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acrevis invest, Ausgabe 1/20

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invest

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2020

Ihre Anlageperspektiven

Risiko

Wie Sie trotz Unsicherheit Ihr finanzielles Ziel erreichen


«Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern darauf, auf die Zukunft vorbereitet zu sein.» Zitat von Perikles (um 500 – 429 v. Chr.), athenischer Politiker und Feldherr


Geschätzte Leserin, geschätzter Leser Wirtschaftlicher Erfolg basiert im Kern auf Vertrauen, das von einer Vielzahl weiterer Faktoren ständig aufs Neue befeuert werden sollte. Dies ist kein banaler Zusammenhang. Im Erfolgsmodell Schweiz ist es eine komplexe Verknüpfung von Geschichte, gelebter direkter Demokratie und kontinuierlicher Entwicklung. Die verständliche Ambition der Schweizer Gesellschaft, den Wohlstand auch im zunehmend ruppiger werdenden Umfeld zu sichern, wird ein weiteres Mal einem anspruchsvollen Test unterzogen. Schweizer Tugenden wie Risikobereitschaft und Weitsicht dürften auch künftig mitentscheidend für eine prosperierende Schweiz sein. In der Analyse über «die grossen Ziele» wird Ihnen anhand von Aufstieg und Niedergang einst stolzer Volkswirtschaften aufgezeigt, wohin politische Fehlentwicklungen führen können. Dass dabei auch Hormone eine Rolle gespielt haben dürften, ist Beleg für die komplexen Zusammenhänge. Ich lade Sie ein, das aktuelle Schauspiel der internationalen Bühne zu begutachten. Wie beim Schach sind die ersten Züge bereits gespielt, das Ende jedoch noch offen. Wir freuen uns, wenn Sie Ihre ganz persönlichen Ziele mit Ihrer Beraterin oder Ihrem Berater besprechen. Diese Ziele sind entscheidend für Ihre nächsten Züge in Ihrer ganz persönlichen Anlagestrategie.

Freundlich grüsst Sie

Sandro Schibli Bereichsleiter Private Banking


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Risiko

Die grossen Ziele Technologische Entwicklungen, datenbasiertes Wirtschaften, Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, demografische Veränderungen: starke Treiber versetzen die Welt in einen steten Wandel sowie unter Stress. Klimawandel, Populismus und Nationalismus sind quasi Stressfolgeerscheinungen und bringen zentrale Errungenschaften wie den Freihandel, die internationale Zusammenarbeit oder letztlich die Demokratie in Gefahr. Wie gelingt es, zentrale liberale Werte zur Sicherung des Wohlstands und Friedens zu wahren? Ein Plan ist gefragter denn je.

von Alessandro Sgro

Wir schreiben das Jahr 1848. Europa steht in Flammen. In vielen Regionen entladen sich soziale, wirtschaftliche und politische Spannungen gewaltsam. Sie sind Ausdruck einer verzögerten Modernisierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Herrschaftssystemen. Mit der Französischen Revolution und der Industriellen Revolution in England beginnt Ende des 18. Jahrhunderts ein gesamteuropäischer Wandlungsprozess. Doch nach der Zeit Napoleons und dem Wiener Kongress scheinen die revolutionären Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit für alle ins Stocken zu geraten. Der Friedenskongress in Wien bringt Europa zwar dreissig Jahre Ordnung und Frieden, doch leitet dieser auch die Epoche der Restauration ein, womit in den meisten Ländern vorrevolutionäre Zustände wiederhergestellt werden. Dabei enttäuschen die Herrschenden ihre Völker abermals, weil sie nationale Einigungen ebenso entschieden bekämpfen wie demokratische und liberale Bestrebungen. So kommt es in Frankreich, in den Staaten des Deutschen Bundes, in Ober- und Süditalien sowie in weiten Teilen der Habsburger Monarchie wieder zu revolutionären Bewegungen. Viele misslingen. Doch in einem Kleinstaat gelingt ein historisches Ereignis. Inmitten misslungener bürgerlicher Revolutionen im monarchischen Europa gelingt Liberalen 1848 die Schweizer Bundesverfassung – bis heute ein Garant für politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität. Und das im Eiltempo. Auch weil hierzulande die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt werden, um sich durch Herrschaftsansprüche aus dem angrenzenden Ausland zu schützen. In gerade mal 31 Sitzungen erarbeitet eine 23-köpfige Kommission die Grundsätze des Zusammenlebens der Eidgenossen. Die Schweizer Bundesverfassung ist die erste demokratische Verfassung in ganz Kontinentaleuropa. Mit Wilhelm Mathias Naeff spielt auch ein Ostschweizer eine zentrale Rolle.


