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03 2026
Ihre Anlageperspektiven
Aus der Nische in den Alltag
Im Weltraum entsteht eine neue Schlüsselindustrie acrevis spektrum®
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Unsere Mission ist es, die Systeme und Technologien zu bauen, die notwendig sind, um das Leben multiplanetar zu machen, die wahre Natur des Universums zu verstehen und das Licht des Bewusstseins zu den Sternen zu tragen. Mission Statement von SpaceX, im Prospekt zum Börsengang
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Geschätzte Leserin, geschätzter Leser Der Weltraum scheint weit weg zu sein: Satelliten, Astronauten und die Kolonisierung entfernter Planeten prägen unser Bild. Doch der Einfluss der Weltraumwirtschaft ist längst näher, als viele denken. Ob Navigation, Kommunikation oder Wettervorhersagen – weltraumgestützte Technologien begleiten uns tägFlorian Keller Leiter Investment Center
lich, meist ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Auch die Schweiz ist mit dabei. Komponenten von Huber+Suhner werden unter anderem an Bord der Falcon-9-Trägerrakete von SpaceX eingesetzt. Das Unternehmen aus Herisau ist aber bei Weitem nicht der einzige Schweizer Akteur, dessen Produkte im All unterwegs sind. Unser Team von Research & Advisory nimmt Sie mit auf eine Reise durch diese spannende Industrie: von ihren Anfängen über die Wachstumstreiber bis hin zu den damit verbundenen Anlagechancen. Ich wünsche Ihnen eine spannende und lehrreiche Lektüre! Herzlich Florian Keller
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Omnipräsent und unverzichtbar, aber doch erst am Anfang Die Weltraumwirtschaft ist weder Zukunftsmusik noch ist sie Lichtjahre entfernt. Bereits heute navigieren Satelliten Autos, vernetzen Menschen, überwachen das Klima und liefern Daten, die unser alltägliches Leben vereinfachen. Aus einem staatlichen Prestigeprojekt entwickelte sich in den vergangenen Dekaden eine Schlüsselindustrie und der Weltraum damit zu einer Infrastruktur des 21. Jahrhunderts – vergleichbar mit dem Internet oder den Stromnetzen. von Alessandro Poletti, Leiter Research & Advisory Es ist Montagmorgen irgendwo in der Ostschweiz. Um 6.30 Uhr klingelt der Wecker auf dem Smartphone – synchronisiert über Satelliten. Auf dem Weg zur Arbeit zeigt Google Maps die aktuelle Verkehrslage – gespeist von Satellitendaten. Der Wetterbericht kündigt Regen für den Nachmittag an – berechnet auf Basis weltraumgestützter Messungen. Und das Paket, das am Abend geliefert wird, lässt sich dank satellitengestützter Logistiksysteme nahezu in Echtzeit verfolgen. Ohne die Weltraumwirtschaft gäbe es das alles in dieser Qualität nicht.
Der entscheidende Wendepunkt Die Weltraumwirtschaft gewinnt immer mehr an Bedeutung. Das liegt am wachsenden Bedarf an sicherer Kommunikation, der rasanten Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz sowie an den geopolitischen Spannungen.
Möglich wurde die Weltraumwirtschaft aber erst durch den drastischen Rückgang der Kosten eines einzelnen Raketenstarts. Als 2008 die Falcon 1 in den Weltraum abhob, kostete der Transport eines Kilogramms Nutzlast 13’000 US-Dollar. Heute sind es deutlich weniger (2000 –6000 US-Dollar pro Kilogramm). Und die Kosten dürften weiter sinken: Beim Starship-RaketenAuch das bargeldlose Bezahlen, die Kommunikation im Mobilfunk- system von SpaceX wird erwartet, dass sie auf wenige hundert netz oder die Navigation eines Flugzeugs sind direkt oder indirekt US-Dollar sinken (vgl. Grafik 2). Der Grund für diese Entwicklung von Technologien abhängig, die Hunderte von Kilometern über ist in der Wiederverwendung der Trägerraketen zu finden. Die der Erdoberfläche arbeiten. Mehr als 14'000 Satelliten umkreisen erste erfolgreiche Wiederverwendung gelang Ende 2015 mit heute unseren Planeten – und ihre Zahl steigt rasant. Allein das der Trägerrakete Falcon 9 von SpaceX. Die Falcon 9 wird amerikanische Unternehmen SpaceX startet rund alle 30 Stunden von Dr. Thomas Paul, Leiter Aerospace bei Huber+Suhner, als einen Launcher, wie Trägerraketen mit Nutzlast in der Raumfahrt- «Arbeitspferd» der Raumfahrt bezeichnet. branche genannt werden. Diese Beispiele zeigen: Raumfahrt umfasst zwar auch Raketenstarts, Astronauten und ferne Diese massive Kostensenkung, kombiniert mit günstiger und Planeten, viel wichtiger sind aber die Satelliten und die von zugleich leistungsfähiger Elektronik – dank Fortschritten in der ihnen gesammelten Daten. Halbleiterindustrie, der Miniaturisierung von Sensoren und Prozessoren sowie der Nutzung verfügbarer Standardkomponenten –, hat den Zugang zum Weltraum erleichtert. Erstmals war Grafik 1: Anzahl aktiver Satelliten seit 1957 eine breite Palette von Anwendungen auch kommerziell attraktiv. Die wiederverwendbaren Trägerraketen sind für die Raum14׳000 fahrtwirtschaft das, was der Container für den Welthandel war – ein entscheidender Katalysator für Wachstum und Skalierung. 12׳000 10׳000 8000 6000 4000 2000
