins Leben rief. Dort bekam er einen richtigen Kulturschock. „Ich habe in einer ländlichen Region gelebt. Da bekommt man die Unterschiede, was Sicherheit, Lebensstandard und Bildung angeht, hautnah mit“, erzählt er. „Nach dem Jahr faszinierte mich die Entwicklungszusammenarbeit noch mehr – ein Grund dafür, weshalb ich Geografie studiert habe.“ Neben dem Studium ließ Niklas die journalistische Arbeit nicht aus den Augen. Auch dabei begleitete AFS ihn
Bei der Arbeit ist Niklas Schenck ständig im Dialog – so findet er die besten Geschichten
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ein Stück weit: 2004 hörte er auf einer AFS-Veranstaltung einen Vortrag des Spiegel-Journalisten Christoph Schult. „Schult sagte, man müsse auf der HenriNannen-Journalistenschule oft erst einmal 18 Monate für den Papierkorb schreiben“, erinnert sich Niklas an einen besonders prägenden Satz für seine journalistische Lauf bahn. Trotzdem landeten seine ersten Artikel keineswegs im Papierkorb. Den Bericht über seine Reise zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen verkaufte er an die Heidenheimer Zeitung. „Für ein paar Euro“, schmunzelt er. Niklas befolgte den Rat seiner Freunde und schrieb weiterhin, freiberuflich. Der Erfolg gab ihm recht: 2010 gewann Niklas den 2. Preis in der Kategorie „Online“ des Axel-Springer-Preises für junge Journalisten. Heute veröffentlichen „die Großen“ der Medienbranche wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung oder die Süddeutsche Zeitung seine Beiträge, für die er sogar bis nach Ostafrika reist.
Auf solchen Reisen profitiert Niklas noch immer von seinen längeren Auslandsaufenthalten. „Ich habe mich in Ostafrika gleich heimisch gefühlt, weil mir einige Umstände aus Guatemala vertraut waren“, erklärt er. Niklas legt außerdem Wert darauf, nicht nur die düsteren Klischees aus fernen Ländern zu verbreiten. „Man sollte den gewissen Esprit mit in eine Geschichte bringen, das Lebensgefühl“, meint er. „Natürlich kann man über Armenviertel berichten. Viel wichtiger sind aber der Humor und die Lebenslust der Menschen, die mich dort sofort anspringen. Das ist für mich ein guter Artikel.“ Solche Geschichten seien leichter zu finden, wenn man einen persönlichen Bezug zu Land, Sprache und Leuten habe und sich für Themen dieser Weltregion interessiere. „Durch Auslandsaufenthalte wird das Netz der Auffassung engmaschiger. Vorher habe ich mich nie für Nachrichten aus Dubai interessiert. Seit ich dort war, bleibt mein Blick auch daran hängen“, gibt Niklas zu.
Niklas Schenck mit seinem Gastvater Phil bei seinem Besuch der Gastfamilie 2011
Schwerpunkt
Stefan Ernst arbeitet fĂźr Beiersdorf in SĂźdkorea
Mit dem AFS-Jahr in Philadelphia fing alles an. Die Neugierde auf andere Länder und Kulturen war geweckt und sie hat Stefan Ernst (USA 1986/87) bereits ßber Bolivien, Chile und Shanghai bis nach Sßdkorea gefßhrt. Der gebßrtige Kulmbacher leitet derzeit in Seoul die Nivea Seoul Ltd., ein Tochterunternehmen der Beiersdorf AG.
Interview /LQGD 5RWDHFKH | Foto SULYDW
:DU HV VFKRQ LPPHU GHLQ 7UDXP IÖU HLQ JURšHV LQWHUQDWLRQDOHV 8QWHUQHKPHQ ZLH GLH %HLHUVGRUI $* ]X DUEHLWHQ" Mein erster Berufswunsch war Flugkapitän bei der Lufthansa. Das ist ja auch recht international. Nach meinem AFS-Jahr stand aber fßr mich fest, dass ich auf jeden Fall in einem multikulturellen und internationalen Kontext im Ausland arbeiten und leben mÜchte. Ein globaler Konzern wie Beiersdorf bietet hierfßr eine ausgezeichnete Plattform.
'HLQ $)6 -DKU KDW DOVR GHLQH %HUXIVZDKO EHHLQIOXVVW" Auf jeden Fall. AFS hat mein Leben entscheidend positiv geprägt und bereichert. Ich denke, ohne meine Erfahrung mit AFS wäre ich jetzt sicher nicht hier in Korea.
*LEW HV HLQ $)6 (UOHEQLV GDVV GLU JDQ] EHVRQGHUV LQ (ULQQHUXQJ JHEOLHEHQ LVW" Das Orientation Camp auf Long Island und die Abschlussfahrt mit den anderen AFS-Schßlern. Ich fand es faszinierend, mit Menschen aus der ganzen Welt ähnliche Erfahrungen und Emotionen zu teilen.
:HOFKH 5ROOH VSLHOW $)6 KHXWH QRFK LQ GHLQHP /HEHQ" Als ich noch in Deutschland gelebt habe, war ich in meinen lokalen Komitees Coburg und Hamburg aktiv. Derzeit bleibt neben der Arbeit wenig Zeit fßr ehrenamtliche Tätigkeiten, aber ich habe nach wie vor engen Kontakt zu meiner Gastfamilie.
(U]žKO XQV HLQ ZHQLJ ÖEHU GHLQ /HEHQ LQ 6ÖGNRUHD :DV VLQG GLH JU�šWHQ +HUDXVIRUGHUXQJHQ XQG ZDV VLQG GLH +LJKOLJKWV"
In Korea bewegt man sich ständig zwischen zwei Extremen. Auf der einen Seite die ultramoderne, hoch technologisierte Welt der Millionenmetropole Seoul. Auf der anderen Seite die tief in der Tradition verankerten konfuzianischen Denk- und Verhaltensweisen. Da haben zum Beispiel der Respekt vor Seniorität und Hierarchie einen viel hĂśheren Stellenwert als in Europa. Aber gerade dieser Balanceakt zwischen Tradition und Moderne macht das Leben und Arbeiten hier fĂźr mich äuĂ&#x;erst spannend und bereichernd. Weitere Highlights sind die Herzlichkeit der Koreaner, die ausgezeichnete koreanische KĂźche, die wunderschĂśne Natur und die tollen Skigebiete Ăźberall im Land. HORIZONTE | 11
Schwerpunkt
Einmal im Ausland oder fßr eine internationale Organisation arbeiten – das ist der Traum von vielen AFS-Austauschschßlern. Wie einem die Erfahrungen des Austauschjahres im Auswärtigen Dienst und in der internationalen Zusammenarbeit helfen, erklären Katrin Mßnch de Paguada und Martin Ney im Interview mit Christopher Stolzenberg.
Interview &KULVWRSKHU 6WRO]HQEHUJ | Fotos SULYDW
Martin Ney war bei den Vereinten Nationen in New York von 2007 bis 2010 Botschafter und stellvertretender ständiger Vertreter Deutschlands
Katrin MĂźnch de Paguada bei einem Planungsworkshop der GIZ in Mexiko
d:HQQ LFK LQV $XVODQG JHKH GDQQ DUEHLWH LFK VSžWHU PDO DXI LQWHUQDWLRQDOHU (EHQHo PDJ VLFK PDQFKHU $XVWDXVFKVFKÖOHU GHQNHQ :HOFKH (LJHQVFKDIWHQ PXVV PDQ GDIÖU PLWEULQJHQ"
waren wir ßber zwanzig, die sich zumeist gegenseitig kannten – aber nicht als AFSer! Irgendwie muss das Austauschjahr also eine gute Jobvorbereitung gewesen sein.
