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James Bishop

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J A M E S B I S H O P

Malerei auf Papier Paintings on paper


EMOTIONALES BETRACHTEN

Erich Franz

ZU DEN KLEINFORMATIGEN MALEREIEN VON JAMES BISHOP

Wie könnte man die große Faszination beschreiben, die James Bishops kleine Bilder auf Papier vermitteln? Von 1961 an entstanden die intimen Malereien –- nicht viele, wenn man sie auf die langen Jahrzehnte bezieht, oft gab es jahrelange Pausen. Seltene, stille Kostbarkeiten. Aber auch: komplexe Räume. Gemalt sind sie auf Papier in einer Größe zwischen 15 und 30 Zentimetern, manche sogar noch kleiner. Sie sind bescheidener als Bishops großformatige sanfte Gemälde –jedes von ihnen umfasst zwei mal zwei Meter –-, die zwischen 1963 und 1986 flach auf dem Boden liegend entstanden. Innerhalb geometrisch eingeteilter Felder verfloss dünnflüssige Ölfarbe durch Anheben der Leinwand so gleichmäßig, dass sich die Farbe in ihrer Dichte steigerte und dennoch ganz still dabei blieb. Die kleinen Malereien sind nicht Zeichnungen oder Aquarelle, sondern wirkliche Gemälde. Einige entstanden bereits in den 1960 er- und 70 er-Jahren, aber seit Ende der 1980 er beschränkte Bishop sich ausschließlich auf diese winzigen Arbeiten, die ihn »einfach mehr interessierten«. In den ausführlichen Antworten auf Fragen von Dieter Schwarz bekannte Bishop 1993 : »Die Arbeiten auf Papier sind die Fortsetzung der Gemälde, denn sie werden auf dieselbe Weise gemalt, flach auf dem Tisch; es gibt auch Monotypien, die dann zu Gemälden wurden. Manchmal begann ich mit einem Papier und sah wochenlang nicht, was es noch brauchte, im Gegensatz zu den großen Bildern, die alle in einem Zug fertiggestellt wurden. Ich setzte die Arbeit an den kleinen Papierarbeiten fort, und zwar einfach aus dem Grund, weil ich stärker daran interessiert war, was ich mit diesem Format tun konnte, indem ich mit der Hand statt mit dem Arm schrieb. Ich glaube, es war vor allem, weil ich auf diese Weise etwas machen konnte, das mir viel persönlicher, subjektiver und möglicherweise eigenständiger schien und das mich einfach mehr interessierte. Bei einem großen Bild wußte ich im voraus eher, wie es werden sollte. Die kleinen Malereien überraschten mich oft; meistens sind sie vielschichtiger.« 1 LA CLEF DE L’HORLOGE, FOR MB o. J. / n. d.

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EMOTIONALES BETRACHTEN

Erich Franz

ZU DEN KLEINFORMATIGEN MALEREIEN VON JAMES BISHOP

Wie könnte man die große Faszination beschreiben, die James Bishops kleine Bilder auf Papier vermitteln? Von 1961 an entstanden die intimen Malereien –- nicht viele, wenn man sie auf die langen Jahrzehnte bezieht, oft gab es jahrelange Pausen. Seltene, stille Kostbarkeiten. Aber auch: komplexe Räume. Gemalt sind sie auf Papier in einer Größe zwischen 15 und 30 Zentimetern, manche sogar noch kleiner. Sie sind bescheidener als Bishops großformatige sanfte Gemälde –jedes von ihnen umfasst zwei mal zwei Meter –-, die zwischen 1963 und 1986 flach auf dem Boden liegend entstanden. Innerhalb geometrisch eingeteilter Felder verfloss dünnflüssige Ölfarbe durch Anheben der Leinwand so gleichmäßig, dass sich die Farbe in ihrer Dichte steigerte und dennoch ganz still dabei blieb. Die kleinen Malereien sind nicht Zeichnungen oder Aquarelle, sondern wirkliche Gemälde. Einige entstanden bereits in den 1960 er- und 70 er-Jahren, aber seit Ende der 1980 er beschränkte Bishop sich ausschließlich auf diese winzigen Arbeiten, die ihn »einfach mehr interessierten«. In den ausführlichen Antworten auf Fragen von Dieter Schwarz bekannte Bishop 1993 : »Die Arbeiten auf Papier sind die Fortsetzung der Gemälde, denn sie werden auf dieselbe Weise gemalt, flach auf dem Tisch; es gibt auch Monotypien, die dann zu Gemälden wurden. Manchmal begann ich mit einem Papier und sah wochenlang nicht, was es noch brauchte, im Gegensatz zu den großen Bildern, die alle in einem Zug fertiggestellt wurden. Ich setzte die Arbeit an den kleinen Papierarbeiten fort, und zwar einfach aus dem Grund, weil ich stärker daran interessiert war, was ich mit diesem Format tun konnte, indem ich mit der Hand statt mit dem Arm schrieb. Ich glaube, es war vor allem, weil ich auf diese Weise etwas machen konnte, das mir viel persönlicher, subjektiver und möglicherweise eigenständiger schien und das mich einfach mehr interessierte. Bei einem großen Bild wußte ich im voraus eher, wie es werden sollte. Die kleinen Malereien überraschten mich oft; meistens sind sie vielschichtiger.« 1 LA CLEF DE L’HORLOGE, FOR MB o. J. / n. d.