1957 1960 1963 1966 1969 1972 1975 1978 1981 1984 1987 1990 1993 1996 1999 2002 2005 2008 2011 2014 2017 2020 2023 2026
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Quelle: Statista 2025
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Moderne Satelliten können enorme Datenmengen erfassen, verarbeiten und übertragen und sind damit zu einem zentralen Bestandteil unserer digitalen Infrastruktur geworden. Kreisten einst wenige Fernseh- und Wettersatelliten um die Erde, hat sich heute im All eine neue Wirtschaftszone entwickelt. Tausende von Satelliten helfen navigieren, kommunizieren und beobachten hochauflösend die gesamte Erdoberfläche. Sie unterstützen bei der Verteidigung, Logistik und der Überwachung kritischer Infrastrukturen wie Energie- und Verkehrsnetze. Gleichzeitig liefern sie wertvolle Daten für Landwirtschaft, Versicherungen und Klimaforschung. Immer mehr Wirtschaftsbereiche profi-
tieren von weltraumgestützten Daten und Dienstleistungen. Die Weltraumwirtschaft schafft nicht nur neue Märkte, sondern macht bestehende Branchen auch effizienter. Dass der Weltraum heute so viel Aufmerksamkeit erhält, liegt laut Paul auch daran, dass nun auch die letzte Regierung verstanden hat, dass der Zugang zum Weltraum sowie eigene Infrastruktur im All, wie zum Beispiel Satelliten, absolut kritisch sind für eine funktionierende Wirtschaft und die nationale Sicherheit. Laut Paul stehen wir erst am Anfang. «Heute werden Satelliten wortwörtlich am Fliessband hergestellt. Sozusagen von der Nische zur Massenfertigung», ergänzt er im Gespräch. Reto Muff sieht dies ähnlich: «Vergleicht man die Entwicklung mit einem 110-Meter-Hürdenlauf, haben wir gerade erst die zweite Hürde genommen», sagt der Dozent für Informationstechnologie und Elektrotechnik an der ETH Zürich im Gespräch. Enormes Potenzial sieht auch Klaus Buchheim, Head of Business Development beim Schweizer Softwareunternehmen Klepsydra. Um die Grössenordnung der bevorstehenden Entwicklung zu verdeutlichen, zieht er im Interview einen eindrücklichen Vergleich: «Der Mensch ist heute erst bis rund 300 Kilometer über der Erdoberfläche wirtschaftlich aktiv. Bis zum Mond sind es über 300’000 Kilometer.» Unmengen an Daten Die über 14’000 Satelliten erfassen heute täglich mehrere Petabytes (1 Petabyte = 1000 Terabyte = 1 Million Gigabyte) an Daten über unseren Planeten. Ein Petabyte entspricht etwa den Informationen auf 500 Milliarden A4-Seiten Text. Würden alle Seiten aufeinandergestapelt, ergäbe dies eine Höhe von 50’000 Kilometern – respektive etwas mehr als der Äquatorumfang der Erde. Erfasst werden von Wolkenbewegungen über die Wasserstände bis hin zu CO2 -Emissionen. Mit der steigenden Zahl von Satelliten, leistungsfähiger Elektronik und globalen Kommunikationsnetzwerken wächst diese Datenmenge von Tag zu Tag. Allein Erdbeobachtungssatelliten er-
zeugen heute schätzungsweise mehr als ein Petabyte pro Tag. Noch grösser sind unterdessen aber die Datenmengen, die von den Kommunikationssatelliten stammen. Für Buchheim ist klar: «Daten sind das Herzstück der Weltraumwirtschaft.» Sie sind der Rohstoff, auf dem neue Geschäfts modelle und ganze Industrien basieren. Die Herausforderung besteht dabei in ihrer Verarbeitung. So erzeugen die Satelliten einen digitalen Blick auf unseren Planeten, aber erst durch Unternehmen wie Planet Labs (Erdbeobachtung), Maxar Technologies (hochauflösende Satellitenbilder) oder TomTom (Verkehrs- und Navigationssoftware) werden diese Daten mittels künstlicher Intelligenz in Wissen, Entscheidungsgrundlagen und wirtschaftlichen Nutzen umgewandelt. Von staatlich zu kommerziell Die Kommerzialisierung hat in den vergangenen Jahren immer mehr private Akteure angelockt. Wurde die Raumfahrt über Jahrzehnte fast ausschliesslich von Staaten vorangetrieben und diente sie vor allem wissenschaftlichen, militärischen sowie geopolitischen Prestigezielen – die wichtigsten Akteure mit Projekten wie Sputnik, Apollo oder Space Shuttle waren die NASA (USA), Roskosmos (Russland), ESA (Europa) und CNSA (China) –, sieht es heute ganz anders aus. Zur Jahrtausendwende entstanden erstmals Unternehmen, deren Ziele weder Forschung noch Ansehen waren, sondern Umsatz und Gewinn, getrieben von Skalierung. Ihre Namen lauten beispielsweise SpaceX, Blue Origin oder Rocket Lab. Während in den Sechzigerjahren noch praktisch die gesamte Raumfahrt staatlich finanziert war, ist es heuer nur noch ein Fünftel. Viele private Unternehmen sind aber nach wie vor von staatlichen Aufträgen abhängig. Die Wertschöpfung der gesamten Weltraumwirtschaft wird auf 630 Milliarden US-Dollar geschätzt. 500 Milliarden US-Dollar entstehen entsprechend ausserhalb klassischer staatlicher Raumfahrtprogramme. Das erklärt, weshalb die Weltraumwirtschaft heute als Anlagethema überhaupt relevant ist.