0DUWLQ 1H\ Hohe fachliche Qualifikationen sind wichtig, denn im internationalen Bereich steht man auch im internationalen Wettbewerb. An weiteren Eigenschaften gehÜrt sicher das ständige Interesse und die Fähigkeit dazu, sich auf Neues einzulassen, es kritisch zu bewerten und – wenn dies zur Aufgabe gehÜrt – es gestalten zu wollen. Sollte sich dann eine Karriere auftun, ist die Bereitschaft wichtig, Verantwortung zu ßbernehmen, zu entscheiden und zu fßhren.
.DWULQ 0 QFK GH 3DJXDGD Ich habe damals nicht an einen internationalen Job gedacht. Vielmehr wurde durch das Austauschjahr die Sensibilität fßr gewisse Kontexte erst geweckt. Armut hatte ich vorher nicht gesehen, die ungleiche Verteilung von Reichtum, Macht oder Chancen nicht so wahrgenommen. Später, durch mein Studium der LandschaftsÜkologie mit Fokus auf Internationalen Naturschutz und Umweltethik, habe ich mich immer mehr fßr diese Kontexte interessiert und durch meine Praktika einen beruflichen Werdegang in der internationalen Zusammenarbeit in Betracht gezogen. Hohe fachliche Qualifikation ist auch bei der GIZ wichtigstes Kriterium. Darßber hinaus sind starke persÜnliche Wurzeln unerlässlich: zu wissen, aus welcher Kultur man kommt und was
8QG KDW GDV $XVWDXVFKMDKU JHKROIHQ" 0DUWLQ 1H\ Vor einigen Jahren, als ich Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York war, gab es ein Mittagessen fĂźr ehemalige AFSer. Der Raum war voll, und als unter den Anwesenden die Botschafter gebeten wurden aufzustehen, 12 | HORIZONTE
seine Werte sind. Und man benĂśtigt ein HĂśchstmaĂ&#x; an Flexibilität, die es erlaubt, sich auf sich stets ändernde Situationen und neue Kulturen einstellen zu kĂśnnen.
:HOFKH ZLFKWLJHQ 4XDOLWžWHQ KDEHQ 6LH GXUFK GDV $XVWDXVFKMDKU HUZRUEHQ" 0DUWLQ 1H\ Die Erfahrung in jungen Jahren, dass man sich im Ausland zurechtfinden und in dortige Gepflogenheiten einfinden kann, ist enorm hilfreich gewesen. Sich in der Fremde emotional aufgehoben zu fßhlen, hat bei mir den Grundstein dafßr gelegt, auch im Studium ins Ausland zu gehen, in Genf Jura und in Oxford Volkswirtschaftslehre und Politische Wissenschaften zu studieren. Das ist das Wichtigste: das Austauschjahr nicht als einmaliges Erlebnis abzuhaken, sondern als eine erste Stufe fßr Weiteres zu begreifen. .DWULQ 0 QFK GH 3DJXDGD Das finde ich auch. Nach dem Jahr in Guatemala
Schwerpunkt
war ich fĂźr längere Zeit in Lateinamerika, bevor ich schlieĂ&#x;lich bei der GIZ angefangen habe. Dadurch wurde ich immer mehr zu einer „deutschen Latina“ – so richtig herzlich und emotional! Aber gleichzeitig entwickelte ich eine groĂ&#x;e Skepsis, wem ich mich derart Ăśffne und wem ich trauen kann.
falsch, und anfangs war ich enttäuscht, wenn Einladungen nur selten eingelÜst wurden. Heute bin ich vorsichtig und lege nicht jeden Satz auf die Goldwaage.
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0DUWLQ 1H\ Man muss unterscheiden: Auf der einen Seite ist es gut und erstrebenswert, eine andere Kultur zu verstehen und mit den Menschen umgehen zu kĂśnnen. Auf der anderen Seite darf Verständnis nicht zur kritiklosen Anpassung fĂźhren. Es ist die Verantwortung desjenigen, der sich in einem anderen Land aufhält, sich einzufĂźgen. Das ist etwas anderes, als sich anzupassen. Im Auswärtigen Dienst dĂźrfen wir aber nie auĂ&#x;er Acht lassen, dass wir unsere deutschen Interessen im Ausland vertreten.
.DWULQ 0 QFK GH 3DJXDGD Stimmt. Aber ich lasse mich nicht mehr vom Ăźberschwänglichen Umgang der Latinos beeindrucken. Das Lachen, die Herzlichkeit, groĂ&#x;zĂźgige Einladungen zum Essen – das liebe ich nach wie vor. Doch man darf nicht vergessen, dass diese Emotionalität auch einfach zum hĂśflichen Umgang gehĂśrt. Mein GegenĂźber soll sich in meiner Gegenwart gut fĂźhlen, so zeige ich Gastfreundschaft. Deutsche verstehen das oft
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.DWULQ 0 QFK GH 3DJXDGD Als Bundesunternehmen unterstĂźtzt die GIZ die deutsche Bundesregierung bei der Erreichung ihrer Ziele in der internationalen Zusammenarbeit fĂźr nachhaltige Entwicklung, wir wollen durch die Projekte und Programme das Partnerland bei seinen Entwicklungsprozessen beratend unterstĂźtzen. Der Fokus liegt auf dem „capacity development“. Da ist es unumgänglich, dass die Partner von unserer Kultur lernen. Aber manchmal Ăźbernehmen sie Dinge, die man so nicht erwartet. Beispiel: Latinos gelten dem Klischee nach als unpĂźnktlich. Die Kollegen hier beweisen aber immer wieder das genaue Gegenteil: Sie sind zu Arbeitstreffen mit „den Deutschen“ zur vorgesehenen Zeit vor Ort und damit oft sogar pĂźnktlicher als ich, die sich an Ăśrtliche Gegebenheiten anpasst.
Katrin MĂźnch de Paguada ist Auslandsmitarbeiterin der Deutschen Gesellschaft fĂźr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Mexiko. 1999 ging sie mit AFS nach Guatemala. Sie studierte ein Semester in Venezuela, schrieb ihre Diplomarbeit in Honduras und war Praktikantin in der Dominikanischen Republik. Heute arbeitet Katrin fĂźr die GIZ in MexikoStadt. Dort ist sie Komponentenleiterin in dem Projekt „Gerechter Vorteilsausgleich bei der Nutzung biologischer Vielfalt“, das gemeinsam mit den mexikanischen Partnern im Auftrag des BMZ durchgefĂźhrt wird.
Dr. Martin Ney, M.A. (Oxon) arbeitet im auswärtigen Dienst. Nach Posten in Bangkok, Washington D.C., Tokio, Sarajevo und bei den UN in New York ist er heute Ministerialdirektor und leitet die Rechtsabteilung des Auswärtigen Amts. 1972/73 verbrachte er sein Austauschjahr im Bundesstaat Washington (USA) als „der“ AustauschschĂźler an der einzigen Highschool. Der Kontakt zu seinen Gasteltern ist bis heute bestehen geblieben, sie kamen einst zu seiner Hochzeit nach Deutschland.
