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acrevis invest, Ausgabe 01/21

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Ihre Anlageperspektiven

Staats- und Unternehmensverschuldung

Wie Sie als Anleger trotz steigender Schuldenlast langfristig und erfolgreich investieren können invest  03 · 2020

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Das Einzige, was man ohne Geld machen kann, sind Schulden.

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Zitat von Karl Pisa (26.3.1924 – 26.10.2015), österreichischer Journalist, Buchautor und Politiker


Geschätzte Leserin, geschätzter Leser Begegnen wir nicht alle in unserem Leben mindestens einmal der Herausforderung, Investitionen auch mit Schul­ den tätigen zu müssen ? Die Zukunft am Schopfe zu packen und in der Gegenwart zur Realisierung zu bringen, das entspricht dem vorwärtsorientierten Drang nach privater und geschäftlicher Selbstverwirklichung. Dass die gesunde Ein erfolgreiches Anlagejahr 2021, begleitet von bester Gesundheit, wünscht Ihnen Sandro Schibli Bereichsleiter Private Banking

Balance von erarbeitetem und erspartem Eigenkapital mit der Tilgungsfähigkeit einhergehen sollte, leuchtet ein. Und trotzdem – die Geschichte offenbart unterschied­lichste Ereignisse der Misswirtschaft durch Schulden. Lassen Sie sich in der ersten Ausgabe dieses Jahres von invest die Bedeutung von Schulden für Staat und Wirtschaft darlegen. Unsere vom Research & Advisory erstellte Analyse nimmt zusätzlich denkwürdige Ereignisse auf. Eine Stimme aus der Forschung wird Ihnen andererseits ihre Erwartungen zur Staatsverschuldung der Schweiz erläutern. Das Anlagejahr 2021 ist lanciert. Erfahren Sie anhand von konkreten Beispielen, wo unternehmerische Herausfor­ derungen hinsichtlich Schulden lauern. Aber auch, wo sich interessante Anlagemöglichkeiten bieten. invest  01 · 2021

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Mit einer differenzierten Betrachtung die Verschuldung als Chance wahrnehmen Aufgrund der Corona-Krise und der damit verbundenen Hilfspakete der Regierungen sehen sich die Staaten gezwungen, sich weiter zu verschul­ den. Auch Unternehmen müssen vermehrt Fremdkapital aufnehmen, um die Folgen der Pandemie zu bewältigen. Das Thema steigender Ver­ schuldung ist somit aktueller denn je. Dabei ist beispielsweise die Staatsverschuldung keineswegs ein neues Phänomen. Wie ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, existierte Staatsverschuldung bereits im Mittelalter. Bei einer gegenwärtigen Auseinandersetzung mit diesem Thema geht es in erster Linie darum, die Schulden eines Staates, aber auch diejenigen in der Privatwirtschaft differenziert zu betrachten, die richtigen Schlüsse aus der Vergangenheit zu ziehen und daraus ver­ lässliche Erkenntnisse für die Zukunft abzuleiten. Dies bietet die Chance für die Gesellschaft, gestärkt aus der jetzigen Krise hervorzugehen.

von Prasch Janphet Staatswesen sind fast immer verschuldet. Bereits im Mittel­ alter machten die Herrscher Schulden, um beispielsweise Kriege finanzieren zu können. Wenn es anschliessend um die Begleichung der Darlehen ging, liessen sie grosse Kreativität walten, um ebendies zu vermeiden. Obwohl es im Zeitalter des Absolutismus nicht unüblich war, Gläubiger zu betrügen oder einzusperren, wurde oftmals einfach die Option gewählt, Schulden schlicht nicht zu begleichen. Dies mit teils weit­ reichenden Folgen : • Reiche Italiener wurden zu Beginn des Hundertjährigen Krie­ ges ab 1337 zu den Banken Europas. Sie finanzierten unter anderem auch Ausgaben für Geschenke und Hof sowie Flotte und Militär der englischen Krone mit Krediten. Als der englische König Eduard III nach der verpatzten FrankreichInvasion im Jahre 1345 zahlungsunfähig wurde, gingen grosse italienische Finanzhäuser in Konkurs. Das war der Auslöser für eine der ersten internationalen Finanzkrisen. • Nach der gewaltsamen Machtübernahme der Bolsche­wiken in der Oktoberrevolution im Jahre 1917 weigerten sich diese, die Schulden des russischen Zaren zu übernehmen. In der Folge waren 1,5 Millionen französische Bürger, die in russische Staatsanleihen investiert hatten, ruiniert.

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Doch bevor die historische Entwicklung der Staatsver­ schuldung weiter durchleuchtet wird, ist es hilfreich zu ver­ stehen, wie die Mechanismen einer Staatsverschuldung im Grundsatz funktionieren.   Wie entsteht Staatsverschuldung ? Als Staatsverschuldung bezeichnet man die zusammen­ gefassten Schulden eines Staates, also die Verbindlichkeiten des Staates gegenüber Dritten. Sie resultiert aus einem Ungleichgewicht zwischen den (prognostizierten) Einnahmen und den Ausgaben. Plötzlich ausfallende Einnahmen bei­ spielsweise aus Steuern und Abgaben oder unvorhersehbare und unabdingbare Ausgaben können die Staatsverschuldung zusätzlich erhöhen. Auch Steueroptimierungsmodelle, die zu verringerten Staatseinnahmen führen, schlagen negativ zu Buche. Ausserdem können arg im Graubereich der legalen Steueroptimierung liegende Vorgehensweisen von Grossunternehmen, etwa durch Gründung von Briefkastenge­ sellschaften und Nutzung von Steueroasen, markante Ein­ nahmenausfälle verursachen. Weitere wesentliche Faktoren für die Staatsverschuldung stel­ len auch die von den Zentralbanken festgelegten Leitzinsen sowie die Korrelation zwischen Verschuldungsquote und BIP


dar. In der Eurozone wurde gemäss Maastricht-Kriterien¹ de­ finiert, dass die Verschuldung eines Landes maximal 60 % des BIP betragen darf. Aufgrund des jährlich steigenden BIP steigt damit auch die Grenze der Staatsverschuldung kontinuierlich an. Dieser Ansatz hat allerdings seine Tücken : Im Falle von Wirtschaftskrisen und einem damit verbundenen Rückgang des BIP entsteht ein Fehlbetrag, welcher nur mit zusätzlicher Staatsverschuldung ausgeglichen werden kann. Betragen die Schulden eines Staates über einen längeren Zeitraum ein Vielfaches des BIP, können aufgelaufene Zinsen und Kreditrückzahlungen nicht mehr bedient werden – es droht eine Staatspleite. Die Folgen davon wären weitreichend und umfassend : Viele staatliche Aufgaben wie innere und äussere Sicherheit, Gesundheitspolitik, Bildung und Forschung, aber auch die ganze Infrastruktur sowie der kulturelle Bereich wären betroffen. Im günstigsten Fall entstehen für die Bevölkerung nur Einschränkungen – im schlimmsten Fall werden Leistungen des Staates ganz gestrichen.