Grafik 2: Sinkende Startkosten
Startkosten pro kg Nutzlast in den niedrigen Erdorbit (LEO) in $
16׳000
Delta Heavy
14׳000 12׳000
Delta 10׳000 Heavy 8000
Angara
Falcon 1 Angara Falcon 9
Falcon Heavy
SpaceX
Starship*
6000
Falcon 9
4000
Falcon Heavy
2000 0
Falcon 1
Starship
2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026
* Erwartungswert / Quelle: VanEck, Center for Strategic and International Studies
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Vom Wettlauf ins All zum Billionenmarkt Was einst als Wettlauf der Supermächte begann, entwickelt sich heute zu einem spannenden Wachstumsmarkt des 21. Jahrhunderts. Satelliten, Daten und private Raumfahrtunternehmen machen den Weltraum zur neuen Infrastruktur für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Das Weltraumzeitalter begann an einem kühlen Herbsttag in der kasachischen Steppe. Am 4. Oktober 1957 schoss die Sowjetunion mit dem Sputnik 1 den ersten Satelliten ins All. Das lediglich 84 Kilogramm schwere Objekt löste weltweit enorme Aufmerksamkeit aus und führte zum Space Race – dem Wettlauf ins All – zwischen den USA und der Sowjetunion. Raumfahrt war fortan nicht nur eine wissenschaftliche Herausforderung, sondern Sinnbild technologischer und politischer Überlegenheit. Der Grundstein für die Raumfahrt wurde aber bereits viel früher gelegt. Schon Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten Wissenschaftler die theoretischen Grundlagen der Raketentechnik. Anfang des 20. Jahrhunderts gelang der Bau der ersten Flüssigkeitsrakete, während der deutsch-rumänische Physiker Hermann Oberth – einer der ersten, der mathe matisch nachwies, dass Raketen den Weltraum erreichen können – mit seinen Veröffentlichungen Generationen von Ingenieuren inspirierte. Dennoch blieb die Raumfahrt zunächst eine rein wissenschaftliche Vision. Bis der Ingenieur Wernher von Braun viele dieser Ideen in die Praxis umsetzte und später unter anderem mitverantwortlich für die erste Mondlandung war. In den Sechzigerjahren nahm der Wettlauf Fahrt auf. Und wieder hatte die Sowjetunion die Nase vorne. 1961 schrieb Yuri Gagarin Geschichte, als er als erster Mensch die Erde umrundete. Gerade einen Monat später verkündete US-Präsident John F. Kennedy dann, bis Ende der Dekade einen Menschen auf den Mond zu senden. Am 20. Juli 1969 war es dann so weit, als Neil Armstrong und Buzz Aldrin im Rahmen der Apollo-11-Mission den Mond betraten – eine der grössten technologischen Leistungen der Menschheit. Nach dem Ende des Wettlaufs änderte sich die Rolle der Raumfahrt grundlegend. Während in den Siebziger- und Achtzigerjahren weiter wissenschaftliche Missionen durchgeführt wurden, rückte der praktische Nutzen immer stärker in den Vordergrund. Kommunikationssatelliten ermöglichten weltweite Fernsehübertragungen und Telefonverbindungen,
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Wettersatelliten verbesserten Wetterprognosen erheblich und Navigationssatelliten legten die Grundlage für moderne Ortungssysteme wie GPS. In den Neunzigerjahren begann die Digitalisierung der Weltwirtschaft. Gleichzeitig entstanden immer leistungsfähigere Satelliten, die hochauflösende Bilder der Erde schossen und enorme Datenmengen erzeugten. Parallel dazu stieg die Zahl der Satelliten rasant an. Während sich früher einzelne grosse Satelliten im Orbit befanden, werden heute ganze Satellitenkonstellationen aufgebaut, die globale Internetverbindungen, hochpräzise Navigation und kontinuierliche Erdbeobachtung ermöglichen. Einige Expertinnen und Experten vergleichen die heutige Entwicklung der Weltraumwirtschaft mit der frühen Phase des Internets in den Neunzigerjahren. Damals wurde zunächst die digitale Infrastruktur geschaffen, bevor darauf millionenschwere Unternehmen wie Amazon oder Google entstanden. Analog könnte die Weltraumwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten eine Plattform für diverse neue Geschäftsmodelle bilden und sich so zu einem bedeutenden strukturellen Wachstumsmarkt des laufenden Jahrhunderts entwickeln. Für Dr. Thomas Paul von Huber+Suhner hinkt der Vergleich mit dem Internet ein wenig. «Die Entwicklung der Weltraumwirtschaft ist grösser als alles bisher Dagewesene.» Das Internet kam vergleichsweise langsam in unseren Alltag. Man konnte kaum erahnen, wie abhängig wir jemals davon sein würden. «Ganz anders bei der Weltraumwirtschaft, da wissen wir bereits heute um das Ausmass der Abhängigkeit», ergänzt Paul. Diese absehbare Abhängigkeit begründet die wirtschaftliche Dynamik der Weltraumwirtschaft. Denn je stärker Kommunikation, Navigation und so weiter auf Infrastruktur im Orbit angewiesen sind, desto grösser wird die Zahlungsbereitschaft der Kundinnen und Kunden und der Markt dahinter. Marktgrösse Der Markt im All kann in zwei Anwendungsbereiche aufgeteilt werden – Kommunikations- und Erdbeobachtungsanwendungen. Enorm viele Satelliten braucht die Kommunikation. Dabei geht es primär um die Datenübertragung von der Erde zu den Satelliten und wieder zurück. Früher war es das klassische Satellitentelefon, heute sind es viele mit dem Internet verbundene Geräte wie Smartphones, medizinische Geräte oder vernetzte Roboter, die direkt mit Satelliten kommunizieren, mit dem Vorteil, dass die Nutzerinnen und Nutzer in der Berghütte oder im Flugzeug die gleiche Funktionalität geniessen wie im Büro. Die Satelliten braucht es aber auch, um überall auf der Erde breitbandige Kommunikation zur Verfügung zu stellen. Die Nachfrage nach Erdbeobachtungsdaten wird derweil von mehreren strukturellen Trends angetrieben. Unternehmen und
Grafik 3: Marktwachstum
Grafik 4: Weltweite staatliche Weltraumausgaben
9% p.a.
1790 Mrd. USD
137 Mrd. USD
1160 Mrd. USD 630 Mrd. USD
2023
2030*
2035*
2010
2015
2020
2025
2028*
Quelle: Future of Space Economy Research * Erwartungswert
Quelle: Novaspace, National Space Programs 2025
Regierungen benötigen zunehmend präzise Informationen über Klima, Infrastruktur, Lieferketten und Ressourcen. Gleichzeitig ermöglichen Fortschritte bei künstlicher Intelligenz eine immer effizientere Auswertung der Daten. Erdbeobachtung entwickelt sich dadurch von einem Nischen segment der Raumfahrt zu einer zentralen Informationsquelle für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.
Staatliche Ausgaben auf Höchststand Obwohl die Weltraumwirtschaft zunehmend kommerziell geprägt ist, bleiben staatliche Investitionen ihr Fundament. Mit den jährlich rund 130 Milliarden US-Dollar finanzieren Regierungen wesentliche Infrastruktur, Forschung und Verteidigungsanwendungen. Viele der heutigen kommerziellen Geschäftsmodelle – von Satellitenkommunikation über Navigation bis hin zur Erdbeobachtung – wären ohne diese langfristigen staatlichen Vorleistungen nicht entstanden.
