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acrevis invest, Ausgabe 3/19

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invest Ihre Anlageperspektiven

Vermessung der Welt

Wie Daten die Welt verändern

03 2019


«Die gefährlichste aller Welt­ anschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.» Zitat von Alexander von Humboldt, Naturforscher


Geschätzte Leserin, geschätzter Leser Wir wollen es wahrhaben oder nicht – unsere DNA ist und bleibt an­haltend geprägt vom urzeitlichen Jäger und Sammler. Anerkennung und Lob für den wertvollen Beitrag zur Nahrungsbeschaffung weichen in der Neuzeit wirtschaftlichen Ansprüchen und Werten. Im heutigen ökonomischen Wettbewerb wird quantitativ und qualitativ sichtbar, wer technologisch im Vorteil ist und das Sammeln und Ver­­­wer­ten von Daten beherrscht. Diese durch Technologie verstärkten Er­folgsfaktoren prägen unsere moderne Gesellschaft somit weiterhin. Liegt der eigentliche Zündstoff der Veränderung im gesellschaftlichen und letztendlich auch persönlichen Umgang mit Tempo und Reichweite von Technik und Digitalisierung ? Oder zappeln wir verführt und verloren im Netz von mächtigen Datensammlern ? Ich freue mich, wenn Sie durch die vorliegende Analyse einen weiteren Beitrag zum Verständnis in einer Zeit im Wandel erhalten. Nutzen Sie mit Ihrer acrevis-Beraterin oder Ihrem -Berater das Thema Daten, um mindestens Teile Ihres Portfolios auf die neuen Fakten auszurichten. Wir freuen uns auf das Gespräch auf der Basis Ihrer ganz persönlichen Daten.

Freundlich grüsst Sie

Sandro Schibli Leiter Private Banking


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Vermessung der Welt

Bezahlt Mark Sie schon ? Die technologischen Entwicklungen schreiten mit grossen Schritten voran und drängen in jeden Bereich von Wirtschaft und Gesellschaft. Insbesondere die Digitalisierung schafft immer mehr neue Möglichkeiten, weil immer mehr Informationen in Form von Daten zur Verfügung stehen. Und die Menschheit hinterlässt Tag für Tag, ja Sekunde für Sekunde durch die Nutzung elektronischer Medien ihre unwiderruflichen Spuren und gibt teils ihre innersten Geheim­nisse preis. Eine nüchterne ökonomische Analyse über das begonnene Datenzeitalter und wie es uns sowie die Wirtschaft verändert.

von Alessandro Sgro

«Liken», «scoren», «ranken» : das ist die neue Lieblingssportart der Gesellschaft geworden. Dabei handelt es sich nicht um physischen Spitzensport auf höchs­ tem Niveau – einzig vielleicht für den Daumen oder Zeigefinger. Nein, es geht darum, alles Mögliche zu bewerten und zu messen. In diesem neuen Ökosystem tummelt sich mittlerweile eine beachtliche Anzahl Menschen. So nutzen welt­weit rund 2,4 Milliarden regelmässig Facebook, 1,8 Milliarden YouTube und rund 1 Milliarde Instagram. Das sind die drei beliebtesten Social-Media-Plattformen. Und jeder nutzt seinen Zugang auf seine Art und Weise. Während sich die einen Informationen holen, geht es bei anderen bis zur völligen Selbstverwirklichung, indem sie sich und gesponserte Produkte vermarkten. Doch eines haben sie alle gemeinsam : Sie generieren Daten. Den meisten Nutzern ist das wohl gar nicht bewusst. Andere wiederum – aus Neugier oder vollkommenen Selbstoptimierungszwecken, um sich besser zu fühlen oder besser auszusehen – vermessen mit Fitness-Apps regelrecht alle Funktionen ihres Körpers. Die Quantifizierung der Gesellschaft ist keine Novität. Ein Blick in die Ge­ schichte zeigt, dass sehr früh begonnen wurde, Daten zu sammeln. Spätestens als der Mensch sesshaft wurde. Die Umstellung auf die landwirtschaftliche Nahrungsmittelproduktion hatte zum einen den Effekt, dass mehr Nahrungsmittel produziert werden konnten. Andererseits bedeutete dies auch, dass die Lebensmittelproduktion nach einer sorgfältigeren Planung erfolgen musste. Konkret hiess das, je nach Mond den richtigen Zeitpunkt für Saat und Ernte zu finden sowie grundsätzlich die Grundstücke zu vermessen, um sie einteilen zu können. Zudem wurden die produzierten Lebensmittel teilweise gelagert und nicht vollständig verzehrt. Die Menschen begannen also mit der Zeiterfassung und der


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Aufzeichnung der produzierten Mengen, und zwar indem sie Zeichen verwende­ ten und diese in Stein oder Holz schnitzten. Das führte letztlich zu den ersten «Daten­sätzen». Doch die Berechnungen wurden mit der Zeit immer aufwändiger. Steine und Holzstücke reichten nicht mehr. So entstand später der bis heute bekannte «Abakus»-Zählrahmen. Das Sammeln und Auswerten von Daten trug nicht nur zu einer sorg­ fältigeren Planung der Nahrungsmittelproduktion bei. Daten und letztlich interpre­ tierte Informationen haben wesentlich zur Entwicklung der modernen Gesellschaft und Wirtschaft beigetragen. Dank dem Einsatz neuester Technologien ist heute alles messbar, speicherfähig und auswertbar geworden. Doch welchen Wert haben die Daten wirklich ?