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Die Staatsverschuldung

wurde in der Vergangenheit mit Inflation bekämpft.

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In der Vergangenheit war das Risiko einer Staatspleite vor allem nach Kriegen oder Wirtschaftskrisen erhöht. Besonders nach den beiden Weltkriegen war die Staatsverschuldung einiger Länder massiv angestiegen. Es stellt sich nun die Frage, wie die betroffenen Staaten diesem Problem begegnen können. Inflation als Mittel zum Abbau der Staatsschulden nach den Weltkriegen Nach dem Ersten Weltkrieg war Deutschland hochverschuldet und sah sich gezwungen, immer mehr Geld zu drucken. Der Wert des Geldes verminderte sich dadurch massiv. Dies führte zu einer explodierenden Inflation und letztlich zum Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft und des Banken­ systems sowie zu einer Verarmung eines Grossteils der Bevölkerung. Nicht viel besser sah es nach dem Zweiten Weltkrieg aus – damals war die Staatsverschuldung sowohl in Deutschland wie auch in Frankreich enorm. Wieder schien Inflation ein probates Mittel zu sein, die Verschuldung zu tilgen. Und wie­ der war die Bevölkerung betroffen, die einen Grossteil ihrer Ersparnisse verlor. Zur Lösung der Misere und zugleich als Motor des Wiederaufbaus wurde der Marshallplan ²

kons­tituiert, mit dem die USA über 13 Milliarden Dollar nach Europa pumpten – hohe Wachstumsraten, niedrige Schulden und ein florierender Konsum waren die Folgen.   Die Entwicklung der Staatsverschuldung seit den 70er-Jahren Die USA lösten am 15. August 1971 die seit dem Zweiten Weltkrieg geltende feste Bindung zwischen dem Dollar und Gold auf. Gleichzeitig wurde das weltumspannende System der Währungsbindung (Bindung sämtlicher Währungen an den Dollar) aufgehoben, was zu einem drastischen Wert­ zerfall des Dollars führte. Dies wiederum hatte zur Folge, dass die Gewinne der ölfördernden Staaten massiv sanken (Ölkrise). Auf diese Entwicklung hin wurde mit massiven Preiserhöhungen von bis zu 70 % reagiert. Die Weltwirtschaft trat in eine Phase der Deregulierung und Liberalisierung. Steigende Staatsverschuldung war ab diesem Zeitpunkt in den meisten Industriestaaten kein aussergewöhnliches Phänomen mehr. Diese Entwicklung seit den 1970er-Jahren lässt sich auch mit der sich stetig ausweitenden Staats­ tätigkeit erklären. Gemäss dem Wagner’schen Gesetz ³ ist die Voraussetzung für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung ein Staat, der zunehmend einen Kultur- und Wohlstandszweck erfüllt. Das Wagner’sche Gesetz geht auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück – es hat aber bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüsst. Politische Konjunkturzyklen Für die zunehmende Staatsverschuldung seit den 1970erJahren gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Einer davon fokussiert auf politische Konjunkturzyklen. Die Theorie dieser Konjunkturzyklen besagt, dass Politiker mit Blick auf ihre Wiederwahl vor den Wahlen eine expansive Finanzpolitik ver­ folgen. Dabei erhöhen sie beispielsweise die Ausgaben – besonders solche, die für die Wählerinnen und Wähler sicht­ bar sind – oder senken die Steuerbelastung. In Zeiten hoher Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts BIP, wie dies in den 1950er- und 1960er-Jahren der Fall war, lässt sich dies leicht finanzieren, ohne weitere Massnahmen er­ greifen zu müssen. Anders in Zeiten schwächeren Wachs­ tums, wie seit den 1970er-Jahren. Hier verbleiben drei Möglichkeiten, eine expansive Staatstätigkeit zu finanzieren : Steuererhöhungen, Inflation oder Verschuldung. Steuer­ erhöhungen sind augenscheinlich nicht das bevorzugte Mittel für Politiker, die an einer Wiederwahl interessiert sind. Bleiben Inflation oder Verschuldung. In den 70er-Jahren wurde auf Inflation gesetzt. Diese Vorgehensweise war aber mit negati­ ven Folgen behaftet, sodass man ab den 1980er-Jahren auf eine zunehmende Staatsverschuldung setzte. Auch dieses System stiess in den 1990er-Jahren an seine Grenzen, die private Verschuldung nahm zu.

¹  Damit ein Land an der Währungsunion Euro teilnehmen kann, muss es bestimmte wirtschaftliche Kriterien erfüllen, durch welche die Stabilität der gemeinsamen Währung gesichert werden soll. Dabei handelt es sich um Kriterien, welche Haushalts-, Preisniveau-, Zinssatz- und Wechselkursstabilität gewährleisten sollen. ²  Der Marshallplan, offiziell European Recovery Program genannt, war ein grosses Aufbauprogramm der Vereinigten Staaten von Amerika, das nach dem Zweiten Weltkrieg dem an den Folgen des Krieges leidenden Westeuropa und den USA zugutekam. Von 1948 bis 1952 leisteten die USA bedürftigen Staaten der Organisation für europäi­ sche wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) Hilfen im Wert von insgesamt 13,12 Milliarden Dollar. Umgerechnet entspricht dies einem Wert von heute rund 139 Milliarden Dollar. ³  Das Wagner’sche Gesetz geht davon aus, dass das Wachstum der Staatsausgaben und Staatsquoten nicht bloss proportional, sondern überproportional zum Brutto­ sozialprodukt erfolge. Es ist benannt nach dem Ökonomen Adolph Wagner, der es formulierte.

