Skip to main content

acrevis invest, Ausgabe 2/19

Page 1

invest

02 2019

Ihre Anlageperspektiven

Welt im Wandel

Wie sich die Welt verändert und Anleger profitieren


«Se vogliamo che tutto rimanga come è, bisogna che tutto cambi.» «Wenn alles bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern.» Berühmtes Zitat aus dem Roman «Il Gattopardo» von Giuseppe Tomasi di Lampedusa


Geschätzte Leserin, geschätzter Leser Sie war es schon immer – das steht fest. Kaum vertieft man allerdings die Gedanken zu dieser «Welt im Wandel», scheinen Gegenwart und Zukunft je länger, je mehr zu verschmelzen. Jahrzehntealte und bewährte Abläufe werden anhaltend durch neue Prozesse und Techniken abgelöst. Die Akzeptanz des Fortschritts hat deshalb nur selten gelitten, weil dieser meist direkt sichtbar und sogar greifbar war. Dies ändert sich nun. Die Verbindungsquelle Internet ermöglicht einen Wandel, der unser ganzes Dasein erfassen wird. Tauchen Sie ein in eine nicht allzu ferne Zukunft und lassen Sie sich aufzeigen, dass Wandel viele Facetten hat und auch die Finanzmärkte nachhaltig prägen wird. Doch «Welt im Wandel» hinterfragt nicht die Globalisierung, sondern nimmt diese als gegeben hin. Die Schweiz ist in diesem globalen Wettbewerb bestens gerüstet. Konkret, sind Sie in innovative zukunftsorientierte Unternehmungen investiert? Ich freue mich, wenn Sie gemeinsam mit Ihrer Beraterin oder Ihrem Berater dieser Frage nachgehen und Ihr Portfolio einem Fitnesstest zu «Welt im Wandel» unterziehen.

Freundlich grüsst Sie Ihre acrevis

Sandro Schibli Leiter Private Banking


4

Welt im Wandel

Ein Blick in eine smarte Zukunft Seit der Mensch denken kann, strebt er nach Fortschritt. Robotik, Internet der Dinge, Blockchain, künstliche Intelligenz bis hin zur digitalen und personalisierten Medizin sind nur ein paar Beispiele, die revolutionären Charakter aufweisen und die Welt stark zu verändern in der Lage sind. Eine Analyse einer Welt im Wandel und die gesellschaftliche sowie ökonomische Bedeutung.

von Alessandro Sgro

Wir schreiben das Jahr 2030. Dr. Marcel Müller, Telechirurg und Chefarzt am Kantonsspital Seldwyla, kommt gerade zurück von einer mehrstündigen Operation am offenen Herzen. Mit Hilfe von «Da Vinci», dem mittlerweile standardmässig eingesetzten Roboterassistenten, führte Dr. Müller eine Herztransplantation durch. Das wohl wichtigste Organ unseres Körpers wurde nicht von einem anderen Menschen gespendet, sondern stammt aus dem 4D-Drucker, einer weltweiten Innovation am Kantonsspital. Dank den hiesigen Forschungseinrichtungen erreichte das Spital einen globalen Spitzenplatz in dieser Disziplin, sodass die erwähnte Operation nicht in Seldwyla selbst, sondern an einem Patienten in einem fernen Land stattgefunden hat. Weil Dr. Müllers Expertise äusserst gefragt ist und der Arbeitsalltag des Arztes immer interdisziplinärer geworden ist, überprüft er nun zum Abschluss des langen Arbeitstages die Scans aus den am Spital durchgeführten MRIs und Blutentnahmen sowie die Mails aus dem Patientenüberwachungssystem. Unterstützt wird Dr. Müller durch «Bianca», die digitale Assistentin. Sie zeigt dem Arzt die Resultate der Untersuchungen, stellt eine Diagnose und schlägt eine personalisierte Behandlung vor. Personalisiert bedeutet, dass allfällige Medikamente auf die exakte Konstitution des Patienten eingehen, indem Geschlecht, Gewicht, Allergien, Unverträglichkeiten von Wirkstoffen und generell das Erbgut berücksichtigt werden. So ist im besten Fall eine perfekte Dosierung ohne Nebenwirkungen möglich und der Patient kann schnell und nachhaltig gesunden. Biancas Vorteil gegenüber dem Arzt: Sie ist in der Lage, weltweit Millionen von Datenbanken abzufragen und die Resultate mit ähnlichen Krankheitsbildern zu vergleichen. Das erlaubt eine viel genauere Diagnose, weil Bianca viel mehr Bilder und Daten verarbeiten und speichern kann als das menschliche Gehirn. Nach der Qualitätsprüfung schickt Dr. Müller das personalisierte Rezept


5

invest  02 · 2019

an die Apotheke, wo das Medikament mittels 3D-Druckers gedruckt, verpackt und mittels Drohne verschickt wird. Das spart Zeit und der Patient kann rechtzeitig mit der Behandlung starten. Der Transport wird mittels Blockchain-Technologie überwacht. Gleichzeitig informiert Dr. Müller die betroffenen Patienten über die Resultate und das Vorgehen. Nachdem der Spitzenarzt auch diese Tätigkeiten beendet hat, bittet er per Sprachsteuerung «Alexa», ihm seine Lieblingspizza nach Hause zu bestellen. Er möchte in 30 Minuten zu Hause sein. Alexa ist dabei nicht die Freundin, sondern ein Voice-Service von Amazon. Sie weiss genau, welche Pizzavariante Dr. Müller am liebsten hat, und sie weiss auch, dass sie nun «Mobi» zu rufen hat. Mobi ist das autonome Fahrzeug, das den Arzt abholt und sicher nach Hause bringen soll.

