invest
01 2024
Ihre Anlageperspektiven
Auf Kurs bleiben
Konstanten für turbulente Zeiten acrevis spektrum®
Kon | stan | te [kɔnˈstantə], die
substantiviertes Adjektiv, feminin gemäss Duden: Grösse, die als allgemeingültig angesehen wird; etwas, das sich innerhalb eines bestimmten Zeitraumes oder Zusammenhangs nicht verändert, sondern gleich oder bestehen bleibt
Geschätzte Leserin, geschätzter Leser Die Ereignisse überschlagen sich. Aktion und Reaktion stehen im Wettstreit. Wer Orientierung sucht, hat es nicht einfach. Zeiten des Umbruchs waren noch nie von Klarheit geprägt, von Chancen aber schon. Finanzmärkte neigen denn auch dazu, von Zeit zu Zeit mit Verzerrungen und Übertreibungen auf sich aufmerksam zu machen. Ob Sandro Schibli Bereichsleiter Private Banking
im Hoch oder im Tief – in diesen Brennpunkten gilt es, kühlen Kopf zu bewahren, seine persönliche Strategie beizubehalten und gegenüber Chancen offen zu bleiben. Unser Research & Advisory zeigt Ihnen gerne auf, mit welchen Konstanten Sie Ihren Anlageerfolg verbessern können. Mit den Umsetzungsideen möchten wir Ihnen zudem Unternehmungen vorstellen, die mit heraus ragenden Vorteilen ihre Resilienz schon mehrfach unter Beweis stellten. Lassen Sie sich von den fünf analysierten Konstanten inspirieren, um Ihre Anlagestrategie auf ein solides Funda ment zu stellen. Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre.
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Aus der Geschichte lernen Wir wähnen uns gerne in einer aussergewöhnlichen Zeit. Am liebsten in einer einzig artigen gar. Ob es stimmt, wird die Geschichte zeigen. Doch der Blick zurück verrät: Jede Epoche war aussergewöhnlich – und darum eben gerade nicht. Das gilt wohl auch heute. Selbstredend waren die vergangenen 15 Jahre an den Finanzmärkten aussergewöhnlich: Leitzinsen unter null, wer hätte das gedacht. Diese Zeiten sind vorbei. Deswegen aber das Ende der Geschichte zu erwarten, wäre töricht, denn weiter ging es bisher immer. von Martin Lüscher Menschen sind emotionale Wesen. Schnell bilden wir uns intuitiv eine Meinung und haben eine Antwort parat. Was für das Überleben in der Wildnis nützlich war, führt an den Finanzmärkten immer wieder zu Fehlbeurteilungen. Reihenweise Bücher wurden geschrieben über Denkfehler oder emotionale Verzerrungen, die uns etwa daran hindern, an den Finanzmärkten nachhaltig erfolgreich zu sein. Beispiels weise die Verlustaversion, also die Schwierigkeit, sich von Aktien zu trennen, die zu einem höheren Einstandskurs gekauft wurden, nun aber auf keinen grünen Zweig kommen. Klar, niemand will Titel mit Verlust verkaufen, doch für die Aussichten einer Aktie ist es völlig irrelevant, zu welchem Kurs sie einst den Besitzer wechselte. Entscheidend ist einzig der künftige Erfolg des Unternehmens. Eine andere emotionale Verzerrung ist der Bestätigungsfehler, also die Tendenz, sich gerne Informationen zu Gemüte zu führen, welche die bereits gefasste Meinung bestätigen. Auch an der Prognose von Wachstum scheitern wir gerne: Oft rechnen wir damit, dass Wachstum exponentiell ist, also eine Kurve darstellt, die flach ansteigt und dann steil und steiler wird. Die Realität ist aber eine andere: Wachstum beginnt zwar gerne exponentiell, steigt also rasant, schwächt sich danach aber ab. Die Überlegung ist einleuchtend. Nehmen wir die klassische Entwicklung einer Innovation: Am Anfang existieren Zweifel, nur die Mutigen machen mit. Je mehr dann aber dabei sind, desto mehr kommen die Aussenstehenden unter Zugzwang. Sind fast alle Überzeugungswilligen dann aber dabei, flacht das Wachstum ab. Das in etwa war die Entwicklung bei den Detailhändlern in den USA, die ab den Neunzigerjahren Onlineverkaufskanäle lanciert haben. Ab 1995 stieg der Anteil der Einzelhändler mit Onlinepräsenz an, zuerst langsam, dann immer schneller. Laut dem Finanzmarktstrategen Joachim Klement war das exponentielle Wachstum (und die Wette von Investoren darauf, dass es immer so weitergehen würde) auch ein Grund für das kontinuierliche Aufblähen der Technologieblase bis zu ihrem Platzen zur Jahrtausendwende. Anschliessend nahm das Wachstum der Onlinehandelsplattformen wenig überraschend ab und ging in den Jahren danach stetig weiter zurück.
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Der Glaube an exponentielles Wachstum zeigt sich an den Finanzmärkten immer wieder. Jüngste Beispiele sind Bitcoin, Elektroautos sowie künstliche Intelligenz. Gerne überschätzen Anlegerinnen und Anleger die Wachstumsaussichten und setzen damit aufs falsche Pferd. Auf den folgenden Seiten stehen aber nicht Denkfehler oder emotionale Verzerrungen im Fokus, sondern Konstanten – Gesetzmässigkeiten, die sich immer wieder an den Finanzmärkten beobachten lassen. Konstanten beispielsweise wie die Blasenbildung von Vermögenswerten, die sich auch dank emotionaler Verzerrung herleiten lässt und der wir uns auf Seite 7 widmen. Andere Konstanten lassen sich mathematisch herleiten. Haben Sie beispielsweise gewusst, dass eine Mehrheit der Aktien den breiten Markt nicht schlägt? Was auf den ersten Blick überrascht, ist bei genauerem Hinschauen nur logisch. Warum, steht auf Seite 8. Oder war Ihnen klar, dass Nestlé, Roche und Novartis aus der Reihe tanzen? Nicht weil sie mit deutlichem Abstand die grössten kotierten Unternehmen der Schweiz sind, sondern weil sie dies schon seit Jahrzehnten sind. Warum dies ausser gewöhnlich ist, lesen Sie auf Seite 9. Zudem zeigen wir Ihnen, wie Sie wie Warren Buffett investieren können. Der amerikanische Investor setzt seit je auf Unternehmen mit bemerkenswerter Resilienz. Also auf Gesellschaften, die auch für schwierige Zeiten gewappnet sind. Wie Sie solche Unternehmen erkennen können, lesen Sie auf den Seiten 10 und 11. Und auf der Doppelseite 12 –13 finden Sie spannende Umsetzungsideen, die wir für Sie herausgesucht haben. In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder erlebt, welch überraschende Wendungen uns begegnen können. Auch 2024 dürfte an Überraschungen nicht arm sein – auf wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene. Einer der Höhepunkte dabei: Das Getöse um die Präsident schaftswahlen in den USA im November wird, einem Crescendo gleich, spätestens im Spätsommer ohrenbetäu bend sein. Wie zuletzt immer wird es auch diesmal eine historische, wegweisende, für das Überleben der Demokratie entscheidende Wahl sein. Wie einleitend gesagt: Wir leben in einer aussergewöhnlichen, einzigartigen Zeit. Wie immer.