Erst die sachlogische Interpretation macht Daten wertvoll.

Daten als starker Treiber Was haben die Käseproduktion in der Schweiz und der Import von Rosen in Deutschland, Windeln und Bier oder Kobras und Kopfgeld miteinander gemeinsam ? Auf den ersten Blick gar nichts. Auf den zweiten Blick erkennt man bei einer statistischen Analyse Zusammenhänge. In der Wissenschaft spricht man von Korrelationen und misst diese mit dem Korrelationskoeffizienten. Dieser kann zwischen eins und minus eins liegen. Ein Wert von eins bedeutet eine komplett positive Korrelation zwischen zwei betrachteten Variablen und ein Wert von minus eins indiziert eine gegenläufige Entwicklung. Ein Wert von null heisst, dass die beiden betrachteten Merkmale überhaupt nicht zusammenhängen. Nun ist es mit Hilfe statistischer Methoden möglich, alle erdenklichen Daten miteinander zu vergleichen. So konnte zwischen der Käseproduktion in der Schweiz und dem Import von Rosen in Deutschland über die vergangenen Jahre eine beinahe perfekt positive Korrelation festgestellt werden. Dennoch haben die beiden Variablen gar nichts miteinander zu tun. Auch zwischen Windeln und Bier gibt es einen positiven Zusammenhang. So hat der amerikanische Einzelhandelskonzern Walmart bei der Analyse der Kassabons herausgefunden, dass Windeln und Bier zu einer bestimmten Uhrzeit oft zusammen gekauft werden. Die Erklärung liegt darin, dass frustrierte Väter zum Windelnholen geschickt wurden und sich dann mit einem Sixpack Bier belohnten. Walmart – eines der ers­ten Unternehmen, das mit Big-Data-Analysen begonnen hat – stellte nun Windeln und Bier in den Läden zusammen. Die Folge : Die Verkäufe explodierten. Wie wichtig die korrekte Interpretation und, daraus abgeleitet, die definierten Massnahmen sind, zeigt ein Beispiel des deutschen Ökonomen Horst Siebert. Ein britischer Gouverneur stellte in Britisch-Indien eine Kobraplage fest und wollte dieser Einhalt gebieten, indem er ein Kopfgeld auf jedes erlegte Ex­­emplar aussetzte. Immer mehr tote Schlangen wurden abgeliefert, doch die Anzahl der Kobras konnte nicht reduziert werden. Der Grund lag darin, dass die Bevölkerung begann, Kobras zu züchten, um von der Prämie zu profitieren. Diese unbeabsichtigte Fehlsteuerung aufgrund von Ausweichverhalten ging als «Kobra-Effekt» in die Geschichte ein und gilt heute auch als Beispiel für fehl­ geschlagene wirtschaftspolitische Massnahmen.


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Vermessung der Welt

Der Wert von Daten liegt also in der richtigen Interpretation des sachlogischen, kausalen Zusammenhangs und folglich in der Nutzung dieser Information für die eigenen Zwecke. Nutzt ein Unternehmen Informationen über das Konsum­ verhalten für sein Geschäftsmodell, so lassen sich die Daten auch monetari­ sieren. Eine anerkannte Methode, den Wert von Nutzerdaten etwa für die Unternehmen zu beziffern, gibt es nicht. Offensichtlich wird der Wert dann, wenn ein Unternehmen verkauft oder via Börsengang bewertet wird. 42 US-Dollar pro Nutzer waren es bei der WhatsApp-Übernahme, gut 20 bei Instagram und rund 50 bei Skype.

Der Wert der Datensätze wird deutlich steigen.