Datenbasierte Medizin ist die Zukunft des Gesundheitsmarkts.

Welt im Wandel Die Beschreibung eines möglichen Arbeitsalltags eines Arztes ist fiktiver Natur. Sie zeigt aber, wie stark die Welt im Wandel begriffen und wie die ganze Menschheit davon betroffen ist. Gerade die Entwicklungen im Gesundheitsbereich sind für unser Wohlbefinden und für unseren Wohlstand entscheidend. Die skizzierten potenziellen Entwicklungen sind dabei gar nicht so abwegig. So ist die Forschung bereits weit fortgeschritten. Dank der Digitalisierung ist heute in der Medizin viel mehr möglich als je zuvor. Und die Forschung geht weiter mit Riesenschritten voran. Zu den heissesten Themen zählen personalisierte Medizin, künstliche Organe aus dem 3D-Drucker, Genetik sowie ein längeres und gesundes Leben. Vor allem im Silicon Valley wird die Medizin zurzeit quasi neu erfunden. Neue Diagnosemöglichkeiten lassen Veränderungen im Körper erkennen, bevor sie überhaupt zu Krankheiten werden. Dabei sind es nicht Pharmaunternehmen, die die Entwicklungen alleine vorantreiben, sondern vor allem Technologieriesen wie Google, IBM, Apple oder Biotech-Start-ups. Denn es geht letztlich um die Entschlüsselung der Biologie und damit um eine datenbasierte Medizin. Letzteres ist eine Aufgabe für Software. Während personalisierte Therapieformen schwierig vorstellbar sind, lässt sich der Fortschritt in der Medizin an einem simplen Beispiel darstellen. Das medial am stärksten wahrgenommene Produkt ist die Apple Watch – ein innovatives Wearable, ein unmittelbar am Körper getragenes Computersystem. Die neueste Generation ist dabei in der Lage, dank Sensoren Puls- und Herzfrequenz zu messen und aufzuzeichnen. Die neue Apple Watch erkennt somit Herzrhythmusstörungen. Das eröffnet für Patient sowie Arzt in Zukunft ganz andere Möglichkeiten. Apple beweist mit dieser Produktinnovation einmal mehr, wie wandlungsfähig das Unternehmen ist und wie es dank der Digitalisierung weiterhin ganze Branchen aufzuwirbeln vermag. Zudem trifft das Unternehmen mit der Apple Watch nicht nur den Zeitgeist, sondern setzt wie mit dem Macintosh, dem iPod und dem iPhone einen innovativen Trend – diesmal im Gesundheitsbereich. Auch in der Schweiz wird rege geforscht – von Forschungseinrichtungen wie Universitäten und ETH über Pharmaunternehmen wie Roche und Novartis bis hin zu jungen Start-ups. Das ist auch nötig, wenn man bedenkt, wie abhängig die hiesige Volkswirtschaft vom Chemie- und Pharmasektor ist. So fielen im vergan-


6

Welt im Wandel

genen Jahr rund 45% der gesamten Exporte auf diesen Sektor. Für die Schweiz ist es essentiell, den Anschluss in der Spitzenmedizin sowie in der Forschung nicht zu verlieren. Dabei wird in allen oben beschriebenen, zentralen Forschungsschwerpunkten gearbeitet. So setzte Roche jüngst mit der Übernahme eines Unternehmens im Bereich der Gentherapie ein klares Zeichen für die Zukunfts­ medizin. Gerade mit Hilfe der Genetik erhoffen sich die Forscher bessere Möglichkeiten bei neurodegenerativen Krankheiten wie Demenz oder Parkinson. Neben den grossen Pharmaunternehmen erforschen und entwickeln auch eine Vielzahl an Start-ups neue Lösungen. Im Bereich der Biotechnologie ist es Innomedica, einem Unternehmen aus Bern, beispielsweise dank Nanotechnologie gelungen, ein Medikament in der Krebstherapie zu entwickeln, das die Nebenwirkungen einer Chemotherapie deutlich reduzieren soll. Das geschieht, indem der Wirkstoff in wenige Nanometer kleine Lipidkügelchen verpackt und somit direkt zu den Tumorzellen transportiert wird. Gesunde Zellen werden so nicht beschädigt. Auch in der Ostschweiz existieren einige Beispiele. Ähnlich der Apple Watch hat Virgiltech, ein Unternehmen aus Heiden, eine Überwachungstechnologie für Vitaldaten bei Tieren und Menschen entwickelt. Die Kerninnovation besteht darin, dass Herz- und Atemfrequenz völlig kontaktlos und positionsunabhängig ermittelt werden können. Solche Daten könnten in Zukunft – mit dem Einverständnis des Patienten – direkt an den Hausarzt oder Spezialisten geschickt und ausgewertet werden. Einen ersten Schritt in Richtung digitalen Arzt versucht ein Start-up aus St.Gallen: Mit OnlineDoctor existiert eine Lösung im Bereich Telemedizin, wenn es um Hauterkrankungen geht.