Konstante 1: Am Aktienmarkt geht es aufwärts Der langfristige Trend ist klar: An der Börse geht es aufwärts. Selbstverständlich gibt es immer wieder enttäuschende Phasen mit 50% Verlust oder mehr. Doch je länger Sie investiert sind, desto sicherer ist die Wertsteigerung. Nach etwas mehr als zwei Dekaden gibt es Gewissheit. Dann nämlich ist die Rendite am Schweizer Aktienmarkt gemessen am marktbreiten Swiss Performance Index sicher positiv – nicht nur auf Papier, sondern auch real, also nach Abzug der Teuerung. Dies zeigt der Blick zurück: Von 1926 bis 2022 gab es keine Phase von 24 oder mehr Jahren, in der nicht eine positive Rendite resultierte (vgl. Grafik). Das ist zwar kein Garant, dass es in Zukunft über diesen Zeitraum nicht auch einmal Verlustperioden gibt – das Risiko dafür ist aber klein. Zwar sehen wir uns derzeit mit diversen Krisen konfrontiert. Das war in den vergangenen fast hundert Jahren aber nicht anders: Die Grosse Depression, der Zweite Weltkrieg oder die Erdölkrise sind nur einige der für die Welt und die Finanz märkte einschneidenden Episoden. Die schwierigste Episode für Aktienanlegerinnen und -anleger war die Erdölkrise in den Siebzigerjahren. Damals gab es acht Zehnjahresperioden mit einem Minus am Aktienmarkt. Während der Grossen Depression in den Dreissigerjahren und der Finanzkrise der Nullerjahre waren es nur zwei. Während mit Aktien Wertverluste über zehn Jahre selten sind – eine von sieben Zehnjahresperioden, um genau zu sein, sieht
es bei fünf Jahren anders aus: Jede dritte Fünfjahresperiode ist ein Verlustgeschäft. Das liegt daran, dass die «Bären märkte» – Phasen, in denen der Markt über 20% verliert – sich über diesen Zeitraum zeigen. Sehr enttäuschend war etwa die Entwicklung von 1970 bis 1974. Damals erlebten Anlegerinnen und Anleger mit 14% den höchsten annualisierten Verlust über fünf Jahre bzw. einen Wertverlust von total 54%. Die erfolgreichste Fünfjahresperiode war derweil von 1993 bis 1997, als der Aktienmarkt pro Jahr 24% zulegte bzw. sich über fünf Jahre verdreifachte. Ähnlich wie bei den Aktien sieht es bei Anleihen aus. Auch hier sinkt die Wahrscheinlichkeit einer negativen Rendite, je länger Sie investiert sind. Mit 39 Jahren dauert es aber deutlich länger, bis Sie inflationsbereinigt nie einen Verlust hatten. Auch die durchschnittliche Rendite ist geringer. Während Sie mit dem Schweizer Aktienmarkt im Mittel eine Wertsteigerung von mehr als 5% pro Jahr erreichen konnten, waren es bei Anleihen nur 2%. Deswegen auf Anleihen zu verzichten und nur auf Aktien zu setzen, wäre aber falsch: Aktien und Anleihen ergänzen sich gut, wie Konstante 2 zeigt.
Online können Sie die Verteilung der Rendite von Anleihen sowie eines Portfolios mit Aktien und Anleihen anschauen. acrevis.ch/konstanten
TIPP:
Bleiben Sie investiert!
80% Je länger, desto sicherer: Verteilung der annualisierten realen Rendite von Schweizer Aktien nach Haltedauer 60% * Lesebeispiel: Von den 88 Zehnjahresperioden zwischen 1926 und 2022 resultierten in deren 12 nach Abzug der Teuerung eine negative Rendite. Im besten Fall lag die Rendite pro Jahr bei 18% – was über zehn Jahre einer Gesamtrendite von 426% entspricht –, im schlechtesten bei −4% – was einer Gesamtrendite von −33% entspricht – und im Mittel bei 6% – was einer Gesamtrendite von 72% entspricht.
40%
20% 5.2%
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–20%
–40% Min
Max
Mittelwert
–60% Quelle: Pictet, acrevis Investment Center
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Stabilere Entwicklung mit Aktien und Anleihen: Inflationsbereinigte Wertentwicklung von Schweizer Aktien, Schweizer Anleihen und einem Portfolio der beiden Bausteine, indexiert
Aktien
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Portfolio mit 60% Aktien und 40% Anleihen
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1’000
100 1925 1930 1935 1940 1945 1950 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020
Quelle: Pictet
Konstante 2: Anlageklassen ergänzen sich Wer Nerven aus Stahl hat, auch gut schläft, wenn die Börsen ins Bodenlose fallen, und lange auf investiertes Geld verzichten kann, der setze auf Aktien. Wer hingegen schon nervös wird, wenn Nestlé mal einen schlechten Tag hat, der setze auf Anleihen. Alle anderen kombinieren die beiden Anlageklassen – das führt zur besten Kombination aus Rendite und Risiko. Zahlen lügen nicht: Ein reines Aktienportfolio erzielte an der Börse die höchste Rendite. Gemessen am marktbreiten Swiss Performance Index verdoppelte sich das Vermögen von 1926 bis 2022 inflationsbereinigt im Mittel alle zwölf Jahre und acht Monate. Rendite gibt es aber nicht ohne Risiko: Anlegerinnen und Anleger, die nur auf Aktien setzten, mussten in diesem Zeitraum auch einen Verlust von 56% vom Höchst verkraften respektive am Stück auch einmal zwölf Jahre überstehen, in welchen das Depot im Minus war. Ruhiger schlafen konnten Anlegerinnen und Anleger mit Anleihen. Hier gab es nur einen maximalen Verlust von 22% vom Höchst. Stete Wertsteigerung gab es dennoch nicht: Von 1939 bis 1958 notierte ein Portfolio, das nur aus Anleihen bestand, abzüglich der Teuerung im Minus. Zudem dauerte es im Mittel mit 35 Jahren fast drei Mal so lange wie bei Aktien, bis sich der Wert des Portfolios verdoppelte. Sicherheit hat halt ihren Preis.