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Bis 1875 war die Schweiz der einzige demokratische Staat in Kontinentaleuropa. Erst danach folgte Frankreich. Und wo stehen wir heute: Gelbwesten, autoritäre Politiker, Populismus, Protektionismus. Die Welt scheint wieder aus dem Gleichgewicht. Gesellschaftlich wie ökonomisch sind Gleichgewichte die Basis für Stabilität. Stehen wir erneut vor einem grossen Umbruch? Die aktuellen Unruheherde und Bewegungen deuten darauf hin. Da erscheinen die geldpolitischen Aktionen der Zentralbanken sowie die Entwicklungen in der Politik alles andere als nachhaltig, ja geradezu hilflos bis grotesk. Warum kam es so weit und was sind denn die Erfolgsfaktoren für eine positive wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung?

Aktuelle Unruhen bedrohen zentrale Errungenschaften.

Der Wert politischer Stabilität Welchen Wert stabile politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen für den Wohlstand haben, zeigt erneut ein Blick in die Schweiz und in die Welt hinaus. Um den Wohlstand eines Landes zu beurteilen, wird vielfach das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf herangezogen. Damit wird verglichen, wie viele Güter und Dienstleistungen in einem Land pro Jahr und Kopf hergestellt werden. Weltweit zeigen sich erwartungsgemäss erhebliche Unterschiede. Das kaufkraftbereinigte Pro-KopfEinkommen in der Schweiz beträgt mit 61’844 US-Dollar das x-Fache des entsprechenden Wertes in Burundi mit 692 US-Dollar. Betrachtet man das BIP pro Kopf über die Zeit, gibt das eine Vorstellung darüber, wie sich eine Volkswirtschaft und deren Lebensstandard entwickelt hat. So war Japan vor 100 Jahren kein besonders reiches Land. Das durchschnittliche Einkommen pro Kopf lag lediglich etwas über dem entsprechenden Wert Mexikos und um einiges unter demjenigen Wert Argentiniens. Das Einkommen in Japan im Jahr 1890 entsprach in etwa dem Einkommen in Guinea-Bissau im Jahr 2016. Heute gehört Japan aufgrund eines spektakulären Wachstums zu den wirtschaftlich reichsten Ländern – trotz anhaltender Krise mit gut 20 Jahren Tiefzinspolitik. Argentinien hingegen legte den umgekehrten Weg hin. War Argentinien bis zum Ersten Weltkrieg eines der reichsten Länder der Welt, ist es heute ein Schatten seiner selbst. Grafik 1: Entwicklung reales BIP pro Kopf in US-Dollar

70’000 60’000 50’000 Argentinien

40’000

USA Schweiz

30’000

Deutschland

20’000

Japan

10’000

1875

1885

1895

1905

1915

1925

1935

1945

Quelle: Maddison Project Database, Version 2018, acrevis Research.