Pharma-Start-ups liefern wichtige Impulse.

Grafik 1: Entwicklung der Lebenserwartung und Geburtenrate von 1960 vs. 2016

Obwohl die aktuellen Forschungsergebnisse und erste Produktanwendungen sehr vielversprechend sind, verfügen gerade junge Unternehmen vielfach nur über eine Pipeline von potenziellen Produkten und haben noch keine am Markt, die einen Ertrag abwerfen. Entsprechend ist die Geschäftsentwicklung bei Start-ups mit einer hohen Unsicherheit behaftet. Dennoch sind sie für die zukünftige Entwicklung von zentraler Bedeutung.

Lebenserwartung

80

60

40

20 0

Asien und Pazifik

2

4 Geburtenrate

Europa und Zentralasien

Mittlerer Osten und Nordafrika

Nordamerika

Quelle: Weltbank, acrevis Asset Management und Research

6

8 Jahr 1960

Jahr 2016

Lateinamerika und Karibik Südostasien

Subsahara-Afrika

Ökonomische Konsequenzen Die rasanten und signifikanten Fortschritte in der Medizin führten über die vergangenen Jahre zu einem starken Anstieg der Lebenserwartung. Während die Menschen bis Mitte des 19. Jahrhunderts weltweit im Durchschnitt 30 Jahre lebten, dürfen sich Männer heute weltweit über eine


7

invest  02 · 2019 01 · 2017

durchschnittliche Lebenserwartung von 70 Jahren und Frauen über 74 Jahre freuen. In der Schweiz liegt die Lebenserwartung gar bei knapp 83 Jahren und ist weltweit eine der höchsten. Als Folge der Alterung erleben die Industrieländer in den nächsten Jahren eine signifikante Veränderung der Altersstruktur, die weitreichende Konsequenzen für die Sozialsysteme, Arbeit und Lebensgestaltung haben wird. Verstärkt wird die strukturelle Veränderung neben der Alterung auch durch die stetig abnehmende Geburtenrate. Der erfreulichste Aspekt der Alterung betrifft wohl die Lebensgestaltung: Man hat die Chance auf ein längeres Leben und länger leben heisst nicht länger alt sein. Die aktuellen medizinischen Forschungsschwerpunkte bergen das Potenzial, dass die Menschheit auch eine gesündere Lebenszeit haben könnte. Die Menschen erleben mehr und sie konsumieren auch länger. Dabei wird der Bedarf weit über Arzneimittel und Pflegedienstleistungen hinausgehen. Dienstleistungen im kulturellen Bereich wie Ferienreisen oder andere Veranstaltungen, aber auch Lifestyle-­ Produkte werden stärker nachgefragt. Das heisst, der Konsum sollte insgesamt ansteigen, was sich in einem höheren Wirtschaftswachstum niederschlagen sollte.

Im Jahr 2030 wird es erstmals mehr Senioren als Kinder geben.

Allerdings geht die aktuell vorherrschende Literatur von einem negativen Effekt der Alterung auf das Wirtschaftswachstum aus. Der Hauptgrund liegt darin, dass durch die zunehmende Alterung und die rückgängige Geburtenrate der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter abnimmt. Die Vereinten Nationen schätzen gemäss dem «World Population Report», dass es bis 2030 erstmals in der Geschichte der Menschheit mehr Senioren im Alter von über 60 gibt als Kinder unter 10 Jahren. Die Folge: Immer mehr Erwerbstätige müssen für eine steigende Zahl an Rentnern aufkommen. Lag dieses Verhältnis in der Schweiz bei der Gründung der AHV bei 100 Aktiven versus 15 Rentner, treffen heute 100 Aktive auf 29 Rentner. Wenn ab 2030 die Babyboomer-Jahrgänge in Pension gehen, wird der Quotient noch stärker fallen. 2045 stehen gemäss den Schätzungen des Bundes jedem Pensionär nur noch zwei Personen im Erwerbsalter gegenüber. Das hat tiefgreifende Folgen für die Altersvorsorge und die Sozialsysteme insgesamt. In anderen Regionen der Welt zeigt sich ein ähnliches Bild. Sogar in den aufstrebenden Schwellenländern wie China – eine Folge der Ein-Kind-Politik. Für die Entwicklung einer Volkswirtschaft ist es zentral, dass genügend Erwerbstätige vorhanden sind. Die Abnahme der erwerbstätigen Bevölkerung führt letztlich zu einer reduzierten Produktivität. Und genau diese ist neben dem Bevölkerungswachstum ein zentraler Treiber des Wirtschaftswachstums. Allerdings ist es unklar, wann die Produktivität sinkt. Das heisst, es ist umstritten, ab welchem Zeitpunkt die durch das Alter zunehmende Erfahrungsleistung die Abnahme der physischen und kognitiven Leistungen nicht mehr zu kompensieren vermag. Ein weiterer Faktor für die langfristigen Wachstumsperspektiven liegt im Spar- und Investitionsverhalten einer Volkswirtschaft. Grundsätzlich könnte ein Rentner das über die Jahre akkumulierte Vermögen nun konsequent ausgeben, was einen positiven Effekt auf die wirtschaftliche Entwicklung hätte. Allerdings findet das aktuell nicht statt, weil sozusagen für die Nachkommen gespart wird. Die Abnahme bei der Erwerbstätigkeit, die unter anderem daraus folgende tiefere


8

Welt im Wandel

Produktivität sowie das andere Spar- und Investitionsverhalten sind grundsätzlich nach aktueller Literatur in der Tat negativ für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung und führen letztlich zu einer «säkularen Stagnation», also einer langen Phase, in der kein oder nur schwaches Wirtschaftswachstum herrscht.