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Die beste Kombination aus Rendite und Risiko liefern Aktien und Anleihen im Mix. Wenig überraschend überzeugt dabei die Kombination von 60% Aktien und 40% Anleihen – das klassische 60/40-Portfolio also. So war diese Strategie von 1926 bis 2022 maximal zehn Jahre unter Wasser – kürzer als Aktien oder Anleihen allein. Mit 15 Jahren dauerte es nur wenig länger bis zur Verdoppelung des Portfolios als bei Aktien. Während der maximale Verlust mit 41% zwar immer noch deutlich höher war als bei Anleihen allein (−22%), war er weniger schlimm als bei Aktien (−56%). Ausländische Aktien bieten übrigens kaum einen Mehrwert, zumindest betreffend Rendite. Gemäss einer Analyse der Credit Suisse rentierten US-Aktien von 1973 bis 2022 mit 5,9% zwar mehr als Aktien aus der Schweiz mit 5,3%. Wird die Aufwertung des Schweizer Frankens aber mit einbezogen, sinkt die Rendite der US-Aktien auf jährlich 5%. Noch schwächer ist die Entwicklung der Welt abzüglich der USA. Hier avancierten Aktien in Franken pro Jahr im Mittel von 1973 bis 2022 gerade einmal um 3,5%. Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger hat es sich in der Vergangenheit also kaum ausgezahlt, in ausländische Aktien zu investieren. In Schweizer Anleihen hingegen schon.
TIPP:
Online können Sie die Wertentwicklung sowie die maximalen Verluste verschiedener Portfolios vergleichen. acrevis.ch/konstanten
Setzen Sie auf Aktien und Anleihen!
Konstante 3: Die Finanzmärkte neigen zu Übertreibungen Die vier gefährlichsten Worte an den Finanzmärkten sind «This time is different» – diesmal ist es anders. Spätestens dann, wenn Sie diese Worte hören, gilt es innezuhalten und sich zu fragen, ob es wirklich anders ist. Denn meist ist es das nicht. Eine Blase an den Finanzmärkten zu erkennen ist nicht schwierig. Zwei Indikatoren – einer technisch, einer gesellschaftlich – helfen Ihnen dabei. Zuerst der technische Indikator: Zeigt ein Kurs-Chart exponentiell nach oben, handelt es sich um eine Blase. So der Fall beim Gold in den Siebzigerjahren, bei amerikanischen Technologieaktien zur Jahr tausendwende oder bei Bitcoin in den vergangenen Jahren (vgl. Grafik). Das Platzen einer Blase ist hingegen nicht so einfach vorherzusagen. Da hilft der gesellschaftliche Indikator. Als 1929 selbst Schuhputzer stolz verkündeten, Aktien gekauft zu haben, war es bis zum Wallstreet-Absturz am Schwarzen Donnerstag nicht mehr weit. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, wie das Beispiel von Bitcoin zeigt: Als in den Medien Bitcoin-Millionäre die Runde machten, dauerte es bis zum Crash nicht mehr lange. Die Blasenbildung an den Finanzmärkten ist allzu menschlich und nicht nur irrational: Niemand will untätig abseitsstehen, wenn andere ohne eigenes Zutun reich und reicher werden. Hat ein Trend dann Fahrt aufgenommen, ist es schwierig, ihn zu stoppen. Immer mehr Spekulanten springen auf, bis es niemanden mehr gibt, der aufspringen kann – es kommt zum Unfall.
Am Anfang von Blasen stehen meist gute Geschichten: Das Aufkommen der Eisenbahnen Ende des 19. Jahrhunderts, der Aufschwung von Japan Ende der Achtzigerjahre oder die Cannabis-Legalisierung in den USA vor wenigen Jahren. Wirklich gefährlich wird es, wenn alles anders sein soll. Etwa, als das Internet zur Jahrtausendwende die ganze Gesellschaft verändern sollte. Oder als «Collateralized Debt Obligations» das Zerstückeln und Weiterverkaufen von Hypotheken vereinfachten, damit zu einem Boom am Häusermarkt und am Markt von hypothekenbesicherten Wert papieren führten und Ende der Nullerjahre fast das globale Finanzsystem in den Abgrund rissen. Fakt ist: Jede Blase platzt einmal. In solchen Korrekturen stecken aber auch Chancen. Denn Märkte übertreiben nicht nur im positiven Sinne, sondern auch im negativen. Wenn sich die Investorinnen und Investoren die Finger verbrannt haben und nichts mehr an der Börse verlieren wollen, ist meist ein guter Einstiegszeitpunkt. Diese Momente abzupassen, ist schier unmöglich. Wichtiger ist, sich über das ständige Auf und Ab an den Märkten bewusst zu sein, ohne sich davon irritieren zu lassen, denn nicht in jeder Blase steckt nur heisse Luft. Künstliche Intelligenz wird wie das Internet weitreichende Folgen haben. Davon profitieren Unternehmen wie Lassen Sie sich Chiphersteller und ihre Zulieferer. nicht von Da das Thema aber in aller Munde Ihrer Strategie ist, möchten viele vom Trend abbringen! profitieren, was die Bewertung zu stark in die Höhe treiben.