1955

1965

1975

1985

1995

2005

2015


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Risiko

Wie wichtig politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität für eine Volkswirtschaft ist, zeigt gerade das aktuelle Ausmass der Armut in Argentinien: Die Einkommen von 32,2 Prozent der Bevölkerung liegen unterhalb der Armutsgrenze. Davon sind 6,3 Prozent gar von absoluter Armut betroffen. Das südamerikanische Land befindet sich einmal mehr in einer schweren Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt sank seit 2017 dramatisch. Dabei hatte Altpräsident Mauricio Macri bei seinem Amtsantritt Ende 2015 viel versprochen. Doch am Ende seiner Regierungszeit sind Armutsrate und Inflation höher als zuvor. Das Land ist zum dritten Mal seit 2000 pleite – trotz Milliardenhilfen vom Internationalen Währungsfonds. Wieder steckt Argentinien in einer tiefen Wirtschaftskrise mit Kapitalflucht, hoher Inflation und bankrottem öffentlichem Haushalt. Ein desaströser Schuldenberg, Kapitalkontrollen, Notschlafstellen und Nahrungsmittelnotstand spiegeln die desolate Situation. Schätzungsweise 15 der 40 Millionen Argentinier haben nicht mehr genug zu essen. Ein Zustand, der nur schwer zu begreifen ist, wenn man bedenkt, dass das Land Nahrungsmittel für etwa 440 Millionen Menschen produziert – also etwa elfmal mehr, als es Einwohner hat. Doch Inflation und Abwertung der Währung haben dazu geführt, dass sich viele Menschen Nahrungsmittel nicht mehr leisten können. Eine schnelle Änderung der Situation ist nicht in Sicht. Das ist schrecklich für die Bevölkerung. Für Unternehmen und ausländische Kapitalgeber stellt Argentinien unter diesen Bedingungen keine Option für Investitionen dar, die das Land allerdings dringend nötig hätte – ein Teufelskreis.

Es gibt keine Garantie für Wohlstand, politische Stabilität ist jedoch förderlich.

Die historischen Entwicklungen des Wohlstands in der Welt machen deutlich, dass die reichsten Länder der Welt keine Garantie besitzen, ihren Wohlstand halten zu können. Das gilt auch für die Schweiz. Im Gegenzug heisst das für die ärmsten Länder der Welt: Sie sind nicht dazu verurteilt, für immer in Armut zu leben. Doch viele Länder in der Welt befinden sich in einer hartnäckigen und schwer zu entkommenden Armutsfalle. Zahlreiche Länder der sogenannten Dritten Welt sind arm, weil sie politisch instabil sind, andererseits sind sie politisch instabil, weil sie arm sind. Gelingt es, ein stabiles politisches System aufzubauen, öffnet sich gerade für arme Länder ein beträchtliches Wachstumspotential mit enormen Rückwirkungen auf die Lebensbedingungen und Lebenschancen ihrer Bewohner. Der wohl grösste Hebel heisst Bildung – womit wir europäisch gesprochen wieder beim Ursprung der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung der letzten beiden Jahrhunderte sind, nämlich bei der Aufklärung und den darauffolgenden bürgerlichen Revolutionen. Doch gerade auch in Europa sind speziell Länder wie Italien, Frankreich oder gar das «reiche» Deutschland mit starken innenpolitischen Auseinandersetzungen konfrontiert. Es zeigen sich die Folgen einer teilweise fehlentwickelten Globalisierung. Die Bevölkerung spaltet sich zunehmend. Es besteht gar die Gefahr, in eine Art neuer Restauration zurückzufallen – also in eine Zeit vor der Globalisierung. Nur, diese wird es nicht mehr geben. Wenn man als Ursprung der Globalisierung die Zeiten der Seefahrer Ende des 15. Jahrhunderts nimmt, stellt sich die Frage: Wer möchte denn nochmals in dieser ach so wunderbaren Zeit mit Unterernährung, hoher Kindersterblichkeitsrate, bedenklicher Hygiene und schlimmen Krankheiten leben? Niemand möchte wohl mehr auf die positiven Errungenschaften des Welthandels verzichten – von Grundnahrungsmitteln wie


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Populisten nutzen die Sorgen und Ängste der Menschen gnadenlos aus.

invest  01 · 2017 01 · 2020

Kartoffeln, die viele Hungersnöte zu mildern vermochten, bis hin zu technischen High-Tech-Geräten aus dem fernen Asien. Dennoch besteht ein grosser Unmut in der Bevölkerung. Verstärkt wird dieser durch den starken, disruptiven Trend der Digitalisierung. Denn die Digitalisierung bedeutet eben nicht nur, über attraktive Möglichkeiten wie das Smartphone zu verfügen. Sie reformiert, verändert oder zerstört alles Bisherige in einem enormen Tempo und überfordert viele Menschen. So spaltet sich die Gesellschaft nicht nur in arm und reich, urban und ländlich, sondern auch in gebildet und ungebildet. Diese drei grossen Spaltungen sind der Nährboden für populistische Politiker wie Donald Trump. Denn Populisten nutzen die Sorgen und Ängste der Menschen gnadenlos aus und versprechen ihnen vermeintliche Sicherheit mit ihrer Abschottungspolitik. Doch Abschottung ist ökonomisch sinnlos und fördert die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft keineswegs. Es gilt je länger, je mehr, stabile wirtschaftspolitische und ausgleichende Rahmenbedingungen zu schaffen, die alle Teile der Bevölkerung abholen.