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Dr. Udo Saueressig war 1970/71 in den USA. Nach dem Studium arbeitete er drei Jahre als Arzt in Südafrika. Heute ist er Hypnosetherapeut und lebt bei Heidelberg.
Buchempfehlung rungen und über Über seine Erfah t pnosetherapie ha seinen Weg zur Hy schrieben: Udo ein Buch ge ig: Dr. Udo Saueress che n – Autobiographis tio olu ev -R Ich Die Rebellen. Erfahrungen eines 41365- 0 ISBN 978-3- 00 -0 ii.com E-Book über XinX -office.com info@gesundheits
Text )ORULDQ $XH | Foto SULYDW
Es waren politisch bewegte Zeiten Anfang der 70er-Jahre, als Udo sein Austauschjahr in Kalifornien verbrachte. Im beschaulichen Ontario war davon jedoch wenig zu spüren. „Die haben auf ganz normal gemacht. Persönlichkeiten wie zum Beispiel Muhammad Ali waren total geächtet.“ Udo verbrachte ein aufregendes Jahr in den USA, war allerdings schockiert über den Alltagsrassismus in seiner Kleinstadt, in der Afroamerikaner und Chicanos – Einwanderer aus Lateinamerika – getrennt von der weißen Bevölkerung lebten. „Eine Bahnlinie durchschnitt die Stadt. Ganz in der Nähe des schwarzen Viertels hatten sie eine Schule gebaut. Auf unserer Seite und in meiner Schule war die Schülerschaft dagegen blütenweiß.“ Entscheidend für den heutigen Beruf war wohl sein Psychologielehrer, Mr. F. auf der Highschool. In dem Fach „Psychology for Living“ führte er im Unterricht Hypnose vor. „Das war so faszinierend. Das blieb mir im Hinterkopf“, sagt Udo. Zurück in Deutschland bestand Udo das Abitur und begann ein Medizinstudium, trotz großer Schwierigkeiten in Mathe14 | HORIZONTE
matik, wie er sich lächelnd erinnert: „Nach dem AFS-Jahr war ich einfach hoch motiviert und gut drauf.“ Nach dem Examen war für Udo klar: Er wollte weg von der Schulmedizin in Deutschland und im Ausland arbeiten. Für ihn als AFSer standen die USA ganz oben auf der Wunschliste, es ergab sich aber ein Ruf nach Ciskei, einem vom Apartheidsregime in Südafrika eingerichteten „Homeland“ für Xhosa. Erst arbeitete er auf dem Land, dann wurde Udo an das Zentralkrankenhaus versetzt, wo er drei Jahre blieb. „Medizinisch war es hervorragend und auf Weltniveau“, erinnert sich Udo. Trotz der Offerte eines hoch dotierten neuen Fünfjahresvertrags ging Udo 1988 zurück nach Deutschland. „Ich ertrug die Apartheid nicht mehr“, sagt er. „Mandela war damals noch unter Hausarrest – die politischen Umstände waren unerträglich.“ Zurück in Deutschland übernahm Udo 1990 eine allgemeinmedizinische Praxis im Odenwald, der er bis heute vorsteht. Er entschied sich für eine Zusatzausbildung in Psychotherapie und Hypnose,
denn in seine Praxis kamen immer öfter Hilfesuchende mit Depressionen. Das erste Erfolgserlebnis stellte sich bald ein: Er heilte ein junges Mädchen mittels Tiefenhypnose von seinen Kopfschmerzen. Die hatte sie vorher erfolglos in einer Universitätsklinik behandeln lassen. Nach der Sitzung, die er als frischer Hypnosetherapeut noch vom Zettel in der Hand ablas, sagte die Patientin, aus der Trance erwachend, dass sie geheilt sei, was ihn selbst verblüffte. In seinem Studium der Schulmedizin Anfang der Achtziger lernte er noch, dass das Gehirn und die Nerven statisch seien. Heute sagt er: „Das Gehirn ändert sich permanent – vieles, was mit uns geschieht, ist psychosomatisch.“ Es hänge mit der Selbstliebe und auch Nächstenliebe zusammen. „Alles das, was auch AFS verkörpert.“ Noch im Studium hatte er seinem ehemaligen Psychologielehrer in den USA geschrieben, um ihn von seinen Ambitionen zu berichten. Der Brief kam aber leider nie an. Viel später besuchte er F. in den USA und erzählte ihm seine Geschichte.
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Schon während meines AFS-Austauschjahres in Costa Rica entstand der Wunsch, Deutschland nach dem Abitur ein weiteres Mal den Rücken zu kehren. Heute, drei Jahre später, studiere ich Journalistik – in Costa Rica.
Text 7ULVWDQ 6FKXO]H | Fotos SULYDW
Viel wusste ich nicht über Mittelamerika, als im Sommer 2008 die Entscheidung anstand, mein Austauschland auszuwählen. Vor allem durch Fotos, Reiseberichte sowie Informationen im Internet weckte Costa Rica letztendlich mein Interesse. Und so ging die Reise im Februar 2009 für ein Jahr ins Land der „Ticos“, wie die Einwohner heißen. Während meines Auslandsaufenthalts lebte ich bei einer mittelständischen Familie in Tres Rios, einer Kleinstadt am Rande der Hauptstadt San José. Dort besuchte ich die 10. Klasse des Fachgymnasiums. Mit gerade einmal 15 Jahren – und dreieinhalb Jahre vor dem ersehnten Abitur – hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal annähernd eine Vorstellung davon, in welche Richtung es beruflich einmal gehen könnte. Alles schien noch in weiter Ferne zu liegen. Meine ältere Gastschwester war Fernsehjournalistin beim Staatsfernsehen, sodass ich diesen Beruf für ein Jahr aus nächster Nähe erlebte
und als interessante und abwechslungsreiche berufliche Perspektive im Hinterkopf behielt. Zurück in Deutschland blieb mir aufgrund der oft recht anstrengenden Oberstufenzeit sowie der intensiven, aber erfüllenden Mitarbeit im Komitee Hildesheim-Goslar-Salzgitter – zuletzt als Komiteekoordinator – wenig Zeit, mich mit verschiedenen Berufsfeldern zu befassen. Fest stand nur eins: Mein zukünftiger Job beziehungsweise das Studium sollte international ausgerichtet sein. Der Kontakt zu Gastfamilie und Freunden in Costa Rica blieb bestehen, und von mehreren Seiten wurde mir ein Studium in Costa Rica nahegelegt. Deshalb schaute ich mir während meines dortigen Urlaubs im Sommer 2011 eine Vielzahl von Universitäten an. Als Alternative zu einem Journalistikstudium schrieb ich lediglich eine Bewerbung: für den gehobenen Dienst im Auswärtigen Amt. Nachdem kurz vor den Abiturprüfungen die Absage vom Auswärtigen Amt im Briefkasten lag, stand fest, dass ich ab September Jour-
Trimester nach 15 anstrengenden Wochen erfolgreich abgeschlossen: Tristan (hinten: 3. von links) mit Kommilitonen
nalistik an der privaten Universidad Latina de Costa Rica studieren werde, die mich vom Studienprogramm von der Infrastruktur und den Praxisinhalten her überzeugt hatte. Nun stehe ich bereits kurz vor Abschluss meines zweiten Studientrimesters. Meine Entscheidung habe ich in keinem Moment bereut. Zwar ist das Studium recht arbeitsintensiv, aber ich bin mir sicher, dass Journalismus genau das Richtige für mich ist. Zu kurz kommen darf natürlich auch die Mitarbeit bei AFS nicht, so bin ich mittlerweile Sendingkoordinator im Komitee San José Ost. Noch verdränge ich den Gedanken daran, wo es nach dem Studium langfristig einmal hingehen wird, aber dank meines Auslandsaufenthalts mit AFS ist die Welt mein Zuhause geworden. Und meine Berufswahl wurde stark von dieser Erfahrung beeinf lusst. Ohne meine Austauscherfahrung wäre mit großer Wahrscheinlichkeit alles ganz anders gekommen.