TIPP:
Die Finanzwelt neigt zu Übertreibungen: Wertentwicklung der bekanntesten Blasen der Finanzwelt seit 1977, in % 800% 700% 600% 500% 400% 300% 200% 100% 0% –100%
1977
1983
1996
2001
2005
2008
2017 2019
2022
Gold
Technologieaktien USA
Immobilien China
Technologieaktien USA
Aktien Japan
Aktien von Immobilienunternehmen USA
Erdöl
Aktien zum Thema künstliche Intelligenz
Aktien Russland
Bitcoin
Quelle: Apollo Global Management
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Jede zweite Aktie bringt Verlust: Verteilung der Wertentwicklung aller US-Aktien seit 1926 je Anlagedauer Haltedauer 1 Monat
Haltedauer 10 Jahre
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200’000
150’000
150’000
100’000
100’000
50’000
50’000
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0
–40%
–20%
0%
20%
40%
0%
Haltedauer 1 Jahr
200%
400%
600%
800%
Haltedauer 20 Jahre* 250’000
150’000
200’000 100’000
150’000 100’000
50’000
50’000
0 –100%
0 –50%
n schlechter als der Markt
0%
50%
100%
150%
200%
0%
200%
400%
600%
800%
1000%
n besser als der Markt
* Lesebeispiel: Nach zwanzig Jahren schneidet mehr als die Hälfte aller Aktien schlechter ab als der Gesamtmarkt. Während einige wenige exorbitante Renditen erzielen, verursachen viele einen Totalverlust. Quelle: Underperformance of Concentrated Stock Positions, Antti Petajisto, 2023
Konstante 4: Die meisten Aktien schlagen den Markt nicht Eine Entwarnung vorweg: Seien Sie nicht enttäuscht, wenn die Mehrheit der Aktien in Ihrem Portfolio den Markt nicht schlägt. Das ist völlig normal. Der Grund ist das Renditepotenzial von Aktien: Es ist einseitig verzerrt. Wenn auch im positiven Sinne. Während das Verlustpotenzial einer Aktie auf 100% begrenzt ist, endet das Gewinnpotenzial keineswegs bei 100%. Oder anders ausgedrückt: Eine Aktie mit einem Ausgabewert von CHF 10 kann nur auf 0 sinken (−100%). Nach einer Verdopp lung auf CHF 20 (+ 100%) muss hingegen noch lange nicht Schluss sein: Die Aktie kann sich verdrei- (+ 200%), vervier(+ 300%) oder auch versiebzehnfachen (+1600%). Eine Grenze gibt es nicht. So kletterten die US-Unternehmen Cisco und Dell in den Neunzigerjahren über zehn Jahre fast um 20'000%. Das führt unweigerlich dazu, dass die Renditeverteilung von Aktien alles andere als normal ist. Je länger, desto weniger. Das zeigt eine Analyse der 3000 grössten US-Aktien über den Zeitraum von 1926 bis 2022: Während die Verteilung der Rendite nach einem Monat zwischen −40% und 40% noch einer Glockenkurve gleicht, wird die Verteilung spätestens über zehn Jahre links bei −100% an eine Grenze gedrückt, wohingegen sie nach rechts immer höhere Werte erreicht (vgl. Grafik). Gibt es mit den Jahren immer mehr Aktien, die einen totalen Wertverlust erleiden, sind es nur einige wenige,
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die exorbitante Renditen erzielen. Das führt dazu, dass mit 55% über einen Zehnjahreszeitraum mehr als die Hälfte der Aktien den Markt nicht schlagen. Es spielt auch keine Rolle, welcher Sektor betrachtet wird: Nirgends schlägt eine Mehrheit den breiten Markt. Die Median-Aktie – also diejenige, bei welcher die eine Hälfte aller Aktien besser abgeschnitten hat und die andere Hälfte aller Aktien schlechter – verliert über zehn Jahre gegenüber dem breiten Markt 0,8%. Noch extremer ist die Entwicklung, wenn auf die besten Performer der vergangenen Jahre gesetzt wird. So verloren Aktien, die in den fünf Jahren zuvor zu den besten 20% gehört hatten, in den zehn Jahren danach gegenüber dem breiten Markt 1,94% pro Jahr. Einmal mehr: Erfolg in der Vergangenheit ist eben kein Garant für eine rosige Zukunft. Auch in der Schweiz lässt sich beobachten, dass eine Mehrzahl der Aktien schlechter abschneidet als der Markt, besonders in steigenden Märkten. So schlugen 2021 nur gerade 36% der Schweizer Aktien den Markt gemessen am Swiss Performance Index. Die Schluss folgerung ist klar: Je weniger Aktien Sie im Portfolio haben, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie nicht nur den Markt nicht Setzen Sie auf schlagen, sondern auch einen genügend Aktien ausserordentlich grossen Verlust statt auf einige einfahren. wenige Titel!
TIPP:
Konstante 5: Gleichgewichtet schlägt alles Ohne Geschichten geht es nicht. Sie stiften Identität, halten unsere Gesellschaft zusammen und helfen einzuordnen. Auch an den Finanzmärkten hinterlassen sie ihre Spuren. Sie leiten Kapitalströme, fördern Branchen und kreieren Gewinnerinnen und Gewinner. Gleichzeitig schaffen sie aber auch Gefahren, denn selbst die beste Geschichte ist irgendwann vorbei. Das verrät der Blick auf die weltweit grössten Unternehmen über die vergangenen fünfzig Jahre. In den Achtzigerjahren prägten US-Erdölmultis die Top Ten, zehn Jahre später Konzerne aus Japan, zur Jahrtausendwende amerikanische Internetgesellschaften und 2010 Unternehmen aus China. Zuletzt dominierten Mega-Caps aus den USA – angeführt von Apple, Amazon und Microsoft – die grössten globalen Gesellschaften. Das zeigt: Immer wieder gibt es an den Märkten ein neues Narrativ und verändert sich die Zusammensetzung der grössten Unternehmen, ein Trend, dem sich die bisherigen Platzhirsche nur selten widersetzen können. Dabei ist es aber nicht nur der Wandel der Geschichte, der zu Veränderungen an der Spitze führt: Je grösser ein Unternehmen ist, desto schwieri ger wird Wachstum. So dürfte es für Apple immer schwieriger werden, den Jahresumsatz von USD 383 Milliarden zu verdoppeln, als etwa für Logitech mit USD 4,5 Milliarden.
Wer nun auch in der Schweiz ein ständiges Rotieren auf den Spitzenplätzen erwartet, wird enttäuscht. Denn die Schweiz ist anders: Der Nahrungsmittelmulti Nestlé und die Pharmariesen Roche und Novartis stehen seit Dekaden an der Spitze der hiesigen kotierten Unternehmenslandschaft. Dabei machen die drei zusammen im marktbreiten Swiss Performance Index 42% und im konzentrierten Leitindex Swiss Market Index gar 50% aus. Ein Klumpen nicht ohne Risiko (vgl. Konstante 4). Das zeigt: Selbst passive Kollektivanlagen wie Fonds oder ETFs, die sich an einem Index orientieren, haben teils signifikantes unternehmensspezifisches Risiko. Wobei «passiv» es nicht genau trifft, auch Indizes werden aktiv angepasst. Zum Beispiel aufgrund von Veränderungen bei den Mitgliedern – Firmen gehen bankrott, werden zu klein, wechseln den Börsenplatz oder werden übernommen – oder weil ein Titel schlicht zu gross ist und wie etwa Novo Nordisk in Dänemark aus Risikoüberlegungen begrenzt wird. Indem man alle Titel im Portfolio gleich gewichtet, kann man diesem Problem aus dem Weg gehen. Wie langfristige Analysen in den USA gezeigt haben, liefert ein Portfolio mit gleichgewichteten Aktien eine höhere Rendite im Vergleich zum kapital gewichteten Index. Es gibt zwar immer wieder Phasen, in welchen der Index eine Outperformance erzielt. Das robustere, also Geben Sie Aktien ein möglichst weniger volatile Ergebnis erzielt gleiches Gewicht! aber der gleichgewichtete Ansatz.