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Finanz- und Euro-Schuldenkrise Als wichtige Faktoren fßr den Anstieg der Staatsverschuldung kÜnnen aus der jßngeren Vergangenheit die globale Finanz­ krise ab 2007 sowie die Euro-Schuldenkrise ab 2010 genannt werden. Um Banken zu retten oder heftige Schwankungen innerhalb des Konjunkturzyklus einzelner Ökonomien abzu­ mildern, wurden private Schulden vom Staat ßbernommen und Konjunkturpakete geschnßrt. Da sich die Wirtschaft aller­ dings nur langsam erholte und das Wachstum niedrig blieb, waren die Auswirkungen der Finanzkrise durchaus länger­ fristiger Natur. Die Steuereinnahmen blieben aufgrund nied­ rigerer Einkommen und gesunkener Unternehmens­gewinne erwartungsgemäss tief. Gleichzeitig belastete eine hÜhere Arbeitslosigkeit die Staatsausgaben zusätzlich. Besonders betroffen von dieser sogenannten Double-Dip-Rezession waren die Länder an der Peripherie Europas. Nach der Finanz­ krise 2007 blieb kaum Zeit, die Staatshaushalte zu konsoli­

dieren, was zu begrenzten fiskalpolitischen MÜglichkeiten in der Euro-Schuldenkrise ab 2010 fßhrte. Mangelnde Weitsicht dahingehend, dass mit der Euro-Einfßhrung verbundene Zins­ einsparungen nicht ausreichend zur Haushaltskonsolidierung genutzt wurden, machte die Situation nur prekärer. So haben es beispielsweise Griechenland, teilweise auch Italien und Portugal verpasst, ihre Schulden mit Hilfe dieser Zinseinspa­ rungen abzubauen. Weitsichtiger gingen Spanien und Irland vor – beide Länder konnten ihre Staatsverschuldungsquote stark senken.

Grafik 1: Staatsverschuldung in % des Bruttoinlandsprodukts per Ende 2019 nach der Berechnungsmethode des Internationalen Währungsfonds Ă‰ĂŒĂ‡ÄŤ

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Aktuelle Verschuldungssituation der Schweiz Ende 2019 betrugen die öffentlichen Schulden der Schweiz gemäss der Finanzstatistik der Eidgenössischen Finanzver­ waltung nach Maastricht-Kriterien berechnet über alle Staats­ ebenen hinweg 188 Milliarden Franken. Im Verhältnis zum BIP ergibt das eine Schuldenquote von 27 % (Bund : 12,7 % ; Kantone : 7,7 % ; Gemeinden : 6,6 % ; Sozialversicherungen : 0 %). International gesehen ist eine Verschuldung in diesem Umfang tief, insbesondere wenn man bedenkt, dass der staatliche Schuldenstand der Schweiz vor 15 Jahren noch um 80 % höher lag (Schuldenquote 2003 : rund 48 %). Vor allem der Bund konnte seine Verschuldung seither substanziell um über 30 Milliarden Franken abbauen. Die erfreuliche Wirt­ schaftsentwicklung und eine Einnahmensituation auf einem historischen Hoch begünstigten den Abbau. Eine besonders positive Auswirkung hatte auch die Schuldenbremse, die in den vielen wirtschaftlich guten Jahren die Haushaltsüber­ schüsse in den Schuldenabbau lenkte.

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Der Bund muss sich verschulden, um die Corona-Notmassnahmen zu finanzieren.

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Die prognostizierte Schuldenquote für 2020 lag bei 26 %; – die Corona-Pandemie dürfte dem Staat hier aber einen Strich durch die Rechnung machen : Zur Finanzierung der CoronaNotmassnahmen muss sich der Bund zusätzlich verschulden. Dank der soliden Haushaltslage wird die Verschuldung aber voraussichtlich tragbar bleiben, insbesondere auch im Ver­ gleich zu anderen Staaten. Um allerdings für allfällige weitere Krisen finanziell gewappnet zu sein, wäre es wichtig, auch diese neuen Schulden zu amortisieren. Die Ergänzungsregel der Schuldenbremse verlangt, dass auch «ausserordentliche Schulden» über die Zeit – regulär über einen Zeitraum von sechs Jahren – amortisiert werden müssen. Auch wenn diese Frist ausgedehnt werden kann, die Pflicht zur Amortisation ist richtig und wichtig. Denn auch in Krisenzeiten aufge­ nommene Schulden sind Schulden, die den Bund und damit uns alle belasten. Wie viel sich der Bund als Folge der Corona-Pandemie zu­ sätzlich verschulden muss, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollständig abschätzbar. Wichtige Parameter wie etwa die Inanspruchnahme der Kurzarbeitsentschädigung sind noch unbekannt, auch die Unterstützungen für Unter­ nehmen könnten punktuell noch ausgeweitet werden. Realis­ tische Schätzungen gehen aktuell von einem Mittelbedarf von gegen 6 Milliarden Franken aus – pro Monat. Je länger die Krise dauert, desto höher wird demzufolge der Mittel­ bedarf sein.

Grafik 2 : Staatsschulden der Schweiz – Szenarien hinsichtlich Zusatzverschuldung infolge der Corona-Krise für das Jahr 2020 ÉÌúÏī

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Quellen : Eidgenössische Finanzverwaltung (2020), Bundesamt für Statistik (2020), acrevis Investment Center

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Staatsverschuldung in der Schweiz Ein Interview mit Prof. Dr. Tobias Straumann Im Vergleich zu anderen Staaten wies die Schweiz Ende 2019 mit einer Verschuldungsquote von rund 27 % (nach Maastricht-Kriterien berechnet) eine relativ geringe Verschuldung auf. Wie lässt sich diese erfreuliche Situation erklären ? Es hat mit der Schuldenbremse zu tun, die 2001 mit überwältigender Mehrheit vom Schweizer Volk angenommen wurde. Sie verpflichtet den Bund, in guten Jahren Reserven zu bilden und Schulden abzubauen. Diese Reserven stehen uns heute zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise zur Verfügung.

Prof. Dr. Tobias Straumann Tobias Straumann studierte Geschichte, Sozio­

Kann somit die Aussage gemacht werden, dass die Schweiz bezüglich des Umgangs mit Staatsschulden eine Musterschülerin ist ? Ja. Aber wir sind nicht die Einzigen. Auch Deutschland, die Niederlande und die skandinavischen Länder haben tiefe Verschuldungsquoten.

logie und Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Zürich, Paris und Bielefeld. 1995 promovierte er an der Universität Zürich. Von 1995 bis 2000 arbeitete er als Journalist in Zürich, Zug und New York. 2007 wurde er Privatdozent an der Universität Zürich. Seit 2009 ist Straumann Lehrbeauftragter an der Wirtschaftswissen­ schaftlichen Fakultät der Universität Basel

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie muss der Bund kostspielige Krisen- und Hilfsmassnahmen ergreifen. Es werden, zwecks Abfederung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen, Milliarden von Franken bereitgestellt. Kann sich der Staat dieses Vorgehen grundsätzlich leisten ? Ja, er kann es sich leisten. Im Übrigen sind die ersten Prognosen bereits wieder nach unten korrigiert worden. Es kommt weniger teuer als ursprünglich befürchtet.

und seit Frühjahr 2014 Titularprofessor an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich. Sein Forschungsinteresse gilt vor allem der europäischen Geld- und Finanz­geschichte und der schweizerischen Wirtschaftsgeschichte.