Versteckte Produktivität dank Technologie Eine neuere Untersuchung der US-Wirtschaftswissenschaftler Daron Acemoglu und Pascual Restrepo «Secular Stagnation? The Effect of Aging on Economic Growth in the Age of Automation» aus dem «Journal of Finance» aus dem Jahre 2016 nimmt genau die aktuell vorherrschende Meinung auf und findet interessanterweise keine negative Beziehung zwischen Alterung und Wirtschaftswachstum. Im Gegenteil: Länder mit beschleunigter Alterung sind in den letzten Dekaden gar stärker gewachsen. Das gilt zum Beispiel für Südkorea oder Singapur. Die Autoren kommen zum Schluss, dass die Resultate eine schnellere Einführung von Automatisierungstechnologien in Ländern mit einem ausgeprägteren demografischen Wandel widerspiegeln könnten. Die Schweiz und andere europäische Länder hinken hier hinterher.

Technologischer Fortschritt wird unterschätzt.

Letztlich liegt das Grundproblem wohl weit tiefer: Gängige aktuelle makroökonomische Modelle berücksichtigen den Effekt der technologischen Entwicklung auf das Wirtschaftswachstum nicht korrekt. Sie erklären den technischen Fortschritt nicht, sondern nehmen diesen als gegeben an. Doch das Grafik 2: Alterung und Wirtschaftswachstum – keine negative Beziehung

Logarithmierte Wachstumsrate: BIP pro Kopf von 1990 –2017

3.5 Äquatorialguinea

3.0

China 2.5 Indien

2.0

Myanmar

Deutschland

Chile

1.5

Südkorea Singapur

1.0 0.5

Japan

0.0 Gabun – 0.5 Schweiz –1.0 – 0.6

– 0.4

– 0.2

0.0

Frankreich 0.2

0.4

Italien 0.6

USA 0.8

Logarithmierte Wachstumsrate: Verhältnis von Alten (50+) zu Jungen (20– 49) von 1990 –2017 OECD-Länder

Nicht-OECD-Länder

Quelle: Weltbank, in Anlehnung an Acemoglu, Restrepo (2016), acrevis Asset Management und Research

Trendlinie

1.0

1.2


9

invest  02 · 2019

langfristige Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens wird hauptsächlich durch den technologischen Fortschritt bestimmt. Diese Lücke versuchte der US-Wirtschaftswissenschaftler Paul Romer zu schliessen. Er modellierte Ideen für neue Güter und Dienstleistungen als Ergebnis von unternehmerischen Forschungsanstrengungen. Dafür wurde Romer im vergangenen Jahr mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet.

«Internet der Dinge» ist der grösste Wertschöpfungstreiber.

Gesunder Fortschritt? Dank der Fortschritte in der Medizin resultierte seit der Aufklärung Ende des 18. Jahrhunderts nicht nur ein rasanter Anstieg der Lebenserwartung, sondern auch ein exponentielles Wirtschaftswachstum. Basis dieser Entwicklung ist der technologische Fortschritt. Während es zu Beginn neue mechanische und später chemische Errungenschaften waren, ist es aktuell die Digitalisierung. Sie ermöglicht die zunehmende Verschmelzung von Wissenschaft und Technologie. Das wird den Fortschritt und den damit einhergehenden Wandel weiter beschleunigen. Denn die digitale Revolution betrifft alle Wissenschaften. Sie führt zu neuen Erkenntnissen und erstmals zur Neuerfindung aller vergangenen Erfindungen. Riesige Datenbanken, Quantencomputer und hochkomplexe statistische Analysen sind nur wenige der immensen neuen Möglichkeiten, die das digitale Zeitalter bereithält. Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse werden alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend und tiefgreifend verändern. Aktuell wird dem «Internet der Dinge» die grösste wirtschaftliche Wertschöpfungsquelle beigemessen. Mit dem «Internet der Dinge» oder IdD ist die Verbindung von physischen, analogen mit digitalen Gegenständen gemeint – zum Beispiel ganz simpel das Smartphone mit der Waschmaschine oder im Gesundheitsbereich die Smart Watch mit einem Patientenüberwachungssystem beim Spezialarzt. Analoge Gegenstände werden über das Internet miteinander verbunden und können interagieren. Während heute weltweit rund 25 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sind, sollen es 2020 bereits 50 Milliarden sein. Ab 2025 sollen auch in Kleidungen, ja sogar unter der Haut Sensoren flächendeckend möglich sein. Smarte Systeme erheben Daten und analysieren sie. Der Begriff «smart» wird aus dem Englischen abgeleitet und bedeutet letztlich nichts anderes als intelligent. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz werden Unmengen an Daten ausgewertet und neue Erkenntnisse gewonnen, was das Verständnis über Wirkungszusammenhänge stärkt. Das sollte letztlich zu einer effizienteren Ressourcenallokation führen.