Den Anchorman-Sessel angetestet: Tristan (rechts) besucht im November 2012 den größten Sender von Costa Rica, Teletica
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Die Crew beim Drehstart von „Katie Fforde – Das Meer in dir“ in und bei New York: (v. l . n . r .) JĂśrg SchĂźttauf, Susanne Schäfer, Sebastian Grobler, Liane Fioresteri, Jannik SchĂźmann, Stephan Wagner (Kamera), Anne-Lena Dwyer (Producerin)
Sebastian Grobler (USA 1984/85) arbeitet als freiberuflicher TV- und Filmregisseur. Seinen Beruf hat er sich gegen Ende des Austauschjahres noch nicht erträumt, sagt er heute. Aber so ein bisschen schuld ist AFS dennoch gewesen, dass er nun Filme macht. Vor Kurzem ist er wieder in die USA zurßckgekehrt, um dort zu drehen.
Interview )ORULDQ $XH | Foto SULYDW =')
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Zurzeit in New York, wo ich fßr das ZDF drehe, zwei Sonntagabendfilme. Das sind eher so emotionale Stßcke oder Melodramen. Es ist eine reizvolle Erfahrung, mal wieder in den USA Filme zu machen, auch wenn ich das Land und die Sprache ja schon kenne. 80 Prozent der Mitarbeiter am Set sind Deutsche, amerikanische Schauspieler werden später nachsynchronisiert. Sprachlich ist so ein Austauschjahr immer hilfreich. Vielleicht habe ich ein bisschen einen deutschen Akzent, aber toll ist, dass ich immer noch ein sehr gutes Vokabular habe.
Ich war in Hayfield, Minnesota, im mittleren Westen mit 1.200 Einwohnern. Anfangs war das Jahr ein bisschen schwierig. Ich kam aus einer GroĂ&#x;stadt im Ruhrgebiet, dann wohnte ich plĂśtzlich in so einem kleinen Ort im „Biblebelt“. Ich war in dem Jahr aber sehr integriert, ein tolles Erlebnis. Und nach wie vor habe ich Kontakt zu Freunden und AFSern: Letztes Jahr zum Beispiel ist meine Gastfamilie hier nach Hudson hergekommen, wo wir gedreht haben. Die Strecke sind sie in einem Kleinbus gefahren, die fliegen nicht so gern. Ich
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habe sie ans Set eingeladen, und sie waren ganz begeistert. Das ist schĂśn, dass der Kontakt immer noch da ist.
+DWWHVW GX GDPDOV QDFK GHP -DKU VFKRQ GHQ :XQVFK YHUVSĂ–UW VSžWHU HLQPDO 5HJLVVHXU ]X ZHUGHQ" Ăœberhaupt nicht. Ich wollte Journalist oder Diplomat werden. Ich kam aus einem sehr bĂźrgerlichen Haushalt, mein Vater war Richter, mein Bruder ist Anwalt. Das war fĂźr mich undenkbar. Das kam eigentlich während des Zivildienstes, als man so ein bisschen mehr Zeit hatte, Ăźber sich nachzudenken, und das kam
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tatsächlich Ăźber das Filmeschauen: Ich war damals Zivi im AFS-BĂźro in Hamburg. Ich war noch neu und kannte nicht viele Leute. Nach der letzten Station des Tages, den groĂ&#x;en Postsack wegzubringen, ging ich zwei-, dreimal die Woche ins Metropolis in die Vorstellungen. So entdeckte ich meine Faszination fĂźr Filme. Nach Studium und Regieassistenzen habe ich erst mit 29 Jahren an der Filmakademie in Ludwigsburg in BadenWĂźrttemberg studiert. Man muss schon ziemlich durchhalten in diesem Beruf, ein bisschen verrĂźckt und grĂśĂ&#x;enwahnsinnig sein, denn es ist sehr, sehr anstrengend. Es gibt dann natĂźrlich auch Talente wie Steven Spielberg, aber die meisten haben sich das angelernt. Man muss an sich arbeiten und wird mit jedem Film besser.
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stellung in den USA gegenßber einem Menschen und seinen Ideen finde ich immer noch sehr beeindruckend, auch wenn ich vieles andere kritisch sehe. Das gibt einem auch zu denken: Die Deutschen sind manchmal ziemliche Bedenkenträger. Das Zweite, was mich sehr beeindruckt hat: die Hilfsbereitschaft und soziale Einstellung in der Gemeinschaft.
9HUELQGHVW GX PLW GHLQHU $UEHLW 0HQVFKHQ" Man kann sehr viel lernen in einem Kinofilm, es wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Kultur und Geschichte. Im Film kann man Grenzerfahrungen machen, Werte vermitteln – es gibt eine emotionale Bildung, auch wenn das jetzt ein wenig pathetisch klingt. Ich glaube, dass Filme die Welt besser machen kÜnnen. Als Regisseur bin ich immer Zuschauer meiner selbst, ich gehe emotional immer sehr mit. Ich weine auch am Set, wenn mich etwas berßhrt. Was wichtig ist, ist Teamarbeit: Zurzeit drehen wir in Hudson auf einem Fischkutter, auch so eine Erfahrung mit Gestank und der Enge. Aber wir schaffen jetzt etwas gemeinsam. Und es ist immer wieder ein Wunder zu sehen, wie sich das alles zusammenfßgt. Das ist eines der Geheimnisse, warum ich diesen Beruf mag: Dass man etwas schafft und am Ende ein abgeschlossenes Produkt hat – etwas, was bleibt.
+žWWHVW GX LUJHQGHWZDV DQGHUV JHPDFKW" Ich hatte mich mit 21 Jahren bereits einmal an der Filmhochschule beworben
und wurde abgelehnt – ich kannte auch gar keine Leute, die sich mit dem Metier auskannten, und kam mit sehr naiven Konzepten an. Manchmal klappt so etwas und manchmal nicht. Ich persÜnlich kann mir auch manchmal andere Dinge vorstellen, man muss nicht unbedingt Filmregisseur sein. Als Kßnstler geht man ja oft einen radikalen Weg und kann sich nichts anderes vorstellen als seine Arbeit. Mittlerweile rede ich aber auch gerne mit einem Versicherungskaufmann ßber seinen Beruf und finde das sehr gut und interessant. Der Film ist immer so eine schillernde Welt, die zieht Menschen an, die auch schillernd sind. Aber im Endeffekt: Wenn man auf dem Fischkutter zusammenhockt, mit hohem Wellengang, da ist dann nichts mehr schillernd. Generell kommt man zu ganz neuen, menschlichen Einsichten, den Grundemotionen des Lebens – das ist ja auch Film. Frßher war ich ein sehr rationaler Typ – ich habe mich durch meine Arbeit emotional entwickelt.