Blick in den Maschinenraum Eine andere Methode, den monetären Wert der Daten zu ermitteln, ist die Gegenüberstellung der Umsätze der grossen Technologieunternehmen wie Facebook, Google oder Amazon mit deren Nutzern. Hat Ihnen Mark Zuckerberg eigentlich schon einen Scheck über 23 US-Dollar geschickt und sich bedankt für die Bereitstellung Ihrer Daten für Werbezwecke ? Denn so viel verdient Facebook durchschnittlich pro Nutzer. Bei 2,4 Milliarden aktiven Nutzern sind das 56 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Facebooks wichtigster Konkurrent im Werbemarkt Google kann noch deutlich höhere Werte verbuchen. Der Konzern macht 63 US-Dollar Umsatz pro Jahr und User. So viel ist dem Nutzer implizit der «kostenlose» Zugang zur Google-Suchmaschine oder anderen Applikationen wie Gmail, Google Maps oder YouTube wert. Der Wert der Datensätze dürfte in Zukunft noch deutlich steigen. Erstens wird die Datenmenge weiter rasant zunehmen und zweitens werden durch die beliebige Verknüpfung der Daten neue Erkenntnisse geschaffen, die bei der Produktentwicklung noch genauer das Marktbedürfnis ermitteln lassen. Denn es gibt zwei Instrumente, die einerseits nie lügen und andererseits ohne Zweifel die innersten Wünsche und Präferenzen preisgeben : das Smartphone und die Kreditkarte. Surfverhalten und Zahlungstransaktionen offenbaren alles. Aus diesen Informationen lassen sich zum Teil wertvolle, zum Teil eher belanglose, aber nicht unwesentliche Schlüsse ziehen. Kreditkartenunternehmen sind heute in der Lage vorauszusagen, wann eine Beziehung in einer Scheidung endet. Dann nämlich, wenn die Frau beginnt, für sich selbst vermehrt Schmuck zu kaufen, oder wenn Männer Rosen in Kombination mit einem Inlandflug­ticket erwerben. Letzteres deutet auf eine Affäre hin. In diesem Kontext er­ scheint Facebooks Initiative einer eigenen, «unabhängigen» Weltwährung namens «Libra» in einem ganz anderen Licht. Denn Facebook kennt dann nicht nur die Präferenzen der Nutzer, sondern auch die Geldflüsse. Das ergibt ein viel schär­feres Bild, womit die Daten für Werbezwecke an Wert gewinnen. Das Spannendste an der gesamten Entwicklung ist, dass Facebook (inklusive WhatsApp und Instagram), Google oder LinkedIn Unternehmen ohne eigene Inhalte sind. Sie stellen «einzig» die Technologie zur Verfügung. Dennoch zählen sie neben Amazon und Apple zu den radikalsten Disruptoren – also Unternehmen, die durch den Einsatz neuer Technologien traditionelle Geschäftsmodelle drastisch verändern und dabei traditionsreiche Unternehmen ernsthaft


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konkurrenzieren oder deren Daseinsberechtigung ganz in Frage stellen. Dazu gehören auch Unternehmen wie Uber (besitzt keine Taxis) oder Airbnb (besitzt keine Hotels).

Zettabytes

«Dataismus» Daten sind also zu einer neuen Währung für die Nutzung offensicht­lich «kostenloser» technologischer Funktionen verkommen. Und mit jeder Sekunde, die ein Benutzer sich in der digitalen Welt aufhält, werden weitere Daten produziert. Schätzungen gehen davon aus, dass die weltweite Datenmenge bis 2035 auf über 2100 Zettabyte wächst. Zettabytes, das ist eine Zahl mit 21 Nullen. Tradi­ tionelle Speichermedien stossen schon längst an ihre Grenzen. Hier spielt eine weitere technologische Entwicklung eine zentrale Rolle : «Cloud Computing» – das Speichern und Verarbeiten von Grafik 1 : Weltweite Entwicklung der Datenmenge Daten in einem Netzwerk anstelle 2142 eines lokalen Speichermediums. Ab 2020 werden Daten hauptsächlich 2’000 in der Cloud gespeichert. Auch hier erkannte Amazon bereits früh diesen Trend. Mit Amazon Web Services 1’500 bietet der ehemalige Bücherladen seit 2006 Cloud-Services an und ist in diesem Gebiet Marktführerin. Das 1’000 Tochterunternehmen bietet heute eine Vielzahl an Funktionen und Lösungen in diversen Marktsegmen612 500 ten an und trägt bereits mehr als die Hälfte des operativen Ergebnisses 175 des Konzernes bei. Und der Trend 47 33 12 2 0 geht weiter in diese Richtung. So 0 geht das Unternehmen nach eigenen 2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035 Jahr Schätzungen davon aus, dass erst 3 % aller IT-Aufgaben in der Cloud abge­ Quelle : IDC, statista, acrevis Asset Management und Research. wickelt werden.

Starker Treiber ist die Verbesserung der Rechenleistung.

Vormarsch der Algorithmen Weitere starke Treiber des Datenzeitalters sind die starke Verbesserung bei der Rechenleistung der Computer sowie die Ausstattung verschiedenster Dinge mit Sensoren, die in der Lage sind, unterschiedliche Dinge zu messen. Dabei werden auch keine Grenzen mehr gesetzt. Das geht von Messgeräten für die Luftfeuchtigkeit über den Kühlschrank bis hin zum Menschen selbst. Bereits heute gibt es Versuche von eingesetzten Chips bei Menschen. Der Historiker und Bestsellerautor Yuval Noah Hariri meinte unlängst, der Mensch selbst sei längst dabei, ein winziger Chip in einem riesigen System zu werden, das niemand so recht verstehe. Genau hier setzt ein zentraler Kritikpunkt an. Das Geschäft mit den Daten geht so weit, dass heute Algorithmen den Menschen und damit