TIPP:
Die wenigsten können sich halten: Die zehn grössten kotierten Unternehmen der Welt von 1980 bis 2020 1980 Unternehmen IBM Exxon AT&T Shell Oil General Electric Chevron Schlumberger Amoco Mobil Atlantic Richfield
Land Marktkap. in Mio. $ USA 29’269 USA 20’408 USA 10’800 UK 9’900 USA 9’752 USA 9’604 USA 9’450 USA 9’000 USA 9’000 USA 8’820
1990
2000
2010
2020
Unternehmen
Unternehmen
Unternehmen
Unternehmen
Land Marktkap. in Mio. $ NTT JPN 145’051 Industrial Bank of JPN JPN 101’249 Sumitomo Bank JPN 72’073 Fuji Bank JPN 69’541 Dai-Ichi Kangyo Bank JPN 63’671 Exxon USA 62’504 MUFG Bank JPN 59’980 Toyota JPN 58’634 General Electric USA 56’566 Tokyo Electric Power JPN 55’767
Land Marktkap. in Mio. $ General Electric USA 476’116 Cisco USA 448’356 Microsoft USA 408’720 Vodafone UK 340’310 ExxonMobil USA 301’238 Pfizer USA 290’444 Citigroup USA 256’447 Walmart USA 244’021 Royal Dutch Shell UK 204’822 Intel USA 202’050
Land Marktkap. in Mio. $ ExxonMobil USA 364’064 PetroChina CHN 303’277 Apple USA 267’756 ICBC CHN 233’376 Petrobras BRA 229’064 CHN Construction Bank CHN 222’296 Walmart USA 202’286 Microsoft USA 199’451 HSBC UK 179’537 BHP Billiton AUS 177’383
Land Marktkap. in Mio. $ Apple USA 1’906’000 Saudi Aramco SAU 1’865’000 Amazon USA 1’638’000 Microsoft USA 1’541’000 Alphabet USA 1’183’000 Facebook USA 778’233 Tencent CHN 695’918 Berkshire Hathaway USA 537’012 Alibaba CHN 522’471 Johnson & Johnson USA 414’305
Quelle: Apollo Global Management, acrevis Investment Center
Die Schweiz ist anders: Die fünf grössten kotierten Unternehmen der Schweiz von 1975 bis 2020 1975 Unternehmen Nestlé SBG (UBS) Ciba-Geigy (Novartis) SKA (CS) SBV (UBS)
1990 Marktkap. in Mio. CHF 6’460 4’650 4’197 4’169 2’096
Unternehmen Nestlé Roche SBG (UBS) Sandoz (Novartis) Ciba-Geigy (Novartis)
2000 Marktkap. in Mio. CHF 26’076 17’914 12’583 11’520 11’385
Unternehmen Novartis Nestlé Roche UBS Credit Suisse
2010 Marktkap. in Mio. CHF 206’653 149’019 148’153 112’273 92’268
Unternehmen Nestlé Novartis Roche UBS ABB
2020 Marktkap. in Mio. CHF 189’709 144’937 119’099 58’803 48’048
Unternehmen Nestlé Roche Novartis Zurich ABB
Marktkap. in Mio. CHF 300’373 266’692 206’367 56’197 53’575
Quelle: acrevis Investment Center
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Wie Unternehmen Schutz suchen – und auch finden Krisen sind die Konstanten der Welt – es gibt sie immer wieder. Mit der Corona-Pandemie, dem Konflikt im Nahen Osten sowie den Immobilienproblemen in China hat sich dies jüngst bestätigt. Von den Krisen betroffen sind auch Unternehmen – aber nicht alle gleich: Resiliente, also widerstandsfähige Unternehmen können Rückschläge leichter wegstecken und turbulente Zeiten besser überstehen. Ein sogenannter Burggraben bietet ihnen Schutz. Dieser kommt aber nicht von ungefähr, sondern muss hart erarbeitet werden. Davon profitieren können auch Anlegerinnen und Anleger.
von Nadine Gusset & Natascha Fischer, acrevis Bank Wie Warren Buffett zu investieren, ist sicher keine schlechte Idee. Gehört die Investmentlegende aus Omaha doch zu den erfolgreichsten Anlegern der Welt und verfügt unterdessen über ein Portfolio von über USD 313 Mrd. Buffett setzt gerne auf Unternehmen, welche analog zu Burgen über eine Verteidigungslinie respektive einen Burggraben verfügen. Diese Burggräben repräsentieren langfristige und nachhaltige Wettbewerbsvorteile, die vor der Konkurrenz schützen und die Marktposition sichern sollen. Solchen Unternehmen gelingt es in der langen Frist, eine Kapitalrendite zu erwirtschaften, die über den Kapitalkosten liegt. Sobald ein Unternehmen über einen Burggraben verfügt, muss dieser aber auch verteidigt werden, damit er auch in Zukunft seine Funktion erfüllt. Kundentreue aufgrund von Wechselkosten Unternehmen verfolgen unterschiedliche Strategien, um sich vor der Konkurrenz zu schützen. Beispielsweise mit hohen Wechselkosten: Damit binden sie Kundinnen und Kunden an ein spezifisches, einzigartiges Ökosystem, wodurch sie Preissetzungsmacht erreichen. Solche Wechselkosten müssen dabei nicht rein monetär, sondern können auch den zeitlichen Aufwand oder psychologische Hemmschwellen umfassen, die bei einem Wechsel zu einem Konkurrenzprodukt anfallen würden.
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Ein Beispiel für ein solches einzigartiges Ökosystem ist Apple. Der iPhone-Hersteller hat dank eigenem Betriebs system und einer Reihe von Produkten und Dienstleistungen ein sich ständig erweiterndes Universum geschaffen. Will jemand davon weg, verliert er oder sie nicht nur den Platz im Universum, sondern sieht sich auch mit einer Reihe von Umstellungskosten oder -aufwänden wie neuen Schnitt stellen und einem anderen Betriebssystem konfrontiert. Kein Wunder, macht Apple im Portfolio der US-Aktien von Warren Buffett mehr als die Hälfte aus (vgl. Grafik Seite 11). Den Preiswettbewerb dominieren Einen Wettbewerbsvorteil haben zudem Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen günstiger als die Konkurrenz herstellen können. Auch das ist ein Burggraben. Als Kostenführer können Unternehmen ihre Produkte zum gleichen Preis wie die Konkurrenz verkaufen und dabei höhere Gewinne erzielen oder die Konkurrenz mit niedrigeren Preisen unterbieten. Egal welchen Weg das Unternehmen wählt, er führt zu höheren Margen gegenüber der Konkurrenz, Dominanz im Preiswettbewerb und letztlich zu einer Stärkung der langfristigen Wettbewerbs fähigkeit.