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EMOTIONAL VIEWING

Erich Franz

ON JAMES BISHOP’S SMALL-FORMAT PA I N T I N G S

How can one describe the fascination exerted by James Bishop’s small-format works on paper? He began producing these intimate paintings in 1961 ——not many, in view of the several decades in which they were made, and with protracted breaks in between. Rare, tranquil treasures they are. But also complex spatially. They are executed in oil on sheets of paper measuring between fifteen and thirty centimeters, sometimes even smaller. They are less assuming than Bishop’s serene, large-scale paintings——two by two meters each——created between 1963 and 1986 and painted flat on the floor. Within geometrically arranged fields, thin oil paint was made to flow by lifting one side of the canvas, so uniformly that the color was heightened in intensity without sacrificing its quiet presence. Rather than being drawings or sketches, these small works are truly full-fledged paintings. A few were made in the 1960 s and 1970 s, yet since the late 1980 s Bishop has concentrated solely on these understated images, which “just interested me more.” In his detailed replies to questions posed by Dieter Schwarz in 1993 , Bishop explained: “The works on paper are a continuation of the paintings, they’re painted the same way, flat on the table; there are also monotypes that then turned into paintings. Sometimes I started one and didn’t see what it needed for several weeks, unlike the large paintings, which were all finished in one session. I went on making little works on paper, but it was simply because I was more interested in what I could do with this size, writing with the hand rather than with the arm. I think mostly it was that I could make something that seemed to me much more personal, subjective, and possibly original, and that just interested me more. I knew more beforehand with a large painting what it was supposed to be. The small ones often surprised me; mostly they are more complex.” 1

OHNE TITEL - UNTITLED ca. 1980

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EMOTIONAL VIEWING

Erich Franz

ON JAMES BISHOP’S SMALL-FORMAT PA I N T I N G S

How can one describe the fascination exerted by James Bishop’s small-format works on paper? He began producing these intimate paintings in 1961 ——not many, in view of the several decades in which they were made, and with protracted breaks in between. Rare, tranquil treasures they are. But also complex spatially. They are executed in oil on sheets of paper measuring between fifteen and thirty centimeters, sometimes even smaller. They are less assuming than Bishop’s serene, large-scale paintings——two by two meters each——created between 1963 and 1986 and painted flat on the floor. Within geometrically arranged fields, thin oil paint was made to flow by lifting one side of the canvas, so uniformly that the color was heightened in intensity without sacrificing its quiet presence. Rather than being drawings or sketches, these small works are truly full-fledged paintings. A few were made in the 1960 s and 1970 s, yet since the late 1980 s Bishop has concentrated solely on these understated images, which “just interested me more.” In his detailed replies to questions posed by Dieter Schwarz in 1993 , Bishop explained: “The works on paper are a continuation of the paintings, they’re painted the same way, flat on the table; there are also monotypes that then turned into paintings. Sometimes I started one and didn’t see what it needed for several weeks, unlike the large paintings, which were all finished in one session. I went on making little works on paper, but it was simply because I was more interested in what I could do with this size, writing with the hand rather than with the arm. I think mostly it was that I could make something that seemed to me much more personal, subjective, and possibly original, and that just interested me more. I knew more beforehand with a large painting what it was supposed to be. The small ones often surprised me; mostly they are more complex.” 1

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IMPRESSUM COLOPHON

Gestaltung und Produktion / Design and Production Sieveking Verlag, München / Munich Herausgeber / Editors Michael Semff, Gianfranco Verna Lektorat / Editing Tamara Al Oudat (Deutsch / German), Rebecca van Dyck (Englisch / English) Übersetzung / Translation John Gabriel (Erich Franz, Michael Semff), Uta Hasekamp (Molly Warnock) © 2018 Sieveking Verlag, München / Munich © 2018 James Bishop und / and Autoren / authors

Erschienen im / Published by Sieveking Verlag www.sieveking-verlag.de www.sieveking-verlag.com ISBN 978-3-944874-72-2

Printed in Germany

Abbildungsnachweis / Image Credits bpk/The Art Institute of Chicago/Art Resource, New York (S./pp. 65 –75 ) bpk/CNAC-MNAM/Bertrand Prévost (S./pp. 58 , 59 ) Christopher Burke Studios, LLC, New York (S./pp. 61 , 63 ) Foto Giovetto (S./p. 129 ) Lutz Hartmann, SIK ISEA, Zürich (S./p. 117 ) J. P. Kuhn, Zürich (S./pp. 1 0, 7 7, 9 1 , 113 , 115, 120, 124 , 131 ) Matthew Marks Gallery, New York (S./p. 8 8 ) Wilfried Petzi, München (S./p. 111) Peter Schälchli, Zürich (S./pp. 83 , 89, 1 0 1 , 1 03 , 11 6 , 126 , 127, 132, 133 , 135, 137 ) Ansen Seale (S./p. 81 ) SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz) (S./pp. 56 , 57, 79, 12 3 ) Staatliche Graphische Sammlung München (S./pp. 44, 121, 134) Seite /  Page 55 Handschriftliche Notizen / Handwritten notes, James Bishop, 2018 Cover Abbildung Seite 91  / Illustration on page 91 Rückseite / Back cover Zitat aus: »Künstler sollte man weder sehen noch hören. James Bishop im Gespräch mit Dieter Schwarz« /  Quote from: “Artists Should Never Be Seen Nor Heard: James Bishop in Conversation with Dieter Schwarz,” in: Ausst.-Kat. / e xh. cat. Winterthur u. a . / e t al. 1993, Deutsch / G erman S./p. 20 und  / a nd Englisch / E nglish S./p. 36. Porträt des Künstlers / Portrait of the artist Thomas Cugini, Zürich (S./p. 155 )


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