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Sebastian Grobler đƍ 5"%!( ÄŒĆŤ %**!/+0 ĆŤÄ ÄŠÄ‰Ä…ÄĽÄ‰Ä†ĆŤ đƍ %01.ĆŤ 1) +( 0ÄĄ 5)* /%1)ÄŒĆŤ //!* đƍ %2%( %!*/0ĆŤĆŤ !%ĆŤ ĆŤ%*ĆŤ ) 1.#ĆŤĆŤ đƍ ĆŤÄ ÄŠÄ‰ÄŠĆŤ %/ĆŤÄ ÄŠÄŠÄ†ĆŤ 01 %1)ĆŤ !.) *%/0%'ÄŒĆŤ $3!.,1*'0ĆŤ $! 0!.ĆŤ1* ĆŤ ! %!*ÄŒ Psychologie und Geschichte an der Universität Hamburg đƍ ĆŤ !#%! //%/0!*6!*ĆŤ1*0!.ĆŤ * !.!)ĆŤ !%)ĆŤ / .ÄĄ*+)%*%!.0!*ĆŤ %()ĆŤÄ› !*/!%0/ĆŤ !.ĆŤ 0%((!Ä—ĆŤ2+*ĆŤ .+(%*!ĆŤ %*'ÄŒĆŤ !)ĆŤ TV-Mehrteiler „Der KĂśnig von St. Pauli“ von Dieter Wedel und am Hamburger Theater Kampnagel đƍ Ä ÄŠÄŠÄˆĆŤ %/ĆŤÄ‚Ä€Ä€ÄƒĆŤ %() ' !)%!ĆŤ !*ÄĄ Ă˜.00!) !.#ĆŤ%*ĆŤ 1 3%#/ 1.# đƍ !#%!ĆŤ1ċƹ ċƍ !%ĆŤÄ› .%!*$+"Ä—ÄŒĆŤÄ› 01.)ĆŤ !.ĆŤ %! !Ä—ĆŤ1* ĆŤÄ› %!ĆŤ ((!./ƍĢƍ %*!ĆŤ $3 .63 ( " )%(%!Ä— đƍ Ä‚Ä€Ä Ä ĆŤ!./0!.ĆŤ %*+"%()ĆŤÄ› !.ĆŤ# *6ĆŤ#.+Ăş!ĆŤ . 1)Ä—ĆŤ1ċƹ ċƍ)%0ĆŤ *%!(ĆŤ .Ă˜$(ÄŒĆŤ 4!(ĆŤ . $(ĆŤ1* ĆŤ 1.#$ .0ĆŤ ( 1Ăş*!. đƍ ! /0% *ĆŤ .+ (!.ĆŤ%/0ĆŤ2!.$!%. 0!0ÄŒĆŤ$ 0ĆŤ63!%ĆŤ ÂŽ$*!ĆŤ1* ĆŤ(! 0ĆŤ%*ĆŤ !.(%*
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Ingo Lies (USA 1984/85) ist in seinem Leben schon viel herumgekommen in der Welt. Seinen SpaĂ&#x; am Reisen und seine Faszination fĂźr fremde Länder und Kulturen hat er letztendlich sogar zum Beruf gemacht.
Interview %HQHGLFW :HVNRWW | Fotos SULYDW
„Das Leben genieĂ&#x;en kann man nur dort, wo Leben ist.“ Dieses Credo ist seit nunmehr 17 Jahren die Philosophie von Ingo und seiner Chamäleon Reisen GmbH. Dem Grundsatz entsprechend bietet Ingo Ăźber seine Firma ausschlieĂ&#x;lich Ăśkologisch, kulturell und sozial verträgliche Reisen an und arbeitet dafĂźr eng mit seinen Partnern vor Ort zusammen. Nachhaltigkeit soll bei den Reisen nicht nur als Alibi in den Prospekten stehen, sondern fester Bestandteil der Leistung sein. Eingegliedert ist deshalb auch die Chamäleon-Stiftung. Neben der UnterstĂźtzung der lokalen Strukturen durch nachhaltigen Tourismus fĂśrdert sie bis heute weltweit 32 soziale und Ăśkologische Projekte. Auf den Reisen besteht so die MĂśglichkeit, die Projekte, die durch die Reise gefĂśrdert werden, vor Ort zu besuchen.
,QJR ZLH ELVW GX ]X $)6 JHNRPPHQ XQG ZDV KDVW GX EHL $)6 ELVKHU JHPDFKW" Ein Schulfreund von mir war damals ein Jahr in den USA. Dadurch bin ich auf den Austausch gekommen und mit AFS hat es dann zum GlĂźck geklappt. So war ich 1984/85 fĂźr ein Jahr in Cincinnati, Ohio. Danach habe ich vier Jahre im Komitee Braunschweig in allen Bereichen mitgearbeitet und meine Familie hat Ăźber verschiedene Organisationen Ingo Lies im Regenwald von Ecuador
einige Kurzzeit-Gastschßler aufgenommen. Seit ein paar Jahren bin ich jetzt als Alumnus hier und dort mal aufgetaucht und seit 2010 vergebe ich mit der Chamäleon-Stiftung jährlich ein Stipendium fßr einen Austauschschßler in HÜhe von 4.000 Euro.
:LH KDW $)6 GLFK LQVSLULHUW" Mein Austauschjahr hat mir die Augen fĂźr die Welt geĂśffnet und mich zum anschlieĂ&#x;enden Welterkunden motiviert. Ich war während des Studiums jedes Jahr vier bis sechs Monate in der Welt unterwegs, teilweise auch bei AFS-Freunden.
:HOFKH $)6 (UOHEQLVVH KDEHQ GLFK DP PHLVWHQ JHSUžJW" Der Zusammenhalt unter den 30 Austauschschßlern aus der ganzen Welt im AFS-Chapter in Cincinnati war beeindruckend. Wir haben uns mindestens einmal im Monat getroffen, mit einigen auch häufiger. Aber auch zum ersten
Mal ganz auf mich selbst gestellt zu sein war sehr wichtig fĂźr meinen Reifeprozess.
:HOFKH 5ROOH KDW GHLQH $)6 (UIDKUXQJ EHL GHU *UĂ–QGXQJ GHU &KDPžOHRQ 5HLVHQ *PE+ XQG GHU &KDPžOHRQ 6WLIWXQJ JHVSLHOW" Ohne mein AFS-Jahr in den USA hätte ich den Schritt in die Selbstständigkeit sicher niemals gewagt. Chamäleon Reisen habe ich 1996 gegrĂźndet, von Anfang an mit vielen sozialen Ideen und Bestandteilen auf den Reisen „zu den Menschen“. Seit letztem Jahr gibt jetzt auch die Chamäleon-Stiftung diesen sozialen Aspekten ein sichtbares Fenster. Und auch die Umweltaspekte haben mich als Mitglied der GrĂźnen immer interessiert. Seit vielen Jahren kaufen wir zum Beispiel fĂźr jeden Reisegast 100 m² Regenwald, anfangs in Costa Rica und seit 2010 Ăźber unsere eigene Stiftung „Rainforest Foundation Pastaza“ in Ecuador.
Die nächste Reise kann unter www.chamaeleon-reisen.de geplant werden. Die Seiten der Stiftungen finden sich unter www.chamaeleon-stiftung.org und www.rainforest-foundation-pastaza.org.