Vertrauen als zentrales Element Neben der politischen Stabilität sind für eine nachhaltige und positive wirtschaftliche Entwicklung weitere Faktoren zentral: makroökonomische Stabilität, funktionierende Marktwirtschaft, Unternehmertum, Bildung, wettbewerbsfähige Steuerpolitik, Infrastruktur und vor allem funktionierende Arbeitsmärkte. Gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sind die Grundvoraussetzung für einen produktiven und wettbewerbsfähigen Standort. Das zieht Unternehmen an, die investieren und Arbeitsplätze schaffen und damit für den Wohlstand einen zentralen Beitrag leisten. Dabei spielen gerade in der Schweiz sowohl globale als auch kleine und mittlere Unternehmen eine zentrale Rolle. In den meisten Standortrankings liegt die Schweiz hinsichtlich Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen seit Jahren Grafik 2: Schweizer Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich auf einem der vorderen Plätze. Schweiz Das zeigt sich auch im «Global Institutionen Europa und Nordamerika Competitiveness Report» des Innovation Infrastruktur 6 World Economic Forum. Dieser 5 misst die Wettbewerbsfähigkeit Makroökonomische Unternehmerisches 4 anhand verschiedener Kriterien. Umwelt Umfeld 3 Diese Spitzenplatzierung ist 2 allerdings keine Selbstverständ1 lichkeit, sondern das Ergebnis Gesundheit & Marktgrösse 0 Grundschulbildung eines ständigen politischen und gesellschaftlichen Prozesses. Hier zeigen sich in der Schweiz Technologischer Hochschulbildung & die Vorzüge der direkten DemoWeiterbildung Stand kratie, die es allen Teilen der Bevölkerung ermöglicht, am poliGütermarkteffizienz Finanzmarktentwicklung tischen Prozess teilzunehmen Arbeitsmarkteffizienz und wichtige Entwicklungen mitzugestalten. Quelle: World Economic Forum, acrevis Research.


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Risiko

Politische Stabilität, gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und ein Gleichgewicht in der Gesellschaft sorgen letztlich für Vertrauen – in der Bevölkerung per se sowie speziell bei den Unternehmen. Setzt man das durchschnittliche reale BIP-Wachstum zwischen 2007 und 2016 in Relation zum Vertrauen, ist ein eindeutig positiver Zusammenhang ersichtlich. Das Vertrauen wird dabei mittels Umfragen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit OECD gemessen. Konkret wird in der Bevölkerung gefragt, ob im jeweiligen Land in die Regierung vertraut wird. Wissenschaftliche Studien bestätigen diesen positiven Zusammenhang zwischen dem Vertrauen in politische Institutionen und dem Wirtschaftswachstum. Ein grösseres Vertrauen führt zu höheren Investitionen, tieferen Transaktionskosten und deshalb auch zu mehr Wachstum und einem höheren Einkommen. In einer im «The Economic Journal» publizierten Untersuchung aus dem Jahre 2001 zeigen Paul J. Zak und Stephen Knack, dass das durchschnittliche Wachstum um 1 Prozent steigt, wenn das Vertrauen um 15 Prozent ansteigt. Paul J. Zak ist Neuroökonom und Buchautor. In einem seiner neusten Werke «Trust Factor» geht es in erster Linie um die Entwicklung einer positiven Unternehmenskultur. Darin beschreibt Zak auf eindrückliche Art und Weise den chemischen Mechanismus zur Vertrauensbildung im Gehirn. Grafik 3: Je grösser das Vertrauen, desto höher das Wachstum 4

Indonesien Polen

Türkei

Kolumbien

2

Südkorea Costa Rica

Slowakei Irland

Chile

Litauen

Wachstum

Israel Deutschland Mexiko

USA

Russland

Tschechien Kanada

Belgien

Japan

Schweiz

0 Slowenien

Norwegen

Spanien

Finnland

Asien und Pazifik Europa und Zentralasien

Italien

Lateinamerika und Karibik -2

Griechenland

Mittlerer Osten und Nordafrika Nordamerika

-20

-10

0 Vertrauensänderung

Quelle: OECD, Weltbank, acrevis Research.

