Missions-Taube 1891

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„Ja“, ſagte die älteſte zur zweiten Schweſter, „das ift nod) Achtung vor dem wunderlichen Volk des Abendlandes hatte, ein Austveg”, und dann flüſterte ſie ihr noch etivas zu von welchem zu Zeiten ja wirkliche Heilwunder gelungen waren. einem leßten Ausweg, und fand damit Anklang. Darauf So kam alſo der Miſſionar in dieſe Todeskammer, wo liefen fie cin. freilid) nichts mehr zu heilen war an den ſtarren Leichen. Am Morgen verſuchten fie cinen Anlauf auf den Bru- Aber erzählen ließ er ſich von den jungen Seelen, und mitder, der aber war ſchon recht ärgerlich, daß ſie ſo viel wuß- weinen konnte er unter all den Weinenden, und dann im ten von dem, tvas ihnen bevorſtand. „Eine Verlobung ab- Geiſte überſchauen, was fid) alles noch geſtern hätte thun brechen? ihr müßt doch wiſſen, daß das rein unmöglich iſt. laſſen an den Hingeſchiedenen, und was heute den UeberNein, davon kann nicht die Nede ſein. Mir iſt's freilich lebenden an's Herz zu legen wäre. Wie man das Erdenleid um euch, aber ihr müßt es eben tragen, das ift nun eine leben ſammt all ſeinen Sorgen und Aengſten eben anzumal euer Schickſal.“ Nachdem er fortgegangen war, kamen nehmen habe als ein Mittel, durch welches unſer himmliſcher die Tanten herbei und tröſteten: „Glaubet nur, ihr kommt Vater ſeine Kinder in die ewige Heimath führt, wenn ſie auch darüber hinweg. Natürlih am Anfang klingt das ſich geduldig an ſeine Hand halten. — Ach, daß das Wort alles ſehr traurig, aber mit der Zeit wird's erträglich, und ihnen nicht geſagt war: „Gott iſt die Liebe!“ vielleicht bald. Frauen werden einmal nie ganz glücklich in (Miſſionsbl. für Kinder.) dieſer Welt.” Es ivar ein ermüdender Tag, und die drei Schweſtern waren froh, als er zu Ende ging. Sie waren jest wieder Zeichen der Zeit. beiſammen in ihrer Kammer, fie wollten ſih ja zur Ruhe begeben. — Aber was machen ſie da? Sie ziehen ihre ſ{hönJn Liverpool, England, beſteht cine Geſellſchaft von ſten Kleider hervor, ſuchen den feinſten Shmu> zuſammen. 25 Engländern, die den Koran zu ihrer Glaubensregel anSie kleiden ſich an und zieren ſich ſorgfältig aus. Wollen fie genommen haben. Sie ſammeln Gelder zur Ausbreitung etiva ſehen, wie ſie ſich im Hochzeitsſtaat ausnehmen würder muhamedaniſchen Religion. Die Chriſten fangen an, den? Ach nein! dazu ſehen fie viel zu ernſt und düſter aus. Und nicht bloß die zwei älteſten, auh die zarte Meimei Muhamedaner und Heiden zu werden. Jn Paris gibt es \{hmiegt fid) an fie an, umarmt ſie krampfhaft und will in Verehrer Buddhas. Sie haben einen großen Saal zu ihrer keiner Weiſe ſich von ihnen trennen laſſen. Wohl ſchlagen heidniſchen Gößenfeier eingerichtet, tvo fie am Sonntagſie ihr anfangs ihre Bitte ab, allein, wie ſie weint und bet- Morgen ihre heidniſchen Gößenfeſte feiern, denen ſelbſt ein telt, laſſen ſie ihr den Willen. Die älteſte ſagt: „Schlim- Jules Ferry, Jules Simon, der engliſche Botſchafter und Jn Deutſchland hat der mer, als wir's jeht haben, bekommen wir's jedenfalls nicht, viele Gelehrte beiwohnen. und zum mindeſten bleiben wir alle vereint. Wie es drüben chriſtusleugneriſche Proteſtantenverein eine förmliche Miſz Jn Japan iſt, kann niemand uns ſagen ; gerne wüßten wir mehr davon, ſion unter den gebildeten Heiden begonnen. machen ſie den Japanern klar, daß die Bibel nicht Gottes aber wer weiß davon etwas Gewiſſes?!“ Und damit gab Wort ift und verwirren die Chriſtengemeinden. Jn der ſie jeder ihrer Schweſtern ein Stück von dem braunen Stoff, preußiſchen Staatskirche blieben im Jahre 1889 faſt 11,000 den fie in ihrer Hand hielt. Sie ſhlu>ten es hinunter und Ehen ohne kirchliche Trauung, faſt 11,000 Eheſcheidungslegten fid) auf ihr Lager. proceſſe wurden anhängig gemacht und über 30,000 Kinder Als die Strahlen der Morgenſonne in das Schlafgemach blieben ungetauft. Mit Recht ſagt der „Pilger aus Gadj= eindrangen, beleuchteten ſie drei junge Geſichter, welche ſtill ſen“ dazu: „Und dieſe Heiden wachſen groß und fangen an, und weiß dalagen, wie in Marmor gemeißelt. Die herrſih zu fühlen.“ Jn einer Gemeindeſchule in Berlin antlichen Farben der Seiden- und Atlaskleider, in welche die wortete kürzlih ein Knabe im Religionsunterricht: „Ach Mädchen fic) für den Tod gehüllt hatten, glänzten wunderC. S. bar im Sonnenſchein; aber kein Strahl konnte die Schlafen- vas, es gibt gar keinen Gott.“ den wieder eriveden, die vom Wohl und Wehe dieſes Lebens “ — fo wenig erfahren und von der nöthigen Vorbereitung für das nächſte ſo gar nichts gehört hatten. Die Wunder der Wiſſion. Jn kurzer Zeit erklangen durch's Haus die \{rillen Trauerſchreie der gemictheten Leichenkläger, vermiſcht mit Savage Island — die blutige Jnſel — nannte Capitain dem ruhigeren Weinen und Jammern der Tanten und des des grauſamen wegen Geſindes, die alle fühlten, wel eine Lüke in die Reihe der Cook eine der Neuſeeland-Jnſeln Charakters der Eingebornen. Sie waren Menſchenfreſſer Bewohner des Hauſes geriſſen war. Man hatte natürlich Ver= menſchlicher Stufe niedrigſten der auf auc Boten ausgeſandt, um ärztliche Hilfe zu beſchaffen, da- Fund ſtanden chriſtVolkes des Charakter ganze der ift Sebt ſunkenheit. mit verſucht würde, ob ſich keines der Mädchen wieder in's Leben zurückrufen ließe. Dazu hatte man beſonders aud) lich. Die Bibel regiert durhaus. Das Volk hat allein der ‘den fremden Miſſionar hergebeten, weil man doch alle engliſchen Bibelgeſellſchaft für ihre Druckſachen $7500.00

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