Ingo mit Chamäleon-Stipendiatin Cao Hong Hanh aus Vietnam
Schwerpunkt
Yassin Musharbash war 1993/94 in SĂźdafrika. Nach dem Studium der Arabistik und Politologie in GĂśttingen arbeitete Yassin zunächst bei taz und Spiegel Online, wo er sich vor allem mit Terrorismus und den aktuellen UmbrĂźchen in der arabischen Welt beschäftigte. Heute ist er Redakteur im Investigativ-Ressort der „Zeit“ sowie Schriftsteller.
Interview )ORULDQ $XH | Fotos .LHSHQKHXHU :LWVFK
+DWWHVW GX DP (QGH GHLQHV $XVWDXVFK MDKUHV JHDKQW LUJHQGZDQQ PDO EHL GHU d=HLWo ]X DUEHLWHQ" So präzise wusste ich es noch nicht, aber ich konnte mir damals schon vorstellen, Journalist zu werden – also auf jeden Fall etwas mit Schreiben. Lustigerweise bekam ich nach meiner Rßckkehr plÜtzlich die taz nach Hause. Die Mutter eines Mit-AFSers, der auch mit mir in Sßdafrika gewesen war, hatte mir ein Abo spendiert – und so hatte ich als Returnee mein erstes Zeitungsabo, das war natßrlich super (lacht) – auch so eine kleine AFS-Geschichte.
:DV PDFKVW GX DOV LQYHVWLJDWLYHU 5HGDNWHXU JHUDGH LQ GLHVHP 0RPHQW" Gerade recherchiere ich zwei Geschichten parallel: eine ßber organisierte Kriminalität und die zweite ßber mangelnde Transparenz in der Forschung.
*LEW HV )žKLJNHLWHQ RGHU (LQVLFKWHQ DXV GHP -DKU GLH GLU KHXWH LQ GHLQHP %HUXI QĂ–W]OLFK VLQG" Ja total, neben Englisch, das ich in SĂźdafrika gelernt habe, habe ich einen ersten ziemlich guten Einblick bekommen, wie man im angelsächsischen Raum debattiert und diskutiert – dank meiner debattierfreudigen, akademisch angehauchten Gastfamilie. Ich bin ja heute auch relativ häufig auf internationalen Konferenzen zum Thema Terrorismus und da fällt es mir leicht, mit Briten oder Amerikanern ein Gespräch zu fĂźhren, ohne dass es schwerfällig wäre. Das Zweite ist, dass man entspannter ist, irgendwo auf der Welt mal hinzufahren. Das war ja die groĂ&#x;e Erfahrung, die ich in SĂźdafrika gemacht habe: nette Leute, die helfen, wenn man sich verläuft. Und dass es
auch am anderen Ende der Welt Taxis gibt und Flugzeuge, die fliegen – dass es schon gut geht. Sodass man sich nicht gleich in die Hose macht, wenn jemand fragt „Kannst du mal eine Reportage in Moldawien machen?“ oder meinetwegen auch im Gazastreifen.
/žXIVW GX RGHU OžXIW GLU $)6 DE XQG ]X QRFK ÖEHU GHQ :HJ" Was total interessant ist, dass man immer mal wieder ehemaligen Austauschschßlern begegnet, irgendwann im Gespräch stellt man fest: Der ist AFSer oder YFUler – und da ein AFSer dem anderen in der Regel traut, ist das eigentlich eine ganz gute Sache fßr mich als Journalist. Ich habe immer noch ein kleines, aber feines Netzwerk von AFSern, mit denen ich nicht nur digital befreundet bin. Mit der eigenen Familie erwischt man sich bei dem Gedanken, dass die Kinder ja bald mal AFSer sein kÜnnten oder man selbst Gastfamilie wird.
Das SchĂśne ist, ich habe gerade vor zwei Monaten meinen Gastbruder nach 17 Jahren wiedergetroffen. Es war wieder wie am ersten Tag, es war echt so, als hätten wir uns seitdem jede Woche getroffen. Und wir beide haben nun Jobs, die uns mal jeweils in das andere Land bringen. Aber es ist schon so, dass es besondere Freundschaften sind, die zusammenschweiĂ&#x;en.
*LEW HV LUJHQGHWZDV ZDV GX EHUXIOLFK QRFK HLQPDO DQSDFNHQ P�FKWHVW" Wenn man einmal Blut geleckt und länger im Ausland gelebt hat, dann kann man sich das immer wieder vorstellen. Mein Auslandsjahr im Studium ist jetzt auch schon wieder zehn Jahre her. Man spßrt eine dauerhafte Unruhe. Ich glaube, man versucht diese Erfahrung – eine Mischung aus Aufregung, Neugierde und Fernweh – immer mal zu wiederholen, weil sie wirklich so durchschlagend und so entscheidend gewesen ist. Die mÜchte man wiederhaben und wiedererleben. derer
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Buchempfe
sharbash: n Yassin Mu „Radikal“ vo genheit, Ăźber Vergan Politthriller des und Zukunft Gegenwart . Terrorismus Genre: Erschienen: Umfang: Verlag: ISBN
Thriller 2012 400 Seiten er & Witsch Kiepenheu 33 8 9 978346204 HORIZONTE | 19
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Hilde Schramm (USA 1952/53) hat eine lange Reihe von sozialen Engagements als Stifterin, Vereinsvorsitzende, Leiterin, Autorin und Abgeordnete vorzuweisen. Die Motivation für dieses Engagement speist sich nicht nur aus ihren interkulturellen Begegnungen, sondern auch aus der Geschichte ihrer Familie.
Text %HQHGLFW :HVNRWW | Foto SULYDW
Hilde Schramm ist ein viel beschäftigter Mensch. Ihre Lebensenergie und ihr Enthusiasmus sind mit 77 Jahren noch lange nicht aufgebraucht. Im Rückblick finden sich für ihre vielfältigen Engagements zwei entscheidende Motivatoren: ihr Auslandsjahr mit AFS und die Distanzierung von ihrem Vater Albert Speer, einer der zentralen Figuren des Dritten Reichs. In den Nürnberger Prozessen wurde Speer 1946 wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt. Als ihr Vater bereits im Gefängnis saß, wollte Hilde mit einem Stipendium für ein Jahr in die USA, doch die US-Regierung verweigerte ihr wegen ihres Vaters das Einreisevisum. Nach großer Kritik der Öffentlichkeit und dank der Bemühungen von Stephen Galatti, dem amerikanischen AFSer der ersten Stunde, konnte Hilde letztlich aber doch ein Jahr in Hastings-on-Hudson, NY, verbringen. „In den USA habe ich in einer Quäkerfamilie gelebt. Mit ihrer moralischen Rigidität im Alltag hatte ich einige Schwierigkeiten: nur klassische Musik, kein Fernseher, keine Partys mit Jungen. Aber so manche gesellschaftskritische Einstellung meiner Gasteltern imponierte mir. Sie ermutigten mich, an zwei Quäker-Workcamps in den Slums von Philadelphia und New Haven teilzunehmen. Die Berührung mit dem dortigen 20 | HORIZONTE
Elend bewahrten mich vor einer Idealisierung der USA.“
in den 80er-Jahren war Hilde auch ehrenamtlich schon immer sehr aktiv.