Kombiniert man beide Bereiche und rechnet die staatlichen Ausgaben hinzu, so dürfte die globale Wertschöpfung der Weltraumwirtschaft laut Schätzungen der Forschung zur Zukunft der Weltraumwirtschaft bis 2035 auf 1,8 Billionen US-Dollar ansteigen – gegenüber 630 Milliarden US-Dollar 2023. Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 9%, was etwa dem Dreifachen des erwarteten Wachstums der Weltwirtschaft entspricht. Darin enthalten sind die eigentliche Raumfahrtindustrie (Raketen, Satelliten etc.) sowie alle wirtschaftlichen Aktivitäten, die erst durch die Weltraumtechnologien möglich werden (satellitenbasierte Kommunikation, Navigation, Wetterdienste etc.). Mit der erwarteten Marktgrösse könnte die Weltraumwirtschaft bis 2035 mit der Halbleiterindustrie mithalten und sich zu einer der bedeutendsten technologischen Schlüsselindustrien entwickeln.
Mehr als die Hälfte der Regierungsausgaben entfällt inzwischen auf Verteidigungs- und Sicherheitsanwendungen. Regional dominieren die USA mit 80 Milliarden US-Dollar pro Jahr, gefolgt von China (≈ 20 Mrd.) und Europa (≈ 15 Mrd.). Laut Novaspace, einem der weltweit führenden Beratungsund Marktforschungsunternehmen für die Raumfahrtindustrie, dürften die Ausgaben weiter stark ansteigen – um mehr als 20% pro Jahr. Zurückzuführen ist dies in erster Linie auf Verteidigungsprogramme und gross angelegte Infrastrukturinitiativen.
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Das Ökosystem
Grafik 5: Das Ökosystem der Weltraumwirtschaft
Die Weltraumwirtschaft ist ein komplexes Ökosystem. Die Wertschöpfung beginnt mit dem Zugang zum Weltraum, führt über Infrastruktur und deren Anwendungen im Orbit und zeigt ihren grössten wirtschaftlichen Nutzen auf der Erde – dort, wo Satellitendaten, Konnektivität und künstliche Intelligenz neue Dienstleistungen, Entscheidungsgrundlagen und Geschäftsmodelle ermöglichen.
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ZUGANG ZUM
Die Wertschöpfung der Weltraumwirtschaft lässt sich in vier Schritte unterteilen:
1 Zugang zum Weltraum: Trägersysteme (Launcher) und Raumfahrzeuge schaffen die Grundlage, um Nutzlasten ins All zu bringen. Hier entstehen die ersten Einnahmen, aber nicht die grösste Wertschöpfung. 2 Infrastruktur im All: Satelliten, Raumstationen und Wartungssysteme bilden die technische Basis für sämtliche Anwendungen im All. Die Infrastruktur im All generiert bereits heute erhebliche Einnahmen. Betreiber von Kommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten verkaufen Übertragungskapazitäten und Datenservices. 3 Daten & Konnektivität: Diese Stufe bildet die digitale Verbindung zwischen Orbit und Erde. Satelliten erfassen Bild-, Positions-, Wetter- und Kommunikationsdaten, die über Bodenstationen, Netzwerke und Analyseplattformen übertragen, gebündelt und nutzbar gemacht werden. Der wirtschaftliche Wert entsteht hier vor allem durch die zuverlässige Bereitstellung und Aufbereitung weltraumgestützter Informationen. 4 Anwendungen auf der Erde: In dieser letzten Stufe werden weltraumgestützte Daten und Konnektivität in konkrete Lösungen für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft übersetzt. Unternehmen, Behörden und Organisationen nutzen sie etwa für präzisere Navigation, effizientere Logistik, Wetter- und Klimamodelle, Ernteprognosen, Katastrophenschutz, Versicherungsmodelle sowie Sicherheitsund Verteidigungsanwendungen. Der grösste wirtschaftliche Hebel entsteht, wenn diese Informationen Entscheidungen verbessern, Prozesse automatisieren oder neue Geschäftsmodelle ermöglichen.
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Raumfah Raketen & Trägersysteme
3 DATEN & KONNEKTIVITÄT
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Satelliteninternet
ANWEND AUF DE
IoT-Konnektivität
Navigation
Kommunikation
Erdbeobachtungsdaten
Logistik Wetterdaten
Positions- & Navigationsdaten
Geodaten & Kartendienste
Versicherungen
Ene
Schweizer Technologie im All Auch die Schweiz spielt in diesem Ökosystem eine wichtige Rolle. Sie gehört dank ihrer Präzisions- und Spitzentechnologie zu den bedeutenden Zulieferern der Weltraumwirtschaft. Hiesige Unternehmen liefern Schlüsselkomponenten für Trägerraketen, Satelliten, Kommunikationssysteme und sogar den Mars-Rover. Die Schweizer Stärke liegt in hochpräzisen Nischenprodukten, die unter den extremen Bedingungen des Weltraums zuverlässig funktionieren müssen. Dadurch profitiert die Schweizer Industrie indirekt vom Wachstum der globalen Weltraumwirtschaft.
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M WELTRAUM
hrzeuge Startinfrastruktur
2 INFRASTRUKTUR IM ALL Kommunikationssatelliten
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DUNGEN ER ERDE
ergie
Wetter
Navigationssatelliten
Erdbeobachtungssatelliten
Landwirtschaft
Wettersatelliten Verteidigung
Daten & KI
Raumstationen
Mondinfrastruktur
In-Orbit-Services (Wartung, Betankung, Reparatur)
Beyond Gravity mit Sitz in Zürich ist der bekannteste Schweizer Raumfahrtzulieferer. Das Unternehmen entwickelt missionskritische Produkte für eine breite Palette von Satellitenmissionen. Mit Ausnahme von Antriebssystemen bietet das Unternehmen sämtliche Kernkomponenten eines Satelliten an – von der Struktur über Bordcomputer und Elektronik bis hin zu Thermalschutzsystemen. Jeder zweite Satellit im All enthält Komponenten von Beyond Gravity. Zu den spannendsten Schweizer Weltraumunter nehmen gehört ClearSpace. Das 2018 gegründete Unternehmen entwickelt Technologien für das sogenannte In-Orbit-Servicing – also Dienstleistungen, die direkt im Weltraum erbracht werden. Dazu zählen die Entfernung von Weltraumschrott, die Inspektion von Satelliten sowie deren Wartung, Reparatur und Lebensdauerverlängerung. Die Vision von ClearSpace ist eine kreislauforientierte Weltraumwirtschaft, in der Satelliten nicht mehr einfach im Orbit zurückgelassen, sondern aktiv gewartet oder kontrolliert entsorgt werden. Die 2011 als Spin-off der EPF Lausanne gegründete SWISSto12 gehört ebenfalls zur Spitze der Schweizer Weltraumunternehmen. Sie produziert komplette Kommunikationsnutzlasten, welche das Herzstück eines Kommunikationssatelliten bilden, und mit HummingSat sogar eine eigene Generation kompakter geostationärer Satelliten. Dank innovativer Fertigungstechnologien können diese leichter, kostengünstiger und schneller produziert werden als herkömmliche Systeme. Mit über 2000 Produkten im Orbit und einem Auftragsbestand von mehr als 500 Millionen US-Dollar hat sich das Unternehmen innerhalb weniger Jahre von einem universitären Spin-off zu einem weltweit beachteten Akteur der Weltraumwirtschaft entwickelt. Das Unternehmen zeigt exemplarisch, wie Schweizer Präzision, Ingenieurskunst und Innovation die nächste Generation der Satellitenkommunikation mitgestalten. invest 03 · 2026
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Zwischen Risiko, Vision und Realität Mit dem Wachstum der Weltraumwirtschaft rücken ausser ihren Chancen auch diverse Risiken in den Fokus – von Weltraumschrott über geopolitische Konflikte bis zu Umweltfragen. Gleichzeitig entstehen aber auch Zukunftsvisionen wie zum Beispiel Datencenter im All.