Welche Massnahmen sind aus Ihrer Sicht notwendig, um die aufgrund der Corona-Krise aus dem Gleichgewicht geratene Situation der Staatsver­ schuldung in der Schweiz wieder in den Griff zu bekommen ? Wenn die Krise nicht schlimmer wird, müssen wir keine Massnahmen ergreifen. Die Schulden­bremse sorgt automatisch dafür, dass die Staatsverschuldung unter Kontrolle bleibt. Der BIP-Anteil der öffentlichen Schulden (Bund, Kantone, Gemeinden) wird auch nach der Krise noch weit unter der Maastricht-Grenze von 60 % liegen. Wagen Sie eine Prognose, wie lange es dauern wird, bis die Schweiz wieder den Verschuldungsstand von Ende 2019 erreicht hat ? Ich rechne mit mindestens zehn Jahren.

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Lösungsansätze zur Eindämmung der Staatsverschuldung Aufgrund der Corona-Pandemie schiessen die Schulden vieler Staaten weltweit in die Höhe. Ursächlich dafür sind tiefere Einnahmen aufgrund des Wirtschaftseinbruchs bei gleichzei­ tig erhöhten Ausgaben zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und zur Unterstützung angeschlagener Unternehmen. Lang­ fristig ist es entscheidend, ob ein Staat in der Lage ist, seine Verschuldung auch wieder abzubauen. Wie kann er dies bewerkstelligen ? Verschiedene Lösungsansätze sind möglich : • Schuldenbremse zur Dämpfung der Staatsverschuldung Eine Schuldenbremse reguliert die zulässigen Gesamt­ ausgaben in Abhängigkeit von den Einnahmen – der Staat darf demnach mittelfristig keine Verluste machen. Resul­tiert in wirtschaftlich schlechten Jahren ein Defizit, muss dieses in guten Jahren durch Gewinne wieder kompensiert werden. Über eine Zeitspanne von mehreren Jahren darf ein Staat folglich keine zusätzlichen Schulden anhäufen. • Kürzung der Ausgaben Unter der Voraussetzung, dass einerseits nicht Kriege oder drohende Staatspleiten enorme Kosten verursachen und andererseits die Wirtschaft deutlich wächst, sind auch star­ ke Einsparungen und Kürzungen möglich. In der Bevölke­ rung (und damit bei den Wählerinnen und Wählern) sind sol­ che Massnahmen jedoch äusserst unbeliebt, weshalb viele Politiker diese naheliegende Option verwerfen. Verschärfend kommt hinzu, dass sozial schwache und gefährdete Schich­ ten beispielsweise bei Kürzungen im Sozialbereich vermehrt in die Armut gedrängt werden. • Erhebung neuer Steuern Um die Ausgaben nicht senken zu müssen, sind die Einfüh­ rung neuer oder die Erhöhung bestehender Steuern probate Mittel, um das Ausgaben-Einnahmen-Gleichgewicht zu verbessern. Verständlich, dass auch solche Massnahmen in der Bevölkerung und in der Folge auch bei den Politikern nicht sehr populär sind. Zudem werden die Mehreinnahmen aus Steuern auch nicht zwingend immer zur Reduktion der Staatsverschuldung eingesetzt. • Inflation Eine der einfachsten Varianten und daher in der Vergan­ genheit ein (vermeintlich) durchaus sehr probates Mittel zur Reduktion der Staatsverschuldung ist das Drucken von zusätzlichem Geld. Obwohl man damit die Schulden vor­ über­gehend bequem begleichen kann, führt dieser Ansatz zwangsläufig zu einem weiteren Problem : einer Inflation. Gibt der Staat hier nicht Gegensteuer, kann daraus eine Hyper­ inflation entstehen, deren Konsequenzen für die Wirtschaft und die Bevölkerung nicht weniger prekär sein dürften. • Verkauf von Staatseigentum Ein weiterer Ansatz ist die Liquidierung von beweglichem (z. B. Gold) und unbeweglichem (z. B. Privatisierung der Autobahnen) Vermögen. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten, da solche Massnahmen meist nur punktuell wirken und auf lange Sicht keine positiven Geschäfte darstellen.

• Wirtschaftswachstum Ein starkes, solides Wirtschaftswachstum ist die ange­ nehmste Art und Weise, die Staatsverschuldung zu senken, da dadurch auch die Steuereinnahmen steigen. Um die Staatsverschuldung zu reduzieren, ist es aber zwingend erforderlich, dass die Mehreinnahmen zur Reduktion be­ stehender Schulden eingesetzt werden. All diese Ansätze verpuffen jedoch, wenn sich der Staat gleichzeitig wieder verschuldet. Folglich ist der erste Schritt zur Schuldenbekämpfung stets, keine neuen Schulden zu generieren.

Sind Schulden per se immer schädlich ? Viele Menschen assoziieren mit dem Wort Schulden etwas Schlechtes, potenziell Schädliches. Doch weshalb genau sol­ len Schulden schädlich sein ? Und sind sie es in jedem Fall ? Die Beantwortung dieser Fragen ist trotz dem offenkundigen Unbehagen, das viele Menschen im Zusammenhang mit dem Begriff Schulden befällt, nicht ganz trivial. Schulden haben durchaus auch eine ökonomische Existenzberechtigung, denn die Schulden des einen sind stets die Forderungen des ande­ ren. Dass das Kreditwesen die Wohlfahrt eines Wirtschafts­ systems steigert, ist unbestritten – nur so kann Kapital, das an einer Stelle gerade nicht benötigt wird, an eine andere Stelle transferiert werden. Somit steht es dort zur Verfügung, wo es produktiv zum Einsatz kommen kann, mit dem Re­ sultat, dass sich der Wohlstand insgesamt steigert. Die Sichtweise, dass Schulden in jedem Fall schädlich sind, greift deshalb zu kurz. Ein gut funktionierendes Schulden­ wesen stellt vielmehr ein öffentliches Gut dar, welches die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft steigert. Problematisch wird es allerdings dann, wenn Schulden offensichtlich nicht mehr zurückbezahlt werden können – aus welchen Grün­den auch immer. Halten sich die partizipierenden Parteien nicht an die Spielregeln, leidet die Reputation der «Institution Schulden». Und eine schlechte Reputation bedeutet weniger Kredite, ohne welche die Wirtschaft nicht in gleichem Masse gedeihen kann.