Schreckgespenst Arbeitslosigkeit Der technologische Fortschritt führte in der Vergangenheit in der Regel immer zu einer Verbesserung einer aktuellen Herausforderung. Doch er hatte immer auch einen Preis. Gerade die Digitalisierung und die damit einhergehende Automatisierung, gekoppelt mit der zunehmenden Alterung, ist für die Gesellschaft ein tiefgreifender Wandel. Insbesondere werden sich der Arbeitsmarkt und die Anforderungen an die erwerbstätige Bevölkerung stark verändern. Droht nun mit dem Einzug der Roboter und allen technologischen Neuerungen die grosse Massenar-


10

Welt im Wandel

beitslosigkeit? Eine Studie der Universität von Oxford aus dem Jahr 2013 suggeriert dieses Schreckgespenst. Die Autoren untersuchen für den US-Arbeitsmarkt, wie anfällig welche Arbeitsplätze sind. Dabei gehen sie davon aus, dass mittelfristig jeder zweite Arbeitsplatz in den USA bedroht ist. Entwarnung gibt es vonseiten der OECD. Sie wendet in ihrer Studie die gleiche Untersuchungsmethodik an wie die Autoren der Oxford-Studie, berücksichtigt allerdings die Vielfalt der Tätigkeiten in einer Berufsgruppe. Letztlich kommt sie zum Schluss, dass in den USA in den nächsten zwei Jahrzehnten «nur» jeder zehnte Arbeitsplatz bedroht ist.

Die Digitalisierung schafft neue Traumjobs.

In dieser auch beängstigenden Fragestellung lohnt sich ein pragmatischer Blick in die Vergangenheit: Als Pferdekutscher allmählich durch die Eisenbahnen abgeschafft wurden, fand erstens dieser Übergang nicht von einem Tag auf den anderen statt, sondern fliessend, und zweitens schuf der Wandel auch einen bis heute andauernden Traumjob – den Lokomotivführer. So wird auch der durch die Digitalisierung vorangetriebene Wandel wieder neue Traumjobs schaffen, die man sich heute noch gar nicht vorstellen kann. Die Industrialisierung z.B. hat neue Arbeitsplätze und damit auch Einkommen geschaffen. Bis 2025 sollen in der Schweizer Wirtschaft laut dem Beratungsunternehmen Deloitte 270’000 neue Jobs geschaffen werden, und zwar nicht trotz, sondern dank dem Strukturwandel durch die Digitalisierung und der daraus folgenden Automatisierung. Auch im Bereich der Medizin wird sich das Jobprofil ändern: Ein Arzt entwickelt sich wohl eher in Richtung Qualitätsmanager und Coach. In der Geschichte der Menschheit war der Wandel ein steter Begleiter. Und jedes Mal war dieser mit Ängsten verbunden. Doch diese stellten sich vielfach als irrelevant heraus. So hilft es, auch die aktuellen Veränderungen im historischen Kontext zu betrachten. Der Faktor Arbeit ist und bleibt eine wichtige Ressource in der Wertschöpfung. Zudem zeigt sich immer wieder: Der Wandel findet nicht so schnell statt wie befürchtet und der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit ist Bildung.

Veränderte Nachfrage, veränderte Unternehmen Das «Internet der Dinge» sowie alle weiteren technologischen Entwicklungen erfassen dabei nicht nur das Gesundheitswesen, sondern alle Branchen insgesamt. So sind auch heute in der Industrie smarte Systeme am Werk, die zum Beispiel Bestellungen oder andere Prozesse selbständig freigeben, wenn der Sensor an einem Gegenstand ein Signal auslöst. Man spricht dabei auch von «Industrie 4.0». Die Industrie 4.0 lediglich nur auf eine smarte Fabrik zu beschränken, wäre zu kurzgefasst. Zahlreiche neue Anwendungen werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt und verändern dank den spezifischen Möglichkeiten in der Datenanalyse den betrieblichen Ablauf grundlegend. Wie sich die Wirtschaft in der Vergangenheit gewandelt hat, lässt sich auch aus der Entwicklung der Sektoren und Branchen ableiten. Während vor 100 Jahren Eisenbahn- und Elektrizitätsunternehmen zu den grössten Unternehmen zählten, waren es in den 80er Jahren vorwiegend Unternehmen aus dem Öl- und Gassektor und heute sind es Techgiganten wie Apple, Google, Microsoft und Amazon. Dieser Wandel stellt letztlich ein Abbild des Fortschritts und der


11

invest  02 · 2019

veränderten Nachfragebedürfnisse dar. Langfristig sind jene Unternehmen erfolgreich, die strukturelle Veränderungen frühzeitig erkennen und in ihre Geschäfts­ modelle einbeziehen und in diese Entwicklungen konsequent und nachhaltig investieren. Dabei spielen Innovationen, wie in der letzten Ausgabe von «acrevis invest 1/2019» ausführlich aufgezeigt, eine zentrale Rolle.

Der Kern-SatellitenAnsatz verleiht Stabilität.