Je mehr Satelliten um die Erde kreisen, desto enger wird es – und desto grösser auch das Kollisionsrisiko. Bereits heute kreisen Millionen von Trümmerteilen im Orbit und gefährden somit Satelliten, Raumstationen und andere Flugobjekte. Paul von Huber+Suhner bringt das Problem auf den Punkt: «Solange es keine internationale Einigung und keine verbindliche Regulierung gibt, bleibt Weltraumschrott ein Risiko.» Zwar existieren freiwillige Richtlinien und sogenannte Gentlemen’s Agreements, wie etwa die 25-Jahre-Regel, wonach Satelliten spätestens 25 Jahre nach Missionsende aus ihrer Umlaufbahn entfernt werden sollen – durch kontrolliertes Verglühen in der Atmosphäre oder das Verschieben in einen sogenannten Friedhofsorbit –, mehr aber nicht. Gleichzeitig entstehen genau daraus neue Geschäftsfelder: von der Überwachung des Weltraumverkehrs über Kollisionsvermeidung bis zur aktiven Beseitigung von Trümmerteilen. Buchheim von Klepsydra spricht vom Geschäftsmodell «Space Traffic Management», analog der Flugüberwachung bei der Luftfahrt. «Auch da kann nicht jeder entlangfliegen, wo er will. Ein automatisiertes System, in welchem zum Beispiel Satelliten untereinander selbstständig kommunizieren und Ausweichmanöver durchführen, ist für das weitere Wachstum der Weltraumwirtschaft essenziell – die vielen Satelliten müssen kontrolliert und Weltraumschrott überwacht werden.» Weltraumschrott ist damit nicht nur eine Schattenseite der Weltraumwirtschaft, sondern auch ein neuer Markt – für jene Unternehmen, die Ordnung in den Orbit bringen wollen. Mit ClearSpace aus Lausanne ist die Schweiz an der Weltspitze dieser Entwicklung mit dabei (vgl. Seite 9). Der Orbit als strategisches Machtfeld Immer relevanter wird zudem der geostrategische und sicherheitspolitische Aspekt des Weltraums. Denn wer die kritische Infrastruktur im Orbit kontrolliert, verschafft sich entscheidende Vorteile bei Kommunikation, Datenanalyse und Verteidigung. Entsprechend investieren Länder wie die USA, China, Russland und auch Europa massiv in ihre Raumfahrtprogramme und bauen ihre Fähigkeiten im All kontinuierlich aus. Paul spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer zunehmenden Militarisierung des Weltraums – «Star Wars» seien längst keine Science-Fiction mehr. «Schon heute gibt es Spionage
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satelliten, die andere Satelliten verfolgen, überwachen oder abhören.» Gleichzeitig steigen die Risiken durch Cyberangriffe, Signalstörungen und Anti-Satelliten-Waffen, die Satelliten gezielt ausser Betrieb setzen können. Ein Ausfall wichtiger Satelliten hätte längst nicht mehr nur Auswirkungen auf die Raumfahrt, sondern könnte Kommunikation, Finanzmärkte oder den Flugverkehr auf der Erde beeinträchtigen. Eine wichtige Frage bleibt offen: Wem gehören die Ressourcen im All? Diese Frage ist bis heute nicht abschliessend geklärt. Zwar verbietet der Weltraumvertrag von 1967 Staaten, den Mond oder andere Himmelskörper für sich zu beanspruchen. Mit der zunehmenden Kommerzialisierung der Raumfahrt gewinnt die Frage nach Eigentumsrechten an Bedeutung. Klare rechtliche Rahmenbedingungen dürften künftig entscheidend sein, um Investitionen in den Weltraum langfristig abzusichern. Ausmass der Umweltauswirkungen unklar Die vielen Raketenstarts belasten die Umwelt auch mit ihren Emissionen. Noch ist ihr Beitrag aber gering. Zum Vergleich: Die weltweite Luftfahrt verursacht jährlich 900 Mio. Tonnen CO2 . Die gesamte Raumfahrt lediglich einen Bruchteil davon – oder genauer 0,01% der Emissionen der Luftfahrt. Problematisch sind die Emissionen aber in grosser Höhe, insbesondere Russpartikel, Aluminiumoxid und andere Verbrennungsprodukte, die direkt in die Stratosphäre gelangen und dort länger verbleiben können als Emissionen in Bodennähe. Eine aktuelle Studie warnt zudem vor den Auswirkungen der zunehmenden End-of-Life-Satelliten, die in der Erdatmosphäre verglühen. Noch unklar ist, in welchem Ausmass diese Elemente die Temperatur der Atmosphäre und möglicherweise auch die Ozonschicht beeinflussen. Zwar gelten die heutigen Auswirkungen noch als begrenzt, mit der zunehmenden Kommerzialisierung der Raumfahrt und einer steigenden Zahl von Raketenstarts gewinnt das Thema jedoch an Bedeutung. Dies dürfte 400
Grafik 6: Weltweite Orbitalstarts pro Jahr
300
200
100
0 2000
2005
2010
Quelle: Space Stats; FT-Recherchen
2015
2020
2025
Grafik 7: Mögliche Variante eines Datencenters im All
SOLARFELDER Erzeugen Energie für den Betrieb