Fluch und Segen der Verschuldung in der Privatwirtschaft In der Privatwirtschaft haben sowohl Schuldner als auch Gläubiger (oder Anleger) grundsätzlich die gleichen Interes­ sen. Der Schuldner möchte mit einem Kredit in der Regel seine Erträge mittels Investitionen optimieren. Der Gläubiger hingegen möchte das zur Verfügung gestellte Kapital fair verzinst wissen. Beide Parteien wollen somit mit ihrem Han­deln einen finanziellen Profit erzielen. Ob dieses Vorhaben aber am Schluss für alle Involvierten aufgeht, hängt sehr stark davon ab, wie mit der frei verfügbaren Liquidität umge­ gangen wird. Dies wird nachfolgend anhand von zwei kon­kreten Beispielen veranschaulicht. Lange wurde die Swissair aufgrund der hohen Reserven und ihrer gesunden Kapitalstruktur als «fliegende Bank» be­ zeichnet. Durch das «Nein» des Schweizer Stimmvolks zu

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den EWR-Verträgen am 6. Dezember 1992 wurde der Swiss­ air der freie Zugang zum europäischen Markt verwehrt. Statt nun mit jedem EU-Mitgliedstaat die Verkehrsrechte bilateral verhandeln zu müssen, sah die Ende 1997 entwickelte Hunter-Strategie Allianzen mit nationalen Fluggesellschaften in Europa vor. Die beabsichtigte Expansion der Swissair war auf Länder, Flughäfen und Märkte mit grossem Wachstumspotenzial fokussiert (Belgien, Österreich, Finnland, Ungarn, Portugal und Irland) und nicht auf die reifen Märkte wie Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Italien. Die Hunter-Strategie war nicht als aggressive Akquisitionsstrategie, sondern als moderate Beteiligungsstrategie mit klaren Minderheitspositio­ nen (10–30 %) und definiertem Kapitalbedarf (300 Millionen Franken) vorgesehen. Doch die Strategie wurde von Beginn weg nicht konform umgesetzt. So hat die SAirGroup die Mehrheit an Fluggesell­ schaften erworben, die nicht oder nur bedingt der Strategie entsprachen. Mit Ausnahme der polnischen LOT wiesen alle eine starke Sanierungsbedürftigkeit auf. Dies führte dazu, dass auch die Swissair sich massiv verschuldete. Das Budget wurde zudem von der SAirGroup erheblich überschritten ; statt 300 Millionen Franken betrug das Gesamtengagement am Ende 5,9 Milliarden Franken. Die Nichteinhaltung der strategischen Richtlinien führte im Jahre 2001 schliesslich zum Zusammenbruch der Swissair. Mit vorangetrieben wurde dieser Konkurs durch die allgemeine Krise der Luftfahrt­ branche aufgrund von Überkapazitäten, von sehr tiefen Mar­ gen sowie dem Terroranschlag vom 11. September. Der 2. Oktober 2001 markiert mit dem sogenannten «Grounding» den Höhepunkt der Krise : Mangels Liquidität mussten sämtliche Flüge annulliert und alle Flugzeuge stillgelegt wer­ den. Ein beispielloser Schock für die Schweiz.

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Die Aufnahme von Fremdkapital

kann das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlagen lassen.

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Weitaus erfreulicher ist die Geschichte in unserem zweiten Beispiel. Das im Jahr 1910 gegründete Schweizer Chemie­ unternehmen Sika, welches heute zu den weltweit grössten Konzernen für Produktion und Vertrieb von Produkten aus dem Bereich Bauchemie gehört, setzte schon früh auf eine Wachstumsstrategie. Bereits in den 1920er-Jahren expandier­ te Sika ins Ausland, um ihre Produkte über Vertriebspartner und Tochtergesellschaften zu vermarkten. Durch diese geo­ grafische Diversifizierung schaffte es das Unternehmen, dass die Ertragskraft und Wettbewerbsfähigkeit in den Kriegs- und Krisenjahren zwischen 1930 und 1950 kaum litt und der starke wirtschaftliche Aufschwung in der Nachkriegsära optimal genutzt werden konnte. Zusätzliche strategische Pfeiler des Unternehmens bilden seit Jahren Akquisitionen. Nach einem klar strukturierten Prozess werden potenzielle Übernahme­ kandidaten identifiziert und analysiert. Mit 50 übernommenen

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Firmen in den letzten zehn Jahren verfügt das Unterneh­ men über eine umfassende Expertise in der Akquisition und Integration. Unter anderem tätigte Sika mit der Akquisition des französischen Mörtelherstellers Parex (Kostenpunkt : 2,5 Milliarden Franken) im Jahr 2019 die grösste Übernahme in der Firmengeschichte. Dadurch wurde der Umsatz im Mörtelgeschäft um mehr als das Doppelte auf 2,3 Milliarden Franken gesteigert. Auch in Bezug auf die Innovationskraft investiert Sika viel Zeit, Arbeit und Geld. Allein 2019 haben die Forschungs­ teams der Sika Technology AG eine Vielzahl von bedeutenden Produktinnovationen entwickelt und 93 Patente angemeldet. Bei den Entwicklungen spielt die Nachhaltigkeit eine entschei­ dende Rolle. Dementsprechend erwähnte Urs Burckhardt, Head of Research der Sika Technology AG, einst : «Nachhaltig­ keit ist heute eine Grundvoraussetzung dafür, dass sich Sika mit innovativen Produkten und Dienstleistungen erfolgreich am Markt behaupten kann. Denn vor dem Hintergrund sich verknappender Ressourcen, wachsender Bevölkerung und steigender Temperaturen sind in der heutigen Zeit viele Inno­ vationen nachhaltigkeitsgetrieben – ganz nach dem Motto ‹more value – less impact›.» So konnte Sika im Geschäftsjahr 2019 seinen eigenen Energieverbrauch um 14,4 % senken und gleichzeitig seinen Reingewinn um 10,4 % erhöhen, den Umsatz sogar um über 14 %. Diese Zahlen sind ein Beweis dafür, dass auch ein Grossunternehmen wie Sika Innovation und Nachhaltigkeit mit Erfolg verknüpfen kann. Wie die beiden Beispiele von Swissair und Sika eindrücklich zeigen, kann die Aufnahme von Fremdkapital zur Umset­ zung der Unternehmensstrategie das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlagen lassen. Für eine ausgewogene Urteilsbildung, ob Schulden für ein Unternehmen eher Fluch oder doch Segen bedeuten, ist es relevant, die Ausgangslage differenziert und gesamtheitlich zu betrachten. In welchem Umfeld und in welcher Branche ist das Unternehmen tätig ? Generiert das Geschäft genügend hohe Margen, um Krisen­ zeiten zu überwinden ? Wie ist ein Unternehmen finanziell aufgestellt ? Ist Innovation ein fester Grundpfeiler der Firmenphilosophie oder tendiert ein Unternehmen dazu, seine Marktanteile zu verwalten ? Und nicht zuletzt : Für welche Art von Investitionen werden Schulden gemacht – handelt es sich beispielsweise um nachhaltige Investitionen, wie bei Sika, die langfristig einen positiven Cashflow erlauben ? Genaues Hinsehen beim Anlegen kann sich lohnen Auf den nachfolgenden Seiten erläutern wir Ihnen zwei Bei­ spiele aus Branchen, in denen längerfristig Gefahren lauern. Ausserdem präsentieren wir Ihnen drei Umsetzungsideen, die aus unternehmerischer Sicht auf gesunden finanziellen Bei­ nen stehen, mit ihrem Geschäftsmodell nachhaltige Kapital­ renditen erwirtschaften und somit auch für Anlegerinnen und Anleger attraktive Anlagemöglichkeiten darstellen.