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Vermessung der Welt

Konsumenten steuern. So erhält ein Mac-Benutzer bei der Hotel­suche auf der Plattform booking.com die teureren Vorschläge, weil die Annahme zugrunde liegt, dass Mac-User eine höhere Zahlungsbereitschaft haben. Algorithmen sind letztlich nichts anderes als hinterlegte «wenn…, dann…»-Regeln. Mithilfe von künstlicher Intelligenz werden diese Mechanismen ständig verbessert. Einige Unternehmen nutzen diese neuen Techno­logien bereits heute, um betriebliche Abläufe zu optimieren, Produkte zu verbessern oder aber Kunden zielgerichtet Produktempfehlungen zu machen. Spätestens an diesem Punkt stellt sich die Frage, ob die Menschheit wirklich einem künstlichen Gebilde die Entscheidungen überlassen will. Soll ein Algorithmus uns wirklich zum Beispiel ein Buch vorschlagen oder geht damit nicht jegliche Kreativität verloren ? Und werden uns Bücher einst lesen und wir nicht mehr Bücher ? Das könnte bald möglich sein. Nämlich indem Hard- und Software an E-Readern installiert werden, die nicht nur genau messen können, an welchen Stellen man das Buch nur überfliegt oder vertiefter liest, sondern gar wo der Blutdruck stärker steigt und das Unternehmen damit erfährt, was einen wirklich bewegt ? Solche Mechanismen dürften Amazon und anderen Buchhändlern ermöglichen, Bücher mit einer äusserst hohen Treff­sicherheit auszuwählen. Amazon macht heute bereits 35 % aller Verkäufe aufgrund von Produktvorschlägen durch den Einbezug von künstlicher Intelligenz.

Künstliche Intelligenz hilft Algorithmen, sich ständig zu verbessern.

Grafik 2 : Treiber des Datenzeitalters

Speicher

Netzwerk

gemessen in Terabytes (TB) Anzahl Personen mit Internetzugang

gemessen in Personen mit Internetzugang

$ pro TB

1980 – Apple: $14’000’000 pro TB

2018 – Amazon: $23 pro TB 1970

1980

1990

2000

2010

2020

2017 – 3.4 Milliarden Personen

1970

1980

Rechenleistung

1990

2000

2010

2020

Bandbreite

gemessen in GFLOPS

gemessen in Megabytes pro Sekunde (Mbps) 1998 – $1’200 pro Mbps

$ pro GFLOPS

$ pro Mbps

1961 – IBM: $1’100’000’000

2017 – AMD: $0.05 1960

1980

2000

Quelle : O'reilly, acrevis Asset Management und Research.

2020

2017 – $1 pro Mbps 2000

2005

2010

2015


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Daten sind das neue Rohöl der Wirtschaft.

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Wohlfahrtstheorie – die ökonomische Perspektive Daten sind nicht nur zu einer neuen Währung verkommen, sie sind sozusagen das neue Rohöl der Wirtschaft. Daten sind allerdings auch einmal «nur» noch zu interpretierende Informationen. Aus ökonomischer – respektive wohlfahrtstheoretischer – Sicht geht es im Grundsatz darum, dass Ressourcen effizient genutzt werden. Je bessere Informationen vorhanden sind, desto besser sollte entsprechend auch die Ressourcenallokation sein. Adam Smith’ unsichtbare Hand wird in Form von Daten sozusagen sichtbar. Der grosse schottische Ökonom umschrieb in seinem Werk «Der Wohlstand der Nationen» mit der Metapher der «unsichtbaren Hand» die Funktionsweise der Märkte. Daten oder Informationen lenken heute klar schon die wirtschaftlichen Ströme und datengetriebene Innovationen werden zunehmend zu einem starken Treiber für das Wirtschaftswachstum. Aufgrund immer besserer Informationen sollte dieses Wachstum auch ressourcenschonender sein. Unternehmen verfügen über die Werkzeuge, Prozesse und Produkte viel effizienter zu entwickeln. Das sollte sich letztlich in einer höheren Produktivität zeigen.

Smart Cities Der Umgang mit unseren beschränkten Ressourcen und die Diskussion dazu sind aktueller denn je. Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Klimawandel sind nur drei Megatrends, die die Weltbevölkerung an den Rand der Möglich­ keiten bringen. Doch immer wenn die Menschheit in Not war, entstanden auch Innovationen. Und auch bei den aktuellen Herausforderungen könnten neue technologische – insbesondere datengetriebene – Entwicklungen eine nachhal­ tige Lösung im Umgang mit unseren beschränkten Ressourcen bieten. Am anschaulichsten lässt sich das am Konzept einer Smart City erklären. Smart City – also eine intelligente Stadt – ist die Idee einer effizient vernetzten Stadt mit dem Ziel, Ressourcen zu schonen. Die Grundlage dazu schafft der technologische Wandel und insbesondere Infrastrukturelemente wie Glasfasernetz, Sensoren, Daten und Clouds. Durch die Nutzbarmachung dieser digitalen Techno­­logien lassen sich enorme Effizienzgewinne erzielen. Die Stadt St.Gallen nimmt hier schweizweit eine Vorreiterrolle ein. Der Trend der Urbanisierung führt zu verschiedenen Herausforderungen wie überfüllten Strassen, hohem Ener­gieauf­ wand, erhöhter Abfallentsorgung. Durch die Einführung eines flächen­decken­­den Glasfasernetzes sowie die Ausstattung verschiedener Dinge mit Sensoren ist die Gallusstadt über ein Informationssystem in der Lage, diese Herausforderun­ gen zu lösen. Autofahrern soll zum Beispiel angezeigt werden, wo sich der nächste freie Parkplatz befindet oder wie das aktuelle Verkehrsauf­kommen ist. Durch ein effizienteres Verkehrsleitsystem können somit Abgasemissionen eingeschränkt werden. Das gilt auch für eine zielgerichtete Abfallentsorgung. So werden nur noch dann Fahrzeuge für die Leerung der öffentlichen Depot­stellen losgeschickt, wenn die Sensoren eine komplette Füllung melden. Nicht nur Abgasemissionen lassen sich einschränken, auch beim Energieverbrauch kann durch eine intelligentere Steuerung der Strassenbeleuchtung gespart werden. So sollen Strassenlampen nur noch dann mit voller Kraft leuchten, wenn sich ein Fahrzeug auf der Strecke befindet.