DATENMODULE Serverracks mit Hochleistungsprozessoren und Speicher
KÜHLFLÄCHEN (RADIATOREN) Geben Abwärme kontinuierlich an den Weltraum ab
KOMMUNIKATION Funk- und Laserverbindungen zur Erde und anderen Satelliten
STROMVERTEILUNG & STEUERUNG Versorgung, Steuerung und thermisches Management
den Druck auf die Branche erhöhen, effizientere Antriebs systeme, sauberere Treibstoffe und nachhaltigere Techno logien zu entwickeln. Datencenter im All? Mehr auf die unendlichen Möglichkeiten als auf die möglichen Risiken schaut Elon Musk. Die Vision des CEOs und Gründers von SpaceX sind dereinst Datencenter im All. Was im ersten Moment absurd klingt, gilt unter Expertinnen und Experten technisch als machbar. Extraterrestrische Datencenter haben im Vergleich zu irdischen Anlagen mehrere Vorteile. So steht im Orbit nahezu unbegrenzte Solarenergie zur Verfügung, auch Platz hat es genug. Zudem wären solche Anlagen weniger anfällig für Naturgefahren wie Überschwemmungen oder Erdbeben und physisch schwieriger angreifbar. Ein Vorteil läge auch in der Nähe zur Datenquelle: Rechenleistung könnte direkt dorthin verlagert werden, wo Satelliten ihre Daten erfassen. Die Datenauswertung würde damit bereits im Orbit erfolgen, bevor die verarbeiteten Informationen zur Erde übertragen werden. Bis es aber so weit ist, wird es noch dauern. Das unterstreicht auch Reto Muff von der ETH: «Ganz so einfach ist es nicht.» Die Hürden sind technischer – zum Beispiel Thema Abwärme –, vor allem aber wirtschaftlicher Natur. Das grösste Hindernis bleiben die Transportkosten: Ein modernes irdisches KI-Datencenter wiegt Tausende Tonnen und besteht aus Millionen Komponenten – jedes Kilogramm davon müsste in den Orbit gebracht werden. Selbst mit den massiv gesunkenen Startkosten durch das Starship-System wären die Kosten enorm. Hinzu kommen Herausforderungen wie Reparatur und Wartung im All, ungeklärte rechtliche Fragen sowie das Risiko von Weltraumschrott oder Spionage. Aus heutiger Sicht wird ein grossflächiger Einsatz in den kommenden Jahren deshalb für
unwahrscheinlich gehalten. Doch Datencenter im All befinden sich heute ungefähr dort, wo wiederverwendbare Raketen vor 15 bis 20 Jahren standen: technisch denkbar, wirtschaftlich umstritten – aber mit dem Potenzial, den Raum des Möglichen zu vergrössern. Warum wir bereits jetzt profitieren Auch wenn die Visionen die Schlagzeilen prägen, ist der Nutzen der Weltraumwirtschaft schon heute spürbar. So sorgt sie doch dafür, dass Flugzeuge sicher landen, Containerschiffe ihre Zielhäfen finden und Landwirte ihre Felder effizienter bewirtschaften können – etwa, weil Satellitendaten zeigen, wie feucht der Boden ist oder wann Früchte reif sind. Auch Rettungskräfte profitieren: Nach Naturkatastrophen liefern Satellitenbilder rasch einen Überblick über Schäden, Strassenverbindungen und betroffene Gebiete. Der Nutzen reicht weiter: Bahnunternehmen können mithilfe ausgewerteter Satellitenbilder Störungen im Netz erkennen, etwa durch umgestürzte Bäume. Gemeinden nutzen Wärmeprofile, um Stadtplanung und Energieeffizienz besser zu steuern. Auch Industrieanlagen und Kraftwerke lassen sich aus dem All überwachen – etwa im Hinblick auf Emissionen, Sicherheit oder regulatorische Vorgaben. Wie in der Anfangszeit profitiert auch die wirtschaftliche Forschung weiterhin: In Schwerelosigkeit lassen sich Proteine, Zellen und Gewebe unter Bedingungen untersuchen, die auf der Erde nicht möglich sind. Für die Pharmaindustrie eröffnet dies neue Möglichkeiten bei der Entwicklung von Therapien gegen Krebs, Alzheimer oder altersbedingte Erkrankungen. Die Beispiele zeigen: Die Weltraumwirtschaft ist längst keine ferne Zukunftsvision mehr, sondern Teil unserer kritischen Infrastruktur und dürfte an Relevanz nur weiter zulegen.
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Umsetzungsideen Die Weltraumwirtschaft bietet vieles. Dazu gehören auch attraktive Anlagemöglichkeiten. Anlegerinnen und Anleger können heute über Einzelaktien oder Fonds gezielt am Wachstum dieses Megatrends partizipieren. Auf dieser Doppelseite stellen wir drei Unternehmen vor, die einen Teil ihres Umsatzes in der Weltraumwirtschaft generieren, sowie einen Fonds, der ein diversifiziertes Engagement in der Branche ermöglicht. Als Basis dienen die Kriterien der bewährten acrevis spektrum® -Methodik.
VanEck Space Economy ETF Valor 119’295’352 Währung CHF Kurs 73 Kosten 0,55 % Fondsdomizil Irland Lancierung 2022 Performance p.a. (3 Jahre) 53% Volatilität p.a. (3 Jahre) 40% Fondsvolumen (in USD) 2,2 Mrd.