Was bedeuten die Entwicklungen für die Anleger? So spannend die Welt sich wandelt, so wichtig ist es, beim Anlegen weiterhin wichtige Anlagegrundsätze zu beachten. Die Kunst beim Aufbau eines robusten Portfolios besteht darin, die grossen Entwicklungen richtig einzuschätzen und unvermeidbare Überraschungen einzukalkulieren. Das bedeutet konkret, zwei Dinge richtig zu machen: die strategische Vermögensallokation sowie das Risikomanagement. Ein zentrales Element, das die Stabilität des Portfolios verbessern soll, ist dabei der Kern-Satelliten-Ansatz. Unternehmen mit einem nachhaltigen, soliden, guten und bewährten Geschäftsmodell zählen dabei zu den Kernanlagen. Gerade in unsicheren oder turbulenten Marktphasen verhelfen sie dem Portfolio durch ihren meist defensiven Charakter zu mehr Robustheit. Satellitenanlagen geben dem Anleger die Möglichkeit, eigene Überzeugungen und Themen umzusetzen. Sie verleihen dem Portfolio nicht nur einen Hauch von Individualität, sondern sind in aufwärtstendierenden Marktphasen dynamischer. Ein KernSatelliten-Ansatz lässt also etablierte Unternehmen mit einem soliden Geschäftsmodell und aufstrebende Wachstumsunternehmen kombinieren und verleiht dem Port­folio mehr Robustheit. Die Praxis zeigt, dass das Portfolio zu zwei Dritteln aus Kern- und einem Drittel aus Satellitenanlagen bestehen sollte.

Freiheiten zielgerichtet verfolgen Die Welt ist im Wandel. Die zukünftige Entwicklung ist zweifellos mit einer hohen Unsicherheit behaftet, doch es bieten sich auch vielversprechende Chancen. Entscheidend ist es, frühzeitig die grossen Zusammenhänge zu verstehen und die künftigen Entwicklungen zu erkennen. Wie im grossen historischen Roman «Il Gattopardo», in dem Don Fabrizio, der letzte Fürst von Lampedusa, den Niedergang seines sizilianischen Adelsgeschlechts erahnt und mit seinem Neffen Tancredi versucht, die Geschichte seiner Familie zu retten. Die beiden sehen die Notwendigkeit zum Wandel und fördern den Fortschritt. Doch letztlich scheitern sie. «Il Gattopardo» ist auch Sinnbild für den Niedergang, wenn zu spät gehandelt wird oder aber höhere Kräfte wirken wie zu jener Zeit die Kraft des Risorgimento, der Einigung Italiens durch Garibaldi. Die Geschichte hat immer wieder gezeigt: Wer sich nicht wandelt, der wird gewandelt. Und so wird es auch in Zukunft sein. Deshalb ist es entscheidend, sich Freiheiten zu schaffen, und dazu gehört eine möglichst hohe finanzielle Unabhängigkeit. Sie gibt Flexibilität. Erreichbar ist das durch eine frühzeitig durchgeführte, ganzheitliche Finanzplanung. Die Basis legen dabei die individuellen Ziele jedes Einzelnen. Und der Erfolg ergibt sich, indem wichtige Anlagegrundsätze befolgt und die Chancen genutzt werden. So wie der Mensch immer mehr Verantwortung übernimmt für seine eigene Gesundheit, gilt es für jeden Anleger ebenfalls selbstverantwortlich zu handeln und vorzusorgen. Die Instrumente dazu sind da.


12

Umsetzung

Anlageempfehlungen Nachfolgend stellen wir Ihnen Titel vor, die nach der bewährten «acrevis spektrum»-Methodik sowie unter dem Fokus Innovation ausgewählt wurden. Aktien

OC Oerlikon

Sonova

Valor 81’682

Einschätzung

Valor 1’254’978

Einschätzung

Währung CHF

acrevis spektrum

Währung CHF

acrevis spektrum

Branche Gesundheit

Branche Industrie Kurs 13.04 KGV 16.71 Dividendenrendite

3.08 %

Rating

Kurs 204.90

Rating

Fundamental 3 ➚

KGV 21.73

Fundamental 3 ➚

Verhaltensbezogen 1 ➙

Dividendenrendite

Verhaltensbezogen 1 ➙

Altman Z-Score

2.63

Altman Z-Score Technisch 1 ➘

ROIC / KK

0.59

Gesamteinschätzung 5 ➙

Das Schweizer Traditionsunternehmen OC Oerlikon ist führend in den Bereichen moderner Werkstoffe und Oberflächenbeschichtungen. Zudem hat der Industriekonzern in den letzten Jahren massiv in den 3D-Druck investiert. Dabei kann diese Technologie in den bearbeiteten Märkten wie Luft- und Raumfahrt, Automobilbau, Werkzeugindustrie sowie Medizintechnik angewendet werden. Im Medizinbereich können durch den 3D-Druck chirurgische Instrumente, Gelenke oder Implantate hergestellt werden. Vor allem bei Wirbelsäulenimplantaten, Hüft- und Kniegelenken ist es für Patienten essentiell, dass die Produkte qualitativ hochwertig sind und nicht frühzeitig ausgewechselt werden müssen. Die Nachfrage nach diesen Produkten wird durch die zunehmende Alterung der Bevölkerung verstärkt. Somit wird OC Oerlikon aufgrund der eigenen Kompetenz und des demografischen Wandels begünstigt.