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Wenn jemand vertraut, ströme das «Wohlfühlhormon» Oxytocin durch das Gehirn. Es senkt den Spiegel des Stresshormons Cortisol und wirkt auf diese Weise beruhigend und angstlösend. Aktuell ist das Weltgeschehen – spätestens seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten – äusserst stark politisch geprägt mit verschiedenen Unruheherden rund um den Globus. Das fördert das Vertrauen in die Zukunft nicht besonders. Fehlt es und sind die politischen Entwicklungen nur schwer absehbar, ja gar unberechenbar, werden die Investitionen der Unternehmen zurückgefahren. Das manifestiert sich letztlich in einer tieferen Wachstumsrate. Hier hilft auch eine erhöhte Produktion von Wohlfühlhormonen wenig.

Unsicherheit ist und bleibt ein treuer Begleiter.

Umgang mit Risiken Die geopolitischen Auseinandersetzungen verunsichern Bevölkerung, Unternehmen und Anleger zugleich. Zum einen stellt sich die Frage, wie lange dieser Zustand noch andauert, zum anderen – und das ist wohl die wichtigere Frage –, wie mit dieser Situation umzugehen ist. Angst und Unsicherheit führen beim Menschen seit jeher zu drei grundlegenden Verhaltensweisen: Angriff, Flucht oder Erstarren. Das ist tief in der evolutionären Geschichte des Menschen verankert. Während früher zu Zeiten der Jäger und Sammler die Angst vor gefährlichen Tieren vorherrschte, sind es heute neben grundsätzlichen Existenzängsten Figuren wie Trump, Putin oder Kim Jong Un. Doch Angst ist und war schon immer ein schlechter Begleiter. Zumal der Mensch meist nach vollkommener Gewissheit strebt. Fakt ist allerdings, dass alle Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden. Sei es beim Autokauf, bei der Geldanlage, ja sogar bei der Überquerung einer Strasse. Nie kennen wir alle Konsequenzen und Umstände, die mit unseren Handlungen verbunden sind. Es ist unmöglich, immer alle relevanten Faktoren zu kennen. Deshalb spielt die Einstellung zu Risiken oder, wie Ökonomen sagen, die Risikopräferenz eine zentrale Rolle im menschlichen Verhalten. Seit Menschen bestehen, ist Unsicherheit ein treuer Begleiter und sie wird stets ein treuer Begleiter bleiben. Unsicherheit bedeutet auch, einen passenden Umgang mit Risiken zu finden. Dabei spielen ökonomische, insbesondere aber psychologische Aspekte eine Rolle. In keinem Thema hat ein irrationalerer Umgang einen so grossen Einfluss wie beim Thema Risiko. Das belegen verhaltensökonomische Studien, die klar zeigen, dass der Mensch gerade im Einschätzen von Risiken sehr schlecht ist. Einerseits fehlt das Wissen und andererseits lassen sich viele durch irrelevante Informationen – sogenannte Hintergrundgeräusche – irritieren und entscheiden aufgrund von Emotionen und Gefühlen. Gerade das Gezwitscher des US-Präsidenten gehört vielfach zu den irrelevanten Hintergrundgeräuschen.