US-Aktienportfolio von Berkshire Hathaway: grösste Einzelpositionen, in Mrd. $
Apple
156,8
Bank of America
28,3
American Express
22,6
Coca-Cola
22,4
Chevron
18,6
Occidental Petroleum
14,5
Kraft Heinz
11,0
Moody’s
7,8
DaVita Healthcare
3,4
HP
2,6
Quelle: Securities and Exchange Commission SEC; Daten per Ende September 2023
Im Netz gefangen Auch Netzwerkeffekte können einen Burggraben begründen. In einem solchen Fall steigt der Wert eines Produkts oder einer Dienstleistung mit wachsender Nutzerinnen- und Nutzerbasis exponentiell an. Somit steigt der Gesamtwert mit jeder zusätzlichen Kundin und jedem zusätzlichen Kunden. Beispiele sind hier soziale Netzwerke und Zahlungssysteme, bei denen eine grössere Kundschaft die Attraktivität und den Nutzen erhöht. Das führt zu einem Wettbewerbsvorteil und einer Stärkung der Marktposition. Je mehr Kreditkarten beispielsweise von American Express verwendet werden, desto attraktiver wird dieses Zahlungsnetz für die Händlerinnen und Händler, was es wiederum für die Konsumen tinnen und Konsumenten attraktiver macht. Wenig überraschend: Auch Visa findet sich im Portfolio des US-Investors Warren Buffett wieder. Der immaterielle Wert einer starken Marke Langfristige Wettbewerbsvorteile erzielen auch jene Unternehmen, die hohe immaterielle Vermögenswerte besitzen. Hierbei kann ein Unterscheidungsmerkmal, welches nicht replizierbar oder aber rechtlich geschützt ist, ausschlag gebend sein. Auch Marken, die einem «top of mind» direkt bei einem Produkt einfallen – etwa Barilla bei Pasta, Lindt & Sprüngli bei Schokolade oder Nike bei Sportbeklei dung –, können Gold wert sein. Für einige Marken setzen sich die Markennamen sogar im informellen Sprachgebrauch konsequent durch. So wird von googlen, Plexiglas, Tupper ware oder Labello gesprochen – alles Marken, welche sich als Synonyme für ihren Service beziehungsweise ihr Produkt durchgesetzt haben. In der Schweiz behauptet sich Nestlé als eines der Unternehmen mit einem Burggraben in der Kategorie des Kostenvorteils sowie der immateriellen Vermögenswerte. Der Nahrungsmittelkonzern gehört mit einem Markenwert von USD 22,42 Mrd. zu den wertvollsten Marken der Schweiz und zeigt mit Blick auf die Schweizer Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung einen breiten Burggraben.
Gross, grösser, Gewinner? Einen Skaleneffekt zu nutzen ist wahrscheinlich der «klassischste» der wirtschaftlichen Burggräben. Grosse Unternehmen profitieren von natürlichen Monopolen. Sie bedienen Verbraucherinnen und Verbraucher aufgrund ihrer schieren Grösse und können so gleichbleibende Fixkosten auf einen höheren Umsatz verteilen. Das schreckt neue Marktteilneh mende ab. Dank der Grösse können Preise, Gewinnmargen und Kostenstrukturen optimiert werden. Swisscom zeigt beispielhaft, wie ein solcher Burggraben durch Skaleneffekte aussehen kann. Ist das Mobilfunknetz einmal etabliert, ermöglicht dies die effiziente Verteilung der Instandhaltungskosten auf die gesamte Kundschaft. Die Kosten für das Netz verändern sich nicht durch eine zusätzliche Kundin bzw. einen zusätzlichen Kunden. Infolgedessen sinken die anfallenden Grenzkosten pro Kundin bzw. Kunde mit zunehmender Anzahl abgeschlossener Swisscom-Abonnements. Burggraben allein reicht nicht Doch auch wenn Unternehmen mit einem breiten Burggraben resilient, also widerstandsfähig sind, sind sie nicht immer ein gutes Investment: Die Vergangenheit zeigt, dass allein der Burggraben keine Garantie für eine hohe Rendite ist. Risikobereinigt schnitten Unternehmen mit einem breiten Burggraben zwar leicht besser ab als der Aktienmarkt, trotzdem kann die Zuverlässigkeit solcher Unternehmen gleichzeitig deren Gewinne dämpfen. Ausschlaggebend ist zudem der Einstiegszeitpunkt besonders in Bezug auf die Bewertung. So kauft Warren Buffett nicht blind Aktien von Unternehmen, die einen breiten Burggraben haben, sondern wartet darauf, bis diese attraktiv bewertet sind. Das sollten Investorinnen und Investoren ebenfalls beherzigen.
invest 01 · 2024
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Umsetzungsideen In unsicheren Zeiten ist Stabilität gefragt. Sicherheit. Schutz. Das gilt auch für die Finanzmärkte. Gesucht sind Unternehmen, die sich auch in stürmischen Zeiten behaupten können. Idealer weise verfügen sie über einen Burggraben und ihre Produkte oder Dienstleistungen sind auch gefragt, wenn die Konjunktur stockt. Auf dieser Doppelseite finden Sie vier resiliente Aktien und eine resiliente Kollektivanlage, die diese Anforderungen erfüllen. Als Basis dienen die Kriterien der bewährten acrevis spektrum® -Methodik.