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Vermessung der Welt

Im Zusammenspiel mit künstlicher Intelligenz hat eine datengetriebene Steuerung das Potenzial, insgesamt auch die Not auf dieser Welt zu lindern, indem Frühwarnsysteme eingeführt werden für Krisen und Katastrophen. In Indonesien konnte eine Korrelation zwischen der Anzahl Tweets, die den Preis von Reis erwähnten, und dem realen Preisanstieg des Grundnahrungsmittels erkannt werden. In offiziellen Statistiken sind solche Informationen erst mit einer ziemlichen zeitlichen Verzögerung ersichtlich. Durch die Nutzung von Echtzeitdaten könnte man den Ausbruch einer Hungersnot voraussehen und entsprechend frühzeitig Massnahmen er­greifen – sofern zwischen den beiden Merkmalen ein kausaler Zusammenhang besteht. Grafik 3 : Wie Unternehmen künstliche Intelligenz nutzen Erkennung und Verhinderung von Sicherheitslücken

44%

Behebung von Technologieproblemen der Nutzer

41%

Reduzierung des Arbeitsaufwands für das Produktionsmanagement durch Automatisierung

34%

Messung der internen Compliance beim Einbezug von zugelassenen Technologieanbietern

34%

Antizipation zukünftiger Kundenkäufe und entsprechendes Kundenoffering

Anwendungsbereich

19%

Finanzhandel

17%

Verwendung von Runbook-Automation

16%

Verbesserung des Medieneinkaufs

16%

Überwachung von Social-Media-Kommentaren, um die allgemeine Markenaffinität und ihre Problematiken zu ermitteln

16%

Massgeschneiderte Angebote

15%

Automatisierung der Anrufverteilung

15% 0

Informationstechnologie Marketing Finanzen Kundendienst

25

50

75

100

Quelle : Harvard Business Review, acrevis Asset Management und Research.

Die Datenanalyse steckt noch in den Kinderschuhen.

Allerdings stehen wir in der Datenanalyse immer noch in den Kinderschuhen. Das zeigt das Beispiel um «Google Flu Trends». Google wollte ein Grippe-Frühwarnsystem aufbauen, ist aber bis heute gescheitert. Aus den Suchanfragen zu Symptomen versuchte Google ein Muster zu erkennen, um darauf basierend eine Prognose zu erstellen, die schneller ist als herkömmliche Methoden. Ein möglicher Grund liegt in den zugrunde gelegten Algorithmen, die noch zu wenig ausgereift waren. Und das führt zu den eingangs geschilderten Problemen mit Korrelation und Kausalität. Nur weil an einem Ort die Suchanfragen zu einem Thema stark zugenommen haben, heisst das noch nicht, dass dieses Thema auch wirklich ein Problem an diesem Ort ist. Vielleicht gab es im Fernsehen einen Beitrag über den Grippeausbruch in Bali und die Zuschauer wollten sich folglich über die Grippesymptome informieren.

Droht ein Überwachungsstaat ? Die Quantifizierung der Gesellschaft führt dazu, dass praktisch alles gemessen werden kann. Zugriff auf diese Informationen haben Unternehmen, aber auch Staaten. Sowohl in den USA als auch in Europa gewinnt der Datenschutz eine immer grössere Bedeutung. In Europa wurde vor gut einem Jahr die neue Datenschutz-


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Ein verantwortungs­ voller Umgang mit sensiblen Daten ist wichtig.