Branchen, die besonders stark unter Druck stehen In Krisenzeiten trennt sich die Spreu vom Weizen. Nicht alle Branchen meistern neue Herausforderungen gleich erfolgreich. Die folgenden zwei Beispiele geben Einblick in Branchen, die von der Corona-Krise hart getroffen wurden und nun vor grossen Herausforderungen, wenn nicht gar vor einem fundamentalen Wandel stehen. Hier lohnt es sich für Anlegerinnen und Anleger, vor einer Investition in Unternehmen dieser Branchen genauer hinzuschauen. von Prasch Janphet Luftfahrtbranche

Erdölbranche

Während sich die Luftfahrtbranche sowohl nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 als auch nach Beginn der Weltfinanzkrise ab 2007 vollständig erholen und danach sogar ein zusätzliches Wachstum erzielen konnte, dürfte die Covid-19-Pandemie eine sehr viel grössere Auswirkung auf den Luftverkehr hinterlassen. Doch warum reagiert die Branche so hochsensibel auf die Corona-Krise ? Viele Fluggesellschaften haben in den letzten Jahren massiv in ihr Wachstum investiert, haben Flugzeuge gekauft (nicht geleast), Verbindungen ausgebaut, Preiskämpfe nicht nur im Kurzstreckensegment losgetreten und Überkapazitäten geschaffen. Damit haben sich die Airlines abhängig von einem hochvolatilen Massensegment gemacht. Dies hat die ohnehin schon tiefen Margen noch weiter verkleinert. Rückstellungen wurden, wenn überhaupt, nur sehr zurückhaltend gebildet. Stattdessen wurde ein Grossteil der Profite dazu verwendet, Aktien zurückzukaufen, um eher kurzfristig orientierte Investoren glücklich zu machen.

Wenn die Autos still stehen und Flugzeuge am Boden bleiben, dann herrscht Flaute bei der Nachfrage nach Benzin, Diesel und Kerosin : Ölkonzerne gehören zu den besonders von der Corona-Pandemie betroffenen Branchen und leiden massiv unter den Folgen der Rezession. Die gegenwärtige Krise hat unter anderem bei den Erdölriesen wie Exxon­ Mobil, Royal Dutch Shell, BP oder Total zu einer Senkung der mittel- und langfristig erwarteten Erdölpreise geführt. So mussten diese Unternehmen milliardenschwere Wertberichtigungen ankündigen. Ausserdem gaben verschiedene Ölmultis bekannt, dass sie aus Kostengründen bis Ende 2021 Tausende von Arbeitsplätzen abbauen werden. Die derzeitige Lage könnte ein Vorgeschmack auf einen permanenten Nachfragerückgang sein. Mittelfristig dürfte es zwar zu Preissteigerungen kommen, wenn wieder mehr gefahren und geflogen wird. Längerfristig stellt sich aber die Frage, ob die Corona-Krise nicht eine Verhaltensänderung verstärkt, die bereits durch die Klimadebatte angestossen wurde.

Nun steckt die Luftfahrtbranche in einer Zwickmühle. Die Fluggesellschaften müssen ihre Effizienz markant steigern, um weiterhin im Markt bestehen zu können. Wie soll dies aber in der Krise funktionieren, wo doch die finanziellen Mittel gerade mal für das Überleben reichen ? Experten gehen davon aus, dass eine signifikante Konsolidierung der Branche zu erwarten sei. Dies wird aber für die Zukunft mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht genügen. Im Zuge der losgebrochenen Klimadebatte wächst der Druck nach immer sparsamerem Fliegen und bringt den Luftverkehr zunehmend in Bedrängnis. Wirksame Lösungen sind aktuell noch keine in Sicht. Weder elektrisches Fliegen noch synthe­tische Kraftstoffe sind serienreif und die Entwicklung eines völlig neuen Jets ist sowohl technisch als auch finanziell eine gewaltige Herausforderung. Die Luftfahrtbranche befindet sich also auf einer äusserst turbulenten Reise – mit bis dato noch ziemlich unbekanntem Ausgang.

Wie in einem grossen Experiment wird derzeit ausgelotet, wie produktiv eine Gesellschaft im Homeoffice und mit weniger Verkehr sein kann. Hätte ein solcher gesellschaftlicher Wandel nach der Krise Bestand, würde das den Erdölverbrauch nachhaltig beeinflussen. Investoren könnten sich noch mehr der Verletzlichkeit der Branche bewusst werden. Die Ölmultis werden somit gezwungen, ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Hierbei könnte die Förderung zur Diversifikation – beispielsweise die Energiegewinnung mittels Speicherung von Treibhausgasen, Biotreibstoffe, Wasserstoffe oder gar Algenkraftstoffe – ein Lösungsansatz sein. Doch die Forschung und Entwicklung dieser neuen Methoden ist sowohl kapitalintensiv als auch langwierig, und dies in Zeiten, in denen es der Branche denkbar schlecht geht und die Dringlichkeit nach einer alternativen Lösung täglich zunimmt.

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Umsetzungsideen Nachfolgend stellen wir Ihnen drei Unternehmen vor, die mit ihrem Geschäftsmodell nachhaltige Kapitalrenditen erwirtschaften. Sie erfüllen zudem die Kriterien der bewährten «acrevis spektrum®»Methodik und gelten als finanziell gesunde Unternehmen in ihrer jeweiligen Branche.

Sika Valor 41’879’292 Währung CHF Branche Industrie/Baumaterial Kurs 223.20 KGV 29.83 Dividendenrendite 1.29 % Altman Z-Score ¹ 5.82 Eigenkapitalrentabilität 31.50 % Nettoverschuldungsgrad ² 2.60 ×

Einschätzung acrevis ³

Rating

Fundamental

2 ➚

Verhaltensbezogen

0 ➘

Technisch

3 ➚

Gesamteinschätzung

5➙

Sika ist weltweit in der Spezialitätenchemie tätig. Das Unternehmen besitzt in den Bereichen Prozessmaterialien für das Dichten, Kleben, Dämpfen, Verstärken und Schützen von Tragstrukturen eine führende Marktstellung. Sika beschäftigt 25’000 Mitarbeitende in fast 100 Ländern und erzielte im Jahr 2019 einen Umsatz von rund 8,1 Milliarden Franken. Die dezentrale Organisationsstruktur und die innovativen Produkte ermöglichen ein starkes Umsatzwachstum. Aufgenommene Schulden werden für gezielte Akquisitionen sinnvoll eingesetzt. Dieses Jahr hat Sika beispielsweise die Firmen Adeplast und Modern Waterproofing Group übernommen. Die Finanzkennzahlen von Sika überzeugen : starke Zahlungsfähigkeit, angemessene Verschuldung, solide Eigenkapitalrendite und konstante freie Cashflows.