Emmi
Givaudan
Valor 1'282'989 Währung CHF
Einschätzung acrevis ¹
Rating
Branche Basiskonsumgüter
Fundamental
3
Kurs 882.00
Verhaltensbezogen
1
KGV 2025
20
Umsatz 2022
4,2 Mrd. CHF
Gewinn 2022
182,6 Mio. CHF
Technisch
1
Gesamteinschätzung
5
Egal ob Kaltbachkäse, Caffè Latte oder Gerber-Fondue – Emmi schmeckt gut und das schon lange. 1907 in Luzern gegründet, hat sich das Unternehmen in der Schweiz als führendes Unternehmen für Milchprodukte etabliert. Doch die Beliebtheit der Produkte beschränkt sich nicht nur auf den heimischen Markt. Unterdessen werden nur noch 41% des Umsatzes in der Schweiz erwirtschaftet. Wichtig sind auch Nordamerika, Südamerika, Spanien und Tunesien mit 40% Umsatzanteil sowie das übrige Europa mit 16%. Damit aber noch nicht genug. Emmi strebt weiter danach, den Marktanteil im Ausland auszubauen. Nach Nestlé gilt Emmi als eine der defensivsten Schweizer Aktien im Nahrungsmittelbereich. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Emmis Sortiment viele Basisprodukte enthält und kaum saisonale Schwankungen aufweist. Emmi setzt auf stabile, nachhaltige Lieferketten und verfügt über eine starke Markenpräsenz.
12
invest 01 · 2024
Valor 1'064'593 Währung CHF Branche
Roh- und Grundstoffe
Kurs 3229.00 KGV 2025
27
Umsatz 2022
7,1 Mrd. CHF
Gewinn 2022
856 Mio. CHF
Einschätzung acrevis ¹
Rating
Fundamental
2
Verhaltensbezogen
1
Technisch
3
Gesamteinschätzung
6
Givaudan gehört zu den wichtigsten Anbietern von Aromen und Duftstoffen. Stabil dank hohen Markteintrittsbarrieren und defensiver Produkteigenschaften. Zudem gelingt es dem Unternehmen kontinuierlich, das Wachstum des Gesamtmarktes zu übertreffen. Dabei nutzt Givaudan seine Grösse, um Marktanteile von kleineren Anbietern zu übernehmen, da die Komplexität der gesetzlichen Anforderungen und der Rohstoffbeschaffung diese benachteiligt – ein gutes Beispiel für einen Burggraben dank Skaleneffekten. Zusätzlich investiert Givaudan in aufstrebende angrenzende Segmente wie kosmetische Wirkstoffe. Der Markt konsolidiert sich zunehmend; führende Unternehmen kaufen kleinere auf oder schliessen sich mit grösseren Inhaltsstoffherstellern zusammen. Dies erschwert es den Kleinen weiter, sich zu behaupten, und der Burggraben von Givaudan wächst mit jedem Zukauf und den damit verbundenen Patenten.
VanEck Morningstar Global Wide Moat UCITS ETF Valor
55'781'390
Währung
CHF
Kurs
21.76
Kosten p.a.
0,52%
Fondsdomizil
Irland
Lancierung
2020
Performance p.a. (3 Jahre)
1,6%
Volatilität p.a. (3 Jahre)
14,2%
Fondsvolumen (US-Dollar)
59,5 Mio.
Nachhaltige Wettbewerbsvorteile halten die Konkurrenz auf Distanz. Wer wie Warren Buffett auf entsprechende Unternehmen setzen will, liegt mit dem VanEck Morningstar Global Wide Moat ETF richtig. Der ETF bildet den Morningstar Global Wide Moat Focus Index ab. Er setzt auf attraktiv bewertete Unternehmen, die aufgrund hoher Wechselkosten beim Kunden über Preismacht verfügen, starke Marken und Patente besitzen oder von Skalen- und Netzwerk effekten sowie anderen Kostenvorteilen profitieren. Von den aktuell 68 Unternehmen hat das schwedische Unternehmen Elekta mit 2,4% das grösste Gewicht. Ein Hersteller von medizinischen Geräten und Lösungen für die Strahlentherapie. Bekanntere Unternehmen wie ASML, Alphabet und Roche sind ebenfalls im ETF vertreten. Die grössten 10 Positionen machen rund 22% aus. Regional am stärksten vertreten sind die vereinigten Staaten (55%), Grossbritannien (9%), Frankreich und China (je 6%).
SAP
Schindler
Valor 345'952 Währung EUR
Einschätzung acrevis ¹
Rating
Branche Informationstechnologie
Fundamental
3
Kurs 137.22
Verhaltensbezogen
1
KGV 2025
19
Umsatz 2022
30,9 Mrd. EUR
Gewinn 2022
1,7 Mrd. EUR
Technisch
3
Gesamteinschätzung
7
SAP ist der Gigant im Geschäft mit Businesssoftware. Dank der dominanten Stellung im lukrativen Cloud-Markt und einem breit gefächerten Produktportfolio behauptet sich SAP seit Jahren an der Spitze. Dadurch hat das Softwareunternehmen tiefgreifende Einblicke in die operativen Abläufe von Hunderttausenden von Unternehmen erhalten und kann kontinuierlich innovative Softwarelösungen entwickeln. Einen Burggraben hat SAP gebaut, indem es Kunden durch Wechselkosten an sich bindet. Haben sich Kunden für SAP entschieden und entsprechende Schnittstellen integriert, würde ein Wechsel zu einem Konkurrenten erhebliche Kosten verursachen. Zudem neigen Kundinnen und Kunden von SAP dazu, bestehende Lösungen innerhalb des umfangreichen Angebots des Unternehmens zu erweitern. Der IT-Gigant wächst also nicht nur konstant, sondern bietet dank vorhersehbarem Umsatz, einer soliden Bilanz und einem Burggraben auch Sicherheit.
Valor 2'463'819 Währung CHF
Einschätzung acrevis ¹
Rating
Branche Industrie
Fundamental
3
Kurs 193.20
Verhaltensbezogen
2
Technisch
0
Gesamteinschätzung
5
KGV 2025
20
Umsatz 2022
11,3 Mrd. CHF
Gewinn 2022
659 Mio. CHF
Zuverlässigkeit ist entscheidend, denn die Rolltreppen und Lifte von Schindler bewegen täglich Millionen von Menschen. Seit der Gründung 1874 hat das Unternehmen seine Präsenz auf über 100 Länder ausgeweitet und gehört zu den Marktführern. Dank der globalen Präsenz profitiert Schindler von Megatrends wie Urbanisierung und Energieeffizienz, wobei Letzteres das Hauptgeschäft der Wartung antreibt. Während Neuinstallationen 45% des Umsatzes beisteuern, ist das Servicegeschäft für den Gewinn entscheidend. Die Margen bei Wartungsarbeiten sind im Vergleich zu Neuinstallationen fast doppelt so hoch. Die Aufzugsbranche weist erhebliche Eintrittsbarrieren auf, dank komplexen Technologien, strengen Sicherheitsstandards und langfristigen Kundenbeziehungen. Die geringere Abhängigkeit vom chinesischen Markt hat sich von einem möglichen Nachteil – aufgrund der Immobilienkrise – in einen strategischen Vorteil verwandelt.