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grundverordnung DSGVO eingeführt. Damit soll die Verarbeitung personenbezogener, sensibler Daten durch private wie öffentliche Datenverarbeiter geregelt werden. Die DSGVO gibt jedem Bürger das Recht abzufragen, was Unternehmen über ihn gespeichert haben. In den USA gehen Politiker gar so weit, dass Tech-Konzerne wie Facebook gezwungen werden, erhobene Daten in Dollar zu bewerten. Nutzer sollten alle drei Monate eine detaillierte Übersicht bekommen. Zudem sollen die Unternehmen aufzeigen, wie genau und mit welchen Partnerfirmen sie Umsätze generieren, wie sie die Daten speichern und verarbeiten und wie sie diese schützen. Mit diesen Massnahmen in der westlichen Welt soll auch eine Entwicklung wie jene in China mit dem «Social Scoring» verhindert werden. Dabei wird die ganze chinesische Ge­ sellschaft über verschiedene Datenbanken überwacht mit dem Ziel, die Menschen zu mehr Aufrichtigkeit im sozialen Verhalten zu erziehen. Hier trägt aktuell die Gesellschaft insgesamt eine grosse Verantwortung, um die Rahmenbedingungen im Um­ gang mit den Daten nachhaltig und sinnvoll zu regeln.

Was bedeuten die Entwicklungen für die Anleger ? Auch beim Anlegen geht es um die Verarbeitung von Daten – sei es bei der Erarbeitung der strategischen Vermögensallokation, der Titelselektion bis hin zur Überwachung der investierten Finanzinstrumente. Und es geht auch hier um Zusammenhänge. So verfügen die verschiedenen Anlageklassen wie Obligationen, Aktien und alternative Anlagen nicht nur über unterschiedliche Rendite-Risiko-Charakteristiken, sie entwickeln sich meist auch ganz unterschiedlich. Obligationen korrelierten über die vergangenen Jahre negativ zu den Aktien, alternative Anlagen wie Gold ebenfalls. Sowohl Obligationen als auch Gold gelten deshalb als Risikopuffer in Zeiten mit schwächeren Aktienmärkten. Letztlich geht es für jeden Anleger darum, die passende Kombination zu finden, um entsprechend dem persönlichen Risikoprofil seine Ziele zu erreichen. Der Prozessschritt der Strategiedefinition erfordert viel Zeit und einen sorgfältigen Umgang mit den relevanten Informationen und Zielen. Basis ist eine gründliche Planung. Sie ist für den Erfolg unabdingbar. Dabei spielen auch verhaltensökonomische Aspekte eine zentrale Rolle. Denn gerade in unsicheren Marktentwicklungen neigt der Mensch dazu, irrationale Entscheidungen zu treffen.

Ziel vor Augen behalten Die Welt an sich steht durch verschiedene, starke Treiber im Wandel und verändert sich. Die Finanzmärkte stehen seit Jahren aufgrund der Tiefzinsproblematik kopf. Wohin die Reise in Zukunft auch geht, es gilt stets, sein Ziel vor Augen zu behalten und einen massvollen und verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen zu pflegen. Das gilt auch im Umgang mit dem persönlichen Vermögen. Dabei gilt es insbesondere auch die Chancen zu sehen und nicht nur die Gefahren. George Orwells Werk «1984» mit einer düsteren Variante von der totalitären Überwachung scheint zwar als Mahnung hilfreich, doch für die Entwicklung von grösserer Be­deutung sind wohl eher Alexander Humboldts Qualitäten : wissenshungrig die Welt zu entdecken und zu verstehen, was sie im Innersten zusammenhält. Im Bereich der Vermögensverwaltung heisst das, erstens die persönlichen Ziele zu definieren und zweitens zu eruieren, mit welcher Strategie diese Ziele erreicht werden können. Dabei spielen der Umgang und die Interpretation verschiedenster Daten eine zentrale Rolle.


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Umsetzung

Anlageempfehlungen Nachfolgend stellen wir Ihnen Titel vor, die nach der bewährten «acrevis spektrum»-Methodik sowie unter dem Fokus Innovation sowie Datenanalyse ausgewählt wurden. Umsetzungsideen Aktien

Schindler

Swisscom

Valor 2'463'819

Einschätzung

Valor 874'251

Einschätzung

Währung CHF

acrevis spektrum

Währung CHF

acrevis spektrum

Branche Industrie Kurs 218.60

Branche Telekom Rating

Kurs 482.60

Rating

KGV 22.14

Fundamental 2 ➚

KGV 16.96

Fundamental 2 ➙

Dividendenrendite

Verhaltensbezogen 1 ➙

Dividendenrendite

Verhaltensbezogen 1 ➙

ROIC / KK

2.05 % 2.12

4.57 %

Technisch 3 ➚ Altman Z-Score

2.84

Technisch 2 ➙

Gesamteinschätzung 6 ➚

1.68

Gesamteinschätzung 5 ➙

Der Innerschweizer Aufzug- und Fahrtreppenhersteller Schindler lässt bereits heute neue Technologien wie künstliche Intelligenz oder Datenanalyse in die Wertschöpfung einfliessen. Das Unternehmen sammelt beispielsweise mittels elektronischer Geräte und Sensoren Daten für die Instandhaltung. Mittels der gesammelten Daten und der oben genannten Technologien wird anschliessend auf individueller Basis berechnet, wann welche Teile ersetzt werden müssen. Diese Analysen verhindern, dass es zu langen Ausfällen oder Unfällen kommt. Dadurch kann Schindler die Qualität und Sicherheit der eigenen Produkte weiter verbessern und den steigenden Qualitätsansprüchen in den Schwellen­ ländern, wie China, gerecht werden. Zusätzlich können die wiederkehrenden Servicedienstleistungen, welche rund die Hälfte des Umsatzes ausmachen, besser ge­ plant und effizienter durchgeführt werden. Um weiter in diesem Bereich zu wachsen, hat Schindler im Frühjahr 2019 das Start-up BuildingMinds gegründet. Das Start-up bietet eine Serviceplattform für die umfassende Immobilienbewirtschaftung.