Der börsengehandelte Fonds bietet einen fokussierten Zugang zur Weltraumwirtschaft und investiert nicht nur in Raketenhersteller, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungs kette – von Satelliten über Kommunikation bis hin zu Erdbeobachtung und Raumfahrttechnologie. Die investierten Unternehmen müssen einen wesentlichen Teil ihres Geschäfts in der Weltraumwirtschaft erzielen. Für Neuaufnahmen gilt, dass ein Unternehmen mindestens 50% seines Umsatzes mit raumfahrtbezogenen Produkten oder Dienstleistungen erzielen muss. Der ETF ist über rund 25 Aktien diversifiziert mit Schwerpunkt in den USA (70%). Die 10 grössten Positionen zusammen haben ein Gewicht von 64%. Angeführt wird die Auswahl von Viasat (9%). Der amerikanische Satellitennetzbetreiber und Anbieter von Konnektivitätslösungen baut und betreibt eines der weltweit grössten Satellitenkommuni kationsnetzwerke und verkauft darüber Internet- und Datenverbindungen für Flugzeuge, Schiffe, Unternehmen, Regierungen und Privatkunden.
Länder
Top-10-Positionen (30. Juni 2026)
Währungen
Anteil
Viasat Inc.
9%
EUR 7 %
AST SpaceMobile Inc.
8%
GBP 7%
Rocket Lab Corp.
8%
Vereinigtes Königreich 5%
JPY 6%
Planet Labs PBC
7%
Taiwan 4%
TWD 5 %
EchoStar Corp.
6%
MDA Ltd.
6%
Iridium Communications Inc.
5%
USA 70%
USD 75 %
Kanada 6% Japan 6%
Luxemburg 4% Sonstige 5%
Globalstar Inc.
5%
Melrose Industries PLC
5%
Wistron NeWeb Corp.
4%
Kursentwicklung in CHF
120 100 80 60 40 20 07/2023
12
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11/2023
03/2024
07/2024
11/2024
03/2025
07/2025
11/2025
03/2026
07/2026
Airbus
Valor
1’095’306
Währung
EUR
Branche
Industrie
Kurs
215
KGV
19
Umsatz 2025
73 Mrd. EUR
Gewinn 2025
5,2 Mrd. EUR
Einschätzung acrevis ¹
Rating
Fundamental
3
Verhaltensbezogen
0
Technisch
2
Gesamteinschätzung
5
Airbus zählt zu den weltweit führenden Unternehmen der Weltraumwirtschaft und ist Europas grösster Raumfahrtkonzern. Neben seinem bekannten Luftfahrtgeschäft entwickelt und produziert Airbus Satelliten, Raumfahrtsysteme sowie Komponenten für wissenschaftliche Missionen und bemannte Raumfahrt. Das Unternehmen ist an zentralen europäischen Programmen wie Galileo (Satellitennavigation), Copernicus (Erdbeobachtung) und IRIS² (sichere Satellitenkommunikation) beteiligt und liefert zudem Kommunikations-, Erdbeobachtungs- und Wettersatelliten für staatliche und privatwirtschaftliche Kunden. Mit seiner breiten technologischen Kompetenz deckt Airbus einen grossen Teil der Wertschöpfungskette der Raumfahrt ab – von der Entwicklung über die Produktion bis zur Integration komplexer Raumfahrtsysteme. Das Unternehmen profitiert damit direkt vom langfristigen Wachstum der globalen Weltraumwirtschaft und zählt zu den wichtigsten europäischen Akteuren in diesem Bereich.
Huber+Suhner
Valor
3’038’073
Währung
CHF
Branche
Industrie
Kurs
198
KGV
17
Umsatz 2025
864 Mio. CHF
Gewinn 2025
75 Mio. CHF
Einschätzung acrevis ¹
Rating
Fundamental
2
Verhaltensbezogen
0
Technisch
1
Gesamteinschätzung
3
Huber+Suhner steht für Konnektivität. Das Ostschweizer Unternehmen entwickelt hochspezialisierte Verbindungs- und Übertragungslösungen in den Bereichen Hochfrequenz-, Fiberoptikund Niederfrequenztechnik. Diese kommen unter anderem in Satelliten, Bodenstationen sowie in der Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie zum Einsatz, wo höchste Zuverlässigkeit gefordert ist. Ohne solche Komponenten wäre eine stabile Übertragung von Daten, Signalen und Energie zwischen Satelliten und der Erde kaum möglich. Die zunehmende Zahl kommerzieller Satelliten sowie steigende Verteidigungsaus gaben sorgen für eine wachsende Nachfrage nach diesen Technologien. Entsprechend zählt die Abteilung «Aerospace & Defense» zu den strategischen Wachstumsinitiativen des Unternehmens. Im Geschäftsbericht hebt Huber+Suhner hervor, dass dieser Bereich wesentlich zum Wachstum beitrage und insbesondere von den anhaltenden Investitionen in kommerzielle Satellitenprogramme profitiere.
SFS
Valor
23’922’930
Währung
CHF
Branche
Industrie
Kurs
131
KGV
15
Umsatz 2025
3,1 Mrd. CHF
Gewinn 2025
220 Mio. CHF
Einschätzung acrevis ¹
Rating
Fundamental
3
Verhaltensbezogen
0
Technisch
3
Gesamteinschätzung
6
Präzisionskomponenten und Befestigungssysteme gehören zum Kerngeschäft von SFS. Obwohl das Ostschweizer Unternehmen keinen eigenständigen Raumfahrtbereich ausweist, liefert es hochpräzise mechanische Komponenten und kundenspezifische Lösungen für die Luft- und Raumfahrtindustrie. Diese kommen überall dort zum Einsatz, wo höchste Zuverlässigkeit, geringes Gewicht und maximale Belastbarkeit gefragt sind – Eigenschaften, die auch für Satelliten und Trägerraketen entscheidend sind. Als spezialisierter Zulieferer profitiert SFS indirekt vom Ausbau der globalen Weltraumwirtschaft, da mit der steigenden Zahl von Satelliten und Raumfahrtmissionen auch der Bedarf an hochwertigen Präzisionsteilen zunimmt. Das Unternehmen steht damit exemplarisch für jene oft wenig sichtbaren Industrieunternehmen, deren Technologien eine zentrale Voraussetzung für moderne Raumfahrtanwendungen bilden, ohne selbst im Mittelpunkt zu stehen.
