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Andri Pol–Welt

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WELT

ANDRI P L Scheidegger & Spiess


Madame F zieht der Welt die Haut ab Sitzen Sie bequem? Ist die Brille geputzt, wenn Sie eine tragen? Haben Sie Zeit? Sie werden sie brauchen – willkommen im Poliversum, im Reich des Unerwarteten. Es wird, so viel schon einmal vorab, üppig. Sie kriegen mehr, als sie gedacht haben – von allem, oder fast. Die Fotografie hat einen gewaltigen Appetit, und einen noch grösseren Magen. Sie will alles in sich aufnehmen. Das ist ihr Versprechen und gleichzeitig ihr Schlachtruf, seit sie vor 200 Jahren erfunden worden ist: Zeigen, wie es ist. Nein, noch ernster: Zeigen, wie es wirklich ist, vor Ort. Als Joseph Nicéphore Niépce 1826 sein erstes Bild entwickelt, weiss er noch nicht, das daraus 13 Jahre später die Fotografie werden wird. Die war noch nicht einmal ein Jahr alt, als im Juli 1839 ein Artikel in der Wiener Zeitschrift Der Humorist besorgt fragte: «Wer wird künftig noch malen, wenn das Daguerreotyp alle Bilder der Welt heisshungrig verschlingt?» Genau das hat die hungrige Madame F seither gemacht. Das Sichtbare packen und festhalten mit lichtempfindlichen Silbersalzen, zuerst auf Metall (das war die Daguerreotypie), dann auf behandeltem Papier und dann auf Glasplatten, die mit winzigen Körnchen Schellack, dann Kartoffelstärke, dann chemischen Pigmenten überzogen waren. Die Ergebnisse behaupteten, die Sache selbst zu zeigen, auch wenn sie nur Fixiermaterial waren. Kein Zufall vermutlich, dass die beiden Brüder, die 1907 im Photo-Club de Paris ihr Verfahren für die ersten Farbfotos vorstellten, ausgerechnet Lumière hiessen. Alles festhalten mit Licht und dem jeweils neuesten technischen Zeug, das ist Madames Mission. Nach dem Glas kam Zelluloid, dann Nitratfilme, dann Acetatfilme, dann Pixel, immer feiner, immer höhere Auflösung, immer mehr Licht auf die Platte, immer mehr Licht auf den Film, immer mehr Details aufs Papier, in die Speicherkarte, alles festhalten, alles zeigen, Menschen, Tiere, Sensationen, den Himmel, die Erde, die Landschaften, Dinge, Gespenster, alles. In Farbe. Mit allen Details. RAW. Scharf. Noch schärfer, damit das Publikum glauben kann – denn die Fotografie und ihr Publikum haben ein inniges Verhältnis zum Glauben –, dass es die Sache selbst ist, die es da vor sich hat auf Papier und in Form winziger Farbtröpfchen. Von Bluff ist das häufig nur schwer zu unterscheiden, und genau dieses besondere Verhältnis zum Aufschneiden macht Madames Erzeugnisse so aufregend, verlockend und unwiderstehlich. Welt ist trotzdem nicht gerade der bescheidenste Titel für dieses Buch, und noch viel weniger, wenn es erst Band eins ist. Es zeigt auf 624 Seiten eine Auswahl aus Andri Pols Bildern von 1992 bis 2026.