ROIC / KK

Swisscom ist in der Schweiz Marktführerin im Mobilfunk-, Festnetz- und TV-Markt. Sie nimmt zudem eine bedeutende Marktposition in unterschiedlichen IT-­Geschäftsfeldern ein. Dabei treibt Swisscom die Digitalisierung in der Schweiz voran und begleitet Unternehmenskunden in die vernetzte Welt. Sie unterstützt ihre Kunden unter anderem in den Bereichen Cloud Services, Netzwerklösungen und digitale Sicherheit. Unternehmen können beispielsweise rechenintensive Datenbanken und Serverumgebungen kostengünstig und sicher an die Swisscom auslagern. Dadurch profi­ tieren sie vom Know-how der Swisscom und den neusten Technologien, ohne dass teure IT-Investitionen not­wendig sind. Gleichzeitig unterstützt Swisscom ihre Kunden bei der Datensammlung, -aufbereitung und -analyse. Aufgrund der Datenhaltung und -verarbei­tung in der Schweiz kann sich die Swisscom von der Konkurrenz abheben.

Die Zahlen entsprechen dem Stand vom 23. August 2019.


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Umsetzungsideen Aktien

Tecan Group

Allianz

Valor 1'210'019

Einschätzung

Valor 322'646

Einschätzung

Währung CHF

acrevis spektrum

Währung EUR

acrevis spektrum

Branche Gesundheit

Branche Finanzen

Kurs 256.50

Rating

Kurs 198.68

Rating

KGV 31.33

Fundamental 2 ➙

KGV 9.3

Fundamental 1 ➙

Dividendenrendite

Verhaltensbezogen 1 ➙

Dividendenrendite

Verhaltensbezogen 1 ➙

0.96 %

5.01 %

Altman Z-Score

8.96

Technisch 3 ➚ ROIC / KK

0.34

ROIC / KK

1.11

Gesamteinschätzung 6 ➚

Technisch 3 ➚ Gesamteinschätzung 5 ➚

Tecan ist ein führender Anbieter im Bereich Labor­ automation. Das Unternehmen unterstützt seine Kunden in der Life-Science-Forschung und der Diagnostikbranche mit Laborinstrumenten und umfassenden Automatisierungslösungen, damit diese ihre Effizienz und die Anzahl Entdeckungen steigern können. Tecan profitiert dabei von verschiedenen Megatrends. Dazu gehören die Alterung der Bevölkerung, die steigenden Investitionen in das Gesundheitswesen und die personalisierte Medizin. Gerade Letzteres ist für Tecan besonders interessant. Das Unternehmen bietet unter anderem Automationslösungen im Bereich der Gensequenzierung an. Durch die automatisierte Gensequenzierung er­hofft man sich, auf eine preiswerte Art und Weise Daten über die Krankheitsursachen und somit auch neue Er­kenntnisse zur Bekämpfung verschiedener Krank­ heiten zu gewinnen.

Allianz ist ein global aufgestellter Finanzdienstleister mit Hauptsitz in München. Das Unternehmen bietet ein breites Spektrum an Versicherungs- und Fondspro­ dukten an und ist in den Bereichen der Schaden-, Unfall-, Lebens- und Krankenversicherung führend. Um den neuen Technologien und den sich ändernden Kundenbedürfnissen gerecht zu werden, hat Allianz Ende 2018 die neue Strategie «Renewal Agenda 2.0» präsentiert. Ein wesentliches Element der neuen Strategie ist der Einbezug neuer Technologien in das Geschäftsmodell. Dabei möchte Allianz Kundendaten und neue Techno­ logien nutzen, um die eigenen Kalkulationen und Versicherungsmodelle zu optimieren, die Effizienz zu steigern, die Kontaktrate zu erhöhen und neue Versicherungsprodukte zu entwickeln. Zudem hat Allianz aufgrund der bereits getätigten Investitionen in die eigenen IT-Systeme und in die Digitalisierung der Prozesse eine Vorreiterrolle in der Finanzbranche eingenommen.