Das acrevis spektrum ® -Rating sowie die Angaben zu Kursen und KGV entsprechen dem Stand vom 10. August 2026. ¹ Beim acrevis spektrum ® -Rating werden bis zu 8 Punkte vergeben – jeweils max. 3 Punkte für die Dimensionen «Fundamental» und «Technisch» sowie max. 2 Punkte für die Dimension «Verhaltensbezogen».
invest 03 · 2026
13
Makro und Märkte Immer weiter Die Wirtschaft wächst, Unternehmen steigern den Gewinn und an den Aktienmärkten purzeln die Rekorde. Auch im Spätsommer gibt es trotz geostrategischen, handelspolitischen und klimatischen Herausforderungen weder bezüglich der Konjunktur noch bezüglich der Finanzmärkte Grund zur Panik. Auftrieb erhalten die Aktienmärkte weiter von den KI-induzierten Investitionen in Rechenzentren; das hat aber seinen Preis.
von Martin Lüscher, Chefökonom Trotz kriegerischen Auseinandersetzungen, beeinträchtigter Rohstoffversorgung und handelspolitischen Querelen wächst die globale Wirtschaft ungebremst. Zwar hat sich in den USA die konjunkturelle Dynamik im zweiten Quartal verlangsamt, das lag aber primär an Einmaleffekten, wie dem Verkauf von strategischen Erdölreserven. In der Schweiz und in der Eurozone hat die konjunkturelle Dynamik hingegen positiv überrascht. Auch Vorlaufindikatoren stimmen zuversichtlich. So rechnet die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich mit einem Aufschwung am hiesigen Arbeitsmarkt. Unternehmen dürften im Herbst wieder mehr Stellen schaffen. Wichtig für die Konjunktur sind vor allem in den USA Investitionen in Rechenzentren für KI-Anwendungen wie ChatGPT, Claude oder Copilot. Die hohe Nachfrage nach Rechenleistungen füllt unter anderem die Auftragsbücher von Chipherstellern wie Nvidia sowie Betreibern von Rechenzentren wie Alphabet und Amazon. Die Tech-Kolosse sind auch das dominierende Thema am Aktienmarkt, was vom realisierten Börsengang von SpaceX und den geplanten von OpenAI und Anthropic unterstrichen wird. Auch wenn sie für Schlagzeilen sorgen, ist die Hausse an der Börse breiter abgestützt. Das zeigt der Schweizer Aktienmarkt, der im laufenden Jahr ebenfalls klar im Plus notiert. Um die Investitionen in Rechenzentren zu finanzieren, nehmen Unternehmen wie Amazon, Alphabet und Meta Milliarden über den Anleihenmarkt auf. Zusammen mit der hartnäckig hohen Inflation und der steigenden Sorge um die Verschuldung vieler Industrieländer sorgt dies für hohe Zinsen, vor allem bei langen Laufzeiten. Die Schweiz ist hier eine Ausnahme. Kaum wahrnehmbare Inflation und vernachlässigbare Verschuldung sorgen für ein stabil niedriges Zinsniveau. In diesem Umfeld halten wir an unserer neutralen Aktienquote mit Fokus Schweiz fest. Auf Sektorenebene sehen wir aktuell in Rohstoffunternehmen und bei europäischen Banken ein attraktives Investment. Gleichzeitig signalisiert unser Anlagemodell acrevis spek trum ® bei Gold eine neutrale Positionierung. Zur Diversifikation ergänzen wir unter anderem Wandelobligationen sowie kotierte Schweizer Immobilienfonds.
14
invest 03 · 2026
Autoren
Florian Keller Leiter Investment Center
Alessandro Poletti Leiter Research & Advisory
Martin Lüscher Chefökonom
Florian Keller ist Leiter des Investment Centers und verantwortet die Investmentaktivitäten von acrevis. Zusätzlich leitet er interimistisch den Bereich Private Banking und ist Vorsitzender des Anlagekomitees. Er verfügt über einen Master of Advanced Studies (MAS) der FHNW in Banking and Finance und bringt fundierte Expertise im Anlagegeschäft mit.
Alessandro Poletti leitet bei acrevis die Abteilung Research & Advisory. Er verfügt über einen Bachelor der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Betriebsökonomie und ist diplomierter Finanzanalytiker und Vermögensverwalter (CIIA). Alessandro Poletti ist Mitglied des Anlagekomitees.
Martin Lüscher arbeitet im Research & Advisory, seit September 2025 ist er Chefökonom von acrevis. Das Geschehen an den Finanzmärkten verfolgt er seit über 18 Jahren, unter anderem als US-Korrespondent der «Finanz und Wirtschaft» aus New York. Er verfügt über einen Masterabschluss in Volkswirtschaftslehre von der Universität St.Gallen (HSG).
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invest 03 · 2026
15
Wir sind acrevis: Ihr verlässlicher Partner, wenn’s ums Anlegen geht. Eine moderne Bank mit einer langen Geschichte: Seit über einem Jahrzehnt ist die acrevis Bank für ihre Kundinnen und Kunden da – sie ist 2011 aus der Fusion der Bank CA St. Gallen und der swissregiobank entstanden. Die Wurzeln unserer Bank reichen aber über 150 Jahre zurück. Auf unsere Geschichte sind wir stolz und fühlen uns unserer Tradition auch heute noch in unserer täglichen Arbeit verpflichtet: Wir freuen uns, Ihre Bank fürs Leben zu sein – sicher, kompetent, unabhängig und leidenschaftlich.
Mit neun Standorten sind wir stark regional verankert und in St. Gallen (Hauptsitz), Gossau, Wil, Bütschwil, Wiesendangen, Männedorf, Rapperswil-Jona, Pfäffikon und Lachen stets nahe bei Ihnen. Unsere rund 200 Mitarbeitenden machen uns zur führenden Regionalbank in unserem Marktgebiet zwischen Bodensee und Zürichsee. Dabei werden wir von rund 11’500 Aktionärinnen und Aktionären getragen. Verantwortungsvolles Banking im Interesse aller Anspruchsgruppen, das ist unser Ziel. Dafür setzen wir konsequent auf eine umsichtige Risikopolitik und eine von klaren Werten geprägte Unternehmenskultur. Die Regelung der finanziellen Belange ist Vertrauenssache, davon sind wir überzeugt. Der Name acrevis ist an drei lateinische Wörter angelehnt, die unseren Leitsatz «Durch Vertrauen gestärkt» verkörpern: a|cre|vis (a – durch; cre – Vertrauen; vis – Stärke, Kraft). Sie haben Fragen oder ein individuelles Anliegen? Für weitere Informationen wenden Sie sich an unsere Expertinnen und Experten. Wir sind gerne für Sie da, denn kompetente Beratung und persönlicher Service liegen uns sehr am Herzen.
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