Nach ihrer Rückkehr baute Hilde das Komitee in Nordbaden auf und studierte nach dem Schulabschluss Germanistik, Latein und Soziologie. „Gleich als Referendarin ging ich 1966 ins Planungsteam für die erste Gesamtschule in Berlin. Das amerikanische Schulsystem hatte mich mehr überzeugt als unser dreigliedriges Schulsystem. Zumindest meine Highschool verband ein hohes akademisches Niveau mit Chancengleichheit. Zu den unvergessenen Erinnerungen an die gelebte Demokratie an der Schule gehört, dass meine Mitschüler nie nach meinem Vater fragten. Nur ich zählte, nicht meine Herkunft. Später als Erziehungswissenschaftlerin standen die Schulerfahrungen in Hastings lebendig vor mir.“
Nach der Wiedervereinigung baute sie die Brandenburgische „Regionale Arbeitsstelle für Ausländerfragen“ auf, die sich in Projekten gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Gewalt engagiert. Außerdem schuf sie mit dem Verkauf ihres Anteils an der Kunstsammlung ihres Vaters die Grundlage für die Stiftung „Zurückgeben“. Albert Speer hatte die Bilder aus jüdischem Besitz in der NS-Zeit auf dem Kunstmarkt erworben. Grundlegend für die Stiftung „Zurückgeben“ ist das Bewusstsein über die ökonomischen und sozialen Nachwirkungen des Holocaust für die jüdischen Familien in Deutschland. Bis heute unterstützt und fördert die Stiftung jüdische Frauen, die künstlerisch oder wissenschaftlich arbeiten und eine Starthilfe benötigen. Bisher hat die Stiftung rund hundert Arbeitsstipendien und Projektzuschüsse vergeben. Für ihr Engagement erhielt sie 2004 den MosesMendelssohn-Preis der Stadt Berlin.
Neben einigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen erschien von ihr im letzten Jahr das Buch „Meine Lehrerin, Dr. Dora Lux“. Es ist die Biografie ihrer jüdischen Lehrerin nach dem Ersten Weltkrieg. Lux war eine der ersten 50 Frauen, die in Deutschland Abitur machten, und beeindruckte Hilde nachhaltig. 1968 gründete Hilde mit elf Freunden eine Hausgemeinschaft in einer großen Berliner Villa, in der sie auch heute noch zu Hause ist. Zusätzlich zu ihrer Tätigkeit als Abgeordnete für die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus
Ein weiteres Engagement gilt dem Verein Kontakte/Kontakty, der sich humanitär unter anderem für Opfer des NS-Regimes in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion einsetzt. All ihre Engagements hält Hilde für selbstverständlich, Zurückgeben und Unterstützen sind feste Bestandteile ihres Lebens.
Schwerpunkt / Forum
Dorothee Bär war 1995/96 in den USA. Nach ihrem Abitur 1999 am Franz-Ludwig-Gymnasium in Bamberg studierte sie als Stipendiatin der Hanns-Seidel-Stiftung Politikwissenschaft in München an der Hochschule für Politik und am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Sie ist seit 2009 stellvertretende Generalsekretärin der CSU. Seit 2010 ist sie außerdem Vorsitzende des CSU-Netzrates und von CSUnet, einem virtuellen Verband der CSU.
Interview )ORULDQ $XH | Foto SULYDW
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:HOFKH (UIDKUXQJHQ DXV GHP $XVWDXVFKMDKU KHOIHQ EHUXIOLFK ZHLWHU"
Ich bin Mitglied des Deutschen Bundestages.
Als Bundestagsabgeordnete habe ich häufig mit internationalen Gesprächspartnern zu tun. Hier hilft mir die interkulturelle Kompetenz, die ich in meinem Austauschjahr ausbauen konnte. Vieles, was im Bereich der internationalen und nationalen Politik passiert, wird von der internationalen Presse kommentiert oder wird erst einmal in einem englischsprachigen Paper publiziert. Hier helfen mir meine Englischkenntnisse dabei, schnell und unmittelbar informiert zu sein. Die amerikanische Politik beeinflusst aufgrund der Größe und der Wirtschaftskraft der USA die ganze Welt. Meine Erfahrungen im Austauschjahr helfen mir dabei, bei der Bewertung von
:LH ELVW GX ]X GHU DNWXHOOHQ 3RVLWLRQ JHNRPPHQ" Ich wurde im Bundeswahlkreis Bad Kissingen direkt gewählt.
gesellschaftlichen und politischen Ereignissen auch die amerikanische Perspektive zu verstehen.
:DV ZLOOVW GX LQ GHLQHP %HUXI XQEHGLQJW QRFK HLQPDO XPVHW]HQ" Es gibt eine Menge gesellschaftliche Ziele, die wir noch nicht erreicht haben. Ich will dabei mitwirken, dass wir diesen ein ganzes Stück näher kommen. Ein besonderes Anliegen ist mir eine größere Familienfreundlichkeit in Deutschland.
+¾WWHVW GX LUJHQGHWZDV YLHOOHLFKW JHUQH DQGHUV JHPDFKW" Anders nicht, aber noch manches mehr. Leider kann ich zu einer Zeit nur an einem Ort sein.
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Im Jahr 2001 kreuzten sich die Wege zweier Göttinger AFSer ausgerechnet in einem Land, in dem AFS nicht mehr existierte. Das Land war Bosnien und Herzegowina, die AFSer waren Inge Rauschning und Christian Steiner. Sie waren aus familiären bzw. beruflichen Gründen nach Sarajevo gekommen und beschlossen, AFS in das junge Land zurückzubringen. Bereits ein Jahr später kamen die ersten sechs AFSer aus Bosnien und Herzegowina nach Deutschland, unter anderem nach Göttingen. 2012 fand dann sogar anlässlich des zehnjährigen Bestehens von AFS Bosnien und Herzegowina das jährliche Treffen der Geschäftsführer aller europäischen AFS-Organisationen, die in der European Federation of Intercultural Learning (EFIL) zusammengeschlossen sind, und Inge überbrachte die Glückwünsche von AFS Deutschland. Bis heute haben bereits mehr als 100 Schüler aus Bosnien und Herzegowina am Jahresprogramm in Deutschland und vielen weiteren Gastländern in Europa teilgenommen.
HORIZONTE | 21
Forum
Habt ihr euch mal vorgestellt, wie AFS aussehen wßrde, wenn der Verein eine einzige Person wäre? Nein? Ich mÜchte euch zu einer Reise in die Welt des Marketings einladen, in der davon ausgegangen wird, dass Vereine und Unternehmen mÜglichst eigenständige und einheitliche MarkenpersÜnlichkeiten sein sollen.