Die Zahlen entsprechen dem Stand vom 17. November 2023.
invest 01 · 2024
13
Makro und Märkte Das Ziel vor Augen Preisstabilität bei einer wachsenden Wirtschaft – was vor einem Jahr noch als fast ausgeschlossen galt, wird immer realistischer. Zwar nicht überall, in den USA und der Schweiz aber schon. Ob die Zentralbanken mit ihrer geldpolitischen Straffung die richtige Dosis gefunden haben, wird sich demnächst zeigen. Hoffnung ist aber angebracht.
von Daniel Brunner Die gute Nachricht vorweg: Die meisten Volkswirtschaften haben dem geldpolitischen Gegenwind standgehalten und sind 2023 gewachsen. Angesichts der rapiden Leitzinserhöhungen in den vergangenen zwei Jahren dies- und jenseits des Atlantiks ist das keineswegs selbstverständlich. Allen voran in den USA sieht sich die Notenbank auf Kurs, die Inflation wieder auf die Zielmarke von 2% zu senken, ohne eine Rezession auszulösen. Exemplarisch der Arbeitsmarkt: Seit Monaten kühlt er sich langsam ab, befindet sich aber immer noch auf einem robusten Niveau. Geht es nach den meisten Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmern, dürfte es so weitergehen. Sie erwarten eine sanfte Landung und preisen bereits Zinssenkungen für die zweite Jahreshälfte 2024 ein. Es gibt aber auch skeptische Stimmen, die für die USA Zinssenkungen von bis zu 2,75% erwarten – unter der Annahme einer Rezession. Was eintritt, bleibt unklar. Klar ist hingegen, dass die Anlegerinnen und Anleger den Fokus von der Inflation auf das Wachstum respektive die Vollbeschäftigung verschieben werden. Gleich wie es die Währungshüter machen werden. Auch wenn die Stimmung an den Finanzmärkten zum Jahresausklang optimistisch ist, gibt es diverse weniger erfreuliche Themen. Beispielsweise hat die rasche Straffung der Geldpolitik zu einer Verschärfung der Finanzierungsbedingungen geführt – ein Problem vor allem für kleinere Unternehmen. Wenig überraschend steigt die Zahl der Firmenpleiten. Auch die Verschuldung einiger Staaten wird wieder zum Thema. Denn die Erneuerung auslaufender Schuldpapiere erfolgt zu höheren Zinsen und belastet das Staatsbudget. Noch stehen diese Themen aber im Hintergrund. Gelingt den Zentralbanken die sanfte Landung, dürfte das auch so bleiben. Zudem verfügen sie dank der raschen Straffung über so grossen Spielraum für Zinssenkungen wie schon lange nicht mehr.
14
invest 01 · 2024
Autoren
Sandro Schibli Bereichsleiter Private Banking
Martin Lüscher Research & Advisory
Daniel Brunner Research & Advisory
Sandro Schibli bringt über dreissig Jahre Erfahrung in der Anlageberatung mit. Als ausgewiesener Fachmann im Asset Management ist er Mitglied des Anlagekomitees. Sandro Schibli ist diplomierter Finanzanalytiker und Vermögensverwalter.
Martin Lüscher verfolgt seit über 15 Jahren das Geschehen an den Finanzmärkten, unter anderem als US-Korrespondent der «Finanz und Wirtschaft» aus New York. Er verfügt über einen Masterabschluss in Volkswirtschaftslehre von der Universität St.Gallen (HSG).
Daniel Brunner bringt mehrere Jahre Erfahrung im Research mit und verfügt über einen Masterabschluss der Universität St.Gallen (HSG) in Quantitative Economics & Finance. Zudem befindet er sich in der Ausbildung zum CFA-Charterholder.
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invest 01 · 2024
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Wir sind acrevis: Ihr verlässlicher Partner, wenn’s ums Anlegen geht. Eine moderne Bank mit einer langen Geschichte: Seit über einem Jahrzehnt ist die acrevis Bank für ihre Kundinnen und Kunden da – sie ist 2011 aus der Fusion der Bank CA St. Gallen und der swissregiobank entstanden. Die Wurzeln unserer Bank reichen aber über 150 Jahre zurück. Auf unsere Geschichte sind wir stolz und fühlen uns unserer Tradition auch heute noch in unserer täglichen Arbeit verpflichtet: Wir freuen uns, Ihre Bank fürs Leben zu sein – sicher, kompetent, unabhängig und leidenschaftlich.
Mit acht Standorten sind wir stark regional verankert und in St. Gallen (Hauptsitz), Gossau, Wil, Bütschwil, Wiesendangen, Rapperswil-Jona, Pfäffikon und Lachen stets nahe bei Ihnen. Unsere rund 180 Mitarbeitenden machen uns zur führenden Regionalbank in unserem Marktgebiet zwischen Bodensee und Zürichsee. Dabei werden wir von mehr als 11’000 Aktionärinnen und Aktionären getragen. Verantwortungsvolles Banking im Interesse aller Anspruchsgruppen, das ist unser Ziel. Dafür setzen wir konsequent auf eine umsichtige Risikopolitik und eine von klaren Werten geprägte Unternehmenskultur. Die Regelung der finanziellen Belange ist Vertrauenssache, davon sind wir überzeugt. Der Name acrevis ist an drei lateinische Wörter angelehnt, die unseren Leitsatz «Durch Vertrauen gestärkt» verkörpern: a|cre|vis (a – durch; cre – Vertrauen; vis – Stärke, Kraft). Sie haben Fragen oder ein individuelles Anliegen? Für weitere Informationen wenden Sie sich an unsere Expertinnen und Experten. Wir sind gerne für Sie da, denn kompetente Beratung und persönlicher Service liegen uns sehr am Herzen. Daher haben wir uns auch über die Ergebnisse der aktuellen Studie «Top-Banken 2024» der Handels zeitung und Statista gefreut: In einem Ranking auf Basis einer breit angelegten Kundenbefragung wurden rund 240 Schweizer Banken und 220 eigenständige Raiffeisenbanken beurteilt. Dabei hat die acrevis Bank in der Kategorie «Service & Beratung» auf dem sehr guten 9. Rang abgeschlossen. Herzlichen Dank für dieses Vertrauen!
acrevis Bank AG Marktplatz 1 9004 St. Gallen Tel. 058 122 75 55 • info@acrevis.ch • acrevis.ch St. Gallen • Gossau SG • Wil SG • Bütschwil • Wiesendangen • Rapperswil-Jona • Pfäffikon SZ • Lachen SZ
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