Madame F zieht der Welt die Haut ab Sitzen Sie bequem? Ist die Brille geputzt, wenn Sie eine tragen? Haben Sie Zeit? Sie werden sie brauchen – willkommen im Poliversum, im Reich des Unerwarteten. Es wird, so viel schon einmal vorab, üppig. Sie kriegen mehr, als sie gedacht haben – von allem, oder fast. Die Fotografie hat einen gewaltigen Appetit, und einen noch grösseren Magen. Sie will alles in sich aufnehmen. Das ist ihr Versprechen und gleichzeitig ihr Schlachtruf, seit sie vor 200 Jahren erfunden worden ist: Zeigen, wie es ist. Nein, noch ernster: Zeigen, wie es wirklich ist, vor Ort. Als Joseph Nicéphore Niépce 1826 sein erstes Bild entwickelt, weiss er noch nicht, das daraus 13 Jahre später die Fotografie werden wird. Die war noch nicht einmal ein Jahr alt, als im Juli 1839 ein Artikel in der Wiener Zeitschrift Der Humorist besorgt fragte: «Wer wird künftig noch malen, wenn das Daguerreotyp alle Bilder der Welt heisshungrig verschlingt?» Genau das hat die hungrige Madame F seither gemacht. Das Sichtbare packen und festhalten mit lichtempfindlichen Silbersalzen, zuerst auf Metall (das war die Daguerreotypie), dann auf behandeltem Papier und dann auf Glasplatten, die mit winzigen Körnchen Schellack, dann Kartoffelstärke, dann chemischen Pigmenten überzogen waren. Die Ergebnisse behaupteten, die Sache selbst zu zeigen, auch wenn sie nur Fixiermaterial waren. Kein Zufall vermutlich, dass die beiden Brüder, die 1907 im Photo-Club de Paris ihr Verfahren für die ersten Farbfotos vorstellten, ausgerechnet Lumière hiessen. Alles festhalten mit Licht und dem jeweils neuesten technischen Zeug, das ist Madames Mission. Nach dem Glas kam Zelluloid, dann Nitratfilme, dann Acetatfilme, dann Pixel, immer feiner, immer höhere Auflösung, immer mehr Licht auf die Platte, immer mehr Licht auf den Film, immer mehr Details aufs Papier, in die Speicherkarte, alles festhalten, alles zeigen, Menschen, Tiere, Sensationen, den Himmel, die Erde, die Landschaften, Dinge, Gespenster, alles. In Farbe. Mit allen Details. RAW. Scharf. Noch schärfer, damit das Publikum glauben kann – denn die Fotografie und ihr Publikum haben ein inniges Verhältnis zum Glauben –, dass es die Sache selbst ist, die es da vor sich hat auf Papier und in Form winziger Farbtröpfchen. Von Bluff ist das häufig nur schwer zu unterscheiden, und genau dieses besondere Verhältnis zum Aufschneiden macht Madames Erzeugnisse so aufregend, verlockend und unwiderstehlich. Welt ist trotzdem nicht gerade der bescheidenste Titel für dieses Buch, und noch viel weniger, wenn es erst Band eins ist. Es zeigt auf 624 Seiten eine Auswahl aus Andri Pols Bildern von 1992 bis 2026.


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1–228 Der Schweizer Fotograf Andri Pol prägt seit vielen Jahren mit Reportagen und Porträts die Bildwelten renommierter Zeitschriften wie Zeit Magazin, Stern oder Das Magazin mit. Seine Fotografien eröffnen überraschende Perspektiven auf gesellschaftliche, kulturelle und politische Realitäten. Dieser Band versammelt rund 450 Fotografien aus mehr als drei Jahrzehnten, entstanden rund um den Globus, mit Schwerpunkten in der Schweiz, in Japan und China. Begleitet von Texten des Historikers Valentin Groebner lädt er dazu ein, die Welt durch Andri Pols unverwechselbaren fotografischen Blick neu zu entdecken. For many years, Swiss photographer Andri Pol has been shaping the visual worlds of renowned magazines such as Zeit Magazin, Stern, and Das Magazin with his photo essays and portraits. His photographs offer surprising perspectives on social, cultural, and political realities. This volume brings together some 450 photographs taken over more than three decades around the globe, with a focus on Switzerland, Japan, and China. Accompanied by texts by historian Valentin Groebner, it invites readers to rediscover the world through Andri Pol’s distinctive photographic vision. Printed in Germany ISBN 978-3-03942-345-3

9 783039 423453


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Andri Pol–Welt by ACC Art Books - Issuu