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Risiko

Wissen fördert Vertrauen Vielfach rührt ein irrationales Verhalten auch daher, falsch informiert zu sein. Auch wenn es in Zeiten von künstlicher Intelligenz und Big Data zunehmend schwieriger ist, die Echtheit von Informationen zu erkennen, fördert ein tieferes oder breiteres Wissen das Vertrauen. Gerade im Thema Anlegen, das mit dem anhaltenden Tiefzinsumfeld für einen nachhaltigen Vermögensaufbau immer wichtiger geworden ist, herrscht eine Flut von Fehlinformationen. Wie gut oder schlecht das Finanzwissen in einer Gesellschaft ist, wird in der Wissenschaft im noch jungen Forschungsbereich der «Financial Literacy» untersucht. Eine Studie aus dem «Journal of Political Economy» mit dem Titel «Optimal Financial Knowledge and Wealth Inequality» der Autoren Annamaria Lusardi, Pierre-Carl Michaud und Olivia S. Mitchell aus dem Jahre 2017 zeigt erschreckende Resultate. Auch in der Schweiz, wo jeder Bürger überdurchschnittlich viele Finanzentscheidungen selbständig zu fällen hat, ist der Anteil der Bevölkerung mit einem soliden Finanzwissen mit 14 Prozent äusserst tief. Das heisst, nur 14 Prozent der Befragten waren in der Lage, die fünf definierten Fragen zum Finanzwissen korrekt zu beantworten. Dabei fehlt es an grundlegendem Wissen über Verzinsung, Inflation oder ein mehrheitlich immer wieder falsch verstandenes Konzept der Diversifikation. In Anbetracht des nach wie vor und wohl noch lange anhaltenden Tiefzinsumfelds und des einhergehenden Anlagenotstands stellt sich die Frage: Ist die Bevölkerung gewappnet für die zukünftigen Herausforderungen? Die demografische Veränderung und die zunehmende Alterung bringen nicht nur die traditionellen Vorsorgewerke unter Druck, sondern stellen auch jeden Einzelnen vor die Herausforderung der Finanzierung der längeren Lebensphase. Es ist längst an der Zeit, selbstverantwortlich und nachhaltig vorzusorgen. Das ist das Erbe der Aufklärung, so wie es Immanuel Kant verstand: «Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.» Und zuletzt gilt: Wer den Risiken einer ungewissen Welt begegnen will, muss bereit sein, Fehler zu machen.

Sich der eigenen Ziele bewusst zu werden ist äusserst hilfreich.

Ziele geben Orientierung Veränderungen verunsichern. Das ist verständlich. Vor allem, wenn eine grosse Portion Unberechenbarkeit mitspielt. Sich bewusst zu werden, worum es eigentlich im eigenen Leben geht und welche Ziele man verfolgt, kann in einer sich stark wandelnden Zeit sehr hilfreich sein. Das gibt eine Art Orientierungshilfe in einer durch Unsicherheit geprägten Welt. Zudem gilt: Wer vorwärtskommen will, gesellschaftliche wie persönliche Herausforderungen bewältigen und Wünsche erfüllen möchte, hat Ziele. Andere haben Gründe, warum etwas nicht funktionieren kann. Um diese Ziele zu erreichen, benötigt man einen Plan – im Anlagefachjargon eine Strategie. Denn ein Ziel ohne einen Plan ist nur ein Wunsch. Doch wie gelingt einem das in diesem


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Zielbasiertes Anlegen hilft, Lebensziele zu erreichen.

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aktuell von hoher Unsicherheit geprägten Umfeld? Das Erfolgsrezept für die Anleger ist relativ simpel: Ziele definieren, einen Plan haben, wie die Ziele erreicht werden sollen, sowie das Vermögen entsprechend strukturieren und sich so für die Zukunft vorbereiten. Denn wie der griechische Staatsmann und General Perikles schon vor 2500 Jahren festgehalten hat, geht es nicht darum, die Zukunft vorherzusagen, sondern sich darauf vorzubereiten. Mit dem Konzept des Zielbasierten Anlegens werden mittels eines Anlageplans nicht nur die Lebensziele finanziert, es ermöglicht auch, nur so viel Risiken einzugehen, wie für die Zielerreichung notwendig ist.