ROIC / KK

1.62 % 8.41

Technisch 3 ➚

1.71

Gesamteinschätzung 7 ➚

Sonova ist ein global tätiger Hersteller von Hörsystemen und gehört zu den drei grössten Anbietern in der Branche. Neben Hörgeräten produziert und vertreibt Sonova auch Cochlea-Implantate. Diese Implantate werden eingesetzt, wenn mittels herkömmlicher Hörgeräte kein ausreichendes Sprachverstehen mehr erzielt werden kann. Wichtige Erfolgsfaktoren von Sonova sind der hohe Innovationsgrad und die Technologieführerschaft. Das neueste Aushängeschild von Sonova ist SWORD. SWORD erlaubt dem Nutzer, sein Hörgerät mit anderen Geräten zu verbinden. Dadurch kann der Nutzer beispielsweise freihändig telefonieren oder Musik hören. Diese Technologie wird in der neuen Produktgruppe Marvel eingesetzt. Des Weiteren steht Sonova einem gewaltigen Markt gegenüber. Weltweit sind rund eine Milliarde Menschen von Hörproblemen betroffen. Die Mehrheit davon besitzt noch kein Hörgerät. Dies stellt ein immenses Wachstumspotenzial dar.

Die Zahlen entsprechen dem Stand vom 3. Mai 2019.


13

invest  02 · 2019

Aktien

Emmi

Orpea

Valor 1’282’989

Einschätzung

Valor 1’402’467

Einschätzung

Währung CHF

acrevis spektrum

Währung EUR

acrevis spektrum

Branche Gesundheit

Branche Konsumgüter Kurs 894.00

Rating

Kurs 106.90

Rating

KGV 20.25

Fundamental 2 ➚

KGV 20.02

Fundamental 2 ➙

Dividendenrendite

Verhaltensbezogen 2 ➚

Dividendenrendite

Verhaltensbezogen 1 ➙

1.30 %

Altman Z-Score

5.01

Altman Z-Score Technisch 3 ➚

ROIC / KK

1.37

Gesamteinschätzung 7 ➚

Emmi ist mit rund 6’100 Mitarbeitenden der grösste Schweizer Milchverarbeiter. Dabei fokussiert sich das Unternehmen vor allem auf Nischenprodukte mit hohen Margen. Das wahrscheinlich prominenteste Beispiel dazu ist der Caffè Latte von Emmi. In den letzten Jahren hat sich Emmi erfreulich entwickelt. Das Unternehmen konnte die Gewinne stetig steigern und seine Abhängigkeit vom Schweizer Heimmarkt weiter senken und erwirtschaftet nun mehr als die Hälfte seiner Erträge im Ausland. Emmi ist auch für die Zukunft gut aufgestellt. Sie hat ihre Produktepalette mit laktosefreien, kalorien­ armen und proteinreichen Produkten erweitert und kann auf diese Weise vom aktuellen Gesundheitstrend profitieren. Weiteres Potenzial sieht das Unternehmen bei veganen Produkten und hat deshalb bereits mehrere solche Produkte lanciert.

ROIC / KK

1.40 % 1.16 – 0.06

Technisch 2 ➚ Gesamteinschätzung 5 ➙

Die Orpea-Gruppe ist in der Langzeitpflege tätig. Das französische Unternehmen unterhält weltweit rund 950 Heime und Kliniken mit beinahe 100’000 Betten. Diese Einrichtungen befinden sich mehrheitlich in Europa, wobei das Unternehmen laufend in neue Märkte expandiert. In der Schweiz besitzt Orpea rund 40 Heime und Kliniken. Als Beispiele dazu sind die Einrichtungen von Senevita in Abtwil oder Herrliberg oder die Clinica Holistica Engiadina im Engadin zu erwähnen. Das Wachstumspotenzial von Orpea ist enorm, da das Unternehmen direkt von der steigenden Lebenserwartung und der damit einhergehenden Nachfrage nach individueller und kompetenter Pflege profitiert.

Kollektivanlage

UBS Long Term Themes Valor 30’372’562 Währung

CHF (H)

Kurs 142.53 TER

1.11 %

Fondsdomizil Luxemburg Performance 3 J. p.a. Volatilität p.a.

9.10 % 11.56 %

Der UBS Long Term Themes investiert weltweit in bis zu 20 Anlagethemen, die sich aus den drei Megatrends Bevölkerungswachstum, Alterung sowie Urbanisierung herauskristallisieren. Der Fonds verschafft Investoren Zugang zu einem diversifizierten Portfolio an Unternehmen, die Lösungen in den entsprechenden Anlagethemen wie Onkologie, Seniorenresidenzen sowie Bildung anbieten. Weiter ist der Fonds nur in nachhaltigen, ESG-geprüften Unternehmen investiert. Der Fonds eignet sich als Beimischung (Satellitenanlage) für langfristige Investoren.

BB Bellevue Adamant Digital Health Valor 41’449’386 Währung USD Kurs 166.54 TER

1.67 %

Fondsdomizil Luxemburg Performance p.a.

32.25 %

Volatilität p.a.

17.55 %

Der Fonds investiert in rund 40 kleinere bis mittlere Unternehmen weltweit, die im digitalen Gesundheitsmarkt mit starken Wachstumsraten aufwarten und so vom technologischen Wandel profitieren. Dazu zählen Unternehmen wie Intuitive Surgical (Da Vinci Roboterhersteller) oder Teladoc Health (Online-Arzt). Der Fonds eignet sich als Beimischung (Satellitenanlage) für langfristig orientierte, risikofreudige Investoren.