¹  Unternehmen mit einem Z-Score-Wert von weniger als 1.81 gelten gemäss diesem Modell auf Einjahressicht als hochgradig insolvenzgefährdet, Unternehmen mit einem Z-Score-Wert grösser als 3.00 als ungefährdet. ²  Den Nettoverschuldungsgrad errechnet man anhand der Division der Nettoverschuldung durch das EBITDA des betreffenden Geschäftsjahrs. Er gibt Auskunft darüber, wie lange ein Unternehmen (bei gleichbleibendem EBITDA) benötigt, um die aktuelle Nettoverschuldung zurückzuzahlen. ³  Die dreidimensionale Analyse der Finanzmärkte gemäss acrevis spektrum® führt zu Anlageempfehlungen, die breiter abgestützt und fundierter sind als bei den branchenüblichen ein- oder zweidimensionalen Verfahren. Beim acrevis spektrum®-Rating werden, je nach Einschätzung, bis zu 8 Punkte vergeben – jeweils max. 3 Punkte für die Dimensionen «Fundamental» und «Technisch» sowie max. 2 Punkte für die Dimension «Verhaltensbezogen».

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invest  01 · 2021 03 · 2020


Kardex Valor 10’083’728 Währung CHF Branche Industrie Kurs 185.80 KGV 27.26 Dividendenrendite 2.46 % Altman Z-Score ¹ 10.39 Eigenkapitalrentabilität 27.30 % Nettoverschuldungsgrad ² -1.90 ×

Einschätzung acrevis ³

Rating

Fundamental

3 ➚

Verhaltensbezogen

0 ➘

Technisch

3 ➚

Gesamteinschätzung

6 ➚

Die Kardex-Gruppe ist auf den strukturellen Wachstumsmarkt der Intralogistiklösungen spezialisiert. Das Unternehmen ist der führende Anbieter von automatisierten Lagerlösungen und Materialflusssystemen und somit bestens aufgestellt, um vom beschleunigten E-Commerce-Trend zu profitieren. Mit seinen 1’600 Mitarbeitenden erwirtschaftete Kardex im Jahr 2019 einen Umsatz von 471 Millionen Euro. Die hohe Innovationskraft stellt das Unternehmen mit neuen Produktapplikationen immer wieder unter Beweis. Kardex verfügt über ein hohes Nettofinanzvermögen (keine Schulden) und generell über eine stabile Bilanzsituation mit ausgezeichneter Zahlungsfähigkeit und solider Eigenkapitalrendite.

Siegfried Holding Valor 1’428’449 Währung CHF Branche Gesundheit Kurs 629.00 KGV 23.00 Dividendenrendite 0.58 % Altman Z-Score ¹ 4.37 Eigenkapitalrentabilität 7.76 % Nettoverschuldungsgrad ² 0.78 ×

Einschätzung acrevis ³

Rating

Fundamental

2 ➙

Verhaltensbezogen

1 ➙

Technisch

3 ➙

Gesamteinschätzung

6 ➙

Die Siegfried-Holding ist ein international renommierter Anbieter von Entwicklungsdienstleistungen und Hersteller von Wirkstoffen sowie fertig formulierten Arzneimitteln. Mit seinen rund 3’500 Mitarbeitenden erwirtschaftete das Unternehmen im Jahr 2019 einen Umsatz von 834 Millionen Franken. Durch die neuen Produktionsstandorte in China und Spanien konnten die Tablettenkapazitäten stark skaliert und die Kostenbasis verbessert werden. Mit der aktuellen Strategie strebt Siegfried an, seine Positionierung als führender integrierter Zulieferer der pharmazeutischen Branche weiter zu festigen. Die solide Bilanz inkl. der gesunden Verschuldungssituation gewährleistet Wettbewerbsstärke und ermöglicht auch grössere Investitionen und Akquisitionen. Die starke Kundenbindung unterstreicht die Zuverlässigkeit und die hohen Qualitätsstandards des Unternehmens.

Die Zahlen entsprechen dem Stand vom 4. Dezember 2020.

01 · 2021 invest  03 · 2020

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Makro und Märkte Ein Vorschusskredit für die Aktienmärkte Die zweite Infektionswelle, gekoppelt mit den Unsicherheiten im Vorgang der US-Präsidentschaftswahl, sorgte kurzerhand für Nervosität an den Finanzmärkten und liess die Verkäufer im Oktober überhandnehmen. Mit den ersten positiven Meldungen zu potenziellen Covid-19-Impfstoffen schlug die Anlegerstimmung um 180 Grad um und die Kurse bisheriger Corona-Nachzügler zogen deutlich an.