Umsetzungsidee Kollektivanlage

Allianz Global Artificial Intelligence Valor 39'040'144 Währung USD Kurs 11.26 TER

1.22 %

Fondsdomizil Luxemburg Performance 1 J. p.a. Volatilität p.a. in %

9.24 % 28.51 %

Der Fonds investiert je einen Drittel in Unternehmen, die entweder Infrastruktur oder Applikationen im Bereich künstlicher Intelligenz bereitstellen. Einen weiteren Drittel stellen Unternehmen dar, die KI-Anwendungen in ihren Geschäftsmodellen integriert haben. Dazu zählt zum Beispiel Criteo, ein französischer Anbieter von zielgerichteten Werbeprodukten. Das Unternehmen verwendet ausgefeilte Algo­ rithmen, welche den Kunden von Criteo erlauben, das zukünftige Nutzerverhalten viel besser zu modellieren. Der Fonds eignet sich als Beimischung (Satelliten­­an­­lage) für langfristig orientierte, risikofreudige Investoren.


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Makro und Märkte

Zinswende gegen Süden Mit dem ersten Zinssenkungsschritt der amerikanischen Notenbank seit zehn Jahren endete im Juli in den USA der Weg in Richtung Zinsnormalisierung. Die Zinswende nach unten ist eingeleitet. In Europa hat längst eine «Japani­ fizierung» Einzug gehalten. Das Niedrigzinsumfeld bleibt noch länger ein treuer Begleiter. Was bedeutet das für die Anleger ?

von Alessandro Sgro

Die Hoffnung auf eine globale Zinsnormalisierung ist noch gar nicht lange her. Angetrieben durch die amerikanische Notenbank keimte auch in Europa der Glaube an eine Zinserhöhung. Doch die europäische Zentralbank hielt sich in den vergangenen Jahren trotz positivem Wirtschaftswachstum zurück. Nun ist der Spielraum weg. Die konjunkturellen Aussichten zeigen weiterhin eine Verlangsamung an. Vor allem die Vorlaufindikatoren für das verarbeitende Gewerbe sind weltweit rückläufig. Die Ursache liegt hauptsächlich im anhaltenden Handels­kon­ flikt der USA mit der Welt. Solange sich diese Entwicklung nicht negativ auf den Arbeitsmarkt, den Konsum oder den Dienstleistungssektor auswirkt, besteht zwar ein Risiko, ist dieses aber aufgrund der gesunkenen Bedeutung des ver­ arbeitenden Gewerbes in den entwickelten Ländern gering. Wie ausserordentlich die aktuelle makroökonomische Lage ist, widerspiegelt sich in den jüngsten Zinsentwicklungen. So liegen die Renditen deutscher Staatsanleihen gegenwärtig noch tiefer im Minus als die japanischen. In Japan herrscht seit Jahren praktisch Nullverzinsung. In der Schweiz ist die Zinssituation aufgrund der Negativzinsen noch akzentuierter. An diesem Umstand wird sich mittelfristig auch nichts ändern. Sowohl in den USA als auch in Europa stehen die Zeichen weiter auf expansiver Geldpolitik. Im aktuellen Umfeld bleiben Obligationen unattraktiv. Dennoch er­­füllen sie trotz negativer Renditen gerade in unsicheren Börsenlagen eine wichtige Funktion im Portfolio, nämlich diejenige eines Risikopuffers. Auf Seiten der Aktien ist Selektivität gefragt. Im Fokus stehen Unternehmen mit einem inno­ vativen und nachhaltigen Geschäftsmodell. Denn gerade das Tiefzinsumfeld lässt überschuldete «Zombie-Firmen» überleben. Langfristig dient das niemandem.


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Autoren

Sandro Schibli Leiter Private Banking Sandro Schibli bringt über dreissig Jahre Erfahrung in der Anlageberatung mit. Als ausgewiesener Fachmann im Asset Management ist er Mitglied des Anlagekomitees. Sandro Schibli ist diplomierter Finanzanalytiker und Vermögensverwalter.

Alessandro Sgro Asset Management und Research Alessandro Sgro ist bei acrevis zuständig für das Research und Advisory sowie für die Finanzpublikationen. Er verfügt über einen Masterabschluss der Universität Bern in Betriebs- und Volkswirtschaftslehre mit Vertiefung Corporate Finance und Finanzmarkttheorie. Alessandro Sgro ist Mitglied des Anlagekomitees.

Die Inhalte dieser Publikation entsprechen dem Stand vom 23. August 2019.

RECHTLICHE HINWEISE : Die Informationen in dieser Publikation wurden durch die acrevis Bank AG zusammengetragen und stammen aus Quellen, welche wir für zuverlässig erachten. Trotzdem können wir weder für ihre Vollständigkeit noch Richtigkeit garantieren. Dieses Dokument kann nicht die persönlichen Anlageziele und finanziellen Verhältnisse jedes Anlegers berücksichtigen. Sollten Ihnen bei Entscheidungen, die auf Basis dieser Publikation gefällt werden, irgendwelche Zweifel aufkommen, wenden Sie sich bitte an Ihren persönlichen Anlageberater. Wir weisen Sie darauf hin, dass Aktien und Optionsscheine risikobehaftete Finanzinstrumente darstellen, aus denen im schlimmsten Fall ein Totalverlust resultieren kann. Im Weiteren verweisen wir Sie auf unsere Risikobroschüre, die Sie jederzeit bei uns beziehen können.


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acrevis invest, Ausgabe 3/19 by acrevis Bank - Issuu