Rückbesinnung auf alte Werte Das grosse Ziel der Menschheit heisst Wohlstand für alle. Die Ziele jedes Einzelnen können sehr unterschiedlich sein. Aktuell scheint das Erreichen verschiedenster Ziele herausfordernd. Die vermeintliche Krise der Gegenwart ist vielleicht auch nur aus unserer heutigen Sichtweise eine Krise. Im Rückblick könnte unsere Epoche auch als klärende Zeit in die Geschichte eingehen, indem wichtige Weichenstellungen vorgenommen wurden. Und letztlich ist jede Krise von beschränkter Zeit. Jede neue Krise macht uns Sorge, bis wir sie vergessen haben. Was wurde eigentlich aus dem Rinderwahnsinn, der Vogel- oder Schweinegrippe? Der Mensch hat die Begabung zu verdrängen. Das ist in manchen Fällen gut, in anderen schlecht. Gerade die Finanzkrise führte zu einer massiven Einschüchterung der Anleger – und zwar bis heute. Mit der Konsequenz, dass viele die Chancen an den Finanzmärkten nicht wahrgenommen haben. Gerade im Bereich der Vorsorge ist das fatal. Die aktuelle Börsenhausse ist nicht nur die längste der Geschichte, sondern auch eine, die so misstrauisch betrachtet wurde wie keine andere. Es ist Zeit für eine Rückbesinnung auf alte, bewährte Konzepte, Wertvorstellungen und Tugenden, die in Europa und in der westlichen Welt Garant waren für Frieden, Wachstum und Wohlstand. Was der Schweiz bereits 1848 gelang, wofür andere Länder noch lange brauchen werden, nämlich zu einer Demokratie zu werden, lag an der visionären Weitsicht und auch Risikobereitschaft jener Männer, die in wenigen Wochen eine Verfassung entwarfen. Nur eines macht ein Ziel unerreichbar: die Angst vor dem Versagen. Doch letztlich ist das Geheimnis des Glücks die Freiheit und das Geheimnis der Freiheit ist der Mut. Das wusste vor langer Zeit schon Perikles. Pioniergeist ist gefragt – als Einzelperson wie auch in der Gesellschaft. Wie in der Schweiz um 1848 herum. Weitsichtig und verantwortungsvoll das Heft selbst in die Hand zu nehmen. Gerade der Mensch hat in der Vergangenheit immer bewiesen, dass er dank zufälliger oder genialer neuronaler Verbindungen im Gehirn in der Lage ist, grosse Herausforderungen zu bewältigen. Die Zukunft wird vom Menschen geschrieben, doch wer bestimmt den Text?


Ihr Vermögensweg «Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.» Zitat von Albert Einstein

Damit Anleger gut auf die Zukunft vorbereitet sind, ist es essentiell, dass sie möglichst früh ihre persönlichen Ziele definieren und daraus die Anlagestrategie ableiten. Mit dem Zielbasierten Anlegen werden mittels eines Anlageplans nicht nur die Lebensziele finanziert, es

Ferienhaus

ermöglicht auch, nur so viele Risiken einzugehen, wie für die Zielerreichung notwendig ist. Haus

Heirat

Wohnung Verlobung

Weiterbildung

Weltreise Job

Geburt Schule


Familie

Enkelkinder

Pension

Zielerreichungsgrad (Beispiel) 350’000 CHF

300’000 CHF

250’000 CHF

200’000 CHF

150’000 CHF

100’000 CHF

50’000 CHF

0 CHF 2020

2025

2030

2035

2040

2045

2050

2055

Ruhestand Ziele Neue Küche (40’000 CHF)

Zielerreichung

Fehlbetrag 0 CHF

Pflegefinanzierung (8’000 CHF p.m.)

102’600 CHF

Reguläre Pensionierung (5’000 CHF p.m.)

277’900 CHF

Mit dem Zielbasierten Anlegen haben Sie Ihre persönlichen Ziele (Küche, Pension, Pflegefinanzierung) im Überblick und wissen stets, ob diese erreichbar sind und wo Handlungsbedarf besteht.


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Makro und Märkte

«Durchwursteln?!» Hält ein Konjunkturzyklus derart lange an wie der aktuelle, kommt Skepsis auf. Selten war ein Aufschwung so unbeliebt wie der aktuelle. Geschuldet ist dies dem Ausgangspunkt 2008, der schwersten Finanzkrise seit der Grossen Depression in den 1930er-Jahren. Trotzdem entwickelten sich die Finanzmärkte positiv. Doch wie lange noch?