von Alessandro Poletti Aktuell halten sich die Ängste vor den negativen ökonomischen Auswirkungen der erneuten Einschränkungen mit den hoffnungsvollen Impfstoffmeldungen die Waage. Wobei bei den Nach­ richten zu möglichen Impfstoffen noch viele Fragen ungeklärt sind und harte Fakten fehlen. Das interessiert die Börse derweil weniger, das Kleingedruckte wird ignoriert. Der zähe Auswer­ tungsvorgang der US-Präsidentschaftswahl sorgte bisher für weniger Kursschwankungen als erwartet. Denn die aktuelle Politkonstellation entspricht durchaus dem Geschmack der Finanz­ märkte. Eine geteilte Macht zwischen dem Präsidenten und dem Kongress, wie dies der Fall sein dürfte, wurde schon in der Vergangenheit von den Börsen bevorzugt. Aus einem simplen Grund : Eine Blockade lässt keine grossen politischen Kursänderungen zu. Also ein Stillstand, eigentlich ein wenig verheissungsvoller Ausdruck. Die publizierten Unternehmenszahlen für die ersten neun Monate der von uns empfohlenen Aktien sind grösstenteils positiv ausgefallen. Das dritte Quartal verlief für viele Unternehmen äusserst stark. Der letzte Abschnitt dieses Jahres dürfte nicht mehr ganz so erfreulich ausfallen : Der Kon­ sensausblick ist verhalten und die Prognosefähigkeit lässt weiter zu wünschen übrig. Die entflammte Hoffnung auf einen baldigen Impfstoff führte kurzfristig zu einer Rotation am Aktien­ markt : Zuvor stark gesuchte Werte verloren an Boden und zurückgebliebene Kandidaten verzeich­ neten Kursgewinne. Ob es sich hierbei um einen nachhaltigen Paradigmenwechsel (von Wachstumshin zu Value-Aktien) handelt, ist derzeit noch nicht abschätzbar. Fakt ist, dass die bislang grössten Gewinner sich in einer Konsolidierungsphase befinden. Eine Abwendung von diesen Sektoren ist den­noch nicht angebracht, denn viel wichtiger als die Sektorenzugehörigkeit ist die Selektion von Quali­ tätstiteln mit Innovationskraft, intaktem Trend und solider Bilanzstruktur. Seit Mitte Jahr bewegen sich die Renditen der CHF-Anleihen in engen Bandbreiten, was sich auch bis Ende Jahr nicht ändern dürfte. Aktuell sehen wir noch kein Entkommen der Zentralbanken aus der Nullzinsfalle. Entsprechend bleiben die Ertragsaussichten nominal verzinster Instrumente eingetrübt. Auf der anderen Seite schätzen wir die Aussichten für Aktienanlagen trotz erhöhter Bewertung weiterhin als vielversprechend ein. Mit temporären Korrekturen und erhöhter Volatilität muss gerechnet werden, so lange, bis die Pandemie unter Kontrolle gebracht werden kann.

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invest  01 · 2021


Autoren

Sandro Schibli Bereichsleiter Private Banking

Alessandro Poletti Leiter Research & Advisory

Prasch Janphet Research Analyst

Sandro Schibli bringt über dreissig Jahre Erfahrung in der Anlageberatung mit. Als ausgewiesener Fachmann im Asset Management ist er Mitglied des Anlagekomitees. Sandro Schibli ist diplomierter Finanzanalytiker und Vermögensverwalter.

Alessandro Poletti leitet bei acrevis die Abteilung Research & Advisory. Er verfügt über einen Bachelor der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissen­ schaften (ZHAW) in Betriebsökonomie und ist diplomierter Finanzanalytiker und Vermögensverwalter (CIIA). Alessandro Poletti ist Mitglied des Anlagekomitees.

Prasch Janphet ist bei acrevis als Research Analyst tätig. Er bringt über zehn Jahre Erfahrung in der Finanzbranche mit und ver­fügt über einen Masterabschluss der Kalaidos Fachhochschule Schweiz in Banking & Finance.

Die Inhalte dieser Publikation entsprechen dem Stand vom 4. Dezember 2020. Rechtliche Hinweise : Bei diesem Dokument handelt es sich um Werbung. Die Informationen in diesem Dokument wurden durch die acrevis Bank AG zusammengetragen und stammen aus Quellen, welche wir für zuverlässig erachten. Trotzdem können wir weder für ihre Vollständigkeit noch Richtigkeit garantieren. Die unverbindlichen Richt­ kurse können je nach Marktlage rasch ändern. Wertentwicklungen der Vergangenheit lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Wertentwicklung eines Finanzinstruments zu. Für tagesaktuelle handelbare Volumen und Preise kontaktieren Sie bitte Ihre persönliche Anlageberaterin oder Ihren persönlichen Anlageberater. Diese Information ist weder ein Angebot noch eine Empfehlung. Dieses Dokument kann nicht die persönlichen Anlageziele und finanziellen Verhältnisse des Anlegers be­ rücksichtigen. Sollten Ihnen bei Entscheidungen, die auf Basis dieses Dokuments gefällt werden, irgendwelche Zweifel aufkommen, wenden Sie sich bitte an Ihre persönli­ che Anlageberaterin oder Ihren persönlichen Anlageberater. Eine Haftung für allfällige Schäden, die direkt oder indirekt mit den vorliegenden Informationen zusammenhän­ gen, ist ausgeschlossen. Wir weisen Sie darauf hin, dass es sich vorliegend um risikobehaftete Finanzinstrumente handelt, aus denen im schlimmsten Fall ein Totalverlust resultieren kann. Weitere Unterlagen (wie Risikobroschüre, Prospekte und/oder Basisinformationsblätter, sofern vorhanden) können Sie gerne bei uns beziehen.

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Wir sind acrevis : Ihr verlässlicher Partner, wenn’s ums Anlegen geht. Eine moderne Bank mit einer langen Geschichte : Seit rund einem Jahrzehnt ist die acrevis Bank für ihre Kundinnen und Kunden da – sie ist 2011 aus der Fusion der Bank CA St.Gallen und der swissregiobank entstanden. Die Wurzeln unserer Bank reichen aber über 150 Jahre zurück. Auf unsere Geschichte sind wir stolz und fühlen uns unserer Tradition auch heute noch in unserer täglichen Arbeit verpflichtet : Wir freuen uns, Ihre Bank fürs Leben zu sein.

Mit acht Standorten sind wir stark regional verankert und in St.Gallen (Hauptsitz), Gossau, Wil, Wiesendangen, Bütschwil, Rapperswil-Jona, Pfäffikon und Lachen stets nahe bei Ihnen. Unsere 190 Mitarbeitenden machen uns zur führenden Regionalbank in unserem Marktgebiet zwischen Bodensee und Zürichsee. Dabei werden wir von mehr als 10’000 regionalen Aktionärinnen und Aktionären getragen. Verantwortungsvolles Banking im Interesse aller Anspruchsgruppen, das ist unser Ziel. Die Regelung der finanziellen Belange ist Vertrauenssache, davon sind wir überzeugt. Der Name «acrevis» ist an die drei lateinischen Wörter «accredere» (Glauben schenken), «credibilis» (glaubhaft) und «vis» (Stärke, Kraft) angelehnt, die unseren Leitsatz «Durch Vertrauen gestärkt» verkörpern. Sie haben Fragen oder ein individuelles Anliegen ? Für weitere Informationen wenden Sie sich an unsere Beraterinnen und Berater. Wir sind gerne für Sie da !

«acrevis invest», das Anlegermagazin der acrevis Bank AG, wird klimaneutral produziert und hat dafür das entsprechende Gütesiegel von «swiss climate» erhalten. Diese Stiftung entwickelt und unterstützt weltweit hochwertige Klimaschutzprojekte.

acrevis Bank AG, Tel. 058 122 75 55, info@acrevis.ch St.Gallen • Gossau SG • Wil SG • Wiesendangen • Bütschwil • Rapperswil-Jona • Pfäffikon SZ • Lachen SZ acrevis.ch


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acrevis invest, Ausgabe 01/21 by acrevis Bank - Issuu