14

Makro und Märkte

Wirtschaftlicher Gesundheits-Check Der Start ins neue Anlagejahr war fulminant. Nach dem starken Einbruch an der Börse im Dezember – dem stärksten seit dem grossen Börsenkrach in den 1930er Jahren – folgte eine der schnellsten Erholungen in der Geschichte. Bei diesem extremen Verlauf stellt sich die Frage nach dem tatsächlichen Gesundheitszustand der aktuellen Wirtschaft.

von Alessandro Sgro

Angetrieben wurde der globale wirtschaftliche Aufschwung in den vergangenen Jahren durch eine starke US-Wirtschaft. Dabei spielten die Stimuli vonseiten der Fiskalpolitik eine zentrale Rolle. Doch just dieser Beitrag zum realen BIP-Wachstum läuft im dritten Quartal dieses Jahres aus. Trotzdem sehen die mittelfristigen Konjunkturaussichten gar nicht so schlecht aus. Das Wachstum in den USA wird sich zwar verlangsamen, allerdings von vorher deutlich über nun hin zum Trendwachstum. Unterstützend wirken sollte auch der Konsum. Auch das Schreckgespenst der Zinsinversion sollte differenzierter betrachtet werden. Eine Zinsinversion war in der Vergangenheit ein ziemlich guter Indikator für eine kommende Rezession. Allerdings ist die Zinskurve aktuell erstens nur teilweise invertiert und zweitens ist sie aufgrund der extremen geldpolitischen QE-Massnahmen verzerrt. In den USA besteht keine unmittelbare Rezessionsgefahr. In Europa beschäftigt seit Längerem der Austritt Grossbritanniens aus der EU und insbesondere dessen wirtschaftliche Folgen. Doch Europa hat weit mehr Probleme als den Brexit und braucht vor allem Hilfe von aussen. Doch aufgrund der Unsicherheiten rund um den Handelskonflikt scheint hier kein entscheidender Impuls zu kommen. Dennoch besteht Hoffnung. Diese kommt aus dem asiatischen Raum. Peking investiert wieder massiv in die heimische Wirtschaft – wie in der Vergangenheit aber einmal mehr zulasten der Verschuldung. Die globalen Konjunkturaussichten sind trotz schwächerem Wachstum intakt. Dennoch werden die Zentralbanken vorsichtiger und eine nachhaltige Zinswende ist nicht in Sicht. Die Märkte preisen aktuell gar keine Zinserhöhung mehr ein. Im Gegenteil: In den USA geht man gar von einer ersten Zinssenkung aus. Die vor allem in Europa und Japan vorherrschende Tiefzinsphase bleibt ein treuer Begleiter. Im aktuellen Umfeld bleiben Obligationen unattraktiv und aufseiten der Aktien ist Selektivität gefragt. Im Fokus stehen Unternehmen mit einem innovativen und nachhaltigen Geschäftsmodell.


15

invest  02 · 2019

Autoren

Sandro Schibli Leiter Private Banking

Alessandro Sgro Asset Management und Research

Sandro Schibli bringt über dreissig Jahre Erfahrung in der Anlageberatung mit. Als ausgewiesener Fachmann im Asset Management ist er Mitglied des Anlagekomitees. Sandro Schibli ist diplomierter Finanzanalytiker und Vermögensverwalter.

Alessandro Sgro ist bei acrevis zuständig für das Research und Advisory sowie für die Finanzpublikationen. Er verfügt über einen Masterabschluss der Universität Bern in Betriebs- und Volkswirtschaftslehre mit Vertiefung Corporate Finance und Finanzmarkttheorie. Alessandro Sgro ist Mitglied des Anlagekomitees.

Die Inhalte dieser Publikation entsprechen dem Stand vom 3. Mai 2019.

RECHTLICHE HINWEISE: Die Informationen in dieser Publikation wurden durch die acrevis Bank AG zusammengetragen und stammen aus Quellen, welche wir für zuverlässig erachten. Trotzdem können wir weder für ihre Vollständigkeit noch Richtigkeit garantieren. Dieses Dokument kann nicht die persönlichen Anlageziele und finanziellen Verhältnisse jedes Anlegers berücksichtigen. Sollten Ihnen bei Entscheidungen, die auf Basis dieser Publikation gefällt werden, irgendwelche Zweifel aufkommen, wenden Sie sich bitte an Ihren persönlichen Anlageberater. Wir weisen Sie darauf hin, dass Aktien und Optionsscheine risikobehaftete Finanzinstrumente darstellen, aus denen im schlimmsten Fall ein Totalverlust resultieren kann. Im Weiteren verweisen wir Sie auf unsere Risikobroschüre, die Sie jederzeit bei uns beziehen können.


­ crevis Bank AG a Marktplatz 1 CH-9004 St.Gallen Tel. 058 122 75 55 Fax 058 122 75 50 info@acrevis.ch www.acrevis.ch

Wenden Sie sich für weitere Informationen an unsere Beraterinnen und Berater unter 058 122 75 55 oder an info@acrevis.ch St.Gallen • Gossau SG • Wil • Wiesendangen • Bütschwil • Rapperswil-Jona • Pfäffikon SZ • Lachen SZ


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
acrevis invest, Ausgabe 2/19 by acrevis Bank - Issuu