von Alessandro Sgro

«Im Westen nichts Neues», so heisst ein Roman von Erich Maria Remarque, der die Schrecken des Ersten Weltkrieges schildert. Die Metapher kann auch herangezogen werden, um die Konjunkturaussichten zu beschreiben. Nicht der Schrecken wegen, vielmehr weil sich an der Grosswetterlage im Vergleich zum Vorjahr nichts gross verändert hat. Zwar zeigen sich bei gewissen Frühindikatoren Lichtblicke für eine positivere Entwicklung. Doch die verschiedenen bekannten Risikoherde mit dem Handelskonflikt, geopolitischen Spannungen in Hongkong oder dem Iran, mit dem Brexit und der weltweit hohen Verschuldung lassen kein stärkeres Wirtschaftswachstum zu. Speziell ein weiter eskalierender sino-amerikanischer Handelskonflikt könnte das Investitionsverhalten der Unternehmen noch stärker bremsen, den Auftragseingang negativ beeinflussen und letztlich auf die Erfolgsrechnung drücken. Die ausgelaufene Ertragssaison im vierten Quartal hat allerdings gezeigt, dass die Aussichten mittelfristig nicht so schlecht sind, wie viele Schlagzeilen der letzten Zeit befürchten liessen. Für das Jahr 2020 gehen wir von einem moderaten Wachstum aus. Trotz anhaltender Schwäche der aktuellen makroökonomischen Daten und zahlreicher politischer Risiken geht das vergangene Anlagejahr als starkes Haussejahr in die Geschichte ein. So entwickelten sich alle wichtigen Anlageklassen äusserst erfreulich. Einen grossen Anteil daran haben die Zentralbanken, die immer wieder eingesprungen sind, als das Schreckgespenst der Rezession umhergeisterte. Sollte das Wirtschaftswachstum das derzeitige historisch niedrige Tempo aufrechterhalten und die Rentabilität der Unternehmen weiter unterschätzt werden, dürften die Aktienmärkte weiter steigen. Solange das Tiefzinsumfeld anhält, sind neben einer breiten Diversifikation vor allem Realwerte wie Aktien, Immobilien oder Edelmetalle gefragt.


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Autoren

Alessandro Sgro Asset Management und Research

Sandro Schibli Bereichsleiter Private Banking Sandro Schibli bringt über dreissig Jahre Erfahrung in der Anlageberatung mit. Als ausgewiesener Fachmann im Asset Management ist er Mitglied des Anlagekomitees. Sandro Schibli ist diplomierter Finanzanalytiker und Vermögensverwalter.

Alessandro Sgro ist bei acrevis zuständig für das Research und Advisory sowie für die Finanzpublikationen. Er verfügt über einen Masterabschluss der Universität Bern in Betriebs- und Volkswirtschaftslehre mit Vertiefung Corporate Finance und Finanzmarkttheorie. Alessandro Sgro ist Mitglied des Anlagekomitees.

Die Inhalte dieser Publikation entsprechen dem Stand vom 27. November 2019.

RECHTLICHE HINWEISE : Die Informationen in dieser Publikation wurden durch die acrevis Bank AG zusammengetragen und stammen aus Quellen, welche wir für zuverlässig erachten. Trotzdem können wir weder für ihre Vollständigkeit noch Richtigkeit garantieren. Dieses Dokument kann nicht die persönlichen Anlageziele und finanziellen Verhältnisse jedes Anlegers berücksichtigen. Sollten Ihnen bei Entscheidungen, die auf Basis dieser Publikation gefällt werden, irgendwelche Zweifel aufkommen, wenden Sie sich bitte an Ihren persönlichen Anlageberater. Wir weisen Sie darauf hin, dass Aktien und Optionsscheine risikobehaftete Finanzinstrumente darstellen, aus denen im schlimmsten Fall ein Totalverlust resultieren kann. Im Weiteren verweisen wir Sie auf unsere Risikobroschüre, die Sie jederzeit bei uns beziehen können.


­ crevis Bank AG a Marktplatz 1 CH-9004 St.Gallen Tel. 058 122 75 55 Fax 058 122 75 50 info@acrevis.ch www.acrevis.ch

«acrevis invest», das Anlegermagazin der acrevis Bank AG, wird klimaneutral produziert und hat dafür das entsprechende Gütesiegel von «swiss climate» erhalten. Diese Stiftung entwickelt und unterstützt weltweit hochwertige Klimaschutzprojekte.

Wenden Sie sich für weitere Informationen an unsere Beraterinnen und Berater unter 058 122 75 55 oder an info@acrevis.ch St.Gallen • Gossau SG • Wil • Wiesendangen • Bütschwil • Rapperswil-Jona • Pfäffikon SZ • Lachen SZ


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