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Also stellen wir uns AFS Interkulturelle Begegnungen e. V. als Person vor (wahrscheinlich facettenreich und etwas verrĂźckt), zu der eines Morgens der Partner sagt: „Du Schatz, ich glaube, du musst mal zum Friseur.“ Die unvermeidliche Folgefrage: „Nachschneiden oder neue Frisur?“ beschreibt ziemlich genau unsere Situation, als wir im November 2012 das Erscheinungsbild des Vereins analysiert haben. Es musste etwas getan werden, aber in welche Richtung? Hier ist ein Exkurs notwendig: Durch einen Beschluss der Delegiertenversammlung 2008, die AuĂ&#x;endarstellung des Vereins zu stärken und das Profil zu schärfen, wurde ein umfassender Prozess der Markenbildung angestoĂ&#x;en. Eine Umfrage unter AFSern, ein BrandingWorkshop mit Haupt- und Ehrenamtlichen sowie ein professioneller Markenbildungsprozess folgten. Prägende Charaktereigenschaften, die sich dabei herauskristallisierten, sind „engagiert“, „umsichtig“ und „wegweisend“ – zusammengefasst im Slogan „AFS inspiriert – ein Leben lang“. Daraus entwickelte sich das bekannte Corporate Design, 22 | HORIZONTE
das nun einer Ăœberarbeitung bedarf. AFS International vollzog zeitversetzt einen ähnlichen Prozess und kam zu den Markenwerten „Inspiring“, „Supportive“, „Trustworthy“ und „Connecting“ und zu dem Slogan „Connecting Lives, Sharing Cultures“. Das parallel entstandene Corporate Design haben mittlerweile 40 AFS-Partner adaptiert. ZurĂźck in den November 2012: Sollten wir also den 2008 eingeschlagenen DesignWeg weitergehen oder sollten wir das Corporate Design von AFS International Ăźbernehmen? Schnell stellte sich heraus, dass wir uns vom Slogan „AFS inspiriert – ein Leben lang“ nicht trennen wollen, denn der trifft die Wirkung von AFS sehr gut. Aber: Das Corporate Design von AFS International wirkt frisch und modern. Durch die Ăœbernahme dieses Designs kĂśnnen wir die ZugehĂśrigkeit zum weltweiten AFS-Netzwerk zum Ausdruck bringen, die uns von anderen Organisationen positiv unterscheidet. GlĂźcklicherweise gibt es nicht nur in Quizshows Joker fĂźr schwierige Fragen: Wir haben Beispiele des Corporate
Designs von AFS International auf AFSVeranstaltungen vorgestellt, um ein Stimmungsbild zu erhalten. Das Ergebnis war durchweg positiv, auch weil die Beispiele der Partner zeigen, dass das Design von AFS International sehr individuell sein kann. Und weil ein neuer Haarschnitt keine neue PersĂśnlichkeit macht, behalten wir nicht nur unsere Werte, sondern auch die Programmfarben Orange (Sending), Lila (Hosting) und GrĂźn (Freiwilligendienste) bei, sodass sich viel Vertrautes im Neuen wiederfindet. Was wird sich durch die Adaption des Corporate Designs ändern? Da weniger mit Farbflächen gearbeitet wird, werden die Seiten heller und „luftiger“ erscheinen. Farben werden als Balken verwendet, die eines der prägendsten Elemente des neuen Corporate Designs sind. Sie korrespondieren mit den Fotos, die auch freigestellt werden dĂźrfen. Das Fazit ist also: Das Design ändert sich, die Identität bleibt. Und wie geht es jetzt AFS nach dem Friseur? „Schatz, du siehst jetzt zehn Jahre jĂźnger aus, aber ich liebe dich immer noch.“
Forum
In der Weihnachts-HORIZONTE 2012 hatten wir angekĂźndigt, dass es ab dieser Ausgabe mĂśglich sein wird, die HORIZONTE auch digital zu lesen. Und so begrĂźĂ&#x;en wir heute 1.466 AFSer, etwa ein Drittel unserer Leserschaft, online. Besonders gefreut hat uns die hohe Resonanz auf unsere Abo-Umfrage im April. Ăœber 60 Prozent, also fast 2.500 der angeschriebenen Leser, haben geantwortet und sie haben nicht nur festgelegt, wie sie die HORIZONTE in Zukunft erhalten mĂśchten, sondern auch die Gelegenheit genutzt, uns Feedback zu geben. Vielen Dank an dieser Stelle fĂźr das Lob, den Dank und die ermunternden Worte. Besonders interessant war es zu hĂśren, wo die HORIZONTE Ăźberall gelesen wird – angefangen bei zum Kaffee, beim FrĂźhstĂźck oder als GutenachtlektĂźre Ăźber die S-Bahn bis hin zum WG-Klo war alles dabei. AuĂ&#x;erdem war es schĂśn zu
Der Verein AFS Interkulturelle Begegnungen e. V. hat 3.762 Mitglieder. Rund 3.800 ehrenamtliche Mitarbeiter setzen sich fĂźr die Umsetzung der AFS-Idee ein. (Stand: Juni 2013) GeschäftsfĂźhrender Vorstand Patrick Ulmer, Vorsitzender Alex Weiser, stellvertr. Vorsitzender Nils Ostendorf, Schatzmeister Mick Petersmann, GeschäftsfĂźhrer Herausgeber AFS Interkulturelle Begegnungen e. V. Friedensallee 48, 22765 Hamburg Postfach 50 01 42, 22701 Hamburg Tel.: 040 399222-0 ¡ Fax: 040 399222-99 E-Mail: info@afs.de ¡ Web: www.afs.de V. i. S. d. P. Florian Aue, horizonte@afs.de Redaktionsanschrift Florian Aue, Einumer StraĂ&#x;e 73, 31135
erfahren, dass die HORIZONTE auch weitergegeben wird, meistens freiwillig an Freunde und Interessierte, aber manchmal stibitzen anscheinend auch Familienmitglieder die neueste Ausgabe. Die Anregungen, die wir bekommen haben, besonders im Bezug auf die Bereitstellung einer E-Reader-freundlichen HORIZONTE-Version, haben wir aufgenommen und versuchen, alles so gut es geht umzusetzen. Wir freuen uns, die HORIZONTE weiter zu gestalten. Eure HORIZONTE-Redaktion
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Hildesheim, Tel.: 05121 7550905, Mobil: 0177 6725732, E-Mail: horizonte@afs.de Autoren und Mitarbeiter dieser Ausgabe Florian Aue, Christopher Braun, Nicole Brechmann, Bärbel Helmers, Alexander Kerkhoff, Biba Petzel, Linda Rotaeche, Saskia Schmidt, Anna Schnepper, Tristan Schulze, Christopher Stolzenberg, Patrick Ulmer, Ulrich Weiss, Benedict Weskott, Annika Wolfgram Gestaltung SPIDER Design GmbH, Sarah Winkelmann ISSN 1729-1410 Druck reset Grafische Medien GmbH Die Autorenschaft der nicht namentlich gekennzeichneten Beiträge liegt bei Mitgliedern der Redaktion. Namentlich
gekennzeichnete Texte geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. FĂźr den Inhalt der Texte sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. FĂźr unverlangt eingesandte Manuskripte, Zeichnungen und Fotos wird keine Haftung Ăźbernommen. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu kĂźrzen. Spendenkonto Bank fĂźr Sozialwirtschaft BLZ 251 205 10 | Konto 9 444 485 Oder online: www.afs.de/spenden Spenden sind steuerlich absetzbar Die AFS-Stiftung Die Stiftung (gegrĂźndet 1998) hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit regelmäĂ&#x;igen Zuwendungen aus den Zinsen des Stiftungskapitals die Aktivitäten von AFS zu unterstĂźtzen und durch die Vergabe von Stipendien den internationalen Jugendaustausch zu intensivieren. www.afs.de/afs-stiftung
Mit dem Schriftsteller Wladimir Kaminer hat AFS prominente Unterst端tzung bei der Gastfamilienkampagne 2013 gewonnen. Gesucht werden weltoffene Familien, die ab Anfang September rund 500 Jugendliche aus 端ber 50 L辰ndern ehrenamtlich f端r ein Schuljahr bei sich aufnehmen. www.afs.de/gastfamilie
www.afs.de